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Plastikverschmutzung schädigt Bienen

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Nano- und Mikroplastikpartikel (NMP) belasten zunehmend urbane und ländliche Landschaften, wo Bienen und andere Nutzinsekten mit ihnen in Kontakt kommen. Nehmen die Insekten Plastikpartikel über die Nahrung oder die Luft auf, kann das ihre Organe schädigen und Verhaltensveränderungen verursachen, sodass sie wichtige ökologische Funktionen wie die Bestäubung und Schädlingsbekämpfung nicht länger gut erfüllen können. Die Plastikverschmutzung birgt daher erhebliche Risiken für die Artenvielfalt, die landwirtschaftliche Produktion und die globale Ernährungssicherheit. Das sind die zentralen Erkenntnisse einer neuen Übersichtsstudie im Journal Nature Communications, die von einem internationalen Team unter Beteiligung der Universität Freiburg erstellt wurde.

Plastik gelangt aus Folien, Düngemitteln, Wasser und Luft auf Ackerböden
Mikroplastikpartikel sind zwischen einem Mikrometer und fünf Millimeter groß, noch kleinere Partikel werden als Nanoplastik bezeichnet. Während die schädlichen Effekte von NMP in Gewässern und für einzelne Arten gut dokumentiert sind, fehlte es bislang an systematischen Übersichtsarbeiten, wie sich die Partikel auf Agrarökosysteme auswirken. Um diese Lücke zu schließen, fassten die Autor*innen der Übersichtsstudie nun erstmals 21 bereits veröffentlichte Einzeluntersuchungen zusammen. Ihr Interesse galt dabei besonders der Frage, wie Bestäuberinsekten und andere Nützlinge mit NMP in Kontakt kommen und welche Folgen die Aufnahme der Partikel für die Insekten, aber auch für die von ihnen abhängigen Ökosysteme und die landwirtschaftliche Produktion hat.

So konnten die Forschenden zunächst verschiedene Quellen identifizieren, aus denen NMP auf landwirtschaftlich genutzte Flächen gelangen, darunter Plastikfolien, Düngemittel, verschmutztes Wasser und atmosphärische Ablagerungen. Die Plastikpartikel reichern sich in Böden an und werden von Bestäubern und von Nutzinsekten, die für die Schädlingsbekämpfung wichtig sind, über die Luft und die Nahrung aufgenommen oder im Nestbau verwendet.

Schädigung der Bienen könnte zu sinkender landwirtschaftlicher Produktion führen
Durch die Aufnahme von NMP könne es bei Bienen beispielsweise zu Schäden am Verdauungssystem, zur Schwächung des Immunsystems und zu Verhaltensänderungen kommen, stellen die Studienautor*innen fest. Dadurch würden die Bienen beispielsweise anfälliger für Krankheiten und könnten Pflanzen möglicherweise weniger effektiv bestäuben. „Wir finden Mikroplastik im Darm von Bienen und sehen, wie Wildbienen Plastik zum Nestbau nutzen. Wir müssen daher dringend erforschen, welche Wechselwirkung dies mit anderen Stressoren, wie dem Klimawandel, für die Bienen und ihre Bestäubungsleistungen hat“, sagt Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein, Ko-Autorin der Studie und Professorin für Naturschutz und Landschaftsökologie an der Universität Freiburg. Eine sinkende Bestäubungsleistung wirkt sich nachteilig auf den Ertrag von Nutzpflanzen aus. Die Plastikverschmutzung könne so bestehende Unsicherheiten bei der globalen Nahrungsmittelversorgung weiter verschärfen, warnen die Forschenden.

Wechselwirkungen mit anderen Umweltstressoren verstärken das Problem
Darüber hinaus verstärken NMP auch die Gefahren, die von anderen Umweltstressoren wie Pestiziden, chemischer Verschmutzung, Pilzen und Krankheitserregern ausgehen. In einigen Gebieten bildeten sich beispielsweise „Hotspots“ der Wechselwirkung zwischen Plastikpartikeln und schädlichen Viren. Solche Interaktionen könnten zu besonders gravierenderen Effekten von NMP auf Bestäuber und damit auf die Stabilität des Nahrungsmittelsystems führen.

Die Forschenden betonen jedoch auch die Beschränkungen ihrer Übersichtsarbeit. So gäbe es kaum Daten zu wichtigen Bestäubern und Nützlingen wie Hummeln und Marienkäfern. Auch sei es bei der derzeitigen Datenlage nicht möglich, die Wirkungen verschiedener NMP-Größen und -Mengen differenziert zu beschreiben. Um das wachsende Problem der Plastikverschmutzung besser zu verstehen und Lösungen dafür finden zu können, brauche es dringend weitere Forschungsarbeiten. „Schon jetzt ist aber klar: Die Plastikverschmutzung muss dringend politisch gesteuert werden“, sagt Klein.

An der Studie waren Forschende der Westlake University (Hangzhou/China), der Zhejiang University, (Hangzhou/China), der Fudan University (Shanghai/China) sowie der Universitäten Freiburg und Tübingen beteiligt.

Quelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Versorgungssicherheit mit Tierarzneimitteln gewährleisten

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BVL unterzeichnet in China Absichtserklärung zur Qualitätssicherung von Tierarzneimittelwirkstoffen

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am 21. Oktober 2024 in der Volksrepublik China eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding – MoU) mit dem chinesischen Institut für Kontrollen von Tierarzneimitteln (IVDC) unterzeichnet. Ziel der Vereinbarung ist es, die Zusammenarbeit im Bereich der Qualität von Tierarzneimittelwirkstoffen zu sichern und zu verbessern.

„Diese Absichtserklärung und die damit verbundene Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen dem BVL und dem IVDC ist ein wichtiger Schritt, um die Versorgung mit sicheren Tierarzneimitteln in Deutschland und Europa zu gewährleisten“, betont Friedel Cramer, Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zum Abschluss der Vereinbarung.

Mit Unterzeichnung des MoU wird der Weg für weitere bilaterale Kooperationen seitens BVL mit dem IVDC geebnet. Zukünftig wollen sich beide Behörden regelmäßig über die Rechtsgrundlagen und die Qualitätsanforderungen an Wirkstoffe von Tierarzneimitteln austauschen. Wichtige Themen sind unter anderem auch der Einsatz von Antibiotika, Datenmanagement mittels Künstlicher Intelligenz (KI) und Inspektionen zur Sicherung einer stetig hohen Qualität von Tierarzneimittelwirkstoffen.

China ist weltweit einer der großen Exporteure von Arzneimittelwirkstoffen, auf die auch die deutsche Industrie für die Herstellung von Tierarzneimitteln angewiesen ist. Insbesondere bei der Belieferung mit Wirkstoffen für Antibiotika und Antiparasitika für Tierarzneimittel nimmt China eine wichtige Rolle ein. Aus diesem Grund startete das BVL bereits 2016 eine Initiative, um eine Zusammenarbeit mit den für Tierarzneimittel zuständigen Stellen in China aufzubauen. In Folge fanden mehrere bilaterale Workshops zu dem Thema statt.

Hintergrund
Die Unterzeichnung der Absichtserklärung fand im Rahmen der Reise der Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Silvia Bender, in die Volkrepublik China statt. Anlässlich der 10. Deutsch-Chinesischen Agrarwoche besuchte sie vom 16.-22. Oktober 2024 das Land. Begleitet von einer Fachdelegation, der auch BVL-Präsident Friedel Cramer angehörte, führte sie zudem Gespräche mit ihrem Amtskollegen des chinesischen Ministeriums für Landwirtschaft und ländliche Angelegenheiten (MARA) und der chinesischen Zollbehörde (GACC).

Das chinesische Institut für Kontrollen von Tierarzneimitteln (IVDC) ist eine dem chinesischen Landwirtschaftsministerium nachgeordnete Einrichtung. Es ist unter anderem zuständig ist für die Überwachung und Inspektion von Tierarzneimitteln, die Untersuchung von Tierarzneimittelrückständen und die Ausarbeitung nationaler Normen für Tierarzneimittel.

Das BVL arbeitet seit vielen Jahren fachlich eng mit chinesischen Partnereinrichtungen zusammen. Das sind nicht nur Einrichtungen des Agrarressorts. Seit 2014 besteht mit dem Chinese National Center for Food Safety Risk Assessment (CFSA) auch im Bereich Lebensmittelsicherheit eine Kooperation.

Über das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
Das BVL ist eine eigenständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es ist für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, Tierarzneimitteln und gentechnisch veränderten Organismen in Deutschland zuständig. Im Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit übernimmt es umfassende Managementaufgaben und koordiniert auf verschiedenen Ebenen die Zusammenarbeit zwischen dem Bund, den Bundesländern und der Europäischen Union.

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Kieler Agrarökonomen kritisieren geplante Änderungen der Milchlieferverträge

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Das Bundeslandwirtschaftsministerium plant einen tiefgreifenden Eingriff in die Milchwirtschaft: eine verbindliche Regelung für Preise und Liefermengen zwischen Molkereien und Milchbauern. Davon erhofft sich die Politik eine Stärkung der Rohmilchproduzenten. Erste Ergebnisse einer Studie der FH Kiel und des ife Instituts Kiel stellen jedoch die Effektivität und Notwendigkeit dieses Eingriffs infrage. Anstatt die Milcherzeuger zu stärken, könnte die Neuregelung deren Situation verschlechtern und zu einer Verdrängung kleinerer Milchbetriebe führen. Anstelle staatlicher Eingriffe empfehlen die Fachleute eine Stärkung der Eigenverantwortung der Milcherzeuger.

Die Lage für Milcherzeuger ist seit Jahren angespannt. Sie sind sowohl mit steigenden Kosten als auch mit unsicheren und oft unzureichenden Preisen konfrontiert. Mit einem Vier-Punkte-Plan möchte das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) die Situation der Milchbauern in Deutschland verbessern. Neben der Förderung nachhaltiger Praktiken und der Unterstützung regionaler Wertschöpfungsketten soll vor allem die Marktposition der Milcherzeuger gestärkt werden. Geplant ist, dass in Zukunft Molkereien Rohmilchlieferanten ein schriftliches Vertragsangebot für 80 Prozent ihrer künftigen Lieferung machen. Laut der Studie von der Fachhochschule Kiel und dem ife Institut könnte der staatliche Eingriff jedoch zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.

Preisschwankungen haben zugenommen
Die Studie bestätigt die hohe Volatilität auf dem Milchmarkt: Zwischen 2017 und 2024 schwankten die Milchpreise um 29 Cent pro Kilogramm – ein deutlicher Anstieg gegenüber den Schwankungen von 8,6 Cent in den Jahren 2001 bis 2006. Mehr Risikomanagement sei zwar erforderlich, die vorgeschlagene Vertragsgestaltung eigne sich aber nicht dafür, erklärt Prof. Dr. Torben Tiedemann von der FH Kiel. „Wir haben die wissenschaftlichen Studien zu Lieferbeziehungen im Milchmarkt analysiert und den beträchtlichen Einfluss der internationalen Preise auf die deutschen Milchpreise berücksichtigt. Tatsächlich gibt es keine ausreichenden Gründe, die den staatlichen Eingriff in die Vertragsbeziehungen rechtfertigen“, so der Professor für Agrarökonomie.

Festpreise führen zu sinkenden Erzeugerpreisen
Die Kieler Forscher analysieren in ihrer Studie zwei mögliche Festpreismodelle: Festpreise ohne und mit Termingeschäften. Prognosebasierte Festpreise ohne Absicherung, so die Fachleute, würden zwangsläufig einen Preisabschlag erfordern. Die Simulationsrechnungen zeigen, dass für das Jahr 2024 ein Milchpreis von 42 Cent/kg erwartet werden kann. Aufgrund der Unsicherheit der Prognose müssten Molkereien aber einen Risikoabschlag von 7 Cent berücksichtigen, die Milcherzeuger würden also nur 35 Cent pro Kilogramm erhalten. Betrüge der Milchpreis später tatsächlich 42 Cent, bekämen die Milcherzeuger den Differenzbetrag nach Ablauf der Preisbindung erstattet. „Laut unserer Analyse könnten diese Nachzahlungen in Deutschland insgesamt etwa 881 Millionen Euro betragen“, erklärt Prof. Tiedemann. „Zudem könnten auf die Milcherzeuger*innen durch den Preisabschlag zusätzliche Zinskosten von rund 24 Millionen Euro zukommen. Der effektive Milchpreis würde also weiter sinken.“

Milcherzeuger profitieren nicht von geplanter Neuregelung
Wären also Festpreisangebote, die allein auf Terminmarktgeschäften basieren, eine Lösung? Nein, sagen die Autoren. Denn die Analyse zeigt, dass deren Folgekosten oft unterschätzt würden. Würden Festpreise für 80 Prozent der gelieferten Milch angeboten, könnten Absicherungskosten zwischen 63 und 151 Millionen Euro entstehen. Im Durchschnitt könnten also etwa 100 Millionen Euro zusätzliche Kosten auf die Branche zukommen. In ihrer Analyse gehen die Studienautoren davon aus, dass diese nicht an die Konsumenten weitergegeben werden. „Die Konsument*innen sind sehr preissensibel und akzeptieren Preisaufschläge nur in geringem Maß, selbst bei mehr Tierwohl“, erklärt Prof. Dr. Holger Thiele von der FH Kiel. „Wir müssen also davon ausgehen, dass die höheren Kosten zu niedrigeren Grundpreisen für die Rohmilch führen, die Milcherzeuger*innen also weniger Geld für ihre Milch erhalten.“

Mögliche Auswirkungen auf Molkereien und den Strukturwandel
Insgesamt zeigt die Analyse, dass eine Festlegung von Preisen zu erheblichen Abschlägen führen würde, entweder durch Risikopreise oder durch die Kosten für die Absicherung an den Märkten. Anstelle einer Stärkung der Milcherzeuger könnten die Pläne des BMEL in ihrer jetzigen Form also zu einer Verschlechterung der Situation der Erzeuger führen.

Neben den finanziellen Belastungen könnte die Neuregelung einen Strukturwandel bei den Molkereien verstärken. Besonders kleinere und abgelegene Betriebe, die auf solidarische Genossenschaftsmodelle angewiesen sind, könnten durch individuelle Festpreise benachteiligt werden. „Auf Basis unserer bisherigen Ergebnisse plädieren wir dafür, von umfangreichen Verpflichtungen zu Festpreisverträgen mit festen Liefermengen Abstand zu nehmen und stattdessen marktorientierte Eigenlösungen im Risikomanagement zu fördern“, so Prof. Thiele.

Stärkung der Eigenverantwortung anstelle staatlicher Eingriffe
Anstelle staatlicher Eingriffe empfehlen die Kieler Milchmarktexperten eine Stärkung der Eigenverantwortung der Milcherzeuger. „Die Politik könnte auf bereits bewährte Preissicherungssysteme zurückgreifen und diese finanziell unterstützen“, erklärt Agrarökonom Thiele. „In den USA sind sogenannte Optionsprämien Teil des Risikomanagements. Milcherzeuger*innen können sich gegen Preisschwankungen absichern, indem sie das Recht erwerben, Milch zu einem bestimmten Preis zu verkaufen oder zu kaufen. Außerdem brauchen wir in Deutschland Finanzinstitute, die Terminmarktkonten für Milcherzeuger bereitstellen. Dies könnte die Anpassungsfähigkeit an Marktrisiken erheblich verbessern.“

Daneben könnten bereits bestehende, freiwillige Festpreissysteme gestärkt werden. Schon jetzt bieten Molkereien börsenbasierte Festpreissysteme an, die Landwirten helfen, einen stabilen Preis für ihre Milch zu erhalten. Die Finanzierung der Sicherheitsleistungen könnte staatlicherseits unterstützt werden. Denkbar, so die Kieler Agrarökonomen, wäre in diesem Zusammenhang auch die Vergabe von Bürgschaften.

Quelle: Fachhochschule Kiel

Biomarker für oxidativen Stress bei Kälbern mit Durchfall

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Als oxidativen Stress wird ein Zustand im Stoffwechsel bezeichnet, bei dem durch Oxidation Schäden an Zellen oder deren Funktionen entstehen. Ein Ungleichgewicht zwischen oxidativen und antioxidativen Prozessen führt u.a. zu einer physiologischen Dysfunktion des Darms.

Durchfall bei neugeborenen Kälbern kann für mehr als 50 % der Verluste, Unterernährung der Kälber, Verdauungsstörungen sowie verminderte Wachstums- und Produktionsleistung verantwortlich sein, was zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führt. Neugeborenen-Kälberdurchfall ist ein multifaktorielles Geschehen, das in der Regel durch eine Infektion mit Bakterien oder Viren verursacht wird oder durch Fehlernährung und andere Umweltfaktoren. Studien haben gezeigt, dass der oxidative Stress auftritt, wenn Tiere in Nagetiermodellen an Durchfall leiden. Unterdessen kann die Unterdrückung von oxidativem Stress möglicherweise dazu beitragen, Durchfall bei Nagetieren zu lindern. Bisher ist der direkte Zusammenhang zwischen dem Auftreten von oxidativem Stress und Kälberdurchfall jedoch nicht genau geklärt.

Diese Studie* untersuchte die Entwicklung von systemischem (Serum) und lokalem (fäkalen) oxidativen Stresslevel, wenn Kälber entweder auf natürliche Weise Durchfall entwickelten oder sich auf natürliche Weise erholten.

Gesunde männliche Kälber (n=64) wurden im Alter von 18 Tagen in die Studie aufgenommen und ihr Gesundheitszustand wurde ab der Aufnahme überwacht. Basierend auf ihrem Darm- Gesundheitszustand am 21. und 28. Tag wurden die Kälber in vier Gruppen eingeteilt:

• die vom 21. bis zum 28. Tag durchgehend Durchfall hatten (n = 14),
• die am 21. Tag Durchfall hatten, sich jedoch am 28. Tag erholten (DH-Gruppe, n = 19)
• die am 21. gesund waren, jedoch am 28. Tag Durchfall entwickelten (HD-Gruppe, n = 15) und
• die während der gesamten Studie gesund waren (HH-Gruppe, n = 16).

Serum- und Kotproben wurden am Tag 21 und 28 von allen Kälbern am Morgen, 2 Stunden nach der Fütterung, entnommen. Der Redoxstatus spielt eine wichtige Rolle bei der Auslösung von Immunantworten. In dieser Studie wurde die Hypothese aufgestellt, dass sich der Redox- und Entzündungsstatus ändern würde, wenn die Kälber Durchfall entwickelten oder sich erholten. Daher untersuchten die Forscher*innen die Marker für oxidativen Stress im Serum (ROS = reaktive Sauerstoffspezies, MDA = Malondialdehyd, 8-OHDG = 8-Hydroxy-2′-desoxyguanosin und antioxidative Enzyme) und im Stuhl (ROS und MDA) sowie die Zytokinprofile im Serum während der dritten Lebenswoche (Tag 21–28) von Kälbern. Weitere Indikatoren für oxidativen Stress wie H2O2 (Wasserstoffperoxid), Superoxiddismutase, Katalase (CAT) und die Entzündungsindikatoren TNF-α, IL-1β, IL-4, IL-6, IL-10 und IFN-γ wurden anhand von Serumproben bewertet.

Serum-ROS, MDA, 8-OHDG sowie fäkale ROS und MDA waren höher, wohingegen Serum-CAT und H2O2 bei durchfallkranken Kälbern niedriger waren als bei gesunden Kälbern. Serum-ROS, MDA und 8OHDG sowie fäkale ROS und MDA stiegen in der HD-Gruppe vom 21. bis zum 28. Tag an, als sie Durchfall entwickelten. Im Gegensatz dazu nahmen alle diese Marker für oxidativen Stress in der DH-Gruppe vom 21. bis zum 28. Tag ab, als sie sich erholten. Der H2O2-Wert im Serum wies jedoch einen entgegengesetzten Änderungstrend auf, der in der HD-Gruppe niedriger und in der DH-Gruppe am Tag 28 höher wurde.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich sowohl systemische als auch lokale Marker für oxidativen Stress und Zytokinprofile veränderten, als die Kälber von gesund zu Durchfall übergingen oder umgekehrt. Die Forscher*innen schlussfolgern, dass Serum-ROS, MDA und 8-OHDG zur Entwicklung von Biomarkern zum Screening von Kälbern verwendet werden können, die während der Zeit vor dem Absetzen anfällig für Darminfektionen sind.

*Studie: FU, Z.L. et al (2024): Dynamics of oxidative stress and immune responses in neonatal calves during diarrhea. Journal of Dairy Science Volume 107, ISSUE 2, P1286-1298, February 2024

Quelle: Dr. Heike Engels, Der Hoftierarzt

BioTag+ #Eurotier-Silbermedaille

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Während Pedometer oder Sensorhalsbänder zur Erfassung von Gesundheits- und Fruchtbarkeitsdaten im Rinderbereich bereits üblich sind, beschränken sich die Funktionen technisch ähnlicher Systeme im Schweinebereich bisher auf die Ortung von Sauen in Großgruppen, die frühzeitige Erkennung von Atemwegserkrankungen über die Geräuschkulisse im Stall oder auf erste Versuche, mithilfe von Kamera- oder Geräuschtechnik Erdrückungsverluste während der Abferkelung zu minimieren.

Mit der Sensor-Ohrmarke BioTag+ von Big Dutchman und BioCV können erstmals in der Schweinehaltung Bewegungs- und Temperaturdaten von Schweinen erfasst werden. Mithilfe von Algorithmen ist auch die Erfassung individueller Parameter wie Rausche oder bevorstehender Abferkelungen möglich. Die Datenkommunikation erfolgt über Bluetooth, die Auswertung wird über eine Cloud mithilfe von KI gewährleistet. Selbst im Abferkelbereich ist es mit dem System BioTag+ möglich, die Sauen bis kurz vor der Geburt in Gruppen zu halten. Dies führt tendenziell zu mehr Tierwohl, weniger Stress und leichteren Geburten.

Die Sensor-Ohrmarke BioTag+ von Big Dutchman und BioCV stellt somit eine entscheidende Weiterentwicklung in der sensorgestützten Erfassung von Tierzustandsdaten dar.

Big Dutchman International GmbH (Schwein & Geflügel | Pig & Poultry) sowie BioCV, Halle 17, Stand: D20

Youngstock #Eurotier-Silbermedaille

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Jungtiere stellen die Zukunft einer jeden Herde dar. Ihre Gesundheit von der Geburt an zu überwachen, spielt deshalb eine entscheidende Rolle für jeden Milchviehbetrieb. Bislang erfolgt die Kontrolle zumeist visuell und die Wahrnehmung von Erkrankungen ist stark von der Erfahrung der Mitarbeiter abhängig. Eine Sensorüberwachung war bisher sehr schwierig umsetzbar, weil sich der Organismus der Kälber im Laufe ihres jungen Lebens stark verändert und das Überwachungssystem auf diese wachstumsbedingten Veränderungen Rücksicht nehmen beziehungsweise sich daran anpassen muss.

Mit dem Ohrsensor von CowManager wird erstmals ein Gesundheitsmonitoring für Kälber vorgestellt. Der Algorithmus nutzt hierzu Methoden maschinellen Lernens und ermöglicht somit die Darstellung sich ständig verbessernder Vorhersagen zum Gesundheitszustand des einzelnen Kalbes. Die Alarme werden dem Alter der Tiere angepasst. Dadurch werden Krankheiten möglichst frühzeitig erkannt, Behandlungen dokumentiert und die Gesundheit vom Kalb bis zur Kuh kontinuierlich überwacht.

Die CowManager-Youngstock kann auf diese Weise den Antibiotikaverbrauch reduzieren und die Tiergesundheit weiter optimieren – eine wesentliche Verbesserung im Kälbermanagement.

CowManager GmbH, Halle 11, Stand F55

BETEBE Strohexpress #Eurotier-Silbermedaille

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Bisher mussten die Strohbänder bzw. Pressengarne manuell nach dem Öffnen aus einem Strohballen entfernt werden, bevor dieser einem Strohverteilsystem zugeführt wurde. Dadurch konnte dem Einstreusystem jeweils auch immer nur ein einzelner neuer Ballen zugeführt werden.

Der BETEBE Strohexpress ermöglicht erstmals ein automatisches Entnehmen der Strohbänder aus den Strohballen und minimiert so die Fehleranfälligkeit von Einstreusystemen für Liegeboxen-, Tretmist- oder Tiefstreustallungen. Durch die automatische Pressengarnentnahme wird eine Bevorratung von bis zu zwölf Strohballen in einem platzsparenden, vertikalen Ballenmagazin möglich. In Verbindung mit dem Einstreusystem kann die Anlage vollautomatisch einstreuen und zudem die Staubentwicklung im Stall auf ein Minimum reduzieren. Das platzsparende System kann sowohl im Stallneubau eingebaut als auch nachgerüstet werden.

Der BETEBE Strohexpress spart durch die automatische Pressengarnentnahme Arbeitszeit ein und sorgt über das Ballenmagazin für eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung und verbesserte Arbeitsqualität.

BETEBE GmbH, Halle 12, Stand F26

1190e imp – Assistenzfunktion: Follow me #Eurotier-Silbermedaille

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Ständiges Auf- und Absteigen ist typisch für die Arbeiten mit dem Radlader und nicht nur anstrengend, sondern birgt auch ein ständiges Gefahrenpotenzial für Verletzungen. Gerade bei Hof- und Radladern sind Tätigkeiten häufig, bei denen zwischen einem kurzen Vorsetzen der Arbeitsmaschine und einer anderen Arbeit gewechselt wird.

Das Assistenzsystem Follow me von Weidemann erleichtert diese Arbeit mit dem Hoftrac deutlich. Die Follow-me-Funktion ermöglicht es dem Bediener, vom Fahrzeug abzusteigen und den Hoftrac autonom zum nächsten Arbeitspunkt folgen zu lassen. Mit einem Handgerät kann der Bediener den Hoftrac zum Folgen auffordern und ihn am Ziel fixieren, anschließend kann dieser dann wieder zum nächsten Punkt folgen. Dabei muss aus Sicherheitsgründen dauerhaft ein Taster gedrückt sein. Um die Maschine wird ein virtueller Sicherheitsraum gebildet. Somit sind der Bediener und das Umfeld der Maschine entsprechend abgesichert.

Dieses System ermöglicht es dem Nutzer, Arbeiten mit dem Hoftrac ohne ständiges Auf- und Absteigen durchzuführen. Damit kann auch die Unfallgefahr beim Auf- und Abstieg reduziert werden.

Weidemann GmbH, Halle 27, Stand C24

Omegga One #Eurotier-Silbermedaille

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Aufgrund der intensiven züchterischen Optimierung auf die Legeleistung ist die Aufzucht männlicher Küken von Legerassen nicht darstellbar. Seit 2022 ist das routinemäßige Töten männlicher Küken am ersten Lebenstag verboten, wodurch eine sichere Bestimmung des Geschlechts noch im Ei nötig wurde.

Durch den Einsatz nicht-invasiver und kosteneffizienter, KI-gestützter Spektroskopie hat Omegga mit OmeggaOne die Technologie zur Geschlechtsbestimmung von Legehennen-Küken im Ei („in ovo“) entscheidend verbessert. Das neu entwickelte System erkennt das Geschlecht bis zum siebten Bruttag, wobei keine chemischen oder physischen Eingriffe ins Ei erforderlich sind und die embryonale Entwicklung der Küken somit nicht beeinträchtigt wird.

Das aus ethischer, Tierschutz- und Nachhaltigkeitssicht unnötige Töten männlicher Küken wird dadurch vermieden und die Effizienz durch das Einsparen von Platz und Ressourcen in der Brüterei gesteigert.

Omegga GmbH, Halle 17, Stand H18

HyCare Digital #Eurotier-Silbermedaille

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Schadnager sind in der Landwirtschaft ein nicht zu vernachlässigendes Problem, vor allem weil diese gelagertes Getreide und Futtermittel nicht nur aufnehmen, sondern auch kontaminieren können. Kontaminiertes Getreide und Futtermittel wiederum können Krankheiten bei Nutztieren und auch beim Menschen hervorrufen.

Bei HyCare Digital von MS Schippers handelt es sich um ein ganzheitliches System zur Schadnagerbekämpfung in landwirtschaftlichen Betrieben ohne den Einsatz eines Rodentizids. Dabei werden natürliche Methode der Schadnagervergrämung, wie die Ansiedlung von Fressfeinden und das Habitatmanagement, mit digitalen Beobachtungs- und Fallensystemen kombiniert. Über eine App können die einzelnen Beobachtungspunkte und Fallen überwacht werden. Die App meldet entsprechende Beobachtungen direkt auf das Smartphone des Landwirts, sodass dieser die nötigen Gegenmaßnahmen ergreifen kann. Auch die Auslösung von Fallen wird gemeldet, damit diese schnell kontrolliert und reaktiviert werden können. Gleichzeitig wird die Bekämpfung auch dokumentiert.
HyCare Digital ermöglicht so ein gezieltes Schadnagermanagement, ohne dass Natur und Umwelt unnötig belastet werden.

MS Schippers, Halle 11, Stand A11