Haltungsform veröffentlicht Jahreszahlen: Verschiebung zu höheren Stufen

• Verteilung der Haltungsform-Stufen für 2024 erhoben und mit 2023 verglichen
• Angebot bei Pute verschiebt sich von Stufe 2 hin zu Stufe 3
• Stufe 2 bei Schwein stabil auf hohem Niveau

Die Initiative Tierwohl GmbH (ITW) hat heute aktuelle Zahlen zur Haltungsform-Kennzeichnung veröffentlicht, die die Verteilung des Produktangebots in den fünf Haltungsstufen für verschiedene Tierarten zeigen. Die Daten basieren auf den gemeldeten Verkaufsmengen der teilnehmenden Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) und werden regelmäßig kommuniziert, um transparente Einblicke in die Entwicklung der Tierhaltung in Deutschland zu gewähren. Im Vergleich der Jahre 2023 und 2024 ist eine Verschiebung von Stufe 2 hin zu Stufe 3 erkennbar – insbesondere bei Pute. Diese Entwicklung zugunsten des Tierwohls ist maßgeblich auf Initiativen des Einzelhandels zurückzuführen. Die 2024 neu eingeführte Stufe 5 „Bio“ zeigt bei Rind sowie Milch- und Molkereiprodukten einen stabilen Marktanteil. Die veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf das Gesamtjahr 2024.

„Die aktuellen Zahlen belegen deutlich das Engagement des Einzelhandels für mehr Tierwohl und die Bereitschaft der Landwirte diesen Weg im Rahmen ihrer Möglichkeiten mitzugehen. Immer mehr Produkte stammen aus höheren Haltungsstufen, wobei insbesondere Stufe 3 an Bedeutung zunimmt“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl GmbH. „Dieses Bestreben, Tierwohl gemeinsam weiter auszubauen, unterstreicht zugleich die Relevanz unserer Pläne, ITW- Programme für die Haltungsform-Stufen 3 und 4 einzuführen – ein wichtiger Schritt, um das Tierwohl nachhaltig zu stärken.“

Frischfleisch und Fleischzubereitungen im SB-Regal – Grafik: ITW

Schweinefleisch: Tierwohlniveau bleibt stabil
Der Großteil des Schweinefleischs stammte 2024 aus der Haltungsstufe 2 „Stall + Platz“ – mit 75,2 % an der Bedientheke und 86,3 % im SB-Regal. In diesem Segment sind kaum Veränderungen im Vergleich zu 2023 zu beobachten. Die 2024 neu eingeführte Haltungsstufe 5 „Bio“ hat bei Schweinefleisch einen Anteil von 4,3 % im SB-Regal und 4,7 % an der Bedientheke. Diese Zahlen waren zu erwarten, da ähnliche Werte in 2023 – als es nur 4 Stufen gab und Bio somit zusammen mit „Auslauf/Weide“ erfasst wurde – für die Stufe 4 gemeldet wurden.

Geflügel: flächendeckende Kennzeichnung mit Haltungsform
Die Verteilung der Haltungsstufen bei Geflügel bleibt im Vergleich 2023/2024 weitgehend stabil. Bei Hähnchen gibt es kaum Veränderungen: Haltungsstufe 2 dominiert mit 88,6 % (2024) gegenüber 89,8 % (2023) das SB-Sortiment. Die neu eingeführte Stufe 5 erreicht 4,8 %. Bei Pute zeigt sich eine etwas stärkere Bewegung: Stufe 2 bleibt mit 78,0 % führend (2023: 91,5 %), während höhere Stufen zulegen – Stufe 3 um +13,3 %, Stufe 5 um +3,0 %. Insgesamt sind Hähnchen und Pute nahezu vollständig mit einer der fünf Haltungsformen gekennzeichnet (weniger als 1 % der Gesamtware wird nicht gekennzeichnet).

Rindfleisch: hohe Anteile in oberen Haltungsstufen
Mit 14,1 % erreicht die Haltungsstufe 5 bei Rindfleisch – sowohl an der Bedientheke als auch im SB-Regal – den höchsten Wert unter allen Fleischsorten. Auch die Haltungsstufe 3 „Frischluftstall“ legt deutlich zu.

Besonders auffällig ist der Rückgang von Haltungsstufe 1 zugunsten höherer Stufen: Im SB-Regal sinkt der Anteil von 75,6 % (2023) auf 62,4 % (2024), während Stufe 3 im gleichen Zeitraum von 5,6 % auf 16,7 % steigt. An der Bedientheke zeigt sich ein ähnliches Bild: Haltungsstufe 1 fällt von 54,4 % auf 42,2 %, Stufe 3 wächst von 27,4 % auf 34,7 %. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass Landwirte und Lebensmitteleinzelhandel bereit sind Schritte für mehr Tierwohl zu gehen, wenn die Verbrauchernachfrage dies rechtfertigt.

Milch und Molkereiprodukte – Grafik: ITW

Milch: Haltungsstufe 3 dominiert den Milchmarkt
Der Anteil an Milch ohne Haltungsstufe ist 2024 auf ein Rekordtief gesunken: Während 2023 noch 44,9 % der Milch ohne Kennzeichnung angeboten wurden, waren es 2024 nur noch 5,5 %. Hauptprofiteur dieser Entwicklung ist die Haltungsstufe 3, deren Anteil von 41,3 % (2023) auf 76,6 % (2024) gestiegen ist.

Neu hinzugekommen ist 2024 die Haltungsform 5, die im Milch- und Molkereisegment bereits einen beachtlichen Marktanteil erreicht: 12,8 % bei Milch und 7,7 % bei Molkereiprodukten.
Bei Molkereiprodukten ist die Kennzeichnung jedoch noch nicht flächendeckend umgesetzt: Der Anteil nicht gekennzeichneter Produkte liegt weiterhin bei knapp 87 %.

Über die Haltungsform-Kennzeichnung
Die Haltungsform-Kennzeichnung ist eine fünfstufige Siegel-Klassifikation für tierische Erzeugnisse, die ab Juli 2024 von vier auf fünf Stufen umgestellt wurde. Sie wurde im April 2019 eingeführt. Sie klassifiziert Tierwohl-Siegel und Qualitätssicherungsprogramme entsprechend ihren Anforderungen an die Tierhalter und dem sich daraus ergebenden Tierwohl-Niveau. Die Kennzeichnung finden Verbraucher auf Verpackungen bei ALDI Nord, ALDI SÜD, Bünting Gruppe, EDEKA, Kaufland, LIDL, Netto Marken-Discount, PENNY, REWE und McDonlad‘s. Die „Haltungsform“ steht weiteren Unternehmen offen. Die Initiative Tierwohl GmbH ist Trägerin der Haltungsform-Kennzeichnung. Sie organisiert die korrekte Eingruppierung von Standards und Programmen in die Systematik dieses Haltungskennzeichens, überwacht die korrekte Anwendung und Umsetzung dieser Systematik und unterstützt die teilnehmenden Unternehmen in der Kommunikation gegenüber Öffentlichkeit und Verbrauchern. Vollständige Informationen zu den Kriterien der einzelnen Stufen erhalten Verbraucher auf der Webseite zur Haltungsform unter www.haltungsform.de.

Quelle: Initiative Tierwohl GmbH

Initiative Tierwohl: Nämlichkeit in der Schweinehaltung bald möglich

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• Neue Registrierungsphase Ferkelaufzucht abgeschlossen
• 198 neue Ferkelaufzuchtbetriebe mit 2,7 Mio. Tieren/Jahr zugelassen
• Lücke zwischen Aufzucht und Mast weiter geschlossen
• Ferkelfonds endet mit dem Jahr 2026

Die Initiative Tierwohl (ITW) hat eine weitere Registrierungsphase für die Ferkelaufzucht erfolgreich abgeschlossen. 198 neue Ferkelaufzuchtbetriebe mit insgesamt 2,7 Millionen Tieren pro Jahr wurden aufgenommen. Damit sind aktuell über 9.000 schweinehaltende Betriebe, darunter 1.589 Ferkelaufzüchter und 1.250 Sauenhalter bei der ITW registriert. Insgesamt profitieren nun jährlich rund 22,5 Millionen Mastschweine und rund 19 Millionen Ferkel von den Maßnahmen der ITW-Tierhalter. Die Lücke zwischen Ferkelaufzucht und Schweinemast konnte weiter verkleinert werden. Ziel ist die so genannte Nämlichkeit, die darin besteht, dass alle Schweine im ITW-System von der Geburt bis zur Schlachtung ausschließlich auf an der ITW teilnehmenden Betrieben gehalten werden.

„Mit der erfolgreichen Registrierung der Ferkelaufzuchtbetriebe gelingt ein entscheidender Schritt in Richtung durchgängige Nämlichkeit und mehr Transparenz in der Schweinehaltung. Die hohe Beteiligung zeigt, dass die Branche gemeinsam Verantwortung übernimmt und bereit ist, die Herausforderungen der Zukunft aktiv anzugehen. Unser Ziel bleibt, die Lücke zwischen Aufzucht und Mast vollständig zu schließen und damit das Tierwohl weiter zu stärken“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Klar ist aber auch: Noch fehlen faktisch gut 3 Millionen Tiere. Dieses Delta muss bis zum Auslaufen des Ferkelfonds Ende des Jahres vollständig geschlossen werden. Ab 2027 soll die Finanzierung durchgängig über den Markt erfolgen.“

Die neuen Ferkelaufzuchtbetriebe nehmen als „nämliche Ferkelaufzüchter“ an der ITW teil. Das bedeutet, dass die Voraussetzung für die Auszahlung des Tierwohlentgelts an die neuen Ferkelerzeuger daran geknüpft ist, dass die Ferkel an einen ITW-Mäster geliefert werden. Nur für diese Ferkel bekommen die Neuteilnehmer die 4,50 Euro pro Tier aus dem Ferkelfonds.

Quelle: Initiative Tierwohl GmbH

Poultrystart 3.0 – das unterschätzte Potenzial von Wassermanagement in der Kükenphase

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Futterqualität, Stallklima, Lichtsteuerung – in der Aufzucht von Putenküken wird kein Detail dem Zufall überlassen. Und doch kommt es in vielen Betrieben immer wieder zu Problemen mit Verdauungsstörungen, erhöhtem Infektionsdruck oder Leistungseinbußen. Der Grund dafür: Unzureichende Reinigung und Desinfektion der Tränkeleitungen. Putenmäster Benjamin Pohle hat sich der Herausforderung in seinem Betrieb gestellt und zeigt, wie es möglich ist, einer Biofilmbildung mit wenigen Stellschrauben vorzubeugen.

Tatort: Tränkeleitungen
„Ich hatte gar nicht vermutet, dass das Wasser überhaupt das Problem ist“, sagt Benjamin Pohle rückblickend. Gemeinsam mit seinem Vater bewirtschaftet der gelernte Landwirt einen Betrieb mit zwei Standorten im Altenburger Land (Thüringen). Hier mästet er insgesamt 30.000 Putenküken pro Durchgang. Wie viele andere Betriebe setzt er auf antibiotikareduzierte Aufzucht und stieß dabei regelmäßig an Grenzen: „Wir hatten immer wieder schwankende Leistungen in den ersten Tagen: Verdauungsstörungen, Atemwegsreizungen usw. Insbesondere bei hohen Temperaturen hat das noch weiter zugenommen.“

Erst die gezielte Untersuchung von Tränkeleitungen und Tieren – gemeinsam mit Tierarzt und Berater – brachte die Ursache ans Licht: Biofilme in den Leitungen. Hygiene-Berater Matthias Wiecha (Stockmeier) erklärt: „Diese Problematik sehen wir auf ganz vielen Betrieben. Da ist dann zwar die übliche Desinfektion auf Chlor-Basis im Einsatz, aber trotzdem läuft es nicht richtig mit den Küken. Hier steigen wir dann mit der Überprüfung der Leitungen ein. In der Regel finden wir dort einen Biofilm und der bringt eben diverse negative Begleiterscheinungen mit sich.“

Kleine Dosis – große Wirkung
Seitdem setzt Pohle konsequent auf ein abgestimmtes Hygienekonzept inklusive Spülung und gezielter Wasserbehandlung in der Kükenphase. Als Ergänzung zur Tränkwasserdesinfektion auf Chlor-Basis sowie einer zeitgesteuerten Tränkespülung mit hohem Druck kommt bei ihm in der empfindlichen Aufzuchtphase ein Desinfektionsmittel auf Basis von 50,5 g Peroxomonosulfat zum Einsatz,, in niedriger Dosierung, aber mit konstanter Wirkung: „Wir fangen bei den Küken am Tag 0 mit 50 Gramm je 1.000 Liter an und steigern das dann täglich um 50 g bis auf max. 1000 g. Das hat für uns den entscheidenden Vorteil, dass die Schmackhaftigkeit in den ersten Tagen erhalten bleibt, denn hier zeigen sich die Küken sehr wählerisch.“

Der Effekt ist für ihn deutlich spürbar: „Ich merke es einfach an der Einstreu, am Verhalten der Tiere und an der Gesamtentwicklung. Es läuft runder und die typischen Probleme beim Aufstallen haben sichtlich nachgelassen. Deswegen setzen wir das Produkt auch bei den älteren Tieren ein. Hier nutzen wir es gezielt in Stresssituationen oder bei leichten Darminstabilitäten. Zudem können wir bei Temperaturschwankungen sehr schnell reagieren und den Keimdruck frühzeitig senken, ohne direkt auf Vitamin C-Gaben zurückzugreifen.“

Warum Biofilm gerade in der Kükenphase zum Problem wird
Wasser ist das meistgenutzte, aber am wenigsten kontrollierte Futtermittel im Stall. Gerade in der Putenaufzucht kann das fatale Folgen haben, denn in den ersten Tagen nach der Einstallung sind Putenküken besonders sensibel: Ihr Immunsystem ist noch nicht ausgereift, der Darm befindet sich im Aufbau und die Wasseraufnahme ist im Verhältnis zum Körpergewicht extrem hoch.


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Faser: Ein Multitool in der Rationsgestaltung

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Von Prof. Reinhard Puntigam, FH Soest und Dr. Julia Slama, Uni Rostock

Die nachhaltige Tierernährung fußt auf den Säulen der Ökonomie, Ökologie sowie der Gesundheit und des Wohlergehens und hat zum Ziel, diese bestmöglich und gleichermaßen zu berücksichtigen. Dazu stehen eine Vielzahl an Strategien der Rationsgestaltung zu Verfügung, die in den vergangenen Jahren stark im Fokus zahlreicher praktischer und wissenschaftlicher Untersuchungen standen. Dabei soll dem Anspruch der Verbraucher:innen ebenso nachgekommen werden, wie auch rechtlichen Vorgaben um die Eigenversorgung an hochwertigen Lebensmitteln gewährleisten zu können – somit Pflicht und Recht.

Neben dem Aspekt der Umweltwirkung rückt die Konkurrenz zwischen Teller und Trog (= Nahrungsmittelkonkurrenz) immer stärker in den Fokus der gesellschaftlichen Diskussion. Vor allem in Trögen von Schweinen finden sich bis zu zwei Drittel an Futtermittel wieder, die ebenfalls potentiell human verzehrbar wären, somit auch auf unserem Speiseplan stehen könnten. In diesem Zusammenhang leistet der gezielte Einsatz von Nebenprodukten der Lebensmittelbe- und -verarbeitung einen oftmals unterschätzten Wert. Zum einen weisen z.B. Nebenprodukte der Müllerei, Brauerei, Zuckerherstellung (Nachmehle, Kleien und Schalen, Trester und Treber, etc.) keinen oder einen kaum human verwertbaren Anteil auf. Zum zweiten ist es der Mehrwert an Nährwert, den der meist hohe Gehalt an Faser dieser Futtermittel als positiven Effekt auf Tier und Umwelt mit sich bringt. Die vielfältigsten Wirkungsmechanismen der faserreichen Nebenprodukte werden entlang des Verdauungstraktes von Schweinen entfaltet, wobei es kleine Ursachen mit großer Wirkung sind, die folgend näher beleuchtet werden sollen.

Faser physiologisch definiert
Faser (in der Humanernährung als Ballaststoffe bezeichnet) stellt eine heterogene Gruppe von Kohlenhydraten dar, die als Bestandteil eines Futtermittels durch körpereigene Enzyme nicht verdaut werden kann. Diese speziellen Verbindungen können jedoch zum Teil im hinteren Verdauungstrakt von Mikroorganismen „geknackt“ werden, wodurch neben mikrobiellem Wachstum auch Fermentationsprodukte entstehen.

Somit ist vorerst ausschließlich „Ballast“ vorhanden, dessen nährstofflicher / energetischer Nutzen bis zum Ende des Dünndarms, dem Hauptort der Nährstoffverdauung und -aufnahme (Protein, Fett, Stärke…) vernachlässigbar ist. Die im Dickdarm gebildeten Fermentationsprodukte, kurzkettige flüchtige Fettsäuren (FFS), welche im Zuge der Fermentation entstehen, können jedoch als Energiequelle genutzt werden. Neben der Fermentierbarkeit der Faser nimmt dabei speziell die Größe des „Fermenters“ eine entscheidende Rolle ein. Je größer desto mehr – so steigt das Potential zur Bildung von FFS vom Saug- über das Aufzuchtferkel, bis hin zu Mastschwein und der ausgewachsenen Zuchtsau wobei nennenswerte Energiebeiträge auf Grund der Fermentation geleistet werden können. Le Goff und Noblet (2001) haben sich als wenige dieser spannenden Frage gewidmet und die Höhe der energetischen Nutzeffizienz der Faser in Abhängigkeit des Tieralters (bzw. deren Größe) herausgearbeitet. Faser liefert zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Lebens einen unterschiedlichen energetischen Beitrag und eröffnet damit ein spannendes Forschungsfeld der Zukunft. Speziell die gebildete Buttersäure (Butyrat) wird als wichtige Energiequelle für die Zellerneuerung im Darm genutzt. Buttersäure fördert die Zellteilung und das Wachstum neuer Zellen und unterstützt damit die Aufrechterhaltung einer gesunden Darmschleimhaut. Darüber hinaus trägt Butyrat zur Stärkung der Darmbarriere bei, wirkt entzündungshemmend und schützt das Darmepithel z.B. vor pathogenen Keimen. Eine Vielzahl an Studien unterstreicht die positive Wirkung. Durch die gezielte „Fütterung“ der Mikrobiota mit Faser, sogenannte Prebiotika, kann ein Darmmillieu geschaffen bzw. aufrechterhalten werden, welches ein ausgewogenes Verhältnis zwischen möglichen pathogenen Keinem und positiven Mikroorganismen hervorruft und somit einer möglichen „Dysbiose“, einem Ungleichgewicht entgegenwirkt. Nicht zuletzt entstehen neben Butter- auch Propion- und Essigsäure, die das Darmmilieu ansäuern und damit das Wachstum pathogener Keime hemmen.

Faser analytisch definiert
Die klassische Bestimmung der oft genannten Rohfaser (XF, damals Holzfaser) geht auf Henneberg und Stohmann (1860) zurück und stellt den „unlöslichen“ (manches geht dennoch in Lösung) Rückstand (Cellulose, Hemicellulose, Lignin) unter Einwirken von Säuren und Laugen im Zuge der Weender Analyse dar. Auch aktuell ist der Gehalt an Rohfaser eines Futtermittels im Zuge der Rationskalkulation und Deklaration das Mittel der Wahl, wenngleich kein direkter Zusammenhang zwischen dem Gehalt an Rohfaser und dem fermentierbaren Anteil an Faser herrscht. Da über den Parameter Rohfaser allein keine ausreichende Bewertung der Faserversorgung von Schweinen gegeben ist, rückt eine genauere Charakterisierung anhand der sogenannten Gerüstsubstanzen (NDF, ADF, ADL) in den Vordergrund.

Damit wird eine Differenzierung in Zellulose, Hemizellulosen und Lignin möglich gemacht und lässt auch erste Rückschlüsse auf die Fermentierbarkeit der Faser zu. Jedoch reichen auch NDF und ADF für entsprechende Empfehlungen zur Versorgung nicht aus, da die Eigenschaften der Faser wesentlich komplexer sind. Die enzymatische Bestimmung der Ballaststoffe (TDF, total dietary fibre oder auch Gesamtfaser), wie sie für die Humanernährung verwendet wird, lässt demgegenüber noch einen tieferen Blick zu. Neben dem Gesamtgehalt an Faser (TDF) kann ebenfalls eine Differenzierung in lösliche (SDF) und unlösliche (IDF) Anteile vorgenommen werden, wodurch eine genauere Abschätzung der Fermentierbarkeit ermöglicht wird. Es gilt: Je löslicher, desto besser fermentierbar. Tabelle 1 stellt die chemische Charakterisierung ausgewählter Faserfuttermittel dar und unterstreicht den Unterschied der jeweiligen Analyse.


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Ökonomische Faktoren für die optimale produktive Lebensdauer von Milchkühen

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Eine neue Schweizer Studie kam zu spannenden Ergebnissen, was Lebensdauer und Produktivität von Milchkühen betrifft. Die Autoren schreiben dazu:

Die kurze Lebensdauer von Milchkühen wirft nicht nur ethische Fragen auf, sondern ist auch Gegenstand ökonomischer Debatten. Die Bestimmung der ökonomisch optimalen Nutzungsdauer (OPL) ist komplex, da ein Großteil der Kühe in den ersten beiden Laktationen gemerzt wird. Ziel dieser Studie war die Schätzung der OPL unter Berücksichtigung relevanter Einflussfaktoren wie Milchverlustrisiken, Kosten für Jungrinder und Zuchtfortschritt. Wir entwickelten ein bioökonomisches Kuhmodell für zwei Produktionssysteme mit unterschiedlichen Milchleistungsniveaus (C_niedrig = 6.194 kg/Jahr, C_hoch = 9.338 kg/Jahr) auf Basis des Nettoertragsansatzes. Das Modell nutzte Buchhaltungsdaten von 189 Familienbetrieben und herdenspezifische Daten von 9.858 Kühen mit zehn abgeschlossenen Laktationen sowie Merzungsstatistiken verschiedener Rassen aus Herdbuchdaten.

Um die Auswirkungen unterschiedlicher Risikoszenarien auf die OPL abzuschätzen, wurde ausgemerzten Kühen ein Milchverlust von 10 % bis 50 % zugewiesen. Die theoretische Nutzungsdauer (OPL) ohne Berücksichtigung von Milchverlustrisiken betrug über 9 Jahre produktiver Lebensdauer, wobei das Grenzeinkommen ab dem vierten Produktionsjahr deutlich sank. Bei einer effektiven Nutzungsdauer von 3,6 Jahren (C_niedrig) bzw. 2,9 Jahren (C_hoch) wurde die zu erwartende Milchverlustrate für den Betrieb auf etwa 25 % geschätzt, wenn die Kühe länger in Produktion blieben.

Die Kosten für Jungrinder hatten einen signifikanten Einfluss auf die Nutzungsdauer: Bei Kosten zwischen 2.700 und 5.000 US-Dollar und einem Risiko von 25 % variierte die Nutzungsdauer zwischen 3 und 7 Jahren. Im Basisszenario mit Kosten von 3.423 US-Dollar für Jungrinder lag die Nutzungsdauer zwischen dem vierten und fünften Produktionsjahr.

Der Einfluss der Milchleistungssteigerung (BP) auf die Nutzungsdauer war gering: Eine angenommene Milchleistungssteigerung von 2 % pro Generation reduzierte die Nutzungsdauer im Vergleich zur Basisannahme identischer Ersatztiere um 6 Monate.

Um das Einkommenspotenzial voll auszuschöpfen, ist es wichtiger denn je, die Produktionssicherheit durch Risikominderung zu verbessern. Dies ist insbesondere für Hochleistungskühe relevant. Dafür ist eine stärkere Fokussierung auf Fitnessmerkmale wie Fruchtbarkeit und Gesundheit erforderlich. Das realistische wirtschaftliche Potenzial einer höheren Nutzungsdauer liegt bei 10 bis 15 % höherem Einkommen pro Kuh. Dieses Potenzial würde bei C_high mit einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 4 Jahren und bei C_low mit 6 Jahren erreicht.

Ergebnisse
Die Gruppe C_low produziert bei ähnlicher Kuhzahl (30,7 vs. 31,5) und ähnlicher Weidefläche (21,5 vs. 19,5 ha) deutlich weniger Milch als die Gruppe C_high. Dies spiegelt sich in den Produktivitätskennzahlen wider. Die verschiedenen Einkommenskennzahlen sind jedoch nur geringfügig niedriger. Dies lässt sich durch die deutlich höheren Ausgaben von C_high für direkte Produktionsmittel und Gemeinkosten und, in geringerem Maße, durch den höheren Milchpreis und die höheren Erträge aus anderen Produkten bei C_low erklären (weitere Details in den Tabellen 5 und 6). Der etwas höhere Milchpreis der Gruppe C_low ist nachvollziehbar, da sie deutlich mehr Betriebe umfasst, die ohne Silage Rohmilchkäse herstellen oder nach ökologischen Richtlinien produzieren. Für das Gesamteinkommen und das Einkommen pro Hektar wurden nur Direktzahlungen berücksichtigt, die direkt dem Milchsektor zugeordnet werden können. Allgemeine betriebsbezogene Direktzahlungen wurden nur für die Arbeitsentlohnung berücksichtigt, die sich aufgrund des geringeren Arbeitsaufwands bei C_low ebenfalls kaum unterscheidet. Unter Berücksichtigung des eigenen Arbeitsaufwands ist die Milchproduktion bei C_high jedoch aufgrund von Skaleneffekten kostengünstiger (Gewinnschwelle 0,84 gegenüber 0,97).

Studie
Ökonomische Faktoren für die optimale produktive Lebensdauer von Milchkühen in zwei verschiedenen Schweizer Milchproduktionssystemen
Gazzarin et al.
Link

Boehringer Ingelheim erhält europäische Zulassungen für zwei Vogelgrippe-Impfstoffe

Boehringer Ingelheim, ein weltweit führender Anbieter von Präventivmedizin für Nutztiere, hat die europäischen Zulassungen für zwei Vogelgrippe-Impfstoffe (VAXXITEK® HVT+IBD+H5 und VAXXINACT® H5) durch die Europäische Kommission erhalten. Beide Impfstoffe immunisieren Hühner und Puten und VAXXINACT® H5 zusätzlich noch Enten gegen das H5-Vogelgrippevirus, das derzeit in ganz Europa zu Ausbrüchen führt.

Wichtiger Schritt zur Bekämpfung von Ausbrüchen in der Europäischen Union
Die Vogelgrippe, auch bekannt als Aviäre Influenza (AI) oder Geflügelpest, ist eine hochansteckende Krankheit, die sowohl Haus- als auch Wildvögel betrifft. Der Virusstamm H5 ist dabei der am weitesten verbreitete Stamm des Vogelgrippevirus. Da es sich um eine in Deutschland anzeigepflichtige Krankheit handelt, wird sie streng überwacht. Um die Ausbreitung der Vogelgrippe einzudämmen, müssen viele Tiere gekeult werden, was erhebliche Verluste für Geflügelproduzenten und mögliche Einschränkungen im internationalen Handel nach sich zieht. Da sich das Virus ständig weiterentwickelt, sind innovative Impfstofflösungen ein wirksames Mittel, um Ausbrüche zu verhindern und zu bekämpfen. Die Entscheidung zur Impfung gegen die Vogelgrippe liegt bei den nationalen Behörden der einzelnen Länder. Internationale Organisationen wie die WOAH (World Organisation for Animal Health) empfehlen, Präventivimpfungen in Strategien zur Bekämpfung der Vogelgrippe zu integrieren.

„Grenzüberschreitende Tierseuchen wie die Vogelgrippe werden weiterhin eine Bedrohung darstellen, daher sind neue Ansätze zur Bekämpfung dieser Infektionskrankheiten bei Tieren, insbesondere bei Nutztieren, zunehmend wichtig. Boehringer Ingelheim investiert weiterhin in Forschung und Innovation und ist bereit, Regierungen, Gesundheitsbehörden und Produzenten mit Impfstoffen und Expertise in der Überwachung sowie beim Aufbau robuster Krankheitsbekämpfungspläne zu unterstützen“, sagt Armin Wiesler, Leiter des Geschäftsbereichs Tiergesundheit und Mitglied des Vorstands.

Seit 2021 hat die hochansteckende Aviäre Influenza H5 weltweit beispiellose Ausbrüche verursacht, die sich über die meisten Kontinente ausgebreitet und massive Verluste in der Geflügelhaltung zur Folge hatten. Die Ausbrüche haben neue Regionen wie Lateinamerika und sogar die Antarktis erreicht. Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend: enorme finanzielle Schäden für die Geflügelindustrie, Störungen in der Verfügbarkeit von Eiern und Geflügelfleisch sowie Handelsbeschränkungen.

DIVA-Impfstoffe ergänzen Biosicherheits- und Überwachungsmaßnahmen
Die neuen Impfstoffe sind sogenannte DIVA-Impfstoffe (Differentiate Infected from Vaccinated Animals), die eine wichtige Rolle bei der Überwachung von Krankheitsausbrüchen spielen können. Sie verfügen über einen Biomarker, der die Immunantwort auf die Impfung von Antikörpern von jenen abgrenzt, die durch eine Infektion verursacht werden. In Kombination mit Überwachungsmaßnahmen sind sie entscheidend, um das Risiko von Handelsbeschränkungen zu verringern, da sie es Exporteuren und Importeuren ermöglichen, zwischen geimpften und infizierten Tieren zu unterscheiden und so Vertrauen in die Sicherheit der gehandelten Tierprodukte zu schaffen.

Exportbeschränkungen, die derzeit in verschiedenen Ländern gelten, erschweren den freien Handel trotz des Einsatzes von DIVA-Impfstoffen. Boehringer Ingelheim bittet die Politik auf nationaler und internationaler Ebene, Exportbeschränkungen zu überprüfen und anzupassen, sodass der Einsatz von DIVA-Impfstoffen als wirksames Instrument zur Krankheitsbekämpfung anerkannt wird, ohne den internationalen Handel unnötig zu beeinträchtigen.

„Indem wir kontinuierlich die Wirksamkeit unserer Impfstoffe überwachen und unsere Technologien weiterentwickeln, stellen wir den richtigen Schutz gegen das sich weiterentwickelnde Vogelgrippevirus sicher. Die DIVA-Funktion ermöglicht es unseren Abnehmern, ihre Überwachungsprogramme umzusetzen und den sicheren Handel zu unterstützen, während gleichzeitig geimpft wird“, sagt Taoufik Rawi, Head of Franchise Geflügel. „Die Zulassungen von Impfstoffen gegen Hochpathogene Aviäre Influenza ist von entscheidender Bedeutung, um die Bereitschaft zur Bekämpfung von Vogelgrippeausbrüchen in Europa zu erhöhen.“

Quellenangaben:
1) Vaxxinact H5 | European Medicines Agency (EMA), Stand: 17.12.2025
2) Vaxxitek HVT+IBD+H5 | European Medicines Agency (EMA), Stand: 17.12.2025

Quelle: Boehringer Ingelheim

Studie: Schwanzbeißen im Fokus

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Schwanzbeißen ist ein anhaltendes Wohlstandsproblem bei Mastschweinen. Die Identifizierung von Schweinen, die mit dem Schwanzbeißen beginnen, und das Verständnis der auslösenden Faktoren bleiben eine Herausforderung. Diese Studie* hatte das Ziel, Schwanzbeißer zu identifizieren und zu charakterisieren sowie das Wachstum, Schwanzverletzungen und das Schwanzbeißen zwischen Schwanzbeißern und Nicht-Schwanzbeißern zu vergleichen.

Es wurden 432 Schweine mit intakten Schwänzen im Alter von 9 Wochen in kleine (9 Schweine/Abteil) oder große (18 Schweine/Abteil) Gruppen eingeteilt. Sie blieben dort bis zum Schlachtgewicht mit 23 Wochen im selben Abteil. Die Wachstumsleistung wurde über einen Zeitraum von 14 Wochen gemessen. Schwanzverletzungen wurden wöchentlich bei allen Schweinen mit einer Skala von 0-4 bewertet (0 = keine Verletzung; 1 = verheilte Verletzung; 2 = sichtbares Blut; 3 = Wunden oder Abszesse; und 4 = Schwanzverlust). Die höchste Bewertung, die jedes Schwein während des Studienzeitraums erhielt, wurde als „Maximale Schwanzbewertung“ (Maximal Tail Score, MTS) definiert. Ein „Schwanzbeißausbruch“ (Tail-Biting Outbreak, TBO) wurde bestätigt, wenn ein Schwein in einem kleinen Abteil oder zwei Schweine in einem großen Abteil eine Bewertung von ≥ 2 erreichten.

Das Verhalten der Schweine wurde über 14 Wochen hinweg kontinuierlich mit dem NUtrack Livestock Monitoring System aufgezeichnet. Das NUtrack-System wurde an der University of Nebraska – Lincoln durch die Zusammenarbeit von Forschern des Fachbereichs Tierwissenschaften und des Fachbereichs Elektrotechnik und Informationstechnik entwickelt. Es ist eine computergestützte Form der Präzisions-Tierhaltungstechnologie, die in der Lage ist, in Gruppen gehaltene Nutztiere genau zu identifizieren, die Identifizierung aufrechtzuerhalten und deren Verhalten kontinuierlich zu verfolgen.

Videos von 08:00 bis 15:00 Uhr am Tag vor dem ersten TBO in jedem Abteil wurden manuell angesehen, um die Identität und das Geschlecht der Schwanzbeißer sowie der von ihnen gebissenen Schweine zu erfassen. Die Schwanzbisse pro Schwein, die Gesamtzahl der Schwanzbisse pro Abteil und die Schwanzbisse pro Schwein als Prozentsatz der Gesamtzahl der Schwanzbisse im Abteil wurden mittels ANOVA (Varianzanalyse) zusammengefasst.

Die 25 % der Schweine mit den meisten Schwanzbissen (# TB) und dem höchsten Anteil an Schwanzbissen (% Gesamt TB) wurden in jeder Gruppengröße als Schwanzbeißer klassifiziert. In kleinen Buchten führten Schwanzbeißer mindestens sechs Schwanzbisse aus und trugen zu mindestens 20,0 % aller Schwanzbisse in der Bucht bei, während Schwanzbeißer in großen Buchten für mindestens vier Schwanzbisse verantwortlich waren und mindestens 10,6 % aller Schwanzbisse in der Bucht ausmachten.

Die Anfangsgewichte unterschieden sich nicht zwischen Beißern und Nicht-Beißern; Beißer hatten jedoch ein geringeres Endgewicht (P = 0,03) und eine niedrigere durchschnittliche tägliche Zunahme (P = 0,02) als Nicht-Beißer. Bei den Beißern handelte es sich überwiegend um Jungsauen, die 70 % der Gruppe ausmachten. Im Durchschnitt wurden Beißer seltener in den Schwanz gebissen als Nicht-Beißer (P = 0,0001). Es wurde kein Unterschied in der maximalen Schwanzbewertung (MTS) zwischen Beißern und Nicht-Beißern festgestellt.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schwanzbeißer überwiegend Jungsauen waren, eine geringere tägliche Zunahme und ein niedrigeres Endgewicht aufwiesen und seltener Schwanzbisse erlitten als Nicht-Beißer.

*Studie:
Archer, C. A., Forster, S. L., Mote, B. E., Schmidt, T. B., Johnston, L. J., & Li, Y. Z. (2025). Identifying tail-biting pigs in small and large groups of growing-finishing pigs with intact tails. Journal of Animal Science, 103, Supplement 1, Abstract 40. Doi: 10.1093/jas/skaf102.005.
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Studie: Hat Nabeldesinfektion Auswirkungen auf die Gesundheit neugeborener Kälber?

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Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die fehlende Desinfektion der Nabelschnur neugeborener Kälber zu Nabelinfektionen beitragen und potenziell zu Folgeerkrankungen wie Atemwegserkrankungen und Durchfall führen kann.

Diese Pilotstudie* hatte zum Ziel: 1) die Verbreitung der Nabeldesinfektionspraktiken bei neugeborenen Fleischrindkälbern in Kanada zu untersuchen und 2) die Auswirkungen von zwei Nabelbehandlungsmethoden auf Morbidität und sichtbare klinische Ergebnisse zu bewerten, bei denen entweder der Nabel in eine 7%-Jodtinktur getaucht oder mit dieser besprüht wurde. Die Morbidität bezeichnet die Krankheitshäufigkeit in einer Gruppe innerhalb eines bestimmten Zeitraums.

Eine Online-Umfrage wurde über soziale Medien und bei einer Veranstaltung der Fleischrinderindustrie in Alberta im März 2025 verbreitet. Die Morbiditätsdaten von 85 männlichen und weiblichen Angus-Kreuzungskälbern (n = 42–43 pro Behandlung) aus einer Herde in Olds, Alberta, Kanada, wurden bis zum Alter von 40 Tagen erfasst. Eine Teilstichprobe (n = 26 pro Behandlung) wurde innerhalb der ersten 15 Stunden nach der Geburt (Baseline) und anschließend wöchentlich bis zum 28. Lebenstag anhand visueller klinischer Parameter untersucht.

Nach dem Kalben wurden die Mutterkühe mit ihren Kälbern in Außenboxen mit Unterstand, Stroheinstreu und freiem Zugang zu Wasser und Futter untergebracht. Folgende klinische Parameter wurden anhand einer vierstufigen Skala in aufsteigender Reihenfolge des Schweregrades bewertet: Nasen- und Augenausfluss, Husten, Kotkonsistenz und Nabelvergrößerung. Der Zustand der Nabelschnur wurde anhand einer dreistufigen Skala beurteilt, wobei 0 bedeutete, dass die Nabelschnur abgefallen war, 1 Anzeichen von Austrocknung und 2 feuchtes Gewebe anzeigte.

Von den insgesamt 39 Befragten der Umfrage stammten die meisten aus Alberta (36 %) und Ontario (36 %), gefolgt von Manitoba (26 %) und Saskatchewan (3 %). Die Mehrheit (79 %) waren kommerzielle Erzeuger, 8 % hielten reinrassige Tiere und 13 % hielten beide Rassen. Die Kalbeorte variierten: 36 % nutzten Ställe, 36 % Weidehaltung und 23 % Außenboxen oder Mastbetriebe, während die restlichen 5 % der Erzeuger zwischen Stallhaltung und Freilandhaltung wechselten.

Insgesamt behandelten 36 % der Landwirte die Nabel ihrer Kühe, 41 % nicht und 23 % nur gelegentlich. Von denjenigen, die behandelten (23 von 39), verwendeten 52 % 10%ige Jodtinktur, 26 % 7%iges Jod, während die übrigen Jodophor-haltige Produkte (8 %), Povidon-Jod (4 %) oder gar keine Behandlung (8 %) anwendeten. Der Behandlungszeitpunkt variierte: 32 % behandelten innerhalb einer Stunde nach dem Kalben, weitere 32 % zwischen 1 und 6 Stunden, 27 % zwischen 6 und 24 Stunden und die übrigen Landwirte erst mehr als zwei Tage nach dem Kalben. 51 % der Landwirte berichteten von Nabelinfektionen in ihren Herden, während 49 % keinen Fall beobachtet hatten. Insgesamt wurden 40 Krankheitsfälle festgestellt, davon 14 % Lungenentzündung, 18 % Nabelinfektion und 1 % Durchfall. Es wurden jedoch keine Unterschiede hinsichtlich Morbidität oder visueller klinischer Parameter beobachtet. Es zeigte sich eine Variabilität in den Nabeldesinfektionspraktiken kanadischer Rinderzüchter, jedoch ist weitere Forschung erforderlich, um die Wirksamkeit verschiedener Desinfektionsmethoden auf die Gesundheitsergebnisse zu bewerten.

Studie*:
Abbey Kramer et al. (2025): Evaluating navel disinfection practices and health outcomes in newborn beef calves in Canada: A pilot-study. Journal of Animal Science, Volume 103, Issue Supplement_3, October 2025, Pages 332–333
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Webinar: „Genetik in der Rinderzucht – Bedeutung für Gesundheit und Fruchtbarkeit“

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Das nächste Webinar des Schweizer Rindergesundheitsdienstes findet am 7. Januar 2026 statt: „Genetik in der Rinderzucht – Bedeutung für Gesundheit und Fruchtbarkeit“ und die Schweizer freuen sich bestimmt auch über deutsche Teilnehmer.

Programm
19.30 – 20.00
Franz Seefried, Genetiker, Qualitas
Fruchtbarkeit beim Rind, die Rolle der Genetik

20.00 – 20:30
Cord Drögemüller, Professor für Nutztiergenetik, Universität Bern
Genetisch bedingte Störungen beim Milchvieh

20:30 – 21.00
Sarah Widmer, Genetikerin, Qualitas
Zuchtwertschätzung Gesundheitsmerkmale mit Fokus auf neue Zuchtwerte Klauengesundheit

21:00 – 21.30
Simon Schlebusch, Agronom ETH, Braunvieh Schweiz
Fitness im Fokus: Ein Zuchtprogramm für langlebige und gesunde Kühe

Die Anmedlung, teilt der RGS mit, ist bis 17:00 am 7. 1.möglich. Die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Informationen zu Veranstaltung und Anmeldung finden Sie hier.

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 6/2025 erschienen!

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„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 6/2025 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

• Neuer Ansatz zum Trockenstellen – Den Milchfluss schneller stoppen

• Schaumann Quattro: Ergänzungsfuttermittel mit Schutz gegen ein breites Erregerspektrum

• X-Dry 8000 – Die ideale Milchfieberprophylaxe für Milchkühe

• Studie: Hat Nabeldesinfektion Auswirkungen auf die Gesundheit neugeborener Kälber?

• DeLaval: Milchzellenanalyse für Melkroboter

• Lallemand: Einstreuen gegen Keimdruck

• Faser: Ein Multitool in der Rationsgestaltung für Schweine

• BioTag+: Die intelligente Ohrmarke für Sauen mit integriertem Temperatur- und Bewegungssensor

• WEDA Opti.Fill: Der Portionszähler für Abrufstation

• Studie: Schwanzbeißen im Fokus

• Poultrystart 3.0 – das unterschätzte Potenzial von Wassermanagement in der Kükenphase

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