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Ein Positionspapier der Berufsverbände der amtlichen Lebensmittelüberwachung

In der Europäischen Union und insbesondere hier in Deutschland wird gesundheitlicher Verbraucherschutz als präventiver Gesundheitsschutz auf hohem Niveau betrieben. Die staatlichen Kontrollsysteme genießen insgesamt einen guten Ruf. Dennoch führen Lebensmittelskandale immer wieder dazu, dass die Arbeit, die Funktionsfähigkeit und die bestehenden Strukturen der amtlichen Lebensmittelüberwachung infrage gestellt werden. Politik und Öffentlichkeit stellen in Folge dessen immer höhere Erwartungen und Anforderungen an die amtliche Lebensmittelüberwachung. Diese umfasst neben der Überwachung von Lebensmitteln auch diejenige von Lebensmittelbedarfsgegenständen, sonstigen Bedarfsgegenständen, kosmetischen Mitteln, Tätowiermitteln und Tabakerzeugnissen, sogenannte verbrauchernahe Produkte.

Globale Handelsströme lassen ebenso wie der zunehmende Internetvertrieb einerseits altbekannte Probleme in Deutschland erneut auftreten und führen andererseits zum Import ganz neuer und teilweise bisher unbekannter Risiken. Vor dem Hintergrund dieser stetig neuen Herausforderungen sollten auch die Strukturen der amtlichen Lebensmittelüberwachung überdacht und optimiert werden, damit sie zukunftsfähig aufgestellt werden.

Zudem erreicht der sich aufgrund des demografischen Wandels verschärfende Fachkräftemangel zunehmend auch die staatlichen Einrichtungen. Viele erfahrene Kolleginnen und Kollegen gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand, Nachbesetzungen werden schwieriger, Stellen bleiben unbesetzt. Die Weichen müssen jetzt gestellt werden, um den öffentlichen Dienst auch in der Eingriffsverwaltung attraktiv und konkurrenzfähig zu halten. Neben angemessener Entlohnung oder Besoldung bedarf es guter und sicherer Arbeitsbedingungen, eines modernen Personalmanagements und verbesserter Angebote zur Weiterbildung.

Mit der absehbaren Personalentwicklung ist eine verstärkte Priorisierung der Aufgaben in Verbindung mit Entbürokratisierung und Digitalisierung unausweichlich. Ein starker politischer Rückhalt wird in jedem Fall erforderlich sein.

Die drei Berufsverbände BVLK, BbT und BLC repräsentieren das Kontrollpersonal der Behörden und Labore der amtlichen Lebensmittelüberwachung in Deutschland, also die Lebensmittelkontrolleur/- innen, Tierärzte/-innen und Lebensmittelchemiker/-innen. Wir alle setzen uns täglich mit hohem Engagement gemeinsam für diese wichtige Aufgabe im gesundheitlichen Verbraucherschutz ein.

Unsere Forderungen auf einen Blick

Angemessene Ausstattung
Für gute und sichere Lebensmittel sowie verbrauchernahe Produkte ist eine in den Behörden und Laboren personell, finanziell und technisch gut gerüstete Lebensmittelüberwachung unabdingbar.

Qualifikation des Kontrollpersonals
Ausreichend qualifiziertes Personal in der amtlichen Lebensmittelüberwachung ist unabdingbar für einen hochwertigen Verbraucherschutz.

Betriebskontrollen
Die risikoorientierte Kontrolle muss auch weiterhin auf dem Vorsorgeprinzip basieren. Kontrollen müssen mit angemessener Häufigkeit durchgeführt werden. Für die verstärkte Fokussierung auf Problembetriebe ist bundesweit festzulegen, unter welchen Umständen zusätzliche Überwachungsmaßnahmen erforderlich werden.

Produktkontrollen
Voraussetzung für einen effektiven und transparenten Verbraucherschutz durch Überprüfung der Produktkonformität sind in jedem Fall ausreichende Ressourcen bei den zuständigen Behörden und Laboren der amtlichen Lebensmittelüberwachung. Als Grundlage für eine effiziente Ressourcenplanung ist auch zukünftig die Definition einer angemessenen Mindestprobenzahl erforderlich.

Transparenz
Das zu etablierende Transparenzsystem muss rechtssicher und ohne großen personellen und finanziellen Aufwand für die Überwachungsbehörden sowie als Teil eines Gesamtkonzepts zur behördlichen Transparenz entwickelt werden. Es muss einfach, praktisch und für den Verbraucher leicht verständlich sein. Hierdurch werden für die Lebensmittelüberwachung sehr zeitaufwändige VIG-Anfragen deutlich reduziert werden.

Angemessene Ausstattung
Genügend qualifiziertes und weitergebildetes Personal sowie eine angemessene finanzielle Ausstattung der Behörden und Labore im gesundheitlichen Verbraucherschutz sind unerlässlich. Ausreichend finanzielle Mittel müssen dabei sowohl für quantitativ und qualitativ hochwertige amtliche Kontrollen als auch für Probenahmen und Untersuchungen zur Verfügung stehen.

In diesem Zusammenhang ist es entscheidend, dass sowohl für Betriebskontrollen als auch für Probenahmen und -untersuchungen klare Sollvorgaben definiert sind, auf deren Grundlage eine angemessene Ausstattung mit Ressourcen sichergestellt und eingefordert werden kann. Diese Sollvorgaben müssen sich an fachlichen Grundsätzen orientieren und dem Vorsorgegedanken Rechnung tragen.

Die 2021 veränderten Vorgaben der AVV RÜb dürfen weder zu einer Reduzierung der Kontrollzahl, noch zum Abbau von qualifiziertem Überwachungspersonal führen. Ebenso darf die dringend notwendige Reform der Vorgaben für Probenzahlen nicht zum Personalabbau bei Behörden und Laboren führen. In beiden Fällen soll durch die Weiterentwicklung der Vorgaben die Qualität der Lebensmittelüberwachung verbessert werden.

Neben der Beschäftigung von Lebensmittelkontrolleurinnen und -kontrolleuren sowie von wissenschaftlichen Sachverständigen mit einem Studium der Veterinärmedizin oder Lebensmittelchemie in ausreichender Zahl müssen die zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden auch fachlich-inhaltlich gestärkt werden. Dies sollte Konzepte zur interdisziplinären Zusammenarbeit, Schwerpunktprogramme, Spezialisierungen sowie angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels intensivierte Aus- und Weiterbildungskonzepte umfassen.

Für gute und sichere Lebensmittel sowie verbrauchernahe Produkte ist eine in den Behörden und Laboren personell, finanziell und technisch gut gerüstete Lebensmittelüberwachung unabdingbar.

Qualifikation des Kontrollpersonals
Das Personal in der amtlichen Lebensmittelüberwachung muss auf einem hohen Aus- und Weiterbildungsstand qualifiziert sein, um den ständig steigenden Anforderungen des Lebensmittelrechts gerecht zu werden. Die Zugangsvoraussetzungen für alle beteiligten Berufsgruppen hierfür sind bundesweit einheitlich zu regeln. Länderspezifische Regelungen müssen ein Ende haben.

Insbesondere die Zugangsvoraussetzung zum Beruf des Lebensmittelkontrolleurs bzw. der -kontrolleurin sollte auch zukünftig mindestens ein Meistertitel oder eine vergleichbare bzw. höhere Qualifikation sein. Ein besonderes Augenmerk wird auf eine mehrjährige Berufserfahrung in einem Betrieb der Lebensmittelwirtschaft gelegt; auch beim Zugang zum gehobenen Dienst wird diese unbedingt für erforderlich gehalten.

Die Ausbildung, Spezialisierung und Weiterbildung der drei von uns vertretenen Berufsgruppen muss mindestens gewährleisten, dass sämtliche Rechtsgebiete, Verwaltungsgrundlagen und auch praktische Ausbildungsinhalte erlernt werden können. Gerade das Recht der Lebensmittel und der verbrauchernahen Produkte ist vor dem Hintergrund einer sich schnell wandelnden Technologie der Herstellungsprozesse und zunehmend globaler werdenden Warenströme einem ständigen Aktualisierungszwang unterworfen, der sich gleichermaßen in einer Vertiefung von theoretischen und praktischen Inhalten darstellen muss.

Hinsichtlich der Gleichstellung von im Ausland erworbenen Prüfungszeugnissen und Befähigungsnachweisen ist ein bundesweit einheitliches Verfahren Voraussetzung. Ein für die jeweilige Aufgabe angemessen gutes deutsches Sprachniveau ist mündlich und schriftlich unerlässlich.

Zudem müssen Fortbildungsanforderungen im Rahmen der alltäglichen Arbeit für alle in der Lebensmittelüberwachung tätigen Berufsgruppen einheitlich und verbindlich festgelegt werden. Zur Aufrechterhaltung der Qualität werden mindestens fünf Tage in zwei Jahren für erforderlich gehalten.

Die steigende Zahl der Problemkontrollen und die zunehmende Aggressionsbereitschaft gegenüber amtlichem Personal führt zu erhöhter psychischer Gefährdung. Das Angebot an geeigneten Fortbildungen zum Konfliktmanagement und zur Resilienzstärkung muss im Rahmen des Arbeitsschutzes zielgerichtet ausgebaut werden.

Ausreichend qualifiziertes Personal in der amtlichen Lebensmittelüberwachung ist unabdingbar für einen hochwertigen Verbraucherschutz.

Betriebskontrollen
Lebensmittelbetriebe müssen regelmäßig, risikobasiert und mit angemessener Häufigkeit kontrolliert werden – so schreibt es Artikel 9 der EU-Kontrollverordnung 2017/625 vor.
Infolge einer Änderung der Allgemeine Verwaltungsvorschrift Rahmenüberwachung (AVV RÜb), die diese Vorgabe im nationalen Recht konkretisiert, wurden 2021 die Intervalle für risikobasierte Betriebskontrollen in Lebensmittelbetrieben in den Risikoklassen 1 bis 5 deutlich verlängert. In Verbindung mit einigen anderen Einflussfaktoren führte dies zu einer Senkung der Sollvorgaben für diese Kontrollen um schätzungsweise mindestens 30 bis 40 Prozent.

Dadurch freiwerdende Kontrollkapazitäten sollen gemäß der Begründung der AVV RÜb-Änderung verstärkt auf Problembetriebe konzentriert werden. Für diese Fokussierung fehlen jedoch bisher weitere Rahmenvorgaben, um einen einheitlichen Verwaltungsvollzug bundesweit zu gewährleisten und gegenüber den Lebensmittelunternehmern zu plausibilisieren. Ebenso sind weitere bundesweit einheitliche Detailregelungen bezüglich Kontrollarten und Kontrolltiefe festzulegen, um nicht nur einen Mindeststandard für die Quantität, sondern auch für die Qualität vorzugeben. Hier ist zusätzlich zu berücksichtigen, dass bei langen Abständen von einem Jahr oder mehr zwischen den Kontrollen in der Regel zeitaufwändige „Vollkontrollen“ erforderlich sind.

Eine klare Regelung ist auch im Hinblick auf die Erhebung von Gebühren erforderlich. In einigen Ländern werden Gebühren für Lebensmittelkontrollen nicht nur bei Nach- oder Anlasskontrollen, sondern auch bei Routinekontrollen erhoben. Dann ist es wichtig, die Erforderlichkeit der Kontrolle im Falle eines Widerspruchs oder einer Klage gegen den Gebührenbescheid auch belegen zu können – z. B. auf Grundlage der Risikobeurteilung oder durch andere Belege. Darüber hinaus ist eine bundesweit einheitliche Handhabung der Gebührenerhebung bei Routinekontrollen im Zuge der Gleichbehandlung wünschenswert.

Die risikoorientierte Kontrolle muss auch weiterhin auf dem Vorsorgeprinzip basieren. Kontrollen müssen mit angemessener Häufigkeit durchgeführt werden. Für die verstärkte Fokussierung auf Problembetriebe sind bundesweit Basiskriterien festzulegen, unter welchen Umständen zusätzliche Überwachungsmaßnahmen erforderlich werden.

Produktkontrollen
Die EU-Kontrollverordnung verpflichtet die Mitgliedstaaten zu Warenuntersuchungen. Hierzu zählen neben den Vor-Ort-Kontrollen auch Probenuntersuchungen. Die Entnahme von amtlichen Proben zur Untersuchung und Beurteilung ist somit nur eine von mehreren Kontrollmethoden zur Überprüfung der Produktkonformität.

In Deutschland ist gemäß der AVV RÜb die Anzahl der planmäßig zu entnehmenden Proben jährlich auf mindestens 5 Lebensmittelproben und mindestens 0,5 Proben von Bedarfsgegenständen, Kosmetik und Tabak auf je 1000 Einwohner zur Untersuchung vorgegeben. Diese festgelegte Probenzahl ist eine quantitative und bundesweit einheitliche Richtgröße für die Kontrolldichte der Beurteilung von Proben im Rahmen der Lebensmittelüberwachung. Dabei sollten die Proben vorrangig bei Herstellern und Importeuren entnommen werden. Doppelbeprobungen in verschiedenen Ländern oder von verschiedenen Vor-Ort-Behörden können durch diese Flaschenhalskontrollen minimiert werden.

Wir unterstützen und befürworten eine dringend erforderliche Reform bei den Vorgaben für Probenzahlen. Weitere Detailregelungen bezüglich Probenart und Untersuchungstiefe sind noch festzulegen, um nicht nur einen Mindeststandard für die Quantität, sondern auch für die Qualität vorzugeben. Deutschlandweit darf es dadurch nicht zu einer Absenkung des Verbraucherschutzniveaus kommen. Darüber hinaus muss gewährleistet werden, dass die Untersuchungseinrichtungen den Überwachungsbehörden die Untersuchungsergebnisse so zeitnah zur Verfügung stellen, dass erforderliche Vollzugsmaßnahmen umgehend und wirksam getroffen werden können. Die Verteilung der Proben sollte sich an den örtlichen Betriebsstrukturen orientieren. Auch ist eine bessere und bundesweite Abstimmung bei Probenahme und -untersuchung unbedingt erforderlich. Hier wird auf die Möglichkeiten der Digitalisierung und die geplante Vernetzung durch eine zentrale IT-Architektur für den gesundheitlichen Verbraucherschutz (ZITA gV) gesetzt.

Der Onlinehandel stellt die Lebensmittelüberwachung derzeit immer noch vor große Herausforderungen. Das Internet hat sich bedauerlicherweise zum Teil als Tummelplatz für illegale Produkte entwickelt. Ein Hauptgrund hierfür ist, dass es praktisch nicht möglich ist, dort amtliche Proben rechtskonform zu entnehmen. Beispielhaft ist auf die große Gruppe der Nahrungsergänzungsmittel zu verweisen, die nicht selten gesundheitsgefährdende Stoffe oder Stoffe mit anaboler oder arzneilicher Wirkung enthalten. Hier finden sich vermeintlich natürliche Schlankheits- und Potenzmittel oder andere dubiose Produkte. Eine effiziente, rechtssichere Möglichkeit zur anonymen Onlineprobenahme muss dauerhaft sichergestellt werden.

Voraussetzung für einen effektiven und transparenten Verbraucherschutz durch Überprüfung der Produktkonformität sind in jedem Fall ausreichende Ressourcen bei den zuständigen Behörden und Laboren der amtlichen Lebensmittelüberwachung. Als Grundlage für eine effiziente Ressourcenplanung ist auch zukünftig die Definition einer angemessenen Mindestprobenzahl erforderlich.

Transparenz
Die EU-Kontrollverordnung 2017/625 ermöglicht es den Behörden, Angaben über die Einstufung einzelner Unternehmer aufgrund der Ergebnisse amtlicher Kontrollen zu veröffentlichen. Hierin wird auch eine Stärkung der Verbraucherrechte im Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit und -hygiene gesehen.

Erste Erfahrungen liegen in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Sachsen vor. Auch in anderen Ländern gibt es Bestrebungen nach Transparenzsystemen. Für die Umsetzung bedarf es einer bundeseinheitlichen Regelung zur Transparenz. Nur so können Benachteiligungen in Grenzregionen zu anderen Ländern ausgeschlossen werden.

Damit die Tätigkeiten behördenintern und nach außen transparenter werden, braucht es eine effiziente Zusammenarbeit auf allen Ebenen der Lebensmittelüberwachung und konsequente Entwicklung der zentralen Datenbank sowie eine einheitliche und leicht verständliche Darstellung gegenüber der Öffentlichkeit.

Dafür ist es notwendig, dass die Kontroll- und Untersuchungsdaten der Lebensmittelüberwachung bundesweit einheitlich erfasst und klare rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, um diese Daten in einer zentralen Datenbank zusammenzuführen.

Das Transparenzsystem muss verpflichtend für alle Lebensmittelbetriebe sein. Zudem muss die Erstellung der Verbraucherinformationen automatisiert unter Nutzung der bestehenden Datenbank er-folgen. Der hohe Verwaltungsaufwand für die Bearbeitung von Anfragen nach dem Verbraucherinformationsgesetz (VIG) würde durch ein Transparenzsystem überflüssig.

Die bisher geltenden Pflichten zur Veröffentlichung bestimmter bußgeldrelevanter Tatbestände und von Befunden zu verbotenen Stoffen oder zu Höchstmengenüberschreitungen stellen keine geeignete Transparenzregelung dar. Das neue Transparenzsystem darf zu keinen ungerechtfertigten Benachteiligungen von Gewerbetreibenden führen.

Das zu etablierende Transparenzsystem muss rechtssicher und ohne großen personellen und finanziellen Aufwand für die Überwachungsbehörden sowie als Teil eines Gesamtkonzepts zur behördlichen Transparenz entwickelt werden. Es muss einfach, praktisch und für den Verbraucher leicht verständlich sein. Hierdurch werden für die Lebensmittelüberwachung sehr zeitaufwändige VIG-Anfragen deutlich reduziert werden.

Stand: Juni 2024
gez. Maik Maschke
BVLK-Vorsitzender

gez. Dr. Christine Bothmann
BbT-Präsidentin

gez. Birgit Bienzle
BLC-Präsidentin

Quelle: BbT

Biofilme im Tränkwassersystem reduzieren

Die Gewährleistung einer guten Wasserqualität ist eine der wichtigsten Managementstrategien zur Förderung einer optimalen Gesundheit und Leistung von Broilern. In einigen Studien wurde der mikrobielle Status des Trinkwassers für Geflügel untersucht, es liegen jedoch keine ausreichenden Informationen über Biofilme in den Tränkwasserleitungen innerhalb der Geflügelställe vor. Die Ansammlung von Mikroben im Tränkwassersystem könnte möglicherweise zur Bildung von Biofilmen führen, die letztendlich die Wasserqualität verschlechtern.

Daher haben Wissenschaftler*innen in dieser Studie* die Biofilmbildung in den Tränkwasserleitungen ausgewählter Broilerställe bewertet und deren mikrobielle Zusammensetzung charakterisiert. Drei zufällig ausgewählte Ställe in jedem der fünf Betriebe wurden besucht, was insgesamt 15 Geflügelställen entspricht. Mit einem Endoskop wurde das Vorhandensein von Biofilmen in 4 Wasserleitungen pro Stall auf jedem Betrieb bestätigt und ein steriler Mulltupfer verwendet, um den Biofilm aus diesen Wasserleitungen zu sammeln. Alle Biofilmproben wurden auf die gesamte aerobe Keimzahl (APC), das Vorhandensein von Hefen und Schimmelpilzen (YM) sowie Enterobacteriaceae (EB) analysiert.

Alle 15 untersuchten Ställe wiesen in den Tränkwasserleitungen eine aerobe Bakterienpopulation und Hefen und Schimmelpilze auf, wohingegen 7 der 15 Ställe Enterobacteriaceae aufwiesen. Zu der Gruppe der Enterobacteriaceae gehören Citrobacter, Cronobacter, Enterobacter, Escherichia, Klebsiella, Salmonella und Shigella. Bei den aeroben Bakterienpopulationen gab es signifikante Unterschiede zwischen den Betrieben. Für Hefen und Schimmelpilze bestanden ebenfalls signifikante Unterschiede zwischen den Betrieben. Enterobacteriaceae wurde in 3 der 5 Betriebe festgestellt. Es gab jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den Ställen innerhalb jedes Betriebs.

Die in dieser Studie gefundene aerobe Bakterienpopulation stimmt mit denen überein, die im Biofilm in Wasserleitungen für Broilerhühner, in Tropfproben aus kommerziellen Geflügelställen und im Tränkwasser von Milchviehbetrieben gemeldet wurden. Es ist jedoch bemerkenswert, dass Faktoren wie das Alter der Herde, der Zeitpunkt der Probenahme, Ansätze zur Wasseraufbereitung und die Orte der Probenahme potenziell einen Einfluss auf die APC-Werte haben können. Darüber hinaus überschreiten 40 % der Betriebe in der aktuellen Studie den Grenzwert für APC im Tränkwasser von Geflügel.

Basierend auf einer Stichprobengröße von 15 kommerziellen Broilerställen legen diese Ergebnisse nahe, dass Wasserleitungen auf Biofilme untersucht und wirksame Abhilfemaßnahmen zur Mikrobenreduzierung in den Tränkwassersystemen entwickelt werden müssen.

*Studie: T. T. Ogundipe , S. Beitia, and T. Obe: Applied Research Note: Microbial composition of the biofilm of poultry drinking water system, Journal of Applied Poultry Research 2024, 33:100403

Quelle: Dr. Heike Engels, Der Hoftierarzt

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2-2024

Tiergesundheit im Spannungsfeld der Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland und Europa − Schwerpunkte der Tiergesundheitsbranche und Marktanalyse 2023

Bei ernster geopolitischer Lage leidet der Wirtschaftsstandort Deutschland zusätzlich unter bürokratischen Herausforderungen. Dies erschwert den Weg zur Klimaneutralität. Auch die Tiergesundheitsbranche ist hiervon betroffen. Das Wachstum des Tiergesundheitsmarktes in 2023 ist in Gesamtbetrachtung eher stagnierend. Der Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT) betont den Stellenwert der Tiergesundheit und setzt sich für einen fairen und zukunftsorientierten Rechtsrahmen ein, der Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in der Tiergesundheitsbranche unterstützt.

Vor dem Hintergrund der weiterhin ernsten geopolitischen Lage ringt Deutschland wirtschaftlich mit den Herausforderungen und auch damit, den Weg zur Klimaneutralität weiterzugehen. Es gilt, Kompromisse im Spannungsfeld zwischen Versorgungssicherheit und Klimaschutz und der essentiellen Wertschöpfung zu finden. Auch europäisch muss eine Balance zwischen Ökologie und Ökonomie gefunden werden.

Wertschöpfung für mehr Tiergesundheit essentiell
„Ein deutliches Marktwachstum von rund sechs Prozent bei schwierigen Rahmenbedingungen: Ein Widerspruch? Nein, denn die Tiergesundheitsindustrie ist in gleichem Maß wie andere Bereiche der Wirtschaft im Korsett gesetzlicher Vorgaben eingezwängt.

Komplexe Fragestellungen der sektorspezifischen Gesetzgebung sowie Entwicklungen in anderen Rechtsbereichen mit Einfluss auf den Tiergesundheitssektor beschäftigen den Sektor intensiv. Allen voran sind hier die Interferenzen aus Chemikalien- und Umweltrecht zu nennen“, betont Dr. Sabine Schüller, Geschäftsführerin des Bundesverbands für Tiergesundheit (BfT).

In engem Dialog mit Experten aus Wissenschaft, Behörden, Ministerien und anderen Organisationen des Sektors setzt sich der BfT bei zahlreichen regulativen Vorhaben, interferierender übergeordneter, nicht sektorspezifischer Gesetzgebung und der Transformation im Sektor für einen fairen und zukunftsorientierten Rechtsrahmen ein, der die Innovation und Wettbewerbsfähigkeit der pharmazeutischen Industrie und im speziellen der Tiergesundheitsbranche fördert.

Tiergesundheit – ein Gewinn für Mensch, Tier und Umwelt
Die positiven Effekte auf Gesundheit und Wohlbefinden durch das Zusammenleben von Haustieren und ihren Besitzern sind heute unstrittig. Für den Verband ist es daher stetig im Fokus, Tierhalter in ihrer Fürsorge für ihre vierbeinigen Freunde zu unterstützen und der Tierärzteschaft als starker Partner zur Seite zu stehen. Ein forschungs- und innovationsoffener regulativer Rahmen ist auch künftig essenziell, um den besonderen Bedürfnissen der Haustiere in Gesundheitsvorsorge und Begleitung bis ins hohe Alter mit fortschrittlichen Lösungen gerecht werden zu können.

Ein Schwerpunkt der Verbandsarbeit bleibt, den Stellenwert der Tiergesundheit für die Nachhaltigkeit herauszuarbeiten. Tiergesundheit ist unverzichtbar für das Wohlergehen der Tiere, die Sicherheit unserer Lebensmittel, den Schutz der Verbraucher und die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft. Um dies zu verdeutlichen, hat der Verband gemeinsam mit dem Bundesverband Rind und Schwein die Initiativplattform „Gesundes Kalb | Gesunde Kuh“ auch in 2023 weiter ausgebaut. Tierhalter haben mit der Gesunderhaltung ihrer Tiere ein wirkungsvolles Instrument in der Hand, um zur Nachhaltigkeit beizutragen. Eine Studie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover im Auftrag des BfT unterlegt den Zusammenhang von Tiergesundheit und nachhaltiger Lebensmittelproduktion. Die Ergebnisse werden in 2024 bekannt gemacht.

Einen großen Einfluss misst die Branche auch dem Einsatz digitaler, datengesteuerter Technologien zu. Wichtige Impulse werden hierzu für den Tiergesundheitssektor auf der gesamten Breite der verschiedenen Segmente von der pharmazeutischen Industrie, über die Tierärzte und Tierhalter, für das öffentliche Veterinärwesen und auch für die Lebensmittelkette erwartet. Aktive Unterstützung von Regierung und Politik ist für smarte Lösungen, u.a. auch zum Abbau von Bürokratie bspw. mit Blick auf Berichtspflichten zur Antibiotikaanwendungserfassung, einzufordern. Ein solide gestalteter Rechtsrahmen sollte die Entwicklung fördern und kein weiterer Hemmschuh werden.

Der Markt für Tierarzneimittel − Herausforderungen und Chancen
Der Markt für Tierarzneimittel ist 2023 gegenüber dem Vorjahr um 6,1% auf jetzt 965 Mio. Euro (Schätzung auf den Gesamtmarkt für Deutschland) gewachsen. Wie im Vorjahr nehmen dabei rund 62% Produkte für Kleintiere und Pferde ein. Auf das Nutztiersegment entfallen 38%.

Solides Fundament bei schwierigen Rahmenbedingungen
Bei der Marktentwicklung sind insgesamt deutliche Effekte durch inflationsbedingte Marktzurückhaltung Ende 2022 und Preisanpassungen durch gestiegene Kosten in Stoffbezug, Produktion und Logistik in 2023 zu berücksichtigen.

Vor dem Hintergrund einer herausfordernden wirtschaftlichen Lage, hohen Inflationsraten, verhaltener Investitionsbereitschaft, Fachkräftemangel und einer hohen Bürokratielast ist das zu notierende deutliche Marktwachstum von 6,1% kein Anlass für Optimismus in der Branche. Kostensteigerungen werden aufgefangen, so dass die Tiergesundheitsunternehmen trotz der schwierigen Rahmenbedingungen auf einem soliden Fundament Aktivitäten für eine umfassende und regelmäßige Gesundheitsvorsorge und das Tierwohl vorantreiben können.

Dynamik durch Innovation und Gesundheitsvorsorge
Neue Behandlungsoptionen, insbesondere in der Schmerztherapie (+ 13,2%) sowie die Produkte zur Behandlung der Haut bei Kleintieren (+15,6%) tragen nachhaltig zum Wachstum bei.

Die umfangreiche Fürsorge der Tierhalter bei Kleintieren führt durch die regelmäßige Gesundheitsvorsorge zu einer frühzeitigen Erkennung von Erkrankungen und begleitet die Tiere in ein hohes Alter. Dies schlägt sich u.a. auch bei der Behandlung von Herz- Kreislauf-Erkrankungen (+ 7%) nieder. Damit macht auch in 2023 das Segment der Spezialitäten mit 44,1% den größten Anteil des Portfolios aus.

Krankheitsvorbeuge profitiert von verstärkter Immunprophylaxe im Nutztiersegment
In der Landwirtschaft wurden die Tierbestände in 2023 weniger stark durch die Seuchensituation beeinflusst. Von dieser Erholung profitiert das Nutztiersegment. Eine höhere Bereitschaft zu Vorbeugemaßnahmen mit verstärkter Immunprophylaxe ist zu beobachten. Die Geflügelhaltung konnte außerdem von der Einführung neuer Impfstoffe profitieren. Kein Wachstum war bei der Immunprophylaxe bei Kleintieren zu beobachten. Für das Impfstoffsegment konnte insgesamt ein Wachstum von 3,2% verzeichnet werden.

Neben dem generellen Effekt der Kostensteigerung in Wirkstoffeinkauf und Produktion wirkt sich die Erholung nach der schwierigen Seuchensituation auch auf das Segment der Antiparasitika aus. Der Gesamtanteil am Markt ist mit 18,2% geringfügig gegenüber dem Vorjahr gewachsen.

Der Anteil des Antiinfektivasegmentes ist mit 14,8% gegenüber dem Vorjahr gleichgeblieben. 2023 wurden neue Meldewege implementiert und die Anwendungserfassung von Antibiotika auf weitere Tierarten zur Bestimmung der Therapiehäufigkeit ausgedehnt. Dies ist ein weiterer Schritt im umfangreichen Maßnahmenpaket, mit dem in der Tiermedizin die Anwendung von Antibiotika kontrolliert wird, um Antibiotikaresistenzen zu vermeiden. Diese Wirkstoffe stellen weiterhin ein wichtiges Instrument bei der Behandlung bakterieller Infektionen auch bei Tieren dar.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.

Forum angewandte Forschung 2024

Neueste Versuchsergebnisse zur Rinder- und Schweinefütterung präsentiert
Die 24. Arbeitstagung „Forum angewandte Forschung in der Rinder- und Schweinefütterung“ fand am 23.-24. April 2024 wie gewohnt in Fulda statt und stand unter dem Rahmenthema „Klimawirksamkeit messen und bewerten“. Ergänzend zu den Plenarbeiträgen zu CO2-Footprint von Futter und Fütterung wurde in den Sektionen Rind sowie Schwein/Geflügel jeweils ein Workshop „Neue Empfehlungen für Milchkühe – Umsetzung in der angewandten Forschung“ (Rind) bzw. „Verdaulichkeit von Calcium in P-reduzierten Mischungen“ (Schwein) durchgeführt. Daneben wurden die neuesten Versuchsergebnisse (insgesamt 45 Beiträge) seitens öffentlicher Versuchseinrichtungen und aus der Wirtschaft/Industrie (25 Vorträge, 12 Kurzvorträge, 8 Poster) präsentiert.

Der Tagungsband kann zum Preis von 20 € über den Verband der Landwirtschaftskammern, Geschäftsstelle VFT, Haus Düsse 2, 59505 Bad Sassendorf, Tel. 02945 9690 540, E-Mail k-h.gruenewald@vlk-agrar.de bezogen werden.

Klimawirksamkeit messen und bewerten/CO2-Footprint von Futter und Fütterung
Nach Einführung von Prof. Dr. Hubert Spiekers (LfL Grub) mit Nennung der wichtigsten Faktoren in der Klimadiskussion (CO2, N2O, CH4), der notwendigen Messung anfallender Klimagase bei der landwirtschaftlichen Produktion und Ansatzpunkten zur Minderung der Klimawirkung am Beispiel Milchkuh wurden in zwei Vorträgen Projekte zur Erfassung des CO2-Footprints bzw. von weiteren Nachhaltigkeitsfaktoren im Bereich des Grundfutters / der Futterwirtschaft im Grünland und in der Mischfutterproduktion aufgezeigt.

Um Klimagasemissionen von raufutterbasierten Milchproduktionssystemen beurteilen zu können, muss die Raufutterqualität auf Betriebsebene abgeschätzt und im Emissionsmodell über die Berücksichtigung der Verdaulichkeit abgebildet werden. Dazu stellte Prof. Dr. Beat Reidy (FH Bern) das Projekt KlimaStaR Milch aus der Schweiz vor. Fazit: Die Produktion von gehaltsreichem, leicht verdaulichem Wiesenfutter ermöglicht geringe THG-Emissionen. Die Emissionen aus der Futtermittelproduktion sind aufwändig zu modellieren. Die Berücksichtigung von Lebenszyklus-Inventaren vereinfacht die Datenerfassung (auch weniger Fehleingaben), die Abbildung betrieblicher THG-Minderungsstrategien durch Optimierung bei Anbau, Ernte, Konservierung und Lagerung … benötigt aber eine einzelbetriebliche Ermittlung der Emissionen.

Dr. Michael Lüke (DVT Bonn) stellte einen von der Mischfutterwirtschaft erarbeiteten und von der EU anerkannten Ansatz (Product Environmental Footprint Category Rules; PEFCR-Feed) zur Berechnung der Umweltwirkungen von Futtermitteln vor. Basis ist eine kontinuierlich erweiterbare Datenbank des Global Feed LCA Institute (GFLI). Hierbei werden nicht nur Klimagase berücksichtigt, sondern insgesamt 16 verschiedene Umweltwirkungen. Neben den Daten der eingesetzten Roh- und Zusatzstoffe wird auch der Transport der Rohstoffe / Produkte zum Mischfutterwerk bzw. zum Kunden sowie der Energie- und Wasserverbrauch berücksichtigt. Der PEFCR-Feed beschreibt somit den „Rucksack“ an Umweltwirkungen, die ein Mischfutter bei Ankunft auf dem Hof mitbringt. Um das fertige Lebensmittel entsprechend beurteilen zu können, wären entsprechende Daten aus anderen Wirtschaftsbereichen noch bei der landwirtschaftlichen Produktion, Weiterverarbeitung und Handel zu ergänzen.

Neue Empfehlungen für Milchkühe – Umsetzung in der angewandten Forschung
Die GfE hat 2023 neue Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Milchkühen veröffentlicht. Die Neuerungen (insbesondere Energie- und Proteinbewertung) wurden im Herbst in einem Workshop der GfE im Hinblick auf deren Umsetzung mit Kollegen aus Forschung, Laboren, LKV, Wirtschaft und Programmierern diskutiert und beraten. Aktuell liegen aus dem Bereich der angewandten Forschung erste „Praxiserfahrungen“ aber auch Fragen vor.

Prof. Dr. Andreas Susenbeth (CAU Kiel) führte in die neue Energiebewertung (ME statt NEL) ein. Im neuen System werden Einflussfaktoren, die auf den Futterwert und den Bedarf des Tieres wirken, entkoppelt und damit Futterbewertung und Bedarf strikt voneinander getrennt. Damit ist das System besser verständlich, modular aufgebaut und kann auch bei Neuerungen unproblematisch angepasst werden. Zentrale Bedeutung für den Energiegehalt hat die Verdaulichkeit der Organischen Masse (OMD) und das Futteraufnahmeniveau (FAN) [höhere Futteraufnahme * höhere Passagerate * Verringerung OMD * Verringerung Methanbildung pro kg verdaute OM]. Die Ermittlung des Gehaltes an ME ist über die Bruttoenergie [GE] per Kalorimetrie (Brennwert) oder mittels Schätzformel aus den Rohnährstoffen sowie der Berücksichtigung der OMD (verschiedene Tabellen, Schätzgleichungen je nach Futtertyp) möglich. Für spezielle Produkte ist die Bestimmung der OMD mittels enzymatischer Labormethode notwendig, um die ME korrekt zu schätzen.
Die neue Proteinbewertung trennt ebenfalls Futterbewertung und Bedarf klar voneinander ab. Die neue Kenngröße dünndarmverdauliches Protein (sidP) ersetzt das nXP. Nach wie vor ergibt sich die Proteinversorgung der Kuh aus dem nichtabgebautem Futter-Rohprotein (UDP) sowie dem mikrobiellen Rohprotein (MCP). Ergänzend zum Rohprotein gilt die Berechnung auch für die einzelnen Aminosäuren. Zur Anwendung ist die UDP-Dünndarmverdaulichkeit der einzelnen Futtermittel nötig. Dazu liegen bislang nur begrenzt Daten vor (Tabelle im GfE-Buch), weitere sind in den nächsten Jahren in Laboren und Versuchsanstalten noch zu erarbeiten (in situ-Methode [Standard], eHFT, chemische CP-Fraktionierung, enzymatischer CP-Abbau) und über Tabellenwerke bzw. Schnellmethoden mit Regressionsgleichungen zur Verfügung zu stellen.

Verdaulichkeit von Calcium in P-reduzierten Mischungen
Prof. Dr. Markus Rodehutscord (Universität Hohenheim) und Prof. Dr. Georg Dusel (TH Bingen) berichteten über Verdaulichkeitsstudien von Ca beim Schwein. Dabei zeigten sich Verdaulichkeiten bei mineralischen Quellen zwischen 70 und 80 % und bei Getreide zwischen 55 und 75 %. Durch Phytasezulagen lässt sich die Ca-Verdaulichkeit pflanzlicher Quellen um bis zu 25 % erhöhen. Da die Bestimmung der Ca-Verdaulichkeit standardisierte Tierversuche erfordert, wird von einer Umstellung auf verdauliches Ca. abgesehen. Diskutiert wurden für Mastschweine Verhältnisse von Ca zu vP von 2,4 zu 1 bei 70 % Ca-Gesamtverwertung und von 2,2 zu 1 bei 80 % Ca-Gesamtverwertung. Für Sauen wurden Verhältnisse von Ca zu vP von 2,5 zu 1 (hochtragend) und 2,0 zu 1 (laktierend) angeführt. Auf die Knochenstabilität zeigten moderate Ca-Gaben keine nachteiligen Effekte. Wichtig ist, deutliche Überschüsse beim Gesamt-Ca zu vermeiden. „Das Ca:vP-Verhältnis ist nicht in Stein gemeißelt“ – die Berücksichtigung der vP-Empfehlung und Vermeidung deutlicher Ca-Überschüsse reicht zur Optimierung der Ca und P-Versorgung in der Fütterungspraxis aus.

Weitere aktuelle Versuchsergebnisse wurden im Bereich Rind den Blöcken „Methodik“, „System- und Energiebewertung“, „Methanemissionen“, „N-und P-Emissionen“, „Zusatzstoffe und Futterbewertung“ bzw. im Bereich Schwein den Bereichen „Emissionen“, „Zusätze“, „Geflügelfütterung“, „Alternative Futtermittel I + II“, „Analytik und Methodik“ vorgestellt und ausführlich diskutiert. Die Beiträge können im Tagungsband nachgelesen werden.

Das Forum angewandte Forschung in der Rinder- und Schweinefütterung ist die bundesweite Plattform für den Austausch von Versuchsergebnissen der praxisorientierten Forschung und die Abstimmung methodischer Vorgehensweisen. Ausrichter ist der VLK in Zusammenarbeit mit der DLG unter Mitwirkung des FLI und des VDLUFA.

Internet: www.landwirtschaftskammern.de.

Aktuelles zum Thema Fütterung finden Sie unter www.futtermitteltest.de
oder unter www.Futtermittel.NET.

Quelle: Verband der Landwirtschaftskammern

Fütterungsstrategien zur Reduzierung von Coli-Durchfall bei Absetzferkeln

Durchfall, der in den ersten zwei Wochen nach dem Absetzen auftritt, ist durch lockeren, wässrigen Kot gekennzeichnet. Das Auftreten wird durch eine Kombination verschiedener Faktoren verursacht, einschließlich der Exposition gegenüber infektiösen Krankheitserregern wie Rotaviren, Salmonellen oder Escherichia coli sowie die angeborenen physiologischen und metabolischen Veränderungen, die das Magen-Darm-System des Ferkels zum Zeitpunkt des Absetzens erfährt. In den Vereinigten Staaten führt enterotoxisches E. coli (ETEC) häufig zu einer klinischen Erkrankung, die 10 bis 14 Tage nach dem Absetzen beginnt. Die beiden häufigsten ETEC-Stämme, die mit Absetzdurchfall assoziiert sind, exprimieren F4- (auch bekannt als K88) und F18-Fimbrien. Sobald die Kolonisierung beginnt, produziert ETEC Enterotoxine (STa, STb oder LT), die die Stabilität der Tight Junction stören, was zu einer verringerten Nährstoffaufnahme und einer erhöhten Flüssigkeitssekretion in das Darmlumen führt. Dies führt zu Durchfall, einer Verringerung des Wachstums und in schweren Fällen kann es zu Dehydrierung, Elektrolytstörungen und zum Tod kommen.

Früher wurde zur Vorbeugung des Durchfalls häufig Zinkoxid eingesetzt. Doch seit Juni 2022 ist zumindest in der Europäischen Union (EU) ein Zinkoxidverbot in Kraft getreten, das die Verwendung von therapeutischen Dosen von Zinkoxid (ZnO) in Futtermitteln verbietet. Seitdem sind Alternativen gefragt, um Absetzdurchfällen vorzubeugen, zu behandeln und die Magen-Darm-Gesundheit aufrecht zu erhalten.

Die Wissenschaftler*innen dieser Studie schlagen folgende Alternativen zu Zinkoxid vor:

• Rohproteinarme, mit Aminosäuren angereicherte Fütterung
Die Fütterung von Rationen mit niedrigem Rohprotein in den ersten 7 bis 14 Tagen nach dem Absetzen ist eine wichtige Strategie, mit der die Proteinmenge, die zur Fermentation in den Dickdarm gelangt, verringert werden kann. Untersuchungen zeigen durchweg, dass die Fütterung von Rationen mit niedrigem Rohprotein (< 21 %) die Proteinfermentation verringert. Eine Verringerung der coliformen Bakterien im Darm von Schweinen ist mit dieser Maßnahme jedoch nicht möglich, unabhängig davon, ob die Schweine E. coli ausgesetzt waren. Im Gegensatz zu den gesundheitsfördernden Vorteilen ist die größte Herausforderung bei Rationen mit niedrigem Rohprotein die häufig beobachtete Verringerung des Wachstums. Die Ergänzung der Rationen durch Aminosäuren in Futtermittelqualität kann einige Leistungseinbußen ausgleichen.

• Ballaststoffe
Die Fütterung von Ballaststoffen ist eine weitere Strategie, die zur Verbesserung der Magen-Darm-Gesundheit abgesetzter Ferkel eingesetzt werden kann. Ballaststoffe haben präbiotische Eigenschaften, die die Vermehrung „guter“ Bakterien wie Bifidobacterium, Lactobacillus und Eubacterium stimulieren, von denen angenommen wird, dass sie pathogene Bakterien verdrängen.

• Säurebindungsvermögen des Futters


Zuerst erschienen im zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin. Zum kostenfreien Abo bitte einfach hier anmelden und dann den Link in der Bestätigungs-Mail anklicken. Anschließend den Artikel in der letzten Ausgabe weiterlesen:

 

Erster Kryptosporidien-Impfstoff zum Schutz von Kälbern erhältlich

• Durchbruch in der Prävention von Kryptosporidien bei Kälbern
• Impfstoff schützt Kälber von Geburt an vor Kryptosporidien
• Kryptosporidien-Impfstoff reduziert Durchfallerkrankungen bei Kälbern

Nachdem ein neuer Impfstoff zum Schutz von Kälbern vor Cryptosporidium parvum (C. parvum) bereits Anfang des Jahres die EU-Zulassung erhalten hatte, teilt MSD Tiergesundheit diese Woche mit, dass der erste Kryptosporidien-Impfstoff ab sofort in Deutschland lieferbar ist.

Kryptosporidien sind hochinfektiöse zoonotische Parasiten, die Kryptosporidiose verursachen, eine der weitverbreitetsten und schwerwiegendsten Magen-Darm-Erkrankungen bei Rindern. Die Impfung trächtiger Färsen und Kühe kann Kälber von Geburt an schützen. Und damit genau zu dem Zeitpunkt, wenn sie am anfälligsten sind. Der Parasit spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Neugeborenendurchfall, einer der häufigsten Todesursachen bei jungen Kälbern. Eine überstandene Kryptosporidien-Infektion kann langfriste Auswirkungen auf die Gewichtszunahmen und die Leistungsfähigkeit der Tiere haben. Der Impfstoff ist für die aktive Immunisierung trächtiger Kühe und Färsen zugelassen, um im Kolostrum Antikörper gegen Gp40 von C. parvum zu erhöhen.

Damit der Muttertier-Impfstoff seine volle Wirkung im Darm der Kälber entfalten kann, ist ein gutes Kolostrummanagement nötig. Neugeborene Kälber müssen ab der Geburt fünf Tage lang mit dem Kolostrum und der Transitmilch geimpfter Muttertiere gefüttert werden. Eine verlängerte Kolostrumgabe wirkt sich positiv auf die Leistungsfähigkeit der Kälber aus.

Quelle: MSD Tiergesundheit

BÖL-Seminare zum Tiergesundheitsmanagement – Schwerpunkt Geflügel

Das Weiterbildungsteam des LBZ Echem hat den Auftrag für Konzeption und Umsetzung einer bundesweiten Seminarreihe zum Tiergesundheitsmanagement bekommen. Hinter dem Auftrag steht das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL).

Mit dieser Bildungsoffensive sollen Tierhalter*innen darin unterstützt werden, die Gesundheit und das Wohl ihrer Tiere zu fördern und somit Krankheiten vorzubeugen: durch die Beurteilung und Gestaltung der Ställe, durch modernes Management sowie einen geschulten Blick für das Verhalten, die Bedürfnisse und gesundheitliche Schäden der Tiere.

Im Juni 2024 finden einige kostenfreie Seminare zum Thema ökologische Geflügelhaltung statt:

Länger leben – länger legen. Verlängerte Nutzungsdauer von Öko-Legehennen
LBZ Echem (lbz.echem.de)

Termin: 04. 06. 2024, 9.30 – 17.00 Uhr
Seminarort: Bioland Hof Familie Eisenach
Holzhäuserstr. 8, Guntershausen
34225 Baunatal, Hessen

Online-Seminar: Das große Krabbeln – Endo und Ektoparasiten bei Legehennen Landwirtschaftskammer Niedersachsen (lwk-niedersachsen.de)

Online-Termin: 05.06.24, 18.30 – 20.50 Uhr

Praxisseminar: Das große Krabbeln – Endo und Ektoparasiten bei Legehennen  Landwirtschaftskammer Niedersachsen (lwk-niedersachsen.de)

Termin: 13.06.2024,13.00 bis 17.00 Uhr
Seminarort: Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Dres. Windhaus & Hemme GbR
An der Ohe 1
49377 Vechta

Kostenfreie BÖL-Seminare zu weiteren Tierarten finden Sie auf der Homepage des LBZ-Echem.

Quelle: LBZ Echem

Aktuelle Umfrage zum selektiven Trockenstellen zeigt: Angst vor Neuinfektionen ist groß

Von Dr. med. vet. Martin tho Seeth, Fachtierarzt für Milchhygiene und Dr. med. vet. Kerstin Duncker, Virbac Tierarzneimittel

Der prophylaktische Einsatz von Antibiotika ist nicht mehr erlaubt. Wenn selektives Trockenstellen strategisch geplant wird, können Antibiotika erfolgreich reduziert und Risiken minimiert werden. Wie das genau funktioniert, erfahren Sie hier.

Eutergesundheitsstörungen stellen Milchviehbetriebe vor große Herausforderungen und sind auch heute noch der häufigste Grund für den Einsatz von Antibiotika. Die Trockenstehzeit spielt für die Eutergesundheit einer Milchviehherde eine wichtige Rolle. Das Eutergewebe kann sich von der vorangegangenen Laktation regenerieren, und die Trockenstehzeit bietet eine gute Möglichkeit zur Ausheilung bestehender Infektionen. Zu Beginn sowie am Ende der Trockenstehzeit und während der ersten Laktationstage besteht jedoch auch ein erhöhtes Risiko für Neuinfektionen, welche durch ein optimales Management möglichst vermieden werden sollten. Die Anwendung antibiotischer Trockenstellpräparate bei Milchkühen ist seit vielen Jahren in Deutschland weit verbreitet. Jedoch profitieren nicht alle Tiere gleichermaßen von dieser Therapie. Antibiotische Behandlungen sind nur bei bestehenden Infektionen sinnvoll, und auch der beteiligte Mastitiserreger hat neben weiteren Faktoren Einfluss darauf, wie effektiv eine antibiotische Therapie wirklich ist. Die Verordnung 2019/6 der Europäischen Union (EU), welche seit 2022 in Kraft ist, verbietet den prophylaktischen Einsatz antibiotischer Präparate. Zur Vermeidung von Neuinfektionen in der Trockenstehzeit gibt es zudem effektive Alternativen wie z. B. eine gute Anwendungs- sowie Haltungshygiene, interne Zitzenversiegler und die Vermeidung geburtsnaher Erkrankungen.

Erprobte Konzepte verfügbar
Selektive Trockenstellprogramme, die mit einer Überprüfung sowie gegebenefalls Optimierung des Eutergesundheitsmanagements einhergehen und ein effektives Monitoring der Eutergesundheit voraussetzen, stellen eine sinnvolle Möglichkeit dar, den Verbrauch an antibiotischen Präparaten zu senken, ohne die Eutergesundheit der Milchviehherde zu gefährden. Die Identifizierung der Tiere bzw. Euterviertel, welche von einer antibiotischen Trockenstelltherapie profitieren, kann über verschiedene Wege gelingen. In der Praxis hat sich beispielsweise die Kombination aus somatischer Zellzahl der letzten Milchleistungsprüfung und einem Schalmtest am Tag des Trockenstellens bewährt. Aber auch Konzepte, welche beispielsweise auf einer bakteriologischen Untersuchung von Milchproben vor dem Trockenstellen basieren, sind natürlich möglich. Mittlerweile ist der Wissensstand bezüglich funktionierender sowie praktikabler Konzepte zum selektiven Trockenstellen sehr umfassend, und Studien liefern weiterhin neue wichtige Erkenntnisse. Trotzdem gibt es noch immer viele milchviehhaltende Betriebe, die sich mit Blick auf das selektive Trockenstellen Sorgen um die Eutergesundheit ihrer Milchviehherde machen. Dies ist einerseits verständlich und zeigt andererseits, dass es Bereiche gibt, in denen die tierärztliche Beratung auf den Betrieben noch Verbesserungspotential besitzt.

Abb. 1

Viele Betriebe haben dennoch Sorgen
Aufgrund der Tatsache, dass es trotz des aktuellen Wissenstands noch viele gefühlte Hürden bezüglich des Einstiegs in das selektive Trockenstellen gibt, wurde im August 2023 eine anonyme Online-Umfrage gestartet. Die Umfrage richtete sich gezielt an Betriebe, für die das selektive Trockenstellen bisher nicht zur festen Arbeitsroutine gehörte. Abgefragt wurden betriebliche Daten, die Erwartungen an das antibiotische Trockenstellen und mögliche Probleme, welche im Zusammenhang mit dem selektiven Trockenstellen in den Betrieben befürchtet werden oder bereits aufgetreten sind. Ziel war es, mögliche Bedürfnisse, Sorgen und Probleme der Landwirtinnen und Landwirte in Bezug auf das selektive Trockenstellen zu beleuchten, um einen möglichen Beratungsbedarf zu identifizieren. Auf diesem Weg soll die Kommunikation zwischen Tierarztpraxis und milchviehhaltendem Betrieb verbessert, die Beratung zum Thema Trockenstehzeit und selektivem Trockenstellen optimiert und zur Zukunftsfähigkeit der Milchviehbetriebe beigetragen werden.

Umfrage zeigt, wo noch Beratungsbedarf besteht
Insgesamt haben 115 Milchviehbetriebe aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands, aber auch Österreichs, an der Befragung teilgenommen. Die Umfrage zeigt, dass neben der geplanten Therapie in der Trockenstehzeit, mit dem Ziel der Ausheilung bestehender Infektionen, der Schutz vor Neuinfektionen bei vielen Betrieben weiterhin einer der Gründe ist, warum antibiotische Trockensteller eingesetzt werden. Auf die Frage „Was muss ein guter Trockensteller leisten?“ wurde in 42 % der abgegebenen Freitextantworten die Ausheilung bestehender Euterinfektionen genannt. In 43 % der Antworten wurde der Schutz vor Neuinfektionen angeführt (Abb. 1). Hierzu passen die Antworten auf die Frage „Welche Probleme befürchten Sie, wenn Sie Kühe ohne antibiotischen Trockensteller trockenstellen?“. 11,5 % der Betriebe gaben an, keine Befürchtungen zu haben. 88,5 % der Betriebe gaben an, Befürchtungen zu haben und nannten diese als Freitextantwort. In 34 % der Antworten wurden vermehrten Neuinfektionen bzw. erhöhte somatische Zellzahlen genannt, in 53 % vermehrte Euterentzündungen und in 8 % die Befürchtung eines Verlusts von Heilungsraten, wenn auf ein antibiotisches Trockenstellen verzichtet wird (Abb. 2). Zudem beschreibt der Großteil der teilnehmenden Betriebe, dass genau diese Probleme im Zusammenhang mit dem selektiven Trockenstellen bereits aufgetreten sind (Abb. 3).

Selektives Trockenstellen – gemeinsam mit der Hoftierarztpraxis zum Erfolg
An diesen Beispielen zeigt sich bereits, dass hinsichtlich des Transfers der umfassenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Trockenstehzeit und selektivem Trockenstellen in der Praxis noch Optimierungsbedarf besteht. In vielen Betrieben steht hinsichtlich des antibiotischen Trockenstellens der Präventionsgedanke im Vordergrund. An dieser Stelle sollte die Beratung ansetzen und Alternativen zum Schutz vor Neuinfektionen in der Trockenstehzeit aufzeigen. Dabei sollte beispielsweise gezielt die Haltungshygiene in der Trockenstehzeit bis in die frühe Laktation, die Anwendungshygiene beim Trockenstellen, das Auftreten abkalbenaher Erkrankungen und die Möglichkeit der Anwendung eines internen Zitzenversieglers überprüft werden. Dies verbessert nicht nur die Prävention von Infektionen in der Trockenstehzeit, sondern hilft auch dabei, mögliche Ursachen für bereits aufgetretene Probleme bezüglich des selektiven Trockenstellens zu finden. Besonders das Auftreten klinischer Euterentzündungen während der Trockenstehzeit ist mit 26 % ein häufig genanntes Problem. Auch in der Praxis sind diese Euterentzündungen immer wieder zu beobachten. Sie sind ein deutlicher Hinweis auf eine mangelnde Hygiene bei der Anwendung von internen Zitzenversieglern während des Trockenstellens sowie auf eine nicht ausreichende Haltungshygiene in der frühen Trockenstehzeit. Ein antibiotischer Trockensteller kann diese Mängel zumindest während des Trockenstellens und in der frühen Trockenstehzeit teilweise kaschieren. Daher muss die eigene Anwendungs- und Haltungshygiene zum Start ins selektive Trockenstellen kritisch bewertet und bei Bedarf optimiert werden.

Sinnvolle Kriterien im Rahmen eines selektiven Trockenstellkonzepts sind wichtig, um Tiere bzw. Euterviertel zu identifizieren, welche von einer antibiotischen Therapie profitieren. Das Konzept sollte gemeinsam mit der Tierarztpraxis erarbeitet, an die individuellen Bedingungen angepasst und der Erfolg regelmäßig anhand der Eutergesundheitskennzahlen überprüft werden. Wichtig erscheint hier, das antibiotische Trockenstellen im Rahmen des betrieblichen Eutergesundheitskonzepts eindeutig als geplante Therapie zu etablieren und die Prävention durch die bereits genannten Alternativen sicherzustellen.

Literatur auf Anfrage bei den Autoren erhältlich.
Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2/2024

Geflügelpest: Erstmals Wiederkäuer betroffen

Das Geflügelpestvirus macht weltweit schon lange Probleme. Seit 1996 breitet es sich von Asien aus wellenartig in verschiedenen Varianten aus. Derzeit dominiert die Variante H5N1, die wiederum neue Genotypen hervorbringt. Diese Genotypen können unterschiedlich virulent sein. Geringpathogene aviäre Influenzaviren (LPAIV) der Subtypen H5 und H7 verursachen bei Hausgeflügel, insbesondere bei Enten und Gänsen, kaum oder nur milde Krankheitssymptome. Allerdings können diese Viren spontan zu einer hochpathogenen Form (hochpathogene aviäre Influenzaviren, HPAIV) mutieren, die sich dann klinisch als Geflügelpest zeigt. Mittlerweile finden sich auch Geflügelpestviren, die nicht nur Vögel, sondern auch Säugetiere infizieren können, darunter Katzen, Hunde, Füchse, Bären, Robben, Tiger und Delphine. Und erst kürzlich kam aus den USA die Nachricht, dass das Virus erstmals bei Milchkühen gefunden wurde. Die hoch ansteckende Variante H5N1 kursierte in zwei Milchviehbetrieben des Bundesstaates Texas, und auch in anderen US-Bundesstaaten hat das Virus offenbar Rinder infiziert. Vermutlich erfolgte die Virusübertragung durch Wildvögelkontakt. Vor allem ältere Kühe fielen offenbar mit akutem Milchrückgang bis 20 Prozent auf. Virusnachweise erfolgten aus der Milch der Tiere mit z.T. hohen Viruslasten sowie in mindestens einem Fall auch aus einem Nasentupfer, schreibt das Friedrich Löffler Institut (FLI).

Infektion von Kuh auf Mensch
Nach Kontakt mit den infizierten Milchkühen ist nun sogar ein Mensch im US-Bundesstaat Texas positiv auf Vogelgrippe mit der Variante H5N1 getestet worden. Er litt zwar nur unter einer Bindehautentzündung, dennoch aber sind solche Infektionen besorgniserregend. Das festgestellte Virus ist ein in den USA bekannter, jedoch bislang nicht dominanter Genotyp des HPAIV H5N1 der Klade 2.3.4.4b. Schon vor gut einem Jahr gab es die erste Meldung darüber, dass diese H5N1-Variante bei einem Menschen gefunden wurde. Ältere H5N1-Varianten wurden beim Menschen schon früher diagnostiziert. Solange sich nur Säugetiere infizieren bzw. der Mensch sich an Säugetieren ansteckt, ist es nicht so kritisch, aber wenn sich Menschen untereinander mit H5N1 infizieren, wäre eine neue Situation erreicht. Vor allem könnten Infektionen bei Schweinen zu einer solchen Anpassung des Virus führen, da Schweine als sogenannte „mixed vessels“ empfänglich sind für Influenzaviren von Vögeln, Menschen und Schweinen. Und auch neue Stämme und Subtypen könnten aus diesen verschiedenen Influenza-Viren entstehen.

Für die Menschen auf den betroffenen Milchviehbetrieben empfehlen Experten nun Schutzmasken und -brillen, um sich vor einer Infektion zu schützen. Diese sei vor allem möglich durch Reinigungsarbeiten, wenn zum Beispiel Gänge mittels Hochdruckreinigern gesäubert werden, weil dies viele Aerosole produziert.

In Deutschland gibt es seit kurzem ein Monitoring für Influenzainfektionen bei Füchsen, da diese Fälle in letzter Zeit häufiger auftraten. In Anbetracht der stetigen Anwesenheit des Virus in Wildvogelpopulationen sind solche Übertragungen durch den Kontakt von Fleischfressern mit HPAIV-infizierten Wildvogelkadavern nicht unerwartet, schreibt das FLI. Die wichtigste Schnittstelle zwischen dem Menschen und HPAI H5N1-Viren bleiben jedoch infizierte Geflügelhaltungen.

Impfungen noch nicht ausgereift
Seit letztem Jahr ist nun erstmals eine Impfung von Geflügel gegen Geflügelpest in der EU möglich. Aktuell ist ein Impfstoff zugelassen, der allerdings nicht optimal gegen die derzeit kursierenden Viren angepasst ist. In den Niederlanden gab es erste Impfversuche bei Legehennen, die gute Ergebnisse erbrachten, allerdings mit Impfstoffen, die besser an die aktuellen Virenstämme angepasst, aber in der EU nicht zugelassen sind. In Frankreich läuft ein landesweites Impfprogramm bei Enten. Trotz Impfung erkrankten jedoch einige Tierbestände, woraus die Experten schlossen, dass Wiederholungsimpfungen nötig seien. Weiterhin risikomindernde Maßnahmen wie eine gute Biosicherheit auf den Betrieben und ein möglichst geringer Kontakt zu Wasservögeln sind also nach wie vor sehr wichtig.

In der aktuellen Risikoeinschätzung meldet das FLI, dass zwischen dem 01. und 31.03.2024 in Deutschland ausschließlich HPAIV H5-Fälle bei Wildvögeln nachgewiesen wurden. Die Zahl der HPAIV H5-Ausbrüche bei Hausgeflügel in Europa ist im März stark zurückgegangen. Die seit Oktober 2023 in Europa charakterisierten H5N1-HPAI-Viren der Klade 2.3.4.4.b weisen neue und unterschiedliche Genotypen auf, die vermutlich durch Reassortierung zirkulierender HPAI-Viren mit verschiedenen lokalen LPAI-Viren entstanden sind. Es ist eine erhöhte Anzahl neuer Genotypen mit einem erneuten Trend zu mehr Regionalität festzustellen. Insgesamt ist die Situation rund um die Geflügelpest derzeit als moderat einzustufen, so das FLI. Das Institut empfiehlt die weiterhin konsequent durchgeführte Bekämpfung der HPAI in Geflügelhaltungen als das wichtigste Werkzeug in der Vermeidung einer Exposition des Menschen gegenüber diesen Viren.

Quelle: Dr. Heike Engels

Zuerst erschinenen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2-2024. Für ein kostenfreies Abo können Sie sich hier ganz einfach registrieren.

Haptoglobingehalt in Milch gibt Hinweis auf kranke Kühe

Haptoglobin als Akute-Phase-Protein in Blutserum und in Milch gilt als Biomarker für entzündliche Erkrankungen. Der Haptoglobin-Wert steigt generell bei entzündlichen Erkrankungen und auch in Stresssituationen an und bleibt über längere Zeit erhöht. Im Vergleich zu Blutserumproben können Milchproben viel einfacher und günstiger entnommen und analysiert werden. Milch stellt ein leicht verfügbares Substrat dar, welches im Rahmen der Milchleistungsprüfung 11mal jährlich untersucht wird. Daher bietet sich die routinemäßige Haptoglobinbestimmung in der Milch als Parameter für das Tiergesundheitsmonitoring an. Deshalb war es Ziel einer Studie*, die Zusammenhänge zwischen erhöhter Haptoglobin-Konzentration in Milch und klinischen sowie labordiagnostischen Parametern bei Kühen in der Frühlaktation zu untersuchen. Gesunde und kranke Tiere sollen anhand von Grenzwerten für Haptoglobin in Milch unterschieden werden können.

Es wurden dafür in den Jahren 2019 bis 2021 insgesamt 1462 Milchkühe zwischen dem 5. und dem 65. Laktationstag auf 68 bayerischen Betrieben untersucht. Als Rassen waren Fleckvieh, Braunvieh und Holstein Friesian vertreten, alle Kühe lebten in Laufställen. Einmal wöchentlich wurden über 7 Wochen je Betrieb Milch- und Blutproben gezogen. Außerdem wurde die Rückenfettdicke via Ultraschall bestimmt, der Body Condition Score ermittelt und eine vaginale Metri-Check-Untersuchung zur Bestimmung der Gebärmuttergesundheit durchgeführt. Die Milchproben wurden immer zur gleichen Tageszeit genommen, um den Einfluss der Tageszeit zu minimieren, und auf Milchfett, Milcheiweiß, Laktose, Harnstoff, beta-Hydroxybutyrat und freie Fettsäuren, Zellzahl und Milch-Haptoglobin untersucht. Die Blutproben wurden auf Kreatinin und weitere Parameter sowie auf Blut-Haptoglobin untersucht.


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