Warum Fleischverzicht nicht nachhaltig ist

Prof. i. R. Dr. P. Michael Schmitz, JLU Gießen

Der Anteil der Landwirtschaft am gesamten CO2-Ausstoß in Deutschland beträgt laut Bundesumweltministerium 7%. Der aktuelle IPCC-Bericht beziffert den landwirtschaftlichen Anteil weltweit auf 10-12%. Um einen Beitrag zur Absenkung zu leisten, fordern NGOs und andere einen drastischen Fleischverzicht.

P. Michael Schmitz, Prof. i. R. für Agrar- und Entwicklungspolitik an der JLU Gießen, hat untersucht, welche wirtschaftlichen Effekte der Verzicht auf Fleisch, Milch und Eier hätte und wie nachhaltig eine 50%ige Reduktion tatsächlich wäre. Das wollten wir natürlich genauer wissen und haben den Wissenschaftler um ein Telefon-Interview gebeten.

Im Gespräch führt er aus, welche negativen Preiseffekte eine 50%ige Reduktion des Fleischkonsums auf dem Weltmarkt hätte, wie es bei 50% verringerter Produktion aussähe und er spricht auch die damit verbundenen „Wohlfahrtseffekte“ an.

Auch weist Prof. Schmitz auf Substitutions- und Rebound-Effekte hin, die in einschlägigen Berechnungen häufig unerwähnt blieben. Beim Konsum von Fleisch, Eiern und Milch eingespartes Geld, stünde ja regelmäßig für den Erwerb anderer Wirtschaftsgüter zur Verfügung, deren CO2-Bilanz dann aber nicht berücksichtig würde. Wandere schließlich die Produktion an andere Standorte, könne es sogar zu mehr CO2-Belastung kommen.

Zwei gängige Vorwürfe an die Nutztierhaltung lauten: der Import von Soja schädige den Urwald in Südamerika und die Anbauflächen für Viehfutter stünden nicht für die menschliche Ernährung zur Verfügung.

Nicht nur die Tatsache, dass von den weltweit 2,5 Mrd. Hektar Anbaufläche für Viehfutter allein 2 Mrd. Hektar Grasland seien, hebt der Gießener dagegen hervor. Auch die Gesamt-Bilanz für die Anbauländer müsse differenziert betrachtet und die Folgen eines Verzichts gesamtwirtschaftlich berechnet werden (fehlende Exporteinnahmen ). Der Regenwald sei besser durch Maßnahmen vor Ort zu schützen, als durch Importverbote für Soja.

Auch die Effekte eines geringeren Fleischkonsums in den Industrieländern für unterentwickelte Länder, sieht Michael Schmitz kritisch. Hunger sei vor allem hausgemacht und könne nicht durch Fleischverzicht bei uns bekämpft werden. Und er führt am Schluss aus, welche Maßnahmen sinnvoll wären, um in der Nutztierhaltung einen Beitrag zur CO2-Reduktion zu leisten.

Das ausführliche Interview ist hier abrufbar:

0:00 Wie definiert sich “Nachhaltigkeit”?
01:08 Preiseffekte einer Reduktion des Fleischkonsums um 50% in der EU
02:58 Wohlfahrtseffekte (Einkommensverluste)
04:16 Substitutions- und Rebound-Effekte
06:00 Nährstoffbilanz für tierisches Protein
07:27 Sojaanbau in Südamerika
10:48 Auswirkungen eines geringeren Fleischkonsums in Industrieländern, auf Entwicklungsländer
12:40 Vorschläge zur Reduktion der CO2-Emissionen aus der Landwirtschaft

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