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EuroTier 2026 Silbermedaille: Silver Bullet – Automatisches Klauentreibegatter

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Der direkte Umgang mit Tieren gehört insbesondere in der Rinderhaltung zu den anspruchsvollsten und unfallträchtigsten Arbeiten mit hohen Anforderungen an die Arbeitssicherheit des tierbetreuenden Personals, nicht zuletzt begründet durch die Größe der Tiere, ihr hohes Körpergewicht und ihr Verhalten. Besonders bei tiermedizinischen Maßnahmen wie auch beim Klauenschneiden besteht immer ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Eine zentrale Herausforderung ist das sichere und möglichst stressarme Eintreiben der Tiere in den Klauen- oder Behandlungsstand. Herkömmliche Stände arbeiten häufig mit mehreren manuell bedienbaren Barrieren sowie Leitgittern und erfordern eine zusätzliche Person, um die Tiere sicher in den Stand zu führen. Die direkte Nähe des Bedieners kann dabei Stress und Unsicherheit auslösen und dazu führen, dass die Tiere zurückweichen oder den Bewegungsfluss unterbrechen. Auch konventionelle hydraulische Systeme der Tiervereinzelung bergen Risiken: Bei einem doppeltwirkenden Zylinder kann bei einem stehenbleibenden Tier weiterhin eine hohe Kraft auf die Barriere wirken, wodurch Verletzungen entstehen können. Darüber hinaus verursachen herkömmliche Metallbarrieren durch Reibung und das Aufeinandertreffen von Stahlteilen erhebliche Geräusche, die bei den geräuschempfindlichen Rindern zusätzlichen Stress auslösen und den Arbeitsablauf verlangsamen können. Auch Transport, Demontage und Wartung sind bei bestehenden Systemen häufig mit erheblichem Aufwand verbunden. Der SilverBullet entwickelt diesen Prozess konsequent weiter. Seine zentrale Innovation ist eine synchronisierte Steuerung des Zutriebs durch mechanisch verbundene Technikelemente. Durch die Entriegelung über einen einzigen Hebel werden mehrere Gitter und Tore wie das Heckgatter, die seitliche Ziehharmonikabarriere sowie das Vereinzelungsgatter gesteuert. Auf diese Weise wird ein effizienter „Cow-in-Cow-out-Ablauf“ ermöglicht, der von nur einer Person bedient werden kann. Für zusätzliche Sicherheit sorgt ein einseitig wirkender Hydraulikzylinder: Die Hydraulik öffnet das Sortiergatter, während eine integrierte Feder für das Schließen sorgt. Stoppt ein Tier, kann es die Federkraft leicht überwinden, wodurch gefährliche Druckkräfte vermieden werden. Geräuschreduzierende Bauteile, eine mobile Abstützung sowie die vereinfachte Demontage verbessern zusätzlich Tierwohl, Arbeitssicherheit und -effizienz sowie Wartungsfreundlichkeit. Der SilverBullet stellt damit eine wegweisende Weiterentwicklung für den direkten Umgang mit den Tieren in der Rinderhaltung dar. ANKAPODOL S.L. Halle/Stand: 11 B16 Quelle: DLG

EuroTier 2026 Silbermedaille: Weanex NEO

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Gängige Strategien zur Verbesserung der Futteraufnahme bei Ferkeln basieren auf besonders schmackhaften Zutaten, herkömmlichen Aromen, Süßungsmitteln, Fütterungsmanagement und einer optimierten Nährstoffversorgung. Diese Ansätze erhöhen zwar die Attraktivität des Futters, nutzen aber nicht gezielt die angeborene Fähigkeit der Ferkel, mütterliche Geruchssignale vor und unmittelbar nach der Geburt zu erkennen. Weanex NEO ist ein patentiertes, neues sensorisches Konzept zur Förderung der freiwilligen Festfutteraufnahme beim Ferkel, das natürliche flüchtige Verbindungen der Plazenta, des Kolostrums und der Sauenmilch nachahmt. Diese gezielt eingesetzten mütterlich assoziierten Verbindungen regen die Ferkel dazu an, Festfutter früher zu erkunden und zu fressen, erleichtern so den Übergang von Milch zu Festfutter und ergänzen herkömmliche Ernährungsstrategien mit dem biologisch inspirierten Ansatz der Verringerung der Neophobie – also der Angst vor Neuem und unbekannten Situationen. Darüber hinaus verbessert der Zusatz von Neohesperidin-Dihydrochalkon die Schmackhaftigkeit des Futters bei paralleler Überdeckung unangenehmer Geschmacksnoten anderer funktioneller Inhaltsstoffe. Eine frühere Festfutteraufnahme führt im Endeffekt insgesamt zu einer beschleunigten Anpassung des Verdauungssystems. Die Förderung der Futteraufnahme, beginnend mit den ersten Lebenstagen, entfaltet positive Wirkungen während der Umstellung auf Festfutter, was ebenso die Wachstumsleistung, die Gleichmäßigkeit des Wurfs und die Produktivität nach dem Absetzen steigert. Wenex NEO stellt damit eine entscheidende Weiterentwicklung bei den Fütterungsstrategien in der Ferkelaufzucht dar. HealthTech BioActives, S.L.U. Halle/Stand: 20 D14 Quelle: DLG

EuroTier 2026 Silbermedaille: Covamino 2.0

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In der Rinderfütterung bauen die Mikroorganismen im Pansen einen Großteil des gefütterten Eiweißes ab. Da dies die Milchleistung der Tiere bei unvermindertem Eiweißgehalt erhöhen kann, sodass Steigerungen der Milcheiweißleistung um etwa 10 % möglich sind, wurden bereits in der Vergangenheit vielfältige Ansätze verfolgt, um Proteine im Futter vor einem Abbau im Pansen zu schützen. Bis zu dessen Verbot in der Tierfütterung 2023 nutzte man häufig eine Formaldehydbehandlung. Derart behandelte Proteine sind bei dem im Pansen vorherrschenden pH-Wert relativ stabil, sind aber nach der Passage des sauren Labmagens im Dünndarm voll verdaulich und nutzbar. Das von FeedValid entwickelte Covamino 2.0 stellt eine Produktlinie für pansengeschützte Proteine dar, die mithilfe einer völlig neuen Technologie hergestellt werden und – im Vergleich zur Formaldehydbehandlung – eine gleichwertige oder bessere Pansenschutzwirkung und Verdaulichkeit aufweisen. Das Protein wird vor vorzeitigem Abbau im Pansen geschützt und steht als Bypass-Protein im Dünndarm mit hoher Dünndarmverdaulichkeit zur Verfügung. Ergänzend wird die Schmackhaftigkeit gegenüber anderen Produkten bzw. Behandlungsmethoden positiv herausgestellt. Zum Schutz vor dem Abbau wird die mehrphasig ablaufende Maillard-Reaktion genutzt. Ziel dabei ist, die Melanoidin-Phase zu nutzen, da diese für den Schutz vor dem Abbau im Pansen zentral ist. Zudem soll verhindert werden, dass der Karbonisierungsprozess einsetzt, der mit einem Rückgang der Verdaulichkeit und Energieverlusten verbunden ist. Mit den herkömmlichen Verfahren war es bisher nicht möglich, alle Proteine in die Melanoidin-Phase zu bringen, ohne dass es zur Karbonisierung kommt. Wie aktuelle Untersuchungen in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum ILVO in Belgien und Schothorst Feed Research in den Niederlanden zeigen, wird es mit der neu entwickelten Technologie von FeedValid erstmals möglich, eine hohe Menge an verdaulichem Protein sowohl aus Raps- als auch aus Sojaprotein zu gewinnen. Dies ermöglicht Milchkuhhaltern, den Gehalt an dünndarmverdaulichem Protein in der Ration zu erhöhen, ihre Tiere bedarfsgerechter zu versorgen sowie die Stickstoffausscheidungen zu reduzieren. FeedValid B.V. Halle/Stand: 21 B33 Quelle: DLG

EuroTier 2026 Goldmedaille: SmartCalving

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In modernen Ställen kommt eine Vielzahl an Sensoren und digitalen Systemen zum Einsatz. Sie erfassen kontinuierlich Tier-, Klima- und Betriebsdaten, bereiten diese zu Informationen auf und stellen sie dem Anwender zur Verfügung. Dennoch bleibt ein entscheidender Schritt häufig dem Menschen überlassen: die eigentliche Handlung. Die vorhandenen Technologien arbeiten weitgehend als Einzellösungen und kommunizieren nicht miteinander. Erkennt beispielsweise ein Sensorsystem eine bevorstehende Abkalbung, muss der Landwirt selbst reagieren und entsprechende Maßnahmen im Stall auslösen. Gerade bei nächtlichen Ereignissen bedeutet dies einen hohen Arbeitsaufwand und setzt die Anwesenheit des Menschen voraus. Eine echte, intelligente Automatisierung des Stalles ist damit bislang nur eingeschränkt möglich. Lock GmbH SmartSolutions hat nun gemeinsam mit smaXtec mit SmartCalving eine intelligente Lösung für den Abkalbebereich entwickelt, die diesen bisher fehlenden Automatisierungsschritt erstmals konsequent umsetzt. SmartCalving verbindet externe Tiersignale mit den Klimadaten des SEB Farmmanagement Systems und den vorhandenen Aktoren im Abkalbebereich, darunter Curtains, Ventilatoren und Tore. Wird über die Sensorik eine bevorstehende Abkalbung erkannt, löst das System automatisch zuvor definierte Maßnahmen aus. So wird beispielsweise das Stallklima angepasst und der Abkalbebereich in einen optimal geschützten, zugluftfreien Zustand versetzt. Nach dem Ereignis kehrt das System selbstständig in den regulären Automatikbetrieb zurück. Der innovative Charakter liegt in der Verbindung zweier bislang weitgehend getrennter Welten: der präzisen Tiergesundheitsüberwachung und der intelligenten Gebäude- oder Techniksteuerung. Aus einem reinen Warnsignal wird erstmals eine automatisierte Handlung. Damit wird Sensorik nicht nur zur Informationsquelle, sondern zum Auslöser eines vollständigen digitalen Prozesses. SmartCalving zeigt damit, wie aus vernetzten Einzellösungen ein wirklich intelligenter, autonom handelnder bzw. agierender Stall werden kann. Lock GmbH SmartSolutions (Gemeinschaftsentwicklung mit smaXtec GmbH) Halle/Stand: 12 D58 Quelle: DLG

EuroTier 2026 Goldmedaille: Smarte Abferkelbucht: KI-gestützte Tierwohlanalyse und adaptive Stallsteuerung

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Assistenzsysteme zur Unterstützung der Tierbeobachtung durch den Landwirt gewinnen immer stärker an Bedeutung, vor allem zur weiteren Steigerung des Tierwohls. Die Interpretation der über solche Systeme mit Videobeobachtung und automatischer Auswertung des Tierverhaltens gewonnenen Daten und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen und Anpassungen der Haltungsumgebung erfolgten bislang in einzelnen Schritten und manuell durch den Landwirt. Mit der Smarten Abferkelbucht stellt die WEDA Dammann & Westerkamp GmbH erstmals eine Automatisierung dieses gesamten Prozesses vor und schließt damit die bisher klaffenden Lücke, direkt aus dem Tierverhalten in Echtzeit und automatisiert Regelgrößen im Stall anzupassen. Die Smarte Abferkelbucht ist ein nachrüstbares, kamerabasiertes und KI-gesteuertes Assistenzsystem für WEDA-Abferkelbuchten, das das Verhalten von Sau und Ferkeln rund um die Uhr analysiert. Die KI verknüpft eine Echtzeit-Verhaltensanalyse der Tiere mit der automatischen Stall- und Fütterungstechnik. So können anhand des Tierverhaltens Regelgrößen wie die Ferkelnesttemperatur oder die Futterkurve angepasst werden, ohne dass der Landwirt selbst aktiv werden muss. Auf diese Weise wird erstmals das Tierverhalten aktiv in die Steuerung der Haltungsumgebung eingebunden, mehr noch, die Tiere steuern den Stall quasi selbst. Die so entstandene autonome Abferkelbucht agiert proaktiv statt reaktiv und schließt die Lücke zwischen digitaler Erfassung und automatisierter Ausführung im Stall. WEDA Dammann & Westerkamp GmbH (Gemeinschaftsentwicklung mit VetVise GmbH) Halle/Stand: 17 B04 Quelle: DLG

EuroTier 2026 Goldmedaille: PerformaNat CatiBovin

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Milchkühe verursachen rund ein Fünftel der EU-weiten Ammoniakemissionen (NH₃), die überwiegend durch die Ausscheidung überschüssigen Stickstoffs entstehen und als Luftschadstoff eine zentrale Herausforderung für Tierhaltung und Umwelt darstellen. Der bisherige Ansatz, durch die Bereitstellung zusätzlicher Nährstoffe mit höheren Rohproteingehalten die Proteinversorgung hochleistender Milchkühe sicherzustellen, kommt aufgrund der begrenzten Stickstoffverwertungseffizienz der Tiere an seine Grenzen. Dadurch gehen wertvolle Nährstoffe verloren, der Stoffwechsel wird belastet und durch die Umwandlung überschüssigen Stickstoffs entstehen Ammoniakemissionen. PerformaNat CatiBovin ist ein neuartiges Ergänzungsfuttermittel für Milchkühe, das mit der gezielten Verbesserung der physiologischen Aufnahme in den Stoffwechsel einen absolut richtungsweisenden Ansatz zur Steigerung der Futtereffizienz verfolgt. Durch ausgewählte und in die Futterration integrierte phytogene Wirkstoffe ist es möglich, Rezeptoren und Nährstoffkanäle anzusteuern, gezielt zu aktivieren und dadurch die Effizienz der Aufnahme von Calcium und Stickstoff aus der Futterration ins Blut zu steigern. Im Falle von PerformaNat CatiBovin handelt es sich dabei um sog. TRP-Kanäle (Transient Receptor Potential-Kanäle) im Pansen. Diese Kanäle wurden im Rahmen von grundlagenorientierten Arbeiten funktionell analysiert. Die so gewonnenen Erkenntnisse der modernen Transportphysiologie und TRP-Forschung wurden anschließend erstmals in eine praxistaugliche Fütterungslösung für Milchkühe übertragen. Dabei hat das Ergänzungsfuttermittel das Ziel, die bereits in der verwendeten Futterration enthaltenen Nährstoffe optimal und ohne zusätzlichen Nährstoffinput effizienter zu nutzen. PerformaNat CatiBovin ist dabei einfach in die TMR einzumischen und flexibel bei verschiedenen Fütterungskonzepten einsetzbar. Das neue Produkt ist ein Vorzeigebeispiel für die Transformation neuer Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die praktische Anwendung der Nutztierproduktion. Es stellt deshalb einen Meilenstein für eine ressourcenschonendere und tiergerechte Fütterung der Zukunft dar. Darüber hinaus kann PerformaNat CatiBovin durch geringere Stickstoffverluste auch zur Reduktion von Ammoniakemissionen beitragen. PerformaNat GmbH Halle/Stand: 11 C27 Quelle: DLG

Erleichterungen für Tierhalter: Stallumbau ohne Doppelarbeiten

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Kabinett beschließt Verlängerung für Umsetzungsfristen der TA Luft bis Ende 2029 Die Bundesregierung hat eine Neuregelung auf den Weg gebracht, die unnötige Doppelarbeiten beim Umbau von Ställen vermeidet. Die Neuregelung verhindert, dass Tierhalterinnen und Tierhalter zunächst in die Umsetzung bestehender Anforderungen der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) investieren und im Anschluss aufgrund neuer europäischer Vorgaben erneut nachrüsten müssten. Dadurch müssen zudem Behörden nicht innerhalb kurzer Zeit zweimal dieselben Anlagen überprüfen. Hintergrund ist ein anstehender Durchführungsbeschluss der Europäischen Union zu EU-weit einheitlichen Umweltstandards für die Schweine- und Geflügelhaltung (Uniform Conditions for Operating Rules for Livestock, UCOL), aus dem sich neue Anforderungen für die Tierhaltung ergeben können. Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH) und Bundesumweltministerium (BMUKN) hatten sich hier erfolgreich für eine praxisnahe und pragmatische Lösung im Sinne der Tierhalter eingesetzt. Die Fristverlängerung erfolgt unabhängig von der nationalen Umsetzung des UCOL-Beschlusses: Sie wird mit dem heutigen Kabinettsbeschluss über eine Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Umsetzung von BVT-Schlussfolgerungen (Beste Verfügbare Techniken) für „Schlachtanlagen sowie für die Verarbeitung tierischer Nebenprodukte und/oder essbarer Schlachtnebenprodukte“ auf den Weg gebracht, mit der die entsprechende besondere technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft für bestimmte Anlagenarten der Hauptgruppe 7 „Nahrungs-, Genuss- und Futtermittel, landwirtschaftliche Erzeugnisse“ angepasst wird. Der Bundesrat muss der Verordnung noch zustimmen. BMLEH und BMUKN sehen sich dem im Koalitionsvertrag verankerten Auftrag verpflichtet, die Vorgaben des Bundes-Immissionsschutzgesetzes im Bereich der landwirtschaftlichen Tierhaltung praxisnäher auszugestalten. Bei der im Anschluss an die UCOL geplanten Anpassung der Regelungen für die Tierhaltung an das europäische Recht ist es beiden Ministerien wichtig, die künftigen Regelungen so unbürokratisch wie möglich zu gestalten und dabei zugleich Genehmigungsverfahren zu beschleunigen sowie Möglichkeiten der Digitalisierung so weit wie möglich auszuschöpfen. Die zukünftigen Regelungen wird das BMUKN in enger Abstimmung mit dem BMLEH in einem transparenten Prozess unter Einbeziehung der betroffenen Tierhalterinnen und Tierhalter entwickeln. Quelle: BMLEH

Virtuelle Zäune für Weidetiere: Forschende empfehlen klaren Rechtsrahmen

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FBN beteiligt sich an bundesweiter wissenschaftlicher Bewertung und untersucht die Technologie in AutoPasture, SAGE und WeiTiMo 21 Autorinnen und Autoren aus zwölf Institutionen aus Forschung und Praxis empfehlen auf Grundlage des aktuellen Forschungsstands, den Einsatz virtueller Zaunsysteme in Deutschland rechtlich klar zu regeln und als Ergänzung zu konventionellen Zäunen zu ermöglichen. Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen sind in einem neuen Thünen Working Paper sowie einem begleitenden Policy Brief zusammengefasst. Mit vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist auch das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) an der Bewertung beteiligt. So funktionieren virtuelle Zäune Bei virtuellen Zäunen werden Weidegrenzen nicht durch Pfähle und Zaunlitzen, sondern digital festgelegt. Die Tiere tragen Halsbänder, die ihre Position satellitengestützt erfassen. Nähern sie sich einer virtuellen Grenze, ertönt zunächst ein akustisches Warnsignal. Reagiert ein Tier darauf nicht und überschreitet die Grenze, folgt ein kurzer elektrischer Impuls. Studien zeigen, dass Weidetiere die Verbindung zwischen Warnsignal und Grenze in der Regel innerhalb weniger Tage erlernen und die elektrischen Impulse anschließend weitgehend vermeiden können. Tierwohl und rechtlicher Rahmen im Fokus Gerade wegen dieser elektrischen Impulsabgabe ist die Technologie tierschutzrechtlich sensibel. Die ausgewerteten nationalen und internationalen Untersuchungen lassen nach Einschätzung des Autorenteams im Vergleich zu konventionellen Elektrozäunen jedoch keine langfristigen negativen Auswirkungen auf Tierwohl und Tiergesundheit erkennen. Kurzfristige Beeinträchtigungen können bei beiden Zaunsystemen auftreten, wenn ein elektrischer Impuls ausgelöst wird. „Die vorliegenden Studien geben aus unserer Sicht eine belastbare Grundlage, um den Praxiseinsatz virtueller Zäune rechtlich klar zu regeln“, sagt Dr. Jan Langbein vom FBN. „Gleichzeitig ist es wichtig, die Anwendung unter realen Bedingungen wissenschaftlich weiter zu begleiten. So können wir nicht nur mögliche Auswirkungen auf Tierwohl und Verhalten langfristig untersuchen, sondern auch die Potenziale der Technologie für ein flexibles Weidemanagement und ein präzises Tiermonitoring besser erschließen.“ Eine reguläre kommerzielle Nutzung virtueller Zaunsysteme mit elektrischer Impulsabgabe ist in Deutschland derzeit rechtlich nicht zulässig. Das Autorenteam empfiehlt, virtuelle Zäune grundsätzlich als Ergänzung zu konventionellen Zäunen zu ermöglichen. Auf feste Außenzäune soll nur in begründeten Ausnahmen, etwa auf Deichen oder im alpinen Raum, verzichtet werden können. Die Halsbandsysteme bieten zugleich zusätzliche Möglichkeiten für das Tiermonitoring: Positions- und Aktivitätsdaten können helfen, Veränderungen im Verhalten frühzeitig zu erkennen. Zudem lassen sich Weideflächen flexibel steuern und sensible Bereiche gezielt von der Beweidung ausschließen. FBN untersucht virtuelle Zäune in AutoPasture und SAGE Für die eigene Forschung verfügt das FBN in Dummerstorf über eine rund vier Hektar große Versuchsweide, auf der digitale Technologien für das Weide- und Herdenmanagement unter praxisnahen Bedingungen erprobt werden. Im Exzellenzprojekt AutoPasture werden virtuelle Zäune bei Milchkühen, Mutterkühen und Wasserbüffeln in Mecklenburg-Vorpommern untersucht. Im Fokus stehen unter anderem Tierwohl, Weidenutzung und soziale Interaktionen innerhalb der Herde. Im europäischen Projekt SAGE – Sustainable Agrivoltaic Grazing Ecosystem werden virtuelle Zäune als Managementinstrument bei der Beweidung von Photovoltaikflächen untersucht. Ziel ist es, Energieerzeugung, landwirtschaftliche Nutzung, Biodiversität und Tierwohl miteinander zu verbinden und daraus übertragbare Managementansätze und politische Empfehlungen zu entwickeln. Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Tropilaelapsmilbe – Gefahr für Europas Bienen rückt näher

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Die Tropilaelapsmilbe hat die Türkei erreicht und damit die Grenze zu Europa überschritten. Expertinnen und Experten haben jetzt in Nordmazedonien diskutiert, wie sich die gefährliche Bienenmilbe eindämmen lässt. Die Meldung der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) vom 31. August 2026 markiert einen besorgniserregenden Wendepunkt: Der Nachweis der invasiven Tropilaelaps-Milbe in der Türkei bestätigt, dass dieser gefährliche Parasit die Grenze zu Europa erreicht hat. Ursprünglich in Asien beheimatet, hat sich die Milbe über Russland und Georgien scheinbar unaufhaltsam nach Westen ausgebreitet. Für die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) stellt dies eine existenzielle Bedrohung dar, die weit über die bekannten Gefahren durch die Varroa-Milbe hinausgeht. Die Milbe, ein winziger Parasit, der sich vor allem in den Brutwaben von Bienenvölkern einnistet, ernährt sich vom Körpersaft der heranwachsenden Bienenlarven und -puppen und schwächt diese bereits vor dem Schlüpfen. Jungbienen sterben häufig direkt in der Brutzelle ab. Beschleunigter Kollaps der Bienenvölker Der biologische Mechanismus ist hochgradig destruktiv: „Die Tropilaelaps-Milbe verfügt über einen deutlich kürzeren Entwicklungszyklus als die Honigbiene und vermehrt sich somit rasanter als der bisherige Hauptparasit Varroa. Dies führt zu einem beschleunigten Kollaps der Bienenvölker“, erklärt Ricarda Scheiner, Bienenexpertin und Professorin am Lehrstuhl für Zoologie II (Verhaltensphysiologie und Soziobiologie) der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Ihren Worten nach zeigt das Auftreten der Tropilaelaps-Milbe sowie weiterer invasiver Arten wie der Zwerghonigbiene (Apis florea), dass das europäische Ökosystem unter massivem Druck steht. Sollte sich die Milbe in Deutschland und Europa etablieren, drohen verheerende Ausfälle in der Honigproduktion und der Bestäubungsleistung, was die Biodiversität und die landwirtschaftliche Sicherheit gleichermaßen gefährdet. Workshop in Nordmazedonien Wie groß die Gefahr für die europäische Imkerei ist und wie sich eine weitere Ausbreitung verhindern lässt, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Fachleute aus Veterinärmedizin und Imkerei Anfang September im nordmazedonischen Ohrid beraten. Vom 1. bis 5. September kamen dort Expertinnen und Experten aus mehreren europäischen Ländern zum Workshop „The Tropilaelaps Mite on Its Way to Europe“ zusammen. Organisiert wurde die Veranstaltung von Ricarda Scheiner; unterstützt wurde Scheiner von Professor Aleksandar Uzunov (Ss. Cyril and Methodius Universität Skopje) und von Professor Ingolf Steffan-Dewenter, Inhaber des Lehrstuhls für Tierökologie und Tropenbiologie (Zoologie III) der JMU. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat das Treffen mit gut 34.000 Euro aus dem Programm „Hochschuldialog mit den Ländern des westlichen Balkans“ finanziell unterstützt. Die Workshop-Teilnehmenden sehen insbesondere für Südosteuropa ein zunehmendes Risiko, dass die Tropilaelapsmilbe nach Europa gelangt. Im Workshop ging es deshalb vor allem um die Frage, wie eine Einschleppung möglichst früh erkannt und eine weitere Ausbreitung verhindert werden kann. Als mögliche Wege für die Einführung gebietsfremder Arten gelten unter anderem der internationale Verkehr und Handel sowie der Transport von Bienen und Bienenprodukten. Auch bereits in Europa auftretende invasive Arten wie der Kleine Beutenkäfer (Aethina tumida) und die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) waren Thema des Workshops. Früherkennung soll Schlimmeres verhindern „Im Kampf gegen die Tropilaelapsmilbe ist ein koordiniertes europäisches Vorgehen zwingend erforderlich“, sagt Ricarda Scheiner. Behörden und andere zuständige Einrichtungen sollten dazu ihre Möglichkeiten zur Überwachung, Diagnose und schnellen Meldung von Verdachtsfällen verbessern. Spezielle Überwachungsstandorte an Flughäfen, Häfen, Verkehrswegen und Grenzregionen sowie in Gebieten mit intensiver Bienenhaltung und Bienenimporten könnten nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diese Aufgaben übernehmen. Eine weitere Empfehlung sind sogenannte Sentinel-Völker. Dabei handelt es sich um speziell überwachte Bienenvölker, mit denen sich Tropilaelapsmilben und andere gebietsfremde Arten früh erkennen lassen. Für den Fall eines Verdachts sollen zudem Notfallpläne mit klaren Zuständigkeiten, Diagnoseverfahren, Meldewegen und möglichen Bekämpfungsmaßnahmen vorbereitet werden. „Vorbeugen ist besser als später bekämpfen“: Auf diese Formel lässt sich nach Ricarda Scheiners Worten die zentrale Botschaft des Workshops bringen. Dementsprechend kommen die Teilnehmenden zu dem Schluss, dass Prävention, Früherkennung und eine schnelle, wissenschaftlich fundierte Reaktion wirksamer und weniger kostspielig sind als der Kampf gegen eine gebietsfremde Art nach ihrer Etablierung. Dafür sei eine gemeinsame Anstrengung von Behörden, Wissenschaft, Imkerschaft und weiteren beteiligten Einrichtungen in Europa notwendig. Neben Ricarda Scheiner und Ingolf Steffan-Dewenter haben Fachleute und Vertreter von Imkerverbänden aus Deutschland, Nordmazedonien, der Türkei, Griechenland, Serbien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, dem Kosovo und Ungarn an dem Workshop teilgenommen. Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Einfluss der Fütterung auf die Tiergesundheit

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Vom Energiepotenzial des Hähnchenmists bis zu globalen Ernährungstrends: Das Broilersymposium der AGRAVIS Nutztier GmbH in Holdorf bot einen umfassenden Blick auf die Zukunft des Geflügels. Wie die Fütterung Einfluss auf die Tiergesundheit nimmt beleuchteten zwei Vortragende. Prof. Dr. Julia Hankel, Professorin für Nachhaltigkeit im Kontext Tierernährung an der TiHo Hannover, erinnerte daran, dass Tierhaltung seit jeher ein integraler Bestandteil der Lebensmittelproduktion ist. Früher wurden Küchenreste im „Schweineeimer“ gesammelt und direkt wiederverwertet, ein einfaches, effizientes Kreislaufsystem, das heute aus rechtlichen Gründen nicht mehr erlaubt ist. Auch moderne Lebensmittelproduktion erzeugt zahlreiche Nebenprodukte, etwa aus der Getreideverarbeitung oder aus Ernterückständen. Viele davon sind faserreich und schwer zu verfüttern, aber grundsätzlich wertvolle Futtermittel. Gerade im Geflügelfutter, das zu großen Teilen aus Getreide besteht, ließe sich durch den verstärkten Einsatz solcher Nebenströme die Konkurrenz um Lebensmittel reduzieren. Wichtig bleibt dabei die Qualität: Mykotoxine etwa sitzen häufig in den Schalen und können sich in Nebenprodukten anreichern. Gleichzeitig hat die Fütterung einen erheblichen Einfluss auf die Umweltwirkung der Geflügelproduktion. Durch den gezielten Einsatz geeigneter Nebenprodukte lässt sich der CO₂‑Fußabdruck deutlich senken, allerdings nur, solange die Leistung der Tiere nicht leidet. Denn leistungsschwache oder kranke Tiere verbrauchen mehr Ressourcen, da ihr Immunsystem zusätzliche Energie und Proteine benötigt. Ein spannender Ausblick galt der Nutzung von Insekten. Auch wenn Umfragen zufolge die meisten Menschen in Deutschland sie nicht essen möchten, könnten sie als Futtermittel eine wichtige Rolle spielen. Hankels Fazit: Die Rohwaren der Zukunft liegen nicht nur in klassischen Futtermitteln, sondern in der Weiterentwicklung von Nebenprodukten, Fermentationstechnologien und Enzymverfahren. Kreisläufe zu schließen, bleibt einer der wichtigsten Hebel für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion. Geflügelernährung gesund und nachhaltig gestalten Hubert Möllmann, Produktmanager Geflügel bei der AGRAVIS Nutztier GmbH, zeigte, wie stark sich die Gesundheit und Nachhaltigkeit in der Hähnchenmast über die Fütterung beeinflussen lassen. Der erste Blick eines erfahrenen Tierhalters gilt immer der Herdenverteilung: Gesunde Tiere sind aktiv, verteilen sich gleichmäßig im Stall und machen Platz. Kranke Tiere hingegen suchen Wärme, bilden Haufen oder wirken apathisch. Auch der Gefiederzustand liefert Hinweise: struppiges, abstehendes Gefieder deutet auf Kälte oder Stress hin. Stallklima, Fütterung und Darmgesundheit hängen eng zusammen, denn ein gestresster Darm verändert die Kotkonsistenz und kann Krankheiten begünstigen. Ein zentrales Ziel moderner Geflügelernährung ist es, das Darmmikrobiom gezielt zu unterstützen. Dazu gehören mehrphasige Fütterungsstrategien, die bedarfsgerecht angepasst werden, sowie der Verzicht auf Nährstoffüberschüsse. Strukturierte Rohfaser, verdauliche Komponenten, Enzyme, Probiotika – vor allem Milchsäurebakterien – und Säurezugaben im Wasser oder Futter helfen, die Passagegeschwindigkeit im Darm zu steuern und die Verdauung zu stabilisieren. Auch klassische Komponenten wie Hafer, ganzes Weizenkorn oder Sonnenblumenschrot spielen dabei eine wichtige Rolle. Möllmann erläuterte, wie viel sich über die Kotbeurteilung erkennen lässt: Zu flüssiger Kot weist auf Erkrankungen hin und führt zu feuchter Einstreu und Fußballenproblemen, breiige Konsistenz oder unverdaute Futterbestandteile sind Warnsignale. Blut im Kot deutet auf Kokzidien hin. Entscheidend ist, dass die Tiere kontinuierlich fressen, Hungerphasen schaden der Darmgesundheit. Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die Nachhaltigkeit. In den vergangenen Jahren konnte der Rohproteingehalt im Futter bereits deutlich gesenkt werden. Parallel dazu hat sich die Effizienz der Broilermast verbessert: Seit 2000 stieg die Leistung um 25,8 %, die Futtereffizienz um 15 %. Angesichts schrumpfender globaler Ackerflächen ist diese Entwicklung entscheidend. Da die weltweite Ackerfläche abnimmt, mussten 2020 drei Personen von der Fläche eines Fußballfeldes ernährt werden, 2050 werden es fünf Personen sein. Um den CO₂‑Fußabdruck weiter zu senken, spielen regionale Rohstoffe wie Raps, Erbsen oder Sonnenblumen eine wichtige Rolle. Auch Zuchtfortschritt und Futterverwertung bieten großes Potenzial. Möllmanns zentrale Botschaft: Die Fütterung hat einen enormen Einfluss auf die Tiergesundheit und sie entscheidet maßgeblich darüber, wie nachhaltig Geflügelproduktion sein kann. Dr. Heike Engels Dieser Beitrag wurde vorab allen Newsletter-Abonnenten zur Verfügung gestellt.