Folge des Klimawandels: Moderate Hitze reicht aus, um bei Milchkühen Entzündungs- und Gerinnungssignale auszulösen

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Der Klimawandel verändert die Tierhaltung und das schneller, als viele erwarten. Häufigere und intensivere Hitzewellen belasten Milchkühe physiologisch stark. Wissenschaftler:innen des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN) konnten nun nachweisen, dass bereits moderater Hitzestress messbare Veränderungen im Blut von Holstein-Kühen bewirkt. Dazu zählen Anzeichen für Entzündungsprozesse sowie eine Aktivierung der Blutgerinnung. Gleichzeitig werden bestimmte Abwehrwege in peripheren mononukleären Blutzellen (PBMC) gedämpft. Diese Effekte traten bereits nach sieben Tagen Wärmebelastung auf und liefern Tierärzt:innen sowie Milchviehbetrieben konkrete Ansatzpunkte, um Hitzestress frühzeitig zu erkennen und ihm entgegenzuwirken.

„Wenn Kühe unter Hitze leiden, reagiert der gesamte Organismus“, erklärt Dr. Franziska Koch vom FBN. „Veränderungen im Blut, eine geschwächte Immunabwehr und frühe Gerinnungssignale können die Leistungsfähigkeit der Tiere mindern und ihre Anfälligkeit für Erkrankungen erhöhen. Dass diese Prozesse bereits bei moderaten Temperaturen beginnen, unterstreicht, wie wichtig ein konsequentes Hitzemanagement im Stall ist.“

Unter diesen Bedingungen fanden die Forschenden bakterielle Bestandteile (Endo-toxine gramnegativer Bakterien) im Blut, deren Konzentration mit zunehmender Wärmebelastung anstieg. Gleichzeitig reagierte die körpereigene Immunabwehr, indem sie Entzündungsprozesse in Gang setzte, um die fremden Bestandteile aus dem Blut zu entfernen. Parallel dazu waren bestimmte Abwehrwege gedämpft, die üblicherweise für eine gezielte adaptive Immunantwort wichtig sind. Zudem wiesen die Blutplättchen auf eine aktivierte Gerinnungskaskade hin – ein Befund, der bisher vor allem bei schwerem Hitzestress mit tödlichem Ausgang bekannt ist.

Warum das wichtig ist
Milchkühe produzieren von Natur aus viel Wärme. Wenn es draußen warm ist, kann der Körper diese Wärme nur schwer abgeben und aktiviert Kühlprozesse. Dabei kann die Darmbarriere vorübergehend durchlässiger werden, sodass Endotoxine in den Kreislauf gelangen und Entzündungsprozesse auslösen. Die neuen Daten zeigen, dass dieser Prozess bereits bei moderater Hitze beginnt. Für den Alltag auf Milchviehbetrieben bedeutet das: früher gegensteuern, das Stallklima verbessern, Wasser- und Fütterungszeiten in kühlere Tageszeiten verlegen und die Wasser- und Futteraufnahme im Blick behalten. Für tierärztliche Eingriffe kann es wichtig sein, die Blutgerinnung im Einzelfall im Labor zu überprüfen, um den physiologischen Zustand des Tieres besser einschätzen zu können.

Über die Studie
Untersucht wurden Holstein-Milchkühe unter kontrollierten Bedingungen mit moderatem Hitzestress (THI 76, etwa 28 °C) über einen Zeitraum von sieben Tagen. Aus den Blutproben wurden die Abwehrreaktionen und Gerinnungssignale im Zeitverlauf erfasst. Die Ergebnisse liefern konkrete Ansatzpunkte für ein wirksames Hitzemanagement in Ställen sowie für die tierärztliche Praxis.

Was bedeutet THI?
Der Temperatur-Luftfeuchtigkeits-Index (THI) ist ein Kennwert, der Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit kombiniert. Er wird bei Milchkühen benutzt, um die Schwelle zur Hitzebelastung abzuschätzen.

-Für laktierende Milchkühe gilt bereits ein THI von etwa 68 als Schwellenwert mit ersten negativen Anzeichen.
-Ein THI von 76 entspricht ungefähr 28 °C bei mittlerer Luftfeuchtigkeit und bedeutet moderaten Hitzestress.
-Ein THI >78 führt zu einer Steigerung der Hitzebelastung mit negativen Auswirkungen auf die Tiergesundheit und Milchleistung.

Originalpublikation:
Koch, F., Viergutz, T., Kühn, C., Kuhla, B. (2025): Dynamic immune and molecular responses to chronic heat stress in blood and peripheral blood mononuclear cells of dairy cows. Frontiers in Comparative Immunology. Link

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Erster Kombinationsimpfstoff zur Erhöhung des Schutzes gegen Krankheiten kleiner Wiederkäuer

Farmers Review Africa berichtet über einen neue Kombinationsimpfstoff, der im Rahmen einer Initiative der „Global Alliance for Livestock Veterinary Medicines (GALVmed)“ entwickelt und jetzt in Kenia eingeführt wurde. Das Kombinationspräparat schützt Schafe und Ziegen gleichzeitig vor ansteckender Capriner Pleuropneumonie (CCPP), Schaf- und Ziegenpocken (SGP) und Peste des Petits Ruminants (PPR). Kombinationsimpfstoffe reduzieren die Notwendigkeit mehrerer Injektionen und sparen Zeit, Geld und Ressourcen für Tierärzte und Viehhalter – ein wichtiger Vorteil für ohnehin schon ressourcenbeschränkte Landwirtschaftssysteme.

Link zur Original-Meldung

Honigbienen: Wildpopulationen erstmals in der EU auf Roter Liste

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Wildlebende Populationen der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) stehen in Europa unter massivem Druck: Neue wissenschaftliche Untersuchungen von Forschenden der Universität Hohenheim in Stuttgart und von Agroscope in Zürich zeigen zwar, dass wildlebende Honigbienen in Europa häufig vorkommen. Doch die Forschenden schätzen, dass die Bestände dieser Bienenvölker in der Europäischen Union (EU) ohne den Zuflug von Schwärmen aus der Imkerei innerhalb von zehn Jahren um rund 56 Prozent zurückgehen. Auf der „Roten Liste“ der International Union for Conservation of Nature (IUCN) werden deshalb wilde Honigbienen EU-weit nun offiziell als „stark gefährdet“ eingestuft.

Viele Menschen sehen in Honigbienen ausschließlich Nutztiere in der Imkerei, die Blüten bestäuben und Honig produzieren. Tatsächlich existieren jedoch zahlreiche freilebende Populationen, die zum Beispiel in natürlichen Baumhöhlen, Felsspalten und in hohlen Gemäuern nisten und sich unabhängig vom Menschen selbst erhalten. Sie machen rund ein Sechstel der europäischen Gesamtpopulation an Honigbienen aus. Bislang weiß man allerdings nur wenig über diese wilden Honigbienen und ihre ökologische, wirtschaftliche und evolutionäre Bedeutung.

„Dabei ist eine klare biologische Trennung zwischen wildlebenden und sogenannten gemanagten Honigbienen laut aktuellem Kenntnisstand nicht haltbar“, so Dr. Patrick Kohl vom Fachgebiet Populationsgenomik bei Nutztieren an der Universität Hohenheim. „Wilde Bienenvölker dienen seit Jahrtausenden als Quelle für die Imkerei. Beide Gruppen vermischen sich auch heute noch, zum Beispiel wenn sich junge Bienenköniginnen aus der Imkerei auf ihren Hochzeitsflügen mit den Drohnen wilder Bienenvölker paaren. Oder wenn ein ganzer Bienenschwarm aus der Bienenkiste zieht, sich in einer alten Spechthöhle im Wald ansiedelt und somit wieder Teil der wilden Subpopulation wird.“

Schlüsselrolle für genetische Vielfalt
Doch warum sind wilde Honigbienen interessant, wenn es sich bei der Art um dieselbe handelt, die von ImkerInnen gepflegt wird? „Die wilden Honigbienen verfügen über eine große genetische Vielfalt“, so Kohl. „Beispielsweise finden wir in Amerika Populationen wildlebender Völker, die gut mit der gefürchteten Varroa-Milbe klarkommen. Dieser ursprünglich aus Asien stammende, blutsaugende Parasit kann ganze Bienenvölker auslöschen. Die fehlende chemische Behandlung gegen die Milbe in der Wildpopulation hat zur Selektion von Kolonien geführt, die gegen diese Parasiten weitgehend resistent sind.“

„In ihrem natürlichen europäischen Verbreitungsgebiet bilden verbleibende Wildpopulationen der Honigbiene Reservoirs für selten gewordene Unterarten. So entsprechen manche Wildpopulationen in Großbritannien weitgehend der Dunklen Europäischen Honigbiene Apis mellifera mellifera, die in der Imkerei lange stiefmütterlich behandelt wurde.“ Auch hierzulande könnte seiner Ansicht nach die Imkerei von der genetischen Anpassungsfähigkeit einer wilden Honigbienenpopulation an Krankheiten oder Umweltbedingungen profitieren.

Große regionale Unterschiede in Europa
Doch das Leben der Honigbiene als Wildtier ist in Europa zunehmend bedroht. Zwar konnten im Rahmen internationaler Forschungskooperationen mehr als 1.600 Nistplätze in 15 Ländern dokumentiert werden, doch fehlen weiterhin umfassende Daten zu ihrer Verbreitung, Bestandsgröße und Entwicklung.

Für ihre Schätzungen des Populationstrends analysierten die Forschenden die Überlebensdaten wilder Bienenvölker, die durch gezieltes Monitoring bekannter Nistplätze in mehreren europäischen Ländern gesammelt wurden. Mithilfe von Modellen berechneten sie, wie sich Populationen freilebender Bienenvölker ohne Zuwanderung aus der Imkerei entwickeln würden.

Das Ergebnis ist eindeutig: Im Durchschnitt schrumpfen die Bestände innerhalb eines Jahrzehnts um rund 56 Prozent. „Weltweit weist Europa die geringste Dichte wildlebender Honigbienenkolonien auf“, sagt Dr. Benjamin Rutschmann vom Agroscope in Zürich, dem Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung in der Schweiz.

Auffällig seien zudem starke regionale Unterschiede: Während Populationen in Mitteleuropa teils stark gefährdet sind, existieren etwa in Teilen Englands stabile Bestände. „Insgesamt zeigt sich jedoch, dass viele wildlebende Populationen zurzeit nicht aus eigener Kraft bestehen können und auf Zuwanderung aus der Imkerei angewiesen sind“, so Rutschmann.

Wildlebende Honigbiene in der EU erstmals als „stark gefährdet“ eingestuft
Aufgrund der Untersuchungen des Forschungsteams wurde die wildlebende Honigbiene nun von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) auf die internationale Rote Liste der bedrohten Arten aufgenommen und als „endangered“ bzw. „stark gefährdet“ eingestuft.

„Obwohl es sich um dieselbe Art handelt, die als Nutztier in Imkereien gehalten wird, sind wilde Honigbienen nach den Kriterien der IUCN als eigenständige Wildpopulation anzusehen“, erklärt Kohl. Danach gilt bei Arten mit gemanagten und freilebenden Individuen eine Population freilebender Individuen als „wild“, wenn diese innerhalb eines Zeitraums von mindestens zehn Jahren ohne Zutun des Menschen nicht ausstirbt.

Während die Situation innerhalb der Europäischen Union als kritisch eingestuft wird, fehlt es auf gesamteuropäischer Ebene weiterhin an ausreichenden Daten. Ihr Status wird dort deshalb aktuell mit „Daten unzureichend“ geführt. Dennoch gehen die Fachleute davon aus, dass in vielen Regionen Europas freilebende Honigbienenkolonien selten geworden oder bereits lokal ausgestorben sind.

Ursachen: Lebensraumverlust, menschliche Einflüsse und Parasiten
Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig und Gegenstand aktueller Forschung. Ein Hauptfaktor ist der fortschreitende Verlust geeigneter Lebensräume durch intensive Landnutzung und Bebauung. Zudem reduziert das Verschwinden alter Bäume mit natürlichen Höhlen die verfügbaren Nistmöglichkeiten erheblich.

Gleichzeitig führt der Rückgang naturnaher Landschaften zu einem Mangel an Nahrungsressourcen wie Pollen und Nektar, was insbesondere im Winter das Überleben der Völker erschwert. Von diesen Problemen sind Bienenvölker in der Imkerei mindestens teilweise verschont. Ihnen werden nahezu ideale künstliche Höhlen angeboten (Bienenbeuten) und sie werden bei akuter Nahrungsknappheit zugefüttert.

Außerdem belasten Krankheitserreger und invasive Arten wie beispielsweise die Varroa-Milbe die Gesundheit der Bienenvölker. Auch chemische Belastungen durch Pestizide können sich negativ auf die Überlebensfähigkeit der Völker auswirken. Darüber hinaus können moderne Imkereipraktiken, etwa durch globalen Handel und Zucht, die genetische Anpassungsfähigkeit wildlebender Populationen schwächen.

Dringender Appell für mehr Schutzmaßnahmen
Die Forschenden betonen, dass der Rückgang wilder Honigbienen nicht nur ein Problem für den Erhalt der genetischen Vielfalt innerhalb der Art ist. „Wilde Honigbienen ergänzen gemangte Bienenvölker räumlich. In ihrem angestammten Lebensraum, den lichten Wäldern und Waldrändern, beobachten wir zahlreiche Wechselbeziehungen mit anderen Arten“, so Kohl. Er denkt dabei beispielsweise an die Bestäubung von Waldpflanzen und an Arten wie die Bienenlaus und verschiedene Kleinschmetterlinge, die auf die Nester der Honigbienen angewiesen sind.

Daher fordern die Forschenden, wilde Honigbienen künftig ausdrücklich als schützenswerten Teil der Biodiversität anzuerkennen und systematisch zu überwachen. Gleichzeitig sind gezielte Schutzmaßnahmen notwendig. Laut Rutschmann sind stabile Populationen wildlebender Honigbienen ein starkes Zeichen für die Qualität eines Lebensraums. „Diese Völker brauchen alte Bäume mit geeigneten Höhlen, ein vielfältiges Nahrungsangebot und naturnahe Strukturen. Ihr Schutz hilft deshalb nicht nur der Honigbiene selbst, sondern auch vielen anderen Arten, die auf strukturreiche und blütenreiche Lebensräume angewiesen sind.“

HINTERGRUND: Rote Liste der IUCN
Seit 1963 erstellt die International Union for Conservation of Nature (IUCN) Rote Listen weltweit gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Dazu werden die Arten anhand festgelegter Kriterien in verschiedene Gefährdungskategorien eingeteilt. Die Roten Listen der IUCN basieren auf der Schätzung der Aussterbewahrscheinlichkeit eines Taxons (meist einer Art) innerhalb eines festgelegten Zeitraums, dabei wird nur das natürliche Verbreitungsgebiet berücksichtigt.

Zusätzlich bringen auch Staaten oder Bundesländer für ihr Gebiet Rote Listen heraus. Durch den regionalen Bezug können sie auf Besonderheiten eingehen und den Artenschutz vor Ort fördern.

Quelle: Universität Hohenheim

In England startet ein Versuch mit Vogelgrippe-Impfstoff gegen potenzielle pandemische Erreger

Als Vorsichtsmaßnahme gegen eine mögliche Pandemie wurde in Großbritannien damit begonnen, Freiwillige mit einem neuen H5N1-Vogelgrippe-Impfstoff zu impfen. Der Impfstoff zielt auf den Grippestamm H5N1 ab, der bei Vögeln zu weit verbreiteten Ausbrüchen geführt hat und auch bei einigen Säugetieren nachgewiesen wurde.

Auch wenn bisher fast alle Fälle beim Menschen mit engem Kontakt mit infizierten Tieren zusammenhängen besteht für die Zukunft durchaus ein solches Risiko. Weil sich Influenzaviren ständig weiterentwickeln, sind kontinuierliche Überwachung und Impfstoffentwicklung für die Pandemievorsorge von entscheidender Bedeutung.

Ziel der Studie ist es, Menschen aus den beiden am stärksten gefährdeten Gruppen zu rekrutieren, Personen die in der Geflügelindustrie arbeiten oder über solche die 65 Jahre alt sind. An dem Versuch werden insgesamt 4.000 Personen beteiligt sein.

Die ersten Freiwilligen in England, Schottland und den USA wurden jetzt mit einem Impfstoff geimpft. der auf der gleichen mRNA-Technologie basiert, wie aktuelle Covid-Impfstoffe. Dies könnte eine schnelle und groß angelegte Entwicklung des Impfstoffs im Falle einer Pandemie ermöglichen.

Blauzungenkrankheit: Rind im Landkreis Göttingen nicht infiziert

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Untersuchung einer amtlichen Nachbeprobung ist negativ – Restriktionszone wieder aufgehoben

Ein zunächst positiv auf eine Infektion mit dem Blauzungenvirus des Serotyps 8 (BTV-8) getestetes Rind im Landkreis Göttingen stellte sich jetzt bei der Untersuchung einer amtlichen Nachbeprobung als nicht mit dem Blauzungenvirus infiziert heraus. Die zunächst eingerichtete Restriktionszone konnte somit wieder aufgehoben werden. Darauf macht das niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aufmerksam.

Die Infektion mit dem Blauzungenvirus des Serotyps 8 (BTV-8) war am 17. Juli in einer Blutprobe, die im Rahmen einer Handelsuntersuchung bei einem – gemäß vorgelegten Informationen nicht gegen BTV-8 geimpften – Rind im Landkreis Göttingen entnommen war, nachgewiesen. Daraufhin wurde eine Restriktionszone mit einem Radius von 150 Kilometern um den betreffenden Betrieb eingerichtet, in der für Verbringungen BTV-empfänglicher Tiere in BTV-8 freie Zonen bestimmte Vorgaben galten.

Aufgrund von Untersuchungsergebnissen des Friedrich-Loeffler-Instituts ergaben sich jedoch Hinweise (Nachweis von BTV-8-Impfvirus in der Blutprobe), die eine amtliche Nachbeprobung des betreffenden Tieres erforderlich machten. Im Zuge der eingeleiteten Laboruntersuchungen wurde nunmehr festgestellt, dass das Tier nicht mit BTV-8 infiziert war. Nach aktuellem Kenntnisstand handelte es sich entweder entgegen der vorgelegten Informationen doch um ein geimpftes Tier oder es lag eine Kontamination der zu Handelszwecken entnommenen Blutprobe vor.

Die Restriktionszone konnte daher auf den Stand vom 17. Juli zurückgeführt werden. Das bedeutet: Aktuell sind in Niedersachsen nur der Landkreis Göttingen und Teile der Landkreise Goslar, Holzminden und Northeim von der BTV-8-Restriktionszone betroffen.

Eine interaktive Karte der Restriktionszone wird zur Verfügung gestellt unter Blauzungenkrankheit Tierseucheninfo.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Studie: Hat Nabeldesinfektion Auswirkungen auf die Gesundheit neugeborener Kälber? (AdA)

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Aus dem Archiv (AdA 6/2025) und immer noch aktuell

Von Dr. Heike Engels

Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die fehlende Desinfektion der Nabelschnur neugeborener Kälber zu Nabelinfektionen beitragen und potenziell zu Folgeerkrankungen wie Atemwegserkrankungen und Durchfall führen kann.

Diese Pilotstudie* hatte zum Ziel: 1) die Verbreitung der Nabeldesinfektionspraktiken bei neugeborenen Fleischrindkälbern in Kanada zu untersuchen und 2) die Auswirkungen von zwei Nabelbehandlungsmethoden auf Morbidität und sichtbare klinische Ergebnisse zu bewerten, bei denen entweder der Nabel in eine 7%-Jodtinktur getaucht oder mit dieser besprüht wurde. Die Morbidität bezeichnet die Krankheitshäufigkeit in einer Gruppe innerhalb eines bestimmten Zeitraums.

Eine Online-Umfrage wurde über soziale Medien und bei einer Veranstaltung der Fleischrinderindustrie in Alberta im März 2025 verbreitet. Die Morbiditätsdaten von 85 männlichen und weiblichen Angus-Kreuzungskälbern (n = 42–43 pro Behandlung) aus einer Herde in Olds, Alberta, Kanada, wurden bis zum Alter von 40 Tagen erfasst. Eine Teilstichprobe (n = 26 pro Behandlung) wurde innerhalb der ersten 15 Stunden nach der Geburt (Baseline) und anschließend wöchentlich bis zum 28. Lebenstag anhand visueller klinischer Parameter untersucht.

Nach dem Kalben wurden die Mutterkühe mit ihren Kälbern in Außenboxen mit Unterstand, Stroheinstreu und freiem Zugang zu Wasser und Futter untergebracht. Folgende klinische Parameter wurden anhand einer vierstufigen Skala in aufsteigender Reihenfolge des Schweregrades bewertet: Nasen- und Augenausfluss, Husten, Kotkonsistenz und Nabelvergrößerung. Der Zustand der Nabelschnur wurde anhand einer dreistufigen Skala beurteilt, wobei 0 bedeutete, dass die Nabelschnur abgefallen war, 1 Anzeichen von Austrocknung und 2 feuchtes Gewebe anzeigte.

Von den insgesamt 39 Befragten der Umfrage stammten die meisten aus Alberta (36 %) und Ontario (36 %), gefolgt von Manitoba (26 %) und Saskatchewan (3 %). Die Mehrheit (79 %) waren kommerzielle Erzeuger, 8 % hielten reinrassige Tiere und 13 % hielten beide Rassen. Die Kalbeorte variierten: 36 % nutzten Ställe, 36 % Weidehaltung und 23 % Außenboxen oder Mastbetriebe, während die restlichen 5 % der Erzeuger zwischen Stallhaltung und Freilandhaltung wechselten.

Insgesamt behandelten 36 % der Landwirte die Nabel ihrer Kühe, 41 % nicht und 23 % nur gelegentlich. Von denjenigen, die behandelten (23 von 39), verwendeten 52 % 10%ige Jodtinktur, 26 % 7%iges Jod, während die übrigen Jodophor-haltige Produkte (8 %), Povidon-Jod (4 %) oder gar keine Behandlung (8 %) anwendeten. Der Behandlungszeitpunkt variierte: 32 % behandelten innerhalb einer Stunde nach dem Kalben, weitere 32 % zwischen 1 und 6 Stunden, 27 % zwischen 6 und 24 Stunden und die übrigen Landwirte erst mehr als zwei Tage nach dem Kalben. 51 % der Landwirte berichteten von Nabelinfektionen in ihren Herden, während 49 % keinen Fall beobachtet hatten. Insgesamt wurden 40 Krankheitsfälle festgestellt, davon 14 % Lungenentzündung, 18 % Nabelinfektion und 1 % Durchfall. Es wurden jedoch keine Unterschiede hinsichtlich Morbidität oder visueller klinischer Parameter beobachtet. Es zeigte sich eine Variabilität in den Nabeldesinfektionspraktiken kanadischer Rinderzüchter, jedoch ist weitere Forschung erforderlich, um die Wirksamkeit verschiedener Desinfektionsmethoden auf die Gesundheitsergebnisse zu bewerten.

Studie*:
Abbey Kramer et al. (2025): Evaluating navel disinfection practices and health outcomes in newborn beef calves in Canada: A pilot-study. Journal of Animal Science, Volume 103, Issue Supplement_3, October 2025, Pages 332–333
Link

Auf Anforderung schicken wir Ihne auch gerne die komplette Ausgabe des E-Magazins 6/2025 (PDF, 6,0 MB). Senden Sie einfach eine E-Mail an wengenroth@der-hoftierarzt.de

smaXtec und Lely intensivieren ihre Zusammenarbeit

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smaXtec und Lely intensivieren ihre Zusammenarbeit und schaffen mit einer neuen direkten Systemintegration eine noch engere Verbindung zwischen Gesundheitsmanagementsystem und Melktechnologie.

Mit der neuen direkten Anbindung stärken smaXtec und Lely die digitale Vernetzung auf Milchviehbetrieben. Die neue Schnittstelle ermöglicht es smaXtec, nach Freigabe durch den Landwirt, relevante Daten direkt aus dem Lely-System abzurufen und für das erweiterte Gesundheitsmanagement zu nutzen. Der automatisierte Datenaustausch erleichtert so die tägliche Arbeit im Herdenmanagement und reduziert den Verwaltungsaufwand.

Gleichzeitig bauen smaXtec und Lely mit der Bereitstellung einer standardisierten Schnittstelle ihr offenes Ökosystem konsequent weiter aus und erleichtern Milchviehbetrieben die Vernetzung verschiedener digitaler Anwendungen. Die Schnittstelle steht sowohl bestehenden als auch neuen smaXtec-Kunden mit einem Lely Astronaut Melkroboter zur Verfügung und bildet die Basis für eine noch engere Zusammenarbeit der beiden Systeme in Zukunft.

Offene Schnittstellen für ein vernetztes Herdenmanagement
Für Milchviehbetriebe bedeutet die neue Schnittstelle auch einen noch einfacheren Zugang zu wichtigen Betriebsinformationen: „Diese Integration bringt zwei starke Lösungen noch enger zusammen und schafft einen spürbaren Mehrwert für unsere gemeinsamen Kunden“, unterstreicht auch Stefan Rosenkranz, Chief Product Officer und Chief Innovation Officer bei smaXtec.

Für beide Unternehmen ist die neue Integration ein wichtiger Baustein, um den Mehrwert für gemeinsame Kunden kontinuierlich weiter auszubauen:

„Unsere Kundinnen und Kunden erwarten heute, dass digitale Lösungen einfach und zuverlässig zusammenarbeiten. Mit der Bereitstellung einer offenen Schnittstelle schaffen wir die Grundlage dafür, dass Partnerlösungen wie smaXtec einfach in das Lely Ökosystem eingebunden werden können. So ermöglichen wir Milchviehbetrieben einen effizienteren Informationsfluss und vereinfachen digitale Arbeitsabläufe im Herdenmanagement“, sagt Winfried Perner, Manager Proposition Digital Farming bei Lely.

Auch für smaXtec ist die direkte Anbindung ein wichtiger Schritt hin zu einer noch engeren Vernetzung der beiden Systeme: „Durch den automatisierten Datenaustausch reduzieren wir den Verwaltungsaufwand und legen gleichzeitig die Basis für eine noch nahtlosere Nutzung von smaXtec im Lely Ökosystem“, so Rosenkranz.

Bildquelle: Lely

Automatisierter Datenabruf reduziert Verwaltungsaufwand
Ein besonderer Vorteil der neuen Integration ist der automatisierte Datenaustausch zwischen beiden Systemen. Nach der Freigabe durch den Landwirt übernimmt smaXtec die relevanten Informationen über die von Lely bereitgestellte Schnittstelle direkt aus dem Lely-System und integriert sie in das Gesundheitsmanagement. Dadurch entfallen manuelle Doppeleingaben, während gleichzeitig eine konsistente Datengrundlage geschaffen wird. Mit der neuen Anbindung unterstreichen smaXtec und Lely ihr gemeinsames Ziel, Milchviehbetrieben den Zugang zu relevanten Betriebsdaten zu erleichtern und digitale Arbeitsabläufe im Herdenmanagement kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Über smaXtec
smaXtec ist der weltweit führende Anbieter im Bereich Gesundheitsüberwachung für Milchkühe. Das Unternehmen liefert Landwirten präzise, kontinuierliche Daten aus dem Inneren der Kuh, um Tiergesundheit, Profitabilität und Nachhaltigkeit zu verbessern. Mit seiner patentierten Sensortechnologie und KI-basierten Analysen ermöglicht smaXtec die frühzeitige Erkennung von Gesundheitsproblemen, eine bessere Fruchtbarkeitssteuerung und datenbasierte Entscheidungen – für moderne Milchviehbetriebe weltweit. Mehr Informationen unter www.smaXtec.com.

Über Lely
Lely wurde 1948 gegründet und engagiert sich für eine nachhaltige, profitable und lebenswerte Zukunft der Landwirtschaft. Mit dem Fokus auf das Wohl von Mensch und Tier entwickelt das Unternehmen innovative Roboter- und Datensysteme, die das Tierwohl fördern, die Effizienz von Milchviehbetrieben steigern und zu einer nachhaltigen Milchproduktion beitragen. Das Unternehmen bietet Systeme für automatisches Melken, Füttern, Stallreinigung und Herdenmanagement an und gilt als Wegbereiter der Automatisierung in der Milchviehhaltung. Mit Hauptsitz in Maassluis (Niederlande), rund 2.500 Mitarbeitenden und Aktivitäten in mehr als 50 Ländern begleitet Lely Landwirtinnen und Landwirte weltweit mit Technologie, Beratung und Service auf ihrem Weg in die Zukunft. Mehr Informationen unter www.lely.com/de

Quelle: smaXtec

Tierschutzrechtliche Mindestanforderungen an die Haltung von Nutzfischen

Die folgende Zusammenfassung beruht auf dem Vortrag von Dr. Julia Bauer vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, anlässlich des diesjährigen Niedersächsischen Tierschutzsymposiums.

Das EU und nationales Recht regeln die Haltung, Hälterung und Tötung von Nutzfischen, wobei Tierschutz und artgerechte Bedingungen im Fokus stehen.

Die Vorgaben nach EU-Recht sind bewusst allgemein gehalten, da es eine Vielzahl an Fischarten mit unterschiedlichen Bedürfnissen gibt.

Fischhaltungen müssen so geplant und betrieben werden, dass die artspezifischen Bedürfnisse der Fische berücksichtigt werden. Die Anlage muss z. B. ausreichend Platz, geeignetes Wasservolumen und Wasserqualität (Sauerstoff, pH, Nitrit, Ammonium) sind entscheidend. Ebenso eine artgerechte Beleuchtung, die einen Tag-Nacht-Rhythmus gewährleistet, wobei die artspezifischen Anforderungen zu berücksichtigen sind. Für nachtaktive Arten kann eine gedimmte Beleuchtung in der Nacht erforderlich sein.

Fischhalter müssen über ausreichende Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Fische sicherzustellen. Fischhalter sollten Krankheiten erkennen und wissen, wie im Krankheitsfall zu handeln ist. Der Gesundheitszustand der Fische muss regelmäßig kontrolliert werden. Sichtkontrolle auf Verletzungen, Verhaltensauffälligkeiten oder Krankheitsanzeichen.

Gemäß Artikel 3 der Richtlinie 98/58/EG müssen Maßnahmen getroffen werden, um Schmerzen, Leiden und Schäden bei Fischen zu vermeiden. Regelmäßige Kontrolle des Gesundheitszustands und Anpassung der Haltungsbedingungen bei Auffälligkeiten.

Die Wasserqualität muss den Bedürfnissen der jeweiligen Fischart entsprechen (z.B. Temperatur, Sauerstoff, pH-Wert, Nitrit, Ammonium). Plötzliche pH-Wert-Schwankungen sind zu vermeiden, da sie tödlich sein können.

Die Besatzdichte ist an die Fischart, das Alter, die Jahreszeit und die Haltungsform anzupassen. Sie sollte so hoch wie nötig und so gering wie möglich sein. Für Speisekarpfen sind z. B. 200 Tiere je Hektar vorgesehen, für Forellen in Rechteckbecken 2-3 kg/m³.

In Teichen, Durchflussanlagen und Kreislaufanlagen variieren die Dichten. Fachliche Einschätzung ist notwendig, um artgerechte Bedingungen zu gewährleisten. Parameter wie Wasserqualität, Sauerstoff und Beckenform sind individuell zu beurteilen.

Die optimalen Werte der Haltungsparameter für Regenbogenforellen (F) und Karpfen (K) sind z. B.:

Temperatur in Grad Celsius 10-18 (F) und 20-28 (K)
pH-Wert 6-8 (F) und 7,8,3 (K)
Sauerstoff (ml/L) 6-30 (F) und 5-30 (K)

Nützliche, weiterführende Informationen (Downloads) sind u. a. hier zu finden:

Europaratsempfehlungen für die Haltung von Fischen in Aquakultur

Gute fachliche Praxis der Forellenaquakultur in NRW, Leitfaden LANUV-Arbeitsblatt 54

LfL: Vermeidung von Flossenschäden bei Forellen: Informationen für Fischzüchter und Fischhalter

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft: Karpfenteichwirtschaft – Bewirtschaftung von Karpfenteichen, Gute fachliche Praxis

Blauzungenkrankheit in Niedersachsen: Auswirkungen auf Verbringungen

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Erster Nachweis vom Virus der Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 (BTV-8) in Niedersachsen – Ausweitung des Restriktionsgebiets

Nach dem ersten Nachweis des Virus der Blauzungenkrankheit des Serotyps 8 (BTV-8) in einem Rinderbestand in Niedersachsen (Landkreis Göttingen) am 17. Juli 2026 erstreckt sich die im Juni 2026 aufgrund der Feststellung im Landkreis Fulda eingerichtete Handelsrestriktionszone nun auf weitere Teile Niedersachsens. Das teilt das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) mit. Betroffen sind neben dem Landkreis Göttingen nun auch die Landkreise Braunschweig, Celle, Gifhorn, Goslar, Hameln-Pyrmont, Helmstedt, Hildesheim, Holzminden, Northeim, Peine, Salzgitter, Schaumburg, Wolfenbüttel, Wolfsburg, die Region Hannover und die Stadt Hannover sowie Teile der Landkreise Diepholz, Heidekreis, Lüchow-Dannenberg, Nienburg, Osnabrück, Uelzen und Verden. Hier gelten besondere Vorgaben beim Handel mit empfänglichen Tieren wie Rinder, Schafe, Ziegen, Lamas, Alpakas und weiteren Wiederkäuerarten.

Für das Blauzungenvirus empfängliche Tiere dürfen nur unter bestimmten Bedingungen aus der Restriktionszone in BTV-8-freie Regionen innerhalb von Deutschland und der EU transportiert werden. Transporte von Zucht- und Nutztieren sind innerhalb der nicht BTV-8-freien Regionen Deutschlands ohne Einschränkungen möglich, sofern die Tiere keine klinischen Auffälligkeiten zeigen. In Bezug auf den BTV-Serotyp 3 bestehen keine Einschränkungen für Verbringungen innerhalb Deutschlands.

Vor dem Hintergrund dieses ersten Nachweises von BTV-8 in Niedersachsen erinnert das ML die Tierhalterinnen und Tierhalter daran, die empfänglichen Tiere in den Beständen zu impfen beziehungsweise die Impfung rechtzeitig aufzufrischen zu lassen, da durch die Impfung der beste Schutz für die Tiere erzielt wird. Eine Impfung gegen den Serotyp 3 bietet keinen Schutz gegen den Serotyp 8. Hier ist eine eigene Impfung notwendig. Zur Behandlung erkrankter Tiere muss mit der Tierärztin beziehungsweise dem Tierarzt zur Reduktion von Tierleid zum Beispiel mit Schmerzmitteln Kontakt aufgenommen werden.

Hinweis:
Weitere Informationen zur Verbringung können Tierhalterinnen und Tierhalter vom jeweils zuständigen Veterinäramt erfahren. Außerdem finden Sie weitere Informationen und eine interaktive Karte mit einer Darstellung der niedersächsischen Anteile der Restriktionszone unter: https://tierseucheninfo.niedersachsen.de/startseite/tierseuchen_tierkrankheiten/wiederkauer/blauzungenkrankheit/blauzungenkrankheit-21712.html

Hintergrund:
Die Blauzungenkrankheit wird durch das Bluetongue-Virus (BTV) hervorgerufen und ist eine zu meldende Tierseuche, die zumeist Rinder und Schafe betrifft. Daneben sind auch Ziegen, Neuweltkameliden und Wildwiederkäuer für die Erkrankung empfänglich. Das Virus wird nicht direkt von Tier zu Tier, sondern durch infizierte Gnitzen (blutsaugende Stechmückenart) übertragen. Erkrankte Tiere zeigen zum Beispiel Fieber, Lahmheiten, Apathie und teilweise Schleimhautläsionen. Für den Menschen ist der Erreger nicht gefährlich. Fleisch, Milch und Milchprodukte von Rindern, Schafen und Ziegen können bedenkenlos verzehrt werden.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Nutztiermedizin sichtbar machen: LAND.SCHAFFT.WERTE. e. V. und WFG rücken Tiergesundheit als Fundament der Lebensmittelsicherheit in den Fokus

Mit Interviews, Fachbeiträgen und Social-Media-Formaten machen LAND.SCHAFFT.WERTE. e. V. und der WFG – Wirtschaftsverband Freier Großtierärzte GmbH (WFG) die Arbeit von Nutztierärztinnen und Nutztierärzten für eine breite Öffentlichkeit sichtbar. Der WFG verbindet die Kampagne mit einer klaren berufspolitischen Botschaft: Ohne ausreichenden Nachwuchs und ohne verlässliche Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln lässt sich die flächendeckende tierärztliche Betreuung der Bestände – und damit ein Grundpfeiler der Lebensmittelsicherheit – nicht dauerhaft sichern.

Seit Juni 2026 sind im Rahmen der Kooperation mehrere Inhalte erschienen: ein Grundlagenbeitrag zum Zusammenhang von Tiermedizin, Biosicherheit und Lebensmittelsicherheit, zwei Interviews mit WFG-Vertretern sowie Bewegtbild- und Social-Media-Formate, die den Weg vom Stall bis ins Supermarktregal nachzeichnen. Adressiert sind damit bewusst Verbraucherinnen und Verbraucher. „Innerhalb der Agrar- und Ernährungsbranche werden wir Nutztierärzte als kompetente Partner wahrgenommen. Beim Endverbraucher ist unsere Schlüsselrolle zwischen Stall und Supermarkt dagegen kaum bekannt“, sagt PD Dr. Andreas Palzer, Präsident des WFG. „Wer einen Berufsstand gesellschaftlich nicht sieht, dem fehlt am Ende auch der Nachwuchs. Kommunikation ist für uns deshalb keine Kür, sondern Berufspolitik.“

Im Mittelpunkt steht der Alltag der Bestandsbetreuung, und der heißt Prävention statt Therapie. Impfkonzepte, Biosicherheit, Stallklima- und Fütterungsberatung, kontinuierliches Monitoring und eine lückenlose Dokumentation von Behandlungen und Wartezeiten. Wie wirksam das ist, belegen die Zahlen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Die Abgabemenge an Antibiotika in der deutschen Tiermedizin ist seit 2011 um rund 70 Prozent zurückgegangen. Für den Verbraucher bedeutet das ein geringeres Risiko für die Selektion resistenter Keime. Das ist One Health in der Praxis.

WFG-Geschäftsführer Dr. Stefan von Rüden

Strukturelle Risiken werden zu selten diskutiert
Gleichzeitig weist der WFG auf Entwicklungen hin, die diese Struktur unter Druck setzen. Der
Nachwuchsmangel ist aus Sicht des Verbands das drängendste Thema der Nutztiermedizin: In einzelnen Regionen praktizieren kaum noch Nutztierärzte, was insbesondere die kontinuierliche, präventive Bestandsbetreuung schwächt. Hinzu kommt die Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln. Immer mehr Wirk- und Impfstoffe werden außerhalb Europas produziert, zugleich erschweren lange Zulassungsverfahren den europäischen Marktzugang. Beides führt zu Lieferengpässen. Fällt ein Impfstoff ersatzlos weg, nehmen Erkrankungen im Bestand zu, und es muss wieder mehr antibiotisch behandelt werden. Bei viralen Erregern verschärft sich das Problem. Gegen sie gibt es keine ursächliche Therapie, die Impfung ist das entscheidende Instrument. Fehlt sie, leidet das Tierwohl unmittelbar. Der WFG fordert deshalb, die Versorgungssicherheit mit Tierarzneimitteln als Teil der staatlichen Krisenvorsorge zu begreifen und die Nutztiermedizin verlässlich der kritischen Infrastruktur zuzuordnen.

„Sichere Lebensmittel sind in Deutschland für viele eine Selbstverständlichkeit, aber sie sind kein Zufall“, betont Dr. Stefan von Rüden, Geschäftsführer des WFG. „Hinter jedem Stück Fleisch und jeder Packung Milch steht die tägliche Arbeit von Nutztierärztinnen und Nutztierärzten. Wir wollen, dass diese Leistung sichtbar wird – bei Verbrauchern, in der Politik und vor allem bei den jungen Kolleginnen und Kollegen, die gerade über ihren Berufsweg entscheiden.“

Materialien der Kampagne

Interview mit WFG-Präsident PD Dr. Andreas Palzer: One Health und Antibiotikareduktion

Interview mit Sebastian Mascher (WFG): Nachwuchsmangel und Berufsalltag

Grundlagenbeitrag: Gesunde Tiere, sichere Lebensmittel

Quelle: WFG