Ab April neue Zuchtwerte für die Gesundheit der Milchkühe

Ab dem 2. April 2019 können die Holsteinzüchter erstmals direkte Zuchtwerte zur Tiergesundheit nutzen. Das teile der Bundesverband Rind und Schwein e.V. bei einem Pressegespräch mit. Für die Holsteinzucht erscheinen mit den Zuchtwertschätzungen diese fünf neuen Zuchtwerte:

• RZ-Euterfit
• RZ-Klaue
• RZ-Repro
• RZ-Metabol
• RZ-Gesund

Die Datengrundlage für die neuen Zuchtwerte basiert unter anderem auf dem Projekt KuhVision, bei dem rund 1.200 Betriebe Gesundheitsdaten erfassen und alle Tiere genotypisieren lassen. Die genomischen Zuchtwerte bieten Sicherheiten zwischen 0,5 und 0,6. Diese Werte sind für ein Gesundheitsmerkmal sehr hoch und sprechen für die überlegene Datenqualität der deutschen Relativ-Zuchtwerte und Zuchtwertschätzverfahren.

Der RZ-Gesund ist der Gesamtzuchtwert, in welchem die vier Merkmale Euterfit, Klaue, Repro und Metabol unterschiedlich gewichtet sind: RZ-Euterfit 40 %, RZ-Klaue 30 %, RZ-Repro 20 % und RZ-Metabol 10 %. Die Selektion mit dem RZ-Gesund erlaubt die züchterische Verbesserung aller 13 Gesundheitsmerkmale, die in den vier Relativzuchtwerten erfasst werden. So sind mit nur einem Wert alle wichtigen Merkmalskomplexe abgedeckt bzw. den wichtigsten Erkrankungen züchterisch bestmöglich vorgebeugt. Bei Tieren bzw. Herden mit speziellen Herausforderungen helfen die Zuchtwerte RZ-Euterfit, RZ-Klaue, RZ-Metabol und RZ-Repro bei der Anpaarung und Wahl des Bullen.

Die neuen Zuchtwerte können aufzeigen, welche Bullen widerstandsfähige Nachkommen hervorbringen. Damit sollen sich bestimmte Krankheiten wie etwa Mastitis oder Mortellaro zielgenauer züchterisch bearbeiten lassen.

RZ-Euterfit:
Mastitis ist nach wie vor die Erkrankung mit der größten wirtschaftlichen Bedeutung in unseren Milchviehbeständen. Eine klinische Euterentzündung in der Frühlaktation kostet pro Tier schnell 400 bis 600 Euro an Behandlungskosten, Milchgeldverlust etc. Eine subklinische Mastitis (erkennbar an einer erhöhten Zellzahl) schlägt mit bis zu 200 Euro je Tier zu Buche. Mit dem neuen Zuchtwert RZ-Euterfit lässt sich das Auftreten von Mastitis nun ganz gezielt verringern. Die weltweit einmalige Kombination aus direkten Gesundheitsdaten, die frühe und späte Erkrankungen erfassen, und Abgangsursachen wirkt sich beim genomischen Zuchtwert RZ-Euterfit ganz besonders positiv aus: Die Sicherheit liegt bei 0,61! Durch die Berücksichtigung des RZ-Euterfit bei der Selektionsentscheidung lässt sich die Mastitisrate in der Herde zielgerichtet und schnell senken.

RZ-Klaue:
Die Milchleistung steht auf gesunden Klauen und genau das garantiert der neue Zuchtwert RZ-Klaue. In diesem neuen Gesundheitsindex sind die sechs wichtigsten Klauenerkrankungen kombiniert und entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung gewichtet:

• Dermatitis Digitalis (Mortellaro) 30 %
• Klauengeschwüre 15 %
• Panaritium 15 %
• Weiße Linie Defekt 15 %
• Klauenrehe 15 %
• Limax/Zwischenklauenwulst 10 %

Die starke Gewichtung von Mortellaro im neuen Zuchtwert kommt dabei nicht von ungefähr, denn die infektiöse Klauenerkrankung breitet sich zurzeit stark in den Milchviehbeständen aus. Der RZ-Klaue erweitert den bisherigen Zuchtwert DD Control um weitere wichtige Merkmale für die Zucht auf Klauengesundheit. Durch Berücksichtigung des Wertes bei Anpaarungsentscheidungen kann so effektiv gesteuert werden. RZ-Klaue ist ein entscheidender Schritt zu mehr Klauengesundheit in der ganzen Herde. Die Sicherheit des genomischen Zuchtwertes RZ-Klaue liegt bei 0,51.

RZ-Repro:
Nur Kühe, die schnell und problemlos wieder tragend werden, verbleiben viele Laktationen in der Herde. Dafür ist die Gesundheit des Fortpflanzungstraktes von großer Bedeutung. Mit RZ-Repro kann erstmalig auf gesunde Fortpflanzungsorgane bei der Kuh gezüchtet werden. Der genomische Relativzuchtwert RZ-Repro umfasst Reproduktionsstörungen, die früh (Gebärmutterentzündung, Nachgeburtsverhaltung) und spät (Zyklusstörungen) in der Laktation auftreten, in wirtschaftlich optimaler Weise:

• Zyklusstörungen (z.B. durch Zysten) 50 %
• Entzündungen der Gebärmutter und ihrer Schleimhaut 25 %
• Nachgeburtsverhaltungen 25 %

Die Zyklusstörungen weisen eine Korrelation zu den bisher schon im RZR (Töchterfruchtbarkeit) erfassten Merkmalskomplex „Rastzeit“ auf und wurden bereits indirekt züchterisch bearbeitet. Daten zu den Gesundheitsmerkmalen „Gebärmutterentzündung“ und „Nachgeburtsverhaltungen“ wurden jedoch nicht erhoben – bis zur Entwicklung des neuen genomischen Relativzuchtwertes RZ-Repro. Dank des neuen Komplexes und der darin verarbeiteten Daten ist nun eine gezielte Zucht auf reproduktionsgesunde Tiere möglich. Die Sicherheit des genomischen Zuchtwertes beträgt 0,52, ein sehr guter Wert für niedrig erbliche Merkmale.

RZ-Metabol:
Die Stoffwechselgesundheit ist gerade bei hochleistenden Kühen von immenser Bedeutung: für die Wirtschaftlichkeit und das Tierwohl. Bisher gab es keine brauchbaren Hilfsmerkmale, die deren Erfassung und somit die Schätzung eines Zuchtwertes zuließen. Im genomischen Zuchtwert RZ Metabol werden nun erstmals diese Merkmale mit folgender Gewichtung zu einem Index verrechnet:

• Labmagenverlagerung 40 %
• Milchfieber 30 %
• Ketose 30 %

Die Datengrundlage des RZ Metabol wird sich in den kommenden Jahren noch wesentlich vergrößern, so dass die Sicherheit dieses genomischen Zuchtwertes in Zukunft noch weiter ansteigen wird. Aktuell liegt die Sicherheit bei 0,55.

Quelle: BRS/Der Hoftierarzt

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