E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 5/2024 erschienen!

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„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 5/2024 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

Rinder
• Milchfieber verstehen und vorbeugen
• Frostsichere Weidetränke ohne Strom
• Sensorsysteme: Mit digitaler Überwachung zu mehr Tiergesundheit
• Neue Dippmittel zur Zitzendesinfektion
• Kälber ab Geburt überwachen
• Selektives Trockenstellen: Schon weit verbreitet?
• Häufige Fütterung zur Verbesserung von Gesundheit, Fruchtbarkeit und Milchleistung

Schweine
• Komfort und Gesundheit für Schweine
• Sauen individuell nach Futterkurve füttern
• Nadelloses Impfen bei Schweinen: Chancen und Herausforderungen im Tiergesundheitsmanagement
• Die Kombination von Toltrazuril und Eisen: Zeit sparen – Ferkelgewicht gewinnen

Geflügel
• Kreislaufwirtschaft – Regionale Futterinsekten für Masthühner

Bienen
• Beenovation: 16 Verbundprojekte liefern Erkenntnisse für den Schutz von Bestäuberinsekten

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Initiative Tierwohl: Rinderprogramm wird fortgesetzt

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▪ Fortführung von ITW Rind bis Ende 2025
▪ Kriterien bleiben unverändert
▪ Einführung einer unbefristeten Teilnahme für Rinderbetriebe

Die Initiative Tierwohl (ITW) Rind wird fortgesetzt. Vertreter aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Handel haben sich auf die Fortsetzung des Programms geeinigt. Neben den Programmen für Schwein und Geflügel ist damit auch die Zukunft der ITW Rind gesichert. Die Branchenvertreter haben die Fortsetzung der ITW Rind bis mindestens Ende 2025 beschlossen.

Mit der Fortführung des ITW-Rind-Programms setzen die Partner in der Initiative Tierwohl zwar ein klares Zeichen für die Zukunft der Rinderhaltung in Deutschland. Allerdings hatte die ITW einen längeren Zeitraum avisiert. „Wir freuen uns, dass Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel einen weiteren wichtigen Schritt für eine gesicherte und gesellschaftlich anerkannte Zukunft der Nutztierhaltung machen“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Damit schaffen wir gemeinsam Planungssicherheit für die Landwirte und leisten einen entscheidenden Beitrag zu einer tiergerechteren Rinderhaltung. Allerdings war eine über Ende 2025 hinausreichende Selbstverpflichtung der Branchen angesichts des Eckpunktepapiers des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Ausweitung der staatlichen Tierhaltungskennzeichnung auf Rind nicht erreichbar. Zu groß war die Verunsicherung in der Diskussion um die Kriterien und im Hinblick auf die Prüfsystematik, die durch die im Papier artikulierten Rahmenbedingungen in der Wirtschaft entstanden ist.“

Eine wichtige Neuerung bei der jetzt beschlossenen Fortführung der ITW Rind ist die Einführung einer unbefristeten Teilnahme der Betriebe, ähnlich wie bereits bei den Programmen für Schwein und Geflügel. Diese Regelung gibt den Betrieben Planungssicherheit und ermöglicht es ihnen, ohne wiederholte Übergangsaudits im Programm zu bleiben. Die bisher bekannten Programmphasen werden für die Tierhalter damit irrelevant. Die Kriterien für ITW-Rind im Jahr 2025 bleiben dabei unverändert bestehen.

Ab 2025 wird der verbindliche Preisaufschlag außerdem aufgrund kartellrechtlicher Anforderungen, ähnlich wie bei Geflügel und Schwein bereits erfolgreich durchgeführt, durch eine Preisempfehlung ersetzt. Diese bleibt in ihrer Höhe unverändert bei 10,7 Cent pro kg Schlachtgewicht (SG) für die Rindermast und 4 Cent pro kg SG für Schlachtkühe. Für die Kälbermast wird weiterhin keine Preisempfehlung ausgesprochen, hier wird der Preisaufschlag direkt zwischen den Partnern vereinbart.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Vorschau auf das E-Magazin 5/2024

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Die kommende Ausgabe des E-Magazin „Der Hoftierarzt“ bietet folgende Themen:

Rinder
• Milchfieber verstehen und vorbeugen
• Frostsichere Weidetränke ohne Strom
• Sensorsysteme: Mit digitaler Überwachung zu mehr Tiergesundheit
• Neue Dippmittel zur Zitzendesinfektion
• Kälber ab Geburt überwachen
• Selektives Trockenstellen: Schon weit verbreitet?
• Häufige Fütterung zur Verbesserung von Gesundheit, Fruchtbarkeit und Milchleistung

Schweine
• Komfort und Gesundheit für Schweine
• Sauen individuell nach Futterkurve füttern
• Nadelloses Impfen bei Schweinen: Chancen und Herausforderungen im Tiergesundheitsmanagement
• Die Kombination von Toltrazuril und Eisen: Zeit sparen – Ferkelgewicht gewinnen

Geflügel
• Kreislaufwirtschaft – Regionale Futterinsekten für Masthühner

Bienen
• Beenovation: 16 Verbundprojekte liefern Erkenntnisse für den Schutz von Bestäuberinsekten

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Vogelgrippe: Erste H5N1-Nachweise beim Schwein in den USA

Amerikanische Veterinärbehörden veröffentlichten am 30.Oktober ein Update zu HPAI-Nachweisen auf einem nicht-kommerziellen Kleinbetrieb in Oregon, darunter erste H5N1-Nachweise bei Schweinen.

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) und die Veterinärbehörden des Staates Oregon untersuchen positive Fälle von H5N1 auf einem Kleinbetrieb in Oregon, auf dem Geflügel und Vieh, darunter auch Schweine, gehalten werden. Das Landwirtschaftsministerium von Oregon gab am Freitag, den 25. Oktober bekannt, dass Geflügel auf dieser Farm den ersten H5N1-Nachweis in Crook County (Oregon) darstellt. Am Dienstag, den 29. Oktober, bestätigten die Laboratorien des National Veterinary Services des USDA außerdem, dass eines der fünf Schweine der Farm mit H5N1 infiziert ist – der erste Nachweis von H5N1 bei Schweinen in den Vereinigten Staaten.

Das Vieh und das Geflügel auf dieser Farm teilten sich Wasserquellen, Unterbringung und Ausrüstung; in anderen Staaten hat diese Kombination bereits eine Übertragung zwischen Arten ermöglicht. Obwohl die Schweine keine Krankheitsanzeichen zeigten, testeten das Gesundheitsministerium von Oregon und das US-Landwirtschaftsministerium die fünf Schweine aus Vorsicht und wegen des Vorhandenseins von H5N1 bei anderen Tieren auf dem Gelände auf H5N1. Die Schweine wurden euthanasiert, um weitere diagnostische Analysen zu ermöglichen. Die Testergebnisse für zwei der Schweine waren negativ, und für zwei weitere stehen die Testergebnisse noch aus.

Diese Farm ist ein nichtkommerzieller Betrieb und die Tiere waren nicht für die kommerzielle Lebensmittelversorgung bestimmt. Aufgrund dieses Befundes gibt es keine Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Schweinefleischversorgung der USA.

Darüber hinaus wurde die Farm unter Quarantäne gestellt, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Andere Tiere, darunter Schafe und Ziegen auf der Farm, stehen weiterhin unter Beobachtung.

Die National Veterinary Services Laboratories (NVSL) des USDA haben eine Genomsequenzierung des Virus des infizierten Geflügels auf dieser Farm durchgeführt. Dabei wurden keine Veränderungen am H5N1-Virus festgestellt, die darauf schließen lassen würden, dass das Virus leichter auf Menschen übertragbar ist. Dies deutet darauf hin, dass das derzeitige Risiko für die Bevölkerung gering bleibt.

Die örtlichen Gesundheitsbehörden, die Oregon Health Authority, die Oregon State Veterinarian, das Oregon Department of Agriculture sowie das US-Landwirtschaftsministerium und das US-Gesundheitsministerium koordinieren diese Untersuchung und werden weitere Updates bereitstellen, sobald diese verfügbar sind.

Bei allen Nachweisen von H5N1 wird das virale Genom sequenziert, um medizinischem Fachpersonal und der Forschungsgemeinschaft zusätzliche Informationen zu liefern, die das Verständnis des Virus verbessern. Die genetische Sequenzierung dieser Proben ist im Gange, die Sequenzierungsergebnisse können jedoch aufgrund der geringen Viruskonzentrationen in den Proben nicht eindeutig sein.

Das USDA erinnert alle Landwirte daran, dass umfassende Biosicherheit für die Ausrottung dieses Virus und den Schutz der Gesundheit von Landarbeitern, Landwirten und ihren Familien, Vieh und Unternehmen von entscheidender Bedeutung ist.

Das USDA investiert weiterhin stark in die Impfstoffforschung und -entwicklung als Instrument zur Eindämmung und möglicherweise zur Beendigung der Ausbreitung dieses Virus unter Tieren. Das USDA hat zwei Feldsicherheitsstudien für Impfstoffkandidaten genehmigt, die Milchkühe vor H5N1 schützen sollen, und untersucht weiterhin Impfstoffoptionen für andere Arten.

Quelle: USDA

Wildbienen profitieren von Bio-Landbau – Unterschiede in der Flächenbewirtschaftung wirken sich laut Studie auf Populationen aus

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Je ausgedehnter biologisch bewirtschaftete Landwirtschaftsflächen sind, desto besser können sich Populationen einer bestimmten Mauerbienenart entwickeln. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam unter der Leitung des Ulmer Bienenexperten Dr. Samuel Boff. Die Studie, die nun in der Fachzeitschrift Science of the Total Environment veröffentlicht wurde, weist nicht nur nach, dass in Gebieten, in denen chemische Pestizide eingesetzt werden und weniger Blüten als Nahrungsquellen verfügbar sind, weniger Bienen leben. Die Untersuchung belegt auch, dass eine konventionelle Landbewirtschaftung die Fortpflanzungskommunikation von Wildbienen stören kann.

Forschende beobachten seit Jahren, dass besonders in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten die Zahl von Wildbienen dramatisch sinkt. Wildbienen sind als Bestäuber für die Nahrungsmittelproduktion unverzichtbar und spielen eine sehr wichtige Rolle für die Erhaltung der biologischen Vielfalt. Der Rückgang der Tiere gefährdet die Ernährungssicherung und Ökosysteme weltweit. Um den Gründen für die sinkende Zahl an Wildbienen auf Landwirtschaftsflächen auf die Spur zu kommen, hat Dr. Samuel Boff vom Institut für Evolutionsökologie und Naturschutzgenomik der Universität Ulm mit weiteren Ulmer Forschenden und einem internationalen Team untersucht, wie sich unterschiedliche Bewirtschaftungsformen – biologisch versus konventionell – auf Wildbienenpopulationen auswirken. Im Fokus stand dabei die Mauerbienenart Osmia bicornis.

Überwachung mit „Bienenhotels“
Die Forschenden stellten für ihre Beobachtungen „Bienenhotels“, also künstliche Nisthilfen, in acht konventionell und sieben biologisch bewirtschafteten Betrieben in Baden-Württemberg auf. Für ein möglichst unverfälschtes Ergebnis wählten sie die überwachten Flächen jeweils so aus, dass sie den normalen Bewegungsradius der Bienen, der auf etwa 500 Meter um die Nistplätze herum begrenzt ist, abdeckten. Das Team dokumentierte Landschaftsmerkmale, darunter das Ausmaß biologisch bewirtschafteter Anbauflächen, sowie die Anzahl der Pflanzen, die als Nahrungsquelle dienen, und verglich die Anzahl der Bienennester und Nachkommen sowie die Körpergrößen des Nachwuchses. Zudem führten die Forschenden chemische Analysen der sogenannten kutikulären Kohlenwasserstoffe auf der Körperoberfläche der Bienen durch. Diese haben eine Schutzfunktion, dienen aber auch der sexuellen Kommunikation zwischen Geschlechtspartnern. Damit spielen die kutikulären Kohlenwasserstoffe eine wichtige Rolle bei der Fortpflanzung. Nachdem sie den Einfluss der Anbausysteme auf die chemische Zusammensetzung der Verbindungen festgestellt hatten, testeten die Forschenden in Laborexperimenten biologische Reaktionen, um nachzuvollziehen, inwiefern das jeweilige Anbausystem die chemischen Verbindungen an den Bienenkörpern beeinflusst und ob sich dies auf das Paarungsverhalten auswirkt.

Mehr Bio, mehr Nachwuchs
„Wir haben festgestellt, dass die Populationsgröße mit der Ausdehnung biologischer Landwirtschaft in der Landschaft zunimmt. In Regionen mit einem höheren Anteil an biologischem Landbau und keinem oder reduziertem Pestizideinsatz gab es eine höhere Blütenvielfalt und mehr verfügbare Nahrungsressourcen für Bestäuber. Hier haben wir mehr Weibchen gezählt, die Nester bauten, und die Anzahl der von ihnen gebauten Brutkammern sowie der Nachkommen war höher“, berichtet Projektkoordinator Boff. Die Körper des – geringeren – Nachwuchses von Bienen in konventionellen Gebieten waren indes größer. Möglicherweise, um aufgrund der schlechteren Nahrungsverfügbarkeit in der Umgebung ihrer Nester in den konventionellen Gebieten die Sammelfähigkeiten zu verbessern.

Gestörte sexuelle Kommunikation
„Die Studie belegt des Weiteren, dass konventionelle Landwirtschaft die chemische Kommunikation der Bienen stört. Die kutikulären Kohlenwasserstoffe auf der Körperoberfläche der untersuchten Bienen in konventionell bewirtschafteten Gebieten unterschieden sich von denen in biologischen“, sagt Professor Manfred Ayasse von der Universität Ulm. Der stellvertretende Leiter des Instituts für Evolutionäre Ökologie und Naturschutzgenomik ist Co-Autor der Studie. Besonders zwei Verbindungen, (Z)-11-Heptacosen und (Z)-9-Nonacosen, zeigten sich bei Weibchen aus konventionellen Betrieben häufiger. Im Labor beobachteten die Forschenden, dass diese Bienen eine stärkere sexuelle Anziehungskraft auf Männchen aus einem neutralen Gebiet ausübten. „Die Männchen zeigten gegenüber diesen Weibchen ausgeprägtere sexuelle Signale in Form von deutlicherem präkopulatorischen Verhalten, wie Flügelfächeln und Paarungsversuchen – ein Hinweis auf eine veränderte sexuelle Kommunikation in Folge des häufigeren Vorkommens der Verbindungen (Z)-11-Heptacosen und (Z)-9-Nonacosen bei den weiblichen Bienen aus konventionellen Betrieben“, erklärt Boff. Ein denkbarer Grund dafür ist, dass Bienen aus konventionellen Betrieben aufgrund kleinerer Populationen einer stärkeren Konkurrenzsituation ausgesetzt sind und daher mehr Sexualpheromone produzieren, um ihre Anziehungskraft zu steigern.

„Wir haben nachgewiesen, dass konventionelle landwirtschaftliche Praktiken nicht nur die Nahrungsquellen der Bienen beeinflussen, sondern auch tiefgreifende Auswirkungen auf ihr Fortpflanzungs- und Paarungsverhalten haben können“, unterstreicht Boff. „Wir wissen noch nicht, welche Folgen dies genau hat, aber unsere Ergebnisse heben den Einfluss des Anbausystems auf die Fortpflanzung der Wildbienen hervor. Die Auswirkungen der chemischen Veränderungen weiter zu untersuchen, etwa auf die molekularen Abweichungen und ob ähnliche Effekte auch bei anderen Bestäuberarten beobachtet werden können, sind wichtige Ansatzpunkte für weitere Untersuchungen.“

Gefördert wurde das Forschungsprojekt von der Aurelia-Stiftung und der Software AG-Stiftung (SAGST).

Quelle: Universität Ulm

Bovikalc Dry: Weniger Milch zum Trockenstellen, mehr Wohlbefinden für die Kuh

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Neueste Ergebnisse einer Studie* zu BOVIKALC® Dry zeigen, dass Kühe sich wohler fühlen, wenn die Milchproduktion zum Trockenstellen signifikant reduziert wird. Die aktuelle Untersuchung umfasste drei Herden und schloss insgesamt 901 Kühe ein. Von diesen erhielten 458 Kühe BOVIKALC® Dry zum Trockenstellen, während 443 Kühe kein BOVIKALC® Dry erhielten. Kühe, die BOVIKALC® Dry erhielten, hatten am Tag nach dem Trockenstellen eine deutlich längere Liegezeit (+33 min) als die Kühe der Kontrollgruppe. Diese Ergebnisse sind im Einklang mit einer früheren Studie**, die einen signifikant verringerten Euterinnendruck und längere Liegezeiten nach dem Trockenstellen bei den mit Bovikalc Dry versorgten Kühen nachgewiesen hatte.

Bildquelle: Boehringer Ingelheim

Die Studie zeigte auch: Kühe, deren Milchleistung zum Trockenstellen verringert wurde, hatten in den beiden ersten monatlichen Milchkontrollen nach dem Kalben niedrigere Zellzahlen.

Weitere Ergebnisse:

• Das Risiko für klinische Mastitis war nach 90 Tagen in der Laktation um 22 % bzw. nach 300 Laktationstagen um 25 % niedriger.
• Das Risiko für eine Merzung war nach 90 Tagen in der Laktation um 30 % bzw. nach 300 Tagen um 18 % niedriger.

Diese Ergebnisse zeigen: Die Reduktion der Milchproduktion zum Trockenstellen steigert das Wohlbefinden der Kühe und senkt das Mastitisrisiko in der Folgelaktation.
Weitere Informationen finden Sie auf https://www.bovikalc.de/bovikalc-dry

Studien:

*Florentino, C. et al. (2024): Randomized clinical trial evaluating the effects of administering acidogenic boluses at dry-off on udder health, milk yield, and herd removal. J Dairy Sci 107:3899–3915

**Maynou G. et al. (2018): Effects of oral administration of acidogenic boluses at dry-off on performance and behavior of dairy cattle. J Dairy Sci 101:11342–11353

Quelle: Boehringer Ingelheim

Digitale Technologien prägen die Zukunft der Agrarwirtschaft

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Am 10. Oktober 2024 fand im Agrarbildungszentrum Landsberg am Lech die Netzwerk-Veranstaltung „Landwirtschaft im Wandel: Mensch-Technik-Zukunft“ statt. Organisiert vom Kompetenz-Netzwerk Digitale Landwirtschaft Bayern (KNeDL) bei Bayern Innovativ in Kooperation mit dem Bayerischen Bauernverband (BBV), bot das Event eine einzigartige Plattform, um die neuesten Entwicklungen und Trends in der Landwirtschaft zu diskutieren. Über 150 Teilnehmer aus Landwirtschaft, Forschung, Lehre, Start-Ups und interessierte Fachleute nutzten die kostenfreie Veranstaltung zum Austausch und zur Vernetzung.

Fokus auf Digitalisierung und neue Perspektiven
Die Landwirtschaft steht vor großen Veränderungen, die durch digitale Technologien und innovative Ansätze ermöglicht werden. Die Veranstaltung zeigte praxisnah, wie diese Technologien den Alltag und die Effizienz auf landwirtschaftlichen Betrieben verbessern. Stephan Bissinger, schwäbischer BBV-Bezirkspräsident und Vorsitzender der Fachgruppe für Forschung, Innovation und Digitalisierung, betonte: „Wir wollen bei der Digitalisierung richtig Gas geben: Die digitalen Möglichkeiten in der Landwirtschaft sind vielfältig und oft bereits Realität auf unseren Äckern und in unseren Ställen.“ Es gehe darum, die Erfahrungen aus der Praxis sichtbar zu machen und weiterzugeben. Auch Christian Metz, Leiter des KNeDL bei Bayern Innovativ, unterstrich die Bedeutung des Themas: „Es geht uns darum zu zeigen und zu verbreiten, wie digitale Technologien erfolgreich in der Praxis eingesetzt werden. Welche Erfahrungen gibt es bisher? Welche Lösungen passen zu meinem Betrieb?“

Dr. Christian Dürnberger von der Veterinärmedizinische Universität Wien betonte in seiner Keynote, dass die Gesellschaft die Landwirtschaft eher bevorzugt als traditionell und technikfern wahrnehmen möchte. Die Landwirtschaft profitiert jedoch längst von der Digitalisierung – sei es bei der Entlastung von zeitaufwendigen Aufgaben oder bei der Effizienzsteigerung im Betriebsalltag. „Technische Innovationen und Fortschritt in der Landwirtschaft müssen den großen Werten rund um Umweltschutz, Klimaschutz und Tierwohl nicht widersprechen. Im Gegenteil – da liegen unglaubliche Potentiale. Wir brauchen neue Bilder in den Köpfen über Landwirtschaft“, so Dr. Christian Dürnberger.

Praxisberichte und innovative Start-Ups
Landwirte wie Maximilian Hagn aus Niederbayern und Kilian Kellerer aus Oberbayern sowie Stefan Froschmeir, Geschäftsführer der Birkenschwaige BioAgrikultur, stellten konkrete Beispiele vor, wie digitale Lösungen – von Agrarsoftware bis hin zur Feldrobotik – auf ihren Betrieben eingesetzt werden. Ergänzend präsentierten innovative Start-Ups wie agrantis GmbH, Agvolution GmbH, Yield Experts, NutriSen, RoKo Farming und UNIO Enterprise ihre Technologien, die die Landwirtschaft revolutionieren – von Prozessoptimierung bis zu Vertical Farming.

Diskussion zu Wissensvermittlung in der digitalen Landwirtschaft
Ein weiterer Programmpunkt war die Diskussionsrunde zur Frage, wie Landwirte an Wissen über digitale Technologien gelangen können. Hier diskutierten Elisa Bauer, Junglandwirtin, Thomas Wiedemann, Leiter der Landmaschinenschule, und Gunther Strobl, Direktor für Qualifizierung und Bildung beim BBV und Martin Hirt, Referatsleiter, Digitalisierung und nachhaltige Betriebsentwicklung, Landwirtschaftskammer Österreich, mit dem Publikum.

Gemeinsam die Zukunft gestalten
Zum Abschluss bot die Veranstaltung Raum für vertiefte Gespräche in der Ausstellung, bei der moderne Technologien und innovative Lösungen praxisnah präsentiert wurden. Die Teilnehmer konnten sich über aktuelle Trends in der Agrarbildung informieren und sich vernetzen, um gemeinsam die Herausforderungen der modernen Landwirtschaft anzugehen. Thomas Wiedemann, Leiter der Landmaschinenschule betonte abschließend: „Die zukünftige Generation von jungen Landwirten wird mehr in die Digitalisierung investieren und sie auch benutzen.“

Die Veranstaltung „Landwirtschaft im Wandel: Mensch-Technik-Zukunft“ hat gezeigt, dass die Digitalisierung längst in der Landwirtschaft angekommen ist. Darüber hinaus war sie eine wertvolle Plattform, um neue Wege für die Zukunft der Branche zu ebnen.

Quelle: Bayern Innovativ – Bayerische Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer mbH

Plastikverschmutzung schädigt Bienen

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Nano- und Mikroplastikpartikel (NMP) belasten zunehmend urbane und ländliche Landschaften, wo Bienen und andere Nutzinsekten mit ihnen in Kontakt kommen. Nehmen die Insekten Plastikpartikel über die Nahrung oder die Luft auf, kann das ihre Organe schädigen und Verhaltensveränderungen verursachen, sodass sie wichtige ökologische Funktionen wie die Bestäubung und Schädlingsbekämpfung nicht länger gut erfüllen können. Die Plastikverschmutzung birgt daher erhebliche Risiken für die Artenvielfalt, die landwirtschaftliche Produktion und die globale Ernährungssicherheit. Das sind die zentralen Erkenntnisse einer neuen Übersichtsstudie im Journal Nature Communications, die von einem internationalen Team unter Beteiligung der Universität Freiburg erstellt wurde.

Plastik gelangt aus Folien, Düngemitteln, Wasser und Luft auf Ackerböden
Mikroplastikpartikel sind zwischen einem Mikrometer und fünf Millimeter groß, noch kleinere Partikel werden als Nanoplastik bezeichnet. Während die schädlichen Effekte von NMP in Gewässern und für einzelne Arten gut dokumentiert sind, fehlte es bislang an systematischen Übersichtsarbeiten, wie sich die Partikel auf Agrarökosysteme auswirken. Um diese Lücke zu schließen, fassten die Autor*innen der Übersichtsstudie nun erstmals 21 bereits veröffentlichte Einzeluntersuchungen zusammen. Ihr Interesse galt dabei besonders der Frage, wie Bestäuberinsekten und andere Nützlinge mit NMP in Kontakt kommen und welche Folgen die Aufnahme der Partikel für die Insekten, aber auch für die von ihnen abhängigen Ökosysteme und die landwirtschaftliche Produktion hat.

So konnten die Forschenden zunächst verschiedene Quellen identifizieren, aus denen NMP auf landwirtschaftlich genutzte Flächen gelangen, darunter Plastikfolien, Düngemittel, verschmutztes Wasser und atmosphärische Ablagerungen. Die Plastikpartikel reichern sich in Böden an und werden von Bestäubern und von Nutzinsekten, die für die Schädlingsbekämpfung wichtig sind, über die Luft und die Nahrung aufgenommen oder im Nestbau verwendet.

Schädigung der Bienen könnte zu sinkender landwirtschaftlicher Produktion führen
Durch die Aufnahme von NMP könne es bei Bienen beispielsweise zu Schäden am Verdauungssystem, zur Schwächung des Immunsystems und zu Verhaltensänderungen kommen, stellen die Studienautor*innen fest. Dadurch würden die Bienen beispielsweise anfälliger für Krankheiten und könnten Pflanzen möglicherweise weniger effektiv bestäuben. „Wir finden Mikroplastik im Darm von Bienen und sehen, wie Wildbienen Plastik zum Nestbau nutzen. Wir müssen daher dringend erforschen, welche Wechselwirkung dies mit anderen Stressoren, wie dem Klimawandel, für die Bienen und ihre Bestäubungsleistungen hat“, sagt Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein, Ko-Autorin der Studie und Professorin für Naturschutz und Landschaftsökologie an der Universität Freiburg. Eine sinkende Bestäubungsleistung wirkt sich nachteilig auf den Ertrag von Nutzpflanzen aus. Die Plastikverschmutzung könne so bestehende Unsicherheiten bei der globalen Nahrungsmittelversorgung weiter verschärfen, warnen die Forschenden.

Wechselwirkungen mit anderen Umweltstressoren verstärken das Problem
Darüber hinaus verstärken NMP auch die Gefahren, die von anderen Umweltstressoren wie Pestiziden, chemischer Verschmutzung, Pilzen und Krankheitserregern ausgehen. In einigen Gebieten bildeten sich beispielsweise „Hotspots“ der Wechselwirkung zwischen Plastikpartikeln und schädlichen Viren. Solche Interaktionen könnten zu besonders gravierenderen Effekten von NMP auf Bestäuber und damit auf die Stabilität des Nahrungsmittelsystems führen.

Die Forschenden betonen jedoch auch die Beschränkungen ihrer Übersichtsarbeit. So gäbe es kaum Daten zu wichtigen Bestäubern und Nützlingen wie Hummeln und Marienkäfern. Auch sei es bei der derzeitigen Datenlage nicht möglich, die Wirkungen verschiedener NMP-Größen und -Mengen differenziert zu beschreiben. Um das wachsende Problem der Plastikverschmutzung besser zu verstehen und Lösungen dafür finden zu können, brauche es dringend weitere Forschungsarbeiten. „Schon jetzt ist aber klar: Die Plastikverschmutzung muss dringend politisch gesteuert werden“, sagt Klein.

An der Studie waren Forschende der Westlake University (Hangzhou/China), der Zhejiang University, (Hangzhou/China), der Fudan University (Shanghai/China) sowie der Universitäten Freiburg und Tübingen beteiligt.

Quelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Versorgungssicherheit mit Tierarzneimitteln gewährleisten

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BVL unterzeichnet in China Absichtserklärung zur Qualitätssicherung von Tierarzneimittelwirkstoffen

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am 21. Oktober 2024 in der Volksrepublik China eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding – MoU) mit dem chinesischen Institut für Kontrollen von Tierarzneimitteln (IVDC) unterzeichnet. Ziel der Vereinbarung ist es, die Zusammenarbeit im Bereich der Qualität von Tierarzneimittelwirkstoffen zu sichern und zu verbessern.

„Diese Absichtserklärung und die damit verbundene Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen dem BVL und dem IVDC ist ein wichtiger Schritt, um die Versorgung mit sicheren Tierarzneimitteln in Deutschland und Europa zu gewährleisten“, betont Friedel Cramer, Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zum Abschluss der Vereinbarung.

Mit Unterzeichnung des MoU wird der Weg für weitere bilaterale Kooperationen seitens BVL mit dem IVDC geebnet. Zukünftig wollen sich beide Behörden regelmäßig über die Rechtsgrundlagen und die Qualitätsanforderungen an Wirkstoffe von Tierarzneimitteln austauschen. Wichtige Themen sind unter anderem auch der Einsatz von Antibiotika, Datenmanagement mittels Künstlicher Intelligenz (KI) und Inspektionen zur Sicherung einer stetig hohen Qualität von Tierarzneimittelwirkstoffen.

China ist weltweit einer der großen Exporteure von Arzneimittelwirkstoffen, auf die auch die deutsche Industrie für die Herstellung von Tierarzneimitteln angewiesen ist. Insbesondere bei der Belieferung mit Wirkstoffen für Antibiotika und Antiparasitika für Tierarzneimittel nimmt China eine wichtige Rolle ein. Aus diesem Grund startete das BVL bereits 2016 eine Initiative, um eine Zusammenarbeit mit den für Tierarzneimittel zuständigen Stellen in China aufzubauen. In Folge fanden mehrere bilaterale Workshops zu dem Thema statt.

Hintergrund
Die Unterzeichnung der Absichtserklärung fand im Rahmen der Reise der Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Silvia Bender, in die Volkrepublik China statt. Anlässlich der 10. Deutsch-Chinesischen Agrarwoche besuchte sie vom 16.-22. Oktober 2024 das Land. Begleitet von einer Fachdelegation, der auch BVL-Präsident Friedel Cramer angehörte, führte sie zudem Gespräche mit ihrem Amtskollegen des chinesischen Ministeriums für Landwirtschaft und ländliche Angelegenheiten (MARA) und der chinesischen Zollbehörde (GACC).

Das chinesische Institut für Kontrollen von Tierarzneimitteln (IVDC) ist eine dem chinesischen Landwirtschaftsministerium nachgeordnete Einrichtung. Es ist unter anderem zuständig ist für die Überwachung und Inspektion von Tierarzneimitteln, die Untersuchung von Tierarzneimittelrückständen und die Ausarbeitung nationaler Normen für Tierarzneimittel.

Das BVL arbeitet seit vielen Jahren fachlich eng mit chinesischen Partnereinrichtungen zusammen. Das sind nicht nur Einrichtungen des Agrarressorts. Seit 2014 besteht mit dem Chinese National Center for Food Safety Risk Assessment (CFSA) auch im Bereich Lebensmittelsicherheit eine Kooperation.

Über das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
Das BVL ist eine eigenständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es ist für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, Tierarzneimitteln und gentechnisch veränderten Organismen in Deutschland zuständig. Im Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit übernimmt es umfassende Managementaufgaben und koordiniert auf verschiedenen Ebenen die Zusammenarbeit zwischen dem Bund, den Bundesländern und der Europäischen Union.

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Kieler Agrarökonomen kritisieren geplante Änderungen der Milchlieferverträge

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Das Bundeslandwirtschaftsministerium plant einen tiefgreifenden Eingriff in die Milchwirtschaft: eine verbindliche Regelung für Preise und Liefermengen zwischen Molkereien und Milchbauern. Davon erhofft sich die Politik eine Stärkung der Rohmilchproduzenten. Erste Ergebnisse einer Studie der FH Kiel und des ife Instituts Kiel stellen jedoch die Effektivität und Notwendigkeit dieses Eingriffs infrage. Anstatt die Milcherzeuger zu stärken, könnte die Neuregelung deren Situation verschlechtern und zu einer Verdrängung kleinerer Milchbetriebe führen. Anstelle staatlicher Eingriffe empfehlen die Fachleute eine Stärkung der Eigenverantwortung der Milcherzeuger.

Die Lage für Milcherzeuger ist seit Jahren angespannt. Sie sind sowohl mit steigenden Kosten als auch mit unsicheren und oft unzureichenden Preisen konfrontiert. Mit einem Vier-Punkte-Plan möchte das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) die Situation der Milchbauern in Deutschland verbessern. Neben der Förderung nachhaltiger Praktiken und der Unterstützung regionaler Wertschöpfungsketten soll vor allem die Marktposition der Milcherzeuger gestärkt werden. Geplant ist, dass in Zukunft Molkereien Rohmilchlieferanten ein schriftliches Vertragsangebot für 80 Prozent ihrer künftigen Lieferung machen. Laut der Studie von der Fachhochschule Kiel und dem ife Institut könnte der staatliche Eingriff jedoch zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.

Preisschwankungen haben zugenommen
Die Studie bestätigt die hohe Volatilität auf dem Milchmarkt: Zwischen 2017 und 2024 schwankten die Milchpreise um 29 Cent pro Kilogramm – ein deutlicher Anstieg gegenüber den Schwankungen von 8,6 Cent in den Jahren 2001 bis 2006. Mehr Risikomanagement sei zwar erforderlich, die vorgeschlagene Vertragsgestaltung eigne sich aber nicht dafür, erklärt Prof. Dr. Torben Tiedemann von der FH Kiel. „Wir haben die wissenschaftlichen Studien zu Lieferbeziehungen im Milchmarkt analysiert und den beträchtlichen Einfluss der internationalen Preise auf die deutschen Milchpreise berücksichtigt. Tatsächlich gibt es keine ausreichenden Gründe, die den staatlichen Eingriff in die Vertragsbeziehungen rechtfertigen“, so der Professor für Agrarökonomie.

Festpreise führen zu sinkenden Erzeugerpreisen
Die Kieler Forscher analysieren in ihrer Studie zwei mögliche Festpreismodelle: Festpreise ohne und mit Termingeschäften. Prognosebasierte Festpreise ohne Absicherung, so die Fachleute, würden zwangsläufig einen Preisabschlag erfordern. Die Simulationsrechnungen zeigen, dass für das Jahr 2024 ein Milchpreis von 42 Cent/kg erwartet werden kann. Aufgrund der Unsicherheit der Prognose müssten Molkereien aber einen Risikoabschlag von 7 Cent berücksichtigen, die Milcherzeuger würden also nur 35 Cent pro Kilogramm erhalten. Betrüge der Milchpreis später tatsächlich 42 Cent, bekämen die Milcherzeuger den Differenzbetrag nach Ablauf der Preisbindung erstattet. „Laut unserer Analyse könnten diese Nachzahlungen in Deutschland insgesamt etwa 881 Millionen Euro betragen“, erklärt Prof. Tiedemann. „Zudem könnten auf die Milcherzeuger*innen durch den Preisabschlag zusätzliche Zinskosten von rund 24 Millionen Euro zukommen. Der effektive Milchpreis würde also weiter sinken.“

Milcherzeuger profitieren nicht von geplanter Neuregelung
Wären also Festpreisangebote, die allein auf Terminmarktgeschäften basieren, eine Lösung? Nein, sagen die Autoren. Denn die Analyse zeigt, dass deren Folgekosten oft unterschätzt würden. Würden Festpreise für 80 Prozent der gelieferten Milch angeboten, könnten Absicherungskosten zwischen 63 und 151 Millionen Euro entstehen. Im Durchschnitt könnten also etwa 100 Millionen Euro zusätzliche Kosten auf die Branche zukommen. In ihrer Analyse gehen die Studienautoren davon aus, dass diese nicht an die Konsumenten weitergegeben werden. „Die Konsument*innen sind sehr preissensibel und akzeptieren Preisaufschläge nur in geringem Maß, selbst bei mehr Tierwohl“, erklärt Prof. Dr. Holger Thiele von der FH Kiel. „Wir müssen also davon ausgehen, dass die höheren Kosten zu niedrigeren Grundpreisen für die Rohmilch führen, die Milcherzeuger*innen also weniger Geld für ihre Milch erhalten.“

Mögliche Auswirkungen auf Molkereien und den Strukturwandel
Insgesamt zeigt die Analyse, dass eine Festlegung von Preisen zu erheblichen Abschlägen führen würde, entweder durch Risikopreise oder durch die Kosten für die Absicherung an den Märkten. Anstelle einer Stärkung der Milcherzeuger könnten die Pläne des BMEL in ihrer jetzigen Form also zu einer Verschlechterung der Situation der Erzeuger führen.

Neben den finanziellen Belastungen könnte die Neuregelung einen Strukturwandel bei den Molkereien verstärken. Besonders kleinere und abgelegene Betriebe, die auf solidarische Genossenschaftsmodelle angewiesen sind, könnten durch individuelle Festpreise benachteiligt werden. „Auf Basis unserer bisherigen Ergebnisse plädieren wir dafür, von umfangreichen Verpflichtungen zu Festpreisverträgen mit festen Liefermengen Abstand zu nehmen und stattdessen marktorientierte Eigenlösungen im Risikomanagement zu fördern“, so Prof. Thiele.

Stärkung der Eigenverantwortung anstelle staatlicher Eingriffe
Anstelle staatlicher Eingriffe empfehlen die Kieler Milchmarktexperten eine Stärkung der Eigenverantwortung der Milcherzeuger. „Die Politik könnte auf bereits bewährte Preissicherungssysteme zurückgreifen und diese finanziell unterstützen“, erklärt Agrarökonom Thiele. „In den USA sind sogenannte Optionsprämien Teil des Risikomanagements. Milcherzeuger*innen können sich gegen Preisschwankungen absichern, indem sie das Recht erwerben, Milch zu einem bestimmten Preis zu verkaufen oder zu kaufen. Außerdem brauchen wir in Deutschland Finanzinstitute, die Terminmarktkonten für Milcherzeuger bereitstellen. Dies könnte die Anpassungsfähigkeit an Marktrisiken erheblich verbessern.“

Daneben könnten bereits bestehende, freiwillige Festpreissysteme gestärkt werden. Schon jetzt bieten Molkereien börsenbasierte Festpreissysteme an, die Landwirten helfen, einen stabilen Preis für ihre Milch zu erhalten. Die Finanzierung der Sicherheitsleistungen könnte staatlicherseits unterstützt werden. Denkbar, so die Kieler Agrarökonomen, wäre in diesem Zusammenhang auch die Vergabe von Bürgschaften.

Quelle: Fachhochschule Kiel