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Nachhaltig erfolgreich in der Bio-Schweinehaltung – Bioland Schweinefachtagung 2024

Dr. Werner Hagmüller identifizierte in seinem Vortrag bei der Bioland-Schweinefachtagung „Stolpersteine und wie man sie aus dem Weg räumt“, in den Bereichen Haltung und Fütterung, bei der Tiergesundheit und – in der Selbstzufriedenheit. In Österreich gäbe es einen speziellen Stolperstein in der Haltung, weil bisher galt, dass 10 % der Mindestauslauffläche für Bio-Schweine nicht überdacht sein mussten, wodurch in der Mast relativ wenig Regenwasser in die Ausläufe gelangte. Seit einem Audit der EU-Kommission stehe aber fest, dass in Österreich zukünftig nur noch 50% der Fläche überdacht sein dürfen. Selbst wenn der Landwirt dann in regenreichen Perioden täglich ausmiste, bliebe es bei erhöhten Emissionen. Ein wirkungsvoller Schutz vor Regen – und vor allem auch Sonne – sei dann nicht mehr gegeben, erklärte Dr. Hagmann. Bis 2023 muss also in Österreich jedes Dach über einem Auslauf auf 50% gekürzt werden. Das würde nicht nur erheblichem baulichem Aufwand bedeuten, sondern auch das Problem der Verschmutzung nicht wirklich lösen. Auch dann nicht, wenn der Spaltenboden-Anteil im Auslauf ebenfalls auf die Hälfte der Fläche steige. Ein weiterer Stolperstein liegt laut Dr. Hagmann im Bereich Arbeitswirtschaft, weil häufig alle im Betrieb tätigen Personen, ob Angestellte oder Familienmitglieder, mit ihren täglichen Aufgaben vollständig ausgelastet sind. Zwei Lösungsansätze sieht der Tierarzt hier: klare Funktionstrennung im Stall und Automatisierung. Es müssten Ställe funktionsgetrennt gebaut werden für Ruhe, Aktivität, Futteraufnahme und Ausscheidung und das Schwein müsse auch klar verstehen, wo welcher Bereich zu finden ist. In verschmutzen Strohbereichen fällt unnötige Mehrarbeit bei der Entmistung an. Auch wenn z. B. im Liegebereich Kisten eingebaut würden deren Belüftung nicht optimal funktioniert, begännen Schweine dort Harn und Kot abzusetzen, weil es drinnen stickig wird. Der Arbeitsaufwand steige entsprechend, wenn keine diffusionsoffenen Abdeckungen angebracht würden. Als sinnvolle Automatisierungsmöglichkeiten nannte der Referent Einstreuwagen für die Strohausläufe oder Rohrleitungen unterm Dach für Stroh (und auch für Raufutter). Als Beispiel für einen Stolperstein bei der Tiergesundheit nannte Dr. Hagmann zunächst die Bodenbeschaffenheit. Gerade in Abferkelställen sei die richtige Bodenqualität eminent wichtig. „Besenstrich“ bedeute mit hundertprozentiger Sicherheit, dass der Boden zu rau gestaltet wurde, Ferkel zeigten aufgescheuerte Karpalgelenke und auch Zuchtsauen bekämen dort Klauen-Probleme. Würden Böden im Lauf der Zeit zu glatt, könne man sie mithilfe von Schnitten wieder aufrauen oder fertige Bodenelemente mit Rautenmuster einsetzen, auf denen die Tiere immer einen guten Stand hätten. Auch Gussasphalt sei geeignet, vorausgesetzt er wird leicht abgesandet, damit die Oberfläche nicht rutschig wird. Ebenso wichtig für den Tierarzt ist wirksame Kälteisolation der Liegebereiche durch Dämmung und Beseitigung von Kältebrücken etwa an Außenwänden. Infrarotbilder könnten hier wichtige Hinweise geben. Zum Stolperstein in der Fütterung könne sowohl zu hoher als auch zu niedriger Rohproteingehalt in der Ration werden. Erhielten Schweine in Ferkelaufzucht oder Mast sehr viel Rohprotein, damit sie gut wachsen, führe das zu Durchfällen und schon bei kleinen Ferkeln zum Entzündungs- und Nekrosesyndrom (SINS), weil die Leber überlastet würde. Wenn dagegen zu wenig Protein – und damit zu wenige Aminosäuren – zur Verfügung gestellt werden, könne dies am Ende zu Schwanzbeißen führen. Zwar trete nach einer REWE-Erhebung von 2021 Schwanzbeißen in Biobetrieben selten auf (in Österreich über 85% intakte Ringelschwänze), aber Schweine hielten eben auch unglaublich viel aus, bevor sie Verhaltensstörungen zeigen. Am Anfang stimmten die Futterkomponenten nicht, dann käme vielleicht ein falscher Vermahlungsgrad hinzu, dann eine fehlende Entwurmung und irgendwann brächte dann etwa ein plötzliches Gewitter das Fass zum überlaufen und es käme zum Schwanzbeißen. Hier sei immer die Frage: was ist nur Auslöser und was die eigentliche Ursache? Bei der Fütterung müsse der Feinanteil genau kontrolliert werden, ebenso die Futterhygiene und die Rationsgestaltung insgesamt. Ein Stolperstein bei der Tiergesundheit seien z. B. Ferkeldurchfälle durch Kokzidien-Befall. Sie müssten unbedingt behandelt werden, auch wenn dazu die „chemische Keule“ mit dem nötig und beim Wirkstoff Toltrazuril lange Wartezeiten einzuhalten seien. Ebenso dürfe man den Schlachthofbefund „Milk Spots“ nicht einfach abtun. Ein paar weiße Flecken auf der Schweineleber würden eben verursacht durch 30 cm lange Würmer im Dünndarm, von denen dort vielleicht 20 Exemplare zu finden wären. Dass derart befallene Tiere leiden liege auf der Hand und deshalb sei Entwurmung nichts anderes als gelebter Tierschutz. Als letzten Stolperstein für Bio-Schweinehalter identifizierte der Österreicher Selbstzufriedenheit. Er höre immer häufiger, „die konventionelle Schweinehaltung ist noch meilenweit vom Bio-Standard entfernt“. Das möge vielleicht stimmen, was das Gesamt-Konzept angehe, aber wer wirklich nur in den Schweinestall schaue der könne sehen, dass die konventionellen Schweinehalter aufholten und, dass die Bemühungen der Konventionellen auch von Konsumenten und Medien wahrgenommen würden. Beim Strohauslauf eines konventionellen Betriebes könnten Käufer und Medien eben nicht erkennen, ob Schweine auf 2,3 qm oder 1,5 qm gehalten werden. Auch wenn es im Stallinneren Vollspalten gebe, sähen Laien eine Auslauf-Haltung, wie sie sie gerne hätten. Und sei der konventionelle Auslauf auch noch vollständig überdacht, würde es noch dazu viel besser riechen, als vor dem nur halb überdachten Bio-Stall. Der Tierarzt zeigte bei seinem Vortrag etliche Bilder aus konventionellen Haltungen mit Stroh-Ausläufen und bestem Stallklima und fragte provokant: „Werden manche Konventionelle die besseren Bios?“ Deswegen rät Dr. Hagmann Bio-Schweinehaltern zu überlegen, wo sie sich noch verbessern könnten. Bio biete immer noch sehr gute Voraussetzungen für eine tiergerechte Schweinehaltung, aber die Starrheit der EU-Bio-VO könnte zukünftig ein echter Hemmschuh werden, vor allem im Blick auf Emissionsminderung. Erfolgreiche Schweinehalter hätten Stallbau, Haltung, Fütterung, Management im Griff – und vor allem genügend Zeit, um bei Problemen im Betrieb sofort eingreifen zu können. Erfolg werde grundsätzlich vom Betriebsleiter definiert – unabhängig von der Wirtschaftsweise! Website von Dr. Werner Hagmüller

Der Tierhaltung eine Zukunft geben

Das zweitägige „Nutztier-Forum“ am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) mit dem Schwerpunkt „Tierwohl“ brachte hochkarätige Experten aus Politik, Praxis und Forschung zusammen. „Welche Zukunft hat die Nutztierhaltung? Wie können Politik, Gesellschaft, landwirtschaftliche Praxis und Forschung besser zusammenarbeiten und gemeinsam Konzepte für die Zukunft der Tierhaltung entwickeln?“, begrüßte der Vorstand des FBN, Prof. Dr. Klaus Wimmers, die rund 150 geladenen Gäste. An zwei Tagen diskutierten Fachleute aus Wissenschaft, Politik, Forschung und Praxis über Fragen zur Verbesserung des Tierwohls in Deutschland. Claudia Müller, Parlamentarische Staatssekretärin aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) begrüßte die Teilnehmenden am Freitag und unterstrich die Bedeutung des Forums: „Nach vielen Jahren der Krise hat die Tierhaltung in Deutschland bereits einen Strukturbruch hinter sich. Der zukunftsfeste Umbau der Tierhaltung ist eines der zentralen Projekte des BMEL in dieser Legislaturperiode. Mit der verpflichtenden Tierhaltungskennzeichnung für Schweine, Vereinfachungen beim Baurecht und beim Immissionsrecht, einer Herkunftskennzeichnung und dem Start des Bundesprogramms zum Umbau der Tierhaltung sind wir bereits erste große Schritte gegangen. Der Umbau ist jedoch nur gemeinsam zu bewältigen. Orte wie das Nutztier-Forum sind deshalb wichtige Möglichkeiten, an denen sich Akteure aus Politik, Wissenschaft und Praxis über gemachte Erfahrungen austauschen und über gangbare Wege diskutieren können. Nur im Miteinander können wir der Tierhaltung in Deutschland eine Zukunft geben.“ In vier Themenschwerpunkten wurde das Tierwohl ins Zentrum der Debatte gestellt. „Ich freue mich sehr, dass es dem FBN Dummerstorf gemeinsam mit der Landesforschungsanstalt gelungen ist, nach mehrjähriger Pause wieder eine hochkarätige Tagung zu organisieren. Die vergangenen zwei Jahre wurden intensiv genutzt, um neue Akzente zu setzen, sich den gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen noch stärker zu stellen und auch Aspekte der Nachhaltigkeit, des Umwelt- und Klimaschutzes und des Tierwohles stärker in den Fokus zu nehmen. Das Thema ist hoch aktuell. Die Nutztierforschung steht vor großen Herausforderungen. Die Sicht auf moderne Tierhaltung und tierische Produkte hat sich verändert. Auch auf politischer Ebene wird zahlreich zum Thema Tierwohl diskutiert. Umso wichtiger ist es, dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu allen Aspekten aus diesem Kontext austauschen. Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie steht in einer langen Tradition, hat im Bereich der Nutztierforschung einen internationalen Ruf und wird diesen auch weiterhin ausbauen“, führte Staatssekretärin Elisabeth Aßmann aus dem Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern aus, die zur Eröffnung am Donnerstag ein Grußwort an die Gäste richtete. Die Impulsvorträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Praxis thematisierten die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Erwartungen der Verbraucher und Gesellschaft, neueste Forschungsansätze zum Tierverhalten und angepasste Haltungs- und Managementmaßnahmen aus der Praxis für eine Verbesserung des Tierwohls. „Die Nutztierhaltung steht vor immensen Herausforderungen, um den Wünschen von Markt, Politik und Gesellschaft gerecht zu werden. Dass hier die Agrarforschung eine wichtige Rolle einnehmen muss, ist unbestritten. Daher sind Veranstaltungen wie das zweitägige Nutztierforum am Standort Dummerstorf von elementarer Bedeutung, um die Akteure in der Wertschöpfungskette zusammenzubringen und den großen Bogen zur Einordnung von Tierwohl zu schlagen. Das Nutztierforum hat hier wichtige Denkanstöße gegeben. Die Kapazitäten im Bereich der Nutztierforschung zu bündeln und Daten sowie Fakten in Diskussions- und Entscheidungsprozesse einzubinden, ist Gebot der Stunde“, fasste Dr. Peter Sanftleben, Direktor der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei, die Mitorganisatorin des Nutztier-Forums ist, die verschiedenen Perspektiven zusammen. „Wir brauchen wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse und Lösungen für mehr Tierwohl und Tiergesundheit und den Umgang mit Zielkonflikten im Kontext von Tier-, Umwelt- und Klimaschutz“, bemerkt Prof. Dr. Klaus Wimmers. „Nur so kann eine moderne, nachhaltige Landwirtschaft geschaffen werden, die sowohl den Bedürfnissen der Tiere als auch den gesellschaftlichen Anforderungen gerecht wird.“ Das Nutztier-Forum am FBN stellt die Nachfolge-Veranstaltung des Wilhelm-Stahl-Symposiums dar, das zuletzt 2018 ausgerichtet wurde und alle fünf Jahre Expertinnen und Experten der Nutztierbiologie in Dummerstorf versammelte. In seiner neuen Form wird die Tagung von nun an alle zwei Jahre stattfinden. Das FBN bedankt sich bei den Sponsoren des Nutztier-Forums: Arla Foods Deutschland, Fleischwerk EDEKA Nord, Landwirtschaftliche Rentenbank, RinderAllianz, Zoetis Deutschland. Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Die Zukunft der Nutztierforschung am FBN: Neuer Fokus, Struktur und Auftritt

Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) präsentiert sich mit neuen Schwerpunkten, veränderter Organisation und frischer Präsenz Mit dem Nutztierforum wird am FBN ein neues Kapitel aufgeschlagen: anlässlich der hochkarätig besetzten Tagung stellt sich das traditionsreiche Forschungsinstitut mit einem neuen Forschungsprogramm vor. Vorstand Prof. Dr. Klaus Wimmers resümiert: „Vier Jahre intensiver Arbeit liegen hinter uns, in denen wir alles auf den Prüfstand gestellt haben. Wir haben nicht nur eine neue Struktur geschaffen, sondern vor allem neue Schwerpunkte identifiziert, um Konzepte für die zukünftige landwirtschaftliche Nutztierhaltung zu entwickeln.“ Vier Fokusthemen für mehr Interdisziplinäre Forschung Statt in sechs Instituten wird am FBN künftig stärker interdisziplinär geforscht: In vier Fokusthemen, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam zu den physiologischen und ethologischen Fähigkeiten der Tiere sowie ihrer Interaktion mit der Umwelt und den zugrundeliegenden regulatorischen und adaptiven Mechanismen forschen. Dadurch können nachhaltige Lösungen und wissenschaftlich fundierte Kompromisse abgeleitet werden, die das Tierwohl und die Tiergesundheit, effiziente Ressourcennutzung sowie die Förderung von Biodiversität reflektieren. Ganzheitlicher Blick auf das Tier „In den vier Fokusthemen Nutztierhaltung individualisieren, Nutztierhaltung in Kreisläufen gestalten, Kritische Lebensphasen von Nutztieren bewältigen und Vielfalt in der Nutztierhaltung fördern steht das Tier im Zentrum“, erklärt Prof. Dr. Klaus Wimmers. „Durch den verstärkt interdisziplinären, dynamischen Ansatz können unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenste Ansätze in einem gemeinsamen Projekt zusammenführen und ermöglichen so einen ganzheitlicheren Blick auf das Nutztier, vom Genom bis zum Verhalten, von der Ernährung bis zu den Haltungsbedingungen. So können wir nicht nur inhaltlich besser zusammenarbeiten, auch die Ressourcen am FBN werden effizienter genutzt. In den vier Fokusthemen haben wir darüber hinaus jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglicht, sich weiterzuentwickeln und wichtige Positionen im FBN zu besetzen.“ Neues Design unterstreicht Zukunftsorientierung Die Veränderungen im Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) werden ab sofort auch nach außen wirken: Ein neues Logo, frische Farben und ein überarbeiteter Internetauftritt repräsentieren den zukunftsorientierten Kurs der Forschungseinrichtung. „Wir sind stolz auf unsere Tradition und auf das Erreichte“, fasst Prof. Dr. Klaus Wimmers zusammen. „Aber wir richten unseren Blick in die Zukunft und freuen uns darauf, die wissenschaftlichen Grundlagen für eine moderne, nachhaltige Landwirtschaft zu schaffen, die sowohl den Bedürfnissen der Tiere als auch den gesellschaftlichen Anforderungen gerecht wird.“ Mehr zur strukturellen, wissenschafts-organisatorischen und grafischen Neuausrichtung des FBN ist auf der Instituts-Website einsehbar. Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

QS-Eigenkontrollcheckliste jetzt im App-Store

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Neue App für Tierhalter und Erzeuger im QS-System • QS-Eigenkontrollcheckliste kann in der App direkt beim Stall- bzw. Betriebsrundgang bearbeitet werden • Deutliche Zeitersparnis im Audit vor Ort • Zielgruppenspezifisches Newsportal liefert alle relevanten Informationen aufs Handy Für die betriebliche Eigenkontrolle stellt die QS Qualität und Sicherheit GmbH (QS) für Systempartner aus der Landwirtschaft und Erzeugung Eigenkontrollchecklisten zur Verfügung. Diese können jetzt auch in der neuen App „QS-Eigenkontrollcheckliste“ aufgerufen und bearbeitet werden. Ein integriertes Newsportal ergänzt die Checklistenfunktion und informiert die Nutzer zeitnah über die für sie relevanten Neuigkeiten rund um das QS-System. Die QS-Eigenkontrollcheckliste unterstützt die verpflichtende betriebliche Eigenkontrolle im QS-System. Mit der neuen App können Tierhalter und Erzeuger von Obst, Gemüse und Kartoffeln diese Liste auf ihrem Laptop im Web oder auf ihrem Smartphone einsehen und bearbeiten – unabhängig von Ort und Zeit. Ist die Checkliste vollständig, können Tierhalter und Erzeuger diese direkt an ihre Zertifizierungsstelle weiterleiten. Das erspart viel Zeit im Audit, da die Zertifizierungsstelle die Eigenkontrollchecklisten schon vor dem Vor-Ort-Termin einsehen kann. Über ein Newsportal in der App erhalten die Nutzer zielgruppenspezifische aktuelle Informationen zur Qualitätssicherung in ihrem Betrieb. Die App ist kostenlos in jedem App-Store unter dem Stichwort „QSEigenkontrollcheckliste“ herunterladbar. Quelle: QS Qualität und Sicherheit GmbH

Tiergesundheit – eine Frage der Haltung? Bioland Schweinefachtagung 2024

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Zur diesjährigen Schweinefachtagung des Bioland-Verbands war auch Dr. Stefan Wesselmann eingeladen, um über die Haltung von Schweinen zu sprechen. Der Schweine-Spezialist aus Hohenlohe beleuchtete das Thema dann aus zwei Blickwinkeln: dem menschlichen und dem tierischen. Das Tierschutzgesetz macht klare Vorgaben: jeder der Tiere hält, darf ihnen keine Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Wer ein Tier hält, muss es seiner Art und seinen Bedürfnisse nach angemessen ernähren, pflegen und unterbringen. Und: jeder Halter muss über die entsprechenden Kenntnisse verfügen. Aus Sicht des Menschen empfiehlt Dr. Wesselmann Selbstreflektion: • Was darf ich vom Tier erwarten? Welche Grenzen für biologischen Leistungen gibt es? • Bedeutet „gute Leistung“ automatisch gute Tiergesundheit? • Wie(so) lassen sich in der Bio-Haltung höhere Mortalitätsraten als bei konventioneller Haltung rechtfertigen? • Ist die Versorgung der Tiere auch gewährleistet, wenn jemand auf dem Hof krank wird? • Ist meine Haltung zum Tier empathisch? Erfahren meine Tiere Zuwendung? • Bekommen meine Tiere Futter, Wasser, Wärme immer in bester Qualität? • Werden kranke Tiere rechtzeitig behandelt und falls nötig fachgerecht und rechtzeitig notgetötet? Die tiergerechte Haltung von Schweinen beginnt für den Tierarzt mit einer Stallplanung, bei der die Tiergesundheit im Vordergrund steht, statt sich an „bewährten“ Lösungen zu orientieren: • ausreichende Zahl von Kranken- und Genesungsbuchten, • Maßnahmen zur effektiven Unterbrechung von Infektionsketten, • Schutz vor Zugluft, Kälte, Staub und Sonne. Es müsse ständig an der Tiergesundheit gearbeitet werden, nach dem Motto des niederländischen „Schweineflüsterers“ Kees Scheepens: beobachten, erkennen, handeln! Warum aber kommt es in der Praxis häufig zu Problemen in eben diesen Bereichen? Das, sagt der Tierarzt, liege an der „kognitiven Dissonanz“, wenn man sich also Probleme schönredet statt sie zu lösen. Beliebt sei etwa sich selbst zu beruhigen mit: „bei anderen Schweinehaltern ist das ja genauso“ oder „ein paar hustende Schweine sind in der Bio-Haltung ganz normal“. Typische Beispiele für allseits bekannte Prophylaxe-Maßnahmen, gegen die jedoch häufig verstoßen wird, hatte der Referent dann gleich parat: • eine ausreichende Zahl von Krankenbuchten lässt Schweine schneller gesund werden – aber dazu müssen leere Flächen teuer bezahlt werden; • gibt es mehr Platz im Stall, werden Altersgruppen nicht mehr gemischt und Infektionen verhindert – was wiederum Fläche voraussetzt; • Nabeldesinfektion nach der Geburt kann Nabelbrüche und Gelenkentzündungen erheblich reduzieren – auch wenn sie zeitaufwändig ist; • wird neu eingestallt, muss auch das Beschäftigungsmaterial erneuert werden – auch wenn dort noch Reste hängen und Arbeitszeit knapp ist; • bei der Ferkelimpfung die Injektionsnadel je Wurf zu wechseln bedeutet Aufwand – der jedoch die Übertragung von Krankheiten verhindert. Im zweiten Vortragsteil fragte Dr. Wesselmann: Welche Punkte sind aus Sicht des Tieres wichtig? Zuallererst sei dies eine gute und stabile Tiergesundheit, am besten durch geschlossene Produktion oder in der Mast der Direktbezug von einem Lieferanten sowie ein angepasstes Impfregime. Ställe müssten bei jeder Außentemperatur funktionieren und den Schweinen die nötige Wärme garantieren – gerade, wenn sie mal krank sind. Bei der Stallbauplanung ist die Windrichtung von zentraler Bedeutung. Es sollte keinesfalls an einer Stelle gebaut werden, nur weil dort zufällig schon Kanäle, Zuwege oder Strom vorhanden sind. Auch Sonnenschutz sei wichtig! Schweine bekommen leicht einen Sonnenbrand und leiden dann unter erheblichen Schmerzen. Ein aufrollbarer Sonnenschutz kann hier eine gute Lösung sein (und auch nachträglich eingebaut werden). Von zentraler Bedeutung sei die Unterbrechung von Infektionsketten sagte der Tierarzt. Verschiedene Altersgruppen müssen getrennt gehalten werden. Kontinuierliche Belegung und Fressen aus gemeinsamen Trögen sollte ebenso vermieden werden, wie Kot-Vermischung durch Schwenkgitter (beim Abschieben durch alle Buchten werden dort zuverlässig alle Schweine mit vorhandenen Keimen infiziert). Auch wenn Schweine im Auslauf zunächst eine freie Fläche überqueren müssten, um in den überdachten Strohbereich zu gelangen, sei – speziell bei Nässe – der Transport von Kot ins Stroh unvermeidlich. Ebenso problematisch sieht Dr. Wesselmann das Holz als Baumaterial. Salmonellenbefall und Dysenterie etwa ließen sich in Ställen mit Holzbuchten nicht wirklich wirksam bekämpfen. Auch gemeinsame Fresströge zwischen eigentlich getrennten Buchten, sorgen für eine allzu leichte Übertragung von Krankheitserregern über die Schweinenasen. Essentiell sei die Tierkontrolle: mindestens zweimal am Tag müsse jedes Tier begutachtet werden (auch und gerade in Großgruppen) und alle Schweine müssten stehen und laufen können. Krankenbuchten müssten für alle Altersgruppen in ausreichender Zahl eingeplant, leicht zu erreichen, zu kontrollieren und zu reinigen sein. Die Gründe für Lungenprobleme seien in den allermeisten Fällen Zugluft, Staubbelastung und Wurmbefall. Gegen Zugluft helfe entsprechende Planung (oder Nachrüstung von Windschutz), gegen Staub die Strohentstaubung im Stall oder schon auf dem Acker und gegen Würmer (die beim Schwein immer zuerst durch die Lunge wandern) die Entwurmung. In Außenklimaställen seien darüber hinaus Impfungen gegen PRRS, Mykoplasmen, Glässer und Pasteurellen wichtig. Auch sollte das Tier-Fressplatzverhältnis möglichst 1-zu-1 betragen – speziell in der Aufzucht. Schweine wollten eben immer gemeinsam fressen, nicht nacheinander. Und “Last but not least” müsse die Wasserdesinfektion sicher funktionieren. Viele von Stefan Wesselmanns Erkenntnissen sind nicht unbedingt neu. Kostendruck und Zeitmangel behindern aber allzu häufig eine tiergerechte Haltung von Schweinen. Und genau deshalb ist die Stallplanung „vom Tier her“ essentiell – nicht nur in der Bio-Haltung. Website von Dr. Stefan Wesselmann

Virtueller Zaun ohne Langzeitstress für Kühe

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Über drei Jahre testeten Forscher der Schweizer Agroscope ein virtuelles Zaunsystem, das Kuhweiden nur mit Ton- und Elektrosignalen begrenzt. Die Schweizer bauten ein solches virtuelles Zaunsystem für Milchkühe sowohl im Tal als auch im Berggebiet auf und fassen auf ihrer Website zusammen: „Das Resultat ist positiv: Die Kühe lernten nach durchschnittlich acht elektrischen Reizen korrekt an der virtuellen Grenze zu reagieren. Dies ist unter den jeweiligen Versuchsbedingungen mit früheren Studien vergleichbar. Die meisten Tonsignale und Stromimpulse traten in den ersten drei Tagen auf. Danach blieb die Anzahl der Stromimpulse gering und sank schließlich auf null, auch wenn die Kühe in eine andere Koppel mit neuer Zaunlinie gewechselt wurden.“ Derzeit sind solche Systeme aber in der Schweiz nicht erlaubt, dies könnte sich nach dem Positiven Test aber nun ändern. Das System zeigt ein YouTube-Video sehr anschaulich. Original-Meldung: https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/pflanzenbau/futterbau-grasland/virtueller-zaun.html

EU-Bericht unterstreicht Bedeutung der Reduktion von Antibiotika bei Menschen und Tieren

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Das ECDC (Europäisches Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten) veröffentlichte gerade eine Studie, in der es heißt: „Länder, die ihren Antibiotikaverbrauch sowohl bei Tieren als auch bei Menschen verringert haben, konnten einen Rückgang antibiotikaresistenter Bakterien verzeichnen.“ Gemeinsam mit der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) legt die ECDC eine integrierte Analyse des Verbrauchs antimikrobieller Wirkstoffe und des Auftretens antimikrobieller Resistenzen (AMR) bei Bakterien von Menschen und lebensmittelliefernden Tieren (JIACRA IV) vor. Der Bericht verfolgt einen One-Health-Ansatz, und präsentiert Daten, die hauptsächlich zwischen 2019 und 2021 zu Antibiotikaverbrauch und AMR (anti-mikrobielle Resistenzen) in Europa gesammelt wurden. Die wichtigsten Ergebnisse und ihre Auswirkungen im Überblick • Im Jahr 2021 wurde die Gesamtverbrauch von Antibiotika (AMC = anti-microbial consumption) bei Menschen in 29 EU-/EWR-Ländern auf 125,0 mg pro kg Biomasse geschätzt (in 28 Ländern im Bereich zwischen 44,3–160,1) und 92,6 mg pro kg Biomasse für lebensmittelliefernde Tiere (29 Länder im Bereich zwischen 2,5–296,5). • Zwischen 2014 und 2021 sank der mittlere Gesamtverbrauch in mg pro kg bei lebensmittelliefernden Tieren um 44 %, während sie beim Menschen relativ stabil blieb. Auch schwankte der Verbrauch deutlich zwischen den EU-/EWR-Ländern, wobei die meisten, aber nicht alle Länder einen rückläufigen Trend aufwiesen. • Zwischen 2014 und 2021 wurde in 10 von 20 Ländern, die den Antibiotika-Einsatz bei lebensmittelliefernden Tieren deutlich reduzierten, das Indikatordarmbakterium E. coli bei diesen Nutztieren zunehmend anfälliger gegenüber antimikrobiellen Mitteln (d. h. es zeigte „vollständige Anfälligkeit“ oder „keine Resistenz“) ‚ zu einem harmonisierten Satz wichtiger antimikrobieller Mittel). Ebenso wurden in neun von 19 Ländern, die die Gesamtmenge der eingesetzten Antibiotika beim Menschen deutlich reduzierten, E. coli, die aus invasiven Infektionen des Menschen stammen, zunehmend anfällig (d. h. sie zeigten „vollständige Anfälligkeit“ oder „keine Resistenz“ gegenüber einer harmonisierten Gruppe wichtiger antimikrobieller Mittel). Diese Ergebnisse zeigen, dass eine Reduzierung der AMC insgesamt zur Senkung der AMR beitragen kann. Dies unterstreicht auch die Bedeutung von Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von Menschen und Tier, wie Impfungen und besserer Hygiene, um so den Bedarf an antimikrobiellen Mitteln zu verringern. • Daten von 2019 bis 2021 bestätigten einen Zusammenhang zwischen dem Verbrauch bestimmter Gruppen antimikrobieller Mittel und dem Auftreten von Antibiotikaresistenzen gegen diese Gruppen antimikrobieller Mittel in Bakterien sowohl von Menschen als auch von lebensmittelliefernden Tieren. • Beim Menschen wurden Unterschiede zwischen dem AMC-Spiegel von Carbapenemen, Cephalosporinen der 3. und 4. Generation und (Fluor-)Chinolonen und der Resistenz gegen jede dieser Gruppen bei E. coli gefunden, die von invasiven Infektionen des Menschen stammen. • Bei lebensmittelliefernden Tieren wurden positive Zusammenhänge zwischen dem AMC-Spiegel von (Fluor-)Chinolonen, Polymyxinen, Aminopenicillinen und Tetracyclinen und der Resistenz gegen jede dieser Gruppen bei Indikator-E. coli von zur Lebensmittelerzeugung genutzten Tieren festgestellt. • Beim Geflügel bestand ein positiver Zusammenhang zwischen der Aufnahme von (Fluor-)Chinolonen und der Resistenz gegen diese Gruppe antimikrobieller Mittel bei Campylobacter jejuni. • Bei Schweinen bestand ein positiver Zusammenhang zwischen der Aufnahme von (Fluor-) Chinolonen und Makroliden und der Resistenz gegen die jeweiligen Gruppen bei Campylobacter coli. In einigen Fällen wurde Resistenzen in Bakterien von Menschen auch mit Resistenzen in Bakterien von lebensmittelliefernden Tieren in Verbindung gebracht, die wiederum mit entsprechenden AMC bei lebensmittelliefernden Tieren in Verbindung gebracht wurden, insbesondere bei Kombinationen mit durch Lebensmittel übertragenen zoonotischen Bakterien wie Campylobacter jejuni und (Fluor)Chinolone und für Campylobacter coli und Makrolide. Link zu Original-Meldung und Download der Studie.

„Wie können wir Schweine im Offenstall vor ASP schützen?“ – Fachtagung des Verbunds trafo:agrar und dem Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt (HMLU)

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Über 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus landwirtschaftlicher Praxis, Wissenschaft, Wirtschaft und des öffentlichen Veterinärwesens sind der Einladung des Verbunds Transformationsforschung agrar Niedersachsen (trafo:agrar) sowie dem Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt (HMLU) gefolgt und haben am Donnerstag, 15. Februar 2024, auf einer Fachtagung zur Vorstellung der ASP-Risikoampel OFFENSTALL Herausforderungen und Perspektiven für Schweinehaltungen im Offenstall im Kontext der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland diskutiert. Insbesondere war die praktische Umsetzung des neuen europäischen Tiergesundheitsrechts (AHL) für Schweinehaltende und Behörden eines der Tagungsschwerpunkte. Anlass der vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und dem BMEL unterstützen Tagung zum Projektabschluss des aus dem hessischen Öko-Aktionsplan finanzierten Projekts, war die Vorstellung der ASP-Risikoampel OFFENSTALL, einem kostenlosen und frei zugänglichen Onlinetool zur Risikobewertung eines Eintrags von ASP in schweinehaltende Betriebe in Offenstallhaltung. Hessens Agrarstaatssekretär Michael Ruhl würdigte das neue Instrument: „Für mich ist diese Ampel gelebter Tierschutz.“ Die Hessische Landesregierung habe es sich zum Ziel gemacht, Innovationen in der Landwirtschaft zu fördern. „Das gilt vor allem für solche Verbesserungen, die Mensch und Tier dienen. Deshalb freue ich mich, dass die aus dem Ökoaktionsplan finanzierte Afrikanische Schweinepest-Ampel für Offenstallhaltungen nun an den Start geht.“ Zum Auftakt des Fachprogramms leiteten Dr. Madeleine Martin, hessische Landestierschutzbeauftragte, sowie Dr. Barbara Grabkowsky, Leiterin des an der Universität Vechta angesiedelten Verbunds trafo:agrar, in die fachliche Thematik ein. „Für die Zukunft, nicht nur der hessischen Schweinehaltung, brauchen wir auch in Zeiten der ASP eine sichere Perspektive für tiergerechte Haltungsformen. Das bereits bewährte Konzept der Risikoampeln ist aus unserer Sicht der richtige Weg, um aktuelles Wissen in die Praxis zu bringen“, so Dr. Martin. Unterstrichen wurde dies von Dr. Barbara Grabkowsky, die die Bedeutung des partizipativen Verfahrens bei der Entwicklung der Ampel herausstellte. „Akzeptanz für die notwendige Transformation in der Tierhaltung erreichen wir nur durch Einbeziehung aller relevanten Beteiligten auf Augenhöhe“, so Grabkowsky. Im Fachprogramm gab Frau Prof. Dr. Carola Sauter-Louis (FLI) einen Überblick und Ausblick zur ASP in Deutschland und Europa, gefolgt von einer positiven Bewertung der bisherigen Anstrengungen schweinehaltender Betriebe für mehr Biosicherheit. „Die Afrikanische Schweinepest ist nun schon seit über drei Jahren in Deutschland, vor allen Dingen bei Wildschweinen. Wir hatten bisher nur acht Ausbrüche bei Hausschweinen zu verzeichnen und dies ist höchstwahrscheinlich der sehr guten Umsetzung von Biosicherheitsmaßnahmen zu verdanken. Doch diese acht Ausbrüche zeigen auch, dass die Gefahr ständig existiert und wir nicht nachlassen können, die Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und zu optimieren“, so ihr Fazit. Die neu vom BMEL herausgegeben „Leitlinien zur Auslauf- und Freilandhaltung“ einschließlich der rechtlichen Herausforderungen für Schweinehalter vor dem Hintergrund des neuen EU-Tiergesundheitsrechts stellte Frau Dr. Barbara Hoffmann (BMEL) vor. „Die Neuerungen im Tiergesundheitsrecht bedeuten ein „Mehr“ an Verantwortung für die Schweinehaltende. Wichtig ist, dass diese nicht von diesen alleine, sondern gemeinsam mit den weiteren Akteurinnen und Akteuren im Sinne einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit getragen werden sollte – sei es mit den betreuenden Fachleuten oder auch mit den Veterinärbehörden. Das Thema “Biosicherheit/ Schutz vor biologischen Gefahren“ steht hier sicherlich bei der Prävention der ASP an erster Stelle.“ Abgerundet wurde der Überblick von den Ergebnissen zur Untersuchung der Biosicherheit von 16 hessischen Auslaufbetrieben hinsichtlich der ASP-Prävention, die Dr. Sabrina Becker von der Justus-Liebig-Universität Gießen vorstellte, denn „niemand weiß ob und wann die Afrikanische Schweinepest auch Hessen erreichen wird“, so die Wissenschaftlerin. Es zeigte sich, dass die Betriebe im Wesentlichen gut vorbereitet sind. Jedoch können Nachbesserungen der Einfriedung, die Aufklärung von Besuchern sowie einige Details in der Umsetzung einer konsequenten Schwarz-Weiß- und Hygiene-Strategie weiter mithelfen, die Biosicherheit zu optimieren, um den Eintrag der Seuche zu verhindern. Im fachlich-praktischen Teil der Tagung gab Dr. Stefanie Klausmann (SUISAG SGD, Sempach) einen fundierten Einblick in die Biosicherheitsmaßnahmen von Schweizer Schweinehaltungsbetrieben, welche bereits seit vielen Jahren flächendeckend über Erfahrungen mit der Offenstallhaltung verfügen. Eindringlich warnte sie jedoch vor den Gefahren der ASP. „Seit 2017 haben in Europa mehr als 2.3 Mio. Schweine aufgrund ASP ihr Leben verloren (Quelle: WAHIS-Daten, WOAH). Durch gute Biosicherheitsmassnahmen können wir zumindest die Keulung unserer Hausschweine verhindern. Aus diesem Grund sollten wir die «Friedenszeiten» nutzen und unseren Fokus auf eine gute Biosicherheit richten. Packen wir es an!“, so der Apell der Expertin. Die Erstellung der und die Arbeit mit der neuen ASP-Risikoampel stellten Dr. Maria Gellermann (trafo:agrar) und Dr. Jens van Bebber (Verein zur Förderung der Offenstallhaltung) vor. „Nur durch die engagierte Unterstützung zahlreicher Experten konnten in dieser Risikoampel nicht nur neue Inhalte, sondern auch neue Funktionen, wie z.B. Filterfunktion des Fragebogens implementiert werden“, so Dr. Gellermann, „in kontinuierlicher Weiterentwicklung des Konzepts Risikoampel erwarten wir einen hohen Mehrwert für die Praxis, das war unser Ziel“. Dr. Jens van Bebber präzisierte in seiner Präsentation diese Anforderungen der Praxis anhand des eigenen Offenstallbetriebs in der Grafschaft Bentheim. Zudem wies er auf die Notwendigkeit hin, Bemühungen im Umgang mit der ASP nicht bei der Prävention auf den Höfen enden zu lassen. Ebenso wichtig sei die Entwicklung von differenzierten Lösungen für die Vermarktung von Tieren aus einer Sperrzone heraus. Die Tagung endete mit einer angeregten Diskussion, u.a. mit Fragen zur praktischen Umsetzung des neuen Tiergesundheitsrechts, zu konkreten Maßnahmen für Offenstallhaltungen in ASP-Sperrzonen sowie zur gegenwärtigen Situation und zukunftsfesten Perspektiven für diese tiergerechte und gesellschaftlich erwünschte Haltungsform. Der direkte Zugang zur ASP-Offenstall-Risikoampel und weiteren ASP-Ampeln ist hier zu finden. Quelle: Universität Vechta

Welche Auswirkungen haben unterschiedliche Rohproteingehalte im Futter auf Ammoniak- und Treibhausgasemissionen im Milchviehstall

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Die Agroskop Forschungsgruppe Wiederkäuerernährung und -emissionen und das Empa Labor für Luftverschmutzung / Umwelttechnologie in der Schweiz haben die Emissionen zweier mit unterschiedlicher Ration gefütterter Herden im praktischen Maßstab verglichen. Dabei reduzierte ein geringerer Rohproteingehalt in der Nahrung deutlich die Ammoniak- und Lachgasemissionen. Nahrungsprotein, Stickstoffausscheidung im Urin und Milchharnstoffgehalt zeigten Zusammenhänge. Höhere Temperaturen und Windgeschwindigkeiten erhöhten die Ammoniak- und Lachgasemissionen. Temperatur und Windgeschwindigkeit beeinflussten die Ammoniakemissionen stärker bei höheren Proteingehalten. Im Abstract zu ihrer Studie schreiben die Schweizer: „Weniger Rohprotein (crude protein = CP) in der Nahrung kann die Stickstoffausscheidung von Milchkühen verringern und ihr Potenzial zur Bildung von Ammoniak (NH3) und Lachgas (N2O) senken. Die Zusammensetzung der Nahrung könnte sich auch auf die Emissionen von Methan (CH4) und Kohlendioxid (CO2) auswirken. Bisherige Studien untersuchten jedoch nicht den Effekt der in der Schweiz üblichen Rationen mit unterschiedlichen CP-Werten auf die NH3- und Treibhausgasemissionen im praktischen Maßstab. In einem Fall-Kontroll-Ansatz haben wir die Emissionen (NH3, N2O, CH4, CO2) in zwei getrennten, aber identischen Abteilen eines natürlich belüfteten Liegeboxenstalls für laktierende Milchkühe über sechs Tage mithilfe einer Tracer-Ratio-Methode quantifiziert. Kühe in einem Abteil erhielten ein Futter mit 116 g CP pro Kilogramm Trockenmasse (TM), im anderen Abteil 166 g CP pro Kilogramm Trockenmasse (TM). Anschließend wurde die Ernährung für eine zweite 6-tägige Messphase umgestellt. Die Ergebnisse zeigten, dass die Ernährung neben der Außentemperatur und der Windgeschwindigkeit im Stall zu einem Anstieg der NH3- und N2O-Emissionen führte. Die Reduzierung der NH3- und N2O-Emissionen pro Großvieheinheit (GVE) betrug im Durchschnitt 46 % bzw. fast 20 % für das Futter mit niedrigem CP-Wert im Vergleich zum höheren CP-Wert. Darüber hinaus wurden starke Zusammenhänge zwischen dem CP-Gehalt der Nahrung, der N-Ausscheidung im Urin und dem Milchharnstoffgehalt beobachtet. Eine erhöhte Temperatur bzw. Windgeschwindigkeit führte zu einem deutlichen Anstieg der NH3-Emissionen. Unterschiede in den CH4- und CO2-Emissionen pro GVE deuteten auf einen signifikanten Einfluss der Ernährung hin, der nicht auf den CP-Gehalt zurückgeführt werden kann. Unsere Studie auf Herdenebene hat gezeigt, dass eine signifikante Reduzierung der NH3- und N2O-Emissionen im Zusammenhang mit LU, energiekorrigierter Milch sowie der Trockenmasseaufnahme durch die Senkung des CP-Gehalts in der Nahrung erreicht werden kann.“ Energietechnisch wurden die Rationen mit etwa 29 kg Milch pro Tag berechnet. Nach dem Melken am Nachmittag wurde den Kühen beider Versuchsgruppen Ad-libitum-Zugang zu jeweils verschiedenen Konzentraten gewährt, eine energiereich und eine proteinreich, wurden individuell nach Milchleistung und Körperkonditionsbewertung per Futterautomat gefüttert. Die Kühe hatten außerdem ständigen Zugang zu Wasser. Gemessen wurde dann ein energiekorrigierter Milch-ECM-Ertrag pro Kuh (kg d−1). Für niedrigen CP-Gehalt 24.8 l ± 0.8 und für hohen CP-Gehalt 27.8 l ± 2.3. Originalstudie: Schrade et al.: Auswirkung von Futtermischungen mit unterschiedlichen Rohproteingehalten auf die Ammoniak- und Treibhausgasemissionen eines natürlich belüfteten Milchviehstalls https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969723036501?via%3Dihub

Lawsonien-Impfung macht Schweinehaltung nachhaltiger

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* Studie von MSD Tiergesundheit belegt: Impfung verringert CO2-Fußabdruck * Stickstoff- und Phosphorausscheidungen durch Lawsonien-Impfung geringer * Tiere, Umwelt und Landwirte profitieren von Lawsonien-Impfung Impfen gegen Lawsonien schützt die Umwelt: Eine Impfung gegen das Bakterium Lawsonia intracellularis verbessert nicht nur die Darmgesundheit von Schweinen, sie macht die Schweinehaltung auch gleichzeitig nachhaltiger – das ergab eine Studie von MSD Tiergesundheit.[1] Der Erreger Lawsonia intracellularis kann bei Schweinen schwere Darmerkrankungen hervorrufen. In mehr als 90% der Bestände in Deutschland ist der Erreger nachweisbar[2] – mit teils schweren gesundheitlichen Folgen. Infizierte Tiere weisen ein verringertes Wachstum und einen höheren Futtermittelbedarf auf. Die Erkrankung der Tiere hat daher auch ökologische Konsequenzen: Aufgrund der schlechteren Futterverwertung benötigen die Tiere höhere Futter- und damit Nährstoffmengen, was zu höheren CO2-, Stickstoff- und Phosphor-Emissionen führt. Impfung leistet Beitrag zur Nachhaltigkeit Für die Studie wurden nach der Diagnose des Erregers die Leistungsdaten von Mastschweinen in neun Mastbetrieben vor und nach einer Lawsonia Impfung – intramuskulär oder intradermal – untersucht. Durch die Impfung konnte die Gesundheit und Leistung der Tiere in den ausgewerteten Betrieben verbessert und der Einsatz von antibiotischen Behandlungen reduziert werden. Zusätzlich verbesserte sich die Futterverwertung der Tiere im Mittel um 0,11 Punkte. Die Stickstoffausscheidungen der geimpften Tiere reduzierten sich um bis zu 16 %, die Phosphorausscheidungen um bis zu 17 %. Der CO2-Fußabdruck verringerte sich nach dem Einsatz des Impfstoffes um bis zu 6,23 %. „MSD Tiergesundheit ist sehr stolz auf diese Forschungsleistung. Damit können wir einen weiteren wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Tiergesundheit, der Nachhaltigkeit und der Zukunftsfähigkeit der Schweineproduktion in Deutschland leisten“, sagt Dr. Robert Tabeling, Senior Marketing Specialist bei MSD Tiergesundheit, der die Studie leitete. Die Unterstützung der Darmgesundheit durch die Lawsonien-Impfung ist ein Multitalent: Tiergesundheit und Tierwohl werden verbessert und der Einsatz von Antibiotika verringert. Zugleich leistet die Impfung einen Beitrag zur Nachhaltigkeit der Schweinhaltung. Für die Landwirte kommt noch ein weiterer Vorteil dazu: weniger Futtermitteleinsatz bedeutet auch geringere Kosten. So profitieren sowohl die Tiere als auch Umwelt und Landwirte von nur einer Impfung. Wissenschaft. Seit mehr als einem Jahrhundert steht MSD an der Spitze der Forschung und entwickelt Medikamente, Impfstoffe und innovative Gesundheitslösungen für die schwerwiegendsten Krankheiten auf der Welt. MSD Tiergesundheit ist das globale Tiergesundheitsgeschäft von MSD. [1] Tabeling, R., Renken, C., v.u.z. Muehlen, F (2023): Impfung von Schweinen gegen Lawsonia intracellularis i.m. oder i.d. – Kalkulation der Effekte einer verbesserten Futterverwertung auf die N- und P-Ausscheidung sowie den CO2-Fußabdruck Beispielkalkulationen aus verschiedenen Praxisbetrieben. Tierärztliche Umschau 3: 4-13. [2] Arnold, M., A. Crienen, H. Swam, S. v. Berg, R. Jolie, H. Nathues (2019): Prevalence of Lawsonia intracellularis in pig herds in different European countries. Porcine Health Management 5: 31. Quelle: Intervet Deutschland GmbH