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Bestimmung der Nahrungszusammensetzung von wildem und in Aquakultur gehaltenem Lachs möglich

Mehr als die Hälfte der weltweiten Produkte aus Fisch und Meeresfrüchten stammt aus Aquakultur. Die steigende Nachfrage und das gleichzeitige Schwinden der natürlichen Bestände aufgrund von Überfischung sorgen für ein seit Jahrzehnten starkes Wachstum der Aquakulturbranche. Um Kosten und Auswirkungen auf die Wildfischbestände zu reduzieren, werden fleischfressende Fische in der Aquakultur zunehmend mit pflanzlichen Futtermitteln gefüttert. Die veränderte Ernährung der Fische in Aquakultur hat bisher jedoch nicht zu einer Verbesserung von Methoden geführt, mit denen sich die Nahrungsmittelkette eindeutig nachvollziehen lässt. Ein internationales Team unter Leitung von Forschenden der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Kieler Exzellenzclusters „Future Ocean“ hat nun mit dem „stable isotope fingerprinting“ eine neue Methode entwickelt, um Proteinquellen von Lachsen mit hoher Genauigkeit zu identifizieren. Diese lässt Rückschlüsse auf Herkunft und Ernährung von einzelnen Fischen zu. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich in der internationalen Fachzeitschrift Food Chemistry veröffentlicht.

In den vergangenen Jahren haben sich die Futteranteile in der Fischzucht von nur einer Proteinquelle, dem Fischmehl, und nur einer Lipidquelle, dem Fischöl, zu mehreren Dutzend Bestandteilen aus Soja, Insekten, Makroalgen, Muscheln und Hefe gewandelt. Zum Beispiel erhalten seit 2015 konventionell gezüchtete Atlantische Lachse (Salmo salar L.) nur zu 20 Prozent Nahrung aus dem Meer. Vor rund vierzig Jahren lag der Anteil noch bei 90 Prozent. Diese Diversifizierung an Futtermitteln beim Atlantischen Lachs hat dazu beigetragen, Produktionskosten zu senken und den Druck auf die Wildbestände zumindest teilweise zu verringern. Dabei fehlten bisher aber entsprechende Analyseverfahren, die Rückschlüsse auf die gesamte Nahrungsmittelkette und die Herkunft von Lachsen in Aquakultur zulassen. Erstmals ist es nun Forschenden der Uni Kiel und des Exzellenzclusters „Future Ocean“ gelungen, eine neue, wirksame Methode der Authentifizierbarkeit zu entwickeln. Diese wird zunehmend auch von Verbraucherinnen und Verbrauchern gefordert, die stärker nachhaltig produzierte Lebensmittel nachfragen und Transparenz sowie Nachvollziehbarkeit bei der Produktion wünschen.

„Unsere Methode des stable isotope fingerprinting von Aminosäuren hat mehrere Vorteile gegenüber herkömmlichen Methoden. Zum ersten Mal können wir die Herkunft von nach biologischen Standards gehaltenem, von konventionellem und wildem Lachs eindeutig unterscheiden“, erklärt Erstautor Dr. Yiming Wang vom Leibniz Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung an der Universität Kiel. „Wir sind auch in der Lage, Lachse, die mit alternativen Nahrungsbestandteilen wie Insektenmehl und Makroalgen gefüttert werden, von anderen zu unterscheiden“, so Wang weiter. Die neue Methode wird zukünftig dazu beitragen können, dass nachhaltige Aquakulturprodukte in Übereinstimmung mit Standards wie dem EU-Umweltzeichen und anderen ökologischen Zertifizierungsprogrammen hergestellt werden. Das „isotope fingerprinting“ kann weiter unterstützen, die vom Verbraucher geforderte Lebensmittelsicherheit und Produktionstransparenz sicherzustellen.

„Wir freuen uns sehr über unsere Ergebnisse“, sagt Co-Autor Dr. Thomas Larsen vom Leibniz Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung an der Uni Kiel. „Unsere Methode kann sogar noch erweitert werden, um auch andere Meeresprodukte zu authentifizieren. Dies ist ein erster Schritt zur Förderung einer gesunden und umweltverträglichen Aquakultur.“

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Schweinehochhaus auf Chinesisch

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Der chinesische Ferkelproduzent Yangxiang baut Schweineställe auf 7-, 9- oder 13 Stockwerken und nennt Skaleneffekte, Effizienz und gesunde Schweine als Schlüsselfaktoren für seine Entscheidung.

Gegenüber „Pig Progress“ betont der Betreiber, dass Risiko über die Ventilation Krankheitserreger von einem Schweinestall zum nächsten zu transportieren, sei viel geringer als bei einstöckiger Bauweise, wo die Ställe parallel zueinander platziert sind. In den mehrstöckigen Yangxiang-Schweineställen tritt die (gefilterte) Luft seitlich ein und verlässt das Hochhaus etwa 15 m über dem Dach. Eine Vermischung von einströmender Luft findet so nicht statt.

Pro Etage werden 1.000 Sauen gehalten, alle Mitarbeiter arbeiten immer nur auf einer Etage. Eventuell auftretende Krankheiten sollen so auf einer Etage isoliert bleiben.

Derzeit sind zwei Gebäude mit je sieben Stockwerken fertiggestellt. Zwei weitere Gebäude mit neun Geschossen werden im Laufe des Jahres fertiggestellt und in den nächsten zwei Jahren sollen zwei Gebäude mit 13 Stockwerken folgen.

Die Baukosten beziffert der Betreiber gegenüber „Pig Progress“ mit € 2.000 pro Sau, ohne Ferkelfläche. Damit lägen die Investitionen 500 € pro Sau höher als bei konventioneller Bauweise. Die mehrstöckigen Schweineställe haben Pad-Kühlung, Virenfilter sowie eine Klimaanlage.

Yangxiang arbeitet mit nur vier Mitarbeitern pro 1.000 Sauen, verglichen mit bis zu 10 in herkömmlicher Haltung. Die Kosten pro Ferkel beziffert der Betrieb auf € 23,-, den Erlös auf etwa über € 25,-.

Quelle: Pig Progress

Bilder auf der Yangxiang-Homepage

Mycoplasma bovis: Neuseeland keult über 22.000 Rinder

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Weil der Erreger Mycoplasma bovis in Neuseeland noch nicht endemisch vorkommt, hat die Regierung eine Massenkeulung beschlossen. Die Gesamtkosten werden, einschließlich der Entschädigung für betroffene Bauern, mit $ 60 Millionen veranschlagt.

Wie der Erreger ins Land gekommen konnte, ist noch unklar. Mögliche Eintragswege sind der Import von Bullensamen, Kuhembryos, Impfstoffen, Futtermitteln, Maschinen oder lebenden Tieren. Als wahrscheinlichster Weg wird jedoch importierter Samen angesehen.

Mit Mycoplasma bovis behaftetes Fleisch ist für den menschlichen Verzehr zwar geeignet, trotzdem soll das Fleisch der gekeulten Tieren exportiert werden.

Quelle und Link: Science Media Centre, New Zealand

Milchmarkt bleibt fragil

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Nach zwei heftigen Preiskrisen – in den Jahren 2008/09 sowie 2015/16 – bewerten Niedersachsen Milchviehhalter den Markt für Milcherzeugnisse als fragil. „Wir sehen durchaus auch realistische Chancen, die großen Rahmendaten geben keinen Anlass zu Pessimismus“, sagt Jan Heusmann, Vorsitzender des Milchausschusses im Landvolk Niedersachsen. Aktuell gebe es beispielsweise durch eine lebhafte Nachfrage aus Südeuropa sowie dem außereuropäischen Ausland wieder Impulse für Milchprodukte. Davon profitiert in erster Linie der Markt für Milchfett wie Butter oder Sahne, aber auch Käse. Schwieriger dagegen gestaltet sich weiter die Verwertung von Eiweiß. Saisonal steigt die Milchanlieferung nach langjährigen Beobachtungen bis Mai etwas an, Niedersachsens Erzeuger steigern ihre Anlieferung eher verhalten. Hier ist kein großer Mengendruck zu erwarten, das Angebot wird auf dem Markt gut nachgefragt. Probleme bereiten den Erzeugern nach Angaben Heusmanns aber die stetig nach oben korrigierten Anforderungen an die Erzeugung. Dazu zählt er die sogenannte „Ohne“-Deklaration, zum Beispiel ohne Gentechnik, aber auch steigende Anforderungen unter den Aspekten Tierwohl oder Umweltschutz, wie sie nicht zuletzt auch durch die neue Düngeverordnung ausgelöst werden. Daraus ergäben sich in erster Linie für kleinere Tierhalter neue Anforderungen, die sie nicht ohne weiteres umsetzen könnten.

Ein großer Wachstumsmarkt im Milchbereich ist die Biomilcherzeugung. Bundesweit hat sich die Anlieferung im vergangenen Jahr um fast zwanzig Prozent erhöht – für das kleine Segment mit einem Anteil von nur drei Prozent an der gesamten Milchanlieferung ein gewaltiger Schub. Die Erzeugerpreise für Biomilch notieren deutlich über dem für konventionell erzeugte Milch. Allerdings hat sich durch die Ausweitung des Angebotes der Abstand etwas verringert. Das Landvolk empfiehlt allen Milchviehhaltern, die auf Biomilcherzeugung umsteigen wollen, zunächst die Vermarktung der Biomilch an eine entsprechende Molkerei sicherzustellen. Mit einem Preisniveau von 30 bis 35 Cent je Kilogramm konventionell erzeugte Milch erhalten Niedersachsen 8.700 Milcherzeuger derzeit ähnliche Erlöse wie im Vorjahreszeitraum, gegenüber Dezember haben die Auszahlungspreise aber deutlich nachgegeben. „Für eine nachhaltige und wirtschaftliche Milchviehhaltung müssen die aktuellen Auszahlungspreise nun dauerhaft nach oben zeigen“, sagt Heusmann.

Quelle: Landvolk Niedersachsen

Dänisches Tierwohlsiegel erreicht erste Kommunikations-Ziele

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Die Hälfte aller dänischen Konsumenten kennt das neue staatliche Tierwohlsiegel oder hat davon gehört. Damit ist das bei der Einführung im letzten Jahr gesteckte Ziel mehr als erreicht. Als die ersten Produkte im Mai 2017 in den Handel gelangten, rechnete man für Ende 2018 mit einem Bekanntheitsgrad von 40 %. Eine im Auftrag des Veterinär- und Lebensmitteldirektorats von Yougov durchgeführte Untersuchung von Kenntnis, Wissen und Vertrauen ergab, dass derzeit 49 % der Verbraucher das Tierwohlsiegel kennen.

60 % sollten das Tierwohlsiegel bis Ende 2018 vertrauenswürdig finden, lautete eine weitere Zielvorgabe bei der Einführung. Hier lag das Befragungsergebnis bei 67 %.

„Die Dänen finden das Tierwohlsiegel gut. Ich freue mich, dass die Konsumenten durch sachlich basierte Kaufentscheidungen ihren Beitrag zu mehr Tierschutz leisten können. Bereits jetzt kennen viele das Siegel und vertrauen ihm, weshalb ich mich nun verstärkt für die Ausweitung seines Anwendungsbereichs einsetzen werde. Auf diese Weise können die Konsumenten sich beim Einkauf noch stärker für mehr Tierwohl entscheiden. Dies ermöglicht es wiederum den Landwirten, ihren Tierschutz weiter zu verbessern”, erklärt Esben Lunde Larsen, Umwelt- und Lebensmittelminister
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Weitere Ergebnisse der Umfrage:
77 % der Dänen finden Tierwohl wichtig, und eine klare Mehrheit nimmt höhere Preise für Produkte in Kauf, die unter klar auf Tierwohl ausgerichteten Bedingungen erzeugt wurden. Dies gilt für die meisten Fleisch- und Milchprodukte. Bislang umfasst die Tierwohl-Kennzeichnung mit je nach Tierwohl 1-3 Herzen nur Schweinefleisch. Weitere Produkte sind jedoch in Vorbereitung.

Im laufenden Jahr stehen die Arbeiten am Tierwohlsiegel für Hähnchen im Vordergrund: „Kurz vor Weihnachten 2017 kamen Aufschnitt-Produkte vom Schwein mit Tierwohlsiegel auf den Markt. Als Nächstes kommen im Laufe dieses Jahres Hähnchen mit Tierwohlsiegel in den Handel“, sagt Esben Lunde Larsen.

Die Untersuchung umfasst auch einen Vergleich des staatlichen Tierwohlsiegels mit anderen Siegeln.
Erwartungsgemäß haben die ältesten Siegel auch den höchsten Bekanntheitsgrad: ‚Anbefalet af Dyrenes Beskyttelse‘ des Tierschutzbundes (seit 26 Jahren auf dem Markt) sowie die 29 Jahre alte ‚Ø-Marke‘ (Ø für Økologisk/Ökologisch).

Informationen zu den Kriterien des dreistufigen Labels hier.

Quelle: Dänischer Fachverband der Land- und Ernährungswirtschaft

Forscher beleuchten Fliegen als Überträger antibiotikaresistenter Keime

Kuhfladen, Schweinemist, Schlachtabfälle – was für den Menschen eher unappetitlich daherkommt, ist für so manche Fliege im wahrsten Sinne ein gefundenes Fressen. Auch in der Tierhaltung werden viele Antibiotika verwendet, die resistente Keime entstehen lassen. Genau diese nehmen über die Ausscheidungen der Nutztiere auch die Insekten auf. Da Fliegen ebenfalls Kontakt zu Menschen haben, sind sie so ein „idealer“ Überträger von Erregern. Wissenschaftler der Universität Münster haben daher nun gemeinsam mit einem internationalen Team die Bedeutung der Schmutzfliege bei der Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien genauer beleuchtet. In zwei Treffen in Amsterdam und Wien diskutierten sie alle bisher verfügbaren Forschungsarbeiten zum Thema und veröffentlichten ihre Ergebnisse jetzt im Fachmagazin Travel Medicine and Infectious Disease.

Schon 2016 hatte eine münstersche Studie gezeigt: In der ländlich geprägten Region sind bis zu 20 Prozent aller Fliegen mit resistenten Keimen wie Escherichia coli (ESBL-produzierende E.-coli) besiedelt, die beim Menschen beispielsweise starke, schwer zu behandelnde Infektionen auslösen können. „Mit unserer damaligen Arbeit konnten wir nachweisen, dass die Bakterien der untersuchten Fliegen häufig dieselben Resistenzgene trugen wie die Bakterien bei unseren Patienten. Da lag ein Zusammenhang nahe – der bis dahin aber noch nicht sicher belegt war“, erklärt Prof. Frieder Schaumburg vom Institut für Medizinische Mikrobiologie.

Um der Frage nach der Rolle von „filth flies“ („Schmutzfliegen“) – also Fliegen, die Exkremente und verrottendes Material zur Ernährung sowie zur Eiablage nutzen – als Überträger auch anderer antibiotikaresistenter Keime weiter nachzugehen, trafen sich nun Mikrobiologen, Infektiologen, aber auch Veterinärmediziner und Entomologen (Insektenexperten) zu Workshops in Amsterdam und Wien. Die Experten – unter anderem aus Gabun, Kanada und Dänemark – trugen alle bisher verfügbaren Forschungsergebnisse zusammen und diskutierten sie interdisziplinär – mit klarem Ergebnis: „Auf Fliegen sind sämtliche Antibiotikaresistenzen nachzuweisen, vor denen sich Mediziner heute fürchten. Dazu gehört beispielsweise der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus – besser bekannt als der gefürchtete „Krankenhauskeim“ MRSA. Außerdem konnten wir nachweisen, dass die antibiotikaresistenten Bakterien von Fliegen, Menschen und Tieren nahezu identisch sind. Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass Fliegen bei der Verbreitung eine wichtige Rolle spielen“, so Workshop-Leiter Schaumburg.

Vor voreiligen Schlüssen warnt der Mikrobiologe dennoch: „Es braucht noch viel Forschungsarbeit, um zu prüfen, welchen Anteil resistente Erreger von Fliegen tatsächlich bei den Infektionszahlen in Krankenhäusern und Arztpraxen haben. Schon jetzt werden wir uns aber auch mit wirksamer, ökologisch sinnvoller Schädlingsbekämpfung beschäftigen müssen.“ Unterstützt wurde das internationale Team um Schaumburg durch das EU-Projekt Joint Programming Initiative on Antimicrobial Resistance, kurz JPPIAMR, und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die die Zusammenarbeit mit über 40.000 Euro förderten.

Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Mehr Wildbienenarten nach 20 Jahren im Botanischen Garten München durch Klimaerwärmung

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Eine weit verbreitete Fehleinschätzung ist es, das am derzeit festgestellten drastischen Insektenrückgang auch die Klimaerwärmung mit schuld sein könnte. Es ist jedoch schon lange bekannt und nachgewiesen, dass diese eher zu einer Vermehrung der Insektenanzahl führen würde, denn wärmeliebende Insekten sind in mediterraneren Klimaten, und natürlich den Tropen, schon immer zahlreicher als in mehr nördlichen Breiten. Dabei ist es oft nicht einfach, die direkten Auswirkungen von Klimaerwärmung auf die Arten- zusammensetzung einer bestimmten Insektengruppe (zum Beispiel der Wildbienen) in einem Lebensraum zu erforschen – denn das Klima wirkt sich nicht nur mit Temperatur sondern auch über den damit verbundenen Wasserhaushalt auf den Lebensraum direkt aus, vor allem auf die Nahrungspflanzen der Insekten, die zum Beispiel mit Dürre zu kämpfen haben. Botanische Gärten stellen daher so etwas wie künstliche, „optimierte“ aber langzeitig stabile Lebensräume für blütenbesuchende Insekten dar, denn dort blühen jedes Jahr die gleichen Pflanzenarten, auch bei längerer Trockenheit, denn es wird künstlich bewässert. Lediglich die Temperatur ändert sich auch für die Pflanzen und Insekten dort mit der Klimaerwärmung.

Der Artenreichtum des Botanischen Gartens München – an heimischen Wildpflanzen wie auch Zier- und Nutzpflanzen – seine geschützte Lage und die Nichtanwendung von chemischem Pflanzenschutz sind seit der Eröffnung des Gartens 1914 unverändert geblieben. Eine erste Inventarisierung der Wildbienenfauna des Botanischen Garten München fand in den Jahren 1997-1999 statt – nun wurden fast 20 Jahre später die dort vorkommenden Wildbienenarten erneut dokumentiert. Doktorandin Michaela Hofmann von der LMU München hat zusammen mit Dr. Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) von 2015 bis 2017 jeweils von Frühjahr bis Herbst auf regelmäßigen Kontrollgängen durch den Botanischen Garten alle gefundenen Bienen dokumentiert – bei größeren Arten war das teilweise schon anhand von guten Makrofotos möglich, bei vielen kleinen und schwierig zu bestimmenden Wildbienenarten war eine genaue Bestimmung nur durch DNA-Abgleich mit dem Barcoding-Projekt Fauna Bavarica der Zoologischen Staatssammlung (SNSB-ZSM) möglich. Nun wurden die Ergebnisse dieser Wildbienen-Erfassung zusammen mit der LMU-Wissenschaftlerin und Leiterin des Botanischen Gartens, Prof. Susanne Renner in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Oecologia veröffentlicht.

Die Ergebnisse sind überraschend deutlich: wurden 1997-1999 noch 79 Wildbienenarten im Botanischen Garten nachgewiesen, konnten 20 Jahre später 106 Arten gefunden werden. Im gesamten Stadtgebiet München sind seit 1990 192 Bienenarten von Insektenkundlern gefunden worden, das heißt 55% aller Münchner Bienenarten kommen auch im Botanischen Garten mit seinem reichhaltigen Angebot an Nahrung und Nistplätzen vor. Eine Untersuchung der Temperaturpräferenzen der neu gefundenen und der nicht mehr gefundenen Arten ergab: von den 1997-1999 nachgewiesenen 79 Arten wurden 62 von 2015 bis 2017 wiedergefunden (einige davon sind heute sehr viel häufiger), aber 15 wärmeliebende Wildbienenarten wurden erstmals gefunden. Drei Wildbienenarten, die eher kühlere Lebensräume (wie Wälder) bevorzugen, wurden nicht wiedergefunden. Zwischen 1997 und 2017 hat sich die durchschnittliche Temperatur während der Vegetationszeit in München um 0.5 °C erhöht, während die Winter immer kürzer wurden. Unter den zwischen 2015 und 2017 neu im Botanischen Garten ‚angekommenen‘ Bienen sind entsprechend mehrere Arten, die bis vor ca. 20 Jahren nur von den Wärmeinseln Deutschlands bekannt waren. Dazu gehört zum Beispiel die große und auffällige Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea), die Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae), die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) und die Natternkopf-Mauerbiene (Hoplitis adunca). Keinerlei Zusammenhang konnte dagegen gefunden werden zwischen Verschwinden oder Neufund und dem Rote-Liste-Status oder den Nahrungspräferenzen der Arten (ob sie z.B. auf bestimmte Blüten spezialisiert sind oder nicht) – lediglich die Wärmepräferenzen der Bienenarten waren signifikant für ihr Vorkommen.

Mehr zu den Wildbienen des Botanischen Gartens München erfahren sie auch hier. Dort finden Sie auch Informationen zum Wildbienen-Markierungsprojekt, das auch im Frühjahr 2018 im Botanischen Garten München wieder durchgeführt wird.

Quelle: Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns

Neue Online-Fortbildung: Führung von Jung- und Legehennen mit intaktem Schnabel

Mit dem Verzicht auf das Schnabelkürzen sind die Anforderungen an das Management in der Aufzucht von Junghennen und der Haltung von Legehennen deutlich gestiegen. Gemeinsam mit Praktikern und anerkannten Wissenschaftlern hat es sich der Bundesverband Deutsches Ei e. V. (BDE) daher zur Aufgabe gemacht, für alle Mitarbeiter im Stall eine moderne Hilfestellung zur Führung von Jung- und Legehennenherden mit intaktem Schnabel zu erarbeiten. In einem praxisnahen und wissenschaftlich fundierten E-Learning-Modul sollen die Teilnehmer alles lernen, was zum erfolgreichen Management der Herden erforderlich ist – von der Früherkennung erster Verhaltensstörungen der Tiere bis hin zu wirksamen Notfallmaßnahmen beim Auftreten von Federpicken.

Federpicken vermeiden – E-Learning vermittelt alle nötigen Kenntnisse
„Das vom BDE entwickelte E-Learning vermittelt allen direkt mit dem Tier arbeitenden Menschen, vom einfachen Hilfsarbeiter bis zum Farmleiter, auf kurzweilige und moderne Art die nötigen Kenntnisse, um Federpicken und Kannibalismus bei den Hennen zu vermeiden“, sagt Karl-Frieder Kottsieper, der als Vizepräsident für die Gruppe der Landesverbände im Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V. (ZDG) den Anstoß zu der nun vorliegenden Online-Fortbildung gegeben hatte. Dass das E-Learning-Modul bei den Jung- und Legehennenhaltern auf großes Interesse stoßen wird, davon ist der BDE-Vorsitzende Henner Schönecke überzeugt: „Der Verzicht auf das Schnabelkürzen stellt eine große Kraftanstrengung für die Branche dar, der wir uns mit viel Engagement stellen. Mit seinen vielen Anschauungsbeispielen bietet das E-Learning jedem Mitarbeiter im Stall eine wesentliche Hilfestellung.“

Angebot mit hoher Praxisrelevanz: auf Deutsch, Polnisch, Rumänisch und Bulgarisch
Um alle Mitarbeiter im Stall zu erreichen und nicht an Sprachbarrieren zu scheitern, ist das E-Learning-Modul dabei nicht nur auf Deutsch, sondern bald auch auf Polnisch, Rumänisch und Bulgarisch erhältlich. In einer Gesamtlernzeit von zwei Stunden, die in sechs Einzelmodule gegliedert ist, eignen sich die Lernenden in der Onlinefortbildung ein detailliertes, immer auf die Praxis ausgerichtetes Fachwissen an. Das reicht von den rechtlichen Grundlagen über die Früherkennung von Verhaltensstörungen bis hin zu wirksamen Notfallmaßnahmen – immer unterfüttert durch anschauliche Bilder mit Praxisbeispielen aus Jung- und Legehennenherden. Nach dem erfolgreich absolviertem Abschlusstest wartet auf die Nutzer eine Teilnahmebescheinigung als Nachweis der erlangten Sachkunde.

Dank an die beteiligten Geflügel-Wissenschaftler Andersson und Keppler
BDE-Vorsitzender Henner Schönecke lobt nicht allein die Inhalte und die moderne Aufmachung des E-Learning-Moduls, sondern auch die intensive, detailorientierte Mitwirkung der beteiligten Wissenschaftler: „Ohne das ausdauernde Engagement und das enorme Fachwissen der beteiligten Geflügelexperten Dr. Christiane Keppler von der Gallicon-Geflügelberatung und Prof. Dr. Robby Andersson von der Hochschule Osnabrück hätten wir unser Schulungsangebot nicht in dieser herausragenden Qualität anbieten können.“

E-Learning ab heute verfügbar – Vorzugspreis für ZDG-Mitglieder
Ab heute ist das Angebot online auf www.landakademie.de zum Preis von 79 Euro verfügbar. Als besondere Leistung des Verbandes erhalten alle BDE-Mitglieder das E-Learning-Modul zum Vorzugspreis von 29 Euro.

Quelle: ZDG

Die Fischvielfalt aus Niedersachsen

Aus christlicher Tradition steht Fisch am Karfreitag fest im Speiseplan, viele Menschen essen in Anlehnung an diesen Feiertag sogar jeden Freitag Fisch. Die heimischen Aquakulturen, Binnen- und Küstenfischer haben je nach Saison ein reichhaltiges Angebot, der Selbstversorgungsgrad bei Fisch und Fischerzeugnissen in Deutschland ist dennoch sehr niedrig, schreibt der Landvolk-Pressedienst. Im Jahr 2016 wurden nach Angaben des Fischinformationszentrums (FIZ) 1,89 Mio. Tonnen importiert. Aus deutscher Produktion stammten 286.000 Tonnen. „Wir haben im Moment zu 85 bis 90 Prozent Seelachs in den Netzen. Kabeljau wird als Beifang ebenfalls angeboten, in kleineren Mengen Schellfisch. Pollack und Seehecht“, sagt Michael Seidel von der Kutterfisch-Zentrale aus Cuxhaven. Das Unternehmen ist mit fünf Kuttern in der Nordsee unterwegs. „Für die Fischerei hat das kalte Wetter keinen negativen Einfluss“, erklärt Seidel. Für die Qualität der Fische sei das sogar gut, das Arbeiten auf See sei allerdings angenehmer, wenn es etwas wärmer ist.

In den 124 niedersächsischen Aquakulturanlagen werden jährlich rund 2.900 Tonnen Fisch erzeugt. Mehr als die Hälfte der gehaltenen Fische, 1.473 Tonnen, gehören nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zur Familie der Lachsfische wie Forellen, Lachse, Renken und Äschen. Vor allem die Regenbogenforelle ist in Niedersachsen beliebt. Zudem werden jährlich 1.241 Tonnen Aal, Wels und Zander, 121 Tonnen Karpfen und 17 Tonnen sonstige Arten in den niedersächsischen Aquakulturanlagen gefischt. Hinzu kommen die Fänge der 45 Fluss- und Seefischereien und 2.000 bis 3.000 Kleinteichwirtschaften. Sie kaufen ihre Besatzfische in den Aquakulturanlagen, es werden jedoch immer weniger. „Die Fischwirte erleben einen gewaltigen Fraßdruck durch Wildtiere. Kormoran, Fischotter und Reiher machen zunehmend Probleme!“ erklärt Steffen Göckemeyer vom Landesfischereiverband Niedersachsen. Das Einzäunen oder Einhäusen sei keine Lösung für große Teiche, Hobbyhalter können dies ebenfalls nicht leisten, sagt der Fischereiexperte. Die Absatzlage für die Fischwirte sei gut, sie könnten mehr verkaufen, als sie produzieren, meint Göckemeyer. Daher rät er den Kunden zum Karfreitag unbedingt, beim lokalen Fischwirt oder -händler (www.fischerei-niedersachsen.de) vorzubestellen.

Quelle: Landvolk Niedersachsen

Interview zur Umstellung auf Öko-Jungsauenvermehrung: Feste Verträge und gute Genetik geben Planungssicherheit

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Andreas Kopf aus Bellersheim hat einen großen Schritt gewagt: 2016 stieg er in die Öko-Jungsauenvermehrung ein. Dafür baute er seinen bis dahin konventionell bewirtschafteten Betrieb aufwändig um. Heute hält er 300 Zuchtsauen inkl. Ferkelaufzucht, davon 100 Zuchtsauen zur Jungsauenvermehrung. Mit der eigenen Futtermischzentrale erzeugt er mit seinen 85 ha Ackerbau zukünftig hofeigenes Futter. Mittlerweile konnte er mit dem neuen System Erfahrungen in jeder Jahreszeit machen. Wie kommen Sauen und Ferkel mit dem Außenklima zurecht? Ist der Umgang mit freilaufenden Sauen problematisch? Dr. Heike Engels hat den Landwirt auf seinem Hof getroffen.

HE: Herr Kopf, Sie haben Ihren Betrieb vor einem Jahr auf Öko-Jungsauenvermehrung umgestellt. Warum?

AK: In den nächsten Jahren wird sich die Sauenhaltung gravierend verändern. Auflagen werden immer höher. Konventionelle Betriebe haben es schon jetzt schwer. Ich wollte einfach nicht mehr so getrieben sein, sondern voran gehen. Schon lange habe ich die Freilauf-Abferkelbucht im Fokus gehabt. Nach einer ersten betriebswirtschaftlichen Rechnung für meinen damals noch konventionellen Betrieb haben die Zahlen den Umbau aber einfach nicht hergegeben. Erst als eine Organisation auf mich zukam und mir über 10 Jahre feste Preise von 4 Euro je Kilo anbot, war die Option attraktiv. So kam das Ganze ins Rollen. Biolandberater schauten sich meine Ställe an und meinten, mit entsprechen- den Umbaumaßnahmen sei die Bioland- und Naturland-Zertifizierung möglich. Dazu kam, dass das BHZP großes Interesse daran hatte, eine Öko-Jungsauenvermehrung aufzubauen. Vor allem die Lage meines Betriebes hier in Hessen ist dafür gut, denn viele wollen die Tiere aus der Region, das ist hier gegeben.

HE: Für welche Sauengenetik haben Sie sich entschieden?

AK: Der Vermehrungsbetrieb, den ich seit 2000 gepachtet habe, ist schon seit der Gründung des BHZP BHZP-Vermehrungsbetrieb. Ich war auch einer der ersten Betriebe, der die db.Viktoria verkaufen konnte. Der Andrang war so groß, dass ich ausverkauft war: jeder wollte unsere Jungsauen haben. Das BHZP weiß, was es tut, der Zuchtfortschritt ist enorm. Deshalb setze ich jetzt auf die db.Klara, die neue Ökosau des BHZP. Für die Ökojungsauen erreichen uns mittlerweile reichlich Nachfragen von Kunden aus ganz Deutschland. Einige Züchter haben schon mehrmals Tiere von uns bekommen. Das läuft gut. Es sind alles Biobetriebe, die eine Freilaufbucht haben und die entsprechende Genetik dafür möchten. Wir müssen sogar ein wenig bremsen, weil wir gar nicht immer genug Sauen für die große Nachfrage haben. Aber ab März 2018 können wir die Nachfrage dann komplett bedienen.

HE: Welche Merkmale sind Ihnen bei der Öko-Jungsauenzucht wichtig?

AK: Viele lebend geborene Ferkel sind nicht so entscheidend, viel wichtiger ist die Homogenität im Wurf: Entscheidend ist in dieser Freilauf- bucht, dass die Ferkel alle gleich gut entwickelt und robust sind. Habe ich 12 große und zwei kleine Ferkel, werden es die kleinen nicht schaffen. 14 gleiche Ferkel laufen so durch. Die Mütterlichkeit ist nicht mehr so entscheidend, die Sauen sind beim Abferkeln nicht mehr aggressiv gegenüber ihren Ferkeln. Gegenüber Menschen aggressive Tiere gehen nicht in die Zucht. Die db.Klara bringt beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche, ruhige und mütterliche Ökosau mit.

HE: Gab es bei den Stallumbauten besondere Dinge zu beachten?

AK: Der Abferkelbereich – 3 Ställe für je 28 Sauen – ist komplett neu gebaut. Das war mir wichtig, denn wenn hier etwas nicht richtig läuft, sind die Ferkelverluste zu hoch. Die anderen Ställe z.B. für das Gruppensäugen – 7 bis 8 Sauen je Abteil, der Jungsauen- aufzuchtstall mit 500 Plätzen, der Deck- und Wartebereich sowie der Maststall mit 550 Plätzen haben wir aus den bestehenden Ställen umgebaut, indem wir die Spaltenböden zubetoniert und wo erforderlich einen Auslauf angebaut haben. Um die Stroheinstreu arbeitswirtschaftlich umzusetzen, haben wir auf große Durchgänge von 1,40 m geachtet. Da passt ein Rundballen rein. Den Ballen rollen wir in den Stall, machen das Netz weg, den Rest erledigen die Sauen. Das Zerwühlen des Strohs ist dann gleich Beschäftigung. Die Sauen koten fast alle draußen. Das funktioniert fantastisch, dadurch bleibt die Bucht sauber. Draußen entmisten wir mit einem Gummischieber und einen 2,70 m breiten Besen, der am Dreipunkt vom Schlepper hängt. An den Ausläufen liegt ein zentraler Gang, über den wir die Ausläufe gut erreichen können.

HE: Wie nutzen die Tiere das Außenklima?

AK: Der Außenbereich der Bucht wird sehr gut angenommen. Während die Ferkel im Winter erst nach etwa einer Woche in den Außenbereich liefen, taten sie dies im Sommer meistens schon am 2. Lebenstag. Meine Befürchtung, dass die Sauen im Sommer vermehrt draußen abferkeln hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Im gesamten Sommer haben nur zwei Sauen draußen abgeferkelt. Es war tagsüber und ein sehr warmer Tag, als das passierte, und als wir sahen, dass die Sauen draußen anfingen abzuferkeln, haben wir sie einfach vorsichtig in den Stall getrieben. Dort haben sie weiter abgeferkelt. Das war gar kein Problem.

Insgesamt hatten wir durch den Außenklimastall sogar wesentlich weniger Probleme mit den warmen Temperaturen. Wenn es den Sauen im Stall zu warm war, gingen sie einfach raus und umgekehrt. Durch die vermehrte Bewegungsfreiheit sucht sich die Sau den für sie angenehmsten Platz aus. Sie fühlen sich wohl, das sieht man.

HE: Können Sie erhöhte Ferkelverluste durch den Freilauf beobachten?

AK: Im Lehrbuch findet man die Angabe, dass bei einer Freilaufbucht ein Ferkel mehr pro Sau erdrückt wird. Auch wir sind nicht davor gefeit. Eine Möglichkeit zur längeren Fixierung der Sau haben wir nicht mehr. Es gibt nur noch ein schwenkbares Gitter im Abferkelbereich, mit dem wir die Sau fixieren können, wenn wir an die Ferkel müssen. Wenn die Ferkel irgendwo im Stall liegen und die Sau frei herumläuft, ist die Gefahr natürlich größer, dass sie von der Sau erdrückt werden. Alle Ferkel, die nach dem 115. Tag geboren werden, laufen gut durch. Bei Ferkeln, die vorher geboren werden, können erhöhte Verluste eintreten, wenn man nicht bei der Geburt dabei ist. Die Ferkel werden aber nicht erdrückt, sondern sie sind zu klein, kühlen schnell aus und kommen nicht ins Nest. Eine Geburtsüberwachung ist ganz wichtig.

Wir versuchen mit vielen Maßnahmen, die Verluste weiter zu senken. Derzeit installieren wir ein zweites Ferkelnest pro Abferkelbucht. Das Nest ist von oben mit einem Dunkelstrahler beheizt, und die Liegefläche besteht aus Stroh. Vielleicht haben wir das erste Ferkelnest ja am falschen Platz und es liegen deshalb nicht immer alle Ferkel darin. Wir probieren vieles aus, um es den Tieren noch angenehmer zu machen.

HE: Welchen Tipp haben Sie für umsteigewillige Landwirte?

AK: Sehr wichtig in meinem Konzept sind feste Verträge, die Langfristigkeit und die Preisbindung, ansonsten hätte ich den Umbau nicht gemacht. Die schlechten Erlöse in den letzten Jahren hätten so eine Betriebsentwicklung nicht erlaubt. Zudem möchte ich meinen Betrieb nicht gerne nur auf einem Bein aufstellen, sondern mag verschiedene Standbeine, das ist jetzt gegeben. 50 % der Ferkel gehen weg, und den Rest ziehe ich groß. Davon sind dann ein Drittel Zuchttiere, ein Drittel der Schlachttiere für Rewe und ein Drittel für Edeka. Für die Tiere und für das Management ist ein fester Rhythmus extrem wichtig. Wir haben zum Beispiel teilweise das Problem, dass die Sau durch das Umstallen ins Gruppensäugen während der Säugezeit in die nächste Rausche kommt. Das bringt uns dann die ganze Gruppe durcheinander. Derzeit sind wir noch mit vielen Umbaumaßnahmen beschäftigt, so dass wir den richtigen Zeitpunkt manchmal verpassen, das müssen wir unbedingt verbessern. Außerdem habe ich festgestellt, dass unser neues System mehr Arbeitskraft braucht und deshalb haben wir gerade eine neue Mitarbeiterin eingestellt. Natürlich bedeutet das Mehrausgaben, aber eine bessere Betreuung der Tiere bringt auch mehr Leistung.

HE: Würden Sie die Umstellung auf Ökojungsauenvermehrung heute wieder so treffen?

AK: Ich bin zufrieden mit meiner Entscheidung, den Betrieb umzustellen; eigentlich von Tag zu Tag mehr. Jetzt wo wir das ganze Haltungssystem umgestellt haben, sind die Tiere viel ruhiger geworden. Ich habe das früher nie glauben wollen, wenn mir das jemand erzählt hat, aber es ist tatsächlich so. Direkt nach der Umstallung aus dem konventionellen System in die Bioabferkelbucht waren einige Sauen noch nervös, aber jetzt gar nicht mehr. Früher sprangen alle Tiere einer Gruppe auf, wenn man den Stall betrat, das kümmert die Sauen heute gar nicht mehr. Das entspannt uns alle, Mensch als auch Tier.

HE: Herr Kopf, vielen Dank für das Gespräch!