Eine aktuelle Studie gibt Empfehlungen für die Bewertung der physischen Gesundheit und Resilienz von Hühnern als Grundlage fürs Tierwohl. Zu allererst sprechen sich die Autoren für eine ganzheitliche Bewertung von Gesundheit und Resilienz aus. Neben der Kontrolle auf Krankheiten sollten auch Indikatoren wie Erholungsfähigkeit nach Stress und Entwicklung von Kompetenzen (z. B. Sozialverhalten) im Betrieb erfasst werden.
Anatomische und physiologische Indikatoren
Anatomische Indikatoren wie Kamm, Gefieder, Körpergewicht und Gangbild sind besonders praxistauglich und können oft automatisiert erfasst werden. Physiologische Indikatoren (z. B. Immunstatus, Mikrobiom, Herzfrequenzvariabilität) liefern tiefere Einblicke, sind aber meist aufwändiger und eher für Forschung geeignet.
Die Bewertung des Gefiederzustands kann durch einfach Sichtkontrolle einzelner Tiere oder Stichproben im Stall erfolgen und ist schnell, kostengünstig, ohne Spezialausrüstung umsetzbar. Referenzbilder können hierbei eine Hilfe sein.
Automatisierte Kamerasysteme und KI-gestützte Bildanalyse
Moderne Kamerasysteme in Verbindung mit künstlicher Intelligenz ermöglichen die kontinuierliche, automatische Erfassung von Indikatoren wie Gangbild, Gefiederqualität, Körpergewicht (über Bildauswertung) und Aktivitätsmustern. Ein KI-basiertes System erkennt und bewertet das Gangbild von Hühnern, um frühzeitig Lahmheiten zu identifizieren. Solche Systeme eignen sich jedoch eher für größere Betriebe und zur Langzeitüberwachung.
Automatisierte Wiegesysteme und RFID-Technik
Elektronische Waagen oder Wiegeplattformen, teils kombiniert mit RFID-Transpondern, ermöglichen die automatische Erfassung des Körpergewichts einzelner Tiere oder ganzer Gruppen: Hühner laufen über eine Wiegeplattform, das Gewicht wird automatisch erfasst und dem Tier zugeordnet. Wachstum und Futterverwertung können so kontinuierlich überwacht werden.
Thermografie und Sensorik
Infrarot-Thermografie kann zur nicht-invasiven Messung der Oberflächentemperatur (z. B. Kamm, Beine) eingesetzt werden, um Stressreaktionen oder Entzündungen zu erkennen. Regelmäßige Thermografie-Aufnahmen der Hühnerköpfe zur Erkennung von Stress oder Krankheit. Ein solches System liefert schnelle Ergebnisse und ist auch für große Gruppen geeignet.
Stichprobenbasierte Probenentnahme (z. B. Kotproben, Federproben)
Für bestimmte physiologische Indikatoren (z. B. Immunstatus, Mikrobiom, IgA im Kot) werden Proben entnommen und im Labor analysiert. Etwa werden Kotproben auf Immunparameter oder Mikrobiom-Zusammensetzung untersucht. Dies kann zur Beantwortung gezielter Fragestellungen und vor allem für Forschungszwecke genutzt werden.
Skalierung von Indikatoren von tolerabel bis optimal
Die Bewertung sollte nicht nur zwischen krank/gesund unterscheiden, sondern einen Bereich von „tolerabel“ bis „optimal“ abbilden. Für viele Indikatoren gibt es einen optimalen Bereich, der je nach Alter, Rasse und Haltungsform variiert. Sowohl zu hohe als auch zu niedrige Werte (z. B. bei Krallenlänge oder Körpergewicht) können problematisch sein. Die Krallenlänge etwa sollte weder zu kurz noch zu lang sein – beides kann die Funktion beeinträchtigen. Eine 5-Punkte-Skala oder visuelle Analogskalen seien empfehlenswert.
Validierung und Kombination mehrerer Indikatoren für die zuverlässige Gesamtbewertung
Kein einzelner Indikator reicht nach dem Urteil der Forscher aus, um Tierwohl umfassend zu beurteilen. Es sei notwendig, verschiedene Indikatoren zu kombinieren und deren Schwellenwerte zu definieren. Beispielsweise ergäbe die Kombination aus Gefiederzustand, Gangbild, Körpergewicht und Immunparametern ein umfassenderes Bild als die Betrachtung eines einzelnen Merkmals.

































