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Notfall Schwanzbeißen

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Akutes Schwanzbeißen im Schweinestall erkennen, eindämmen und nachhaltig vorbeugen Schwanzbeißen zählt zu den größten Herausforderungen in der modernen Schweinehaltung. Es ist sowohl ein erhebliches Tierschutzproblem als auch ein wirtschaftlicher Risikofaktor durch Verletzungen, Leistungseinbußen, Behandlungskosten und Vermarktungsverluste. Da es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt, ist im Ernstfall ein strukturiertes und schnelles Vorgehen entscheidend. Das Netzwerk Fokus Tierwohl hat einen praxisnahen Notfallplan entwickelt, der Tierhaltende beim akuten Management und bei der nachhaltigen Vorbeugung unterstützt. Schwanzbeißen – ein komplexes Geschehen Schwanzbeißen tritt in allen Haltungssystemen auf, konventionell wie ökologisch. Ursachen liegen meist in einer Überforderung durch Umwelt-, Fütterungs-, Gesundheits- oder Managementfaktoren, oft in Kombination. Neben schnellem Eingreifen ist das frühzeitige Erkennen von Warnsignalen entscheidend. Das Netzwerk Tierwohl stellt dazu sechs kompakte Informationseinheiten bereit, die als Stallposter mit weiterführenden Hinweisen per QR-Code genutzt werden können.
  1. Bestandsaufnahme: genau beobachten
Sorgfältige Tierbeobachtung ist die Grundlage jeder Maßnahme:
  • Tiere zunächst unbemerkt beobachten
  • Ruhe- und Aktivitätsphasen berücksichtigen
  • Besonders Nachmittags- und Abendstunden beachten
  • Beobachtung bewusst von anderen Arbeiten trennen
In Großgruppen ist ein Betreten der Bucht sinnvoll. Strukturierte Dokumentationssysteme (z. B. Buchtenkarten oder Ampelsysteme) erleichtern die Kommunikation im Betreuungsteam. Beißer erkennen und handeln Hinweise auf beißende Tiere sind Blut an der Rüsselscheibe, Unruhe, Schwanzmanipulation, Entwicklungsrückstand oder struppiges Haarkleid. Identifizierte Beißer müssen sofort separiert werden, um eine Eskalation zu verhindern.
  1. Ablenkung als Sofortmaßnahme
Nach der Separation ist die Ablenkung der Gruppe zentral. Bewährt haben sich:
  • Raufutter (z. B. Stroh, Heu, Silagen)
  • Organische Beschäftigungsmaterialien wie Holz oder Naturfasern
  • Bodennah angebotene, gut zugängliche Materialien
Wichtig sind Attraktivität, Qualität und ausreichende Menge. Ziel ist es, das natürliche Wühlverhalten anzusprechen und Zeit für die Ursachenanalyse zu gewinnen.
  1. Verletzte Tiere versorgen
Bei ersten Anzeichen sollte die Kontrollfrequenz erhöht werden. Fiebermessen hilft bei der Einschätzung des Schweregrades. Grundsätze:
  • Beißer selektieren
  • Leicht verletzte Tiere ggf. separieren
  • Schwer verletzte Tiere in Krankenbuchten unterbringen
Empfohlen werden 2,5 bis 3 % Krankenbuchtenplätze (bei unkupierten Tieren eher 5 % oder mehr). Behandlung und Schmerzmanagement erfolgen in Abstimmung mit dem Tierarzt und müssen dokumentiert werden.
  1. Ursachen analysieren und vorbeugen
Langfristige Prävention erfordert eine systematische Analyse. Wichtige Risikobereiche sind:
  • Beschäftigung und Buchtenstruktur
  • Stallklima
  • Tiergesundheit
  • Konkurrenz um Ressourcen
  • Fütterung und Wasserversorgung
Reizarme Umgebungen, Rohfasermangel, Hitzestress oder subklinische Erkrankungen können Schwanzbeißen begünstigen. Eine strukturierte Bucht mit Rückzugsmöglichkeiten reduziert Stress und Konkurrenz.
  1. Frühwarnsignale ernst nehmen
Unruhe, intensives Manipulieren von Artgenossen, Schwanzwedeln, leere Flanken, Zähneknirschen oder Lahmheiten sind Warnzeichen. Je früher reagiert wird, desto größer ist die Chance, einen Ausbruch zu verhindern.
  1. Vorbereitung: der Notfallkoffer
Für den Ernstfall sollten bereitstehen:
  • Einsatzbereite Krankenbuchten
  • Zusätzliche Tränken
  • Raufutter und Beschäftigungsmaterial
  • Futterergänzer und ggf. Toxinbinder
  • Hygienepulver und zugelassene Vergrämungsmittel
Gerade an Wochenenden entscheidet Vorbereitung über den weiteren Verlauf. Fazit Schwanzbeißen ist Ausdruck eines Ungleichgewichts im Haltungssystem. Ein klar strukturierter Notfallplan, aufmerksame Tierbeobachtung und konsequente Ursachenarbeit sind entscheidend, um Tierwohl und Wirtschaftlichkeit nachhaltig zu sichern. Hier geht es zum Notfallplan: https://www.fokus-tierwohl.de/fileadmin/redaktion/Dateiablage_oeffentlich/04_Dateidownloads/02_Schwein/Notfallplan_Schwanzbeissen/Poster_Notfallplan_V2.pdf Weitere Informationen: https://www.fokus-tierwohl.de/de/schwein/fachinformationen-schwein/notfallplan-schwanzbeissen Quelle: Netzwerk Fokus Tierwohl  

Widder besitzen einzigartige Lautäußerungen, die emotionale Informationen vermitteln.

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Lautäußerungen transportieren Informationen, die es sozialen Tieren ermöglichen, Artgenossen zu erkennen, den sozialen Zusammenhalt zu wahren und ihren emotionalen Zustand mitzuteilen – allesamt lebensnotwendig. Schafe sind gesellige Tiere, die in verschiedenen Situationen charakteristische Lautäußerungen zeigen, wie beispielsweise hohe Blöklaute bei Stress. Besonders in der frühen postnatalen Phase weisen sie auch individuelle Lautäußerungen auf, um die Bindung zwischen Mutterschaf und Lamm zu fördern. Obwohl die Lautäußerungen von Widdern bei Mutterschafen und Lämmern gut erforscht sind, ist über ihre Individualität und ihren individuellen Charakter bisher wenig bekannt. Eine Studie auf einem kommerziellen Assaf-Schafzuchtbetrieb in Griechenland zeichnete die Lautäußerungen von 15 Widdern in fünf verschiedenen Situationen auf: 1) morgens isoliert, 2) isoliert und die Glocken der Mutterschafe hörend, 3) abends isoliert, 4) isoliert und in Erwartung von Futter, 5) isoliert und ohne Futter. Jeder Widder wurde drei Minuten lang isoliert, und die Lautäußerungen wurden aufgezeichnet. Die Kontexte 1, 3 und 5 wurden als negativ, die Kontexte 2 und 4 hingegen als positiv für die Widder erwartet. Neunzehn akustische Parameter wurden analysiert, um festzustellen, ob sie Informationen über die individuellen Lautäußerungen der Widder enthielten und ob sie sich den verschiedenen emotionalen Kontexten zuordnen ließen. Die Ergebnisse zeigten, dass Widder tatsächlich individuell unterschiedliche Lautäußerungen aufweisen, die innerhalb jedes Kontextes mit einer Genauigkeit von 59–80 % erkannt werden können. Rufe in negativen Kontexten (z. B. Futterentzug, abendliche Isolation) zeigten eine größere Formantstreuung (oder Resonanz) und Amplitudenvariation als Rufe in positiven Kontexten (z. B. Vorfreude auf Futter), die höhere Formantfrequenzen aufwiesen. Interessanterweise enthielten diese höheren Frequenzen auch Informationen über die Identität des Widders. Dies deutet darauf hin, dass Widder in negativen emotionalen Zuständen tiefere, instabilere Rufe produzieren und in Vorfreude auf Futter sowie zur Kommunikation ihrer individuellen Identität höhere Rufe. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Widder durch ihre Lautäußerungen emotionale Informationen kommunizieren und zeigen somit weiteres Potenzial für diese nicht-invasive Methode zur Überwachung des Wohlbefindens von Schafen auf landwirtschaftlichen Betrieben. Original-Studie Frantzola A, Ntairis A, Laliotis GP (2025) Vocal signatures in rams: Exploring individual distinctiveness across different contexts. Ruminants 5(4):53 https://www.mdpi.com/2673-933X/5/4/53

EFSA: Tierschutzbewertung von Puten auf dem Bauernhof

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Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine wissenschaftliche  Stellungnahme zum Wohlbefinden von Puten in europäischen Betrieben veröffentlicht und  zahlreiche Kritikpunkte vorgebracht. Im Einzelnen untersucht wurden:
  • Art und Zustand der Einstreu
  • Art und Verfügbarkeit von Beschäftigungsmöglichkeiten (einschließlich überdachter Veranda und Auslauf)
  • Platzangebot
  • Ammoniak- und Kohlendioxidkonzentrationen
  • effektive Umgebungstemperatur
  • Gruppengröße
  • Nestbedingungen
  • Lichtverhältnisse
  • und Bedingungen in der Brüterei.
Zusätzlich wurden die Risiken von Herdenreduzierung und Entnahme von Hennen, z. B. Schnabelkürzen, Entfernen der Kehllappen und Zehenkürzen, künstlicher Besamung (einschließlich Samengewinnung) und Futterrestriktion bewertet, wobei die beiden letztgenannten Praktiken nur bei Zuchtputen berücksichtigt wurden. Die Auswirkungen der Zucht auf das Wohlbefinden der Tiere wurden ebenfalls bewertet. Empfehlungen zur Vorbeugung und/oder Minderung relevanter Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Mast- und Zuchtputen umfassen die Vergrößerung des verfügbaren Platzes im Vergleich zum derzeitigen, die Vermeidung von Futter- und Wasserentzug bei frisch geschlüpften Küken für mehr als 48 Stunden sowie die Bereitstellung von Beschäftigungsmöglichkeiten wie erhöhten Plattformen, Strohballen und einer überdachten Veranda. Es wird empfohlen, die Einstreu trocken zu halten, d. h. unter einem Feuchtigkeitsgehalt von 35–40 %. Schnabelkürzen, Entfernen der Halskrause und Zehenkürzen sowie die damit verbundenen Folgen für das Wohlbefinden können vermieden werden, wenn die empfohlenen Haltungs- und Managementpraktiken umgesetzt werden, z. B. die Vergrößerung des Platzes und die Bereitstellung geeigneter Beschäftigungsmöglichkeiten. Es wird empfohlen, die Ausdünnung der Herde einzustellen und die quantitative Futterbeschränkung zu vermeiden, die derzeit bei Zuchthähnen praktiziert wird. Außerdem wird empfohlen, bei der genetischen Selektion mehr Wert auf die Beingesundheit und weniger auf die Gewichtszunahme zu legen. Die ausgewählten Kriterien zur Überwachung relevanter Auswirkungen auf das Tierwohl im Schlachthof sind die Gesamtmortalität, Gefiederschäden, Shlachtkörperverwerfungen, Wunden, Brustblasen und Ballendermatitis. Link zur Original-Studie https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.2903/j.efsa.2026.9851

Deep-Learning-Modelle helfen bei der Erkennung stressanfälliger Schweine

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Pränataler Stress bei Sauen kann das Wachstum und die Entwicklung der Ferkel beeinträchtigen, ihre Stressempfindlichkeit erhöhen und ihr Immunsystem schwächen. Bislang fehlen jedoch praktische Methoden, um pränatalen Stress bei den Sauen und ihren betroffenen Nachkommen zu erkennen. Ein vielversprechender Ansatz nutzt Computer-Vision-Techniken, um Stress anhand von Gesichtszügen automatisch zu erkennen und bietet so ein potenziell skalierbares Werkzeug für den Einsatz in landwirtschaftlichen Betrieben. Eine Studie in Schottland untersuchte mithilfe dieser Technologie, ob stressbedingte Gesichtsmerkmale bei Sauen erkannt und ähnliche Merkmale bei ihren Nachkommen identifiziert werden können. Die Studie umfasste über 7000 Gesichtsbilder von sechs Gruppen mit jeweils 18 Sauen und 53 Töchtern. Zunächst wurden Bilder der Sauengesichter aufgenommen, als die Sauen ihre jeweiligen Futterplätze betraten. Weitere Bilder wurden am 70. und 90. Trächtigkeitstag während Futterkonkurrenztests aufgenommen. Speichelcortisolwerte und Verhaltensreaktionen, die während dieser Tests erfasst wurden, dienten zur Klassifizierung der Sauen in Gruppen mit niedriger (LR) und hoher (HR) Stressreaktion. Fünf Deep-Learning-Modelle wurden anhand von Sauendaten trainiert, um LR und HR bei den Töchtern zu klassifizieren. Es wurde eine generationsübergreifende Validierungsstrategie angewendet. Das bedeutet, dass die Töchter nie mit einem Modell evaluiert wurden, das mit den Daten ihrer biologischen Mutter trainiert worden war. Dadurch wurde sichergestellt, dass die identifizierten Merkmale tatsächlich stressbedingt waren und nicht auf familiäre Ähnlichkeit zurückzuführen sind. Die Ergebnisse zeigten, dass der Vision Transformer (ViT) von den fünf verwendeten Deep-Learning-Modellen mit einer durchschnittlichen Genauigkeit von 0,78 und einem F1-Score (ein Maß für Präzision und Trefferquote) von 0,76 bei der Klassifizierung von LR und HR durchgehend die beste Leistung erbrachte. Dies galt für alle Trainingsdurchgänge trotz der Variabilität zwischen den Durchgängen, was darauf hindeutet, dass es sich um ein zuverlässiges und generalisierbares Modell handelt. Der ViT konzentrierte sich zudem konsequent auf Augen, Schnauze und Ohren, die biologisch relevant für den Gesichtsausdruck von Stress sind, während andere Modelle dies nicht taten. Dies zeigt das Potenzial der aussagekräftigen Erkennung stressbedingter Gesichtsmerkmale bei Schweinen. Diese kann zur Früherkennung und zum Management stressanfälliger Tiere beitragen, um deren Wohlbefinden zu gewährleisten und potenziell den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren. Yunas SU, Shahbaz A, Baxter EM, Rutherford KMD, Hansen MF, Smith ML, Smith LN (2025) A deep learning framework for detecting cross-generationalfacial markers associated with stress in pigs. Agriculture 15(21):2253 https://www.mdpi.com/2077-0472/15/21/2253

Beurteilung von Pickverletzungen bei Puten

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Für eine Studie zur Beurteilung von Pickverletzungen bei Putenhennen, ließen Forscherinnen der TiHo, Hannover drei Beobachter tausende von Bildauschnitten von Putenfotos betrachten und auf Verletzungen überprüfen. Die drei Probanden kamen mit unterschiedlichem Vorwissen zum Test: zwei waren Informatikstudenten (OBS2 und OBS 3), die Dritte (OBS1) eine Wissenschaftlerin aus der Tierwohl-Forschung. Die Beobachter OBS2 und OBS3 stuften durchschnittlich 13 % der gezeigten Bilder als HI (head injury, Kopfverletzung), 70 % als SI (skin injury, Hautverletzung) und 17 % als NI (no injury, keine Verletzung) ein. Die Beobachterin OBS1 klassifizierte im Durchschnitt 12 % der Bilder als HI, 60 % als SI und 28 % als NI. Im Verlauf der Studie stuften dann alle Beobachter mehr Aufnahmen als unverletzt (NI) ein. Überraschend war dabei, dass insbesondere die Person mit dem größten Vorwissen (OBS1) im Laufe der Zeit mehr Bilder (plus 5 %) als NI einstufte (OBS2: plus 0,7 %; OBS3: plus 2,2 %). „Dieses Ergebnis wirft die Frage auf, ob abweichende Bewertungen bei wiederholten Beurteilungen immer auftreten und wie dieser Effekt vermieden werden kann“, schreiben die Studien-Autorinnen und fragen, ob vielleicht nicht spezialisierte Untersucher objektiver urteilen und die Qualität der Ergebnisse solcher Studien verbessern könnten. Prof. Nicole Kemper (TiHo) merkt dazu auf LinkedIn an, dass die visuelle Bewertung von Bildausschnitten beim Training von KI-Modellen zur automatischen Erfassung von Tierwohl-Indikatoren eine wichtige Rolle spiele. Das Ergebnis werfe aber vor allem grundlegende Fragen auf, „zur Rolle von Erfahrung, Erwartungshaltungen und möglichen Gewöhnungseffekten bei der Tierbeurteilung.“ Und: „Gleichzeitig wird deutlich, dass auch fachfremde Beobachtende valide Beiträge leisten können, wenn die Aufgabe klar definiert ist.“ Original-Studie Varying image assessment of pecking injuries in Turkeys while performing repetitions, Volkmann et al. 2025 Link: https://link.springer.com/article/10.1007/s11259-025-10833-6

Legehennen können ihren Kalziumbedarf mithilfe von Picksteinen selbst decken.

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Legehennen benötigen aufgrund des hohen Bedarfs für die Eiproduktion mehr Kalzium als andere Wirbeltiere und passen ihre Kalziumaufnahme ihrem Bedarf an, wenn ihnen eine zusätzliche Kalziumquelle wie ein Pickstein angeboten wird. Picksteine können auch für Hennen, die sich von Knochenbrüchen erholen, eine Kalziumquelle darstellen. Der Einfluss von Knochenbrüchen auf das Kalziumsuchverhalten mithilfe von Picksteinen wurde jedoch noch nicht untersucht. Diese Studie wurde an der Universität Guelph in Kanada mit 240 Legehennen durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen der Präferenz für Picksteine, dem Status von Brustbeinbrüchen und der Eischalenqualität zu untersuchen. Die Hennen wurden in Gruppen von 20 Tieren in ausgestatteten Käfigen gehalten. Aus jeder Gruppe wurde eine Untergruppe zufällig als Beobachtungstiere für Verhaltensbeobachtungen ausgewählt. Drei handelsübliche Picksteine mit unterschiedlichem Kalzium- und Getreidegehalt wurden den Hennen über mehrere Wochen für paarweise Präferenztests angeboten. Die Hennen wurden anhand der Gesamtzahl ihrer Pickvorgänge an den Blöcken während des Versuchs in „Nutzer“ und „Nicht-Nutzer“ eingeteilt. Gewicht, Schalendicke und Bruchkraft der Schale wurden analysiert. Die Hennen wurden geröntgt und der Schweregrad von Brustbeinfrakturen beurteilt. Die Hennen zeigten individuelle Präferenzen für verschiedene Arten von Pickblöcken. Diese Präferenzen blieben über die Zeit relativ konstant, korrelierten jedoch nicht mit der Schalenqualität oder dem Vorhandensein von Brustbeinfrakturen. Die Eierschalen der „Nutzer“ waren stabiler und die Schalendicke blieb über die Zeit erhalten, während sie bei den „Nicht-Nutzern“ abnahm. Hennen, die während des Versuchs neue Frakturen erlitten, pickten häufiger an den Blöcken als solche ohne neue Frakturen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Hennen die Pickblöcke nutzen, um ihren individuellen Kalziumbedarf für die Eierschalenbildung und möglicherweise auch für die Knochenreparatur zu decken. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, den Hennen Möglichkeiten zur Deckung ihres zusätzlichen Kalziumbedarfs zu bieten. Original-Studie Ehigbor TF, Edwards AM, Rentsch AK, Kiarie EG, Harlander A, Widowski TM (2025) Pecking block use at individual level is associated with improved eggshell quality and keel fractures in laying hens. Poultry Sci 104(11):105716 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0032579125009575

InnoRind – Konzepte zur Kälberhaltung in Deutschland

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Die Einzelhaltung von Kälbern beeinträchtigen Entwicklung und Wohlbefinden der Tiere. Sie behindert die Ausbildung sozialer und kognitiver Fähigkeiten, führt zu höherer Stressanfälligkeit sowie geringerer Futteraufnahme und allgemein Aktivität. Deshalb wurden im Rahmen des Projekts „InnoRind“ praxisnahe Alternativen untersucht, die Sozialkontakt und Managementeffizienz verbinden. Tierwohl, Tiergesundheit, Wachstum, Managementaufwand, Umweltwirkungen und ökonomische Kennzahlen sollten differenziert eingeordnet werden. 1) Paarhaltung von Kälbern in den ersten Lebenswochen Paarhaltung stellet einen niedrigschwelligen und praktikablen Kompromiss zwischen Einzel- und Gruppenhaltung dar. Die Paarhaltung erlaubt soziale Interaktion zwischen Kälbern, ohne allzu weit von der Einzelhaltung abzuweichen. Paarweise gehaltene Kälber zeigen im Vergleich zur Einzelhaltung Vorteile im Lern- und Anpassungsverhalten, können in der Abtränkphase eine höhere Futteraufnahme sowie bessere Wachstumsleistungen erzielen. „Diese Effekte sind insbesondere vor dem Hintergrund einer effizienten Aufzucht von Bedeutung, da eine verbesserte frühe Entwicklung mit einem früheren Erreichen der körperlichen Voraussetzungen für Erstbesamung bzw. Erstbelegung sowie einer insgesamt höheren Lebenseffizienz der Tiere in Verbindung stehen kann. Eine frühere Erstkalbung und eine längere produktive Nutzungsdauer tragen wiederum dazu bei, Umweltwirkungen je erzeugter Produkteinheit zu reduzieren“, schreiben die Studienautoren. Es kam in der Paarhaltung nicht vermehrt zu Durchfallerkrankungen (bei niedriger Erkrankungsrate insgesamt). Der Indikatorkeim (ESBL-E. coli) trat in Einzel- wie in Paarhaltung selten und ohne signifikante Unterschiede auf. „Bemerkenswert ist, dass die meisten Kälber bereits vor dem Zusammenführen in die soziale Aufzucht positiv für diese ESBL-tragenden Keime getestet wurden. Dies deutet darauf hin, dass die Übertragung möglicherweise bereits im Abkalbebereich oder über kontaminiertes Fütterungsequipment erfolgt sein könnte.“ Das Risiko von Atemwegserkrankungen für Kälber im selben Iglu ist nicht größer, als das für Kälber in benachbarten Einzel-Iglus (was bei Erreger-Übertragung durch die Luft logisch erscheint). Die Gesamtkosten steigen um 3 %. Hierfür sind die mit der Einstreu verbundenen Kosten für Einstreu und Entmistung verantwortlich „Für eine erfolgreiche Umsetzung ist insbesondere auf eine möglichst geringe Altersdifferenz der gemeinsam gehaltenen Kälber zu achten. Ein synchrones Ein- und Ausstallen kann dazu beitragen, Konkurrenzverhalten oder unerwünschte Verhaltensweisen wie Nabelsaugen zu reduzieren. Zudem sind Hygiene-Aspekte und das Management der größeren Buchtenfläche entsprechend zu berücksichtigen.“ 2) Frühe Kleingruppenhaltung von Kälbern in den ersten Lebenswochen Die zentrale Frage war hier, wie eine frühe Gruppenbildung möglich ist, ohne das Krankheits- und Stress-Risiko der Kälber zu erhöhen. Topcalf und MultiMax-Veranda Für die Tiergesundheit kam dem Management (Hygiene, Tierbeobachtung) eine weit größere Bedeutung zu, als das Haltungssystem. Tränkemenge und Geschlecht hatten den größten Einfluss auf die Gewichtsentwicklung der Kälber. Und der Umstallungszeitpunkt hatte einen größeren Einfluss auf die täglichen Zunahmen als das Haltungssystem. Die Gesamtkosten lagen – wegen steigender Gebäude- und Tierarztkosen – um 1 % über der Referenz. Optima Klimastall DairyTop In diesen Kleingruppen werden die Kälber vom 1./2. Lebenstag an bis zum Abtränken gehalten bzw. bis zum Umstallen in den Rinderstall. Der Altersunterschied sollte dabei höchstens 10 Tage betragen. Die Tiere werden in 4 Gruppenboxen der Firma DairyTop gehalten, die jeweils mit einem Tränkeautomaten der Firma Urban ausgestattet sind. Bis zum 70. Lebenstag gab es keinen Unterschied bei der Zahl an Erstdiagnosen zwischen Versuchs- und Kontroll-Gruppe. Die Kälber zeigten ein ausgeprägtes Sozial- und Spielverhalten. Bei veränderten Tierzahlen ließ sich das System flexibel erweitern und auch die Separierung kranker Kälber war problemlos möglich. Die Gesamtkosten steigen um 5 % (höhere Gebäude- und leicht steigende Futterkosten, dafür leicht sinkende Kosten für Tierarzt und Medikamente). Kombination von Einzeliglus Hier wurden acht baugleiche Einzeliglus an den Fronten der Iglu-Ausläufe verbunden und im Boden verankert. Die Kälber wurden vom 3. bis 14. Lebenstag mit maximal acht Tieren im Rein-Raus-Verfahren in Gruppen gehalten Zunächst wurden die Kälber einzeln gehalten (mit Eimertränke) und am dritten Tag in die Gruppe aufgenommen (Tränke Automat mit Milchaustauschertränke). Am 15. Lebenstag wurde dann individuell, nicht gruppenweise umgestallt Der Gesundheits-Status von Kälbern aus Gruppen- und Einzel-Iglus unterschied sich nicht signifikant. Die ersten 14 Lebenstage lag die tägliche Tränkeaufnahme im Einzel-Iglu höher als in der Gruppe, was sich von Tag 15 bis 77 umkehrte. Von der Geburt bis zum Abtränken zeigte sich bei der Tageszunahme kein nennenswerter Unterschied (1.113 g/Tag in der Gruppe, 1.115 g/Tag im Einzel-Iglu. „Die Gesamtkosten liegen 4 % unter der Referenz. Dies liegt vor allem an geringeren Futterkosten und Arbeitskosten, deren Rückgang den leichten Anstieg der Tierarzt- und Gebäudekosten kompensieren.“ Die Ergebnisse zum Versuch mit Kleingruppenhaltung in einem Außenklimastall dürften – nach Validierung – Ende 2026 vorliegen. 3) Muttergebundene Aufzucht Bei der muttergebundenen Kälberaufzucht verursachen das Absetzen von der Milch und ebenso die Separation von der Mutter dem Kalb Stress, weshalb es empfehlenswert ist beides voneinander zu trennen. Nachteil einer Saugbremse beim Absetzen ist dabei, dass die Milchversorgung des Kalbes abrupt beendet wird. Bei der Verringerung der Kontaktzeit bis zur Trennung kann das Kalb weiterhin Milchaufnehmen und der Umstieg auf Festfutter geschieht langsamer. Allerdings geht dieses Verfahren – wegen der häufigen Trennung – auch mit höherem Arbeitsaufwand einher. Deshalb wurde für das Projekt haben ein transpondergesteuertes Selektionstor entwickelt, zur individuellen Steuerung der Zugangszeiten. Eine Fragestellung dabei lautete, ob die Kontaktzeit einmal pro Woche oder besser in kleineren, täglichen Schritten erfolgen sollte. In der muttergebundenen Kälberaufzucht verbringen die Kälber bis zu fünf Tage mit ihrer Mutter in einer Einzelabkalbebox. Nach der Geburt erhalten die Kälber 4 L Kolostrum. Die Kuh wird nach der Kalbung zusammen mit der Milchviehherde 2x täglich gemolken und kehrt danach in die Abkalbebox zurück. Nach fünf Tagen kommt die Kuh wieder in die Herde und das Kalb wird an dem Selektionstor angelernt. Die Kälber haben danach – außer während der Melkzeiten oder wenn die Tiefliegeboxen der Kühe nachgestreut werden – jederzeit Zugang zur Kuh. Aufgrund geringerer Arbeitskosten (v.a. weniger Zeitaufwand für Tränken, Reinigungsarbeiten, Entmistung) und geringere Tierarztkosten sinken die Gesamtkosten um ca. 7 %. Dieses Verfahren ermöglicht ein tierindividuelles Absetzen ohne abrupten Milchentzug bei zeitlicher Einschränkung des Zugangs zur Mutter und führt zu einem geringeren Absetzknick. Allerdings ist das System noch nicht kommerziell verfügbar und erfordert die direkte Anbindung des Kälber- und Kuhbereichs. Auch sei mit erhöhtem Technikaufwand auch höhere Störanfälligkeit verbunden, geben die Forscher zu bedenken. Die Studien-Ergebnisse stehen hier als PDF zum Download zur Verfügung. https://www.uni-kiel.de/fileadmin/user_upload/mandanten/agrar-und-ernaehrungswissenschaftliche-fakultaet/forschen/innorind-ag-kalb-final-260116.pdf

Mineral- und Vitaminkomplexe für trächtige Mutterschafe und Lämmer

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Das Futter für Schafe und Lämmer weist häufig einen unzureichenden Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen auf. Eine kasachische Studie analysiert Patententwicklungen von Mineral- und Vitaminkomplexen (MVCs) für trockenstehende Schafe und Lämmer und gibt einen Überblick über wissenschaftliche Daten, die den Einsatz ihrer Komponenten begründen. Basierend auf einer Datenbank-Suche mit den Stichworten „Vitamine für Schafe“ und „Mineralstoffe für Schafe“ wurden 23 Patente mit Fokus auf trockengestellte Schafe und Lämmer aus 120 Patenten zu Futtermittelzusatzstoffen für Schafe ausgewählt und kategorisiert. Mineralstoffe und Vitamine sollten als Bestandteile eines wissenschaftlich fundierten Vitamin- und Mineralstoffsystems betrachtet werden, dessen Wirksamkeit während der Trächtigkeit vom Ausgangsniveau der Versorgung, dem physiologischen Zustand der Tiere und den Eigenschaften des Mineralstoffwechsels abhängt. „23 patentierte Mineral- und Vitaminkomplexe (MVCs) zur Verwendung in der Fütterung von trockenstehenden Schafen und Lämmern wurden analysiert. Alle Komponenten werden üblicherweise in vier Kategorien eingeteilt: Mineralstoffe, Vitamine, funktionelle Stoffe und Futterzusatzstoffe. Der Mineralstoffanteil der MVCs umfasst sowohl Makro- als auch Mikroelemente und spiegelt einen Ansatz wider, bei dem solche Komplexe nicht nur als Futterzusatz, sondern auch als Instrument zur Steuerung von Produktivität, Reproduktion und Tierresistenz betrachtet werden.“ Calcium bildet die Grundlage des Mineralstoffwechsels und beeinflusst die Knochenhomöostase und die Darmflora, Immunreaktionen und die Entwicklung junger Tiere. Der optimale Calciumspiegel hängt vom physiologischen Zustand der Tiere und dem Verhältnis zu Phosphor und Magnesium ab. Zink wirkt als Regulator von Wachstum, antioxidativem Schutz, Epithelbarriere und Reproduktionsprozessen. Seine Wirksamkeit ist abhängig von der Darreichungsform und antagonistischen Wechselwirkungen, vor allem mit Kupfer und Phytaten. Eisen fördert die Blutbildung und die antioxidative Resistenz junger Tiere Kupfer ist an Enzymsystemen und der Immunabwehr beteiligt, erfordert jedoch eine strenge Dosierungskontrolle Mangan ist wichtig für die Reproduktion und Mineralisierung Kobalt unterstützt über Vitamin B₁₂ den Propionatstoffwechsel Jod reguliert die Schilddrüsenfunktion Selen reduziert in Kombination mit Vitamin E die Auswirkungen von oxidativem und thermischem Stress Die Vitaminkomponente umfasst ein breites Vitamin-Spektrum (A, D, E, B-Gruppe, K und C), das die Wirkung der Mineralstoffkomponenten verstärkt. Maximale Wirksamkeit wird erreicht, wenn die Vitamine unter Berücksichtigung der Herdenverfügbarkeit, der Jahreszeit und der Stressbelastung eingesetzt werden. „Die Analyse der Patentdokumentation zeigte einen Trend hin zu einer Abkehr von traditionellen Mineralsalzen (CaHPO₄, ZnSO₄ usw.) hin zu organischen Chelatformen (Methionaten) und nanostrukturierten Verbindungen (Nanomedium, Nanosilicium). Parallel dazu findet ein Wandel statt: Statt Antibiotika werden vermehrt funktionelle Futterzusätze wie Probiotika, Enzyme, Aminosäuren und Phytokomponenten eingesetzt. Ziel dieser Ansätze ist es, die Bioverfügbarkeit von Nährstoffen zu erhöhen, den Bedarf an hohen Dosen anorganischer Salze zu reduzieren und die Umweltbelastung zu verringern.“ Baibatyrova et al., 2025 Faculty of Natural Sciences and Geography, Abai Kazakh National Pedagogical University https://www.preprints.org/manuscript/202601.1167

BMLEH ruft zur Impfung gegen die Blauzungenkrankheit auf

Vor allem Rinder und Schafe von Krankheit betroffen / Impfstoffe verfügbar Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) ruft Tierhalter dazu auf, ihre Rinder und Schafe möglichst noch vor Beginn der warmen Jahreszeit gegen die Blauzungenkrankheit impfen zu lassen. Die Blauzungenkrankheit ist eine virusbedingte Krankheit, die von einer Mückenart (Gnitzen) übertragen wird. Die aktuell in Deutschland auftretenden Serotypen 3 und 8 (BTV-3 und BTV-8) sorgen vor allem bei Rindern und Schafen für teils schwere Verläufe, die insbesondere bei den beiden Letzteren auch tödlich enden. Die Erkrankung hat daher oft schwerwiegende, wirtschaftliche Folgen für die Tierhaltenden. Dazu erklärt Staatssekretär Prof. Dr. Dr. Markus Schick: „Unsere Tierhalterinnen und Tierhalter sollten weiterhin alle Möglichkeiten nutzen, um ihre Rinder und Schafe vor den schweren Folgen der Blauzungenkrankheit zu schützen. Das gelingt am besten mit der rechtzeitigen Impfung. Die Gesundheit der Tiere ist auch im eigenen Interesse der Tierhalter. Daher mein Appell: Impfen Sie Ihre Tiere jetzt, bevor im späten Frühling die Gnitzensaison beginnt.“ Die Blauzungenkrankheit wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts im südlichen Teil Afrikas entdeckt. Mittlerweile tritt die Krankheit jedoch weltweit auf. Bedingt durch die Übertragung durch Gnitzen tritt sie vor allem in der warmen Jahreszeit auf und hat ihren Höhepunkt bei feuchtwarmem Wetter. Das BMLEH hatte deshalb bereits 2024 per Eilverordnung die sofortige Anwendung von drei vom Paul-Ehrlich-Institut benannten Impfstoffen gestattet. Mittlerweile stehen von der EU zugelassene Impfstoffe sowohl gegen BTV-3 als auch gegen BTV-8 zur Verfügung. Eine Kreuzimmunität besteht zwischen den beiden Serotypen nicht, das heißt es muss gegen beide geimpft werden. Quelle: BMLEH

Aus Alt mach Neu: Nebenprodukte in der Rationsgestaltung der Schweinefütterung – Ein Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz

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Schweine stehen durch den hohen Einsatz von Getreide und Soja in starker Nahrungsmittelkonkurrenz zum Menschen. Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung besitzen hingegen sehr geringe human-verwertbare Anteile und können diese Konkurrenz deutlich reduzieren. In einem Mastversuch am Staatsgut Schwarzenau der Bayerischen Staatsgüter mit vier Futtergruppen wurde der Getreide- und Sojaanteil schrittweise reduziert und durch Nebenprodukte (u. a. Weizenkleie, Nachmehl, Trockenschnitzel) sowie Eiweißalternativen ersetzt. Dadurch sank der human-verwertbare Proteinanteil im Futter deutlich. Erhoben wurden neben den klassischen Mast- (tägliche Lebendmassezunahme, Futter- sowie Energieverbrauch- und -aufwand) auch Parameter zur Schlachtleistung und Fleischqualität. Die N- und P-Ausscheidung sowie der CO2-Fußabdruck der Futtermittel. Die Ergebnisse des Versuchs: Tierische Leistung: Trotz steigender Nebenproduktanteile blieben Mast- und Schlachtleistungen auf hohem Niveau. Die täglichen Zunahmen lagen nur leicht unter der Kontrolle, der Futteraufwand blieb unverändert. • Schlachtkörper & Fleischqualität: Mit zunehmendem Nebenproduktanteil sanken Ausschlachtung und Schlachtgewicht leicht (bedingt durch den höheren Faseranteil), Muskelfleischanteil und Fleischqualität blieben unbeeinflusst. • Umweltwirkungen: • Der CO₂-Fußabdruck der Fütterung konnte durch den Einsatz von Nebenprodukten um bis zu 40 % je Mastschwein reduziert werden. • Die N-Ausscheidung entsprach trotz hoher Nebenproduktanteile den DLG-Empfehlungen bei moderatem Rohproteingehalt. • Die P-Ausscheidung stieg deutlich mit zunehmendem Einsatz an Nebenprodukten aufgrund deren hohen Phosphorgehalts. • Nahrungsmittelkonkurrenz & Proteinbewertung: • Der human-verwertbare Anteil im Futter (hef) sank stark. • Die Lebensmittel-Konversions-Effizienz (heFCE) stieg kontinuierlich. • Unter Berücksichtigung der Proteinqualität (DIAAS) wurde mit hohem Nebenprodukteinsatz mehr hochwertiges Protein im Schweinefleisch erzeugt, als zuvor human-verwertbares Protein im Futter eingesetzt wurde. • Ökonomie: Trotz geringfügig niedriger Schlachterlöse pro Tier blieben die Erlöse über Futterkosten vergleichbar zur Kontrollgruppe. Der Einsatz von Nebenprodukten zeigte keine ökonomischen Nachteile. Fazit Der gezielte Einsatz von Nebenprodukten in der Schweinemast ermöglicht hohe Leistungen, klare Klima- und Ressourcenvorteile, eine Reduktion der Nahrungsmittelkonkurrenz und stabile Wirtschaftlichkeit. Nebenprodukte leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer resilienten, kreislauforientierten Schweineproduktion. Voraussetzung ist eine präzise Futterbewertung und -steuerung, insbesondere im Hinblick auf die Phosphorbelastung. Dieser Versuch wurde im Rahmen des Projektes „Heimatversprechen“ angestoßen und mit Mitteln den Freistaates Bayern gefördert. Das Projektziel besteht im Aufbau eines Netzwerks in der bayerischen Schweinebranche für eine nachhaltige heimische Schweinefleischerzeugung zur Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln, auch in Krisenzeiten. Bei Fragen zum Projekt kontaktieren Sie gerne Martin Heudecker, martin.heudecker@heimatversprechen.bayern.de oder Prof. Reinhard Puntigam, puntigam.reinhard@fh-swf.de. Quelle: Reinhard Puntigam, FH Soest, FB Agrarwirtschaft