Kokzidiose bei Geflügel: Ursachen, Folgen und Behandlung der Erkrankung (AdA)

Ramelsloher Huhn

Aus dem Archiv (AdA 2/2025) und immer noch aktuell

Kokzidiosen verursachen pro Jahr weltweit Verluste von mehr als 10 Mrd. Pfund Sterling (€ 11,7 Mrd.). Die Krankheit ist bei Hühnern nicht saisonabhängig, betrifft alle Altersgruppen und die Mortalitätsrate kann bei infizierten Küken bis zu 80 % betragen. Es gibt 7 bekannte Eimeria-Arten und 3 neu entdeckte Arten, die als eigenständige Parasiten klassifiziert wurden. Akute Symptome umfassen Depression, Anämie und blutige Durchfälle, während chronische Symptome das Wachstum und die Eierproduktion beeinträchtigen. Sekundärinfektionen mit Clostridium perfringens und Escherichia coli sind häufig und können die Gesundheit der Vögel zusätzlich beeinträchtigen. Außerdem können Kokzidiosen durch andere Viren wie Reovirus und Mareksche Krankheit verstärkt werden.

Kokzidiose bei Geflügel: Herausforderungen und Lösungen
Eine Übersichtsstudie*beschäftigt sich mit dem aktuellen Wissensstand rund um die Kokzidiose bei Geflügel. Die aktuell verfügbaren Lebendimpfstoffe können die Futterverwertung junger Broiler negativ beeinflussen und subklinische Symptome hervorrufen. Der Lebenszyklus von Eimeria umfasst mehrere Generationen von Schizogonie (ungeschlechtliche, asexuelle Teilungsform) und eine Generation von Gametogonie (Fortpflanzung durch Bildung und paarweise Verschmelzung von Gameten/Keimzellen), gefolgt von Sporogonie (Erzeugung von Sporen als ungeschlechtliche Phase im Verlauf eines Generationswechsels). Der Fokus auf den Sporogonie-Prozess könnte eine vielversprechende Strategie zur Bekämpfung von Kokzidiosen darstellen.

Lebenszyklus von Eimeria bei Geflügel
Die Phase der Schizogonie erfolgt durch 3-4 Teilungen und produziert erste Generation von Merozoiten, die 2-3 Tage nach der Infektion freigesetzt werden. Merozoiten verursachen schwere Schäden im Darm, indem sie Epithelzellen zerstören und die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen. Die anschließende Gametogonie führt zur Bildung von Mikro- und Makrogameten, die Zygoten bilden, die dann zu Oozysten reifen.

Die Sporogonie findet dann außerhalb des Wirts statt, wobei Oozysten unter optimalen Bedingungen innerhalb von 48 Stunden zu über 90 % sporulieren. Oozysten sind bei 40°C nicht mehr sporulationsfähig und werden bei 66°C abgetötet. Die Verwendung von Insektiziden und die Kontrolle der Umgebungstemperatur können die Verbreitung von Kokzidiosen erheblich reduzieren. Die Störung des Sporulationsprozesses von Eimeria-Oozysten ist entscheidend für die effektive Prävention und Kontrolle der Krankheit.

Ionophore-Antibiotika und ihre Alternativen
Ionophore-Antibiotika wie Salinomycin und Doramectin, welche die Ionendurchlässigkeit durch Zellmembranen erhöhen, sind effektiv gegen Kokzidien, zeigen jedoch langsam Resistenzen. Synthetika wie Triazine und Sulfonamide hemmen die Entwicklung von Kokzidien, wobei Nicarbazin und Sulfaquinoxaline häufig verwendet werden.

Die Resistenz von Eimeria-Stämmen gegenüber einigen Pharmazeutika stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Geflügelindustrie dar. Neuere Entwicklungen umfassen Nano-Zinkoxid und Chlordioxid, die vielversprechenden Ergebnisse gegen Kokzidien zeigen. Halofuginon-Resistenzen sind mit spezifischen genetischen Mutationen verbunden, was neue Forschungsansätze zur Resistenzmechanik eröffnet.

Die traditionelle chinesische Medizin bietet alternative Behandlungsansätze, die die Immunität von Küken stärken und die Krankheitslast reduzieren können. Die Kombination von chemischen und traditionellen Ansätzen könnte die Wirksamkeit der Behandlung von Kokzidien verbessern.

Forschung zu Kokzidiose und Desinfektionsmitteln
Die Studie behandelt die Regulierung von Sporogonie, Desinfektionsmitteln gegen Kokzidien-Oozysten und natürliche Produkte zur Bekämpfung. Die APETALA2 (AP2) Familie spielt eine Schlüsselrolle in der Regulierung der Sporogonie bei Apicomplexan-Parasiten. 53 AP2-Proteine wurden im Eimeria-Genom identifiziert, wobei ETH2_0411800 möglicherweise keine signifikante Rolle in der Entwicklung spielt. 8 % Ammoniak zeigte die beste Wirkung gegen Kokzidien-Oozysten, gefolgt von NaOH und Peressigsäure. Chlordioxid hat starke Adsorptions- und Penetrationsfähigkeiten und wirkt effektiv gegen Mikroben. Essentielle Öle wie von Artemisia (Beifuß) und Thymian haben nachweislich oozystentötende Eigenschaften. Studien zeigen, dass Extrakte von Opuntia ficus-indica (Feigenkaktus) die Sporulation von Eimeria-Oozysten effektiv hemmen können. Natürliche Produkte bieten vielversprechende Alternativen zur chemischen Bekämpfung von Kokzidien-Infektionen.

Impfstoffe gegen Kokzidiose bei Hühnern
• Lebendimpfstoffe sind entscheidend zur Vorbeugung von Kokzidiose und erfordern spezifische Eimeria-Stämme für umfassenden Schutz.
• Virulente Impfstoffe können Immunität erzeugen, bergen jedoch Risiken wie die Einführung von Wildstämmen und milden Symptomen.
• Attenuierte Impfstoffe haben reduzierte Pathogenität, bieten aber dennoch gute Immunogenität und erfordern komplexe Produktionsmethoden.
• CoxAbic ist ein Übertragungsblockierungsimpfstoff, der mütterliche Antikörper über das Ei an Nachkommen überträgt und frühe Immunität bietet.
• Multivalente Impfstoffe zeigen vielversprechende Ergebnisse, indem sie Schutz gegen mehrere Eimeria-Arten bieten und teilweise Kreuzimmunität induzieren.
• Mikronem-Proteine wie EtMIC-2 und SO7 sind vielversprechende Antigenziele für die Entwicklung neuer Impfstoffe.
• Der Einsatz von Adjuvanzien wie C3d kann die Immunogenität von Impfstoffen erhöhen und die Immunantwort beschleunigen.
• Zukünftige Forschungen sollten sich auf die Verbesserung der Produktionsmethoden und die Entdeckung neuer Antigene konzentrieren.

*Studie: Dan Zhao et al. (2024): „Innovative prevention and control of coccidiosis: targeting sporogony for new control agent development“, Poultry Science 103

Link zur Original-Studie

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