Ceva Tiergesundheit rückt Q-Fieber und vektorübertragene Erkrankungen in den Fokus der One-Health-Debatte

Die Ceva Tiergesundheit GmbH hat im Rahmen Ihrer Pressekonferenz über die Verbreitung von Zoonosen berichtet, insbesondere von zoonotischen Krankheiten, die bei Landwirten und Tierärzten immer noch unterschätzt werden. Zudem wurde ein Update über das aktuelle Seuchengeschehen insbesondere von Vektor übertragenen Krankheiten im Rinderbereich gegeben.

Zoonosen – Krankheiten, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden können – sind längst keine abstrakte Bedrohung mehr. Laut aktuellen WHO-Zahlen sind rund 60 % aller bekannten und sogar 75 % aller neu auftretenden Infektionskrankheiten beim Menschen zoonotischen Ursprungs. Vor diesem Hintergrund hat Ceva Santé Animale mit dem Ceva Wildlife Research Fund den Kampf gegen Zoonosen als eine von drei globalen Kernmissionen definiert. Ceva Ruminants greift diesen Impuls auf und macht ihn für den deutschsprachigen Raum konkret – mit aktuellen Studiendaten, einer Landwirteumfrage und gezielten Aufklärungsmaßnahmen.

Q-Fieber: Eine unterschätzte, keine seltene Zoonose
Q-Fieber gilt in der breiten Öffentlichkeit häufig als Rarität. Laut Infektionsepidemiologischem Jahrbuch des RKI wurden für 2023 lediglich 74 Fälle gemeldet – ein trügerisch niedriger Wert. Denn bis zu 60 % aller Infektionen verlaufen vollständig asymptomatisch, der Großteil der verbleibenden Fälle zeigt unspezifische Grippe-ähnliche Symptome. Die Folge: Die durch Coxiella burnetii verursachte Erkrankung wird von Landwirten, Tierärzten und Humanmedizinern gleichermaßen kaum erkannt. Dabei belegt eine Studie von Groten et al. (2020)1, dass bis zu 70 % der untersuchten Schäfer, Rinderhalter und Rindertierärzte Antikörper gegen Q-Fieber aufwiesen – ein klarer Hinweis auf die tatsächliche Verbreitung weit jenseits der gemeldeten Zahlen.

Die Übertragung erfolgt primär aerogen: Beim Abkalben oder Ablammen werden Milliarden von Erregern freigesetzt – bis zu 10⁹ Bakterien pro Gramm Plazenta2,3 – die sich nachweislich bis zu 18 km über die Luft verbreiten können4. Direkter Kontakt ist nicht notwendig. Gefährdet sind damit nicht nur Halter von Rindern und kleinen Wiederkäuern sowie deren Mitarbeiter, sondern auch betreuende Tierärzte und Betriebsbesucher z.B. im Rahmen eines „Tag des offenen Hofes“ wie Familien, Schüler-, Kindergartengruppen oder Feriengäste.

Eigene Analysedaten ergeben: 74,3 % der Betriebe Q-Fieber-positiv
In den vergangenen 2,5 Jahren hat Ceva Tiergesundheit insgesamt 1.096 von Landwirten eingesendete Tankmilchproben aus Deutschland und Österreich auf Q-Fieber im Labor untersuchen lassen. Das Ergebnis ist beunruhigend: 74,3 % der untersuchten Betriebe sind Q-Fieber-positiv. Die Daten sind im interaktiven Dashboard öffentlich einsehbar

Was Landwirte wissen – und was sie unterschätzen
In einer Umfrage unter Milchviehhaltern aus ganz Deutschland im Winter 2025 gaben 44 % der Befragten an, selbst bereits einmal an einer Zoonose erkrankt gewesen zu sein – in den meisten Fällen an Rinderflechte. Das eigene Erkrankungsrisiko durch Q-Fieber wird dennoch stark unterschätzt. Ceva Tiergesundheit setzt daher auf gezielte Aufklärungsarbeit: mit Stallpostern, Webinaren für Tierärzte, einem Zoonose-Blog sowie Aktionen zum Welt-Zoonose-Tag am 6. Juli 2026.

Vektorübertragene Erkrankungen: EHD als neues Sorgenkind
Im zweiten Themenschwerpunkt wurde die aktuelle Lage bei vektorübertragenen Tierseuchen beleuchtet. Nahezu alle befragten Landwirte (97 %) stuften die Bedrohung durch vektorübertragene Erkrankungen als hoch oder sehr hoch ein. Über 70 % gaben an, die in 2025 angefangenen Impfungen gegen das Blauzungenvirus auffrischen zu wollen. Dennoch dominieren im Rindersektor das Blauzungen-Virus (BTV) und Lumpy Skin Disease (LSD) – aktuell mit 14 aktiven Ausbrüchen in Italien (Stand 27.04.2026) – das Seuchengeschehen in Europa. Warme Temperaturen begünstigen die Vermehrung der Gnitzen als Vektoren und schaffen ideale Bedingungen für eine weitere Verbreitung. Insbesondere bei den durch die Orbiviren übertragenen Krankheiten BTV und EHD begünstigen die steigenden Temperaturen auch die Replikation der Viren im Vektor. Somit ist auch die Gefahr von EHD, der epizootische hämorrhagische Krankheit, noch keineswegs vorüber. Sie ist weiterhin präsent, auch wenn sie derzeit vor allem in Frankreich zirkuliert. Aufgrund der zunehmenden Gnitzenaktivität kann sie sich schnell auch in unsere Region ausbreiten. Ein wirksamer Schutz der Tiere gewinnt damit weiter an Bedeutung. Umso wichtiger ist die konsequente Prävention. Dafür steht Ihnen auch in Deutschland ein Impfstoff zur Verfügung. Ceva begleitet Tierärzte und Landwirte aktiv mit aktuellen Informationen und Impfkonzepten.

Quellen:
1 Tanja Groten, Karola Kuenzer, Udo Moog, Beate Hermann, Katrin Maier, Katharina Bode: Who is at risk of occupational Q fever: new insights from a multi-profession cross-sectional study (2020), https://bmjopen.bmj.com/content/10/2/e030088

2 Howard ZP, Omsland A.2020: Selective Inhibition of Coxiella burnetii Replication by the Steroid Hormone Progesterone. Infect Immun 88:10.1128/iai.00894-19 https://doi.org/10.1128/iai.00894-19

3 Miller HK, Priestley RA, Smith CB, Cherry C, Kersh GJ. Longitudinal surveillance of Coxiella burnetii following an abortion storm in domestic goats. Front Vet Sci. 2024 Sep 13; https://doi.org/10.3389/fvets.2024.1426573

4 Hawker JI, Ayres JG, Blair I, Evans MR, Smith DL, Smith EG, et al. A large outbreak of Q fever in the West Midlands: windborne spread into a metropolitan area? Commun Dis Public Health. 1998; 1:180–74. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9782633/

Quelle: Ceva Tiergesundheit GmbH