PRRS: Blutprobe weiterhin Goldstandard in der Frühdiagnostik

Von Dr. Heike Engels

Das Porzine Reproduktive und Respiratorische Syndrom, kurz PRRS, ist trotz aller Bemühungen in der Vorbeugung noch immer eine sehr häufige Erkrankung in Schweinebeständen weltweit. Anzustreben ist für den Bestand der Status „PRRS-unverdächtig“, was mit umfangreichen Monitoringprogrammen regelmäßig nachzuweisen ist. Die dazu notwendigen Untersuchungen stellen immer einen Kompromiss zwischen einer statistisch anzustrebenden Stichprobengröße und einem realisier- und finanzierbarem Aufwand für die Diagnostik dar.

In Zuchtbetrieben mit hohem Gesundheitsstatus werden Schweine häufig mit einer Blutprobenentnahme beprobt, um eine Infektion mit PRRS nachzuweisen. Diese Probennahme ist aufwändig und hat eine Relevanz für den Tierschutz, da die Schweine für die Beprobung fixiert werden müssen. Größere Schweine (etwa ab 25 kg Gewicht) werden mit der Oberkieferschlinge fixiert und dabei Kopf und Hals nach oben gestreckt. So kann über die Vene am Hals das Blut abgenommen werden. Um diese Prozedur nicht mehr so häufig durchführen zu müssen, sind weniger invasive Methoden erforderlich. Allerdings müssen diese Alternativen in Bezug auf die Sensitivität der Serumprobe ebenbürtig sein, weil der frühe PRRS-Nachweis für die Verhinderung einer weiteren Virusausbreitung extrem wichtig ist.

Dr. Philipp Könighoff und Kollegen von der Außenstelle für Epidemiologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover in Bakum nahmen sich daher in einer Studie* dieser Thematik an. Die Wissenschaftler untersuchten Blut- und Speicheltupfer sowie Kaustrick- und Serumproben von 19 Jungsauen zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach intramuskulärer bzw. intranasaler Impfung mit PRRSV-1 oder -2 mittels PCR. Impfung deshalb, weil die Impfviren der Lebendvakzine eine Feldinfektion simulieren, da sie weiterhin die Fähigkeit zur Vermehrung besitzen. Die Tupfer wurden mit Speichel von der Maulschleimhaut bzw. nach einem oberflächlichen Nadelstich mit Ohrvenenblut benetzt. Zur Serumgewinnung erfolgte eine Punktion der Vena jugularis externa. Die Kaustricke wurden auf Kopfhöhe der Jungsauen für 30 Minuten in die Bucht gehängt.

Alle Tiere waren zum Zeitpunkt der Impfung (Beprobungszeitpunkt =) PRRS-negativ. Die ersten Virusnachweise gelangen 12 Stunden nach der Impfung im Serum. Ab Tag 4 nach der Impfung waren alle Tiere virämisch, zeigten also Viren im Blut. Die ersten Nachweise im GenoTube®-Bluttupfer gelangen 36 Stunden nach der Impfung. Die Untersuchung der eSwabs®-Bluttupfer ergab im gesamten Zeitraum nur einen einzigen Virusnachweis. Im Speichel konnte an Tag 5 nach der Impfung Virus-RNA nachgewiesen werden.

Die Studie zeigt, dass Serumproben aus der Vena jugularis weiterhin der Goldstandard sind. Die Nachweisraten liegen höher als in den alternativen Probenmedien. Da Entnahme und Verarbeitung der alternativen Probenmaterialien allerdings deutliche Vorteile bieten, sollte versucht werden, diese Verfahren weiter zu verbessern. Mit Kaustricken gewonnene Speichelpoolproben sind durch ihre einfache und tierfreundliche Handhabung eine sinnvolle Ergänzung des PRRSV-Monitorings, schlussfolgern die Forscher. Für die Frühdetektion seien sie allerdings nicht geeignet. Die verwendete Methode mit eSwab®-Bluttupfern war entgegen der Ergebnisse anderer Studien nicht erfolgreich und sollte deshalb insgesamt nochmals untersucht werden.

*Studie: Könighoff, Philipp et al.: Vergleich von Probenmaterialien zur Früherkennung einer Infektion mit dem Virus des Porzinen Reproduktiven und Respiratorischen Syndroms. Tierärztliche Praxis Großtiere Nutztiere 2021; 49: 112-119

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