Poultrystart 3.0 – das unterschätzte Potenzial von Wassermanagement in der Kükenphase

Futterqualität, Stallklima, Lichtsteuerung – in der Aufzucht von Putenküken wird kein Detail dem Zufall überlassen. Und doch kommt es in vielen Betrieben immer wieder zu Problemen mit Verdauungsstörungen, erhöhtem Infektionsdruck oder Leistungseinbußen. Der Grund dafür: Unzureichende Reinigung und Desinfektion der Tränkeleitungen. Putenmäster Benjamin Pohle hat sich der Herausforderung in seinem Betrieb gestellt und zeigt, wie es möglich ist, einer Biofilmbildung mit wenigen Stellschrauben vorzubeugen.

Tatort: Tränkeleitungen
„Ich hatte gar nicht vermutet, dass das Wasser überhaupt das Problem ist“, sagt Benjamin Pohle rückblickend. Gemeinsam mit seinem Vater bewirtschaftet der gelernte Landwirt einen Betrieb mit zwei Standorten im Altenburger Land (Thüringen). Hier mästet er insgesamt 30.000 Putenküken pro Durchgang. Wie viele andere Betriebe setzt er auf antibiotikareduzierte Aufzucht und stieß dabei regelmäßig an Grenzen: „Wir hatten immer wieder schwankende Leistungen in den ersten Tagen: Verdauungsstörungen, Atemwegsreizungen usw. Insbesondere bei hohen Temperaturen hat das noch weiter zugenommen.“

Erst die gezielte Untersuchung von Tränkeleitungen und Tieren – gemeinsam mit Tierarzt und Berater – brachte die Ursache ans Licht: Biofilme in den Leitungen. Hygiene-Berater Matthias Wiecha (Stockmeier) erklärt: „Diese Problematik sehen wir auf ganz vielen Betrieben. Da ist dann zwar die übliche Desinfektion auf Chlor-Basis im Einsatz, aber trotzdem läuft es nicht richtig mit den Küken. Hier steigen wir dann mit der Überprüfung der Leitungen ein. In der Regel finden wir dort einen Biofilm und der bringt eben diverse negative Begleiterscheinungen mit sich.“

Kleine Dosis – große Wirkung
Seitdem setzt Pohle konsequent auf ein abgestimmtes Hygienekonzept inklusive Spülung und gezielter Wasserbehandlung in der Kükenphase. Als Ergänzung zur Tränkwasserdesinfektion auf Chlor-Basis sowie einer zeitgesteuerten Tränkespülung mit hohem Druck kommt bei ihm in der empfindlichen Aufzuchtphase ein Desinfektionsmittel auf Basis von 50,5 g Peroxomonosulfat zum Einsatz,, in niedriger Dosierung, aber mit konstanter Wirkung: „Wir fangen bei den Küken am Tag 0 mit 50 Gramm je 1.000 Liter an und steigern das dann täglich um 50 g bis auf max. 1000 g. Das hat für uns den entscheidenden Vorteil, dass die Schmackhaftigkeit in den ersten Tagen erhalten bleibt, denn hier zeigen sich die Küken sehr wählerisch.“

Der Effekt ist für ihn deutlich spürbar: „Ich merke es einfach an der Einstreu, am Verhalten der Tiere und an der Gesamtentwicklung. Es läuft runder und die typischen Probleme beim Aufstallen haben sichtlich nachgelassen. Deswegen setzen wir das Produkt auch bei den älteren Tieren ein. Hier nutzen wir es gezielt in Stresssituationen oder bei leichten Darminstabilitäten. Zudem können wir bei Temperaturschwankungen sehr schnell reagieren und den Keimdruck frühzeitig senken, ohne direkt auf Vitamin C-Gaben zurückzugreifen.“

Warum Biofilm gerade in der Kükenphase zum Problem wird
Wasser ist das meistgenutzte, aber am wenigsten kontrollierte Futtermittel im Stall. Gerade in der Putenaufzucht kann das fatale Folgen haben, denn in den ersten Tagen nach der Einstallung sind Putenküken besonders sensibel: Ihr Immunsystem ist noch nicht ausgereift, der Darm befindet sich im Aufbau und die Wasseraufnahme ist im Verhältnis zum Körpergewicht extrem hoch.


Zuerst erschienen im zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin. Zum kostenfreien Newsletter-Abo bitte einfach hier anmelden und dann den Link in der Bestätigungs-Mail anklicken. Anschließend den ganzen Artikel in der letzten Ausgabe weiterlesen: