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Fütterung im Fokus: Wirtschaftlichkeit durch gesunde Tiere
Die vetxperts machen in ihrer Online-Fortbildungsreihe deutlich, warum Tiergesundheit ein oft unterschätzter Erfolgsfaktor ist und wie fundiertes Ernährungswissen hilft, Kosten zu senken und Ressourcen optimal zu nutzen.
Die Produktion tierischer Lebensmittel steht zunehmend unter Druck. Steigende Kosten und unsichere Märkte infolge globaler Verwerfungen stellen tierhaltende Betriebe vor große Herausforderungen. Besonders deutlich zeigt sich dies im Bereich der Fütterung: Futtermittel machen rund 50 bis 60 Prozent der variablen Kosten in der Schweinehaltung aus und zählen somit zu den entscheidenden Faktoren für Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Gleichzeitig unterliegen Verfügbarkeit und Qualität von Futtermitteln starken preislichen und nährstofflichen Schwankungen.
Langfristig beeinflusst der Klimawandel und kurzfristig wirken Konflikte – für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet dies, ihre Produktionssysteme zunehmend an unsichere Rahmenbedingungen anzupassen. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Wissen um bedarfsgerechte Tierernährung und damit um Nährstoffeffizienz immer stärker an Bedeutung. Ziel ist es, die vorhandenen Ressourcen bestmöglich zu nutzen und Verluste zu minimieren.
Neben züchterischen Fortschritten, dem betrieblichen Management und einer energie- sowie nährstoffangepassten Rationsgestaltung bleibt ein zentraler Puzzlestein häufig unterschätzt: die Tiergesundheit. Gesunde Tiere können Nährstoffe deutlich besser verwerten, erzielen höhere Leistungen und verursachen gleichzeitig einen geringeren ökologischen Fußabdruck. Damit wird deutlich, wie eng Tiergesundheit und Tierernährung miteinander verknüpft sind. Auch in der tierärztlichen Praxis rückt dieses Zusammenspiel zunehmend in den Fokus: Tierärztinnen und Tierärzte beschäftigen sich verstärkt mit Fragen der bedarfsgerechten Tierernährung und deren Bedeutung für Tiergesundheit, Tierwohl und nachhaltige Produktion.
Im Rahmen einer siebenteiligen Online-Fortbildungsreihe für Tierärztinnen und Tierärzte wurden neben grundlegenden auch tiefergehende Themenkomplexe im Bereich „Schwein“ aufgegriffen, vorgestellt und angeregt diskutiert. Reinhard Puntigam (FH Soest), Stephan Schneider (HfWU Nürtingen-Geislingen) und Georg Dusel (TH Bingen) spannten in den zweistündigen Einheiten einen weiten Bogen – von der Rüsselscheibe (Futtermittelkunde und Nährstoffe) über deren Wirkung im Tier und physiologische Zusammenhänge bis hin zur Schwanzspitze (Ausscheidungen und die damit verbundenen rechtlichen Vorgaben). Speziell der Zusammenhang zwischen Tiergesundheit und Nährstoffversorgung – die Diätetik – stand von der Geburt des Ferkels bis zur Schlachtung im Mittelpunkt. Neben theoretischem Fachwissen wurde auch praktisch gearbeitet: Zum Einsatz kam das Rationsberechnungsprogramm der LfL Bayern, „ZiFo2 – Zielwert-Futter-Optimierung“. Themen wie die Supplementierung von Aminosäuren, die Substitution durch Eiweißalternativen und die Reduktion von Phosphor standen im Fokus, um unter Einhaltung gesetzlicher Vorgaben Tiergesundheit und Wohlbefinden auf hohem Niveau zu sichern.
Vor den Einheiten konnten Fragen eingereicht werden, und im Anschluss wurde intensiv diskutiert, denn Theorie und Praxis lassen sich nicht immer perfekt in Einklang bringen; Biologie ist vielfältig. So wie Tierärztinnen und Tierärzten oftmals vertieftes Wissen in der Tierernährung fehlt, ergeht es Tierernährern im Bereich der Tiermedizin ähnlich. Mit dieser Veranstaltung konnte die erfolgreiche Verbindung von Tiergesundheit und Tierernährung eindrucksvoll bestätigt werden. Dieses Format entstand aus einer gemeinsamen Idee zum Nutzen von Tiergesundheit und Tierernährung gleichermaßen.
Wir als „vetxperts“ sind ein Kompetenzverbund, zusammengeschlossen aus einer Vielzahl an anerkannten Fachtierarztpraxen für Schweine aus ganz Deutschland. Unser Ziel ist es, die Schweinegesundheit durch moderne Technik, digitales Farmmanagement und gezielte Laborunterstützung auf höchstem Niveau zu fördern und die Wertschöpfungskette nachhaltig zu optimieren.
Anke Zankl: zankl@tierarztpraxis-hohenlohe.de
Reinhard Puntigam: puntigam.reinhard@fh-swf.de
Stephan Schneider: stephan.schneider@hfwu.de
Georg Dusel: g.dusel@th-bingen.de
Neue Regelung beim Einsatz von Antibiotika in der Milchviehhaltung
In der Vergangenheit führten antibiotische Trockensteller mit mehreren Wirkstoffen zu einer höheren Anzahl an Therapietagen und damit zu erhöhten Kennzahlen. Der Gesetzgeber hat hier nun nachjustiert.
Seit dem 9. März 2026 gilt eine Anpassung im Tierarzneimittelgesetz (TAMG), die sowohl Tierärzten als auch Milchkuhhaltern die Möglichkeit bei der antibiotischen Behandlung einräumt nach dem sinnvollsten Wirkstoff zu schauen und nicht nach dem Therapieindex. Im Rahmen des Monitorings werden Präparate – unabhängig davon, ob sie einen oder mehrere Wirkstoffe enthalten – nun einheitlich berücksichtigt.
Konkret bedeutet das: Kombinationsantibiotika gehen bei der Berechnung der Therapietage nur noch mit dem Faktor 1 ein (zuvor Faktor 2). Damit werden antibiotische Eutertuben und Injektionspräparate mit mehreren Wirkstoffen künftig gleich bewertet wie Produkte mit nur einem Wirkstoff.
Das antibiotische Trockenstellen ist auf vielen Milchviehbetrieben fester Bestandteil des Gesundheitsmanagements. Dabei kommen unter anderem Präparate zum Einsatz, die das Euter über einen längeren Zeitraum vor Mastitiserregern schützen. Im Zuge des Antibiotikamonitorings und der seit 2023 geltenden Meldepflicht für Milchkühe werden diese Produkte weiterhin mit dem Faktor 5 (Langzeitwirkung) berücksichtigt.
Bis zur Gesetzesänderung wurden Trockenstellpräparate mit mehreren Wirkstoffen mit dem Faktor 5 multipliziert. Dadurch entsprach das Trockenstellen einer Kuh mit einem Kombinationspräparat rechnerisch bis zu 10 Therapietagen.
Mit der aktuellen Anpassung im TAMG entfällt diese doppelte Gewichtung. Führende Trockensteller und Laktationsantibiotika werden nun wieder gleichbehandelt, sodass der Therapieindex nicht die Einsatzentscheidung steuert.
Hier der originale Gesetzestext: https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2026/60/VO.html
Quelle: Der Hoftierarzt
Notfall Schwanzbeißen
Akutes Schwanzbeißen im Schweinestall erkennen, eindämmen und nachhaltig vorbeugen
Schwanzbeißen zählt zu den größten Herausforderungen in der modernen Schweinehaltung. Es ist sowohl ein erhebliches Tierschutzproblem als auch ein wirtschaftlicher Risikofaktor durch Verletzungen, Leistungseinbußen, Behandlungskosten und Vermarktungsverluste. Da es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt, ist im Ernstfall ein strukturiertes und schnelles Vorgehen entscheidend.
Das Netzwerk Fokus Tierwohl hat einen praxisnahen Notfallplan entwickelt, der Tierhaltende beim akuten Management und bei der nachhaltigen Vorbeugung unterstützt.
Schwanzbeißen – ein komplexes Geschehen
Schwanzbeißen tritt in allen Haltungssystemen auf, konventionell wie ökologisch. Ursachen liegen meist in einer Überforderung durch Umwelt-, Fütterungs-, Gesundheits- oder Managementfaktoren, oft in Kombination.
Neben schnellem Eingreifen ist das frühzeitige Erkennen von Warnsignalen entscheidend. Das Netzwerk Tierwohl stellt dazu sechs kompakte Informationseinheiten bereit, die als Stallposter mit weiterführenden Hinweisen per QR-Code genutzt werden können.
Beißer erkennen und handeln
Hinweise auf beißende Tiere sind Blut an der Rüsselscheibe, Unruhe, Schwanzmanipulation, Entwicklungsrückstand oder struppiges Haarkleid. Identifizierte Beißer müssen sofort separiert werden, um eine Eskalation zu verhindern.
Fazit
Schwanzbeißen ist Ausdruck eines Ungleichgewichts im Haltungssystem. Ein klar strukturierter Notfallplan, aufmerksame Tierbeobachtung und konsequente Ursachenarbeit sind entscheidend, um Tierwohl und Wirtschaftlichkeit nachhaltig zu sichern.
Hier geht es zum Notfallplan:
https://www.fokus-tierwohl.de/fileadmin/redaktion/Dateiablage_oeffentlich/04_Dateidownloads/02_Schwein/Notfallplan_Schwanzbeissen/Poster_Notfallplan_V2.pdf
Weitere Informationen:
https://www.fokus-tierwohl.de/de/schwein/fachinformationen-schwein/notfallplan-schwanzbeissen
Quelle: Netzwerk Fokus Tierwohl
Schwanzbeißen – ein komplexes Geschehen
Schwanzbeißen tritt in allen Haltungssystemen auf, konventionell wie ökologisch. Ursachen liegen meist in einer Überforderung durch Umwelt-, Fütterungs-, Gesundheits- oder Managementfaktoren, oft in Kombination.
Neben schnellem Eingreifen ist das frühzeitige Erkennen von Warnsignalen entscheidend. Das Netzwerk Tierwohl stellt dazu sechs kompakte Informationseinheiten bereit, die als Stallposter mit weiterführenden Hinweisen per QR-Code genutzt werden können.
- Bestandsaufnahme: genau beobachten
- Tiere zunächst unbemerkt beobachten
- Ruhe- und Aktivitätsphasen berücksichtigen
- Besonders Nachmittags- und Abendstunden beachten
- Beobachtung bewusst von anderen Arbeiten trennen
Beißer erkennen und handeln
Hinweise auf beißende Tiere sind Blut an der Rüsselscheibe, Unruhe, Schwanzmanipulation, Entwicklungsrückstand oder struppiges Haarkleid. Identifizierte Beißer müssen sofort separiert werden, um eine Eskalation zu verhindern.
- Ablenkung als Sofortmaßnahme
- Raufutter (z. B. Stroh, Heu, Silagen)
- Organische Beschäftigungsmaterialien wie Holz oder Naturfasern
- Bodennah angebotene, gut zugängliche Materialien
- Verletzte Tiere versorgen
- Beißer selektieren
- Leicht verletzte Tiere ggf. separieren
- Schwer verletzte Tiere in Krankenbuchten unterbringen
- Ursachen analysieren und vorbeugen
- Beschäftigung und Buchtenstruktur
- Stallklima
- Tiergesundheit
- Konkurrenz um Ressourcen
- Fütterung und Wasserversorgung
- Frühwarnsignale ernst nehmen
- Vorbereitung: der Notfallkoffer
- Einsatzbereite Krankenbuchten
- Zusätzliche Tränken
- Raufutter und Beschäftigungsmaterial
- Futterergänzer und ggf. Toxinbinder
- Hygienepulver und zugelassene Vergrämungsmittel
Fazit
Schwanzbeißen ist Ausdruck eines Ungleichgewichts im Haltungssystem. Ein klar strukturierter Notfallplan, aufmerksame Tierbeobachtung und konsequente Ursachenarbeit sind entscheidend, um Tierwohl und Wirtschaftlichkeit nachhaltig zu sichern.
Hier geht es zum Notfallplan:
https://www.fokus-tierwohl.de/fileadmin/redaktion/Dateiablage_oeffentlich/04_Dateidownloads/02_Schwein/Notfallplan_Schwanzbeissen/Poster_Notfallplan_V2.pdf
Weitere Informationen:
https://www.fokus-tierwohl.de/de/schwein/fachinformationen-schwein/notfallplan-schwanzbeissen
Quelle: Netzwerk Fokus Tierwohl
Schutz für Schaf und Schäfer: Tierfreundliche Wolfsabwehr
DBU fördert Startup Pax Lupus – Vorfall in Hamburg
Wölfe sind in Deutschland wieder heimisch. Das Startup Pax Lupus hat daher ein autonomes System für einen Kompromiss zwischen Wolfs- und Herdenschutz entwickelt. Eine mobile Anlage vertreibt Wölfe auch langfristig mit Drohne und Geräuschen, ohne den Tieren zu schaden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Startup mit 125.000 Euro.
Jahrelang waren Wölfe in Deutschland ein seltener Anblick. Nach Zahlen des Bundesamts für Naturschutz (BfN) wächst die Population jedoch seit einiger Zeit – von 128 Rudeln im Jahr 2019 auf nun 219 bestätigte Rudel 2025. Ein aktueller Vorfall, bei dem ein Wolf eine Frau in einer Einkaufspassage in Hamburg-Altona gebissen hat, sorgt derweil für intensive Debatten über den Umgang mit Wölfen. Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 125.000 Euro geförderte Startup Pax Lupus aus Wismar hat derweil ein autonomes System entwickelt, das in freier Natur Wolfs- und Herdenschutz zugleich ermöglicht: Eine mobile Anlage vertreibt Wölfe mit Drohnen, ohne die Tiere zu schädigen.
Arten- und Herdenschutz schließen sich nicht aus
Die Rückkehr des Wolfs nach Deutschland sei aus Artenschutzperspektive positiv, benötige jedoch ein funktionierendes Management, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. „Denn Wölfe gehören in die Natur, nicht in Städte“, so Bonde zum aktuellen Hamburger Fall. Und in freier Natur komme es auf Schutzmechanismen für das Nebeneinander von Wild- und Nutztieren an, „die sich für die Tierhaltung praktisch und wirtschaftlich umsetzen lassen“. Bonde: „Die Lage der Nutztierhaltung ist ernst zu nehmen. Eine zukunftsfähige Land- und Weidewirtschaft muss mit Wildtieren umgehen, hat gleichzeitig aber auch den Herdenschutz im Blick.“ Ein Ansatz, den das Pax Lupus-Gründungsduo Anna-Karina Katt und Karsten Schmiegel unterstützt. Das Startup entwickelt ein autonomes Herdenschutzsystem zur nicht-tödlichen Abwehr von Wolfsrudeln auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI). Katt: „Viele etablierte Schutzmaßnahmen wie Zäune, Netze und Herdenschutzhunde sind arbeitsintensiv und teils umweltschädigend.“ So seien engmaschige Herdenschutznetze aus Kunststoff kurzlebig und produzieren große Mengen an nicht-recyclebarem Müll. „Außerdem können sich andere Wildtiere wie Rehe, Füchse und Feldhasen darin verfangen. Die Folgen sind nicht selten schwere Verletzungen oder gar Verendungen“, erklärt Katt.
Zuverlässige Erkennung und Vertreibung von Wölfen
Das Herdenschutzsystem von Pax Lupus soll Schmiegel zufolge autonom und netzunabhängig arbeiten: „In der Mitte der Weide wird das Gerät inklusive Mast mit Kameras und Sensoren aufgestellt.“ Dieses Gerät könne leicht von Weide zu Weide ab- und wieder aufgebaut werden. Die Stromversorgung erfolgt laut Schmiegel per Solarmodul. Der Gründer weiter: „In einem Radius von bis zu 200 Metern überwachen die Kameras Tag und Nacht die Weide und erkennen, wenn sich ein Wolf nähert. Langfristig soll die Erkennung auch über Bewegungsmuster erfolgen.“ Nähert sich ein Wolf, würden nach und nach unterschiedliche Abwehrstufen aktiviert. „Zunächst steigt aus der Basisstation eine kleine Drohne auf und fliegt den Wolf gezielt an. Sollte er im Außenbereich der Weide verbleiben, fliegt sie erste Abwehrmanöver. Beim Vordringen auf die Weide folgen weitere Abwehrmaßnahmen durch die Drohne, die den Wolf vertreiben“, erklärt Schmiegel. Bei verfügbarer Netzabdeckung würden auch die Schäfer in Echtzeit über die Vorfälle informiert. Der Pax Lupus-Gründer weiter: „Das System soll erkennen, bewerten und reagieren, damit die Schafe sicher sind, die Schäferinnen und Schäfer entlastet werden und ein unnötiger Abschuss der Wölfe vermieden wird.“
Zeit- und Geldersparnis für die Schäferinnen und Schäfer
Nach Katts Worten soll die entwickelte Technik zuverlässig Wölfe von anderen Tieren oder von Menschen unterscheiden. „Weder Alarm noch Drohne werden bei anderen Weidebesuchern ausgelöst“, so die Pax Lupus-Gründerin. Sobald Schäferin oder Schäfer alarmiert seien, könnten diese über Kameras die Situation zusätzlich einschätzen und gegebenenfalls das Abwehrmanöver manuell abbrechen. Das Schutzsystem vertreibt die Wölfe laut Katt nicht nur situativ: „Falls ein Rudel zurückkehrt, kann die wiederholte Vergrämung dazu führen, dass die Wölfe die Weidetiere auch langfristig meiden.“ Mit dem Herdenschutz von Pax Lupus sei zudem nur noch ein Grundschutz wie einfache Weidezäune zusätzlich erforderlich, während die eigentliche Schutzwirkung situativ und gezielt bereitgestellt werde. Neben der Schonung von Umwelt und Ressourcen nennt Startup-Gründerin Katt einen aus ihrer Sicht weiteren Bonus des Pax Lupus-Systems: „Es trägt auch zum Erhalt artenreicher Lebensräume bei.“ Denn die schonende Wolfsabwehr verbunden mit besserem Schutz für Schaf und Schäfer gewährleiste Sicherheit für die Herden – und damit solide Planbarkeit und Wirtschaftlichkeit für Schäferinnen und Schäfer. Die Folge laut Katt: „Erhalten bleiben durch diese traditionsreiche Weidetierhaltung naturschutzrelevante Offenlandschaften wie Heide, Bergweiden und Deiche. Viele dieser Flächen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas.“
Ausweitung des Systems auf andere Nutz- und Raubtiere
Nach Angaben des Startups ist eine Anwendung des Systems bei anderen Weidetieren ebenfalls realisierbar. Katt: „Dazu zählt etwa die Abwehr von Wolfsangriffen auf Kühe, Pferde oder Hühner.“ Denkbar sei zudem ein Training des Systems auf weitere Raubtiere wie Füchse oder Kojoten. Pax Lupus will das Herdenschutzsystem per Verkauf und Leasing anbieten, übernimmt nach eigenen Angaben die Wartung. Katt: „Sobald wir genügend Anlagen im Bestand haben, planen wir zudem Notfall-Mieten, falls ein akuter Wolfsriss vorliegt.“ Am Montag dieser Woche war es in einem Einkaufszentrum in Hamburg-Altona zur Bissverletzung einer Frau durch einen Wolf gekommen – der erste Vorfall dieser Art seit einer Wiederansiedlung des Tiers in Deutschland vor fast 30 Jahren. Die Frau konnte mittlerweile das Universitätsklinikum Eppendorf nach ambulanter Behandlung wieder verlassen. Unklar ist, was mit dem zwischenzeitlich eingefangenen Wolf, der derzeit in einer Wildtierauffangstation in Niedersachsen untergebracht ist, geschehen soll.
Über die Green Startup-Förderung
Mit der Green Startup-Förderung unterstützt die DBU Gründerinnen und Gründer, die auf innovative und wirtschaftlich tragfähige Weise Lösungen für Umwelt, Ökologie und Nachhaltigkeit entwickeln. Mehr Informationen gibt es unter https://www.dbu.de/startup.
Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
Studie: Hummeln sind Wirte für gefährliches Bienenvirus
Steinhummeln dienen dem Akuten Bienenlähmungs-Virus in der freien Natur als Wirt. Während das Virus den Hummeln offenbar wenig Schaden zufügt, verläuft eine Infektion bei Honigbienen in der Regel tödlich. Bislang ging man davon aus, dass nur Honigbienen als Wirte für das Virus in Frage kommen. Mithilfe umfangreicher Feldversuche konnte ein Team der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Georg-August-Universität Göttingen nun nachweisen, dass Steinhummeln der wichtigste Wirt für das Virus sind. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift „Ecology Letters“ und könnte für neue Schutzmaßnahmen hilfreich sein, um die Ausbreitung solcher Krankheiten in der Natur einzudämmen.
Honigbienen, Wildbienen und andere Insektenarten sind durch ihre gemeinsamen Blütenbesuche miteinander verbunden. „Eine blühende Sommerwiese ist also zugleich Nahrungsquelle und ein möglicher Übertragungsort für virale Infektionen. Denn dort kommen die Insekten auf der Suche nach Nahrung mit eventuell virenbelastetem Material in Kontakt, zum Beispiel Pollen und Nektar“, sagt der Biologe Prof. Dr. Robert Paxton von der MLU. Bislang sei man in der Forschung davon ausgegangen, dass nur Honigbienen als Wirte für verschiedene Viren dienen und so Hummeln und andere Wildbienen damit anstecken können. Die neue Studie zeichnet jedoch ein anderes Bild: Demnach können auch Wildbienen Wirte für Viren sein und damit theoretisch zur Infektion von Honigbienen beitragen.
Dieses Ergebnis basiert auf Daten, die das Team bei Feldversuchen an 32 Standorten in Niedersachsen und Hessen gesammelt und umfangreich ausgewertet hat. Die Forschenden beobachteten zunächst, ob verschiedene Bienenarten die gleichen Blumen besuchten. Außerdem analysierten sie mithilfe eines Virus-Screenings bei 1.725 Insekten für verschiedene Bienenarten, wie stark jede Art zur Verbreitung verschiedener Viren beiträgt. „Um herauszufinden, welche Bienenart am meisten zur Verbreitung eines Virus beiträgt, haben wir die sogenannte artspezifische Basisreproduktionszahl R? genutzt. Damit können wir berechnen, wie viele Insekten ein Insekt der gleichen Art anstecken kann“, erklärt Patrycja Pluta von der MLU, Erstautorin der Studie. So berechnete das Team für jede Kombination aus Virus und Bienenart punktgenau, wie leicht sich das Virus ausbreiten kann und wie stark jede Bienenart potenziell zur Verbreitung der Viren beiträgt.
Für drei bekannte Bienenviren identifizierten die Forschenden die wichtigsten Wirtsinsekten. Es zeigte sich, dass an den untersuchten Standorten Honigbienen zwar die Hauptträger für das Flügeldeformationsvirus (DWV) und das sogenannte Black Queen Cell Virus (BQCV) sind. „Beim Akuten Bienenlähmungs-Virus ist das hauptsächliche Wirtsinsekt aber eine Wildbiene: die Steinhummel Bombus lapidarius“, sagt Patrycja Pluta. Infizieren sich Honigbienen mit dem Virus, können sie nach kurzer Zeit nicht mehr fliegen, zittern und sterben innerhalb weniger Tage. Das kann zu einem raschen Zusammenbruch eines ganzen Volkes führen.
Ein weiteres Ergebnis: Die Zusammensetzung der Bienenarten an einem Standort beeinflusst die Verbreitung von Viren weniger als bisher angenommen. Dagegen spielt der direkte Kontakt zu Bienen, die viele Viren übertragen, eine entscheidende Rolle. Und der geschieht bei Blütenbesuchen. Laut Robert Paxton sind diese Erkenntnisse wichtig, um zu verstehen, wie sich Krankheiten in der Natur ausbreiten und wie man dem womöglich entgegenwirken kann. „Je mehr Platz und Nahrungsangebot Bienen haben, desto unwahrscheinlicher werden Infektionen. Um das Risiko zur weiteren Ausbreitung der Krankheiten zu minimieren, wären also zum Beispiel mehr Blühstreifen mit vielen unterschiedlichen Pflanzenarten sehr hilfreich“, so Paxton.
Die Studie wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) auf Grundlage eines Beschlusses des Deutschen Bundestages über das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.
Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Originalpublikation:
Studie: Pluta P. et al. Multiple Key Hosts and Network Structure Shape Viral Prevalence Across Multispecies Communities of Bees. Ecology Letters (2026). doi: 10.1111/ele.70327
Link
Wolf kommt ins Bundesjagdgesetz – Bundesrat stimmt Gesetzentwurf zu
Der Bundesrat hat heute dem von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer vorgelegten Gesetzentwurf zur Änderung des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) und zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) zugestimmt. Damit wird den Ländern die Möglichkeit eröffnet, Wolfsbestände auf der Grundlage von Managementplänen dann zu regulieren, wenn ein günstiger Erhaltungszustand vorliegt. Der Schutz von Weidetieren wird verbessert, da Wölfe, die zumutbare Herdenschutzmaßnahmen überwunden und ein Weidetier verletzt oder getötet haben, nun unter erleichterten Voraussetzungen erlegt werden können. Außerdem: In Weidegebieten, in denen ein ausreichender präventiver Herdenschutz nicht möglich ist – etwa in der alpinen Region oder auf Deichen – können zur Vermeidung von Weidetierrissen zukünftig Gebiete ausgewiesen werden, in denen Wölfe unter erleichterten Voraussetzungen bejagt werden können. Die hohe Bedeutung eines präventiven Herdenschutzes wird darüber hinaus bestätigt.
Dazu sagt der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer: „Wir halten Wort: Der Wolf kommt ins Jagdrecht – dafür haben wir im Eiltempo gesorgt. Die Risse von Schafen und anderen Weidetieren durch den Wolf sind für viele Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter bittere Realität und nicht nur eine emotionale, sondern auch wirtschaftliche Belastung. Eins ist mir wichtig: Niemand will den Wolf ausrotten, er hat sich bei uns als Teil der Tierwelt etabliert. Wenn aber Weidehaltung vielerorts schlicht nicht mehr stattfinden kann, haben wir einen klaren Handlungsauftrag. Künftig gibt es klare, praxistaugliche Regeln und Rechtssicherheit im Umgang mit dem Wolf. Ich freue mich, dass der Bundesrat meinem Gesetzentwurf zugestimmt hat – das ist ein guter Tag für alle Betriebe mit Weidehaltung.“
Im Einzelnen sieht der Gesetzentwurf folgende Regelungen vor:
• Regionales Bestandsmanagement: Mit der Aufnahme des Wolfes in das BJagdG wird den Ländern die Möglichkeit eines regionalen Bestandsmanagements eröffnet. Das bedeutet: Wenn ein günstiger Erhaltungszustand vorliegt, kann auf Grundlage von Bestandsmanagementplänen die Anzahl der regional lebenden Wölfe reguliert werden. In diesem Rahmen ist eine Jagdzeit von 1. Juli bis 31. Oktober vorgesehen.
• Abschuss von Wölfen: Haben Wölfe Herdenschutzmaßnahmen überwunden und Weidetiere verletzt oder getötet, ist ein leichterer, unbürokratischer Abschuss dieser Wölfe unabhängig davon möglich, ob ein günstiger oder ein ungünstiger Erhaltungszustand vorliegt.
• Ausweisung von nicht schützbaren Weidegebieten: In einigen Regionen Deutschlands ist präventiver Herdenschutz, zum Beispiel das Aufstellen von Zäunen, aufgrund der geografischen Gegebenheiten, wie Hangneigung, Bodenbeschaffenheit oder Lage an Gewässern, nicht möglich. Das ist beispielsweise in den Alpen (Almwiesen) oder an den Küsten (Deiche) der Fall. Die Bundesländer bekommen nun die Möglichkeit, solche Weidegebiete auszuweisen, um hier den Schutz von Weidetieren durch Erlegung von Wölfen sicherzustellen.
• Finanzierung Herdenschutz: Der Bund unterstützt die Finanzierung von Herdenschutzmaßnahmen über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK). Wir überprüfen diese Regelungen mit dem Ziel, Verbesserungen beim präventiven Herdenschutz zu erzielen.
• Bericht an den Bundestag: Fünf Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes berichtet die Bundesregierung dem Deutschen Bundestag, inwieweit sich die Regelungen bewährt haben.
• Kein Handel mit Wolfstrophäen: Die Regeln der EU-Artenschutzverordnung gelten auch weiterhin für den Wolf: Damit sind Zurschaustellung und Handel mit toten Wölfen auch künftig verboten.
Hintergrund:
Die Wolfsbestände in Europa sind in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen – von 11.200 Tieren im Jahr 2012 auf über 20.300 im Jahr 2023. In Deutschland leben derzeit 219 Wolfsrudel, vor allem in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen. Parallel dazu steigt die Zahl der Wolfrisse: Im Jahr 2024 wurden rund 4.300 Nutztiere, überwiegend Schafe und Ziegen, von Wölfen gerissen, zum Teil trotz der weiterhin wichtigen Herdenschutzmaßnahmen wie Zäunen und Herdenschutzhunden.
Deutschland hat der EU-Kommission im Jahr 2025 den „günstigen Erhaltungszustand“ des Wolfs in der atlantischen und der kontinentalen Region gemeldet. Damit sind die Voraussetzungen gegeben, um den Ländern in Regionen mit einem günstigen Erhaltungszustand die Möglichkeit zu geben, ein regionales Wolfsmanagement einzuführen. Mit der Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz und den entsprechenden Anpassungen im Bundesnaturschutzgesetz wird dafür die rechtliche Grundlage geschaffen. Dies ist möglich, da der Wolf im letzten Jahr in der Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herabgestuft worden ist.
Quelle: BMLEH
GUARDIAN: Auftakttreffen markiert Startschuss für die interdisziplinäre Zusammenarbeit gegen Antibiotikaresistenzen
Am DZIF-Standort Gießen fiel im Rahmen eines feierlichen Auftakttreffens der Startschuss für das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit 3,5 Millionen Euro geförderte Forschungsprojekt GUARDIAN. Drei Jahre lang arbeiten unter der Leitung von Prof. Dr. Keywan Sohrabi Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Humanmedizin, Veterinärmedizin, Medizinischer Informatik, Mikrobiologie, Bioinformatik, Epidemiologie, Umweltwissenschaften und Gesundheitswesen gemeinsam daran, die Ausbreitung antibiotikaresistenter Bakterien besser zu verstehen und präventiv einzudämmen.
Am DZIF-Standort Gießen fiel im Rahmen eines feierlichen Auftakttreffens der Startschuss für das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit 3,5 Millionen Euro geförderte Forschungsprojekt GUARDIAN. Drei Jahre lang arbeiten unter der Leitung von Prof. Dr. Keywan Sohrabi Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Humanmedizin, Veterinärmedizin, Medizinischer Informatik, Mikrobiologie, Bioinformatik, Epidemiologie, Umweltwissenschaften und Gesundheitswesen gemeinsam daran, die Ausbreitung antibiotikaresistenter Bakterien besser zu verstehen und präventiv einzudämmen.
Europaweit und auch in Deutschland gewinnen multiresistente Bakterien, insbesondere aus der Familie der Enterobakterien, immer mehr an Bedeutung. Sie stellen eine zunehmende Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar, da sie Krankheitsausbrüche verursachen und aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber gängigen Antibiotika schwer behandelbar sind. Ziel des Projekts GUARDIAN „Genom-basierte Identifizierung, Analyse und Prädiktion antimikrobieller Resistenzen in One-Health-Netzwerken unter Verwendung von künstlicher Intelligenz“ ist es, mithilfe modernster Methoden der Künstlichen Intelligenz Ausbrüche dieser Keime zukünftig frühzeitig zu erkennen, nachzuvollziehen und Präventionsstrategien zu entwickeln.
Im Rahmen des Kick-Off-Meetings kamen die beteiligten Partner zu einem intensiven Austausch zusammen. Mit dabei waren unter anderem Forschende aus dem DZIF-Forschungsbereich „Gesundheitssystem-assoziierte Infektionen“ des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Justus-Liebig-Universität (JLU) (PD Dr. Torsten Hain und PD Dr. Can Imirzalioglu) und des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Philipps-Universität Marburg (Prof. Dr. Isabelle Bekeredjian-Ding). Zudem sind am Verbundprojekt das Institut für medizinische Informatik, die Bioinformatik und Systembiologie und das Institut für Hygiene und Infektionskrankheiten der Tiere der JLU beteiligt sowie der Landesbetrieb Hessisches Landeslabor, das Hessische Landesamt für Gesundheit und Pflege, die Universitätsmedizin Greifswald und die Technische Hochschule Mittelhessen. Gemeinsam legten die Teilnehmenden die Grundsteine für die weitere Zusammenarbeit, vereinbarten Arbeitspläne und definierten die nächsten Meilensteine.
Im Rahmen des Projekts werden in den kommenden Jahren erstmals umfangreiche Daten aus Humanmedizin, Tiermedizin, Lebensmittelsicherheit und Umwelt systematisch zusammengeführt und ausgewertet. Im Mittelpunkt stehen dabei multiresistente Bakterienarten wie Citrobacter, Escherichia coli, Klebsiella und Enterobacter. Künstliche Intelligenz soll helfen, die potenziellen Verbreitungswege dieser Erreger vorherzusagen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Austausch von Resistenzgenen über sogenannte Plasmide – kleine, ringförmige DNA-Strukturen, die für die schnelle Weitergabe an andere Bakterien sorgen.
Mit seinem vernetzten One-Health-Ansatz schlägt GUARDIAN eine Brücke zwischen unterschiedlichen Disziplinen und trägt so dazu bei, wirksame Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle antibiotikaresistenter Keime im Gesundheitswesen und darüber hinaus zu entwickeln. Prof. Dr. Keywan Sohrabi betont: „Antibiotikaresistenzen sind eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Nur durch die Bündelung von Wissen und Kompetenzen unterschiedlicher Fachbereiche können wir nachhaltige Lösungen finden.“
Link zur Projektseite
Quelle: Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
Bienenforscher aus ganz Deutschland tagen in Braunschweig
Im 10. Jahr seines Bestehens ist das Julius-Kühn-Institut für Bienenschutz Gastgeber der Jahrestagung der Institute für Bienenforschung. Eine Geburtstagsfeier mit 160 Gästen und inklusive fachlichem Austausch vom 24.-26. März 2026.
Vom 24. bis 26. März wird es im Medienhaus in Braunschweig „summen wie in einem Bienenstock“. Hier treffen sich nämlich 160 Forschende aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Luxemburg, Polen und den Niederlanden, um aktuelle Forschungsergebnisse aus dem Gebiet der Bienenkunde vorzustellen. Dabei ist es kein Zufall, dass das Institut für Bienenschutz des Julius Kühn-Instituts (JKI) genau im Jahr seines 10-jährigen Bestehens Gastgeber der „Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung“ ist.
„Beim Blick ins Tagungsprogramm schlägt mein Herz als Bienenforscher höher, denn es wird eine große Themenbreite präsentiert“, sagt Dr. Jens Pistorius, der Leiter des JKI-Instituts für Bienenschutz. Die Inhalte zeigten, wie sich die Bienenforschung in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf alle Bienenarten ausgeweitet hat und wie aufgeschlossen sie neuen Forschungsmethoden gegenübersteht und sich mit anderen Wissenschaftsbereichen vernetzt. „Absolut erfreulich ist auch die internationale Resonanz unserer AG-Tagung, die zeigt, dass die nationale Bienenforschung deutlich über die Grenzen von Deutschland hinaus wahrgenommen wird, so Pistorius in seiner Funktion als Gastgeber. Vor allem für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, die am Anfang ihrer Karriere stehen, sei die etablierte Jahrestagung (die zum 73. Mal stattfindet) ein wichtiges Forum für Präsentation der eigenen Arbeiten und wissenschaftlichen Austausch.
Hintergrundinfo zur Tagung: Insgesamt wird es 34 Vorträge und über 50 Posterpräsentationen geben. Die sechs Tagungssektionen widmen sich u.a. Themen wie Bienenschutz & Pflanzenschutz, Bienenpathologie sowie Ökologie, Wildbienen & Bestäubung. Abgerundet wird das Programm mit einer Postersession, Exkursionen sowie einem Social Dinner am Mittwoch, das in geselliger Runde zum Networking inspiriert. Die Konferenz startet am Dienstag (24.03.26) um 13 Uhr mit dem Keynote-Vortrag zum Thema „Honey bees as sentinels of environmental quality“ von Dr. Ivo Roessink von der Universität Wageningen. Für Details zum Programm siehe die Tagungswebsite: https://ag-bienentagung.de. Um gemeinsam den 10. Geburtstag der Gründung des JKI-Instituts für Bienenschutz zu feiern, findet am Dienstag ein Abendempfang für geladene Gäste in Braunschweigs historischer Dornse statt.
Info zu den Arbeiten des JKI-Bienenschutzinstituts: Das am Messeweg in Braunschweig angesiedelte JKI-Institut für Bienenschutz ist eines von 18 Fachinstituten unter dem Dach des Julius Kühn-Instituts. Es war 2016 auf Betreiben des Bundeslandwirtschaftsministerium neu gegründet worden. Das Institut beschäftigt sich vor allem mit den Auswirkungen von Pflanzenschutzmittelanwendungen auf Bienengesundheit sowie Schutz- und Fördermaßnahmen von Honig- und Wildbienen in Agrarökosystemen und urbanem Raum. Auf der Jubiläumswebseite werden 10 Leuchtturmprojekte inklusive Fachpublikationen vorgestellt: https://www.julius-kuehn.de/bs/ab/10-jahre-institut-fuer-bienenschutz
Quelle: Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Aus Alt mach Neu: Nebenprodukte in der Rationsgestaltung der Schweinefütterung – Ein Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz
Schweine stehen durch den hohen Einsatz von Getreide und Soja in starker Nahrungsmittelkonkurrenz zum Menschen. Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung besitzen hingegen sehr geringe human-verwertbare Anteile und können diese Konkurrenz deutlich reduzieren.
In einem Mastversuch am Staatsgut Schwarzenau der Bayerischen Staatsgüter mit vier Futtergruppen wurde der Getreide- und Sojaanteil schrittweise reduziert und durch Nebenprodukte (u. a. Weizenkleie, Nachmehl, Trockenschnitzel) sowie Eiweißalternativen ersetzt. Dadurch sank der human-verwertbare Proteinanteil im Futter deutlich. Erhoben wurden neben den klassischen Mast- (tägliche Lebendmassezunahme, Futter- sowie Energieverbrauch- und -aufwand) auch Parameter zur Schlachtleistung und Fleischqualität. Die N- und P-Ausscheidung sowie der CO2-Fußabdruck der Futtermittel.
Die Ergebnisse des Versuchs:
• Tierische Leistung:
Trotz steigender Nebenproduktanteile blieben Mast- und Schlachtleistungen auf hohem Niveau. Die täglichen Zunahmen lagen nur leicht unter der Kontrolle, der Futteraufwand blieb unverändert.
• Schlachtkörper & Fleischqualität:
Mit zunehmendem Nebenproduktanteil sanken Ausschlachtung und Schlachtgewicht leicht (bedingt durch den höheren Faseranteil), Muskelfleischanteil und Fleischqualität blieben unbeeinflusst.
• Umweltwirkungen:
Der CO₂-Fußabdruck der Fütterung konnte durch den Einsatz von Nebenprodukten um bis zu 40 % je Mastschwein reduziert werden.
Die N-Ausscheidung entsprach trotz hoher Nebenproduktanteile den DLG-Empfehlungen bei moderatem Rohproteingehalt.
Die P-Ausscheidung stieg deutlich mit zunehmendem Einsatz an Nebenprodukten aufgrund deren hohen Phosphorgehalts.
• Nahrungsmittelkonkurrenz & Proteinbewertung:
Der human-verwertbare Anteil im Futter (hef) sank stark.
Die Lebensmittel-Konversions-Effizienz (heFCE) stieg kontinuierlich.
Unter Berücksichtigung der Proteinqualität (DIAAS) wurde mit hohem Nebenprodukteinsatz mehr hochwertiges Protein im Schweinefleisch erzeugt, als zuvor human-verwertbares Protein im Futter eingesetzt wurde.
• Ökonomie:
Trotz geringfügig niedriger Schlachterlöse pro Tier blieben die Erlöse über Futterkosten vergleichbar zur Kontrollgruppe. Der Einsatz von Nebenprodukten zeigte keine ökonomischen Nachteile.
Fazit
Der gezielte Einsatz von Nebenprodukten in der Schweinemast ermöglicht hohe Leistungen, klare Klima- und Ressourcenvorteile, eine Reduktion der Nahrungsmittelkonkurrenz und stabile Wirtschaftlichkeit.
Nebenprodukte leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer resilienten, kreislauforientierten Schweineproduktion. Voraussetzung ist eine präzise Futterbewertung und -steuerung, insbesondere im Hinblick auf die Phosphorbelastung.
Dieser Versuch wurde im Rahmen des Projektes „Heimatversprechen“ angestoßen und mit Mitteln den Freistaates Bayern gefördert. Das Projektziel besteht im Aufbau eines Netzwerks in der bayerischen Schweinebranche für eine nachhaltige heimische Schweinefleischerzeugung zur Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln, auch in Krisenzeiten. Bei Fragen zum Projekt kontaktieren Sie gerne Martin Heudecker, martin.heudecker@heimatversprechen.bayern.de oder Prof. Reinhard Puntigam, puntigam.reinhard@fh-swf.de.
Quelle: Reinhard Puntigam, FH Soest, FB Agrarwirtschaft
Dieser Beitrag wurde Ende Februar vorab allen Newsletter-Abonnenten zur Verfügung gestellt.
Zwillingsgeburten bei Kühen – Milchrindtag MV 2026
Welche Probleme mit Zwillingsgeburten einhergehen beleuchtete Emmeline Wahls anlässlich des 35. Milchrindtags MV.
In den letzten Jahren sei ein Anstieg der Zwillingsgeburten bei Milchkühen zu beobachten. Als Hauptursache gelten multiple Ovulationen, deren Wahrscheinlichkeit mit zunehmender Laktationsnummer steigt, begünstigt auch durch einen zu niedrigen Progesteronspiegel, weil Progesteron dafür verantwortlich ist, eine erneute Ovulation zu verhindern.
Zunächst bestünde ein höheres Risiko für Schwer- und Totgeburten und damit verbunden auch ein erhöhtes Risiko für peripartale Erkrankungen, wie Nachgeburtsverhaltung, Gebärmutterentzündung und Stoffwechselerkrankungen. Damit gingen wiederum einher: verlängerte Güstzeiten, erhöhte Anzahl an Besamungen sowie ein höheres Abgangs- und Abortrisiko.
Darüber hinaus tritt bei 82% bis 92% aller zweigeschlechtlichen Mehrlingsträchtigkeiten das Freemartin-Syndrom oder auch „Zwicken“ auf. Dabei handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung und Maskulinisierung der weiblichen Geschlechtsorgane, was natürlich zu Unfruchtbarkeit des weiblichen Kalbes führt.
Für Kühe in der ersten Laktation liegt die Zwillingsgeburtenrate bei etwa 1%. In der zweiten Laktation liegt dieser Wert schon deutlich höher bei etwa 3-4%. Bei weiteren Laktationen sei dann kein Anstieg mehr zu erkennen.
Speziell bei der „305-Tage-Milchleistung“ würde deutlich, dass mit zunehmender Milchleistung die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Zwillingsgeburten signifikant ansteigt. Auch einschlägige Studien belegten, dass Kühe mit hoher Milchleistung eine deutlich höhere Rate an Doppel-Ovulationen zeigten, sagte die Referentin.
Diese Studien führen als mögliche Erklärung an, dass der erhöhte Trockenmasseverzehr, der mit einer höheren Milchleistung einhergeht, zu einem gesteigerten hepatischen (über die Leber) Progesteron-Abbau führt und Progesteron für die Hemmung der LH-freisetzung verantwortlich ist. Die Zwischenkalbezeit habe dagegen keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Zwillingsgeburten, erklärt Emmeline Wahls.


































