10 Jahre Operatives Rahmenziel Schweinemast in Bayern

Präzise füttern, Kosten senken, Umweltwirkungen reduzieren: Das Potenzial der N-/P-reduzierten Schweinemast

Katja Krebelder (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)), Reinhard Puntigam (Fachhochschule Südwestfalen), Elisabeth Beckmüller (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)) und Stephan Schneider (Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU))

Das seit 2015 in Bayern laufende Praxisprojekt „Operative Rahmenziel Schweinemast“ zeigt anhand einer außergewöhnlich großen Datenbasis, dass sich Stickstoff (N)- und Phosphor (P)-reduzierte Fütterungsverfahren in der Praxis ohne Leistungseinbußen umsetzen lassen. Zwischen 2015 und 2025 wurden Daten von rund 1.400 Betrieben und mehr als 30 Millionen Schweinen ausgewertet.

Der entscheidende Ansatz besteht darin, nicht einfach weniger Rohprotein zu füttern, sondern die Tiere gezielt mit den tatsächlich benötigten essenziellen Aminosäuren zu versorgen. Hochwertige Mineral- oder Ergänzungsfuttermittel mit erweiterter Aminosäurenausstattung ermöglichen dadurch eine deutliche Absenkung des Rohproteingehalts. Bei Phosphor ist dagegen nicht allein der Brutto-Phosphor-Gehalt entscheidend, sondern die bedarfsgerechte Versorgung mit verdaulichem Phosphor. Der Einsatz von mikrobieller Phytase spielt dabei eine wichtige Rolle, weil dadurch der in Phytat gebundene Phosphor besser verfügbar wird.

Die Praxisdaten zeigen eine deutliche Entwicklung: Der Rohproteingehalt der mittleren Mastration sank von 167 auf 148 g/kg Futter (88 % Trockenmasse [TM]), der Phosphorgehalt von 4,8 auf 4,3 g/kg (88 % TM). Gleichzeitig stiegen die täglichen Zunahmen von 780 auf über 870 g. Auch der Muskelfleischanteil blieb stabil bzw. stieg leicht von 59,1 auf 59,7 %. Die Ergebnisse zeigen damit, dass ein höherer Rohproteingehalt nicht automatisch zu einem höheren Muskelfleischanteil führt.

Für den Schweinemäster besonders interessant ist der wirtschaftliche Effekt. Durch eine präzisere Aminosäureversorgung und eine stärker differenzierte Mehrphasenfütterung konnte der Einsatz von Sojaextraktionsschrot von rund 47 auf 30 kg je Mastschwein reduziert werden. Trotz höherer Kosten für hochwertiges Mineralfutter und eines etwas höheren Getreideanteils ergibt sich laut Modellrechnung eine Nettokostenersparnis von 3,05 € je Mastschwein. Bei einem Beispielbetrieb mit 1.000 Mastplätzen sind das 8.130 € pro Jahr.

Hinzu kommen ökologische Vorteile: Die berechneten Treibhausgasemissionen der Modellration sanken von 4,3 auf 3,6 kg CO₂e je kg Schlachtkörpergewicht, also um mehr als 16 %. Durch die reduzierte Stickstoffversorgung sinkt zudem die Stickstoffausscheidung und damit das rechnerische Potenzial für Ammoniakemissionen. Damit kann eine präzisere Fütterung gleichzeitig zur Minderung von Nährstoffausscheidungen und fütterungsbedingten Treibhausgasemissionen beitragen.

Ein weiterer praktischer Vorteil ist die größere Flexibilität bei der Rohproteinversorgung. Durch die gezielte Aminosäureversorgung können heimische Eiweißfuttermittel wie Raps- und Sonnenblumenprodukte, Ackerbohnen, Erbsen oder getoastete Sojabohnen stärker in die Ration integriert werden. Dadurch lässt sich die Abhängigkeit von importierten Futtermitteln reduzieren.

Was bedeutet das für die SchweinemästerInnen in der Praxis:
N-/P-reduzierte Fütterung verbindet ökologische Ziele mit einem direkten betrieblichen Nutzen:

• Futterkosten senken: Rund 3 € Einsparung je Mastschwein sind laut Modellrechnung möglich.
• Soja einsparen: Rund 17 kg weniger Sojaextraktionsschrot je Mastschwein.
• Leistung sichern: Trotz sinkender Rohproteingehalte stiegen die täglichen Zunahmen in den ausgewerteten Praxisdaten.
• Muskelfleischanteil sichern: Ein niedrigerer Rohproteingehalt führt nicht automatisch zu einem geringeren Muskelfleischanteil.
• Nährstoffausscheidungen reduzieren: Eine bedarfsgerechte, nährstoffangepasste Versorgung mit N und P senkt die entsprechenden Ausscheidungen.
• Emissionen mindern: Die Modellrechnung zeigt ein geringeres Treibhauspotenzial; durch die reduzierte N-Ausscheidung sinkt zudem das rechnerische Potenzial für Ammoniakemissionen.
• Ohne große Investitionen umsetzbar: Der Ansatz setzt vor allem bei der Rationsgestaltung, Aminosäureversorgung und einer stärker differenzierten Mehrphasenfütterung an.
• Mehr Flexibilität: durch die gezielte Versorgung mit freien Aminosäuren können auch heimische Eiweißfuttermittel stärker in die Ration integriert werden.

Fazit
Eine bedarfsgerechte, stark N-/P-reduzierte Fütterung kann ökonomische und ökologische Ziele miteinander verbinden. Bei präziser Rationsgestaltung lassen sich Leistung, Futterkosten und Nachhaltigkeit miteinander in Einklang bringen. Der Schweinemäster muss also nicht zwischen Leistung, Kosten und Nachhaltigkeit wählen. Bei einer präzisen Rationsgestaltung können sich diese Ziele vielmehr ergänzen. Das Projekt kommt entsprechend zu dem Schluss, dass N-/P-reduzierte Fütterungsverfahren ein zentraler Baustein für eine effiziente und nachhaltige Schweinehaltung sind.

Die ausführlichen Projektergebnisse gibt es auf der LfL-Website

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