Die dritte Ausgabe 2026 des Hoftierarzt-Newsletters ist erschienen. Folgende Themen sind für Abonnenten aufbereitet:
Klauengesundheit bei Sauen: Die entscheidenden Stellschrauben
Die Klauengesundheit ist ein zentraler Aspekt für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Sauen. Eine mangelhafte Klauengesundheit im Bestand gilt zudem als tierschutzrelevant und macht das Einleiten geeigneter, zielgerichteter Maßnahmen erforderlich.
Praxistipp des Netzwerk Fokus Tierwohl: Schwanzbeißen
Schwanzbeißen: Im Video „Einen Schwanzbeißausbruch in der Großgruppe erfolgreich managen“ werden die Schwierigkeiten, aber auch die Vorteile herausgestellt, die eine Großgruppenhaltung in Bezug auf Schwanzbeißausbrüche mit sich bringt. Für die Erstellung des Videos hat das Netzwerk Fokus Tierwohl Gabriele Mörixmann in ihrem Aktivstall für Mastschweine besucht.
Praxistipp des Netzwerk Fokus Tierwohl: Biosicherheit
Biosicherheit: Das Comic „So funktioniert die Hygieneschleuse“ soll auf sympathische Art und Weise an die notwendigen täglichen Routinen zur Verbesserung der Biosicherheit erinnern.
Geflügel In England startet ein Versuch mit Vogelgrippe-Impfstoff gegen potenzielle pandemische Erreger
Als Vorsichtsmaßnahme gegen eine mögliche Pandemie wurde in Großbritannien damit begonnen, Freiwillige mit einem neuen H5N1-Vogelgrippe-Impfstoff zu impfen. Der Impfstoff zielt auf den Grippestamm H5N1 ab, der bei Vögeln zu weit verbreiteten Ausbrüchen geführt hat und auch bei einigen Säugetieren nachgewiesen wurde.
Kreuzung alter Hühnerrassen mit modernen Hybriden bietet Potenzial für Zucht und Haltung von Legehennen & Masthühnern
Forschende haben untersucht, wie sich die Kreuzung alter, einheimischer – und zum Teil gefährdeter – Hühnerrassen mit modernen Linien auf Leistung, Tiergesundheit, Robustheit, Verhalten oder Anpassungsfähigkeit der Tiere auswirkt. Das Ergebnis: Die Kombination kann sich lohnen sowohl im Ökolandbau als auch in konventioneller Haltung. Gleichzeitig trägt sie zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei.
Beurteilung guter körperlicher Gesundheit als Grundlage für das Tierwohl bei Hühnern
Eine aktuelle Studie gibt Empfehlungen für die Bewertung der physischen Gesundheit und Resilienz von Hühnern als Grundlage fürs Tierwohl. Zu allererst sprechen sich die Autoren für eine ganzheitliche Bewertung von Gesundheit und Resilienz aus. Neben der Kontrolle auf Krankheiten sollten auch Indikatoren wie Erholungsfähigkeit nach Stress und Entwicklung von Kompetenzen (z. B. Sozialverhalten) im Betrieb erfasst werden.
Rohprotein senken in der Fütterung von Öko-Masthühnern?
Die Reduktion des Gehaltes an Rohprotein (CP) stellt seit Jahren ein zentrales Thema in der Geflügelfütterung dar. Ganz nach dem Motto „weniger ist am Ende mehr“, denn geringere Stickstoffausscheidungen und folglich Ammoniakemissionen sowie geringere Futterkosten sprechen dafür.
Schafe und Ziegen Erster Kombinationsimpfstoff zur Erhöhung des Schutzes gegen Krankheiten kleiner Wiederkäuer
Farmers Review Africa berichtet über einen neue Kombinationsimpfstoff, der im Rahmen einer Initiative der „Global Alliance for Livestock Veterinary Medicines (GALVmed)“ entwickelt und jetzt in Kenia eingeführt wurde.
Aquakultur Tierschutzrechtliche Mindestanforderungen an die Haltung von Nutzfischen
Die folgende Zusammenfassung beruht auf dem Vortrag von Dr. Julia Bauer vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, anlässlich des diesjährigen Niedersächsischen Tierschutzsymposiums.
Farmers Review Africa berichtet über einen neue Kombinationsimpfstoff, der im Rahmen einer Initiative der „Global Alliance for Livestock Veterinary Medicines (GALVmed)“ entwickelt und jetzt in Kenia eingeführt wurde. Das Kombinationspräparat schützt Schafe und Ziegen gleichzeitig vor ansteckender Capriner Pleuropneumonie (CCPP), Schaf- und Ziegenpocken (SGP) und Peste des Petits Ruminants (PPR). Kombinationsimpfstoffe reduzieren die Notwendigkeit mehrerer Injektionen und sparen Zeit, Geld und Ressourcen für Tierärzte und Viehhalter – ein wichtiger Vorteil für ohnehin schon ressourcenbeschränkte Landwirtschaftssysteme.
Als Vorsichtsmaßnahme gegen eine mögliche Pandemie wurde in Großbritannien damit begonnen, Freiwillige mit einem neuen H5N1-Vogelgrippe-Impfstoff zu impfen. Der Impfstoff zielt auf den Grippestamm H5N1 ab, der bei Vögeln zu weit verbreiteten Ausbrüchen geführt hat und auch bei einigen Säugetieren nachgewiesen wurde.
Auch wenn bisher fast alle Fälle beim Menschen mit engem Kontakt mit infizierten Tieren zusammenhängen besteht für die Zukunft durchaus ein solches Risiko. Weil sich Influenzaviren ständig weiterentwickeln, sind kontinuierliche Überwachung und Impfstoffentwicklung für die Pandemievorsorge von entscheidender Bedeutung.
Ziel der Studie ist es, Menschen aus den beiden am stärksten gefährdeten Gruppen zu rekrutieren, Personen die in der Geflügelindustrie arbeiten oder über solche die 65 Jahre alt sind. An dem Versuch werden insgesamt 4.000 Personen beteiligt sein.
Die ersten Freiwilligen in England, Schottland und den USA wurden jetzt mit einem Impfstoff geimpft. der auf der gleichen mRNA-Technologie basiert, wie aktuelle Covid-Impfstoffe. Dies könnte eine schnelle und groß angelegte Entwicklung des Impfstoffs im Falle einer Pandemie ermöglichen.
Die folgende Zusammenfassung beruht auf dem Vortrag von Dr. Julia Bauer vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, anlässlich des diesjährigen Niedersächsischen Tierschutzsymposiums.
Das EU und nationales Recht regeln die Haltung, Hälterung und Tötung von Nutzfischen, wobei Tierschutz und artgerechte Bedingungen im Fokus stehen.
Die Vorgaben nach EU-Recht sind bewusst allgemein gehalten, da es eine Vielzahl an Fischarten mit unterschiedlichen Bedürfnissen gibt.
Fischhaltungen müssen so geplant und betrieben werden, dass die artspezifischen Bedürfnisse der Fische berücksichtigt werden. Die Anlage muss z. B. ausreichend Platz, geeignetes Wasservolumen und Wasserqualität (Sauerstoff, pH, Nitrit, Ammonium) sind entscheidend. Ebenso eine artgerechte Beleuchtung, die einen Tag-Nacht-Rhythmus gewährleistet, wobei die artspezifischen Anforderungen zu berücksichtigen sind. Für nachtaktive Arten kann eine gedimmte Beleuchtung in der Nacht erforderlich sein.
Fischhalter müssen über ausreichende Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Fische sicherzustellen. Fischhalter sollten Krankheiten erkennen und wissen, wie im Krankheitsfall zu handeln ist. Der Gesundheitszustand der Fische muss regelmäßig kontrolliert werden. Sichtkontrolle auf Verletzungen, Verhaltensauffälligkeiten oder Krankheitsanzeichen.
Gemäß Artikel 3 der Richtlinie 98/58/EG müssen Maßnahmen getroffen werden, um Schmerzen, Leiden und Schäden bei Fischen zu vermeiden. Regelmäßige Kontrolle des Gesundheitszustands und Anpassung der Haltungsbedingungen bei Auffälligkeiten.
Die Wasserqualität muss den Bedürfnissen der jeweiligen Fischart entsprechen (z.B. Temperatur, Sauerstoff, pH-Wert, Nitrit, Ammonium). Plötzliche pH-Wert-Schwankungen sind zu vermeiden, da sie tödlich sein können.
Die Besatzdichte ist an die Fischart, das Alter, die Jahreszeit und die Haltungsform anzupassen. Sie sollte so hoch wie nötig und so gering wie möglich sein. Für Speisekarpfen sind z. B. 200 Tiere je Hektar vorgesehen, für Forellen in Rechteckbecken 2-3 kg/m³.
In Teichen, Durchflussanlagen und Kreislaufanlagen variieren die Dichten. Fachliche Einschätzung ist notwendig, um artgerechte Bedingungen zu gewährleisten. Parameter wie Wasserqualität, Sauerstoff und Beckenform sind individuell zu beurteilen.
Die optimalen Werte der Haltungsparameter für Regenbogenforellen (F) und Karpfen (K) sind z. B.:
Temperatur in Grad Celsius 10-18 (F) und 20-28 (K)
pH-Wert 6-8 (F) und 7,8,3 (K)
Sauerstoff (ml/L) 6-30 (F) und 5-30 (K)
Nützliche, weiterführende Informationen (Downloads) sind u. a. hier zu finden:
*AG Tiergesundheit und Tierverhalten „Netzwerk Fokus Tierwohl“
Die Klauengesundheit ist ein zentraler Aspekt für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Sauen. Eine mangelhafte Klauengesundheit im Bestand gilt zudem als tierschutzrelevant und macht das Einleiten geeigneter, zielgerichteter Maßnahmen erforderlich. Sauenabgänge aufgrund von Fundamentproblemen bzw. Klauenerkrankungen stellen in der Praxis nach wie vor eine Herausforderung dar. Klauenerkrankungen können neben einem vorzeitigen Abgang der Sau auch zu Minderleistungen, höheren Ferkelverlusten und geringerer Fruchtbarkeit führen. Zahlreiche Faktoren aus den Bereichen Haltung, Züchtung, Management und Fütterung, sowie weitere tierbezogene Faktoren beeinflussen die Gesundheit und Belastbarkeit der Klauen. Eine systematische Betrachtung dieser Einflussgrößen stellt die Grundlage für das zügige Erkennen der Problembereiche und das Einleiten gezielter Präventionsmaßnahmen dar, sodass die Klauengesundheit im Sauenbestand langfristig verbessert werden kann.
1. Klauenaufbau
Um die Klauengesundheit im Stall zu verbessern, ist es wichtig, den Aufbau der Klauen zu verstehen. Schweine laufen auf Zehenspitzen, sodass sie im Vergleich zu uns Menschen eine sehr kleine Auftrittsfläche haben, die eine sehr große Druckbelastung tragen muss. Das Schwein gehört zu den Paarzehern: statt fünf Zehen wie beim Menschen haben sie zwei Hauptklauen und zwei Afterklauen. Die Afterklauen berühren den Boden auf festem Untergrund nicht, sondern übernehmen nur beim Einsinken in weichem Boden eine Stützfunktion.
Bildquelle: MuD Tierschutz, BLE
Die Schweineklaue hat eine sehr harte Hornwand, eine harte Sohle und einen weichen Ballen, der einen Großteil der Unterseite und die Seitenfläche der Klauen einnimmt. Die verschiedenen Hornsegmente der Klauen haben unterschiedliche Härtegerade, die unmittelbar aufeinanderstoßen und die Klaue an diesen Stellen empfindlicher für Risse und Verletzungen macht. So grenzt das harte Kronhorn an das weiche Saumsegment, das den Übergang zur behaarten Haut darstellt. Das härtere Sohlen- und Wandhorn stößt an das weichere Ballenhorn. Auch die weiße Linie, an der das Wandhorn an das Sohlenhorn grenzt, stellt einen solchen Übergangsbereich dar.
Je nach Alter der Schweine wächst das Horn unterschiedlich schnell nach. Ab einem Alter von einem Jahr liegt das Wachstum durchschnittlich bei 5-6 mm pro Monat.
Bildquelle: MuD Tierschutz, BLE
Der Winkel zwischen der vorderen Wand- und der Sohlenfläche ist entscheidend für die Gesunderhaltung der Klauen: Je länger die Klauen werden, umso spitzer wird auch der Winkel (sogenannte Stallklauen). Im Normalfall sollte er zwischen 50° und 60° liegen. Bei einem spitzeren Winkel verlagert sich der Druckpunkt der Fußungsfläche auf den Ballenbereich, dessen Hornhärte hierfür nicht ausgelegt ist.
2. Stallboden und Untergrund
Der Stallboden hat einen großen Einfluss auf den Abrieb der Klauen und die gesamte Klauengesundheit. Während eines Produktionszyklus durchlaufen Sauen oft verschiedene Bodenarten. Im Deck- und Wartestall gibt es häufig Betonspalten, während die Abferkelbuchten meistens mit Metall- oder Kunststoffspalten ausgestattet sind. Teilweise werden die Spalten im Abferkelabteil auch mit Gummimatten ausgelegt, um Druckverletzungen zu reduzieren. Besonders hier im Abferkelbereich, in dem verschiedene Materialien verwendet werden, ist auf eine hohe Standsicherheit zu achten. Materialübergänge sollten dabei ebenmäßig ausgeführt sein – ohne Risse oder Kanten und mit durchgehend gleichem Niveau. Im Deck- und Wartestall können Gummimatten unterschiedliche Auswirkungen haben und ihr Einfluss auf Afterklauenabrisse, Wandhornabschürfungen, Lederhautblutungen, Hornrisse und Sohlendefekte scheint je nach Zeitpunkt unterschiedlich zu sein.
Die Rutschfestigkeit und Trittsicherheit eines Bodens hängen von Material, Oberflächenprofil und Verschmutzungsgrad ab. Gummimatten, kunststoffummantelter Streckmetallboden (Polyethylen-beschichtete Roste) sowie Beton weisen hohe Gleitreibwerte auf und sind daher rutschfest. Glatte Materialien wie Polypropylen sind hingegen nicht empfehlenswert. Zu glatte Böden sorgen außerdem für einen unzureichenden Klauenabrieb und eine Fehlbelastung der Klauen. Zu raue Böden hingegen können zu einem übermäßigen Abrieb führen, wodurch Lederhautblutungen und Ballenhornwucherungen entstehen können.
Feuchtigkeit und Verschmutzungen senken die Rutschfestigkeit des Bodens je nach Material unterschiedlich stark, wodurch das Verletzungsrisiko vor allem bei glatten Böden steigt. Zudem quillt das Horn durch Feuchtigkeit wie Urin oder nasse Einstreu auf. Bei einem Wechsel zu trockenen Böden härtet das Horn wieder aus und wird porös, wodurch die Bildung von Rissen begünstigt wird. Durch diese Risse können unter Umständen Krankheitserreger eindringen und Infektionen verursachen. In diesem Zusammenhang sollten Temperatur und Luftfeuchtigkeit stets im Blick behalten und bei Bedarf angepasst werden.
Gemäß der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sind für Sauen, Jungsauen und Eber Spaltenböden mit Spaltenbreiten von maximal 20 mm zulässig. Empfohlen werden Auftrittsbreiten je nach Funktionsbereich zwischen 80 und 200 mm und Spaltenbreiten zwischen 17 und 20 mm.
Bei neuen Betonspaltenböden besteht die Gefahr, dass das Verletzungsrisiko infolge von scharfen Graten an den Kanten der Spalten steigt. Werden keine bereits entgrateten Spaltenböden verlegt, sollten diese daher entgratet werden bevor die ersten Tiere eingestallt werden, z.B. durch den Einsatz einer Flex. Außerdem können ätzende Betonsäuren das Klauenhorn schädigen. Vor der ersten Aufstallung können diese durch Ausbringen einer 10%igen Sodalösung abgepuffert werden.
Ein guter Zustand der Spaltenböden, insbesondere die Abwesenheit scharfer Kanten und ausgebrochener Spalten, ist Grundvoraussetzung für den Erhalt der Klauengesundheit.
Die Haltung auf trockenem Stroh führt zu einer tendenziell besseren Klauengesundheit als die Haltung auf Betonböden. Allerdings führt Stroh auch zu einem geringen Abrieb und begünstigt somit unter Umständen die Bildung von Stallklauen. Besonders bei ausschließlicher Haltung auf Tiefstreu über einen langen Zeitraum können die Klauen übermäßig wachsen, wodurch Fehlbelastungen an der Klaue bedingt werden. Die Kombination von Betonböden mit eingestreuten Flächen je nach Funktionsbereich kann die Klauengesundheit fördern.
Eine weitere Herausforderung stellt die Bodenbeschaffenheit im Abferkelbereich dar. Die Sau benötigt einen möglichst trittsicheren Boden, während die Ferkel einen nicht zu rauen Untergrund brauchen, damit beim Anrüsten am Gesäuge die Gelenke keine Schürfwunden erhalten.
Da der Grundstein für eine gute Klauengesundheit bereits im Ferkelalter gelegt wird, ist es insbesondere für Eigenremontierer, aber auch in der Jungsauenaufzucht wichtig auf eine dem Alter und Körpergewicht angepasste Bodenbeschaffenheit zu achten. Zuchtläufer, die mit mehr als 25 kg Körpergewicht noch auf Kunststoffrosten gehalten werden, neigen dazu, als ausgewachsene Sau schneller durchtrittig zu werden.
Weiterhin umfasst ein wirksames Hygienekonzept trockene, leicht zu reinigende Flächen mit ausreichendem Gefälle sowie regelmäßige Kotentfernung. Arbeitsgeräte sind regelmäßig zu reinigen, zu desinfizieren und klar einem Bereich zuzuordnen, um Infektionsketten zu unterbrechen. Nach Möglichkeit sollten die Ställe – besonders der Besamungsbereich – regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.
Egal, ob es sich um Spaltenböden aus Kunststoff oder Beton oder planbefestigte Böden mit oder ohne Einstreu handelt, jeder Stallboden hat seine Vor- und Nachteile. Derzeit stellen alle Bodenmaterialien einen Kompromiss zwischen Klauengesundheit, Hygiene, Komfort, Thermoregulation und den unterschiedlichen Ansprüchen je nach Lebensabschnitt dar. Die Verwendung unterschiedlicher Materialien in einzelnen Funktionsbereichen kann daher sinnvoll sein. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Böden trocken und sauber sind.
3. Raum- und Buchtenstruktur
Eine klare Trennung der Funktionsbereiche (Liege-, Kot-, Fress- und Aktivitätsbereich) vermeidet Verunreinigungen und reduziert somit Verletzungen durch Ausrutschen und die Infektion von Klauenläsionen. Lange Laufwege zum Fressplatz bzw. das häufige Aufsuchen von diesem, wie es beispielsweise in Systemen mit einer ad libitum Abruffütterung stattfindet, belasten die Klauen vermehrt und führen vor allem zu Ballenveränderungen. In restriktiven Fütterungssystemen (z.B. Drippelfütterung) wird der Fressplatz weniger häufig aufgesucht, was die Laufwege verkürzt und in Untersuchungen zu 16-17 % weniger Sauen mit schweren Ballenveränderungen führte. Kommt es infolge instabiler Sauengruppen zu mehr Aggressionen am Fressplatz, ist ebenfalls mit schwereren Ballenveränderungen zu rechnen.
Breite Laufgänge von über 3 m geben rangniederen Sauen Ausweichmöglichkeiten und reduzieren so Klauenverletzungen, die im Rahmen von Rangkämpfen bei Rückwärts- und Drehbewegungen entstehen können. Getrennte Fressplätze mit Trennwänden verringern den Konkurrenzdruck und unterstützen die Klauengesundheit in ähnlicher Weise. Auch Selbstfangbuchten sind geeignet, da sie Schutz vor Angriffen von Artgenossen bieten und somit Stress und Klauentraumata reduzieren.
4. Management
Auch beim Management ist das Ziel, den Stress und das damit verbundene Verletzungsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren.
Feste Gruppen, in denen Rangordnungskämpfe auf ein Minimum beschränkt werden können, sind empfehlenswert.
Sind die Sauengruppen sehr homogen, haben alle Tiere die gleichen Zugangschancen zu Ressourcen. Allerdings können Rangordnungskämpfe länger andauern als in heterogenen Gruppen mit großen Gewichtsunterschieden. Hier laufen besonders Jungsauen Gefahr, sich gegenüber stark konditionierten Altsauen nicht durchsetzen zu können.
Insbesondere kleine Tiergruppen sollten konstant gehalten und ein Nachstallen von Einzeltieren vermieden werden. Schweine erkennen sich in Gruppen mit 20-30 Individuen sicher und eine feste Rangordnung kann sich einstellen. In Großgruppen mit über 60 Tieren kann die Zusammenstellung etwas dynamischer sein, da die Tiere größere räumliche Distanzen aufbauen und Konflikten besser aus dem Weg gehen können.
Bei Jungsauen ist eine sorgfältige Kontrolle bei und nach der Anlieferung entscheidend, da nur gesunde Tiere die Basis für eine erfolgreiche Ferkelproduktion bilden. Häufig entstehen Probleme durch unzureichend eingestreute Quarantäneställe in Altgebäuden, da feuchte Einstreu das Klauenhorn aufweicht, wodurch Hornrisse in der späteren Haltung auf Spaltenböden begünstigt werden. Eine ruhige Eingliederung, stabile Gruppen mit angepasster Belegdichte sowie gegebenenfalls die Integration erst nach dem ersten Abferkeln können Klauenprobleme und Verletzungen wirksam reduzieren.
5. Fütterung und Nährstoffversorgung
Für die Bildung von qualitativ hochwertigem Horn ist eine ausreichende Versorgung mit Aminosäuren (z.B. Cystein, Methionin und Histidin), aber auch mit verschiedenen Mengen- und Spurenelementen (z.B. Kalzium, Zink, Kupfer, Mangan und Selen) sowie mit Vitaminen (z.B. Biotin, Vitamine A, D, C und E) und Fettsäuren (z.B. Linolsäure) essenziell. Wird über eine klauengesundheitsfördernde Ausgestaltung des Futters nachgedacht, hat bislang insbesondere die langfristige, parallele Supplementierung mehrerer Stoffe zu einer Verbesserung der Klauengesundheit geführt. Besonders Biotin, Cystein, Mangan, Zink und Kupfer konnten in unterschiedlichen Studien zur Stabilisierung der Klauengesundheit beitragen. Speziell für Biotin gilt jedoch, dass Effekte auf die Klauengesundheit teilweise erst nach einer Supplementierungsdauer von sechs Monaten erzielt wurden. Liegen die Spurenelemente organisch gebunden in der Ration vor, werden sie besser verstoffwechselt. Daher wird ab der Jungsauenaufzucht die Zugabe der Spurenelemente in organisch gebundener Form für mindestens 50% des Angebots empfohlen, um eine gute Aushärtung des Klauenhorns zu erreichen. Nach der Eingliederung sollte wenigstens das Futter der tragenden Sauen entsprechend ausgestaltet sein.
Von entscheidender Bedeutung für die spätere Klauengesundheit ist auch die Konditionierung der Jungsauen. Ab einem Körpergewicht der Jungsauen von 30 kg können Tageszunahmen über 900 g zu einer Verschlechterung der Stabilität der Fundamente führen.
In der Wissenschaft werden die Auswirkungen des Entzündungs- und Nekrose- Syndroms des Schweines (SINS) auf die Klauengesundheit von Sauen diskutiert.
Ist die Darmwand des Tieres, z.B. aufgrund von energiereicher Fütterung mit geringen Rohfasergehalten geschädigt, können Toxine aus qualitativ minderwertigem Futter, besonders aber auch Toxine bakteriellen Ursprungs (sogenannte Endotoxine) die Darmbarriere überwinden und in den Blutkreislauf des Schweins gelangen. Hier wirken sie auf das Immunsystem des Körpers ein und setzen Entzündungsprozesse in der Sau in Gang. Weitere begünstigende Faktoren sind Hitzestress, Wassermangel, schlechte Wasserqualität oder stoffwechselintensive Phasen wie die Laktation. Als Folge können Entzündungen an Ohren, Schwänzen, Zitzen, Vulven oder den Klauen von Schweinen auftreten.
Sauen können, vergleichbar mit Rindern und Pferden, eine Klauenrehe entwickeln. Äußerlich ist dies an aufgewölbten Reheringen am Hornschuh sichtbar. Ähnlich wie Jahresringe bei Bäumen deutet die Anzahl der Reheringe auf die Häufigkeit entzündlicher Ereignisse in der Klaue hin. Bei schweren Verläufen kann das Gewebe so stark geschädigt werden, dass das Klauenbein rotiert und die Sauen behandlungsresistente Lahmheiten entwickeln.
Auch während der Aufzucht der Jungsauen sollte eine darmschonende Ration gefüttert werden, um SINS Symptome zu vermeiden und Klauenschäden vorzubeugen. Durch ausgewogene Rationen mit einer guten Ausstattung an faserreichem Getreide (Gerste) können Bildung und Aufnahme von Toxinen im Darm vermieden werden.
6. Tierbezogene Faktoren
Das Körpergewicht und das Alter von Sauen gelten als direkte Risikofaktoren für die Klauengesundheit. Beispielsweise erhöht gegen Ende der Trächtigkeit jedes Kilogramm mehr Körpergewicht das Risiko für Wandhornläsionen um drei Prozent. Ein höheres Körpergewicht führt zudem auch zu mehr Hornrissen. Die Außenklauen tragen dabei bis zu 78 % des Körpergewichtes der Sauen und sind daher häufiger von Klauenveränderungen betroffen.
Mit zunehmendem Alter, vor allem zwischen dem ersten und dritten Wurf, nimmt das Auftreten von Klauenveränderungen zu. Bei älteren Sauen kommen längere Klauen und Hornrisse häufiger vor.
Auch genetische Unterschiede zwischen den Rassen zeigen sich im unterschiedlich häufigen Auftreten von Klauenerkrankungen. Unterschiede zwischen Eigenremontierung und Zukauf konnten bislang nicht ausgemacht werden.
Umgang mit kranken und verletzten Tieren
Sauen, die Lahmheiten oder Verletzungen der Fundamente aufweisen, müssen sofort in eine Genesungsbucht separiert werden. Ein weicher, trockener Untergrund, z.B. eine Einstreu mit Stroh oder eine saubere Gummimatte fördern die Heilung. Auch die Gabe eines Schmerzmittels sollte erfolgen und sollte wie gegebenenfalls weitergehende Behandlungen mit dem Hoftierarzt abgestimmt werden.
Fazit
Die wesentlichen Einflussfaktoren auf die Klauengesundheit von Sauen sind Böden, Management, Fütterung, Alter und Körpergewicht. Bei Auffälligkeiten oder gesundheitlichen Problemen sollte der Hoftierarzt oder der Schweinegesundheitsdienst um Rat gefragt werden. In einer umfangreichen Beratung können alle diese Faktoren überprüft und bei Bedarf optimiert werden.
* Autoren AG Tiergesundheit und Tierverhalten „Netzwerk Fokus Tierwohl“:
Martin Dittmar, Impulsbetrieb Tierwohl
Prof. Dr. Isabel Henning-Pauka, Tierärztliche Hochschule Hannover
Prof. Dr. Johannes Kauffold, Universität Leipzig
Dr. Sandra Löbert, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Jochen Meyer, Impulsbetrieb Tierwohl
Dr. Hendrik Niehoff, LUFA Nord-West
Prof. Dr. Imke Traulsen, Universiät Kiel,
Dr. Dirk Bornhorn, Tierärztliche Hochschule Hannover
Dr. Maren Gerlach, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Imke Albers, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Marie Lamoth, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
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Kühlung und ausreichend Futter wichtig – Keine langen Tiertransporte erlaubt
Hohe Temperaturen sind nicht nur für Menschen eine erhebliche Belastung, auch für Nutz- und Haustiere sind Sonneneinstrahlung und Hitze gefährlich. Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) ruft Tierhalterinnen und Tierhalter daher zu besonderer Vorsicht auf.
Im Gegensatz zu Menschen können Hühner und Puten nicht schwitzen. Sie sind auf andere Hilfsmittel angewiesen, um der Hitze zu widerstehen. Eine häufige Überwachung der Stalltechnik und Betreuung der Tiere ist daher besonders wichtig. Außerdem kann eine Fütterung in den kühleren Abend- und Nachtstunden helfen. Mehr dazu kann in den „Merkblättern zur Vermeidung von Hitzestress bei Geflügel“ nachgelesen werden.
Die Informationen wurden in Zusammenarbeit von Tierhaltenden, Geflügelfachtierärztinnen und -ärzten und den niedersächsischen Veterinärbehörden erstellt.
Auch andere Tiere, wie z.B. Rinder, Schafe und Pferde können ebenfalls durch starke Sonnenstrahlung gefährdet werden. Werden die Tiere auf der Weide gehalten, sollte immer auch ausreichender Witterungsschutz und Zugang zu Wasser sichergestellt werden. Außerdem kann durch die Hitze die Futtergrundlage auf der Weide schwinden. Hier muss unter Umständen zugefüttert werden. In diesem Zusammenhang appelliert das ML aus gegebenem Anlass in Anlehnung an die Tierschutzleitlinie für die Schafhaltung auch an Schafhalterinnen und -halter, ihre Tiere vor der Sonne zu schützen. So sollte geprüft werden, ob allen Tieren ausreichend Schatten zur Verfügung steht (zum Beispiel durch einen Unterstand, Bäume oder Büsche), ob ausreichend sauberes Wasser zugänglich ist und den Schurtermin anzupassen (Wollvlies ist zusätzlicher „Dämmfaktor“, der die Abstrahlung der Körperwärme erschwert; insbesondere bei überlangem oder verfilztem Vlies kann es zu „Hitzestau“ kommen). Außerdem sollten Anstrengungen vermieden werden (zum Beispiel sollten bei Hütehaltung keine großen Distanzen zurückgelegt werden und Aktivitäten wie Umtreiben, Tierbehandlungen, Tiertransporte etc. auf die kühleren Morgenstunden verschoben werden) und der Weidegang und/oder die Fütterung früh am Morgen oder spät am Abend eingeplant werden.
Besondere Vorsicht gilt auch bei Haustieren: Hunde, Meerschweinchen, Vögel und Co. müssen ebenfalls vor der Hitze geschützt werden. Das bedeutet vor allem ausreichend Zugang zu Flüssigkeit und Schutz vor der Sonne. Und: Tiere sollten niemals in einem parkenden Auto zurückgelassen werden! Auch hier hält das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit nützliche Informationen bereit.
In diesem Zusammenhang weist das ML darauf hin, dass bereits im April ein Erlass zu Tiertransporten in der heißen Jahreszeit an die kommunalen Veterinärbehörden übersandt worden ist. Demnach sind Abfertigungen langer Tiertransporte von Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen, bei dem während des Transports keine aktive Kühlmöglichkeit besteht, ab einer Temperatur von 30 Grad Celsius zu verbieten.
Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Auf einer Fachtagung in Augsburg, organisiert von der Tierklinik Gessertshausen, kamen rund 100 Milchviehhalterinnen und Milchviehhalter zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen. In seinem Vortrag zur Fruchtbarkeit machte Dr. Sebastian Jander (Ceva Tiergesundheit) deutlich, dass erfolgreiche Milchviehhaltung heute vor allem ein konsequentes, gut abgestimmtes Management im Alltag erfordert.
Die durchschnittliche Nutzungsdauer unserer Milchkühe liegt aktuell bei nur 38,5 Monaten. Das ist deutlich zu wenig. Hauptabgangsgrund ist mit rund 16 % die Unfruchtbarkeit. Für die Praxis stellt sich daher nicht die Frage, ob Handlungsbedarf besteht, sondern wo man am effektivsten ansetzt.
Die Ursachen für die Fruchtbarkeitsprobleme sind komplex. Neben genetischen Einflüssen, die sich nur begrenzt steuern lassen, spielen vor allem Stoffwechsel, Fütterung, Tiergesundheit sowie Management- und Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle. Besonders kritisch ist die Phase nach der Kalbung. Hier treffen mehrere Belastungen gleichzeitig auf das Tier: hohe Milchleistung, negative Energiebilanz und ein erhöhtes Krankheitsrisiko.
Stoffwechselstörungen wie Ketosen und das damit verbundene Energiedefizit nach der Kalbung wirken sich direkt auf die Fruchtbarkeit aus. Gleichzeitig führt die hohe Milchleistung dazu, dass Hormone wie Östrogen und Progesteron schneller über die Leber abgebaut werden. Das verschlechtert die Konzeptionsrate und begünstigt Doppelovulationen sowie Zwillingsgraviditäten. Hinzu kommt, dass sich die Follikelentwicklung bei Hochleistungskühen oft verzögert, die Eizellen sind „älter“ und weniger befruchtungsfähig.
v.l.n.r.: Dr. Sebastian Jander (Ceva Tiergesundheit GmbH), Dr. Gregor Sigl (MSD Tiergesundheit), Laura Krey (dsp-Agrosoft GmbH), Tabea Klemens (Schippers GmbH), Joachim Mair (Schippers GmbH), Amelie Armbruster (Tierklinik Gessertshausen, Jan Thye-Lokenberg (dsp-Agrosoft GmbH), Stefanie Fuhrmann (Vetoquinol GmbH), Verena Thiel (Vetoquinol GmbH), Dr. Heinz-Jürgen Zumbusch (Vetoquinol GmbH), Franziska Lingner (Tierklinik Gessertshausen), Peter Zech (SaluVet GmbH), Jonas Erben (Tierklinik Gessertshausen), Stephanie Meyer (SaluVet GmbH), Katarina Maseg (SaluVet GmbH) Bildquelle: Tierklinik Gessertshausen
Die ersten 14 Tage entscheiden
Eine Schlüsselrolle spielen die ersten 14 Tage nach der Kalbung. In dieser Phase ist das Risiko für Erkrankungen am höchsten. Erkrankungen wie Nachgeburtsverhaltungen und Metritiden beeinflussen die spätere Fruchtbarkeit massiv. Hintergrund ist ein hormonelles Ungleichgewicht: Entzündungen führen zur Freisetzung von Prostaglandin F2α (PGF2α), das den Gelbkörper abbaut und die Progesteronproduktion hemmt. Gleichzeitig beeinflussen Zytokine das Immunsystem und die Entzündungsreaktion. In dieser Kombination wird eine erfolgreiche Trächtigkeit deutlich erschwert.
Ein großes Problem ist die Früherkennung solcher Erkrankungen. Kühe zeigen als Fluchttiere Symptome oft erst spät. Sensorsysteme können bei der Erkennung kranker Kühe wertvolle Unterstützung leisten. Besonders Veränderungen in der Wiederkauaktivität liefern häufig erste Hinweise auf gesundheitliche Probleme.
Ein Beispiel aus der Praxis ist die Labmagenverlagerung, die häufig kurz nach der Kalbung auftritt. Typische Anzeichen sind Appetitlosigkeit, Leistungsabfall und unregelmäßiges Wiederkauen. Wird sie früh erkannt, lassen sich Folgeschäden begrenzen, auch im Hinblick auf die Fruchtbarkeit.
Neben der Tiergesundheit spielt das Management eine zentrale Rolle. Faktoren wie Futter- und Wasserverfügbarkeit, Liegekomfort, Klauengesundheit, Besatzdichte und Hitzestress greifen ineinander. Bereits Temperaturen ab etwa 20 °C können die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen.
Auch die Brunsterkennung bleibt ein entscheidender Punkt. Bei visueller Beobachtung sollten mindestens 65 % der Brunsten erkannt werden, automatische Systeme sollten über 80 % erreichen. Hier setzen hormonelle Synchronisationsprogramme wie Ovsynch an. Sie ermöglichen eine zeitgesteuerte Besamung ohne klassische Brunsterkennung. Allerdings hat sich gezeigt, dass klassische Ovsynch-Protokolle nicht immer ausreichen. Moderne Varianten wie Double-Ovsynch verbessern durch eine genauere Steuerung der Follikelwellen die Erfolgsraten. Durch eine doppelte Prostaglandingabe (z. B. an Tag 7 und 8 im Abstand von 24 Stunden) wird der Gelbkörper sicherer abgebaut. Das verbessert die Luteolyse und erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit. Voraussetzung dafür ist jedoch ein gutes Verständnis des Zyklusgeschehens, das je nach Kuh zwei- oder dreiwellige Verläufe zeigen kann. Gerade bei Hochleistungskühen und unter Hitzestress sind häufig dreiwellige Zyklen zu beobachten. Die Anzahl der Follikelwellen hängt eng mit dem Progesteronverlauf zusammen. Für das Management bedeutet das: Wer den Zyklus versteht, kann gezielter eingreifen.
Systematisch vorgehen
In vielen Herden ist zudem ein hoher Anteil nicht zyklischer Kühe zu beobachten, bis zu 23 % pro Betrieb sind keine Seltenheit. Diese Tiere zeigen keine Brunstanzeichen und werden daher oft übersehen. Hier kann der gezielte Einsatz von Progesteronpräparaten, beispielsweise über Vaginalspangen, sinnvoll sein. Diese werden in der Regel für etwa sieben Tage eingesetzt, häufig in Kombination mit Prostaglandin. Es stehen unterschiedliche Dosierungen zur Verfügung (z. B. 1,0 g oder 1,55 g), wobei höhere Dosierungen in vielen Fällen bessere Ergebnisse liefern. Wichtig ist: Diese Maßnahmen sind immer Einzeltierentscheidungen und sollten gezielt eingesetzt werden.
Auch die Zwischenkalbezeit und der Body Condition Score (BCS) sollten regelmäßig überprüft werden. Längere Zwischenkalbezeiten können zwar zur Entlastung beitragen, erhöhen jedoch das Risiko der Verfettung. Eine betriebsindividuelle Auswertung hilft, die richtige Balance zu finden.
Der Vortrag machte deutlich: Fruchtbarkeit ist kein Zufallsprodukt. Sie ist das Ergebnis konsequenter Arbeit in vielen Bereichen, von der Fütterung über die Tierbeobachtung bis hin zum Detail im täglichen Management. Wer diese Punkte systematisch angeht, schafft die Grundlage für bessere Fruchtbarkeit, längere Nutzungsdauer und wirtschaftlich stabile Milchviehhaltung.
Seit drei Jahrzehnten zählt Boehringer Ingelheim zu den prägenden Akteuren in der Bekämpfung des Porzinen Reproduktiven und Respiratorischen Syndroms (PRRS). Das Unternehmen entwickelte den weltweit ersten zugelassenen Impfstoff, der sowohl gegen PRRS-Virus‑Typ 1 als auch Typ 2 schützt und damit einen Meilenstein für die moderne PRRS‑Kontrolle setzte.
Vor zehn Jahren wurde das Portfolio um zwei Typ‑1‑Vakzine mit homologem Stamm erweitert, die speziell auf europäische Bestände ausgerichtet sind. Die Impfstoffe bieten eine breite, wissenschaftlich belegte Kreuzimmunität gegenüber zahlreichen Feldstämmen.
Parallel dazu investiert Boehringer Ingelheim kontinuierlich in Forschung und Wissenstransfer: von Projekten zur Weiterentwicklung von Diagnostik und Impfstrategien über den PRRS-Award bis hin zur Zusammenarbeit mit führenden Forschungseinrichtungen.
Praxisnahe Werkzeuge unterstützen die Betriebe bei einer nachhaltigen PRRS‑Kontrolle: der 5‑Stufen‑Plan für strukturiertes Management, die 10 Regeln zur Stabilisierung von Beständen, das Biosicherheitstool COMBAT sowie internationale Expert*innenformate wie Meet the Expert.
Diese Bausteine bilden einen modernen, wissenschaftlich fundierten Ansatz, der Tierärztinnen und Landwirtinnen weltweit hilft, PRRS einzudämmen und Produktionsstabilität zu sichern.
In einer aktuellen Studie wurden Gene untersucht, die mit Umweltvariablen zusammenhängen. Ziel war herauszufinden welche genetischen Varianten für klimaresiliente Züchtungsansätze in unterschiedlichen Klimazonen geeignet sind.
Da Schafe eine Vielzahl lokaler Anpassungen aufweisen, stellen sie ein ideales Objekt für die Untersuchung der Umweltanpassung innerhalb und zwischen Rassen dar. Dies gilt insbesondere für Merino-Schafe, die weltweit zur Wollproduktion verwendet werden.
Für die Studie wurden 24 Merino-Populationen in Europa mit insgesamt 736 Tieren eingezogen. Die Forscher identifizierten 168 SNPs und 232 Gene, die mit bioklimatischen Variablen assoziiert sind. Die Isothermie (Verhältnis von täglicher zu jährlicher Temperaturschwankung) zeigte dabei die größte Anzahl genomischer Assoziationen. Außerdem fanden sich Kandidaten-Gene, die mit Thermoregulation, Immunität und Haarentwicklung zusammenhängen.
Zu den Schlüsselgenen, die in den durch diese Analysen identifizierten Genomregionen gefunden wurden, gehörten solche, die zuvor mit Thermoregulation, Haarfollikelentwicklung, Lipidstoffwechsel und Höhenanpassung in Verbindung gebracht wurden, was auf eine mögliche Rolle bei der Anpassung an die Umwelt schließen lässt. Die Erkenntnisse dienen damit zukünftig einer klimaresistenten Zucht.