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Vogelgrippe beim Rind – H5N1-Virusvermehrung ist auf das Euter begrenzt

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Seit März 2024 sorgt ein massiver Ausbruch der Geflügelpest des hochpathogenen Subtyps H5N1 bei Rindern in den USA für erhebliche Probleme in der dortigen Milchindustrie. Eine in Nature veröffentlichte Studie gibt insbesondere Antworten zum Verhalten dieser Viren im Rind, Orte der Virusvermehrung und der wahrscheinlichen Verbreitungswege.

Die ersten Berichte über diesen ungewöhnlichen Ausbruch beschreiben einen Milchleistungsrückgang, Virusvermehrung im Euter und hohe Ausscheidungsraten in der Milch. Bis September 2024 waren mehr als 200 Milchviehbetriebe in 14 US-Bundesstaaten betroffen und regelmäßig kommen weitere, positiv getestete Betriebe dazu. Darüber hinaus wurden bisher 15 humane Infektionen mit dem Rinder-assoziierten Vogelgrippe-Virus bestätigt, davon vier im direkten Zusammenhang mit Kontakt zu infizierten Rindern oder deren Milch. Viele Fragen waren aber noch ungeklärt oder nur wenig mit Daten belegt: Kann sich das amerikanische Rinder-H5N1 Virus der Klade 2.3.4.4b, Genotyp B3.13 auch im Respirationstrakt vermehren? Können sich auch europäische Geflügelpest-Viren des Subtyps H5N1 im Euter vermehren? Wie schwer erkranken die Rinder, wie lange wird Virus in der Milch ausgeschieden und gibt es eine systemische Ausbreitung im individuellen Tier?

Eine Gruppe von Forschenden des FLI auf der Insel Riems hat nun zusammen mit Forschenden der Kansas State University (KSU) in Kansas, USA, mittels zweier unabhängiger, experimenteller Infektionsversuche an laktierenden Rindern (FLI) und Kälbern (KSU) diese Fragen beantworten können. So konnte am FLI gezeigt werden, dass eine direkte H5N1-Infektion des Euters zu schweren Symptomen führte, teilweise mit hohem Fieber und Mastitis, unabhängig davon ob das verwendete Virusisolat aus den USA oder aus Europa stammte. Sehr hohe Viruslasten konnten in der Milch aller infizierter Rinder nachgewiesen werden und die Milchproduktion verringerte sich rapide. Dennoch wurden weder eine nasale Virusvermehrung, noch eine systemische Ausbreitung im Körper der infizierten Kühe beobachtet. Im Gegensatz zum bereits angepassten Rinderstamm aus den USA zeigte sich sehr früh eine einzelne Säugetieradaptierung in einem für die Virusvermehrung verantwortlichen, viralen Proteins des europäischen H5N1-Isolates (Polymerase PB2 E627K Mutation).

Die Forscher der KSU konnten zudem zeigen, dass eine oronasale H5N1-Infektion von Kälbern mit dem US-Stamm nur zu einer moderaten Virusvermehrung im Respirationstrakt führte und das Virus darüber hinaus nicht an Kontakt-Kälber übertragen wurde. „Diese beiden wichtigen Tierstudien lassen die Schlussfolgerung zu, dass neben der amerikanischen H5N1-Variante auch andere H5N1-Viren der Klade 2.3.4.4b in der Lage sind, sich effizient im Eutergewebe von Rindern zu vermehren und mit der Milch in hohen Mengen ausgeschieden zu werden“, so der Leiter der Studie am FLI, Prof. Dr. Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik und Vizepräsident des FLI. „Außerdem wird sehr deutlich, dass in den USA vor allem die Milch und Melk-Prozeduren maßgeblich für die Verbreitung und Übertragung zwischen Milchkühen verantwortlich sind, und eher nicht der respiratorische Weg.“

Beide Forschungsteams schließen mit dem dringenden Appell, umgehend wirksame und umfassende Maßnahmen zu treffen, um die kontinuierliche Verbreitung bei Kühen in den USA so schnell wie möglich zu stoppen, weitere genetische Anpassungen des Virus zu verhindern, und dadurch die weitere Übertragung auf Geflügel, Wildvögel und andere Säugetiere inklusive des Menschen zu verhindern.

Die Studie ist am 25.09.2024 im renommierten Fachjournal „Nature“ veröffentlicht worden.

Diese Arbeit wurde gefördert durch das Projekt „KAPPA-FLU“ (Horizon Europe-Programm, Projekt Nr. 101084171) und das Projekt „DURABLE“, kofinanziert durch die Europäische Union (EU4Health-Programm, Projekt Nr. 101102733) sowie durch das BMBF-Projekt „PREPMEDVET“ (Projekt Nr. 13N15449).

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut – Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Gefahr durch großen Leberegel: Nasses Jahr 2024 mit höherem Infektionsrisiko

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Der große Leberegel (Fasciola hepatica) ist ein weltweit verbreiteter Endoparasit. Ein Befall mit dem Blut saugenden Wurm führt bei Milchkühen zu einer verminderten Milchleistung und Störungen der Fruchtbarkeit und bei Rindern zu reduzierter Gewichtsentwicklung.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass ein Leberegelbefall zudem ein Risikofaktor für eine Infektion mit Salmonella dublin, einem gramnegativen Bakterium, sein kann. S. dublin führt bei Rindern zu Aborten, Durchfällen oder Lungenentzündungen, aber stellt zudem auch einen gefährlichen Zoonoseerreger dar.

Besonders in regenreichen Jahren wie 2024 ist die Belastung durch den Parasiten groß, denn sein Zwischenwirt, die Zwergschlammschnecke, lebt in Feuchtgebieten und Schlamm und entwickelt sich umso besser, je feuchter es ist. Deswegen sollten entsprechende Maßnahmen auf der Weide ergriffen werden (Auszäunen feuchter Stellen u.ä.).

Da die Erkrankungssymptome unspezifisch sind und keinen eindeutigen Hinweis auf den Parasiten bieten, ist eine sorgfältige Diagnostik wichtig für eine gezielte Bekämpfung des großen Leberegels.

Die Bekämpfung im Tier ist dann ganz einfach: Fragen Sie Ihren Tierarzt nach dem Kombi-Antiparasitikum im Pour-On Verfahren – auch gegen Leberegel. Weitere Informationen

Qelle: Boehringer Ingelheim

Rätsel des Schwänzeltanzes

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Wie navigieren Bienen, wenn die Richtungsangaben der Schwänzeltänze anderer Bienen ungenau sind? Das Konstanzer Forschungsteam rund um den Neurobiologen James Foster versucht, dieses faszinierende Bienenverhalten zu ergründen. Dafür führt er gegenwärtig Experimente auf dem Campus der Universität Konstanz durch.

Der Sommer neigt sich dem Ende zu: Für die Bienen beginnt die Jahreszeit, in der sie genügend Nahrung für den Winter speichern müssen, um die kalte Jahreszeit zu überleben. Das bedeutet Hochsaison für die Bienenforscher*innen rund um James Foster, Gruppenleiter im Bereich Neurobiologe und Mitglied am Exzellenzcluster Kollektives Verhalten der Universität Konstanz. Tagein, tagaus beobachtet das Team auf dem Campus die Bienen aus einem ihrer Forschungsbienenschwärme, die eine künstliche Futterquelle anfliegen. Doch was erforschen die Bienenforscher*innen? Und wie gehen sie dabei vor?

Bienen nutzen einen speziellen Tanz, um ihren Artgenossen Informationen über den Standort von Futterquellen zu geben: den Schwänzeltanz. „In unseren Experimenten konzentrieren wir uns auf die Beobachterinnen des Schwänzeltanzes und versuchen, sie dort zu erwischen, wohin sie fliegen“, erklärt James Foster. Nach jahrzehntelangen grundlegenden Experimenten ist klar, dass die beobachtenden Bienen die Tänze gut interpretieren können, um den Ort zu bestimmen, den die Tänzerinnen mitteilen möchten.

Was tun die Beobachterinnen, wenn die Tänzerin nicht perfekt kommunizieren kann?
„Wir versuchen nun herauszufinden, was die beobachtenden Sammlerinnen tun, wenn die Tänzerin nicht perfekt kommunizieren kann“, sagt James Foster. Um diese Frage zu beantworten, beeinflussen James Foster und seine Forschungsgruppe Tänzerinnen, die von einer neuen Futterquelle zurückkehren, so dass ihr Tanz ungenau oder sogar mehrdeutig wird.

Lesen Sie auf campus.kn, wie die Wissenschaftler*innen dabei genau vorgehen, und schauen Sie sich in der Fotogalerie an, wie ein Forschungstag abläuft.

Faktenübersicht:

– Neurobiologe James Foster ist Gruppenleiter an der Universität Konstanz und Mitglied des Exzellenzclusters Kollektives Verhalten. In seiner aktuellen Forschung nutzt er „Schwänzeltänze“ von Honigbienen, um die Kompassnavigation zu untersuchen.

– Frida Hildebrandt ist Doktorandin am Exzellenzcluster Kollektives Verhalten.

– Jedes Jahr zwischen April und September führt das Team Verhaltensexperimente mit Honigbienen auf dem Campus der Universität Konstanz durch.

– Der Exzellenzcluster Kollektives Verhalten der Universität Konstanz ist ein weltweit führendes Spitzenforschungszentrum für die Erforschung von Schwarmverhalten. Interdisziplinär werden drängende Fragen über Arten- und Organisationsebenen hinweg angegangen, von neuronalen Mechanismen über individuelle Wahrnehmung und Präferenzen bis hin zu kollektivem Verhalten in Gruppen oder ganzen Gesellschaften. Link.

Quelle: Universität Konstanz

Bewertung von Maul-Nasenringen bei Rindern unter dem Aspekt des Tierschutzes #TiHo-Tierschutztagung 2024

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Im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wurden die Folgen des Einsatzes von Maul-Nasenringen, in engem Austausch mit Juristen, tierschutzfachlich bewertet. Die Einschätzung des Amtes erläuterte Dr. Anne Rößler* auf der diesjährigen Tierschutztagung in Hannover.

Maul-Nasenringe (Oberlippen-Nasenringe) sollen das gegenseitige Besaugen von Färsen und Milchkühen verhindern. Beim entsprechenden Eingriff werden Oberlippe, Nasenhöhle und Nasenscheidewand des Tieres durchstochen und auch wenn dies fachgerecht durchgeführt werde (mit Sedation, Lokalanästhesie und Schmermedikation), käme es in der Abheilungsphase zumindest beim Fressen und Trinken immer wieder zu Schmerzspitzen, sagte die Tierärztin. Ebenso könnten während dieser Zeit  Mikroverletzungen bei Körperpflege, Kontakt mit Stalleinrichtungen und Artgenossen auftreten, weil der frischeingezogene Ring immer wieder bewegt und damit das durchstochene Gewebe weiter traumatisiert würde, auch könnten Entzündungen und Abszesse auftreten.

Zwar gäbe es erst wenige Studien zum Thema, aber nach Einschätzung des LGL behindern die Maul-Nasenringe den Aufbau eines Unterdrucks in der Maulhöhle des Rindes als Saugtrinker. Auch sei davon auszugehen, dass die Beweglichkeit von Oberlippe, Flotzmaul und Nase eingeschränkt würden und natürliche Verhaltensweisen der Tiere behinderten. Etwa das Flehmen und Belecken von Nasenlöchern, Eutern und dem Zwischenschenkelbereich. Schließlich bestehe auch ein Risiko, dass sich Kühe am Maul verletzen, wenn sie mit dem Ring etwa an Fütterungs- oder Tränkeinrichtungen hängenblieben.

Dabei gäbe es zur Prävention des Euterbesaugens Alternativen. Dieses Fehlverhalten zeige vor allem Defizite in Management der Tiere, denn es bestünde ein enger Zusammenhang zwischen Besaugen im Kälberalter und bei erwachsenen Kühen. Gegenseitiges Besaugen ließe sich bei Kälbern durch verbessertes Absetzmanagement und Optimierung von Haltung und Fütterung in den ersten Lebenswochen erheblich reduzieren.

Träte das Besaugen bei einzelnen Kühen doch auf, sollten sie schnellstmöglich von der Gruppe getrennt werden. Weil sich das Fehlverhalten auch durch Nachahmung verbreite, sei auch die frühzeitige Schlachtung eines Einzeltieres in Betracht zu ziehen. Ebenso sollten Kühe die eine Prädisposition fürs Besaugen vererben, möglichst von der Zucht ausgeschlossen werden, auch wenn die Heritabilität nur bei 3,7% läge.

Offtmals ließen sich nur bestimmte Tiere in der Herde besaugen. Bei festen Tierkonstellationen könne z. B. der Einsatz von Euternetzten das besaugte Tier schützen.

Ferner könnten sog. Saugschutzhalfter am besaugenden Tier zielführend sein. Wenn sich andere Mittel als unwirksam erwiesen hätten, sei der Gebrauch von Saugstoppringen („Klemmringen“) möglich. Dabei sei darauf zu achten, dass Halfter und Klemmringe regelmäßig kontrolliert werden und nicht dauerhaft am Tier verbleiben, da bei ersteren Scheuerstellen, bei letzteren Läsionen der Nasenscheidewand, entstehen können. Anders als bei Maul-Nasenringen, die, obwohl oftmals nicht erforderlich, darauf abzielen, durch dauerhaften Verbleib am Tier ein Besaugen mechanisch unmöglich zu machen, bestehe das Ziel dieser Methoden darin, den Tieren das unerwünschte Verhalten abzugewöhnen. Der Erfolg der Maßnahme müsse überprüft werden, indem Halfter oder Ring abgenommen und darauf geachtet wird, ob das Tier gelernt hat, das Besaugen zu unterlassen. Bei der Verwendung von Saugstoppringen müsse eine sachgerechte Anbringung gesichert sein. Insbesondere dürfe der Ring nicht so fest angebracht werden, dass er Drucknekrosen der Nasenscheidewand verursacht.

* Landesinstitut Tiergesundheit I, Sachgebiet Tierschutz

Anbindehaltung von Rindern #TiHo-Tierschutztagung 2024

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Dr. Peter Scheibl* widmete sich bei der diesjährigen Tierschutztagung dem „schwebenden Verfahren“ in Sachen Anbindehaltung. Bislang gibt es nur einen Entwurf zur Änderung des Tierschutzgesetzes, das Thema wird aber schon lange öffentlich diskutiert.

Fachlich unstrittig sei, dass in der Anbindehaltung letztlich alle natürlichen Verhaltensweisen von Rindern widersprechen, sagte Scheibl. Bewegungsmöglichkeiten, Körperpflege- und Sozialverhalten würden eingeschränkt.

Die Bewertung jedes Einzelfalls hänge jedoch maßgeblich davon ab, ob es Zeiten ohne Fixierung gebe, wie etwa saisonale Anbindung, täglichen Auslauf, Weidegang an mehreren Tagen pro Woche. Auch bauliche Gegebenheiten und Bodenbeschaffenheit des Stalls seien zu berücksichtigen, eine dauerhafte Anbindung im Stall jedoch unstrittig tierschutzwidrig.

Gegen ein Verbot dieser Haltungsform würde immer wieder argumentiert, dass sie ohnehin auslaufe und von einem Verbot vor allem kleine Betriebe betroffen wären. Zieht man aber die Statistik zu Rate, zeigt sich der lange Zeithorizont des „automatischen“ Auslaufens. 2010 gab es 3,0 Mio., 2020 immer noch 1,1 Mio. Betriebe.

In Bayern ist der Neubau von Ställen mit ganzjähriger Anbindung seit 2022 verboten, die Umstellung auf Laufställe wird zudem finanziell gefördert. Erhaltung der Kulturlandschaft und Förderung der Biodiversität dürften hier eine wichtige Rolle spielen.

Zwar seien tierschutzrechtliche Anordnungen bereits gerichtlich bestätigt worden, das Verwaltungsgericht Münster etwa schrieb 2022 einen Betrieb vor, seinen Tieren mindestens vom 1.6. bis zum 30.9. täglich mindestens zwei Stunden Auslauf auf einer Weide zu gewähren. Für Amtstierärzte bleibe die Bewertung einzelner Ställe so lange schwierig, bis eine konkrete gesetzliche Regelung vorliege, führte Scheibl aus. Und auch danach würde sich die Frage der Vollziehbarkeit stellen: wie soll die Einhaltung von Zeitfenstern ohne Fixierung tatsächlich überwacht werden?

* Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)

Umfangreiche One-Health-Studie zur Verbreitung des Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) in Nature Communications veröffentlicht

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Das „klassische“ Borna disease virus 1 (BoDV-1) wird von Spitzmäusen übertragen und kann zumeist tödliche Gehirnentzündungen bei Tieren (v.a. Pferden) und Menschen verursachen. Die Letalität liegt bei über 90%. Obwohl sowohl das Virus als auch die Erkrankung schon sehr lange bekannt sind, war die Datenlage zur Verbreitung dieses zoonotischen Erregers bisher sehr lückenhaft und größtenteils veraltet.

Unter Leitung des Nationalen Referenzlabors für Bornavirusinfektionen der Tiere am FLI wurde nun die bisher umfassendste Studie zur Verbreitung des BoDV-1 veröffentlicht. Die Studie war im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsverbundes „ZooBoCo“ durchgeführt worden. Beteiligt an der Studie waren mehr als 25 Institutionen aus der Veterinär- und Humanmedizin in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Rahmen dieses Projekts wurden Gehirnproben von aktuellen sowie archivierten Fällen von BoDV-1-Infektionen bei Menschen und Tieren untersucht, die gefundenen Viren genetisch typisiert und umfangreiche Hintergrundinformationen zu den Fällen gesammelt. Eine gemeinsame Analyse dieser neuen Daten in Kombination mit den bereits zuvor publizierten Fällen erlaubt nun erstmals die Festlegung von definierten Kriterien zur Identifikation von Verbreitungsgebieten, in denen ein Risiko für eine Übertragung des BoDV-1 auf Tier und Mensch besteht.

Darüber hinaus liefert die Studie eine erste Übersicht über alle 46 bisher publizierten laborbestätigten BoDV-1-Infektionen beim Menschen.

Hinweise auf ein Vorkommen des Virus wurden ausschließlich in den zuvor bereits angenommenen Verbreitungsgebieten, vor allem in südlichen und östlichen Teilen Deutschlands und begrenzten Gebieten in Österreich und der Schweiz gefunden. Anzeichen einer deutlichen Ausbreitungstendenz des Virus über die vergangenen Jahrzehnte gibt es nicht. Die verschiedenen genetischen Varianten des BoDV-1 treten in voneinander abgrenzbaren Regionen innerhalb des Verbreitungsgebiets auf. Dieser Umstand erlaubt es, anhand ihrer genetischen Signatur die Herkunft der Viren und damit die Infektionsorte von Mensch und Tier einzugrenzen. So konnte in fast allen Infektionsfällen bei Menschen der gefundene Virustyp der jeweiligen Heimatregion der Patientin oder des Patienten zugeordnet werden, was auf in der Regel wohnortnahe Infektionsquellen schließen lässt.

Die Detailuntersuchungen und genetischen Typisierungen der Proben werden durch das Nationale Referenzlabor weitergeführt, um die Datenlage weiter zu verbessern und in Zukunft noch genauere Aussagen zu Risikogebieten und Infektionsquellen treffen zu können. Die Kartierung der Verbreitungsgebiete soll zudem dazu beitragen, die Aufmerksamkeit für die Infektion sowohl in der Human- als auch der Veterinärmedizin zu stärken. „Nun muss in diesen Regionen genauer hingeschaut werden und BoDV-1 als Erreger für Mensch und Tier in Betracht gezogen und Verdachtsfälle abgeklärt werden.“, so PD Dr. Dennis Rubbenstroth, Leiter des Referenzlabors für Bornavirusinfektionen der Tiere.

Die ganze Studie finden Sie hier und weitere Informationen zu Bornaviren hier.

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Durch Stall, Hörsaal und Labor – Tag der offenen Tür am FBN

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Einladung zum Tag der offenen Tür am 21. September

Nach vierjähriger Pause öffnet das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf am Sonnabend, dem 21. September, wieder seine Pforten für alle Interessierten. Neben einer Vielzahl an Mitmachstationen stehen Kurzpräsentationen zu Forschungsthemen, Stallführungen, eine Wissenssafari und Eisherstellung auf dem Programm. Kann Fleisch aus dem Labor das Klima retten, wie kommt ein Kalb zur Welt und haben Schweine eigentlich eine Persönlichkeit? Antworten auf diese und viele weitere Fragen geben die Mitarbeitenden des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN) am Tag der offenen Tür in Dummerstorf.

Das FBN und die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA) laden in der Zeit von 10 bis 16 Uhr große und kleine Besucher ein, die mehr als 20 Aktionsstationen auf dem gesamten Gelände zu entdecken. Forschende geben allen Interessierten Auskunft zu aktuellen Fragen der Nutztierforschung und gewähren spannende Einblicke in ihre Arbeit.

„Der Tag der offenen Tür ist für uns die beste Gelegenheit, die gesamte Bandbreite unserer Forschung zu präsentieren“, so Vorstand Prof. Klaus Wimmers. „Unsere Forschungsthemen reichen von der Vererbung und Ausprägung von Eigenschaften und Fähigkeiten der Tiere bis zu ihrem Verhalten sowie Fragen des Tier-, Umwelt- und Klimaschutzes. Am 21. September zeigen wir all diese Aspekte der Nutztierforschung. Wir laden alle herzlich ein, das FBN zu erkunden und mit unseren Forschenden ins Gespräch zu kommen.

© FBN

Mitmachen erwünscht
Auf dem gesamten Campus warten Aktionsstationen darauf, entdeckt und erforscht zu werden. Dabei werden die Besucher auf vielfältige Weise angesprochen: ertasten, sehen, hören und nicht zuletzt erschmecken können die Gäste die Angebote in den Häusern. Spannende Kurzvorträge vermitteln Wissen zu mutigen Fischen und optimistischen Schweinen, der Geschichte des Melkens oder essbaren Insekten. Die Oxidation von Kohlenhydraten aus der Nahrung kann ebenso gemessen werden wie der eigene Stresslevel. Die Verhaltensbiologie erklärt, was Laute von Schweinen über deren Stimmung verraten, und am Ziegenlerncomputer kann jeder die Tests ausprobieren, die auch die Afrikanischen Zwergziegen am FBN absolvieren. Wer an aktuellen Stellen oder Ausbildungsmöglichkeiten am FBN interessiert ist, lässt sich am Karriere-Stand informieren. Ein besonderes Highlight wartet auf kleine und große Gourmets im Tagungszentrum: mit Hilfe von Stickstoff kann dort jeder sein Eis nach eigenem Geschmack herstellen.

Der Großtier-Operationssaal öffnet ebenso seine Tore wie das Soldatenfliegen-Labor, in dem die Maden dieser besonderen Nutztiere schlüpfen. Bei Führungen durch den Kuh- oder Schweinestall erfahren Besucher Wissenswertes und Besonderes rund um die Haltung der Tiere. Ein Kremserwagen bringt die Gäste der Führung in der Experimentalanlage Schwein zum etwa einen Kilometer entfernt gelegenen Stall. Die Teilnahme an den Führungen ist mit einem kostenfreien Ticket möglich, das die Gäste am zentralen Info-Punkt an der Haupteinfahrt erhalten.

Quizrallye auf dem gesamten Gelände
Zentrales Element des Events ist die Wissenssafari: an zwölf Stationen warten Quizfragen zu unterschiedlichen Themen darauf, beantwortet zu werden. Dabei sind für Erwachsene und Kinder unterschiedliche Fragen vorbereitet. Mit jeder korrekt beantworteten Frage sammeln die Teilnehmer einen Stempel. Die Stempelkarten für die Wissenssafari erhalten Besucher ebenfalls am Info-Punkt.

Attraktionen drinnen und draußen
Nicht nur in den Häusern, auch auf dem Gelände gibt es viel zu entdecken: die Freiwillige Feuerwehr ist mit Hüpf- und Wasserspritzspielen sowie Deftigem aus der Gulaschkanone vor Ort. Daneben versorgen mehrere Grills, ein Wagen mit regionalen Leckereien, ein Süßwarenmobil sowie zwei Kuchenbasare die wissenshungrigen Gäste mit vielfältigen Speisen. Wem nach so viel Forschung und Wissen der Sinn nach Entspannung steht, findet dafür auf den weitläufigen Wiesen ausreichend Gelegenheit – Picknickdecken dürfen gern mitgebracht werden. Der Eintritt ist frei.

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Kostenfreies Fortbildungsangebot für Nutztierhalter

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Die Lernplattform VetMab bietet zahlreiche Online-Kurse für Rinder-, Schweine- und Geflügelhalter an. Beim „Hoftierarzt“ gibt es dafür einen kostenlosen Zugangscode bei freier Kurs-Auswahl. Einfach die neueste Ausgabe des E-Magazins runterladen, mehr zu VetMab erfahren und den kostenfreien Kennelern-Code auf Seite 6 nutzen. Das alles ist natürlich völlig kostenfrei und unverbindlich.

Und wer noch kein kostenfreies Abo des E-Magazins hat, kann sich hier schnell und einfach registrieren.

Alle Details hier noch mal im Video:

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 4/2024 mit exklusivem Lern-Angebot für Leser!

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„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 4/2024 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

• Weniger Antibiotika – mehr Leistung: Lernplattform für erfolgreiche Antibiotikaminimierung im Stall – jetzt testen!
Kostenloses Kennenlernangebot mit exklusivem Code für Leser dieser Ausgabe.

• Studie testet: Kälberdurchfall vorbeugen mit speziellem Futterzusatz?

• Milchleistungsfutter für gesunde u. produktive Milchkühe Darmgesundheit durch Hopfen

• Paratuberkulose im Monitoring

• Eutergesundheit am Melkroboterbetrieb

• Natürliches Tageslicht ohne Hitzestress

• Automatisches Einstreusystem

• Neue oder angepasste Impfkonzepte: Erreger beim Schwein noch besser in den Griff bekommen?

• Neue Fliegenfalle für die Weide Einwegbeutel für die Reinigung

• Blauzunge: Wie ist die aktuelle Lage?

• Mehr Tiergesundheit, bessere Leistung: Kamerasystem ermöglicht 24/7 Überwachung der Masthähnchen

• Frühtracht 2024 – Ergebnisse der Honigernte

Das Tiergesundheits-Magazin für Nutztierhalter erscheint alle zwei Monate im praktischen PDF-Format. Jetzt 1 x registrieren, 1 x in der Bestätigungs-Mail „OK“ klicken und gleich kostenfrei downloaden und lesen!

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Wenn die Hitze orientierungslos macht

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Nicht nur wir Menschen leiden unter Hitzewellen. An der Universität Würzburg fanden Forschende kürzlich heraus, dass heiße Temperaturen Hummeln den Geruchssinn rauben – und damit ihre Nahrungssuche erschweren.

Der Klimawandel setzt Ökosystemen auf unterschiedlichste Weise zu. Eine seiner Folgen sind immer längere und intensivere Hitzeperioden, die essenzielle Abläufe der Natur beeinflussen – zum Beispiel die Bestäubung. Ein Team von Forschenden der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat nun genauer untersucht, wie sich Hitze auf eine bestimmte Akteurin dieser Prozesse auswirkt: Die Hummel.

„Hummeln sind wichtige Bestäuber in natürlichen und landwirtschaftlichen Systemen. Sie haben damit einen hohen wirtschaftlichen Wert und stehen für biologische Vielfalt“, erklärt Dr. Sabine Nooten, Leiterin der Studie. Die pelzigen Insekten sind außerdem äußerst anfällig für Hitzeereignisse, da sie besonders gut an kältere Lebensräume angepasst sind.

Hitze schadet den Tieren
Als Bestäuber orientieren sich Hummeln an Duftstoffen, welche die Pflanzen abgeben. Diese chemischen Wegweiser verraten nicht nur den Standort der Pflanzen, sie enthalten auch Informationen zum Zustand der Blüten.

Im Experiment wurden Hummeln in Röhren Temperaturen von 40 Grad Celsius ausgesetzt – mit gravierenden Folgen. „Die Hummeln sind in ihrer Fähigkeit Pflanzendüfte wahrzunehmen erheblich beeinträchtigt.“, so Sabine Nooten. Sie verlieren quasi ihren Geruchssinn.

Bei Arbeiterinnen konnten Verschlechterungen von bis zu 80 Prozent festgestellt werden. Männliche Tiere büßten bis zu 50 Prozent ihres Geruchssinn ein. Auffällig war weiterhin, dass wilde Hummeln noch größere Probleme mit der Hitze hatten als wirtschaftlich genutzte Tiere.

Auch eine anschließende Regenerationszeit bei passenden Temperaturen sorgte nicht umgehend für Besserung. 24 Stunden nach den Hitzetests zeigten die meisten Hummeln immer noch vergleichbare Beeinträchtigungen.

Folgestudie in Planung
Die Studie bestätigt, wie stark das Zusammenspiel von Insekten und Pflanzen durch den Klimawandel belastet wird. Hitzewellen im Besonderen fällt hier demnach eine tragende Rolle zu. Die Ergebnisse könnten für zukünftige Initiativen zum Artenschutz von entscheidender Bedeutung sein.

Ein Folgeprojekt ist bereits bewilligt, erzählt Sabine Nooten: „Nachdem wir herausgefunden haben, dass Hitzewellen die physiologischen Prozesse der Hummeln zur Wahrnehmung von Blumendüften beeinträchtigen, richtet sich unser Fokus nun auf die Verhaltensseite. Wir werden testen, wie sich Hitze auf das Verhalten der Hummeln bei der Nahrungssuche auswirkt.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg