Junge Forschende entwickeln Ideen für die Landwirtschaft von morgen

Sechs junge Nachwuchstalente wurden in diesem Jahr mit dem trafo:nachwuchspreis ausgezeichnet. Mit ihren Arbeiten leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Foto: trafo:agrar

Sechs Nachwuchstalente wurden vom Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen (trafo:agrar) für ihren Beitrag zur zukunftsfähigen Agrar- und Ernährungswirtschaft ausgezeichnet

Was passiert, wenn auf einem Tierhaltungsbetrieb über längere Zeit der Strom ausfällt? Wie lässt sich der Einsatz von Antibiotika reduzieren? Und wie können Pflanzen frühzeitig erkennen lassen, dass ihnen Wasser fehlt? Mit ganz unterschiedlichen Fragen wie diesen beschäftigen sich sechs Nachwuchstalente aus Niedersachsen. Für ihre Arbeiten wurden sie am 24. September im Rahmen der Fachtagung „Vorsorgen statt reagieren: Wege zur Ernährungssicherheit in Niedersachsen“ an der Universität Vechta mit dem „trafo:nachwuchspreis 2026“ ausgezeichnet.

Der Preis richtet sich an die junge Generation aus Wissenschaft und Praxis, die mit ihren Abschlussarbeiten oder Arbeitsprojekten neue Impulse für die Agrar- und Ernährungswirtschaft setzen. Ausgezeichnet werden innovative Konzepte, praxisnahe Lösungen, neue Technologien und kreative Ansätze.

Gestiftet wurden die Preise in diesem Jahr von der EW GROUP mit 3.000 Euro, MIAVIT mit 2.000 Euro, der Goldschmaus Gruppe mit 1.000 Euro sowie der Stiftung Gewässerschutz mit 2.500 Euro und 1.000 Euro und trafo:agrar mit 500 €.

Von der Forschung in die Praxis
Den Auftakt der Verleihung bildete das Grußwort von Gerhard Schwetje, Kammerdirektor der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Er betonte die Bedeutung junger Talente für die Weiterentwicklung der Agrar- und Ernährungswirtschaft:

„Die Fragen, vor denen die Landwirtschaft heute steht, sind komplex. Umso wichtiger sind junge Talente, die neue Perspektiven eröffnen und bestehende Ansätze hinterfragen. Der tra-fo:nachwuchspreis macht die Ideen des Nachwuchses sichtbar und würdigt ihren Beitrag zur Weiterentwicklung der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Als Landwirtschaftskammer ist es uns ein besonderes Anliegen, den Nachwuchs zu fördern und neue Erkenntnisse für landwirtschaftliche Betriebe nutzbar zu machen.“

Daran knüpfte Prof. Dr. Paula Bögel von der Universität Vechta mit ihrem Vortrag an. Im Mittel-punkt stand die Frage, wie junge Akteurinnen und Akteure mit etablierten Unternehmen und Einrichtungen ins Gespräch kommen und ihre Ideen in bestehende Strukturen einbringen können. „Frische Ideen verändern Strukturen nicht von allein. Damit junge Change Agents mit ihren Ideen von der Nische ins Regime gelangen, braucht es sogenannte Boundary Spanner sowie langfristige, belastbare Strukturen. Diese ermöglichen es, Ideen aus der Nische in etablierte Unternehmen, die Verwaltung und andere Institutionen zu tragen“, so Prof. Dr. Paula Bögel. Damit richtete sich der Blick von der Entwicklung neuer Ansätze auf deren Weg in die Praxis – eine zentrale Voraussetzung für die erfolgreiche Gestaltung einer zukunftsfähigen Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Sechs Arbeiten – sechs Antworten auf aktuelle Herausforderungen der Landwirtschaft

Wie vielfältig die Themen des Nachwuchses sind, wurde bei der Präsentation der ausgezeichneten Arbeiten im Pecha-Kucha-Format deutlich. In kurzen Beiträgen stellten die Preisträgerinnen und Preisträger ihre Forschung vor – von der Krisenvorsorge in der Tierhaltung über Antibiotikareduktion und Lebensmittelhygiene bis hin zu Boden, Wasser und dem Umgang mit den eigenen Ressourcen im landwirtschaftlichen Alltag.

Was tun, wenn im Stall der Strom ausfällt? Mit dieser Frage beschäftigt sich Emilia Wallbaum. Sie untersuchte die Resilienz von Tierhaltungsbetrieben bei längeren Stromausfällen und entwickelte einen Resilienzindex. Dieser macht sichtbar, in welchen Bereichen Betriebe besonders vorsorgen müssen – etwa bei der Wasserversorgung. Damit kann die Arbeit dazu beitragen, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und die Vorbereitung auf Krisensituationen zu verbessern.

Wie lässt sich Antibiotikaeinsatz bei der künstlichen Besamung reduzieren? Dieser Frage ging Florian Reckinger in seiner Forschung zur antibiotikafreien Lagerung von Ebersperma nach. Seine Er-gebnisse zeigen, dass Ebersperma bei 5 °C bis zu sechs Tage gelagert werden kann. Damit eröffnet seine Arbeit einen Ansatz, um den Antibiotikaeinsatz in diesem Bereich zu reduzieren.

Kann blaues Licht Lebensmittel länger haltbar machen? Mit dieser Idee beschäftigt sich Yannick Meissner. Er entwickelte ein modulares System zur Desinfektion frischer Lebensmittel mit blauem Licht. Das Verfahren könnte eine chemiefreie Verlängerung der Haltbarkeit ermöglichen und damit dazu beitragen, Lebensmittelverluste zu verringern.

Weniger Bodenbearbeitung, weniger Verluste: Für ihre Arbeit zur reduzierten Bodenbearbeitung erhielt Anne Albrecht einen Sonderpreis. Ihre Ergebnisse zeigen Potenzial, Nährstoffverluste und Erosion zu verringern und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Systeme zu stärken.

Wann brauchen Pflanzen tatsächlich Wasser? Mit der frühzeitigen Erkennung von Trockenstress bei Rasengräsern beschäftigte sich Jan Lukas Eßer. Seine Messtechnik könnte künftig dabei helfen, Bewässerung gezielter am tatsächlichen Bedarf auszurichten – und damit Wasser, Energie und Kosten einzusparen. Für seine Arbeit erhielt er einen Sonderpreis.

Und wie bleibt die Landwirtschaft auch für die Menschen nachhaltig? Dieser Frage widmete sich Julia Dahl in ihrer Arbeit zur Selbstfürsorge im landwirtschaftlichen Betriebsalltag. Sie untersuchte, welche persönlichen und betrieblichen Faktoren Selbstfürsorge unterstützen. Ihre Forschung zeigt damit auch: Nachhaltigkeit betrifft nicht nur Böden, Tiere, Wasser und Ressourcen, sondern ebenso die Menschen, die landwirtschaftliche Betriebe führen und dort arbeiten.

Nachwuchs fördern, Ideen sichtbar machen
Mit dem trafo:nachwuchspreis sollen junge Talente nicht nur für ihre Arbeiten ausgezeichnet wer-den. Der Preis schafft auch Raum für Austausch und Vernetzung: Die Nachwuchskräfte können ihre Forschung einem fachübergreifenden Publikum vorstellen und mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Praxis ins Gespräch kommen.

„Junge Menschen bringen neue Perspektiven und oft auch unkonventionelle Ideen mit. Genau diesen Blick wollen wir mit dem trafo:nachwuchspreis stärken und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Themen weiterzuentwickeln und in den Austausch mit Akteurinnen und Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis zu gehen. Denn aus guten Ideen können dann konkrete Impulse für die Zukunft der Agrar- und Ernährungswirtschaft entstehen“, so Dr. Barbara Grabkowsky, Leiterin von trafo:agrar.

Auch im kommenden Jahr wird der Nachwuchspreis wieder ausgeschrieben. Nachwuchskräfte und Nachwuchswissenschaftlerinnen und – wissenschaftler aus Niedersachsen sind eingeladen, ihre Ideen und Arbeiten einzureichen und damit die Zukunft der Agrar- und Ernährungswirtschaft mitzugestalten.

Weitere Informationen zum trafo:nachwuchspreis: www.trafo-agrar.de/nachwuchspreise

Quelle: trafo:agrar – Universität Vechta