Von September bis April, den Monaten mit „r“, ist traditionell Karpfenzeit in Deutschland. Der Karpfen ist nach der Regenbogenforelle auf Platz 2 des in heimischer Aquakultur gezogenen Fischs: Im Jahr 2025 erzeugten laut Statistischem Bundesamt 1.269 Betriebe rund 4.200 Tonnen Karpfen – damit ist rund jeder vierte Fisch aus heimischer Aquakultur ein Karpfen. Doch die Teiche, als eine Form der Aquakultur, sind mehr als Produktionsflächen: Sie prägen die Landschaft und sind Teil der regionalen Kultur und Identität. Das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) der BLE trägt dazu bei, die ökologischen, genetischen, kulturellen und wirtschaftlichen Leistungen der Karpfenteichwirtschaft langfristig zu erhalten.
Grundlage für die IBV-Arbeit ist das Nationale Fachprogramm für aquatische genetische Ressourcen, das ausdrücklich die Erhaltung regionaler Karpfenstämme wie des Lausitzer oder des Aischgründer Karpfens vorsieht. Dazu lässt das IBV regionale Karpfenlinien identifizieren, genetisch charakterisieren und bewerten. Die Ergebnisse werden in der Datenbank „Nationales Inventar Aquatischer Genetischer Ressourcen“(AGRDEU-Datenbank) dokumentiert und schaffen so eine wichtige fachliche Grundlage für Fischereibehörden, Verbände und insbesondere Teichwirtschaften, um wertvolle regionale Zuchtlinien langfristig zu erhalten.
Beispiel Bayern: Kulturlandschaft mit regionaler Wertschöpfung
In Deutschland ist Bayern das Bundesland mit der größten Karpfenproduktion. Die bayerische Karpfenteichwirtschaft ist überwiegend kleinstrukturiert, viele Betriebe werden im Nebenerwerb geführt. Da die Karpfen häufig regional vermarktet werden, sind sie ein besonderes Beispiel für regionale Wertschöpfung: Rund ein Drittel der Produktion wird in der heimischen Gastronomie angeboten, weitere Mengen werden unter anderem an heimische Fischerei- und Angelvereine vermarktet, während der Rest über den Großhandel zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern gelangt.
Zugleich verbindet die traditionelle Karpfenteichwirtschaft eine naturnahe und nachhaltige Lebensmittelproduktion mit wichtigen Leistungen für Natur und Landschaft. Teichgebiete sind wertvolle Lebensräume und vielerorts Hochburgen der biologischen Vielfalt; sie bieten Rückzugsräume für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten.
Karpfen wieder mehr auf den Teller bringen
Die Karpfenteichwirtschaft und die von ihr geprägten Teichlandschaften stehen aufgrund vielfältiger Herausforderungen, wie beispielsweise dem sich verändernden Klima, steigender Kosten oder fischfressender Tierarten wie Kormoran und Otter, zunehmend unter Druck. Verbraucherinnen und Verbraucher können zu ihrem Erhalt beitragen, indem sie Karpfen wieder häufiger auf den Speiseplan setzen. Denn entgegen seinem Ruf ist Karpfen eine kulinarisch vielseitige und schmackhafte Bereicherung. Besonders frisch ist er ein Genuss und auch als Filet inzwischen im Handel erhältlich. In den traditionellen Karpfenteichregionen wie der Oberlausitz, Franken oder der Oberpfalz kann Karpfen besonders zur Abfischzeit im Herbst direkt beim Teichwirt bezogen werden. Wer nicht in einer dieser Regionen lebt, sollte beim örtlichen Fischhändler nachfragen – er hilft gerne weiter.
Mehr Informationen zum Nationalen Inventar Aquatischer Genetischer Ressourcen gibt es unter https://agrdeu.genres.de/
Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung


































