Neues kostenloses E-Book: Sicher impfen – worauf kommt es wirklich an?

Mit „Impfen mit Sicherheit“ stellt Boehringer Ingelheim ein neues, kostenloses E-Book für Landwirte und Tierhalter vor. Es liefert praxisnahe Tipps, wie Impfungen im Schweinebestand sicher, wirksam und tiergerecht umgesetzt werden können.

Im Mittelpunkt steht die Frage: Worauf kommt es bei der Impfung wirklich an? Entscheidend ist vor allem der Gesundheitszustand der Tiere, denn nur gesunde Tiere können einen zuverlässigen Impfschutz aufbauen. Ebenso wichtig ist der richtige Zeitpunkt: Werden Ferkel zu früh geimpft, können maternale Antikörper die Wirkung abschwächen. Ein optimal abgestimmter Impfzeitpunkt ist daher entscheidend für den Erfolg.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Verträglichkeit der Impfstoffe. Moderne, mineralölfreie Adjuvantien oder orale Impfstoffe können Belastungen deutlich reduzieren und sorgen für eine bessere Futteraufnahme sowie stabilere Tiergesundheit. Das zahlt sich direkt im Stall und bei den Leistungen aus.

Das E-Book zeigt außerdem, warum Impfstoffe eine zentrale Rolle in der Prophylaxe spielen, während Antibiotika erst im Krankheitsfall wirken.

Wer seine Impfstrategie optimieren und Tierwohl sowie Betriebserfolg nachhaltig verbessern möchte, findet in diesem Leitfaden wertvolle, sofort umsetzbare Empfehlungen.

Das E-Book steht kostenfrei auf der Website Tiergesundheit im Stall | Typisch-Reihen von Boehringer Ingelheim von Boehringer Ingelheim zum Download bereit:

Weitere Informationen gibt Ihnen gerne:
Frederike Bösch
Produktmanager Nutztier – Fachbereich Schwein
Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH
Tel: +49 (6132) 77-174020
E-Mail: frederike.boesch@boehringer-ingelheim.com

Mehr Mastitis-Kontrolle durch Impfung: Neuer Impfstoff stärkt die Abwehrkraft der Kühe gegen E. coli und Staph. aureus

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Boehringer Ingelheim hat die Zulassung für einen neuen inaktivierten Impfstoff erhalten zur Immunisierung von Kühen und Färsen mit E. Coli (J5) und Staph. aureus.

Mastitis gehört weiterhin zu den größten Herausforderungen im Milchviehbetrieb. Hohe Milchleistungsverluste durch subklinische und klinische Mastitis, erhöhter Arbeitsaufwand, verringertes Tierwohl und der Verlust von Tieren mindern den Betriebserfolg.

Die Impfung ergänzt nun das Mastitis-Management und reduziert die Häufigkeit und Schwere von Mastitiden, die durch E. coli und Staph. aureus verursacht werden. Die Impfung führt zu einem signifikanten Anstieg der spezifischen Antikörperspiegel. Unter Feldbedingungen konnte bei geimpften Kühen eine Reduktion der somatischen Zellzahl (SCC) nachgewiesen werden

Der Impfstoff stärkt die Abwehr der Kühe über 6 Monate, gezielt in der Hochrisikophase der Laktation mit einem einfachen Impfregime: Zwei intramuskuläre Injektionen à 2 ml in der Trockenstehzeit. Der ölfreie, wässrige Impfstoff lässt sich leicht applizieren.

Weniger Mastitisfälle bedeuten stabilere Leistungen, weniger Antibiotika, verbesserte Eutergesundheit und mehr Tierwohl.

Impfen eröffnet neue Perspektiven in der Mastitisprävention – effektiv, praxisnah und zukunftsorientiert.

Wollen Sie mehr erfahren? Melden Sie sich gleich heute an zum kostenlosen Online-Seminar am 16. Juni 2026: https://typischrind.de/

Quelle: Boehringer Ingelheim

Kabinett beschließt verpflichtende Videoüberwachung in Schlachthöfen

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) treibt die Einführung einer verpflichtenden Videoüberwachung in Schlachthöfen voran. Der dafür nötige Entwurf zur Novellierung des Tierschutzgesetzes wurde heute vom Bundeskabinett verabschiedet. Ziel ist es, den Tierschutz weiter wirksam zu stärken und bestehende Kontrolllücken zu schließen. Die verpflichtende Videoüberwachung soll künftig dazu beitragen, tierschutzrelevante Vorgänge in Schlachtbetrieben transparenter zu machen und Verstöße konsequent abzustellen. Mit dem vorgelegten Vorschlag wird ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt.

Bundesminister Alois Rainer erklärt dazu: „In Zukunft wird die Schlachtung in allen großen Betrieben per Video aufgezeichnet. Das sind mehr als 90 Prozent aller Schlachtungen in Deutschland. Damit schließen wir einen blinden Fleck. Die Kameras sind wie ein Tierschutz-Assistent. Wer Tiere auf den letzten Metern ihres Lebens schlecht behandelt, muss dafür geradestehen. Ausnahmen gibt es für kleinere Betriebe, um sie nicht unverhältnismäßig zu belasten. Aber auch hier können die Veterinärbehörden der Länder im Verdachtsfall vor Ort eine Videoüberwachung anordnen.“

Der Gesetzesentwurf sieht vor, kleinere Schlachtstätten von der Verpflichtung auszunehmen. Konkret gilt die Regelung für Betriebe ab einer Größenordnung von jährlich 1.000 „Großvieheinheiten“ (entspricht 1.000 Rindern oder 5.000 Mastschweinen) oder 150.000 Stück Geflügel oder Kaninchen. Diese Differenzierung trägt dem Umstand Rechnung, dass sich Videoüberwachung in größeren Betrieben in der Regel effizienter umsetzen lässt und der Aufwand im Verhältnis zur Betriebsgröße sinkt. Gleichzeitig werden damit bereits die allermeisten Schlachttiere in Deutschland erfasst.

Darüber hinaus erhalten die Länder die Möglichkeit, die Videoüberwachung auch für kleinere Betriebe anzuordnen, sofern dort tatsächliche Anhaltspunkte für Verstöße gegen Tierschutzvorschriften bestehen. Damit wird sichergestellt, dass per Videoüberwachung gezielt dort kontrolliert wird, wo es erforderlich ist.

Quelle: BMLEH

„Der Hoftierarzt“ Newsletter April/Mai 2026 ist erschienen

Die zweite Ausgabe 2026 des Hoftierarzt-Newsletters ist erschienen.
Folgende Themen sind für Abonnenten aufbereitet:

Rinder
Mastitis und Eutergesundheit – gezielte Therapie und konsequentes Management
Im Rahmen der Fachtagung in Augsburg standen auch Mastitistherapie und Eutergesundheit im Fokus. Dr. Heinrich-Jürgen Zumbusch (Vétoquinol) und Stephanie Meyer (SaluVet GmbH) zeigten, dass sowohl die Behandlung als auch die Vorbeugung heute ein differenziertes und konsequentes Vorgehen erfordern.

Fruchtbarkeit – Management entscheidet über den Erfolg
Auf einer Fachtagung in Augsburg, organisiert von der Tierklinik Gessertshausen, kamen rund 100 Milchviehhalterinnen und Milchviehhalter zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen. In seinem Vortrag zur Fruchtbarkeit machte Dr. Sebastian Jander (Ceva Tiergesundheit) deutlich, dass erfolgreiche Milchviehhaltung heute vor allem ein konsequentes, gut abgestimmtes Management im Alltag erfordert.

Biosicherheit – Pflicht und Chance für Milchviehbetriebe
Auf der Fachtagung in Augsburg wurde auch das Thema Biosicherheit intensiv beleuchtet. Dr. Sebastian Jander machte deutlich, dass vorbeugende Maßnahmen angesichts neuer und bekannter Tierkrankheiten immer wichtiger werden

Schweine
Gruppenhaltung von ferkelführenden Sauen
Die Gruppenhaltung von ferkelführenden Sauen ist mit erheblichen Herausforderungen verbunden, erklärten Anne-Claire Berentsen/Dr. Sandra Ripke anlässlich des 15. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums 2026. Hier eine Zusammenfassung ihrer Ausführungen.

Praxistaugliche Tierwohlindikatoren: Wie sieht die Zukunft aus?
Dr. Sandra Düpjan (FBN) stellte in ihrem Vortrag anlässlich des 15. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums KI-Ansätze zur Bewertung des Tierwohls im Schweinestall vor

Geflügel
Optimale Gestaltung erhöhter Ebenen im Broilerstall – Interview mit Dr. Julia Malchow
Dr. Julia Malchow forschte nach ihrer Promotion sieben Jahre lang zu Geflügel und Tierschutz am Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts. Seit Anfang 2026 ist sie Referentin für Politik bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt.

Schafe
Klima-Anpassung bei europäischen Merino-Schafen mittels Landschaftsgenomik
In einer aktuellen Studie wurden Gene untersucht, die mit Umweltvariablen zusammenhängen. Ziel war herauszufinden welche genetischen Varianten für klimaresiliente Züchtungsansätze in unterschiedlichen Klimazonen geeignet sind

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Legehennen können ihren Kalziumbedarf mithilfe von Picksteinen selbst decken.

Legehennen benötigen aufgrund des hohen Bedarfs für die Eiproduktion mehr Kalzium als andere Wirbeltiere und passen ihre Kalziumaufnahme ihrem Bedarf an, wenn ihnen eine zusätzliche Kalziumquelle wie ein Pickstein angeboten wird. Picksteine können auch für Hennen, die sich von Knochenbrüchen erholen, eine Kalziumquelle darstellen. Der Einfluss von Knochenbrüchen auf das Kalziumsuchverhalten mithilfe von Picksteinen wurde jedoch noch nicht untersucht.

Diese Studie wurde an der Universität Guelph in Kanada mit 240 Legehennen durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen der Präferenz für Picksteine, dem Status von Brustbeinbrüchen und der Eischalenqualität zu untersuchen. Die Hennen wurden in Gruppen von 20 Tieren in ausgestatteten Käfigen gehalten. Aus jeder Gruppe wurde eine Untergruppe zufällig als Beobachtungstiere für Verhaltensbeobachtungen ausgewählt. Drei handelsübliche Picksteine mit unterschiedlichem Kalzium- und Getreidegehalt wurden den Hennen über mehrere Wochen für paarweise Präferenztests angeboten. Die Hennen wurden anhand der Gesamtzahl ihrer Pickvorgänge an den Blöcken während des Versuchs in „Nutzer“ und „Nicht-Nutzer“ eingeteilt. Gewicht, Schalendicke und Bruchkraft der Schale wurden analysiert. Die Hennen wurden geröntgt und der Schweregrad von Brustbeinfrakturen beurteilt.

Die Hennen zeigten individuelle Präferenzen für verschiedene Arten von Pickblöcken. Diese Präferenzen blieben über die Zeit relativ konstant, korrelierten jedoch nicht mit der Schalenqualität oder dem Vorhandensein von Brustbeinfrakturen. Die Eierschalen der „Nutzer“ waren stabiler und die Schalendicke blieb über die Zeit erhalten, während sie bei den „Nicht-Nutzern“ abnahm. Hennen, die während des Versuchs neue Frakturen erlitten, pickten häufiger an den Blöcken als solche ohne neue Frakturen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Hennen die Pickblöcke nutzen, um ihren individuellen Kalziumbedarf für die Eierschalenbildung und möglicherweise auch für die Knochenreparatur zu decken. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, den Hennen Möglichkeiten zur Deckung ihres zusätzlichen Kalziumbedarfs zu bieten.

Original-Studie
Ehigbor TF, Edwards AM, Rentsch AK, Kiarie EG, Harlander A, Widowski TM (2025) Pecking block use at individual level is associated with improved eggshell quality and keel fractures in laying hens. Poultry Sci 104(11):105716

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0032579125009575

Dieser Beitrag wurde Ende Februar vorab allen Newsletter-Abonnenten zur Verfügung gestellt.

Was tun nach dem BVG-Urteil zur Putenhaltung

Nachdem kürzlich bereits die EFSA starke Kritik an der Putenhaltung in Europa geübt hatte (ausführlicher Bericht hier), hat am 23. April das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass die Haltungsbedingungen in einem deutschen Putenmastbetrieb mit dem Tierschutzgesetz nicht vereinbar sind. Da der betroffene Halter sich an die „freiwilligen Eckwerte“ (Download-Link) gehalten hat, dürfte dieses Urteil Auswirkungen auf zahlreiche deutsche Putenhaltungen haben.

Weil aber das Gericht keinerlei Hinweise gab, wie ein gesetzeskonformer Stall denn aussehen sollte (und bis zu einer gesetzlichen Regelung sicher noch geraume Zeit ins Land gehen dürfte), sind nun die regionalen Amtsveterinäre gefragt. Diese wiederum werden sich bei der Beurteilung einer Putenhaltung an den aktuellen Forschungsergebnissen orientieren. Zentrale Punkte sind hier:

Besatzdichte
Begründet auf der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur und wirtschaftlichen Gesichtspunkten ergibt sich eine maximale Endmast-Besatzdichte für Puten von 36-40 kg Lebendgewicht pro m2 nutzbarer Stallfläche.

Stallstruktur
Um einigen Verhaltensbedürfnissen der Puten entgegenzukommen, ist eine Strukturierung des Stalles erforderlich:
• Aufbaummöglichkeiten / erhöhte Ebenen
• Strukturierungselemente, die von den Tieren auch bepickt werden können (z.B. Strohballen, Pickblöcke)
• Außenklimabereich im Ausmaß von mind. 20% der nutzbaren Stallbodenfläche

Einstreu
Die Einstreu muss es den Tieren über die gesamte Haltungsperiode ermöglichen, zu scharren und zu picken. Sie muss jederzeit deutlich locker, trocken (< 30% Feuchtigkeit) und ausreichend sauber (Einstreuanteile > Kotanteile) sein.

Licht
Das Licht im Putenstall muss folgenden Anforderungen genügen:
• ausreichend gleichmäßiges Licht, damit die Tiere ein normales Aktivitätsniveau zeigen können
• acht Stunden Dunkelphase (Notbeleuchtung mit 0,5 Lux möglich)
• UV-A im Spektrum enthalten
• flimmerfreie Beleuchtung (Leuchtmittelfrequenz höher als die Flimmerfusionsfrequenz der Puten)

Raumklima
Ein gutes Stallklima ist wichtig für das Tierwohl. Lüftung, Staub, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Gaskonzentrationen sind auf Leveln zu halten, die den Tieren keinen Schaden zufügen:
• gute Luftzirkulation im gesamten Stall (Luftaustauschrate 4-7 m³/kg/Stunde), keine Zugluft
• Schadstoff-Höchstwerte: einatembarer Staub 3,4 mg/m³, lungengängiger Staub 1,7 mg/m³ liegen, NH3 10 ppm, CO2 3000 ppm und H2S 5 ppm
• Luftfeuchtigkeit im Stall sollte zwischen 50 und 70% liegen
• altersadäquate Temperatur

Pflege
• mehrmals tägliche Kontrolle der gehaltenen Tiere
• schwache, kranke oder verletzte Tiere unverzüglich in ein abgesondertes Krankenabteil bringen und behandeln
• Halter und Personal müssen nachweisbare Kenntnis und Fähigkeit im artgerechten Umgang mit den gehaltenen Tieren besitzen

Wenn kein Zugang zum Freiland besteht oder geschaffen werden kann, sind Beschäftigungsmöglichkeiten essenziell. Jedes Material muss dabei „veränderbar“ sein und dabei Hygiene und Futtermittelrecht unbedingt beachtet werden.

Die Grundlage bildet eine lockere und trockene Einstreu, die zum Picken, Scharren und Staubbaden animiert. Dazu kommen frei hängende Körbe mit Stroh von weniger als 8 cm Halmlänge, in Kombination mit Magensteinen, um Verstopfungen vorzubeugen (für 750-1.000 Tiere je ein Korb, pro Woche mehrmals nachfüllen). Auch Pickblöcke in Kopfhöhe wecken das Interesse der Tiere.

Treten Verhaltensstörungen auf, können freihängende, glänzende Metallgegenstände, Plastikflaschen mit Kabelbindern oder rot-weißeAbsperrketten Abhilfe schaffen. Allerdings sind solche Objekte meist nur kurzfristig attraktiv und sollten nach der „Problemphase“ auch wieder entfernt werden.

Strohballen zum Aufbaumen und Ruhen sollten in ausreichender Zahl vorhanden sein – aber Vorsicht vor Schimmelbildung!

Widder besitzen einzigartige Lautäußerungen, die emotionale Informationen vermitteln.

Lautäußerungen transportieren Informationen, die es sozialen Tieren ermöglichen, Artgenossen zu erkennen, den sozialen Zusammenhalt zu wahren und ihren emotionalen Zustand mitzuteilen – allesamt lebensnotwendig. Schafe sind gesellige Tiere, die in verschiedenen Situationen charakteristische Lautäußerungen zeigen, wie beispielsweise hohe Blöklaute bei Stress. Besonders in der frühen postnatalen Phase weisen sie auch individuelle Lautäußerungen auf, um die Bindung zwischen Mutterschaf und Lamm zu fördern. Obwohl die Lautäußerungen von Widdern bei Mutterschafen und Lämmern gut erforscht sind, ist über ihre Individualität und ihren individuellen Charakter bisher wenig bekannt.

Eine Studie auf einem kommerziellen Assaf-Schafzuchtbetrieb in Griechenland zeichnete die Lautäußerungen von 15 Widdern in fünf verschiedenen Situationen auf: 1) morgens isoliert, 2) isoliert und die Glocken der Mutterschafe hörend, 3) abends isoliert, 4) isoliert und in Erwartung von Futter, 5) isoliert und ohne Futter. Jeder Widder wurde drei Minuten lang isoliert, und die Lautäußerungen wurden aufgezeichnet. Die Kontexte 1, 3 und 5 wurden als negativ, die Kontexte 2 und 4 hingegen als positiv für die Widder erwartet. Neunzehn akustische Parameter wurden analysiert, um festzustellen, ob sie Informationen über die individuellen Lautäußerungen der Widder enthielten und ob sie sich den verschiedenen emotionalen Kontexten zuordnen ließen.

Die Ergebnisse zeigten, dass Widder tatsächlich individuell unterschiedliche Lautäußerungen aufweisen, die innerhalb jedes Kontextes mit einer Genauigkeit von 59–80 % erkannt werden können. Rufe in negativen Kontexten (z. B. Futterentzug, abendliche Isolation) zeigten eine größere Formantstreuung (oder Resonanz) und Amplitudenvariation als Rufe in positiven Kontexten (z. B. Vorfreude auf Futter), die höhere Formantfrequenzen aufwiesen. Interessanterweise enthielten diese höheren Frequenzen auch Informationen über die Identität des Widders. Dies deutet darauf hin, dass Widder in negativen emotionalen Zuständen tiefere, instabilere Rufe produzieren und in Vorfreude auf Futter sowie zur Kommunikation ihrer individuellen Identität höhere Rufe. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Widder durch ihre Lautäußerungen emotionale Informationen kommunizieren und zeigen somit weiteres Potenzial für diese nicht-invasive Methode zur Überwachung des Wohlbefindens von Schafen auf landwirtschaftlichen Betrieben.

Original-Studie
Frantzola A, Ntairis A, Laliotis GP (2025) Vocal signatures in rams: Exploring individual distinctiveness across different contexts. Ruminants 5(4):53

https://www.mdpi.com/2673-933X/5/4/53

Dieser Beitrag wurde Ende Februar vorab allen Newsletter-Abonnenten zur Verfügung gestellt.

Dürre macht Hummeln schwer zu schaffen

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Dürre mindert den Fortpflanzungserfolg von Hummelvölkern erheblich. Das zeigt eine neue Studie eines Forschungsteams der Universität Würzburg. Das hat auch Konsequenzen für die Bestäubung von Pflanzen.

Wie hat sich das Dürrejahr 2022 in Unter- und Oberfranken auf eine bestimmte Hummelart ausgewirkt? Welche Unterschiede zeigen sich zu dem klimatisch durchschnittlichen Jahr 2024? Diesen Fragen ist ein Forschungsteam des Lehrstuhls für Tierökologie und Tropenbiologie (Zoologie 3) der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) nachgegangen. Seine Ergebnisse zeigen, dass Dürrejahre die Kolonieentwicklung deutlich beeinträchtigen: Sowohl Lebensdauer als auch Koloniegewicht und die Produktion von Königinnen und Männchen sind dann stark reduziert.

„Unsere Arbeit ist die erste Studie, die einen negativen Effekt von Dürren auf die Reproduktion von Hummeln feststellen konnte“, beschreibt Erstautor Hanno Korten das zentrale Ergebnis. Klassischerweise konzentrieren sich Studien mit Hummelkolonien auf die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris); in diesem Fall hat das Team jedoch die Auswirkungen von Dürrejahren auf die Ackerhummel (Bombus pascuorum) unter die Lupe genommen.

Ein wichtiger Indikator für den Zustand der Biodiversität
Diese langrüsselige Art zählt zu den sogenannten „Pocket-Makern“. Sie lagern Blütenpollen in speziellen Taschen am Nest, aus denen sich die Larven eigenständig versorgen. Diese Biologie macht sie anfälliger als Arten, deren Larven direkt von erwachsenen Tieren gefüttert werden. In Bayern gehören 82 Prozent der gefährdeten Hummelarten zu dieser Gruppe langrüsseliger Hummeln, was die Ackerhummel zu einem wichtigen Indikator für den Zustand der Biodiversität macht.

Im Rahmen der Studie haben Hanno Korten und der Lehrstuhlinhaber Ingolf Steffan-Dewenter an insgesamt 25 Standorten in Ober- und Unterfranken den Zustand der Hummelkolonien erfasst und dabei das Dürrejahr 2022 mit dem Jahr 2024 verglichen. Die Ergebnisse haben sie jetzt in der Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences“ veröffentlicht.

Hummelvölker verlieren dramatisch an Gewicht
Als zentraler Maßstab für die Fitness und die Anzahl der verfügbaren Arbeitskräfte gilt in der Ökologie das maximale Gewicht einer Kolonie. Ein geringes Koloniegewicht bedeutet weniger Individuen für die Nahrungssuche, was die Bestäubungsleistung im Umfeld direkt reduziert, da weniger Blüten in vergleichbaren Zeiträumen besucht werden können.

„Unsere Untersuchung zeigt eine deutliche Differenz zwischen den beiden Jahren: Ungefütterte Völker erreichten im Dürrejahr ein Durchschnittsgewicht von lediglich etwa 14 Gramm, während sie im Normaljahr auf rund 140 Gramm anwuchsen“, sagt Hanno Korten. Dies entspricht einem zehnfachen Anstieg beziehungsweise einem Zuwachs von über 900 Prozent unter günstigen klimatischen Bedingungen.

Eine zusätzliche Zufütterung mit Zuckerwasser steigerte das Gewicht im Dürrejahr zwar auf das Fünffache gegenüber nicht gefütterten Völkern, konnte die Defizite im Vergleich zu einem Normaljahr jedoch bei weitem nicht ausgleichen. „Die Belastung durch Trockenheit ist offensichtlich so hoch, dass reine Kohlenhydratgaben die Vitalität der Staaten nur bedingt stabilisieren können“, sagt Korten. Wenn Kolonien derart geschwächt sind, sinkt ihre tägliche Arbeitsleistung, was die Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen unmittelbar beeinträchtigt.

Anzahl an Königinnen geht deutlich zurück
Dieser Gewichtsverlust ist jedoch nur die Vorstufe für ein weit gravierenderes Problem: den fast vollständigen Ausfall der Folgegeneration. „Die langfristige Stabilität einer Population hängt von der Produktion neuer Königinnen ab, die als einzige Individuen den Winter überleben und im Folgejahr neue Staaten gründen“, erklärt Ingolf Steffan-Dewenter. Wenn keine Geschlechtstiere für die nächste Saison nachkommen, sei „ein Überleben des Volkes im Sommer zwar ein Beitrag zur Bestäubung, für den Erhalt der Population aber wertlos“.

Die Studie dokumentiert eine signifikante Verringerung der Reproduktionsraten: Während im Dürrejahr lediglich 45 Prozent der Völker Nachkommen produzierten, waren es im Normaljahr 91 Prozent. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Anzahl der neuen Königinnen. Bei nicht gefütterten Völkern stieg deren Zahl von durchschnittlich nur 0,4 im Dürrejahr auf 13,5 im Normaljahr – ein Anstieg auf das mehr als 30-Fache.

Die Forschenden identifizierten dabei den Pollenmangel als den entscheidenden Flaschenhals. Während die Gabe von Zuckerwasser als Nektarersatz die Produktion von Männchen begünstigte, hatte sie keinen signifikanten Einfluss auf die Zahl der produzierten Königinnen. Da Pollen die notwendige Proteinquelle für die Larvenentwicklung darstellt, führt sein Fehlen während einer Dürre zu einem fast vollständigen Ausfall des weiblichen Nachwuchses. Für die Population bedeutet dies ein erhebliches Risiko: Bleiben die Königinnen aus, steigt das Risiko für ein lokales Aussterben im Folgejahr. Dies bedroht die Bestäubungssicherheit und damit auch die Erträge in der Landwirtschaft sowie die Vielfalt der Wildpflanzen.

Gezielte Maßnahmen in der Landschaftsplanung gefordert
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass selbst ökologisch hochwertige Habitate wie Kalkmagerrasen in Dürrezeiten kein ausreichendes Refugium bieten, wenn kein aktives Naturschutzmanagement eingreift. Um die Resilienz der Bestäuber gegenüber Extremwetterereignissen zu erhöhen, sind gezielte Maßnahmen in der Landschaftsplanung erforderlich, so die Forschenden.

Eine zentrale Strategie ist die Förderung von schattenspendenden Bäumen in ansonsten offenen Habitaten, um kühlere Flächen zu schaffen. Ebenso wichtig sei die Wiederherstellung von Feuchtgebieten und die Umsetzung von Maßnahmen, die das Rückhaltevermögen von Wasser im Boden großflächig verbessern. In der Agrarlandschaft sollte der Fokus verstärkt auf die Anpflanzung trockenresistenter, sommerblühender Pflanzen gelegt werden, um das Nahrungsangebot auch in Trockenperioden lückenlos aufrechtzuerhalten.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Arbeitszeit sparen bei der Ferkelimpfung: Erfahrungen nach einem Jahr Vierfachschutz

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Rund vier Stunden weniger Arbeitszeit pro Impftermin: Diese Zeitersparnis berichtet ein Schweinebetrieb, der von Einzelimpfungen auf einen Vierfachschutz in einem Arbeitsgang umgestellt hat. Möglich wird dies durch einen vor einem Jahr von MSD Tiergesundheit eingeführten intradermalen Kombinationsimpfstoff gegen Porcines Circovirus Typ 2 (PCV2) und Mycoplasma hyopneumoniae (M. hyo). Dadurch werden die Arbeitsabläufe im Ferkelstall effizienter. Im Beispielbetrieb mit 5400 Ferkelimpfungen im Jahr summiert sich der Zeitgewinn auf 68 Arbeitsstunden jährlich.

Nach zwölf Monaten Praxisanwendung wurden in Deutschland bereits mehr als eine Million Impfungen mit dem intradermalen Kombinationsimpfstoff durchgeführt.

Das Prinzip dahinter: Der intradermale Kombinationsimpfstoff deckt PCV2 (Cirko) und Mycoplasma hyopneumoniae (Myko) ab und lässt sich mit einem Lawsonien Impfstoff mischen sowie gleichzeitig mit einem PRRS Impfstoff applizieren. Mithilfe des IDAL® Twin Geräts können Ferkel so gegen die wichtigsten vier Erreger in nur einem Arbeitsgang geimpft werden.

Der Zeitgewinn ergibt sich aus dieser Bündelung der Impfmaßnahmen. Statt bis zu vier Einzelinjektionen lassen sich so Impfdurchgänge verschlanken und der personelle Aufwand reduzieren – ein relevanter Faktor insbesondere hinsichtlich Arbeitsressourcen und Wirtschaftlichkeit.

Ein Schweinehalter aus einem Betrieb mit 3 Wochen Rhythmus, der auf das IDAL®-Konzept umgestellt hat, berichtet: „Wir sparen bei jedem Impftermin etwa vier Stunden. Hochgerechnet aufs Jahr sind das bei uns 68 Stunden weniger Arbeitszeit – und wir brauchen beim Impfen keine zusätzliche Hilfe mehr.“

Neben der Zeitersparnis nennen Betriebe vor allem eine bessere Planbarkeit der Arbeitsabläufe und eine spürbare Entlastung für Familie und Mitarbeitende. Das IDAL® Konzept vereinfacht Impfprozesse und reduziert den zeitlichen und personellen Aufwand im Stall.

Quelle: MSD Tiergesundheit

Klimaerwärmung verändert den Schlupfzeitpunkt von Bienen und Wespen

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Ein groß angelegtes Experiment zeigt: Wärme holt Bienen und Wespen früher aus der Winterruhe – viele von ihnen haben dann schlechtere Startbedingungen. Das gilt besonders für Arten in kühleren Regionen, die im Frühling schlüpfen.

Die meisten Wildbienen überwintern als verpuppte Larven in ihren Kokons im Boden, in Holz oder an anderen geschützten Orten. Arten, die im zeitigen Frühjahr schlüpfen, überwintern als voll entwickelte Erwachsene im Kokon. Dagegen müssen Arten, die im Sommer schlüpfen, ihre Entwicklung im Frühjahr noch abschließen.

Weltweit verändert der Klimawandel den Zeitpunkt, zu dem Insekten im Frühjahr oder Sommer aus ihrer Winterruhe erwachen. Diese Verschiebungen können Folgen haben: Wenn Insekten wegen höherer Temperaturen zu früh schlüpfen, finden sie eventuell noch nicht die Blüten oder die Beutetiere, von denen sie sich ernähren. Außerdem verbrennen sie ihre lebenswichtigen Fettreserven bei höheren Temperaturen schneller. Das kann ihre Überlebenschancen und Fortpflanzungsmöglichkeiten verringern.

Insekten von 160 Standorten in Bayern untersucht
Wie steht es um die körperliche Fitness von Bienen und Wespen, wenn sich die Temperaturen rund um den Schlupfzeitpunkt verändern? Das hat ein Team um Dr. Cristina Ganuza und Professor Ingolf Steffan-Dewenter vom Biozentrum der Universität Würzburg untersucht. Dazu betrachteten die Forschenden fünf wildlebende Bienen- und Wespenarten, die in Bayern vorkommen und zu unterschiedlichen Jahreszeiten schlüpfen.

Für die Studie stellte sich das Team einer Mammutaufgabe: Es sammelte fast 15.000 in Winterruhe befindliche Individuen aus über 160 Regionen in Bayern und zog sie dann an der Uni unter kontrollierten kalten, warmen und heißen Frühjahrsbedingungen auf, um verschiedene Klimaszenarien nachzustellen.

Weibchen verlieren bis zu 34 Prozent ihrer Körpermasse
Alle fünf Arten schlüpften bei wärmeren Frühlingstemperaturen früher. Doch dabei unterschieden sich die Populationen nach ihrer klimatischen Herkunft: Frühjahrsarten aus wärmeren Regionen wie Unterfranken erschienen bei warmen Frühlingstemperaturen besonders früh und behielten in der Zeit danach mehr Körpermasse als Individuen aus kühleren Regionen wie dem Bayerischen Wald.

Im Gegensatz dazu schlüpften bei den Spätsommerarten nur die Individuen aus kühleren Regionen früher. Weibchen der Sommerarten verloren unter wärmeren Bedingungen schneller an Körpermasse – in einigen Fällen bis zu 34 Prozent.

Insekten aus kühleren Regionen, die im Frühling fliegen, haben Nachteile
„Unsere Daten zeigen, dass Insekten aus kühleren Regionen besonders anfällig für warme Frühjahre sind. Sie verlieren schneller ihre Energiereserven und haben dadurch schlechtere Startbedingungen“, sagt Dr. Cristina Ganuza. Die Erstautorin der Studie forscht am Lehrstuhl für Zoologie III (Tierökologie und Tropenbiologie) der Universität Würzburg.

Die Ergebnisse der Studie sind im Journal Functional Ecology veröffentlicht. Sie sind Teil des LandKlif-Projekts, das Professor Steffan-Dewenter im Bayerischen Klimaforschungsnetzwerk (bayklif) leitet.

Die Forschenden sehen mehrere offene Fragen, die als nächstes zu klären sind:

• Wie beeinflussen zusätzliche extreme Hitzetage das Schlüpfen?
• Welche Folgen haben die Energiereserven der Insekten für deren Bestäubungsleistungen?
• Wie schnell können sich Populationen an veränderte Temperaturen anpassen?

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg