Weltweit werden jährlich ca. 6,5 Milliarden männliche Küken aus Legelinien nach dem Schlüpfen getötet. Mazeration ist dabei nur bedingt tierschutzgerecht und die Alternative CO2-Begasung wirkt aversiv. Bei der Anwendung der In-ovo- Geschlechtsbestimmung, können männliche Embryonen noch vor dem Schlüpfen getötet werden. Die heute marktreifen Verfahren können das Geschlecht zwischen dem 11. und 15. Bebrütungstag (BT 11–15) mit einer Genauigkeit von über 95 % bestimmen.
Allerdings müssen die Embryonen getötet werden, bevor Nozizeption (*) und Schmerzwahrnehmung möglich sind, und die Technologien müssen in großem Maßstab durchführbar sein. Eine neue Studie kanadischer Forscher untersuchte den Beginn der Nozizeption und Schmerzwahrnehmung bei Hühnerembryonen.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich zwar Nervenenden und Rückenmarksbahnen früh entwickeln, eine koordinierte nozizeptive Verarbeitung jedoch erst ab etwa BT 16 auftritt. Elektroenzephalogramme zeigten vor BT 13 keine signifikante Gehirnaktivität; Muster, die denen geschlüpfter Küken ähneln, traten erst zwischen dem 15. und 17. Bebrütungstag auf.
Gliedmaßen- oder Schnabelbewegungen eignen sich kaum als Indikatoren, da sie häufig einer Beteiligung höherer Gehirnzentren vorausgingen, schreiben die Forscher. Herz-Kreislauf-Reaktionen dagegen könnten verlässlichere Hinweise liefern. Signifikante Veränderungen des mittleren arteriellen Blutdrucks und der Herzfrequenz als Reaktion auf einen noxischen Reiz traten ab BT 16 beziehungsweise BT 17 auf und ließen sich an BT 18 durch Lokalanästhesie aufheben. Dies deute darauf hin, dass es sich zu diesem Zeitpunkt um nozizeptive Reaktionen handelte und nicht um embryonale Bewegungen oder autonome Reflexe.
Zusammengenommen legen die Ergebnisse nahe, dass die Nozizeption beim Embryo etwa ab BT 16–17 einsetzt. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass eine Tötung bis BT 16 wahrscheinlich Nozizeption vermeidet und gleichzeitig Flexibilität bei der zeitlichen Planung sowie eine breite Anwendung aktueller In-ovo-Geschlechtsbestimmungsverfahren ermöglicht.
(*) Nozizeption: Aufnahme, Weiterleitung und Verarbeitung von schmerzauslösenden (noxischen) Reizen im Nervensystem
Petrik & Petrik (2026) Onset of nociception and pain perception in chicken embryos – a review
Link zur Original-Studie
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