„70-80 % der Fruchtbarkeitsprobleme beim Schwein sind nicht krankheitsbedingt. Entscheidend ist das Management!“ #Bioland Schweinefachtagung 2026

So begann Dr. Anke Zankl (vetxperts Hohenlohe) ihren Vortrag auf der Schweinefachtagung des Bioland-Verbandes und beleuchtete dann Remontierung und Besamungsmanagement im Detail.

Einleitend verglich sie Vor- und Nachteile von Zukauf und Eigenremontierung. Zukauf bedeute weniger Arbeit und erlaube den Fokus auf die Ferkelproduktion zu legen, sie erleichtere die Planung und profitiere von höheren genetischen Fortschritten.

Allerdings berge der Zukauf auch das Risiko für den Import von Krankheiten und die Lieferung sei meistens nur alle sechs Wochen möglich. Die Eingliederung neuer Sauen erfordere eine passende Eingliederung und sehr gute Quarantäne-Maßnahmen.

Bei der Eigenremontierung bestehe ein geringeres Risiko, Krankheiten einzuschleppen und es bliebe ausreichend Zeit für die Eingliederung. Schließlich könne der Ferkelerzeuger die Auswahl der Jungsauen nach eigenem Ermessen vornehmen.

Allerdings seien dazu Selektions-Kenntnisse oder ein Berater nötig. Der Aufwand von Zeit, Arbeitskraft und Platz sei höher. Außerdem würden natürlich bei der Eigenremontierung auch männliche Ferkel geboren.

Als Ziele der Eingliederung nannte Zankl

• gesunde Jungsauen zur Remontierung mit guter Lebensleistung
• stabile Herdengesundheit ohne Immunitäts-Schwankungen
• Reduktion schwankender Kolostrum-Qualität durch gute Eingliederung

Hier spiele die Quarantäne für Jungsauen eine wichtige Rolle. Ohne Quarantäne würden gesunde Jungsauen in den Bestand eingeführt, die dann erkranken und dann sogar Keime ausscheiden könnten. Auch das Gleichgewicht der bereits im Betrieb lebenden Sauen könne für eine ganze Weile gestört werden.

Bei der Eingliederung mit Quarantäne blieben die Jungsauen eine Woche separiert und könnten gleich zu Anfang auch geimpft werden. Nach einer gewissen Zeit sollten die neuen Tiere dann Kontakt zu gesunden Schweinen aus dem Bestand, Kaustricken oder auch Kot bekommen. Sollten die Jungsauen beim Kontakt mit der Betriebsflora krank werden, geschähe dies ohne das Gleichgewicht im Betrieb zu stören.

Nach der Anpassung folge eine sechswöchige „Abkühlungsphase“, in der die Jungsauen Infektionen überwinden könnten. Dank der aufgebauten Abwehrkräfte würden sie auch keine Krankheitserreger ausscheiden. Und schließlich könnten die Tiere dann in die Herde integriert werden.

Für die Stallausstattung empfiehlt die Fachtierärztin für Schweine.

• ausreichende Troglänge (35-40 cm je Tier
• 2-mal oder ad libitum füttern
• unbegrenzten Zugang zu Wasser
• gute Bodenbeschaffenheit und Luftqualität (keine Zugluft, trocken mit 18-21 Grad)
• Tageslicht für 14-16 Stunden
• saubere Buchten, die vor Einstallung gereinigt und desinfiziert werden müssten
• und die Sicherstellung der sozialen Entwicklung der Jungsauen

Besamungsmanagement
„Die Rausche der saue ist eine hormonelle Höchstleistung“ erklärte Zankl und deswegen gelte es die hormonelle Regulation der Sau bestmöglich zu unterstützen. Stress sei unter allen Umständen zu vermeiden.

Die Hormone von Sauen würden vor allem von Genetik/Zuchtauswahl aber auch von Anteil weiblicher Ferkel im Jungsauen-Vermehrungswurf bestimmt. Mindestens die Hälfte der Ferkel sollten hier weiblich sein.

Auch die täglichen Zunahmen seien wichtig. Je nach Körpergewicht wären folgende Werte wünschenswert:

30-60 kg – 600 g,
ab 60-65 kg – 700 g,
ab 90 kg – 750 g.

Mineralien und Vitamine sollten auf jeden Fall ergänzt und auch auf ausreichend Rückenspeck geachtet werden (12-14 mm).

Ausreichender Mensch/Tier-Kontakt sei äußerst wichtig, weil er weniger Angst und Adrenalinausschüttung bedeute und das Oxytocin zur Wirkung brächte. Auch die Körperkondition nach dem Absetzen und Tag/Nacht-Temperaturschwankungen spielten eine Rolle.

Zum Eberkontakt gehörten am besten zwei, sexuell aktive Eber, im Alter von mindestens 13 Monaten, die ab dem 3. Tag nach dem Absetzen 2x täglich für 30-60 Minuten Kontakt mit den Sauen haben. Diese müssten die Eber sehen, hören, riechen und tasten ohne dabei etwa durch andere Arbeit, Lärm oder Fütterung gestört zu werden. Auch beim Besamen sei Eberkontakt wichtig; Dauerkontakt sein jedoch zu vermeiden.

Die Besamung selbst sollte ruhig, freundlich und schmerzfrei erfolgen, am besten immer durch die gleiche Person – die auch einen besonderen Besamungs-Overall in anderer Farbe als die normale Betriebskleidung tragen sollte.

Die Zeit zwischen zwei Stimulationspeaks betrage 60 Minuten die Dauer jeweils 15-20 Minuten bis zur Oxytocin-Ausschüttung. Der Muttermund sollte den Katheter umschließen, die Gebärmutter kontrahieren. In den folgenden 10-16 Tagen nisteten sich die Eizellen ein. Speziell in dieser Zeit sollte Stress auf jeden Fall vermieden werden.

Innerhalb der ersten vier Wochen der Trächtigkeit, stürben 30-40 % der Embryonen ab und es seien mindestens vier Embryos für eine Trächtigkeit nötig. Im gesunden Uterus der sau würden 70 % der Organlänge beansprucht.

Umrauscher
Und – last but not least – sollte die Umrauscher-Quote eines Betriebes unter 8 % liegen. Neben infektiösen Ursachen spielten beim unregelmäßigen Umrauschen etliche Faktoren eine Rolle: Stalltemperatur, Licht und wieder Stress. Die Erstbelegung könne zu früh erfolgt und der Body-Condition-Score der Sau mangelhaft sein. Schließlich wirkten sich auch schlechte Fütterung während der Laktation und Mykotoxine negativ aus.

Bei den infektiösen Ursachen spielten Schmierinfektionen mit „normalen“ Bakterien ebenso eine Rolle, wie systemische Infektionen mit Parvo, PCV2, PRRS, Influenza, Brucellose und Leptospirose.