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EU-Bericht unterstreicht Bedeutung der Reduktion von Antibiotika bei Menschen und Tieren

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Das ECDC (Europäisches Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten) veröffentlichte gerade eine Studie, in der es heißt: „Länder, die ihren Antibiotikaverbrauch sowohl bei Tieren als auch bei Menschen verringert haben, konnten einen Rückgang antibiotikaresistenter Bakterien verzeichnen.“ Gemeinsam mit der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) legt die ECDC eine integrierte Analyse des Verbrauchs antimikrobieller Wirkstoffe und des Auftretens antimikrobieller Resistenzen (AMR) bei Bakterien von Menschen und lebensmittelliefernden Tieren (JIACRA IV) vor. Der Bericht verfolgt einen One-Health-Ansatz, und präsentiert Daten, die hauptsächlich zwischen 2019 und 2021 zu Antibiotikaverbrauch und AMR (anti-mikrobielle Resistenzen) in Europa gesammelt wurden. Die wichtigsten Ergebnisse und ihre Auswirkungen im Überblick • Im Jahr 2021 wurde die Gesamtverbrauch von Antibiotika (AMC = anti-microbial consumption) bei Menschen in 29 EU-/EWR-Ländern auf 125,0 mg pro kg Biomasse geschätzt (in 28 Ländern im Bereich zwischen 44,3–160,1) und 92,6 mg pro kg Biomasse für lebensmittelliefernde Tiere (29 Länder im Bereich zwischen 2,5–296,5). • Zwischen 2014 und 2021 sank der mittlere Gesamtverbrauch in mg pro kg bei lebensmittelliefernden Tieren um 44 %, während sie beim Menschen relativ stabil blieb. Auch schwankte der Verbrauch deutlich zwischen den EU-/EWR-Ländern, wobei die meisten, aber nicht alle Länder einen rückläufigen Trend aufwiesen. • Zwischen 2014 und 2021 wurde in 10 von 20 Ländern, die den Antibiotika-Einsatz bei lebensmittelliefernden Tieren deutlich reduzierten, das Indikatordarmbakterium E. coli bei diesen Nutztieren zunehmend anfälliger gegenüber antimikrobiellen Mitteln (d. h. es zeigte „vollständige Anfälligkeit“ oder „keine Resistenz“) ‚ zu einem harmonisierten Satz wichtiger antimikrobieller Mittel). Ebenso wurden in neun von 19 Ländern, die die Gesamtmenge der eingesetzten Antibiotika beim Menschen deutlich reduzierten, E. coli, die aus invasiven Infektionen des Menschen stammen, zunehmend anfällig (d. h. sie zeigten „vollständige Anfälligkeit“ oder „keine Resistenz“ gegenüber einer harmonisierten Gruppe wichtiger antimikrobieller Mittel). Diese Ergebnisse zeigen, dass eine Reduzierung der AMC insgesamt zur Senkung der AMR beitragen kann. Dies unterstreicht auch die Bedeutung von Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von Menschen und Tier, wie Impfungen und besserer Hygiene, um so den Bedarf an antimikrobiellen Mitteln zu verringern. • Daten von 2019 bis 2021 bestätigten einen Zusammenhang zwischen dem Verbrauch bestimmter Gruppen antimikrobieller Mittel und dem Auftreten von Antibiotikaresistenzen gegen diese Gruppen antimikrobieller Mittel in Bakterien sowohl von Menschen als auch von lebensmittelliefernden Tieren. • Beim Menschen wurden Unterschiede zwischen dem AMC-Spiegel von Carbapenemen, Cephalosporinen der 3. und 4. Generation und (Fluor-)Chinolonen und der Resistenz gegen jede dieser Gruppen bei E. coli gefunden, die von invasiven Infektionen des Menschen stammen. • Bei lebensmittelliefernden Tieren wurden positive Zusammenhänge zwischen dem AMC-Spiegel von (Fluor-)Chinolonen, Polymyxinen, Aminopenicillinen und Tetracyclinen und der Resistenz gegen jede dieser Gruppen bei Indikator-E. coli von zur Lebensmittelerzeugung genutzten Tieren festgestellt. • Beim Geflügel bestand ein positiver Zusammenhang zwischen der Aufnahme von (Fluor-)Chinolonen und der Resistenz gegen diese Gruppe antimikrobieller Mittel bei Campylobacter jejuni. • Bei Schweinen bestand ein positiver Zusammenhang zwischen der Aufnahme von (Fluor-) Chinolonen und Makroliden und der Resistenz gegen die jeweiligen Gruppen bei Campylobacter coli. In einigen Fällen wurde Resistenzen in Bakterien von Menschen auch mit Resistenzen in Bakterien von lebensmittelliefernden Tieren in Verbindung gebracht, die wiederum mit entsprechenden AMC bei lebensmittelliefernden Tieren in Verbindung gebracht wurden, insbesondere bei Kombinationen mit durch Lebensmittel übertragenen zoonotischen Bakterien wie Campylobacter jejuni und (Fluor)Chinolone und für Campylobacter coli und Makrolide. Link zu Original-Meldung und Download der Studie.

„Wie können wir Schweine im Offenstall vor ASP schützen?“ – Fachtagung des Verbunds trafo:agrar und dem Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt (HMLU)

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Über 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus landwirtschaftlicher Praxis, Wissenschaft, Wirtschaft und des öffentlichen Veterinärwesens sind der Einladung des Verbunds Transformationsforschung agrar Niedersachsen (trafo:agrar) sowie dem Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt (HMLU) gefolgt und haben am Donnerstag, 15. Februar 2024, auf einer Fachtagung zur Vorstellung der ASP-Risikoampel OFFENSTALL Herausforderungen und Perspektiven für Schweinehaltungen im Offenstall im Kontext der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland diskutiert. Insbesondere war die praktische Umsetzung des neuen europäischen Tiergesundheitsrechts (AHL) für Schweinehaltende und Behörden eines der Tagungsschwerpunkte. Anlass der vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und dem BMEL unterstützen Tagung zum Projektabschluss des aus dem hessischen Öko-Aktionsplan finanzierten Projekts, war die Vorstellung der ASP-Risikoampel OFFENSTALL, einem kostenlosen und frei zugänglichen Onlinetool zur Risikobewertung eines Eintrags von ASP in schweinehaltende Betriebe in Offenstallhaltung. Hessens Agrarstaatssekretär Michael Ruhl würdigte das neue Instrument: „Für mich ist diese Ampel gelebter Tierschutz.“ Die Hessische Landesregierung habe es sich zum Ziel gemacht, Innovationen in der Landwirtschaft zu fördern. „Das gilt vor allem für solche Verbesserungen, die Mensch und Tier dienen. Deshalb freue ich mich, dass die aus dem Ökoaktionsplan finanzierte Afrikanische Schweinepest-Ampel für Offenstallhaltungen nun an den Start geht.“ Zum Auftakt des Fachprogramms leiteten Dr. Madeleine Martin, hessische Landestierschutzbeauftragte, sowie Dr. Barbara Grabkowsky, Leiterin des an der Universität Vechta angesiedelten Verbunds trafo:agrar, in die fachliche Thematik ein. „Für die Zukunft, nicht nur der hessischen Schweinehaltung, brauchen wir auch in Zeiten der ASP eine sichere Perspektive für tiergerechte Haltungsformen. Das bereits bewährte Konzept der Risikoampeln ist aus unserer Sicht der richtige Weg, um aktuelles Wissen in die Praxis zu bringen“, so Dr. Martin. Unterstrichen wurde dies von Dr. Barbara Grabkowsky, die die Bedeutung des partizipativen Verfahrens bei der Entwicklung der Ampel herausstellte. „Akzeptanz für die notwendige Transformation in der Tierhaltung erreichen wir nur durch Einbeziehung aller relevanten Beteiligten auf Augenhöhe“, so Grabkowsky. Im Fachprogramm gab Frau Prof. Dr. Carola Sauter-Louis (FLI) einen Überblick und Ausblick zur ASP in Deutschland und Europa, gefolgt von einer positiven Bewertung der bisherigen Anstrengungen schweinehaltender Betriebe für mehr Biosicherheit. „Die Afrikanische Schweinepest ist nun schon seit über drei Jahren in Deutschland, vor allen Dingen bei Wildschweinen. Wir hatten bisher nur acht Ausbrüche bei Hausschweinen zu verzeichnen und dies ist höchstwahrscheinlich der sehr guten Umsetzung von Biosicherheitsmaßnahmen zu verdanken. Doch diese acht Ausbrüche zeigen auch, dass die Gefahr ständig existiert und wir nicht nachlassen können, die Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und zu optimieren“, so ihr Fazit. Die neu vom BMEL herausgegeben „Leitlinien zur Auslauf- und Freilandhaltung“ einschließlich der rechtlichen Herausforderungen für Schweinehalter vor dem Hintergrund des neuen EU-Tiergesundheitsrechts stellte Frau Dr. Barbara Hoffmann (BMEL) vor. „Die Neuerungen im Tiergesundheitsrecht bedeuten ein „Mehr“ an Verantwortung für die Schweinehaltende. Wichtig ist, dass diese nicht von diesen alleine, sondern gemeinsam mit den weiteren Akteurinnen und Akteuren im Sinne einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit getragen werden sollte – sei es mit den betreuenden Fachleuten oder auch mit den Veterinärbehörden. Das Thema “Biosicherheit/ Schutz vor biologischen Gefahren“ steht hier sicherlich bei der Prävention der ASP an erster Stelle.“ Abgerundet wurde der Überblick von den Ergebnissen zur Untersuchung der Biosicherheit von 16 hessischen Auslaufbetrieben hinsichtlich der ASP-Prävention, die Dr. Sabrina Becker von der Justus-Liebig-Universität Gießen vorstellte, denn „niemand weiß ob und wann die Afrikanische Schweinepest auch Hessen erreichen wird“, so die Wissenschaftlerin. Es zeigte sich, dass die Betriebe im Wesentlichen gut vorbereitet sind. Jedoch können Nachbesserungen der Einfriedung, die Aufklärung von Besuchern sowie einige Details in der Umsetzung einer konsequenten Schwarz-Weiß- und Hygiene-Strategie weiter mithelfen, die Biosicherheit zu optimieren, um den Eintrag der Seuche zu verhindern. Im fachlich-praktischen Teil der Tagung gab Dr. Stefanie Klausmann (SUISAG SGD, Sempach) einen fundierten Einblick in die Biosicherheitsmaßnahmen von Schweizer Schweinehaltungsbetrieben, welche bereits seit vielen Jahren flächendeckend über Erfahrungen mit der Offenstallhaltung verfügen. Eindringlich warnte sie jedoch vor den Gefahren der ASP. „Seit 2017 haben in Europa mehr als 2.3 Mio. Schweine aufgrund ASP ihr Leben verloren (Quelle: WAHIS-Daten, WOAH). Durch gute Biosicherheitsmassnahmen können wir zumindest die Keulung unserer Hausschweine verhindern. Aus diesem Grund sollten wir die «Friedenszeiten» nutzen und unseren Fokus auf eine gute Biosicherheit richten. Packen wir es an!“, so der Apell der Expertin. Die Erstellung der und die Arbeit mit der neuen ASP-Risikoampel stellten Dr. Maria Gellermann (trafo:agrar) und Dr. Jens van Bebber (Verein zur Förderung der Offenstallhaltung) vor. „Nur durch die engagierte Unterstützung zahlreicher Experten konnten in dieser Risikoampel nicht nur neue Inhalte, sondern auch neue Funktionen, wie z.B. Filterfunktion des Fragebogens implementiert werden“, so Dr. Gellermann, „in kontinuierlicher Weiterentwicklung des Konzepts Risikoampel erwarten wir einen hohen Mehrwert für die Praxis, das war unser Ziel“. Dr. Jens van Bebber präzisierte in seiner Präsentation diese Anforderungen der Praxis anhand des eigenen Offenstallbetriebs in der Grafschaft Bentheim. Zudem wies er auf die Notwendigkeit hin, Bemühungen im Umgang mit der ASP nicht bei der Prävention auf den Höfen enden zu lassen. Ebenso wichtig sei die Entwicklung von differenzierten Lösungen für die Vermarktung von Tieren aus einer Sperrzone heraus. Die Tagung endete mit einer angeregten Diskussion, u.a. mit Fragen zur praktischen Umsetzung des neuen Tiergesundheitsrechts, zu konkreten Maßnahmen für Offenstallhaltungen in ASP-Sperrzonen sowie zur gegenwärtigen Situation und zukunftsfesten Perspektiven für diese tiergerechte und gesellschaftlich erwünschte Haltungsform. Der direkte Zugang zur ASP-Offenstall-Risikoampel und weiteren ASP-Ampeln ist hier zu finden. Quelle: Universität Vechta

Welche Auswirkungen haben unterschiedliche Rohproteingehalte im Futter auf Ammoniak- und Treibhausgasemissionen im Milchviehstall

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Die Agroskop Forschungsgruppe Wiederkäuerernährung und -emissionen und das Empa Labor für Luftverschmutzung / Umwelttechnologie in der Schweiz haben die Emissionen zweier mit unterschiedlicher Ration gefütterter Herden im praktischen Maßstab verglichen. Dabei reduzierte ein geringerer Rohproteingehalt in der Nahrung deutlich die Ammoniak- und Lachgasemissionen. Nahrungsprotein, Stickstoffausscheidung im Urin und Milchharnstoffgehalt zeigten Zusammenhänge. Höhere Temperaturen und Windgeschwindigkeiten erhöhten die Ammoniak- und Lachgasemissionen. Temperatur und Windgeschwindigkeit beeinflussten die Ammoniakemissionen stärker bei höheren Proteingehalten. Im Abstract zu ihrer Studie schreiben die Schweizer: „Weniger Rohprotein (crude protein = CP) in der Nahrung kann die Stickstoffausscheidung von Milchkühen verringern und ihr Potenzial zur Bildung von Ammoniak (NH3) und Lachgas (N2O) senken. Die Zusammensetzung der Nahrung könnte sich auch auf die Emissionen von Methan (CH4) und Kohlendioxid (CO2) auswirken. Bisherige Studien untersuchten jedoch nicht den Effekt der in der Schweiz üblichen Rationen mit unterschiedlichen CP-Werten auf die NH3- und Treibhausgasemissionen im praktischen Maßstab. In einem Fall-Kontroll-Ansatz haben wir die Emissionen (NH3, N2O, CH4, CO2) in zwei getrennten, aber identischen Abteilen eines natürlich belüfteten Liegeboxenstalls für laktierende Milchkühe über sechs Tage mithilfe einer Tracer-Ratio-Methode quantifiziert. Kühe in einem Abteil erhielten ein Futter mit 116 g CP pro Kilogramm Trockenmasse (TM), im anderen Abteil 166 g CP pro Kilogramm Trockenmasse (TM). Anschließend wurde die Ernährung für eine zweite 6-tägige Messphase umgestellt. Die Ergebnisse zeigten, dass die Ernährung neben der Außentemperatur und der Windgeschwindigkeit im Stall zu einem Anstieg der NH3- und N2O-Emissionen führte. Die Reduzierung der NH3- und N2O-Emissionen pro Großvieheinheit (GVE) betrug im Durchschnitt 46 % bzw. fast 20 % für das Futter mit niedrigem CP-Wert im Vergleich zum höheren CP-Wert. Darüber hinaus wurden starke Zusammenhänge zwischen dem CP-Gehalt der Nahrung, der N-Ausscheidung im Urin und dem Milchharnstoffgehalt beobachtet. Eine erhöhte Temperatur bzw. Windgeschwindigkeit führte zu einem deutlichen Anstieg der NH3-Emissionen. Unterschiede in den CH4- und CO2-Emissionen pro GVE deuteten auf einen signifikanten Einfluss der Ernährung hin, der nicht auf den CP-Gehalt zurückgeführt werden kann. Unsere Studie auf Herdenebene hat gezeigt, dass eine signifikante Reduzierung der NH3- und N2O-Emissionen im Zusammenhang mit LU, energiekorrigierter Milch sowie der Trockenmasseaufnahme durch die Senkung des CP-Gehalts in der Nahrung erreicht werden kann.“ Energietechnisch wurden die Rationen mit etwa 29 kg Milch pro Tag berechnet. Nach dem Melken am Nachmittag wurde den Kühen beider Versuchsgruppen Ad-libitum-Zugang zu jeweils verschiedenen Konzentraten gewährt, eine energiereich und eine proteinreich, wurden individuell nach Milchleistung und Körperkonditionsbewertung per Futterautomat gefüttert. Die Kühe hatten außerdem ständigen Zugang zu Wasser. Gemessen wurde dann ein energiekorrigierter Milch-ECM-Ertrag pro Kuh (kg d−1). Für niedrigen CP-Gehalt 24.8 l ± 0.8 und für hohen CP-Gehalt 27.8 l ± 2.3. Originalstudie: Schrade et al.: Auswirkung von Futtermischungen mit unterschiedlichen Rohproteingehalten auf die Ammoniak- und Treibhausgasemissionen eines natürlich belüfteten Milchviehstalls https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969723036501?via%3Dihub

Lawsonien-Impfung macht Schweinehaltung nachhaltiger

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* Studie von MSD Tiergesundheit belegt: Impfung verringert CO2-Fußabdruck * Stickstoff- und Phosphorausscheidungen durch Lawsonien-Impfung geringer * Tiere, Umwelt und Landwirte profitieren von Lawsonien-Impfung Impfen gegen Lawsonien schützt die Umwelt: Eine Impfung gegen das Bakterium Lawsonia intracellularis verbessert nicht nur die Darmgesundheit von Schweinen, sie macht die Schweinehaltung auch gleichzeitig nachhaltiger – das ergab eine Studie von MSD Tiergesundheit.[1] Der Erreger Lawsonia intracellularis kann bei Schweinen schwere Darmerkrankungen hervorrufen. In mehr als 90% der Bestände in Deutschland ist der Erreger nachweisbar[2] – mit teils schweren gesundheitlichen Folgen. Infizierte Tiere weisen ein verringertes Wachstum und einen höheren Futtermittelbedarf auf. Die Erkrankung der Tiere hat daher auch ökologische Konsequenzen: Aufgrund der schlechteren Futterverwertung benötigen die Tiere höhere Futter- und damit Nährstoffmengen, was zu höheren CO2-, Stickstoff- und Phosphor-Emissionen führt. Impfung leistet Beitrag zur Nachhaltigkeit Für die Studie wurden nach der Diagnose des Erregers die Leistungsdaten von Mastschweinen in neun Mastbetrieben vor und nach einer Lawsonia Impfung – intramuskulär oder intradermal – untersucht. Durch die Impfung konnte die Gesundheit und Leistung der Tiere in den ausgewerteten Betrieben verbessert und der Einsatz von antibiotischen Behandlungen reduziert werden. Zusätzlich verbesserte sich die Futterverwertung der Tiere im Mittel um 0,11 Punkte. Die Stickstoffausscheidungen der geimpften Tiere reduzierten sich um bis zu 16 %, die Phosphorausscheidungen um bis zu 17 %. Der CO2-Fußabdruck verringerte sich nach dem Einsatz des Impfstoffes um bis zu 6,23 %. „MSD Tiergesundheit ist sehr stolz auf diese Forschungsleistung. Damit können wir einen weiteren wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Tiergesundheit, der Nachhaltigkeit und der Zukunftsfähigkeit der Schweineproduktion in Deutschland leisten“, sagt Dr. Robert Tabeling, Senior Marketing Specialist bei MSD Tiergesundheit, der die Studie leitete. Die Unterstützung der Darmgesundheit durch die Lawsonien-Impfung ist ein Multitalent: Tiergesundheit und Tierwohl werden verbessert und der Einsatz von Antibiotika verringert. Zugleich leistet die Impfung einen Beitrag zur Nachhaltigkeit der Schweinhaltung. Für die Landwirte kommt noch ein weiterer Vorteil dazu: weniger Futtermitteleinsatz bedeutet auch geringere Kosten. So profitieren sowohl die Tiere als auch Umwelt und Landwirte von nur einer Impfung. Wissenschaft. Seit mehr als einem Jahrhundert steht MSD an der Spitze der Forschung und entwickelt Medikamente, Impfstoffe und innovative Gesundheitslösungen für die schwerwiegendsten Krankheiten auf der Welt. MSD Tiergesundheit ist das globale Tiergesundheitsgeschäft von MSD. [1] Tabeling, R., Renken, C., v.u.z. Muehlen, F (2023): Impfung von Schweinen gegen Lawsonia intracellularis i.m. oder i.d. – Kalkulation der Effekte einer verbesserten Futterverwertung auf die N- und P-Ausscheidung sowie den CO2-Fußabdruck Beispielkalkulationen aus verschiedenen Praxisbetrieben. Tierärztliche Umschau 3: 4-13. [2] Arnold, M., A. Crienen, H. Swam, S. v. Berg, R. Jolie, H. Nathues (2019): Prevalence of Lawsonia intracellularis in pig herds in different European countries. Porcine Health Management 5: 31. Quelle: Intervet Deutschland GmbH

Varroamilben schaden Honigbienen doppelt – Parasitische Milben begünstigen die Verbreitung opportunistischer Viren

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Die Varroamilbe schädigt Honigbienen nicht nur durch ihr Parasitentum, sondern auch, weil Varroa-infizierte Bienenvölker eine höhere Belastung mit schädlichen Viren aufweisen als nicht-infizierte Völker. In einer neuen Studie hat ein Forscher der Universität Ulm zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus Europa und den USA die Auswirkung der globalen Verbreitung der Varroamilbe auf die Honigbiene untersucht. Die Vermutung der Forschenden: die Varroamilbe verändert die Übertragbarkeit und Virulenz verschiedener Viren. Erschienen ist die Studie in der Fachzeitschrift Royal Society Open Science. Die Varroamilbe schädigt Honigbienen doppelt: Nicht nur durch die negativen Auswirkungen der Milbe selbst, sondern weil Varroa-infizierte Bienenvölker eine höhere Belastung mit schädlichen Viren aufweisen als nicht-infizierte Völker. In einer neuen Studie hat ein Forscher der Universität Ulm zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus Europa und den USA die Auswirkung der globalen Verbreitung der Varroamilbe auf die virale Gemeinschaft der Honigbiene untersucht. Die Forschenden vermuten, dass die Varroamilbe die Übertragbarkeit und Virulenz verschiedener Viren verändert hat. Erschienen ist die Studie in der Januar-Ausgabe der Fachzeitschrift Royal Society Open Science. Die Varroamilbe (Varroa destructor) gilt als eine Hauptursache des seit einigen Jahren immer wieder auftretenden seuchenartigen Bienensterbens, bei dem ganze Völker verenden und der für Imker einen schweren wirtschaftlichen Schaden darstellen kann. Der Milbenbefall schwächt die Honigbienen (Apis mellifera) auf verschiedenen Wegen: Durch das Aussaugen von Körperflüssigkeit verlieren bereits befallene Larven an Gewicht, die ausgeschlüpften Bienen sind kleiner als gesunde Tiere. Auch die erwachsenen Bienen werden durch die Parasiten geschädigt. Die befallenen Tiere besitzen eine deutlich verkürzte Lebensspanne, haben schlechtere Lernleistungen und kehren häufiger nicht in den Stock zurück. In Europa nahm die Zahl der Honigbienenvölker von über 21 Millionen (1970) auf 15,5 Millionen im Jahr 2007 ab. Erst ab den 1990er-Jahre ist der Rückgang deutlich angestiegen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem aus Ulm, Halle-Wittenberg, Schweden, Norwegen, Frankreich, der Schweiz, Belgien und den USA untersuchten in ihrer globalen Studie die Verbreitung und die Häufigkeit von insgesamt 14 Viren in Bienenvölkern aus Skandinavien, den Britischen Inseln, Kanada und Neuseeland und das vor und nach der Ausbreitung der Varroamilbe. Die Daten stammen aus den Jahren 2010 bis 2013 und aus insgesamt 654 Kolonien, davon befand sich ein Drittel in einem Varro-freien Gebiet. Die Forschenden haben festgestellt, dass das Vorhandensein der Varroamilbe in den untersuchten Bienenstöcken mit dem Auftreten von anderen Viren korreliert. Darunter sind beispielsweise das Flügeldeformationsvirus, dessen Verbreitung im Zusammenhang mit der Varroamilbe gut belegt ist. Aber auch das Schwarze Königinnenzellvirus, das Bienenköniginnenpuppen sterben lässt, sowie das Sackbrut-Virus, das Honigbienenlarven infiziert, konnten nachgewiesen werden. „Ein weiterer interessanter Aspekt unserer Studie ist, dass unsere große Probengröße und die verschiedenen Orte, an denen die Proben gesammelt wurden, uns dabei halfen, neue Assoziationen zwischen Viren und Varroamilben zu identifizieren, die zuvor nicht gefunden wurden“, so Dr. Vincent Doublet vom Institut für Evolutionsökologie und Naturschutzgenomik der Uni Ulm, der zusammen mit Dr. Melissa Oddie, damals an der Abteilung für Ökologie der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften in Uppsala, Erstautor der Studie ist. Die Forschenden stellen die Hypothese auf, dass die Varroamilbe die verschiedenen Bienenviren beeinflusst haben muss. Diese Viren vermehren sich besonders gut in den befallenen Völkern und werden deshalb als opportunistische Viren bezeichnet. „Die Forschung hat sich in der Vergangenheit sehr stark auf das Flügeldeformationsvirus (engl. Deformed Wing Virus, DWV) konzentriert, vielleicht zu sehr, während andere Viren in den Schatten gestellt wurden. Der wichtigste Zweck unserer Studie war, ein gewisses Gleichgewicht herzustellen, damit auch andere Viren die nötige Aufmerksamkeit erhalten“, so Associate Professor Joachim De Miranda von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften, der die Studie koordiniert hat. Die Forschenden sind besorgt über diese Ergebnisse, zumal da es praktisch keine Varroamilben-freien Gebiete mehr auf der Welt gibt. 2022 erreichte die Varroamilbe Australien als letzten Kontinent mit Bienenhaltung. Außerdem geben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu bedenken, dass die Infektionen der Honigbienen auch auf die 20 000 Wildbienenarten und andere Bestäuber übergreifen könnten, die in der Landwirtschaft und in einheimischen Ökosystemen eine wichtige Rolle spielen. Unterstützt wurden die Forschenden unter anderen durch das EU-Projekt BeeDoc – Bees in Europe and the Decline of Honeybee Colonies und durch das Deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Verbundprojekt FIT-BEE sowie durch weitere nationale Förderungen. Quelle: Universität Ulm

Mehr Tierwohl oder mehr Umweltschutz?

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Für welches Nachhaltigkeitsziel wollen sich die Menschen in Deutschland eher engagieren: Für das Tierwohl? Oder doch für den Umweltschutz? Auch die menschliche Gesundheit ist eines der Nachhaltigkeitsziele, das mit den anderen konkurrieren kann. Ein Forscherteam der Abteilung Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft der Universität Bonn hat herausgefunden, dass die befragten Konsumenten eher bereit sind, mehr Geld für eine Salami mit dem Label „Antibiotikafrei“ auszugeben als für eine Salami mit der Auszeichnung „Offener Stall“, das die Förderung des Tierwohls anzeigt. Die Ergebnisse sind nun im Journal “Q Open” erschienen. Die Tierhaltungsbranche steht vor komplexen Herausforderungen, bei denen unterschiedliche Interessen miteinander konkurrieren. “Nachhaltigkeitsziele wie das Tierwohl, der Umweltschutz und die menschliche Gesundheit können schnell im Widerspruch zueinanderstehen”, sagt Jeanette Klink-Lehmann von der Abteilung Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft am Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik der Universität Bonn. Gleichzeitig könnten stringentere Standards in der Tierhaltung die Wettbewerbsfähigkeit beeinflussen, da damit einhergehende steigende Kosten nicht immer durch höhere Verbraucherpreise kompensiert werden können. Dies kann die Überlebensfähigkeit landwirtschaftlicher Familienbetriebe gefährden und hat somit auch Auswirkungen auf ländliche Gemeinden. “Zur Entwicklung angemessener politischer Rahmenbedingungen ist die Thematisierung und Klärung dieser Konflikte in der Nachhaltigkeitsdebatte von zentraler Bedeutung”, sagt Prof. Monika Hartmann, die die Abteilung Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft an der Universität Bonn leitet. Ein Team der Abteilung Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft der Universität Bonn hat die Präferenzen der Verbraucherinnen und Verbraucher für verschiedene Nachhaltigkeitsziele untersucht. In ihrer Studie hat es sich auf drei Hauptkonflikte konzentriert: Tierschutz im Vergleich zu Umweltschutz, menschliche Gesundheit gegenüber Tiergesundheit und menschliche Gesundheit gegen Tierschutz. Das Forschungsteam analysierte die Präferenzen der Verbraucherinnen und Verbraucher für diese konkurrierenden Nachhaltigkeitsziele. Zudem untersuchten sie, wie positive Informationen in Hinblick auf die Sicherstellung bestimmter Ziele sowie Hinweise auf mögliche Zielkonflikte die Präferenzen beeinflussen. Im Rahmen der Analysen wurden auch psychografische (unter anderem das Bewusstsein für Umwelt, Gesundheit und Tierwohl) und soziodemografische Faktoren (wie etwa Geschlecht und Alter der Teilnehmenden) berücksichtigt, um mögliche Unterschiede in den Präferenzen der Verbraucherinnen und Verbraucher erklären zu können. In der experimentellen Studie erhielt eine Gruppe der Befragten Informationen über die Vorteile von Schweinehaltungspraktiken in Verbindung mit zwei erfundenen Labeln: dem “Offenstall”-Label, das den Tierschutz fördert, und dem “Antibiotikafrei”-Label, das zum Schutz der menschlichen Gesundheit beiträgt. Die zweite Gruppe erhielt neben diesen positiven Informationen auch Informationen zu möglichen negativen Auswirkungen der Produktionspraktiken. Eine dritte Gruppe, die als Kontrollgruppe diente, bekam lediglich Informationen zur Universität Bonn. Anschließend wurde eine tägliche Einkaufssituation im Supermarkt simuliert, in der die Befragten gebeten wurden, sich dreimal zwischen zwei Salamiprodukten zu entscheiden, wobei die unterschiedlichen Salamiprodukte verschiedene Nachhaltigkeitsziele repräsentierten. Ebenfalls wurde die Zahlungsbereitschaft der Verbraucherinnen und Verbraucher für die jeweils gewählte Salami ermittelt. Das Forschungsteam fand heraus, dass die meisten Leute sich für eine Salami mit einem Nachhaltigkeitslabel entscheiden und auch bereit sind, mehr für diese auszugeben. Dabei ist die Zahlungsbereitschaft für eine Salami mit dem Label „Antibiotikafrei“ höher als die für eine Salami mit dem Label “Offenstall”. “Hieraus kann abgeleitet werden, dass die persönliche Gesundheit für die Menschen wichtiger ist als der Tierschutz”, sagt Jeanette Klink-Lehmann. Im Rahmen der Studie zeigte sich außerdem, dass Tierschutzerwägungen wichtiger sind als Umweltschutz. Die Ergebnisse weisen auch darauf hin, dass die Bereitschaft der Menschen, sich für die nachhaltigere Alternative zu entscheiden, stark vom Preis abhängt. Die Forscherinnen und Forscher der Universität Bonn haben gezeigt, dass die Wirkungen der Information davon abhängen, welche Nachhaltigkeitsaspekte betrachtet werden und wie die Informationen präsentiert werden. „Für uns überraschend war, dass bei Bereitstellung ausschließlich positiver Informationen die Zahlungsbereitschaft für die Salami aus Freilandhaltung anstieg, nicht aber für die antibiotikafreie Salami, jeweils verglichen mit der nicht gekennzeichneten Salami“, sagt Jeanette Klink-Lehmann. Die Erstautorin interpretiert dies so, dass Verbraucherinnen und Verbraucher die “antibiotikafreie” Tierproduktion als vorteilhaft für ihre eigene Gesundheit wahrnehmen. Diese Vorteile durch das Label selbst aber bereits ausreichend erfasst werden, so dass zusätzliche Informationen die Verbraucherpräferenzen nicht beeinflussen. Im Gegensatz dazu seien sich die Verbraucherinnen und Verbraucher der positiven Auswirkungen eines offenen Stalls auf das Wohlergehen der Tiere möglicherweise weniger bewusst. In diesem Fall dienten positive Informationen dazu, das Wissen und damit die Zahlungsbereitschaft für die Salami aus Offenstallhaltung zu erhöhen. Um vollständige Transparenz zu erreichen, müssten die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht nur über die Vorteile, sondern auch über die möglichen Nachteile einer Produktionsmethode informiert werden. „Unsere Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass eine solche Strategie ihren Preis hat”, sagt Milan Tatic, Doktorand in der Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft der Universität Bonn. So habe die zweiseitige Information eine neutralisierende Wirkung. “Das heißt, wir können keinen Einfluss der positiven Information gepaart mit Informationen über mögliche negative Auswirkungen der Produktionsmethode auf die Zahlungsbereitschaft der Verbraucherinnen und Verbraucher im Vergleich zur Kontrollgruppe feststellen.“ „Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Wert auf Tierschutz und Gesundheit legen, bereit waren, mehr für die `Offenstall´-Salami zu zahlen”, sagt Prof. Hartmann, die zusammen mit ihrer Co-Autorin Jeanette Klink-Lehmann Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich „Sustainable Futures“ an der Universität Bonn ist. Zusätzlich zeigten gesundheitsbewusste Personen eine höhere Zahlungsbereitschaft für die “Antibiotikafreie” Salami im Vergleich zur “ohne Label”-Variante. “Überraschenderweise galt letzteres auch für diejenigen, die besonders viel Wert auf den Tierschutz legen“, so Prof. Hartmann. Förderung: Die Studie wurde vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Naturschutz und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV) im Rahmen des Lehr- und Forschungsschwerpunkts ‚Umweltverträgliche und Standortgerechte Landwirtschaft‘ (USL) finanziert. Darüber hinaus wurde die Veröffentlichung der Arbeit durch den Open-Access-Publikationsfonds der Universität Bonn unterstützt. Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Von idealen und realen Welten oder: wie viele Nutztiere wollen wir uns leisten?

Dem Münchner Professor Wilhelm Windisch verdanken wir die Faustformel, dass für jedes Kilo essbare Pflanzenmasse vier Kilo nicht-essbare Pflanzenteile auf dem Acker wachsen, die nur über die Mägen von Nutztieren veredelt und so für die menschliche Ernährung genutzt werden können (1). Setzten wir diese Erkenntnis in der Praxis um, würde die Gesamtmenge an menschlicher Nahrung und gleichzeitig deren veganer Anteil steigen. Nutztiere bekämen nichts mehr zu fressen, was auch der menschlichen Ernährung dienen kann, wie etwa Getreide. In einer idealen Welt ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den Hunger. Aber was bedeutet das genau? Schon 2014 haben ein paar schlaue Schweizer die Folgen untersucht (2) und berechnet, wie sich die Tierbestände ihres Landes verändern würden und zwar im Bio-Standard. Es ergäben sich folgende Rückgänge: Rindfleisch -40% Milch(produkte) -30% Schweinefleisch -70% Geflügelfleisch -99% Eier -95% Bei solchen Zahlen staunt nicht nur der Laie. Wenn Wirtschaftsgüter sich verknappen, steigen unweigerlich die Preise. Statt Frühstücksei gäbe es für Schweizer in Zukunft also eher Kaviar, weil der dann billiger wäre. 10 Jahre später veröffentlichen nun Forscher der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL weitere Berechnungen (3), „welche Tierbestände in der Schweiz notwendig sind, um die Graslandflächen sowie Nebenprodukte optimal für die Lebensmittelproduktion zu nutzen“. Bei einer Volksabstimmung am 18. Juni 2023 wurde nämlich ein „Klima- und Innovationsgesetz“ von 58% der Wahlberechtigten befürwortet und nun gibt es in der Schweiz eine „Klimastrategie des Bundes für das Jahr 2050“ (4), der zufolge Ackerflächen in erster Linie für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden sollen. Andrina Stettler und Stefan Probst schreiben zu ihrer Methodik: „Nach Abzug des (Rauhfutter-) Verzehrs des aktuellen Ziegen- und Schafbestands wurde ermittelt, wie viele Rinder es braucht, um das Raufutter zu verwerten. Die benötigte Anzahl Schweine wurde anhand der Molke, die nicht für die Nahrungsmittelproduktion eingesetzt wird, berechnet. Die anfallenden Nebenprodukte wurden soweit möglich den Schweinen und der Rest den Rindern zugeteilt.“ Extraktionsschrote, Zuckerrübenschnitzel und ähnliches würden also weiterhin verfüttert, Getreide oder etwa Sonnenblumenkerne nicht mehr. Der Bestand an Milchkühen läge dann bei 545 485 Tieren, die gesamten Rinder- GVE bei 888 416 (2023: 1,53 Mio. Milch- und Mutterkuhhaltung). „Der Schweinebestand würde sich auf rund ein Drittel des aktuellen Bestands reduzieren.“ Im Jahr 2023 wurden 1.324.860 Tiere in der Schweiz gezählt. „Mutterkühe, Mastkälber und Geflügel gäbe es keine mehr“, heißt es dann weiter in der Studie. Aber „das anfallende Schlachtgewicht der Rindergattung bliebe auf ähnlichem Niveau“, weil Milchkühe und Kälber, die nicht der Remontierung dienen, weiterhin geschlachtet werden könnten. Aber ist es denn vorstellbar solche Konzepte in die Tat umzusetzen? Wohl kaum. Auch wenn dem Schweizer das Zürcher Geschnetzelte erhalten bliebe, würde er vermutlich nicht komplett auf Eier und Geflügel verzichten wollen. Der Preis für Schweinefleisch dürfte drastisch steigen und Eier würden zum Luxusprodukt (Studie 2014) oder müssten komplett importiert werden (Studie 2023). Apropos Import: Der gesamte Fleischkonsum der Schweizer Bevölkerung betrug im Jahr 2021 456 034 Tonnen. Im gleichen Jahr wurden u. a. 45 296 Tonnen Geflügelfleisch, 26 853 Tonnen Fleisch vom Großvieh und 14 223 Tonnen Schweinefleisch, zusammen also 86.372 t importiert (5). Derzeit liegt der Schweizer Selbstversorgungsgrad mit Fleisch bei etwa 80%, zukünftig würde er sich dann wohl in Richtung 50% bewegen. Die eigene Klimagerechtigkeit durch Produktions-Verlagerungen ins Ausland zu erreichen, erfreut sich zwar allerorten steigender Beliebtheit, hilft dem Weltklima aber eher wenig. Wie auch bei anderen Plänen und Modellen fragt man sich, ob deren Folgen einer nennenswerten Anzahl Bürger überhaupt verdeutlicht werden. Fußnoten: (1) Ausführliches Interview mit Prof. Windisch (2) Szenario für die Schweiz: nur noch nicht essbare Biomasse an Nutztiere in ökologischer Tierhaltung – Züricher Hochschule für Agrarische Wissenschaften, zhaw 2018 (3) Andrina Stettler und Stefan Probst – Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL, 3052 Zollikofen, Schweiz Wie viele Nutztiere braucht die Schweiz zur optimalen Landnutzung? (4) Klimastrategie des Bundes für das Jahr 2050 (5) Schweizer Agrarbericht 2020

Erster zugelassener Rotavirus-Impfstoff gegen Ferkeldurchfall verfügbar

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Seit Ende 2022 ist der erste Rotavirus-Impfstoff zur Reduktion des Neugeborenendurchfalls bei Ferkeln in Deutschland erhältlich. Auch die E. coli-Stämme F4, F5, F6 und F41 sind darin enthalten. Das sei eine gute Alternative zu bestandsspezifischen Impfstoffen, so das Unternehmen. Der Mutterschutz-Impfstoff von Virbac ist für Sauen und Jungsauen zugelassen. Diese bilden aufgrund der Impfung Antikörper und geben diese über die Biestmilch an die Ferkel weiter. Symptome des Neugeborenendurchfalls, verursacht durch die oben genannten Erreger, werden so reduziert. Außerdem wird die Virusausscheidung mit dem Kot vermindert, wodurch der Erregerdruck im Bestand ganz entscheidend gesenkt werden kann. Das Anwendungsschema ist denkbar einfach: Eine Impfdosis besteht aus 2 ml und wird intramuskulär verimpft. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfungen, von denen die zweite spätestens 2 Wochen vor der Abferkelung erfolgt. Vor jeder erneuten Abferkelung erhalten die Sauen eine einmalige Auffrischungsimpfung. Neugeborenendurchfall beim Ferkel kann verschiedene Ursachen haben, häufig sind neben E. coli, Clostridien und Kokzidien auch Rotaviren beteiligt, die nun mit der neuen Vakzine wirksam bekämpft werden können. Kontakt: Virbac Tierarzneimittel GmbH http://de.virbac.com/

Hygienepulver mit Eukalyptus-Aroma

Die Hufgard GmbH stellt jetzt erstmals mit „DESICAL® plus ODORO“ ein Hygienepulver mit Eukalyptus-Aroma zur Keimreduzierung in Kuh- und Schweineställen vor. DESICAL® plus ODORO reduziert die Keimbelastung im Kuh- und Schweinestall auf natürliche Weise, so das Unternehmen Hufgard. Das Biozidprodukt trage zur Entlastung der Atemwege und zur Geruchsneutralisierung in Ställen bei. So helfe es beispielsweise bei der Reduzierung des Eigengeruches der Ferkel aus unterschiedlichen Würfen oder in der Rinderhaltung. DESICAL® plus ODORO eigne sich optimal als Hygienestreu in der Bullenmast, wenn unterschiedliche Kälber aus verschiedenen Ställen zusammenkommen. Hier bringt DESICAL® plus ODORO dem Unternehmen zufolge gleich mehrere Vorteile: Eine Minderung von Gerüchen, eine positive Hygienewirkung und eine bessere Darmflora der Tiere durch die Reduktion gängiger Darmbakterien. Das neue Hygieneprodukt bestehe ausschließlich aus hochwertigen Komponenten, wie beispielsweise Tonmehle aus regionalen Vorkommen. Dabei habe es eine sehr gute Hautverträglichkeit für Mensch und Tier – trotz hoher Alkalität. DESICAL® plus ODORO ist ab sofort in 1.000 kg und 400 kg BigBags erhältlich. Die Anwendungsberatung und der Vertrieb erfolgt über Tel.: +49-(0)60 24-67 39-0 und E-Mail: info@desical.de. Kontakt: Hufgard GmbH www.desical.de

Rotlauf kommt immer wieder vor

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Von Dr. Theodor Schulze-Horsel, Fachtierarzt für Schweine, Schweinegesundheitsdienst Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen Rotlauf hat zoonotisches Potential und darf daher nicht übersehen werden. Die Symptome sind in der Regel sehr eindeutig. Treten sie auf, ist rasches Handeln nötig, um weitere Schäden an Tier und Mensch zu vermeiden. Wie zeigt sich Rotlauf und wie kann vorgebeugt werden? Eigentlich hätte es ein Morgen wie jeder andere sein sollen. Aber dann ist Bernd Meier doch etwas merkwürdig vorgekommen. In der Gruppe von 50 Schweinen, die er verladen hatte, war ein Schwein mit auffälligen Flecken auf der Haut und ein Schwein, das im Gewicht etwas zurücklag, war bereits nach wenigen Metern auf dem Zentralgang sichtbar kurzatmig. Einige Tage später kam die Schlachtabrechnung –zwei Schweine verworfen. Ein Anruf im Veterinäramt am Schlachthof brachte die Erklärung: Ein Schwein hatte sogenannte „Backsteinblattern“ und ein Tier eine Herzklappenentzündung, beides hervorgerufen durch Rotlaufbakterien. Der Rotlauf der Schweine ist eine seit langem bekannte Erkrankung, die durch das Bakterium Erysipelothrix rhusiopathiae verursacht wird. Der Erreger ist auch bei 30 bis 50 % aller gesunden Schweine auf den Rachenmandeln zu finden. Daneben ist er als Schmutzkeim, insbesondere im Umfeld von Schweinehaltungen, weit verbreitet. Der Erreger wird von erkrankten Tieren massenhaft mit Kot, Harn, Nasensekret und Speichel ausgeschieden. Nicht erkrankte Träger des Bakteriums scheiden die Keime mit dem Kot aus. Der Erreger bleibt in Kot, Jauche, Gülle und im Erdreich über Monate infektiös. Neben Schweinen sind auch Schafe und Puten für die Infektion empfänglich. Den Erreger findet man aber auch bei vielen anderen Tierarten, ohne dass diese erkranken. Vektor für die Erkrankung können zum Beispiel erregertragende Ratten und Mäuse sein. Erkrankte Schweine zeigen entweder die akute Verlaufsform mit hohem Fieber und klammem Gang oder das Bild des Hautrotlaufes mit sogenannten Backsteinblattern, scharf abgegrenzten viereckigen über die Haut erhabenen roten Hautveränderungen von 2 bis 6 cm Größe. Kommt es zu chronischen Verläufen, siedelt sich der Erreger in den Gelenken an. Es kommt zur Polyarthritis oder er besiedelt die Herzklappen. Davon betroffene Tiere sind aufgrund der verminderten Herzleistung auffällig und kümmern oft. Akuter Rotlauf gut behandelbar

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