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Faser: Ein Multitool in der Rationsgestaltung

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Von Prof. Reinhard Puntigam, FH Soest und Dr. Julia Slama, Uni Rostock

Die nachhaltige Tierernährung fußt auf den Säulen der Ökonomie, Ökologie sowie der Gesundheit und des Wohlergehens und hat zum Ziel, diese bestmöglich und gleichermaßen zu berücksichtigen. Dazu stehen eine Vielzahl an Strategien der Rationsgestaltung zu Verfügung, die in den vergangenen Jahren stark im Fokus zahlreicher praktischer und wissenschaftlicher Untersuchungen standen. Dabei soll dem Anspruch der Verbraucher:innen ebenso nachgekommen werden, wie auch rechtlichen Vorgaben um die Eigenversorgung an hochwertigen Lebensmitteln gewährleisten zu können – somit Pflicht und Recht.

Neben dem Aspekt der Umweltwirkung rückt die Konkurrenz zwischen Teller und Trog (= Nahrungsmittelkonkurrenz) immer stärker in den Fokus der gesellschaftlichen Diskussion. Vor allem in Trögen von Schweinen finden sich bis zu zwei Drittel an Futtermittel wieder, die ebenfalls potentiell human verzehrbar wären, somit auch auf unserem Speiseplan stehen könnten. In diesem Zusammenhang leistet der gezielte Einsatz von Nebenprodukten der Lebensmittelbe- und -verarbeitung einen oftmals unterschätzten Wert. Zum einen weisen z.B. Nebenprodukte der Müllerei, Brauerei, Zuckerherstellung (Nachmehle, Kleien und Schalen, Trester und Treber, etc.) keinen oder einen kaum human verwertbaren Anteil auf. Zum zweiten ist es der Mehrwert an Nährwert, den der meist hohe Gehalt an Faser dieser Futtermittel als positiven Effekt auf Tier und Umwelt mit sich bringt. Die vielfältigsten Wirkungsmechanismen der faserreichen Nebenprodukte werden entlang des Verdauungstraktes von Schweinen entfaltet, wobei es kleine Ursachen mit großer Wirkung sind, die folgend näher beleuchtet werden sollen.

Faser physiologisch definiert
Faser (in der Humanernährung als Ballaststoffe bezeichnet) stellt eine heterogene Gruppe von Kohlenhydraten dar, die als Bestandteil eines Futtermittels durch körpereigene Enzyme nicht verdaut werden kann. Diese speziellen Verbindungen können jedoch zum Teil im hinteren Verdauungstrakt von Mikroorganismen „geknackt“ werden, wodurch neben mikrobiellem Wachstum auch Fermentationsprodukte entstehen.

Somit ist vorerst ausschließlich „Ballast“ vorhanden, dessen nährstofflicher / energetischer Nutzen bis zum Ende des Dünndarms, dem Hauptort der Nährstoffverdauung und -aufnahme (Protein, Fett, Stärke…) vernachlässigbar ist. Die im Dickdarm gebildeten Fermentationsprodukte, kurzkettige flüchtige Fettsäuren (FFS), welche im Zuge der Fermentation entstehen, können jedoch als Energiequelle genutzt werden. Neben der Fermentierbarkeit der Faser nimmt dabei speziell die Größe des „Fermenters“ eine entscheidende Rolle ein. Je größer desto mehr – so steigt das Potential zur Bildung von FFS vom Saug- über das Aufzuchtferkel, bis hin zu Mastschwein und der ausgewachsenen Zuchtsau wobei nennenswerte Energiebeiträge auf Grund der Fermentation geleistet werden können. Le Goff und Noblet (2001) haben sich als wenige dieser spannenden Frage gewidmet und die Höhe der energetischen Nutzeffizienz der Faser in Abhängigkeit des Tieralters (bzw. deren Größe) herausgearbeitet. Faser liefert zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Lebens einen unterschiedlichen energetischen Beitrag und eröffnet damit ein spannendes Forschungsfeld der Zukunft. Speziell die gebildete Buttersäure (Butyrat) wird als wichtige Energiequelle für die Zellerneuerung im Darm genutzt. Buttersäure fördert die Zellteilung und das Wachstum neuer Zellen und unterstützt damit die Aufrechterhaltung einer gesunden Darmschleimhaut. Darüber hinaus trägt Butyrat zur Stärkung der Darmbarriere bei, wirkt entzündungshemmend und schützt das Darmepithel z.B. vor pathogenen Keimen. Eine Vielzahl an Studien unterstreicht die positive Wirkung. Durch die gezielte „Fütterung“ der Mikrobiota mit Faser, sogenannte Prebiotika, kann ein Darmmillieu geschaffen bzw. aufrechterhalten werden, welches ein ausgewogenes Verhältnis zwischen möglichen pathogenen Keinem und positiven Mikroorganismen hervorruft und somit einer möglichen „Dysbiose“, einem Ungleichgewicht entgegenwirkt. Nicht zuletzt entstehen neben Butter- auch Propion- und Essigsäure, die das Darmmilieu ansäuern und damit das Wachstum pathogener Keime hemmen.

Faser analytisch definiert
Die klassische Bestimmung der oft genannten Rohfaser (XF, damals Holzfaser) geht auf Henneberg und Stohmann (1860) zurück und stellt den „unlöslichen“ (manches geht dennoch in Lösung) Rückstand (Cellulose, Hemicellulose, Lignin) unter Einwirken von Säuren und Laugen im Zuge der Weender Analyse dar. Auch aktuell ist der Gehalt an Rohfaser eines Futtermittels im Zuge der Rationskalkulation und Deklaration das Mittel der Wahl, wenngleich kein direkter Zusammenhang zwischen dem Gehalt an Rohfaser und dem fermentierbaren Anteil an Faser herrscht. Da über den Parameter Rohfaser allein keine ausreichende Bewertung der Faserversorgung von Schweinen gegeben ist, rückt eine genauere Charakterisierung anhand der sogenannten Gerüstsubstanzen (NDF, ADF, ADL) in den Vordergrund.

Damit wird eine Differenzierung in Zellulose, Hemizellulosen und Lignin möglich gemacht und lässt auch erste Rückschlüsse auf die Fermentierbarkeit der Faser zu. Jedoch reichen auch NDF und ADF für entsprechende Empfehlungen zur Versorgung nicht aus, da die Eigenschaften der Faser wesentlich komplexer sind. Die enzymatische Bestimmung der Ballaststoffe (TDF, total dietary fibre oder auch Gesamtfaser), wie sie für die Humanernährung verwendet wird, lässt demgegenüber noch einen tieferen Blick zu. Neben dem Gesamtgehalt an Faser (TDF) kann ebenfalls eine Differenzierung in lösliche (SDF) und unlösliche (IDF) Anteile vorgenommen werden, wodurch eine genauere Abschätzung der Fermentierbarkeit ermöglicht wird. Es gilt: Je löslicher, desto besser fermentierbar. Tabelle 1 stellt die chemische Charakterisierung ausgewählter Faserfuttermittel dar und unterstreicht den Unterschied der jeweiligen Analyse.


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Ökonomische Faktoren für die optimale produktive Lebensdauer von Milchkühen

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Eine neue Schweizer Studie kam zu spannenden Ergebnissen, was Lebensdauer und Produktivität von Milchkühen betrifft. Die Autoren schreiben dazu:

Die kurze Lebensdauer von Milchkühen wirft nicht nur ethische Fragen auf, sondern ist auch Gegenstand ökonomischer Debatten. Die Bestimmung der ökonomisch optimalen Nutzungsdauer (OPL) ist komplex, da ein Großteil der Kühe in den ersten beiden Laktationen gemerzt wird. Ziel dieser Studie war die Schätzung der OPL unter Berücksichtigung relevanter Einflussfaktoren wie Milchverlustrisiken, Kosten für Jungrinder und Zuchtfortschritt. Wir entwickelten ein bioökonomisches Kuhmodell für zwei Produktionssysteme mit unterschiedlichen Milchleistungsniveaus (C_niedrig = 6.194 kg/Jahr, C_hoch = 9.338 kg/Jahr) auf Basis des Nettoertragsansatzes. Das Modell nutzte Buchhaltungsdaten von 189 Familienbetrieben und herdenspezifische Daten von 9.858 Kühen mit zehn abgeschlossenen Laktationen sowie Merzungsstatistiken verschiedener Rassen aus Herdbuchdaten.

Um die Auswirkungen unterschiedlicher Risikoszenarien auf die OPL abzuschätzen, wurde ausgemerzten Kühen ein Milchverlust von 10 % bis 50 % zugewiesen. Die theoretische Nutzungsdauer (OPL) ohne Berücksichtigung von Milchverlustrisiken betrug über 9 Jahre produktiver Lebensdauer, wobei das Grenzeinkommen ab dem vierten Produktionsjahr deutlich sank. Bei einer effektiven Nutzungsdauer von 3,6 Jahren (C_niedrig) bzw. 2,9 Jahren (C_hoch) wurde die zu erwartende Milchverlustrate für den Betrieb auf etwa 25 % geschätzt, wenn die Kühe länger in Produktion blieben.

Die Kosten für Jungrinder hatten einen signifikanten Einfluss auf die Nutzungsdauer: Bei Kosten zwischen 2.700 und 5.000 US-Dollar und einem Risiko von 25 % variierte die Nutzungsdauer zwischen 3 und 7 Jahren. Im Basisszenario mit Kosten von 3.423 US-Dollar für Jungrinder lag die Nutzungsdauer zwischen dem vierten und fünften Produktionsjahr.

Der Einfluss der Milchleistungssteigerung (BP) auf die Nutzungsdauer war gering: Eine angenommene Milchleistungssteigerung von 2 % pro Generation reduzierte die Nutzungsdauer im Vergleich zur Basisannahme identischer Ersatztiere um 6 Monate.

Um das Einkommenspotenzial voll auszuschöpfen, ist es wichtiger denn je, die Produktionssicherheit durch Risikominderung zu verbessern. Dies ist insbesondere für Hochleistungskühe relevant. Dafür ist eine stärkere Fokussierung auf Fitnessmerkmale wie Fruchtbarkeit und Gesundheit erforderlich. Das realistische wirtschaftliche Potenzial einer höheren Nutzungsdauer liegt bei 10 bis 15 % höherem Einkommen pro Kuh. Dieses Potenzial würde bei C_high mit einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 4 Jahren und bei C_low mit 6 Jahren erreicht.

Ergebnisse
Die Gruppe C_low produziert bei ähnlicher Kuhzahl (30,7 vs. 31,5) und ähnlicher Weidefläche (21,5 vs. 19,5 ha) deutlich weniger Milch als die Gruppe C_high. Dies spiegelt sich in den Produktivitätskennzahlen wider. Die verschiedenen Einkommenskennzahlen sind jedoch nur geringfügig niedriger. Dies lässt sich durch die deutlich höheren Ausgaben von C_high für direkte Produktionsmittel und Gemeinkosten und, in geringerem Maße, durch den höheren Milchpreis und die höheren Erträge aus anderen Produkten bei C_low erklären (weitere Details in den Tabellen 5 und 6). Der etwas höhere Milchpreis der Gruppe C_low ist nachvollziehbar, da sie deutlich mehr Betriebe umfasst, die ohne Silage Rohmilchkäse herstellen oder nach ökologischen Richtlinien produzieren. Für das Gesamteinkommen und das Einkommen pro Hektar wurden nur Direktzahlungen berücksichtigt, die direkt dem Milchsektor zugeordnet werden können. Allgemeine betriebsbezogene Direktzahlungen wurden nur für die Arbeitsentlohnung berücksichtigt, die sich aufgrund des geringeren Arbeitsaufwands bei C_low ebenfalls kaum unterscheidet. Unter Berücksichtigung des eigenen Arbeitsaufwands ist die Milchproduktion bei C_high jedoch aufgrund von Skaleneffekten kostengünstiger (Gewinnschwelle 0,84 gegenüber 0,97).

Studie
Ökonomische Faktoren für die optimale produktive Lebensdauer von Milchkühen in zwei verschiedenen Schweizer Milchproduktionssystemen
Gazzarin et al.
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Boehringer Ingelheim erhält europäische Zulassungen für zwei Vogelgrippe-Impfstoffe

Boehringer Ingelheim, ein weltweit führender Anbieter von Präventivmedizin für Nutztiere, hat die europäischen Zulassungen für zwei Vogelgrippe-Impfstoffe (VAXXITEK® HVT+IBD+H5 und VAXXINACT® H5) durch die Europäische Kommission erhalten. Beide Impfstoffe immunisieren Hühner und Puten und VAXXINACT® H5 zusätzlich noch Enten gegen das H5-Vogelgrippevirus, das derzeit in ganz Europa zu Ausbrüchen führt.

Wichtiger Schritt zur Bekämpfung von Ausbrüchen in der Europäischen Union
Die Vogelgrippe, auch bekannt als Aviäre Influenza (AI) oder Geflügelpest, ist eine hochansteckende Krankheit, die sowohl Haus- als auch Wildvögel betrifft. Der Virusstamm H5 ist dabei der am weitesten verbreitete Stamm des Vogelgrippevirus. Da es sich um eine in Deutschland anzeigepflichtige Krankheit handelt, wird sie streng überwacht. Um die Ausbreitung der Vogelgrippe einzudämmen, müssen viele Tiere gekeult werden, was erhebliche Verluste für Geflügelproduzenten und mögliche Einschränkungen im internationalen Handel nach sich zieht. Da sich das Virus ständig weiterentwickelt, sind innovative Impfstofflösungen ein wirksames Mittel, um Ausbrüche zu verhindern und zu bekämpfen. Die Entscheidung zur Impfung gegen die Vogelgrippe liegt bei den nationalen Behörden der einzelnen Länder. Internationale Organisationen wie die WOAH (World Organisation for Animal Health) empfehlen, Präventivimpfungen in Strategien zur Bekämpfung der Vogelgrippe zu integrieren.

„Grenzüberschreitende Tierseuchen wie die Vogelgrippe werden weiterhin eine Bedrohung darstellen, daher sind neue Ansätze zur Bekämpfung dieser Infektionskrankheiten bei Tieren, insbesondere bei Nutztieren, zunehmend wichtig. Boehringer Ingelheim investiert weiterhin in Forschung und Innovation und ist bereit, Regierungen, Gesundheitsbehörden und Produzenten mit Impfstoffen und Expertise in der Überwachung sowie beim Aufbau robuster Krankheitsbekämpfungspläne zu unterstützen“, sagt Armin Wiesler, Leiter des Geschäftsbereichs Tiergesundheit und Mitglied des Vorstands.

Seit 2021 hat die hochansteckende Aviäre Influenza H5 weltweit beispiellose Ausbrüche verursacht, die sich über die meisten Kontinente ausgebreitet und massive Verluste in der Geflügelhaltung zur Folge hatten. Die Ausbrüche haben neue Regionen wie Lateinamerika und sogar die Antarktis erreicht. Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend: enorme finanzielle Schäden für die Geflügelindustrie, Störungen in der Verfügbarkeit von Eiern und Geflügelfleisch sowie Handelsbeschränkungen.

DIVA-Impfstoffe ergänzen Biosicherheits- und Überwachungsmaßnahmen
Die neuen Impfstoffe sind sogenannte DIVA-Impfstoffe (Differentiate Infected from Vaccinated Animals), die eine wichtige Rolle bei der Überwachung von Krankheitsausbrüchen spielen können. Sie verfügen über einen Biomarker, der die Immunantwort auf die Impfung von Antikörpern von jenen abgrenzt, die durch eine Infektion verursacht werden. In Kombination mit Überwachungsmaßnahmen sind sie entscheidend, um das Risiko von Handelsbeschränkungen zu verringern, da sie es Exporteuren und Importeuren ermöglichen, zwischen geimpften und infizierten Tieren zu unterscheiden und so Vertrauen in die Sicherheit der gehandelten Tierprodukte zu schaffen.

Exportbeschränkungen, die derzeit in verschiedenen Ländern gelten, erschweren den freien Handel trotz des Einsatzes von DIVA-Impfstoffen. Boehringer Ingelheim bittet die Politik auf nationaler und internationaler Ebene, Exportbeschränkungen zu überprüfen und anzupassen, sodass der Einsatz von DIVA-Impfstoffen als wirksames Instrument zur Krankheitsbekämpfung anerkannt wird, ohne den internationalen Handel unnötig zu beeinträchtigen.

„Indem wir kontinuierlich die Wirksamkeit unserer Impfstoffe überwachen und unsere Technologien weiterentwickeln, stellen wir den richtigen Schutz gegen das sich weiterentwickelnde Vogelgrippevirus sicher. Die DIVA-Funktion ermöglicht es unseren Abnehmern, ihre Überwachungsprogramme umzusetzen und den sicheren Handel zu unterstützen, während gleichzeitig geimpft wird“, sagt Taoufik Rawi, Head of Franchise Geflügel. „Die Zulassungen von Impfstoffen gegen Hochpathogene Aviäre Influenza ist von entscheidender Bedeutung, um die Bereitschaft zur Bekämpfung von Vogelgrippeausbrüchen in Europa zu erhöhen.“

Quellenangaben:
1) Vaxxinact H5 | European Medicines Agency (EMA), Stand: 17.12.2025
2) Vaxxitek HVT+IBD+H5 | European Medicines Agency (EMA), Stand: 17.12.2025

Quelle: Boehringer Ingelheim

Studie: Schwanzbeißen im Fokus

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Schwanzbeißen ist ein anhaltendes Wohlstandsproblem bei Mastschweinen. Die Identifizierung von Schweinen, die mit dem Schwanzbeißen beginnen, und das Verständnis der auslösenden Faktoren bleiben eine Herausforderung. Diese Studie* hatte das Ziel, Schwanzbeißer zu identifizieren und zu charakterisieren sowie das Wachstum, Schwanzverletzungen und das Schwanzbeißen zwischen Schwanzbeißern und Nicht-Schwanzbeißern zu vergleichen.

Es wurden 432 Schweine mit intakten Schwänzen im Alter von 9 Wochen in kleine (9 Schweine/Abteil) oder große (18 Schweine/Abteil) Gruppen eingeteilt. Sie blieben dort bis zum Schlachtgewicht mit 23 Wochen im selben Abteil. Die Wachstumsleistung wurde über einen Zeitraum von 14 Wochen gemessen. Schwanzverletzungen wurden wöchentlich bei allen Schweinen mit einer Skala von 0-4 bewertet (0 = keine Verletzung; 1 = verheilte Verletzung; 2 = sichtbares Blut; 3 = Wunden oder Abszesse; und 4 = Schwanzverlust). Die höchste Bewertung, die jedes Schwein während des Studienzeitraums erhielt, wurde als „Maximale Schwanzbewertung“ (Maximal Tail Score, MTS) definiert. Ein „Schwanzbeißausbruch“ (Tail-Biting Outbreak, TBO) wurde bestätigt, wenn ein Schwein in einem kleinen Abteil oder zwei Schweine in einem großen Abteil eine Bewertung von ≥ 2 erreichten.

Das Verhalten der Schweine wurde über 14 Wochen hinweg kontinuierlich mit dem NUtrack Livestock Monitoring System aufgezeichnet. Das NUtrack-System wurde an der University of Nebraska – Lincoln durch die Zusammenarbeit von Forschern des Fachbereichs Tierwissenschaften und des Fachbereichs Elektrotechnik und Informationstechnik entwickelt. Es ist eine computergestützte Form der Präzisions-Tierhaltungstechnologie, die in der Lage ist, in Gruppen gehaltene Nutztiere genau zu identifizieren, die Identifizierung aufrechtzuerhalten und deren Verhalten kontinuierlich zu verfolgen.

Videos von 08:00 bis 15:00 Uhr am Tag vor dem ersten TBO in jedem Abteil wurden manuell angesehen, um die Identität und das Geschlecht der Schwanzbeißer sowie der von ihnen gebissenen Schweine zu erfassen. Die Schwanzbisse pro Schwein, die Gesamtzahl der Schwanzbisse pro Abteil und die Schwanzbisse pro Schwein als Prozentsatz der Gesamtzahl der Schwanzbisse im Abteil wurden mittels ANOVA (Varianzanalyse) zusammengefasst.

Die 25 % der Schweine mit den meisten Schwanzbissen (# TB) und dem höchsten Anteil an Schwanzbissen (% Gesamt TB) wurden in jeder Gruppengröße als Schwanzbeißer klassifiziert. In kleinen Buchten führten Schwanzbeißer mindestens sechs Schwanzbisse aus und trugen zu mindestens 20,0 % aller Schwanzbisse in der Bucht bei, während Schwanzbeißer in großen Buchten für mindestens vier Schwanzbisse verantwortlich waren und mindestens 10,6 % aller Schwanzbisse in der Bucht ausmachten.

Die Anfangsgewichte unterschieden sich nicht zwischen Beißern und Nicht-Beißern; Beißer hatten jedoch ein geringeres Endgewicht (P = 0,03) und eine niedrigere durchschnittliche tägliche Zunahme (P = 0,02) als Nicht-Beißer. Bei den Beißern handelte es sich überwiegend um Jungsauen, die 70 % der Gruppe ausmachten. Im Durchschnitt wurden Beißer seltener in den Schwanz gebissen als Nicht-Beißer (P = 0,0001). Es wurde kein Unterschied in der maximalen Schwanzbewertung (MTS) zwischen Beißern und Nicht-Beißern festgestellt.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schwanzbeißer überwiegend Jungsauen waren, eine geringere tägliche Zunahme und ein niedrigeres Endgewicht aufwiesen und seltener Schwanzbisse erlitten als Nicht-Beißer.

*Studie:
Archer, C. A., Forster, S. L., Mote, B. E., Schmidt, T. B., Johnston, L. J., & Li, Y. Z. (2025). Identifying tail-biting pigs in small and large groups of growing-finishing pigs with intact tails. Journal of Animal Science, 103, Supplement 1, Abstract 40. Doi: 10.1093/jas/skaf102.005.
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Studie: Hat Nabeldesinfektion Auswirkungen auf die Gesundheit neugeborener Kälber?

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Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die fehlende Desinfektion der Nabelschnur neugeborener Kälber zu Nabelinfektionen beitragen und potenziell zu Folgeerkrankungen wie Atemwegserkrankungen und Durchfall führen kann.

Diese Pilotstudie* hatte zum Ziel: 1) die Verbreitung der Nabeldesinfektionspraktiken bei neugeborenen Fleischrindkälbern in Kanada zu untersuchen und 2) die Auswirkungen von zwei Nabelbehandlungsmethoden auf Morbidität und sichtbare klinische Ergebnisse zu bewerten, bei denen entweder der Nabel in eine 7%-Jodtinktur getaucht oder mit dieser besprüht wurde. Die Morbidität bezeichnet die Krankheitshäufigkeit in einer Gruppe innerhalb eines bestimmten Zeitraums.

Eine Online-Umfrage wurde über soziale Medien und bei einer Veranstaltung der Fleischrinderindustrie in Alberta im März 2025 verbreitet. Die Morbiditätsdaten von 85 männlichen und weiblichen Angus-Kreuzungskälbern (n = 42–43 pro Behandlung) aus einer Herde in Olds, Alberta, Kanada, wurden bis zum Alter von 40 Tagen erfasst. Eine Teilstichprobe (n = 26 pro Behandlung) wurde innerhalb der ersten 15 Stunden nach der Geburt (Baseline) und anschließend wöchentlich bis zum 28. Lebenstag anhand visueller klinischer Parameter untersucht.

Nach dem Kalben wurden die Mutterkühe mit ihren Kälbern in Außenboxen mit Unterstand, Stroheinstreu und freiem Zugang zu Wasser und Futter untergebracht. Folgende klinische Parameter wurden anhand einer vierstufigen Skala in aufsteigender Reihenfolge des Schweregrades bewertet: Nasen- und Augenausfluss, Husten, Kotkonsistenz und Nabelvergrößerung. Der Zustand der Nabelschnur wurde anhand einer dreistufigen Skala beurteilt, wobei 0 bedeutete, dass die Nabelschnur abgefallen war, 1 Anzeichen von Austrocknung und 2 feuchtes Gewebe anzeigte.

Von den insgesamt 39 Befragten der Umfrage stammten die meisten aus Alberta (36 %) und Ontario (36 %), gefolgt von Manitoba (26 %) und Saskatchewan (3 %). Die Mehrheit (79 %) waren kommerzielle Erzeuger, 8 % hielten reinrassige Tiere und 13 % hielten beide Rassen. Die Kalbeorte variierten: 36 % nutzten Ställe, 36 % Weidehaltung und 23 % Außenboxen oder Mastbetriebe, während die restlichen 5 % der Erzeuger zwischen Stallhaltung und Freilandhaltung wechselten.

Insgesamt behandelten 36 % der Landwirte die Nabel ihrer Kühe, 41 % nicht und 23 % nur gelegentlich. Von denjenigen, die behandelten (23 von 39), verwendeten 52 % 10%ige Jodtinktur, 26 % 7%iges Jod, während die übrigen Jodophor-haltige Produkte (8 %), Povidon-Jod (4 %) oder gar keine Behandlung (8 %) anwendeten. Der Behandlungszeitpunkt variierte: 32 % behandelten innerhalb einer Stunde nach dem Kalben, weitere 32 % zwischen 1 und 6 Stunden, 27 % zwischen 6 und 24 Stunden und die übrigen Landwirte erst mehr als zwei Tage nach dem Kalben. 51 % der Landwirte berichteten von Nabelinfektionen in ihren Herden, während 49 % keinen Fall beobachtet hatten. Insgesamt wurden 40 Krankheitsfälle festgestellt, davon 14 % Lungenentzündung, 18 % Nabelinfektion und 1 % Durchfall. Es wurden jedoch keine Unterschiede hinsichtlich Morbidität oder visueller klinischer Parameter beobachtet. Es zeigte sich eine Variabilität in den Nabeldesinfektionspraktiken kanadischer Rinderzüchter, jedoch ist weitere Forschung erforderlich, um die Wirksamkeit verschiedener Desinfektionsmethoden auf die Gesundheitsergebnisse zu bewerten.

Studie*:
Abbey Kramer et al. (2025): Evaluating navel disinfection practices and health outcomes in newborn beef calves in Canada: A pilot-study. Journal of Animal Science, Volume 103, Issue Supplement_3, October 2025, Pages 332–333
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Webinar: „Genetik in der Rinderzucht – Bedeutung für Gesundheit und Fruchtbarkeit“

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Das nächste Webinar des Schweizer Rindergesundheitsdienstes findet am 7. Januar 2026 statt: „Genetik in der Rinderzucht – Bedeutung für Gesundheit und Fruchtbarkeit“ und die Schweizer freuen sich bestimmt auch über deutsche Teilnehmer.

Programm
19.30 – 20.00
Franz Seefried, Genetiker, Qualitas
Fruchtbarkeit beim Rind, die Rolle der Genetik

20.00 – 20:30
Cord Drögemüller, Professor für Nutztiergenetik, Universität Bern
Genetisch bedingte Störungen beim Milchvieh

20:30 – 21.00
Sarah Widmer, Genetikerin, Qualitas
Zuchtwertschätzung Gesundheitsmerkmale mit Fokus auf neue Zuchtwerte Klauengesundheit

21:00 – 21.30
Simon Schlebusch, Agronom ETH, Braunvieh Schweiz
Fitness im Fokus: Ein Zuchtprogramm für langlebige und gesunde Kühe

Die Anmedlung, teilt der RGS mit, ist bis 17:00 am 7. 1.möglich. Die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Informationen zu Veranstaltung und Anmeldung finden Sie hier.

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 6/2025 erschienen!

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„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 6/2025 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

• Neuer Ansatz zum Trockenstellen – Den Milchfluss schneller stoppen

• Schaumann Quattro: Ergänzungsfuttermittel mit Schutz gegen ein breites Erregerspektrum

• X-Dry 8000 – Die ideale Milchfieberprophylaxe für Milchkühe

• Studie: Hat Nabeldesinfektion Auswirkungen auf die Gesundheit neugeborener Kälber?

• DeLaval: Milchzellenanalyse für Melkroboter

• Lallemand: Einstreuen gegen Keimdruck

• Faser: Ein Multitool in der Rationsgestaltung für Schweine

• BioTag+: Die intelligente Ohrmarke für Sauen mit integriertem Temperatur- und Bewegungssensor

• WEDA Opti.Fill: Der Portionszähler für Abrufstation

• Studie: Schwanzbeißen im Fokus

• Poultrystart 3.0 – das unterschätzte Potenzial von Wassermanagement in der Kükenphase

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Afrikanische Schweinepest: Vorbeugen statt bekämpfen

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Aufklärungsvideos zeigen, wie die Viruseinschleppung verhindert werden soll

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich weiterhin in Europa aus. Auch Niedersachsen bereitet sich weiterhin intensiv auf mögliche Einträge des ASP-Virus und die daraus resultierenden Konsequenzen vor. Eine von Niedersachsen initiierte, länderübergreifende ASP-Übung entlang der Wertschöpfungskette wurde kürzlich abgeschlossen und wird noch evaluiert.

Der Fokus liegt aber weiterhin auch auf der Prävention. Um auf die Gefahren der Tierseuche hinzuweisen, hat die Niedersächsische ASP-Sachverständigengruppe die Erstellung von Aufklärungsvideos in Auftrag gegeben, um die breite Öffentlichkeit und insbesondere Jägerinnen und Jäger sowie Landwirtinnen und Landwirte für die Thematik zu sensibilisieren und auf präventive Maßnahmen hinzuweisen.

Die drei ASP-Kurzfilme sind auf der Webseite bzw. auf dem YouTube-Kanal des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) abrufbar. Die Filme wurden finanziert vom ML, dem Landvolk Niedersachsen, der Landesjägerschaft Niedersachsen sowie dem Zentralverband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Niedersachsen (ZJEN).

Dass das Virus der Afrikanischen Schweinepest „große Sprünge“ vollziehen kann, hat nicht nur die Verschleppung des Virus nach Nordrhein-Westfalen gezeigt, wo aktuell weiterhin Ausbrüche zu verzeichnen sind. Durch genetischen Abgleich wurde dort eine hohe Übereinstimmung mit ASP-Viren aus der italienischen Region Kalabrien nachgewiesen. Zuletzt wurde das ASP-Virus zudem auch bei Wildschweinen in Spanien festgestellt.

Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte: „Die enormen wirtschaftlichen Konsequenzen für die Schweinebranche in den betroffenen Regionen sowie das große Tierleid, das mit einer Infektion mit dem Erreger für jedes einzelne Tier einhergeht, gilt es für Niedersachsen so lange wie möglich abzuwenden. Ich danke allen die mithelfen, die ASP von Niedersachsen fernzuhalten. Die nun veröffentlichten Filme zeigen, was jeder und jede Einzelne beitragen kann. Parallel arbeitet mein Haus fortlaufend an Lösungen, um die Folgen bei einem möglichen erneuten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Niedersachsen so gut wie möglich abzufedern.“

Unter Vorsitz des Landwirtschaftsministeriums und der Geschäftsführung des LAVES beschäftigt sich die Niedersächsische ASP-Sachverständigengruppe fortlaufend mit Fragen der Prävention und Bekämpfung der ASP. An ihr beteiligen sich unter anderem das Landvolk, die Landesjägerschaft Niedersachsen, der Zentralverband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Niedersachsen e.V., kommunale Veterinärbehörden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Einrichtungen. Die hochinfektiöse Viruserkrankung befällt Haus- und Wildschweine. In der Regel verläuft sie tödlich. Für Menschen und andere Tiere ist das Virus ungefährlich.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Schweinemäster profitieren von Zinsvorteilen

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Rentenbank akzeptiert CO2-Berechnung über QS-Klimaplattform

Schweinemäster, die ihre betriebsindividuelle Klimabilanz über die QS-Klimaplattform berechnen, können zukünftig von einem Zinsbonus der Landwirtschaftlichen Rentenbank profitieren. Dieser Bonus wird nach Vorlage des Berechnungsnachweises unabhängig vom Ergebnis der Treibhausgasbilanzierung gewährt. Aktuell beträgt der Zinsbonus 25 Prozentpunkte auf die jeweilige Kondition des Landwirts bei der Rentenbank (Basis/Top/Premium).

Die neue QS-Klimaplattform erfüllt sämtliche Anforderungen der Rentenbank an eine Klimabilanz, die als Grundlage für den Zinsbonus „Klimabilanz“ dient: Sie entspricht dem Berechnungsstandard für einzelbetriebliche Klimabilanzen (BEK) in der Landwirtschaft, umfasst mindestens die Produktionszweigebene und weist den Treibhausgas- Fußabdruck in CO2-Äquivalenten je Einheit aus. Die betriebsindividuellen Ergebnisse werden zudem im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Betrieben eingeordnet.

„Die Akzeptanz der CO2-Berechnung über die QS-Klimaplattform seitens der Landwirtschaftlichen Rentenbank ist ein entscheidendes Signal an die Tierhalter, wie sinnvoll und wichtig die Treibhausgasbilanzierung sein kann“, betont Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der QS Qualität und Sicherheit GmbH. Erstmals stehen durch die Dateneingabe in der QS-Klimaplattform und der automatischen Berechnung im Klima-Check der LfL Bayern verlässliche und vergleichbare Zahlen aus der Tierhaltung zur Verfügung, die nachhaltiges Wirtschaften der Land- und Fleischwirtschaft unterstützen.

Seit Oktober können Schweinemäster aus ihren Betriebsdaten konkrete CO2-Werte berechnen und diese der Fleischwirtschaft für CSRD-Berichtspflichten zur Einsicht freischalten. Gleichzeitig können die Tierhalter diese Daten auch gegenüber Banken und Versicherungen nutzen, die zunehmend Interesse an der CO2-Bilanz ihrer Kunden zeigen.

Nach dem erfolgreichen Start für die Schweinemast koordiniert QS aktuell die Erweiterung des Angebots für Rinder- und Geflügelbetriebe, den Ackerbau sowie für die Obst-, Gemüse- und Kartoffelbranche. Das Angebot ist freiwillig, offen für alle und kostenfrei für QS-Systempartner.

Quelle: QS Qualität und Sicherheit GmbH

Bundeskabinett beschließt Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz

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Rechtssichere Entnahme von Wölfen, Herdenschutzmaßnahmen werden gestärkt

Zum Schutz von Weidetieren: Der Wolf wird – wie im Koalitionsvertrag vereinbart – in das Bundesjagdgesetz (BJagdG) aufgenommen. Das sieht der vom Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, vorgelegte Gesetzentwurf vor, den das Bundeskabinett heute beschlossen hat. Dabei wird der präventive Herdenschutz als zentral für den Schutz der Weidetiere hervorgehoben: Die Finanzierung von Zäunen oder Herdenschutzhunden wird weiterhin unterstützt. Durch die Gesetzesänderung können die Länder in Regionen mit hoher Wolfsdichte und günstigem Erhaltungszustand ein Bestandsmanagement einführen. Wo Wölfe Herdenschutzmaßnahmen überwinden, können sie rechtssicher entnommen werden. In Gebieten, in denen präventiver Herdenschutz unzumutbar ist – etwa in der alpinen Region – ist eine Entnahme zur Vermeidung von Weidetierrissen ebenfalls möglich.

Dazu sagt Bundesminister Rainer: „Weidetierhaltung ist das Herzstück unserer Kulturlandschaft – sie prägt unsere Heimat von den Deichen im Norden bis zu den Almen im Süden. Doch wo Herden grasen, ist der Wolf längst kein Zaungast mehr, sondern Teil des Alltags. Für viele Tierhalter bedeutet jeder Riss nicht nur einen wirtschaftlichen Verlust, sondern auch emotionale Belastung. Wir halten Wort und sorgen dafür, dass Weidetierhalter nachts endlich ruhig schlafen können. Mit der Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz kommen klare, praxistaugliche Regeln und Rechtssicherheit. Damit kann dort gehandelt werden, wo Zäune oder Herdenschutzhunde nicht mehr ausreichen – gerade auch in den alpinen Regionen. Wir stehen an der Seite der Tierhalter, verlässlich und mit Respekt für ihre tägliche Arbeit.“

Im Einzelnen sieht der Gesetzentwurf folgende Regelungen vor:

• Regionales Bestandsmanagement: Mit der Aufnahme des Wolfs in das BJagdG wird den Ländern die Möglichkeit eines regionalen Bestandsmanagements gegeben. Das bedeutet: In Regionen mit hohen Wolfszahlen, wo der günstige Erhaltungszustand festgestellt wurde, können Managementpläne aufgestellt und so die Zahl der regional lebenden Wölfe reguliert werden. In diesem Rahmen ist eine Jagdzeit von 1. Juli bis 31. Oktober vorgesehen.

• Entnahme von Wölfen: Haben Wölfe Herdenschutzmaßnahmen überwunden und Weidetiere verletzt oder getötet, ist eine leichtere, rechtssichere Entnahme der Wölfe, unabhängig vom Erhaltungszustand, möglich.

• Ausweisung von Weidegebieten: In einigen Regionen Deutschlands ist präventiver Herdenschutz, zum Beispiel das Aufstellen von Zäunen, aufgrund der geografischen Gegebenheiten, wie Hangneigung, Bodenbeschaffenheit oder Lage an Gewässern nicht möglich. Das ist beispielsweise in den Alpen (Almwiesen) oder an den Küsten (Deiche) der Fall. Die Bundesländer bekommen nun die Möglichkeit, bestimmte Weidegebiete auszuweisen, um hier den Schutz der Weidetiere durch die Entnahme der Wölfe sicherzustellen.

• Finanzierung Herdenschutz: Derzeit ist die Finanzierung von Herdenschutzmaßnahmen über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) geregelt. Wir überprüfen diese Regelungen mit dem Ziel, Verbesserungen bei der Förderung des Herdenschutzes zu erzielen.

• Bericht an den Bundestag: Nach fünf Jahren berichtet die Bundesregierung dem Deutschen Bundestag, inwieweit sich die Regelungen bewährt haben.

• Kein Handel mit Wolfstrophäen: Die Regeln der EU-Artenschutzverordnung gelten auch weiterhin für den Wolf: Damit sind Zurschaustellung und Handel mit toten Wölfen auch künftig verboten.

Zudem soll ein Runder Tisch „Wald/Wild“ eingerichtet werden, bei dem BMLEH, BMUKN, Länder sowie Wald-, Umwelt- und Jagdverbände bis Ende 2026 Ergebnisse zum Wald-Wild-Konflikt vorlegen wollen.

Hintergrund:
Die Wolfsbestände in Europa sind in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen – von 11.200 Tieren im Jahr 2012 auf über 20.300 im Jahr 2023. In Deutschland leben derzeit 209 Wolfsrudel, vor allem in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen. Parallel dazu steigt die Zahl der Wolfrisse: Im Jahr 2024 wurden rund 4.300 Nutztiere, überwiegend Schafe und Ziegen, von Wölfen gerissen, zum Teil trotz der weiterhin wichtigen Herdenschutzmaßnahmen wie Zäunen und Herdenschutzhunden.

Deutschland hat der EU-Kommission dieses Jahr den „günstigen Erhaltungszustand“ des Wolfs in der atlantischen und der kontinentalen Region gemeldet. Damit sind die Voraussetzungen gegeben, um den Ländern in Regionen mit einem guten Erhaltungszustand die Gelegenheit für ein regionales Wolfsmanagement einzuführen. Mit der Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz und den entsprechenden Anpassungen im Bundesnaturschutzgesetz ist dafür die rechtliche Grundlage geschaffen. Bereits Anfang des Jahres war der Wolf von „streng geschützt“ auf „geschützt“ in der Berner Konvention herabgestuft worden.

Quelle: BMLEH