Den richtigen Umgang mit der Kuh lernen

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Der kostenfreie Online-Kurs „Auf Du mit der Kuh“ hilft Rinder besser zu verstehen und im Notfall richtig zu handeln.

Rinder sind in weiten Bereichen Bayerns Teil des anschaulichen Landschaftsbildes. Sie sind Markenzeichen des ländlichen Tourismus mit Bergseen und Wandermöglichkeiten. Doch wenige Menschen haben Erfahrung im Zusammenspiel mit landwirtschaftlichen Nutztieren in der Natur. Zwischen traditioneller Almbewirtschaftung und Wandertourismus passieren regelmäßig Unfälle, die bei richtigem Umgang mit den Kuhsignalen meist abgewendet werden. Auch die Tierrettung im Brandfall ist ein wichtiger Punkt. Der Experte dafür, Tierarzt Dr. Florian Diel, war bei dem Entstehungsprozess des Kurses maßgeblich beteiligt.

Grundlegende Fakten der Rinderhaltung gebündelt
„Auf Du mit der Kuh“, entwickelt von HSWT-Professorin Eva Zeiler und Team, richtet sich an alle Interessierten, grundlegende Fakten der Rinderhaltung kennenzulernen. Der Onlinekurs bereitet auf Diskussionen und Notfälle vor. Texte, Grafiken, Videos, Screencasts und Quizze als Teile des Kursangebotes, machen ein Selbststudium ohne fachliche Anleitung möglich. Ob touristische Almwanderer, Hobby-Rinderhalter, Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren oder Berufslandwirt: sie alle lernen, wie Rinder ihre Umgebung wahrnehmen, welche (Warn-) Signale die Tiere senden und wie das Verhalten am besten beeinflusst wird.

Open VHB: online – offen – kostenfrei – flexibel – für alle
Belegt werden kann das Angebot als OPEN vhb-Kurs mit selbstbestimmtem Lerntempo. Mit OPEN vhb öffnen sich die bayerischen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften der Öffentlichkeit. Professorinnen und Professoren der Trägerhochschulen entwickeln Online-Kurse speziell für OPEN vhb. Nutzer müssen dafür nicht bei den Hochschulen eingeschrieben sein oder eine Hochschulzugangsberechtigung besitzen. ECTS-Punkte können nicht erworben werden. Laufende Kurse zu belegen, ist jederzeit möglich.

Quelle: Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Tödliches Hühnervirus: Alte DNA enthüllt Evolution der Virulenz

Ein internationales Team um LMU-Paläogenetiker Laurent Frantz hat mittels genetischer Analysen die Evolutionsgeschichte des Erregers einer tödlichen Hühnerkrankheit enthüllt.

Die Mareksche Krankheit ist eine in Deutschland meldepflichtige Tierkrankheit, die vom weltweit verbreiteten Marek-Virus (MDV) verursacht wird. Im letzten Jahrhundert wurde das Virus, das bei Hühnern Tumoren hervorruft und mit einer hohen Sterblichkeit verbunden ist, immer aggressiver. Seine Bekämpfung kostet die Geflügelindustrie jährlich über eine Milliarde Dollar. Ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter der Leitung von LMU-Paläogenomiker Professor Laurent Frantz sowie Professor Greger Larson und Professor Adrian Smith von der Universität Oxford hat nun mithilfe alter DNA die Evolution des Marek-Virus entschlüsselt und aufgeklärt, was hinter der steigenden Virulenz steckt.

Das internationale Team aus den Fachbereichen Paläogenetik, Archäologie und Biologie isolierte Virengenome von bis zu 1000 Jahre alten Hühnerknochen aus 140 archäologischen Stätten in Europa und dem Nahen Osten. „Unsere Daten zeigen, dass das Virus mindestens 1.000 Jahre vor der ersten Beschreibung der Krankheit im Jahr 1907 bereits weit verbreitet war“, sagt Frantz. Als die Krankheit zum ersten Mal beschrieben wurde, führte sie nur bei älteren Hühnern zu leichten Symptomen. Mit dem drastischen Anstieg der Hühnerhaltung in den 1950er- und 1960er-Jahren hat sich das Virus weiterentwickelt und wurde trotz der Entwicklung mehrerer Impfstoffe immer virulenter.

Alte Virenstämme verursachten wahrscheinlich keine Tumoren
Durch den Vergleich mit Virusgenomen moderner Vögel ermittelten die Forschenden Mutationen in mehreren Genen, die wahrscheinlich den Schweregrad der Infektion bestimmen und mit der Zunahme der Virulenz in Verbindung stehen. Eines dieser viralen Gene – Meq – ist für die Tumorbildung verantwortlich. Indem sie alte und moderne Formen des Meq-Gens mithilfe von Zellkulturen testeten, wiesen die Forschenden nach, dass die alte Form weniger aggressiv war als die moderne – die alten Virenstämme waren daher wahrscheinlich nicht in der Lage, Tumoren zu verursachen.

Die Autoren vermuten, dass die steigende Virulenz einerseits auf die Zunahme der weltweiten Hühnerpopulation seit den 1950er-Jahren zurückzuführen sei, wodurch sich auch die Zahl neuer Mutationen erhöht habe. Außerdem habe die Verwendung bestimmter Impfstoffe, die zwar symptomatische Erkrankungen verhindern, aber die Übertragung des Virus nicht unterbinden, wahrscheinlich zu einer beschleunigten Evolution der Virulenz geführt.

„Unsere Ergebnisse entschlüsseln nicht nur die Evolutionsgeschichte des Marek-Virus, sondern bilden auch die Grundlage für ein besseres Verständnis der Virulenz des Erregers“, sagt Erstautor Steven Fiddaman von der Universität Oxford. „Durch die Kombination alter DNA-Techniken mit moderner Genomik haben wir ein Fenster in die Vergangenheit geöffnet, das uns bei künftigen Strategien zur Bewältigung von Viruserkrankungen helfen kann.“

Quelle: Ludwig-Maximilians-Universität München

Bunte Bentheimer gegen amerikanische Eichen

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Die Stadtverwaltung der niederländischen Gemeinde Arnheim hat sich die Hilfe von Schweinen der Rasse „Bunte Bentheimer“ gesichert, um die Ausbreitung amerikanischer Eichen im Stadtwald „Groot Warnsborn“ zu bekämpfen. Die stämmigen „Einwanderer“ bedrohen dort den Bestand heimischer Eichen und anderer Baumarten. Außerdem bietet die amerikanische Eichenvariante an ihrem Fuß weniger Platz für Moose, Insekten und Vögel.

Eine Gruppe von neun Bentheimer Schweinen soll, zunächst für ein Jahr, möglichst viele Eicheln vertilgen und so die Ausbreitung der fremden Bäume in Grenzen halten. Wenn der Test erfolgreich verläuft, ist eine Vertragsverlängerung mit der tierischen Rettungstruppe gesichert.

PS: Wo das Fleisch aus dieser Edelmast später zu beziehen sein wird, wurde bisher nicht mitgeteilt.

Quelle: BVN

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 6/2023 steht zum kostenfreien Abruf bereit

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Liebe Leserinnen und Leser!

„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 5/2023 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

Wie viel Restmilch darf im Euter bleiben?

Mehr Tierwohl, mehr Tiergesundheit, mehr Arbeitskomfort: Automatisches Einstreuen erleichtert Liegeboxenpflege

XpressWay 3.0 von BouMatic: Parallelmelkstand mit rotierendem Schnellaustrieb

Mobiler Profi-Hochdruckreiniger HDVAR 7,5/17-200

VILOFOSS® Fachgespräch Rind

Rotlauf kommt immer wieder vor

Neugeborenendurchfall beim Saugferkel: Feldstudie testet neuen Mutterschutz-Impfstoff

Frühe Ferkelanfütterung mit Panto® mampf

SILOKING eTruck 2012: mehr Kapazität, mehr Leistung, leise und umweltfreundlich

Wadenstecher – ein noch selten wahrgenommenes Schadinsekt in der Schweinezucht

Erster zugelassener Rotavirus-Impfstoff gegen Ferkeldurchfall verfügbar

Hygienepulver mit Eukalyptus-Aroma

Aktuelles Interview: Gumboroviren lauern in nahezu jedem Stall

Das Tiergesundheits-Magazin für Nutztierhalter erscheint alle zwei Monate im praktischen PDF-Format. Jetzt 1 x registrieren, 1 x in der Bestätigungs-Mail klicken und dann gleich kostenfrei downloaden und lesen!

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Projekt „MiniAbeR“: Umfrage der TU München zum Antibiotika-Einsatz beim Mastgeflügel

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Das Projekt MiniAbeR soll zur Minimierung des Antibiotikaeinsatzes und der Risikoverschleppung in der Geflügelmast betragen und richtet sich direkt an Mastgeflügel-haltende Landwirte.

Die damit verbundene Umfrage dauert etwa 15 Minuten. Die Auswertung der erhobenen Daten erfolgt anonym, sodass sie nicht auf einen bestimmten Betrieb zurückverfolgt werden können. Über die Umfrage hinaus können interessierte Mäster Futter- und Mistproben zu Analysezwecken zur Verfügung stellen bzw. auf dem Betrieb eine unentgeltliche Begehung und Probenahme durchführen lassen (die Analysekosten übernimmt die TUM).

Das Projekt ist Teil der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz im Bundesprogramm Nutztierhaltung, wird von Prof. Dr. Julia Steinhoff-Wagner (Professur für Tierernährung und Metabolismus, Technische Universität München) und Dr. Céline Heinemann (Institut für Tierwissenschaften, Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) geleitet und ist außerdem mit einer Verlosung verbunden.

Details und Anmeldung hier.

Frohes Fest!

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Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern und allen Autorinnen und Autoren schöne, vor allem erholsame Festtage! Ab dem 8. Januar werden alle Kräfte gebraucht!

Wiener Forscher entwickeln ersten Schnelltest zum Nachweis von Bienenviren

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Forscher des Instituts für Virologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien entwickelten im Rahmen des interdisziplinären Projektes „Zukunft Biene 2“ und der Kooperation mit der Firma Megacor einen Schnelltest für den Nachweis von drei wichtigen Viruserkrankungen von Honigbienen. Der direkt am Bienenstand einsetzbare Schnelltest FASTest Bee 3T eröffnet neue diagnostische Möglichkeiten und wurde kürzlich auf den Markt gebracht.

Entwickelt wurde der Schnelltest für Bienenviren von Kerstin Seitz und Till Rümenapf, am Institut für Virologie der Vetmeduni, und der Firma Megacor mit dem Ziel, Imkern und Tierärzten ein günstiges und unkompliziertes Testsystem anzubieten. Der Virenschnelltest erlaubt erstmals die rasche und zeitgleiche Diagnose der Infektion mit dem Flügeldeformationsvirus (DWV), dem Sackbrutvirus (SBV) und dem akuten Bienenparalysevirus (ABPV).

FASTest Bee 3T: Ergebnisse am Bienenstand binnen weniger Minuten
Gegenüber den bisherigen labordiagnostischen Verfahren, die ein Einsenden der Proben nötig machten, ist der neu entwickelte FASTest Bee 3T eine deutliche Vereinfachung: Innerhalb von wenigen Minuten kann der Virusnachweis direkt am Bienenstand durchgeführt werden.

Der Testablauf beginnt mit dem Sammeln von fünf frischtoten Bienen, die in einem speziellen Einweg-Mörsergefäß aufgeschlossen werden. Nach Hinzugabe einer Pufferlösung werden drei Teststreifen in das Gefäß gestellt und nach höchstens zehn Minuten abgelesen. Wie beim COVID-Test erscheint bei korrekter Anwendung auf jedem Teststreifen eine Kontrolllinie und im positiven Fall eine spezifische Nachweislinie.

Innovation für die Bienengesundheit
„Der FASTest Bee 3T ist ein innovativer Beitrag aus der Veterinärmedizin zur Verbesserung der Bienengesundheit, denn er ermöglicht, die gute imkerliche Praxis mit objektiven Testergebnissen zu unterstützen, direkt vor Ort, bei geringem Aufwand und Kosten“, erklären die Test-Entwickler.

Die mit dem Schnelltest nachweisbaren Erreger DWV und SBV sind eng an das Vorkommen der Varroamilbe gekoppelt, denn die Milbe vermehrt sich in den Brutzellen der Honigbiene und infiziert dabei die Larven, die meist vor dem Schlupf abstreben. Passiert dies im Herbst, fehlen die für das Überwintern wichtigen Winterbienen und das gesamte Volk geht unter. „Gefährlich ist daher die Kombination aus Bienenviren und Varroamilben“ warnt Kerstin Seitz und ergänzt: „mehr Viren bedeuten auch mehr Milben“. Diesen Zusammenhang nützt der FASTtest Bee 3T, um mit Hilfe der Virusnachweise frühzeitig einen gefährlichen Befall mit Varroamilben zu bestimmen. Gegen Milben kann der/die Imker effektive Maßnahmen ergreifen, wenn dies rechtzeitig erfolgt. In der Praxis kommen die Maßnahmen allerdings oft zu spät, weil man die tatsächliche Milbenbelastung unterschätzt hat.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

Uni Hohenheim: Fleisch und Eier – Zweinutzungshühner schmecken besser

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Kein „Entweder-Oder“, sondern „Und“ − Zweinutzungshühner liefern sowohl aromatisches Fleisch als auch wohlschmeckende Eier, so eine Studie mit Beteiligung der Uni Hohenheim.

Zweinutzungshühner erfahren seit dem Verbot des Kükentötens im Januar 2022 in Deutschland besondere Aufmerksamkeit. Bei ihnen können sowohl die Eier, als auch das Fleisch genutzt werden. Zweinutzungshühner sind eine ethische Alternative, aber wie sieht’s mit dem Geschmack aus? Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Hohenheim in Stuttgart unter Leitung des Naturland-Verbandes Baden-Württemberg waren Studierende der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn aufgerufen, die sensorischen Eigenschaften von Fleisch und Eiern aus ökologischer Produktion zu beurteilen. Dafür haben sie im Sommer 2023 Aussehen, Geschmack und Geruch mehrerer Linien von Zweinutzungshühnern analysiert, verkostet und systematisch bewertet. Auch wenn die Testenden Unterschiede sowohl zwischen den verschiedenen Linien als auch zwischen den einzelnen Teilen – Brust, Schlegel, Flügel oder Sud – feststellten, lautete ihr Gesamturteil „Zweinutzungshühner schmecken besser!“.

Der Appetit auf Geflügelfleisch ist groß: Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wurden 2022 in Deutschland 11,4 Kilogramm Geflügelfleisch pro Kopf verzehrt. Aber auch Eier erfreuen sich einer großen Beliebtheit: Der Pro-Kopf-Verbrauch, inklusive verarbeiteter Produkte wie beispielsweise Backwaren, Nudeln und Fertigmahlzeiten, lag 2022 bei 230 Stück.

„Lieferte früher das klassische Landhuhn sowohl Eier als auch Fleisch, hat die große Nachfrage zu einer Trennung der verschiedenen Zuchtlinien geführt“, erklärt Prof. Dr. Lukas Kiefer vom Naturland-Verband Baden-Württemberg e.V. „Während die Lege-Linien darauf gezüchtet wurden, viele und große Eier zu legen, sollen die Hühner der Mast-Linien möglichst schnell viel Fleisch ansetzen.“

Die Folge: Männliche Küken von Legehennen wurden lange Zeit bereits am ersten Lebenstag getötet – sie legen keine Eier und liefern in der Mast zu wenig und nicht zufriedenstellendes Fleisch. Zwar gibt es seit 1. Januar 2022 in Deutschland das Verbot, frisch geschlüpfte Küken zu töten, allerdings gibt es viele Schlupflöcher, weiß Prof. Dr. Kiefer: „Uns erreichen immer wieder Berichte darüber, dass die Brut ins europäische Ausland verlagert wird, wo Küken noch getötet werden dürfen.

Alternative zum Kükentöten
Für die Umsetzung des Verbotes schlägt das BMEL drei Alternativen vor. So können bei den Lege-Linien die männlichen Küken aufgezogen und als sogenannte „Bruderhähne“ vermarktet werden. Aufgrund der geringeren Fleischqualität und der höheren Kosten stellt dies für die Betriebe jedoch einen Wettbewerbs-Nachteil dar. Alternativ kann durch das sogenannte In-Ovo-Sexing, also die Geschlechtsbestimmung bereits im Ei, verhindert werden, dass männliche Küken überhaupt ausgebrütet werden – ein Lösungsansatz der in der konventionellen Geflügelbranche derzeit überwiegt und auch von manchen Bio-Eier-Erzeuger:innen als sinnvolle Option betrachtet wird.

Doch vor allem von Öko-Verbänden wird die Geschlechtsbestimmung im Brutei aus ethischen Gründen abgelehnt. Sie setzen verstärkt auf die dritte Option: sogenannte Zweinutzungshühner. Gemeint ist damit der Einsatz der Hennen zum Eierlegen und der Hähne zur Fleischerzeugung. Doch „Zweinutzungshühner haben einen Nachteil: Sie können zwar sowohl Eier als auch Fleisch liefern, bleiben in ihrer Leistung aber rund 20 Prozent unter den etablierten Lege- und Mastlinien“, sagt Prof. Dr. Kiefer. „Das schlägt sich natürlich auch im Preis nieder.“

Noch kein Markt für Zweinutzungshühner in Baden-Württemberg
Derzeit halten und vertreiben nur wenige Pionierbetriebe in Baden-Württemberg solche Tiere. „In Baden-Württemberg gibt es derzeit keinen Markt für Zweinutzungshühner“, beschreibt Dr. Beate Gebhardt vom AK BEST der Universität Hohenheim. Abhilfe schaffen will hier das Projekt „Zweiwert“. Gemeinsam mit weiteren Partner:innen wollen der Naturland-Verband und die Universität Hohenheim ein regionales Netzwerk schaffen, um die Wertschöpfungskette „Zweinutzungshuhn“ in Baden-Württemberg aufzubauen.

Denn oft sind die bestehenden Produktions- und Lieferstrukturen noch nicht ausreichend. Vielfach scheitere die Vermarktung an ganz banalen Dingen, beschreibt Prof. Dr. Kiefer: „So können Zweinutzungshühner in gängigen Schlachtbetrieben oft nicht verarbeitet werden, weil die Schlachtlinien nicht auf ihre Größe ausgelegt sind.“

„Aber auch der Großteil der Verbraucher:innen kann mit dem Begriff ‚Zweinutzungshuhn‘ nicht viel anfangen“, erklärt Dr. Gebhardt. Damit steht die Vermarktung von Zweinutzungshühnern vor großen Herausforderungen: „Da die Produkte noch wenig bekannt sind, ist eine effektive Kommunikation zu Werten wie Nachhaltigkeit und Tierwohl wichtig.“

Produktqualität erlebbar machen
Die Kritik an der heutigen Geflügelhaltung und zunehmende Ansprüche führten dazu, dass Verbraucher:innen immer mehr Wert auf die biologische Qualität und eine regionale Herkunft der Produkte legten. Dabei zeigten sich bestimmte Käuferschichten auch bereit, mehr Geld für Eier und Fleisch von Zweinutzungshühnern zu bezahlen.

„Das allein wird allerdings nicht ausreichen. Wichtig ist es auch die Konsumierenden von der Qualität der Produkte zu überzeugen“, fährt Dr. Gebhardt fort. „Studien zeigen, dass der Genuss bzw. der Geschmack häufig an erster Stelle beim Kauf von Lebensmitteln stehen. Ein als angemessen empfundener Preis gibt dann oftmals den letzten Ausschlag.“

Ein entscheidender Ansatz ist es also, das Produkt für die Konsumierenden erlebbar zu machen. Wer die Hintergründe kennt und Gelegenheit hatte, sich von der Qualität zu überzeugen, der wird bewusster einkaufen und auch höhere Preise akzeptieren, so die Erwartung der Projektbeteiligten.

Aromatischer Geschmack – auch ohne Salz und andere Gewürze
Mit der Aufgabe innovative Vermarktungsstrategien für Zweinutzungshühner zu entwickeln, beschäftigten sich im Sommer 2023 auch Studierende der Fachrichtung Food Management der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). Im Rahmen eines Praxisprojektes waren sie aufgerufen, sowohl Fleisch als auch Eier von Zweinutzungshühnern blind zu verkosten und zu bewerten.

Im Test waren vier Linien von Zweinutzungshühnern aus ökologischer Produktion sowie Hühner bzw. Eier aus dem Supermarkt zum Vergleich. Anhand eines mehrteiligen Fragebogens beurteilten die Studierenden die sensorischen Eigenschaften wie Aussehen, Geschmack und Geruch von Brust, Flügel und Schlegel sowie vom Sud und den Eiern.

Auch wenn es sich nur um einen ersten Test handelt, an dem nur wenige Personen teilnahmen, lässt sich das allgemeine Urteil kurz zusammenfassen: „Zweinutzungshühner schmecken besser!“ Obwohl ohne Salz oder andere würzende Zutaten gekocht, konnten sie vor allem durch ihr Aroma überzeugen. Sollten sich diese Ergebnisse in weiteren Tests bestätigen, könnten Zweinutzungshühnern von den Verbraucher:innen stärker akzeptiert werden und zu deren weiteren Verbreitung beitragen.

HINTERGRUND: Projekt ZweiWert
Im Rahmen der Europäische Innovationspartnerschaften (EIP) fördern die Europäische Union (EU) und das Ministerium für Ernährung, ländliche Räume und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) das Projekt „Aufbau von Wertschöpfungsketten für Zweinutzungshühner in Baden-Württemberg“ (ZweiWert) von 01/2022 bis 12/2024. Unter der Leitung des Naturland-Verbandes Baden-Württemberg e. V. befassen sich mehrere Fachgebiete der Universität Hohenheim sowie weitere Partner:innen aus der landwirtschaftlichen Erzeugung und Vermarktung mit dem Aufbau einer Wertschöpfungskette zu Zweinutzungshühnern in Baden-Württemberg. Dabei möchten sie alle Stufen von der Züchtung bis zur Vermarktung im Dialog unterstützen, um so ein Angebot von Zweinutzungshühnern aus bäuerlicher Züchtung und Haltung mit sich daran anschließender regionaler Verarbeitung und Vermarktung zu schaffen.

Weitere Infos: https://www.zwei-wert.de

Quelle: Universität Hohenheim

Schluckimpfung gegen Ileitis: Gesunde Schweine sind die Basis

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Auseinanderwachsen, dünner Kot – das sind typische Symptome für die Darmerkrankung Ileitis. Gerade in Zeiten mit hohen Futterkosten und bei Vermarktung über Haltungsstufe 3 und 4 sind die Betriebe alarmiert. Eine Impfung kann die Tiere schützen. Wie das schnell und sicher geht, hat Ralf Wülpern aus Rockstedt herausgefunden.

Ralf Wülpern aus Rockstedt, Landkreis Rotenburg (Wümme), hält 520 Sauen im 3-Wochen-Rhythmus und hat in einem weiteren Stall zusätzlich 2.700 Aufzuchtplätze. Er macht sich viele Gedanken um die Tiergesundheit und setzt gerne auf vorbeugende Maßnahmen. „Gesunde Schweine sind für uns elementar, sie sind die Basis unserer Vermarktungsstrategie. Wir halten Ferkel mit Ringelschwanz, weil wir auch an Mäster liefern, die für die Haltungsstufen 3 und 4 Strohschweine mästen und eine Vermarktung an Metzgereien betreiben. Der Ringelschwanz funktioniert nur bei ganz gesunden Tieren, die sich zudem wohl fühlen. Deswegen setzen wir neben ausgeklügeltem Futter mit viel Struktur schon lange auf umfangreiche Impfungen im Ferkelalter wie PRRS, Mykoplasmen und Circo“, so der Landwirt.

Doch trotz so gut geschützter Ferkel kann es Probleme geben. „Wir liefern unsere Ferkel an insgesamt 5 feste Mäster. Vor einiger Zeit fingen die Tiere bei einem Mäster plötzlich an mit Durchfall und bei einem anderen mit Auseinanderwachsen. Die Diagnostik dort vor Ort ergab dann Ileitis“, erinnert sich Ralf Wülpern. Die Darmerkrankung Ileitis ist sehr verbreitet. Der Erreger ist in nahezu jedem Stall vorhanden. Nicht nur die akute Form macht Probleme, sondern auch schon die subklinische Verlaufsform. Denn auch wenn sie keine Krankheitssymptome auslösen, haben die Lawsonien trotzdem einen großen Einfluss auf die biologischen Leistungen. Behandeln kann man die Ileitis mit Antibiotika, doch diese Therapie kann nur für den akuten Fall eine Lösung sein, denn sie schützt nicht die nachfolgenden Schweine. Für den dauerhaften Schutz über die gesamte Mastdauer gibt es die Schluckimpfung gegen Ileitis.

Impfung gegen Ileitis beugt vor
Deshalb startete der Mäster eine Woche nachdem er die 28 kg-Ferkel von Ralf Wülpern bekam, mit der Schluckimpfung gegen Ileitis. Doch das funktionierte nicht so gut wie erwartet, weil die Impfung offensichtlich zu spät kam. Tierarzt Sönke Hartjen, Vet-Team GmbH aus Vechta, erklärt warum: „Infektion und Impfung hatten sich zeitlich überlagert. Die Ferkel infizieren sich sofort beim Einstallen in die Mast, und wenn sie dann nicht geimpft sind, bricht die Erkrankung kurze Zeit später aus. Insofern muss die Impfung bereits in der Aufzucht rechtzeitig vor der Infektion erfolgen, damit die Ferkel spätestens zur Einstallung in die Mast eine belastbare Immunität ausgebildet haben.“ Deshalb wandte sich der Mäster an Ralf Wülpern. Für den Sauenhalter war sofort klar, dass er die Schluckimpfung in sein Tiergesundheitsmanagement integriert, obwohl eine sofort eingeleitete Diagnostik bei drei Altersgruppen seiner Ferkel noch keine Lawsonien nachweisen konnte. „Wir haben die Mäster informiert und alle waren sofort damit einverstanden, auch mit der finanziellen Beteiligung. Wir machen es immer so, dass alle Mäster auch alle Maßnahmen mittragen, das funktioniert gut.“

Schneller geht es mit der Ileitis-Pumpe
Die Schluckimpfung gegen Ileitis kann oral gedrencht oder über Trinkwasser oder Flüssigfütterung verabreicht werden. Die ersten zwei Durchgänge drenchte Ralf Wülpern mit seinem Team, was aber bei knapp 1000 Ferkeln alle drei Wochen sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Deshalb stellte Ralf Wülpern auf die Schluckimpfung via Trinkwasser um. Er nutzt dafür die Ileitis-Pumpe. Sie ist noch recht neu auf dem Markt. Eine Pumpe nur für die Ileitis-Impfung ist eine gute Lösung, da sie ausschließlich für den Impfstoff genutzt wird, sie ist nicht verunreinigt und daher in der Hygiene deutlich besser. Medikamentendosierer werden auch für Leitungsdesinfektion, orale Antibiotikagaben und sonstige Medikamente und für Säurezugaben genutzt, weshalb man sie sehr gut säubern muss, wenn man sie auch für den Impfstoff nutzen möchte. Schnell passieren sonst Fehler, und der Impfstoff kann nicht wirken. Die Ileitis-Pumpe braucht nur wenig Platz, sie wird einfach installiert, und sämtliches Material für den Einbau ist dabei. „Einmal eingebaut und auf den Wasserdruck eingestellt läuft sie ohne weiteren Aufwand“, so Tierarzt Sönke Hartjen. Damit die Ferkel zum Einstallen in die Mast eine Immunität aufbauen können, erfolgt die Impfung 2 Wochen vor Ende der Aufzucht. „Dieser späte Impfzeitpunkt ist für die beteiligten Betriebe ideal. Die Ferkel sind alt genug und stabil sowie impffähig und je später wir impfen, desto länger schützt die Impfung in der Endmast“, sagt Sönke Hartjen.

Mäster sehen Impferfolge
Ralf Wülpern ist bisher sehr zufrieden mit der Ileitis-Pumpe. „Wir haben sie jetzt seit einigen Wochen im Einsatz und nach anfänglichen Anpassungen läuft alles prima. Wir müssen jetzt nur noch einen knappen Liter Wasser vorbereiten, den blauen Wasserstabilisator Thiosulfat hinzufügen und dann die benötigten rund 1.000 Impfdosen hinzufügen. Dann ergibt alles zusammen 3 Liter Stammlösungsvolumen. Schließlich wird die Pumpe angestellt, damit sie innerhalb von 6 Stunden den Impfstoff in jedes Abteil transportiert. Nach 6 Stunden ist die Impfung beendet, ohne dass wir uns weiter kümmern müssen. Jedes Schwein hat dann seine Dosis aufgenommen. Die Pumpe ist sehr leicht zu bedienen und bringt die Impfung schnell und problemlos zum Tier“, zeigt sich Ralf Wülpern sehr zufrieden.

Die Mäster, die jetzt schon seit einem Jahr Ileitis-geimpfte Ferkel von Ralf Wülpern bekommen, sind mit dem Impfergebnis ebenfalls zufrieden. Das Auseinanderwachsen ist vorbei und auch die Darmstabilität ist besser geworden. Die Verkaufsgruppen sind einheitlicher und die Abteile 5 bis 7 Tage früher geräumt. Die Mäster möchten die Schluckimpfung gegen Ileitis auf jeden Fall beibehalten. Und auch Ralf Wülpern und Tierarzt Sönke Hartjen befürworten das. „Eine stabile Darmgesundheit ist die Basis für das tierische Wohlbefinden und für eine gute Futterverwertung. Speziell der letzte Punkt ist bei den derzeit ständig steigenden Futterpreisen auch ein Argument für die Schluckimpfung“, so Sönke Hartjen, „und mit der neuen Ileitis-Pumpe ist die Schluckimpfung einfach und schnell durchgeführt.“

Hntergrund
Ileitis – Nicht allein der Durchfall ist das Problem
Der Erreger der Ileitis verursacht verschiedene Krankheitsbilder. Manche führen zu schweren Verlusten, wie die akute Form der Ileitis, die sogenannte PHE (porzine hämorrhagische Enteropathie). Häufiger sind jedoch mildere Verläufe der Ileitis, die mit Durchfällen und Kümmern einhergehen (PIA: porzine intestinale Adenomatose). Die häufigste Verlaufsform in den Beständen ist jedoch die subklinische Ileitis (d.h. also ohne typische Anzeichen wie Durchfall), welche zu gravierenden Leistungsverlusten führt und damit zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen. Über den Kontakt mit Erreger haltigem Kot gelangt Lawsonia intracellularis in den Darm eines dann frisch infizierten Schweines. Dort sucht der Erreger zielstrebig die sogenannten Kryptepithelzellen der Darmschleimhaut auf, die durch Zellteilung für den permanenten Ersatz abgestorbener Darmschleimhautzellen sorgen. Die Darmschleimhaut verdickt sich, und in der Folge ist die Resorption von Nährstoffen aus der Nahrung gestört.

Dieser Beitrag erschien zuerst im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 5/23

Wie bleibt der Darm bei Puten gesund?

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Von Viola Erfkämper, LWK NRW

Ein gesunder Darm und eine optimale Fütterung von Puten sind die besten Voraussetzungen für eine ideale Nährstoffaufnahme und damit für hohe Leistungen und Wohlbefinden. Welche veterinärmedizinischen Aspekte sind beim Thema Darmgesundheit zu beachten und wie kann man Puten gesund und effizient füttern? Zu diesen Fragen informierten die Experten Dr. Ronald Günther (Fachtierarzt für Geflügel) und Dr. Hartmut Meyer (Moorgut Kartzfehn) in einer Online-Veranstaltung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Netzwerks Fokus Tierwohl.

Die Gemeinschaft der Mikroorganismen im Darm nennt sich Mikrobiom. Dazu gehören Symbionten (die „Guten“), Kommensalen (die „Neutralen“) und Pathogene (die „Schlechten“). Es handelt sich hierbei um eine Vielzahl unterschiedlicher Mikroorganismen, wie zum Beispiel Bakterien, Pilze, Viren und Einzeller. Das Mikrobiom, auch Darmflora genannt, entwickelt sich vom Eintagsküken zum erwachsenen Tier. Seine Zusammensetzung variiert je nach Darmabschnitt. Die Verweildauer des Futters im Verdauungstrakt ist beim Geflügel im Vergleich zu anderen Tierarten sehr kurz, daher unterscheidet sich auch die Zusammensetzung des Darmmikrobioms deutlich. Dr. Günther erklärte, dass die Bakteriengemeinschaft im Darm sinngemäß ein wichtiges Organ darstelle, dessen Gesundheit genauso wichtig sei wie die der anderen Organe.

Dysbiose durch Stress?
Wenn die Darmflora in ein Ungleichgewicht kommt, bezeichnet man dies als Dysbiose. Die Ursachen für die Entstehung von Dysbiosen sind vielfältig:


Zuerst erschienen im zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin an. Zum kostenfreien Abo bitte einfach hier anmelden und dann den Link in der Bestätigungs-Mail anklicken. Anschließend den Artikel in der letzten Ausgabe weiterlesen: