Forschende haben untersucht, wie sich die Kreuzung alter, einheimischer – und zum Teil gefährdeter – Hühnerrassen mit modernen Linien auf Leistung, Tiergesundheit, Robustheit, Verhalten oder Anpassungsfähigkeit der Tiere auswirkt. Das Ergebnis: Die Kombination kann sich lohnen sowohl im Ökolandbau als auch in konventioneller Haltung. Gleichzeitig trägt sie zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei.
Die Anforderungen an eine nachhaltige und tiergerechte Geflügelhaltung haben deutlich zugenommen. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Geflügelprodukten kontinuierlich an. Als mögliche Lösung sehen Fachleute die Kreuzung alter, einheimischer Hühnerrassen mit Elterntieren aus der Wirtschaftsgeflügelzucht.
Drei Jahre lang untersuchten Forschende der Universität Bonn und der Hochschule Osnabrück zusammen mit Projektpartnern der Universitäten Göttingen und Kassel sowie den Instituten für Nutztiergenetik in Mariensee und Immunologie des Friedrich-Loeffler-Instituts im Projekt „ÖkoGen“ gezielte Kreuzungen, um vor allem Empfehlungen für Zucht und Mast von Legehennen und Masthühnern im Ökolandbau geben zu können.
Gute Legeleistung bei unverändertem Kalziumhaushalt
Dabei wurden alte, einheimische Rassen wie Ramelsloher und Bielefelder Kennhuhn gezielt mit Elterntieren aus der Wirtschaftsgeflügelzucht kombiniert. Anschließend erfolgte eine umfangreiche Charakterisierung der Tiere hinsichtlich Leistung, Tiergesundheit, Robustheit, Verhalten, Anpassungsfähigkeit und weiterer Merkmale.
Die Ergebnisse: Kreuzungen mit leistungsstarken Elterntieren punkteten in Bezug auf die Legeleistung, ohne dass sich der Kalziumhaushalt negativ veränderte. Sie hatten allerdings ein leicht erhöhtes Risiko für das Auftreten von Brustbeinfrakturen, wobei diese durch weitere Faktoren wie Haltungsbedingungen, Legebeginn oder Fütterung beeinflusst werden.
Tierwohlindikatoren und Verhaltenstests zeigten für alle Reinzuchten und Kreuzungen ein hohes Tierwohlniveau; Kreuzungstiere schnitten aber besser ab. Untersuchungen unter Versuchs- und Praxisbedingungen ergaben, dass die Kreuzungen auch regionale, energiereduzierte Futtermittel gut verwerten können. Dabei war es entscheidend, die Fütterung an die Genetik und Haltungsform anzupassen. Zudem ergaben sich Hinweise auf mögliche Unterschiede bei der Toleranz gegenüber Parasitenbefall zwischen den Genotypen.
Die Forschenden untersuchten außerdem die Reaktion der Tiere auf eine Impfung gegen die Newcastle-Krankheit. In Bezug auf die Immunkompetenz punkteten hier vor allem die alten, einheimischen Rassen.
Das dreijährige Projekt „ÖkoGen“ förderte das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) über das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Den Abschlussbericht gibt es nun online.
Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
• 570 neue Ferkelaufzuchtbetriebe mit rund 6,9 Millionen Ferkeln pro Jahr angemeldet
• Rund 25 Millionen ITW-Ferkel stehen künftig rund 22 Millionen ITW-Mastschweinen gegenüber
• Wichtige Voraussetzung für mehr Nämlichkeit im ITW-System geschaffen
Die Initiative Tierwohl (ITW) hat die rechnerische Lücke zwischen Ferkelaufzucht und Schweinemast geschlossen. In der jüngsten Registrierungsphase wurden 570 weitere Ferkelaufzuchtbetriebe mit rund 6,9 Millionen Ferkeln pro Jahr angemeldet. Damit stehen künftig rund 25 Millionen ITW-Ferkel rund 22 Millionen ITW-Mastschweinen gegenüber. Für das ITW-System ist das ein wichtiger Schritt hin zu mehr Nämlichkeit. Ab 2027 soll im ITW-System die Voraussetzung geschaffen sein, dass Schweine lückenlos von der Geburt bis zur Schlachtung auf teilnehmenden Betrieben gehalten werden können.
„Das ist ein starkes Signal für die Weiterentwicklung der Initiative Tierwohl in der Schweinehaltung“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Mit rund 6,9 Millionen zusätzlich angemeldeten Ferkeln gibt es im ITW-System rein rechnerisch erstmals mehr ITW-Ferkel als ITW-Mastschweine. Damit ist eine zentrale Voraussetzung geschaffen, um die Marktlösung weiter voranzubringen. Das verfügbare Budget im Ferkelfonds reicht für alle angemeldeten Betriebe bis mindestens Ende 2026 aus.“
Die neu angemeldeten Ferkelaufzuchtbetriebe nehmen als „nämliche Ferkelaufzüchter“ an der ITW teil. Voraussetzung für die Auszahlung des Tierwohlentgelts ist dabei unter anderem, dass die Ferkel an einen ITW-Mäster geliefert werden und von einem ITW-Sauenhalter stammen. Nur für diese Ferkel erhalten die Neuteilnehmer 4,50 Euro pro Tier aus dem Ferkelfonds. Eine Budgetzusicherung aus dem Ferkelfonds besteht noch bis mindestens zum 31. Dezember 2026.
Insgesamt nehmen aktuell über 10.000 schweinehaltende Betriebe an der ITW teil, darunter über 2.000 Ferkelaufzüchter. Die Anzahl der ITW-Ferkel wird sich wahrscheinlich ab 2027 an die Anzahl der ITW-Mastschweine angleichen. Derzeit nehmen aus Gründen des Bestandsschutzes noch Ferkelerzeuger aus den ersten Programmphasen der ITW teil, die nicht an ITW-Mäster liefern.
Quelle: Initiative Tierwohl GmbH
Die dritte Ausgabe 2026 des Hoftierarzt-Newsletters ist erschienen. Folgende Themen sind für Abonnenten aufbereitet:
Klauengesundheit bei Sauen: Die entscheidenden Stellschrauben
Die Klauengesundheit ist ein zentraler Aspekt für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Sauen. Eine mangelhafte Klauengesundheit im Bestand gilt zudem als tierschutzrelevant und macht das Einleiten geeigneter, zielgerichteter Maßnahmen erforderlich.
Praxistipp des Netzwerk Fokus Tierwohl: Schwanzbeißen
Schwanzbeißen: Im Video „Einen Schwanzbeißausbruch in der Großgruppe erfolgreich managen“ werden die Schwierigkeiten, aber auch die Vorteile herausgestellt, die eine Großgruppenhaltung in Bezug auf Schwanzbeißausbrüche mit sich bringt. Für die Erstellung des Videos hat das Netzwerk Fokus Tierwohl Gabriele Mörixmann in ihrem Aktivstall für Mastschweine besucht.
Praxistipp des Netzwerk Fokus Tierwohl: Biosicherheit
Biosicherheit: Das Comic „So funktioniert die Hygieneschleuse“ soll auf sympathische Art und Weise an die notwendigen täglichen Routinen zur Verbesserung der Biosicherheit erinnern.
GeflügelIn England startet ein Versuch mit Vogelgrippe-Impfstoff gegen potenzielle pandemische Erreger
Als Vorsichtsmaßnahme gegen eine mögliche Pandemie wurde in Großbritannien damit begonnen, Freiwillige mit einem neuen H5N1-Vogelgrippe-Impfstoff zu impfen. Der Impfstoff zielt auf den Grippestamm H5N1 ab, der bei Vögeln zu weit verbreiteten Ausbrüchen geführt hat und auch bei einigen Säugetieren nachgewiesen wurde.
Kreuzung alter Hühnerrassen mit modernen Hybriden bietet Potenzial für Zucht und Haltung von Legehennen & Masthühnern
Forschende haben untersucht, wie sich die Kreuzung alter, einheimischer – und zum Teil gefährdeter – Hühnerrassen mit modernen Linien auf Leistung, Tiergesundheit, Robustheit, Verhalten oder Anpassungsfähigkeit der Tiere auswirkt. Das Ergebnis: Die Kombination kann sich lohnen sowohl im Ökolandbau als auch in konventioneller Haltung. Gleichzeitig trägt sie zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei.
Beurteilung guter körperlicher Gesundheit als Grundlage für das Tierwohl bei Hühnern
Eine aktuelle Studie gibt Empfehlungen für die Bewertung der physischen Gesundheit und Resilienz von Hühnern als Grundlage fürs Tierwohl. Zu allererst sprechen sich die Autoren für eine ganzheitliche Bewertung von Gesundheit und Resilienz aus. Neben der Kontrolle auf Krankheiten sollten auch Indikatoren wie Erholungsfähigkeit nach Stress und Entwicklung von Kompetenzen (z. B. Sozialverhalten) im Betrieb erfasst werden.
Rohprotein senken in der Fütterung von Öko-Masthühnern?
Die Reduktion des Gehaltes an Rohprotein (CP) stellt seit Jahren ein zentrales Thema in der Geflügelfütterung dar. Ganz nach dem Motto „weniger ist am Ende mehr“, denn geringere Stickstoffausscheidungen und folglich Ammoniakemissionen sowie geringere Futterkosten sprechen dafür.
Schafe und ZiegenErster Kombinationsimpfstoff zur Erhöhung des Schutzes gegen Krankheiten kleiner Wiederkäuer
Farmers Review Africa berichtet über einen neue Kombinationsimpfstoff, der im Rahmen einer Initiative der „Global Alliance for Livestock Veterinary Medicines (GALVmed)“ entwickelt und jetzt in Kenia eingeführt wurde.
AquakulturTierschutzrechtliche Mindestanforderungen an die Haltung von Nutzfischen
Die folgende Zusammenfassung beruht auf dem Vortrag von Dr. Julia Bauer vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, anlässlich des diesjährigen Niedersächsischen Tierschutzsymposiums.
Eine aktuelle Studie gibt Empfehlungen für die Bewertung der physischen Gesundheit und Resilienz von Hühnern als Grundlage fürs Tierwohl. Zu allererst sprechen sich die Autoren für eine ganzheitliche Bewertung von Gesundheit und Resilienz aus. Neben der Kontrolle auf Krankheiten sollten auch Indikatoren wie Erholungsfähigkeit nach Stress und Entwicklung von Kompetenzen (z. B. Sozialverhalten) im Betrieb erfasst werden.
Anatomische und physiologische Indikatoren
Anatomische Indikatoren wie Kamm, Gefieder, Körpergewicht und Gangbild sind besonders praxistauglich und können oft automatisiert erfasst werden. Physiologische Indikatoren (z. B. Immunstatus, Mikrobiom, Herzfrequenzvariabilität) liefern tiefere Einblicke, sind aber meist aufwändiger und eher für Forschung geeignet.
Die Bewertung des Gefiederzustands kann durch einfach Sichtkontrolle einzelner Tiere oder Stichproben im Stall erfolgen und ist schnell, kostengünstig, ohne Spezialausrüstung umsetzbar. Referenzbilder können hierbei eine Hilfe sein.
Automatisierte Kamerasysteme und KI-gestützte Bildanalyse
Moderne Kamerasysteme in Verbindung mit künstlicher Intelligenz ermöglichen die kontinuierliche, automatische Erfassung von Indikatoren wie Gangbild, Gefiederqualität, Körpergewicht (über Bildauswertung) und Aktivitätsmustern. Ein KI-basiertes System erkennt und bewertet das Gangbild von Hühnern, um frühzeitig Lahmheiten zu identifizieren. Solche Systeme eignen sich jedoch eher für größere Betriebe und zur Langzeitüberwachung.
Automatisierte Wiegesysteme und RFID-Technik
Elektronische Waagen oder Wiegeplattformen, teils kombiniert mit RFID-Transpondern, ermöglichen die automatische Erfassung des Körpergewichts einzelner Tiere oder ganzer Gruppen: Hühner laufen über eine Wiegeplattform, das Gewicht wird automatisch erfasst und dem Tier zugeordnet. Wachstum und Futterverwertung können so kontinuierlich überwacht werden.
Thermografie und Sensorik
Infrarot-Thermografie kann zur nicht-invasiven Messung der Oberflächentemperatur (z. B. Kamm, Beine) eingesetzt werden, um Stressreaktionen oder Entzündungen zu erkennen. Regelmäßige Thermografie-Aufnahmen der Hühnerköpfe zur Erkennung von Stress oder Krankheit. Ein solches System liefert schnelle Ergebnisse und ist auch für große Gruppen geeignet.
Stichprobenbasierte Probenentnahme (z. B. Kotproben, Federproben)
Für bestimmte physiologische Indikatoren (z. B. Immunstatus, Mikrobiom, IgA im Kot) werden Proben entnommen und im Labor analysiert. Etwa werden Kotproben auf Immunparameter oder Mikrobiom-Zusammensetzung untersucht. Dies kann zur Beantwortung gezielter Fragestellungen und vor allem für Forschungszwecke genutzt werden.
Skalierung von Indikatoren von tolerabel bis optimal
Die Bewertung sollte nicht nur zwischen krank/gesund unterscheiden, sondern einen Bereich von „tolerabel“ bis „optimal“ abbilden. Für viele Indikatoren gibt es einen optimalen Bereich, der je nach Alter, Rasse und Haltungsform variiert. Sowohl zu hohe als auch zu niedrige Werte (z. B. bei Krallenlänge oder Körpergewicht) können problematisch sein. Die Krallenlänge etwa sollte weder zu kurz noch zu lang sein – beides kann die Funktion beeinträchtigen. Eine 5-Punkte-Skala oder visuelle Analogskalen seien empfehlenswert.
Validierung und Kombination mehrerer Indikatoren für die zuverlässige Gesamtbewertung
Kein einzelner Indikator reicht nach dem Urteil der Forscher aus, um Tierwohl umfassend zu beurteilen. Es sei notwendig, verschiedene Indikatoren zu kombinieren und deren Schwellenwerte zu definieren. Beispielsweise ergäbe die Kombination aus Gefiederzustand, Gangbild, Körpergewicht und Immunparametern ein umfassenderes Bild als die Betrachtung eines einzelnen Merkmals.
Link zur Original-Studie
Biosicherheit: Das Comic „So funktioniert die Hygieneschleuse“ soll auf sympathische Art und Weise an die notwendigen täglichen Routinen zur Verbesserung der Biosicherheit erinnern.
Das Poster steht als Download zur Verfügung.
Schwanzbeißen: Im Video „Einen Schwanzbeißausbruch in der Großgruppe erfolgreich managen“ werden die Schwierigkeiten, aber auch die Vorteile herausgestellt, die eine Großgruppenhaltung in Bezug auf Schwanzbeißausbrüche mit sich bringt. Für die Erstellung des Videos hat das Netzwerk Fokus Tierwohl Gabriele Mörixmann in ihrem Aktivstall für Mastschweine besucht.
Link zum Video
Farmers Review Africa berichtet über einen neue Kombinationsimpfstoff, der im Rahmen einer Initiative der „Global Alliance for Livestock Veterinary Medicines (GALVmed)“ entwickelt und jetzt in Kenia eingeführt wurde. Das Kombinationspräparat schützt Schafe und Ziegen gleichzeitig vor ansteckender Capriner Pleuropneumonie (CCPP), Schaf- und Ziegenpocken (SGP) und Peste des Petits Ruminants (PPR). Kombinationsimpfstoffe reduzieren die Notwendigkeit mehrerer Injektionen und sparen Zeit, Geld und Ressourcen für Tierärzte und Viehhalter – ein wichtiger Vorteil für ohnehin schon ressourcenbeschränkte Landwirtschaftssysteme.
Link zur Original-Meldung
Als Vorsichtsmaßnahme gegen eine mögliche Pandemie wurde in Großbritannien damit begonnen, Freiwillige mit einem neuen H5N1-Vogelgrippe-Impfstoff zu impfen. Der Impfstoff zielt auf den Grippestamm H5N1 ab, der bei Vögeln zu weit verbreiteten Ausbrüchen geführt hat und auch bei einigen Säugetieren nachgewiesen wurde.
Auch wenn bisher fast alle Fälle beim Menschen mit engem Kontakt mit infizierten Tieren zusammenhängen besteht für die Zukunft durchaus ein solches Risiko. Weil sich Influenzaviren ständig weiterentwickeln, sind kontinuierliche Überwachung und Impfstoffentwicklung für die Pandemievorsorge von entscheidender Bedeutung.
Ziel der Studie ist es, Menschen aus den beiden am stärksten gefährdeten Gruppen zu rekrutieren, Personen die in der Geflügelindustrie arbeiten oder über solche die 65 Jahre alt sind. An dem Versuch werden insgesamt 4.000 Personen beteiligt sein.
Die ersten Freiwilligen in England, Schottland und den USA wurden jetzt mit einem Impfstoff geimpft. der auf der gleichen mRNA-Technologie basiert, wie aktuelle Covid-Impfstoffe. Dies könnte eine schnelle und groß angelegte Entwicklung des Impfstoffs im Falle einer Pandemie ermöglichen.
Die folgende Zusammenfassung beruht auf dem Vortrag von Dr. Julia Bauer vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, anlässlich des diesjährigen Niedersächsischen Tierschutzsymposiums.
Das EU und nationales Recht regeln die Haltung, Hälterung und Tötung von Nutzfischen, wobei Tierschutz und artgerechte Bedingungen im Fokus stehen.
Die Vorgaben nach EU-Recht sind bewusst allgemein gehalten, da es eine Vielzahl an Fischarten mit unterschiedlichen Bedürfnissen gibt.
Fischhaltungen müssen so geplant und betrieben werden, dass die artspezifischen Bedürfnisse der Fische berücksichtigt werden. Die Anlage muss z. B. ausreichend Platz, geeignetes Wasservolumen und Wasserqualität (Sauerstoff, pH, Nitrit, Ammonium) sind entscheidend. Ebenso eine artgerechte Beleuchtung, die einen Tag-Nacht-Rhythmus gewährleistet, wobei die artspezifischen Anforderungen zu berücksichtigen sind. Für nachtaktive Arten kann eine gedimmte Beleuchtung in der Nacht erforderlich sein.
Fischhalter müssen über ausreichende Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Fische sicherzustellen. Fischhalter sollten Krankheiten erkennen und wissen, wie im Krankheitsfall zu handeln ist. Der Gesundheitszustand der Fische muss regelmäßig kontrolliert werden. Sichtkontrolle auf Verletzungen, Verhaltensauffälligkeiten oder Krankheitsanzeichen.
Gemäß Artikel 3 der Richtlinie 98/58/EG müssen Maßnahmen getroffen werden, um Schmerzen, Leiden und Schäden bei Fischen zu vermeiden. Regelmäßige Kontrolle des Gesundheitszustands und Anpassung der Haltungsbedingungen bei Auffälligkeiten.
Die Wasserqualität muss den Bedürfnissen der jeweiligen Fischart entsprechen (z.B. Temperatur, Sauerstoff, pH-Wert, Nitrit, Ammonium). Plötzliche pH-Wert-Schwankungen sind zu vermeiden, da sie tödlich sein können.
Die Besatzdichte ist an die Fischart, das Alter, die Jahreszeit und die Haltungsform anzupassen. Sie sollte so hoch wie nötig und so gering wie möglich sein. Für Speisekarpfen sind z. B. 200 Tiere je Hektar vorgesehen, für Forellen in Rechteckbecken 2-3 kg/m³.
In Teichen, Durchflussanlagen und Kreislaufanlagen variieren die Dichten. Fachliche Einschätzung ist notwendig, um artgerechte Bedingungen zu gewährleisten. Parameter wie Wasserqualität, Sauerstoff und Beckenform sind individuell zu beurteilen.
Die optimalen Werte der Haltungsparameter für Regenbogenforellen (F) und Karpfen (K) sind z. B.:
Temperatur in Grad Celsius 10-18 (F) und 20-28 (K)
pH-Wert 6-8 (F) und 7,8,3 (K)
Sauerstoff (ml/L) 6-30 (F) und 5-30 (K)
Nützliche, weiterführende Informationen (Downloads) sind u. a. hier zu finden:Europaratsempfehlungen für die Haltung von Fischen in AquakulturGute fachliche Praxis der Forellenaquakultur in NRW, Leitfaden LANUV-Arbeitsblatt 54LfL: Vermeidung von Flossenschäden bei Forellen: Informationen für Fischzüchter und FischhalterSächsische Landesanstalt für Landwirtschaft: Karpfenteichwirtschaft – Bewirtschaftung von Karpfenteichen, Gute fachliche Praxis
Felicitas Ahrens1, Reinhard Puntigam2, Philipp Hofmann1
1Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft 2FH Soest, Fachbereich Agrarwirtschaft, Ernährung / Qualität tierischer Produkte Abbildung 1 Langsam wachsende Masthühner (JA57 x ColorYield) an Lebenstag 33 – . Bildquelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Die Reduktion des Gehaltes an Rohprotein (CP) stellt seit Jahren ein zentrales Thema in der Geflügelfütterung dar. Ganz nach dem Motto „weniger ist am Ende mehr“, denn geringere Stickstoffausscheidungen und folglich Ammoniakemissionen sowie geringere Futterkosten sprechen dafür. Der gezielte Einsatz freier Aminosäuren in der konventionellen Fütterung macht dies möglich. Unter ökologischen Fütterungsbedingungen sind die Spielräume jedoch deutlich geringer. Der Grund ist bekannt: Freie Aminosäuren sind futtermittelrechtliches Tabu in den Futtertrögen ökologisch gehaltenen Geflügels.
Warum Rohprotein senken? Abbildung 2: Score für Fußballenveränderungen (v.l.n.r.) Score 0-4 (0: intakt bis 4: hochgradige Pododermatitis) – . Bildquelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Ein Überschuss an CP im Futter verlässt über die Exkremente ungenutzt das Tier. Erhöhte Stickstoffausscheidungen und Ammoniakemissionen sind die Folge. Diese Ausscheidungen belasten Stall- und Umweltklima und können sich auf Grund verminderter Einstreu- und Luftqualität negativ auf die Tiergesundheit auswirken. In der Rationsgestaltung für konventionell gehaltenes Geflügel lassen sich diese negativen Effekte gezielt und ohne Leistungseinbußen vermindern, indem der CP-Gehalt abgesenkt und der Bedarf an limitierenden Aminosäuren (z. B. Methionin, Lysin) über die Zugabe freier Aminosäuren gedeckt wird. Denn schlussendlich benötigt das Tier Aminosäuren und nicht Protein. Im Ökolandbau ist diese Strategie der Fütterung jedoch nicht möglich.
Öko-Fütterung: Aminosäuren im Futter ausschließlich vom Acker Abbildung 3 Langsam wachsende Masthühner der Herkunft JA57 x ColorYield an Lebenstag 5 – . Bildquelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Ökologisch wirtschaftende Geflügelhalter müssen den erforderlichen Bedarf an Aminosäuren ihrer Tiere ausschließlich über den Einsatz der Einzelfuttermittel decken. Die Folge: Der CP-Gehalt im Futter liegt oftmals deutlich höher als bei konventionellen Rationen, um mögliche Versorgungslücken durch Limitierungen von Aminosäuren zu vermeiden. Je höher die Leistung, desto höher die erforderlichen Nährstoffkonzentrationen in den Rationen. Auch aus diesem Grund werden in der ökologischen Hühnermast für gewöhnlich langsam wachsende Herkünfte eingesetzt. Während für schnell wachsende Herkünfte umfangreiche Erkenntnisse und Empfehlungen zur energie- und nährstoffangepassten Rationsgestaltung vorliegen, bestehen für langsam wachsende Herkünfte weiterhin Wissenslücken darüber, wie stark sich der CP-Gehalt absenken lässt, ohne Leistungseinbußen in Kauf nehmen zum müssen (Rezaei et al., 2018).
Eine Untersuchung am Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel, Staatsgut Kitzingen, ging infolgedessen der Frage nach, ob und in welchem Umfang eine CP-Absenkung in ökokonformen Alleinfuttermischungen möglich ist, ohne die Mast- und Schlachtleistung langsam wachsender Masthühner negativ zu beeinflussen. Neben dem Effekt der CP-Reduktion auf die Leistung wurden ebenfalls die Auswirkungen auf die Stickstoffausscheidungen sowie Stickstoffnutzungseffizienz kalkuliert.
Zur Untersuchung Tabelle 1
In einer 56-tägigen Fütterungsstudie wurden etwas mehr als 1.000 langsam wachsende Masthühner der Herkunft Hubbard JA57 × ColorYield gemischtgeschlechtlich in 24 identischen Abteilen (je 44 Tiere) gehalten. Dabei wurde die im Ökolandbau maximal zulässige Besatzdichte von 21 kg/m2 eingehalten. Zur Anwendung kamen drei Futtervarianten mit je acht Abteilen als Wiederholungen:
• K (Kontrolle): Starter 19,7 % CP; Mast 19,1 % CP
• CP- (CP-reduziert): Starter 19,3 % CP; Mast 18,1 % CP
• CP– (stärker CP-reduziert): Starter 18,1 % CP; Mast 17,4 % CP
Tabelle 2
Die Fütterung erfolgte zweiphasig (Starter: Tag 1–21, Mast: Tag 22–56). Durch den Verzicht freier Aminosäuren gingen die sinkenden CP-Gehalte mit einer Reduktion der Gehalte an Aminosäuren in den Rationen einher (Tabelle 1). Neben den wichtigsten Mast- und Schlachtleistungsmerkmalen wurden die Wasseraufnahme, die Mortalität sowie die Fußballengesundheit der Tiere erfasst.
Mastleistung: Weniger Protein = weniger Aminosäuren = weniger Leistung
Die Ergebnisse zeigen: Mit sinkendem CP-Gehalt sanken auch die tierischen Leistungen (Tabelle 2). Bis zum Futterwechsel am 21. Lebenstag unterschieden sich die Körpermassen bereits signifikant entsprechend der CP-Reduktion (K > CP- > CP–). Am Mastende (Tag 56) lagen die Varianten CP- und CP– auf vergleichbarem Niveau, blieben jedoch hinter jenen der Gruppe K. Dies deckt sich mit weiteren Ergebnissen: Die höchsten täglichen Lebendmassezunahmen und Futteraufnahmen wurden über die gesamte Mastdauer bei den Tieren der Gruppe K erzielt. Daraus resultierte der signifikant beste Futteraufwand bei K im Vergleich zu den CP-reduzierten Fütterungsvarianten (2,29 vs. 2,35 und 2,33 kg/kg).
Das verringerte Wachstum bei Tieren der CP-reduzierten Futtervarianten deutet darauf hin, dass mindestens eine Aminosäure das Wachstum der Tiere limitierte. Da keine freien Aminosäuren diese Lücke füllten, sank mit reduziertem CP-Gehalt zwangsläufig die Aminosäurenversorgung und damit die Leistung. Zusätzlich wurde im Zuge der CP-Reduktion der Anteil höher verdaulicher Eiweißkomponenten reduziert (Sonnenblumenkuchen aus geschälter Saat, konventioneller Maiskleber, konventionelles Kartoffeleiweiß), was die Aminosäurenverfügbarkeit in puncto Verdaulichkeit weiter eingeschränkt haben dürfte.
Schlachtleistung und Tierwohl Tabelle 3
Analog zur Mastleistung sanken mit zunehmender CP-Reduktion ebenfalls die Schlachtkörpergewichte sowie folgend die absoluten Gewichte der Teilstücke (Tabelle 3). Die prozentualen Anteile am Schlachtkörper blieben hingegen weitgehend unverändert. Auch die Ausschlachtung lag bei Tieren der Gruppe K höher im Vergleich zu den CP-reduzierten Varianten.
Neben den Mast- und Schlachtleistungen schnitt die Gruppe K auch bei der Fußballengesundheit am besten ab (Tabelle 4). Die beiden CP-reduzierten Varianten wiesen signifikant schlechtere (höhere) Scores auf.
Tabelle 4Stickstoffnutzungseffizienz: Vorteil mit Einschränkungen
Mit sinkendem CP-Gehalt stieg die kalkulatorische Stickstoffnutzungseffizienz signifikant an (K < CP- < CP–). Als Grund hierfür kann die geringere Stickstoffaufnahme der Tiere bei gleichzeitig moderatem Rückgang des Stickstoffansatzes (Muskelzuwachs) genannt werden (Tabelle 2). Damit zeigt sich ein Für und ein Wider: Eine CP-Reduktion erhöhte auf der einen Seite die Stickstoffnutzungseffizienz, jedoch geht diese auf der anderen Seite mit geringeren Leistungen einher.
Ökonomie: Kontrollration im Vorteil
Sowohl der kalkulierte Erlös über Futterkosten (IOFC) als auch der Europäische Produktionsindex (EPI) lag bei den Tieren der Gruppe K signifikant über jenen der beiden CP-reduzierten Varianten. Die geringeren Futterkosten auf Grund der Proteinreduktion konnten die Leistungseinbußen somit nicht kompensieren (Tabelle 2).
Schlussfolgerungen
Eine Reduktion des CP-Gehalts ohne die Möglichkeit des Einsatzes freier Aminosäuren in ökologischen Futtermischungen resultierte in Leistungseinbußen bei langsam wachsenden Masthühnern. Bereits moderate Absenkungen von 0,4 %-Punkten im Starter und 1 %-Punkt (19,7 vs. 19,3 % und 19,1 vs. 18,1%) in der Mastphase hatten negative Auswirkungen auf die Mast- und Schlachtleistung sowie folglich die Ökonomie. Vorteilig erhöhte sich durch die CP-Reduktion die Stickstoffnutzungseffizienz, was sich jedoch nachteilig auf die Kosten der Produktionsleistung ausübte. Ob diese Effekte der Leistungsminderung durch gezieltere Strategien vermieden werden können– z.B. durch eine spätere CP-Absenkung in der Mastphase oder zusätzliche Fütterungsphasen, wird aktuell im Projekt „MastOpti(M)Um“ untersucht
Link: https://www.lfl.bayern.de/ite/gefluegel/389303/index.php