Nutztiermedizin sichtbar machen: LAND.SCHAFFT.WERTE. e. V. und WFG rücken Tiergesundheit als Fundament der Lebensmittelsicherheit in den Fokus

Mit Interviews, Fachbeiträgen und Social-Media-Formaten machen LAND.SCHAFFT.WERTE. e. V. und der WFG – Wirtschaftsverband Freier Großtierärzte GmbH (WFG) die Arbeit von Nutztierärztinnen und Nutztierärzten für eine breite Öffentlichkeit sichtbar. Der WFG verbindet die Kampagne mit einer klaren berufspolitischen Botschaft: Ohne ausreichenden Nachwuchs und ohne verlässliche Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln lässt sich die flächendeckende tierärztliche Betreuung der Bestände – und damit ein Grundpfeiler der Lebensmittelsicherheit – nicht dauerhaft sichern.

Seit Juni 2026 sind im Rahmen der Kooperation mehrere Inhalte erschienen: ein Grundlagenbeitrag zum Zusammenhang von Tiermedizin, Biosicherheit und Lebensmittelsicherheit, zwei Interviews mit WFG-Vertretern sowie Bewegtbild- und Social-Media-Formate, die den Weg vom Stall bis ins Supermarktregal nachzeichnen. Adressiert sind damit bewusst Verbraucherinnen und Verbraucher. „Innerhalb der Agrar- und Ernährungsbranche werden wir Nutztierärzte als kompetente Partner wahrgenommen. Beim Endverbraucher ist unsere Schlüsselrolle zwischen Stall und Supermarkt dagegen kaum bekannt“, sagt PD Dr. Andreas Palzer, Präsident des WFG. „Wer einen Berufsstand gesellschaftlich nicht sieht, dem fehlt am Ende auch der Nachwuchs. Kommunikation ist für uns deshalb keine Kür, sondern Berufspolitik.“

Im Mittelpunkt steht der Alltag der Bestandsbetreuung, und der heißt Prävention statt Therapie. Impfkonzepte, Biosicherheit, Stallklima- und Fütterungsberatung, kontinuierliches Monitoring und eine lückenlose Dokumentation von Behandlungen und Wartezeiten. Wie wirksam das ist, belegen die Zahlen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Die Abgabemenge an Antibiotika in der deutschen Tiermedizin ist seit 2011 um rund 70 Prozent zurückgegangen. Für den Verbraucher bedeutet das ein geringeres Risiko für die Selektion resistenter Keime. Das ist One Health in der Praxis.

WFG-Geschäftsführer Dr. Stefan von Rüden

Strukturelle Risiken werden zu selten diskutiert
Gleichzeitig weist der WFG auf Entwicklungen hin, die diese Struktur unter Druck setzen. Der
Nachwuchsmangel ist aus Sicht des Verbands das drängendste Thema der Nutztiermedizin: In einzelnen Regionen praktizieren kaum noch Nutztierärzte, was insbesondere die kontinuierliche, präventive Bestandsbetreuung schwächt. Hinzu kommt die Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln. Immer mehr Wirk- und Impfstoffe werden außerhalb Europas produziert, zugleich erschweren lange Zulassungsverfahren den europäischen Marktzugang. Beides führt zu Lieferengpässen. Fällt ein Impfstoff ersatzlos weg, nehmen Erkrankungen im Bestand zu, und es muss wieder mehr antibiotisch behandelt werden. Bei viralen Erregern verschärft sich das Problem. Gegen sie gibt es keine ursächliche Therapie, die Impfung ist das entscheidende Instrument. Fehlt sie, leidet das Tierwohl unmittelbar. Der WFG fordert deshalb, die Versorgungssicherheit mit Tierarzneimitteln als Teil der staatlichen Krisenvorsorge zu begreifen und die Nutztiermedizin verlässlich der kritischen Infrastruktur zuzuordnen.

„Sichere Lebensmittel sind in Deutschland für viele eine Selbstverständlichkeit, aber sie sind kein Zufall“, betont Dr. Stefan von Rüden, Geschäftsführer des WFG. „Hinter jedem Stück Fleisch und jeder Packung Milch steht die tägliche Arbeit von Nutztierärztinnen und Nutztierärzten. Wir wollen, dass diese Leistung sichtbar wird – bei Verbrauchern, in der Politik und vor allem bei den jungen Kolleginnen und Kollegen, die gerade über ihren Berufsweg entscheiden.“

Materialien der Kampagne

Interview mit WFG-Präsident PD Dr. Andreas Palzer: One Health und Antibiotikareduktion

Interview mit Sebastian Mascher (WFG): Nachwuchsmangel und Berufsalltag

Grundlagenbeitrag: Gesunde Tiere, sichere Lebensmittel

Quelle: WFG