Jungtieraufzucht und Einstallungsmanagement in der Rindermast – #Biolandtagung 2026

Anlässlich der diesjährigen „Bioland Fleischrinder- und Mutterkuhtagung“ sprach Dr. Matthias Link, Tierarzt aus Varrel*, über Gesundheits-Strategien bei der Jungtieraufzucht.

Dr. Matthias Link

Diese beginne bereits im jeweiligen Herkunftsbestand mit einer fünfstufigen Impfstrategie:

• 3 bis 12 Wo. vor dem errechneten Kalbetermin sollte eine Mutterschutzimpfung gegen Rota/Corona/Coli sowie Kryptosporidien (gegebenenfalls stallspezifisch) erfolgen.

• Am ersten Lebenstag eine Kälberimpfung Corona intranasal.

• Am 5.-9. Tag BRSV/Parainfluenza, Intranasal und Mycoplasma bovis.

• An Tag 14 dann eine erste Clostridien-Impfung.

• Zwischen dem 26. und 30. Tag Impfung gegen BRSV/Parainfluenza/Mannheimia und Mycoplasma bovis

• Der Transport sollte dann frühestens zwei Tage nach der letzten Impfung erfolgen

• und schließlich an Tag 42 bis 56 die zweite Clostridien-Impfung.

Im künftigen Mastbetrieb sollte ein Quarantänestall vorbereitet werden, der möglichst abgelegen, aber gut einsehbar ist. Der Stall sollte natürlich gereinigt, desinfiziert, getrocknet und frisch eingestreut sein. Die ersten 28 Tage sollten neue Tiere dort in Quarantäne gehalten werden.

Die Kälbergruppen sollten erhalten bleiben; mindestens zur ersten Mahlzeit nur Elektrolyte getränkt, sowi Futter und Wasser angeboten werden. Während der Quarantäne ist eine intensive Tierbeobachtung geboten. Separate Stallkleidung ist ein Muss, Nachimpfungen sollten nach Bedarf erfolgen.

Für die Jungtiere bedeutet der Umzug vor allem Stress! Von der Trennung von Mutter, Heimatgruppe und Heimatstall, über Transport, Transportdauer und -klima, Umgruppierung, Milch- und Futterwechsel bis zum unbekannten Stall: all dies schwächt die Abwehr ebenso, wie der Infektionsdruck fremder Tiere – vor allem für Infekte der Atemwege und Verdauung sind sie anfällig. Reduzierte Futter- und Wasseraufnahme kommt hinzu und möglicherweise auch Verhaltensstörungen (Zungenrollen, Urintrinken, Apathie).

In der Jungtieraufzucht gibt es zahlreiche Risiken: Vielfache Herkünfte kleiner Partien,
zu junge Tiere mit unreifer Abwehr, die uneinheitliche Aufzucht in Herkunftsbeständen,
Transportpausen in Sammelstellen mit mehreren Umgruppierungen und schließlich lange Transportzeiten. Die Folgen sind „Crowding Diseases“ wie Lungeninfektionen, Kälberdurchfall und Parasiten.

Dem kann man allerdings durch eine optimierte Vorbereitung entgegenwirken. Dazu gehören möglichst wenige und feste Lieferbeziehungen und die Vereinbarung eines Aufzuchtprotokolls inklusive ad libitum Tränkeplan. Eine frühzeitige Klein-Gruppenhaltung in Duo-Hütten, Aussenklimaaufzucht sowie Wasser- und Futterangebot ab dem 7. Lebenstag gehören dazu, ebenso wie ein geeignetes Impfkonzept.

Kälber sollten möglichst älter als 28 Tage und vorgruppiert abgegeben werden. Kurze, direkte Transporte ohne Zwischenstation und Umgruppierungen sind wichtig. Transportgruppen sollten nicht gemischt werden. Gereinigte und desinfizierte Transportfahrzeuge sind eine Selbstverständlichkeit.

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