Wie geht es weiter mit der Antibiotika-Reduktion?

Seit Beginn des Antibiotika-Monitorings in der Tiermedizin, wurde die Gesamtmenge verkaufter Antibiotika um etwa 50% gesenkt. Ein Erfolg, auf den wir in der Humanmedizin noch warten. Aber: lässt sich der Antibiotika-Einsatz noch weiter senken oder werden die Mengen in Zukunft in etwa gleich bleiben? Dieser Frage geht der neueste Podcast von „Radio Randwirtschaft“ nach und fördert – zumindest für Laien – überraschende Erkenntnisse zutage.

Dr. Michael Schmaußer, Rinderpraktiker aus Freising in Obernbayern, hält eine merkliche Reduktion in der Kälbermast für möglich. Vorausgesetzt, die Tiere würden bereits im Herkunftsbetrieb geimpft und könnten so einen wirksamen Schutz aufbauen, bevor sie mit fremden Artgenossen abtransportiert und als Fresser eingestallt werden. Für diese frühestmögliche Impfung fehle aber heute noch die gesetzliche Grundlage.

Auch beim Milchvieh, dessen Halter noch nicht am Monitoring teilnehmen, sieht der Fachtierarzt für Rinder durchaus Möglichkeiten, neuere Wirkstoffe etwa durch Penicillin zu ersetzen. In seiner Praxis hat er damit bereits Erfolg und auch die Landwirte seien bereit, eine um vier Tage längere Wartezeit in Kauf zu nehmen, wenn z. B. eine Dermatitis digitalis behandelt werden muss.

Das Problem stellt sich dabei an ganz anderer Stelle: die Menge an Penicillin, die für den  regelmäßigen Ersatz nötig wäre, ist am Markt gar nicht verfügbar! Die Notwendigkeit sogenannte „Reserveantibiotika“ einzusetzen, sieht Michael Schmaußer beim Milchvieh nur in Ausnahmefällen, in der Rindermast fehlten allerdings schlicht die Alternativen.

Dr. Maria Gellermann, Projektleiterin bei „aniplus“ und Fachtierärztin für Schweine, sieht sowohl Chancen für eine weitere Reduktion, als auch Faktoren, die dem entgegenwirken. Von differenzierten Impfstrategien bis zum schlichten Rückgang der Bestandszahlen auf der einen und dem vermehrten Bau von Außenklimaställen auf der anderen Seite, weil diese z. B. den Eintrag von Salmonellen und Leptospiren begünstigten.

Den Einsatz von Penicillin beim Schwein, speziell in der Mast, hält die Tierärztin für illusorisch, gelten für den Wirkstoff doch 50 bis 70 Tage Wartezeit. Wie ihr bayerischer Kollege, verweist auch sie auf die mangelhafte Verfügbarkeit verschiedener Wirkstoffe. Die gleichfalls zu den „alten“ Wirkstoffen zählenden Sulfonamid-Trimethoprime würden wiederum unter Umweltgesichtspunkten sehr negativ beurteilt. Ein Verbot von Colistin für die Tiermedizin schließlich, würde in vielen Fällen zwingend zum Einsatz von Fluorchinolonen führen – was aber kaum im Sinne des Erfinders sein dürfte.

Insgesamt plädiert die aniplus-Expertin für den Erhalt einer möglichst breiten Wirkstoff-Palette und auch deren flächendeckende Verfügbarkeit. Vor allem aber müssten Zielkonflikte zwischen Tierwohl, Umweltschutz und Antibiotika-Minimierung angesprochen und diskutiert werden.

Hier geht es zum vollständigen Podcast.

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