Vogelgrippe beim Rind – H5N1-Virusvermehrung ist auf das Euter begrenzt

0

Seit März 2024 sorgt ein massiver Ausbruch der Geflügelpest des hochpathogenen Subtyps H5N1 bei Rindern in den USA für erhebliche Probleme in der dortigen Milchindustrie. Eine in Nature veröffentlichte Studie gibt insbesondere Antworten zum Verhalten dieser Viren im Rind, Orte der Virusvermehrung und der wahrscheinlichen Verbreitungswege.

Die ersten Berichte über diesen ungewöhnlichen Ausbruch beschreiben einen Milchleistungsrückgang, Virusvermehrung im Euter und hohe Ausscheidungsraten in der Milch. Bis September 2024 waren mehr als 200 Milchviehbetriebe in 14 US-Bundesstaaten betroffen und regelmäßig kommen weitere, positiv getestete Betriebe dazu. Darüber hinaus wurden bisher 15 humane Infektionen mit dem Rinder-assoziierten Vogelgrippe-Virus bestätigt, davon vier im direkten Zusammenhang mit Kontakt zu infizierten Rindern oder deren Milch. Viele Fragen waren aber noch ungeklärt oder nur wenig mit Daten belegt: Kann sich das amerikanische Rinder-H5N1 Virus der Klade 2.3.4.4b, Genotyp B3.13 auch im Respirationstrakt vermehren? Können sich auch europäische Geflügelpest-Viren des Subtyps H5N1 im Euter vermehren? Wie schwer erkranken die Rinder, wie lange wird Virus in der Milch ausgeschieden und gibt es eine systemische Ausbreitung im individuellen Tier?

Eine Gruppe von Forschenden des FLI auf der Insel Riems hat nun zusammen mit Forschenden der Kansas State University (KSU) in Kansas, USA, mittels zweier unabhängiger, experimenteller Infektionsversuche an laktierenden Rindern (FLI) und Kälbern (KSU) diese Fragen beantworten können. So konnte am FLI gezeigt werden, dass eine direkte H5N1-Infektion des Euters zu schweren Symptomen führte, teilweise mit hohem Fieber und Mastitis, unabhängig davon ob das verwendete Virusisolat aus den USA oder aus Europa stammte. Sehr hohe Viruslasten konnten in der Milch aller infizierter Rinder nachgewiesen werden und die Milchproduktion verringerte sich rapide. Dennoch wurden weder eine nasale Virusvermehrung, noch eine systemische Ausbreitung im Körper der infizierten Kühe beobachtet. Im Gegensatz zum bereits angepassten Rinderstamm aus den USA zeigte sich sehr früh eine einzelne Säugetieradaptierung in einem für die Virusvermehrung verantwortlichen, viralen Proteins des europäischen H5N1-Isolates (Polymerase PB2 E627K Mutation).

Die Forscher der KSU konnten zudem zeigen, dass eine oronasale H5N1-Infektion von Kälbern mit dem US-Stamm nur zu einer moderaten Virusvermehrung im Respirationstrakt führte und das Virus darüber hinaus nicht an Kontakt-Kälber übertragen wurde. „Diese beiden wichtigen Tierstudien lassen die Schlussfolgerung zu, dass neben der amerikanischen H5N1-Variante auch andere H5N1-Viren der Klade 2.3.4.4b in der Lage sind, sich effizient im Eutergewebe von Rindern zu vermehren und mit der Milch in hohen Mengen ausgeschieden zu werden“, so der Leiter der Studie am FLI, Prof. Dr. Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik und Vizepräsident des FLI. „Außerdem wird sehr deutlich, dass in den USA vor allem die Milch und Melk-Prozeduren maßgeblich für die Verbreitung und Übertragung zwischen Milchkühen verantwortlich sind, und eher nicht der respiratorische Weg.“

Beide Forschungsteams schließen mit dem dringenden Appell, umgehend wirksame und umfassende Maßnahmen zu treffen, um die kontinuierliche Verbreitung bei Kühen in den USA so schnell wie möglich zu stoppen, weitere genetische Anpassungen des Virus zu verhindern, und dadurch die weitere Übertragung auf Geflügel, Wildvögel und andere Säugetiere inklusive des Menschen zu verhindern.

Die Studie ist am 25.09.2024 im renommierten Fachjournal „Nature“ veröffentlicht worden.

Diese Arbeit wurde gefördert durch das Projekt „KAPPA-FLU“ (Horizon Europe-Programm, Projekt Nr. 101084171) und das Projekt „DURABLE“, kofinanziert durch die Europäische Union (EU4Health-Programm, Projekt Nr. 101102733) sowie durch das BMBF-Projekt „PREPMEDVET“ (Projekt Nr. 13N15449).

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut – Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Gefahr durch großen Leberegel: Nasses Jahr 2024 mit höherem Infektionsrisiko

0

Der große Leberegel (Fasciola hepatica) ist ein weltweit verbreiteter Endoparasit. Ein Befall mit dem Blut saugenden Wurm führt bei Milchkühen zu einer verminderten Milchleistung und Störungen der Fruchtbarkeit und bei Rindern zu reduzierter Gewichtsentwicklung.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass ein Leberegelbefall zudem ein Risikofaktor für eine Infektion mit Salmonella dublin, einem gramnegativen Bakterium, sein kann. S. dublin führt bei Rindern zu Aborten, Durchfällen oder Lungenentzündungen, aber stellt zudem auch einen gefährlichen Zoonoseerreger dar.

Besonders in regenreichen Jahren wie 2024 ist die Belastung durch den Parasiten groß, denn sein Zwischenwirt, die Zwergschlammschnecke, lebt in Feuchtgebieten und Schlamm und entwickelt sich umso besser, je feuchter es ist. Deswegen sollten entsprechende Maßnahmen auf der Weide ergriffen werden (Auszäunen feuchter Stellen u.ä.).

Da die Erkrankungssymptome unspezifisch sind und keinen eindeutigen Hinweis auf den Parasiten bieten, ist eine sorgfältige Diagnostik wichtig für eine gezielte Bekämpfung des großen Leberegels.

Die Bekämpfung im Tier ist dann ganz einfach: Fragen Sie Ihren Tierarzt nach dem Kombi-Antiparasitikum im Pour-On Verfahren – auch gegen Leberegel. Weitere Informationen

Qelle: Boehringer Ingelheim

Rätsel des Schwänzeltanzes

0

Wie navigieren Bienen, wenn die Richtungsangaben der Schwänzeltänze anderer Bienen ungenau sind? Das Konstanzer Forschungsteam rund um den Neurobiologen James Foster versucht, dieses faszinierende Bienenverhalten zu ergründen. Dafür führt er gegenwärtig Experimente auf dem Campus der Universität Konstanz durch.

Der Sommer neigt sich dem Ende zu: Für die Bienen beginnt die Jahreszeit, in der sie genügend Nahrung für den Winter speichern müssen, um die kalte Jahreszeit zu überleben. Das bedeutet Hochsaison für die Bienenforscher*innen rund um James Foster, Gruppenleiter im Bereich Neurobiologe und Mitglied am Exzellenzcluster Kollektives Verhalten der Universität Konstanz. Tagein, tagaus beobachtet das Team auf dem Campus die Bienen aus einem ihrer Forschungsbienenschwärme, die eine künstliche Futterquelle anfliegen. Doch was erforschen die Bienenforscher*innen? Und wie gehen sie dabei vor?

Bienen nutzen einen speziellen Tanz, um ihren Artgenossen Informationen über den Standort von Futterquellen zu geben: den Schwänzeltanz. „In unseren Experimenten konzentrieren wir uns auf die Beobachterinnen des Schwänzeltanzes und versuchen, sie dort zu erwischen, wohin sie fliegen“, erklärt James Foster. Nach jahrzehntelangen grundlegenden Experimenten ist klar, dass die beobachtenden Bienen die Tänze gut interpretieren können, um den Ort zu bestimmen, den die Tänzerinnen mitteilen möchten.

Was tun die Beobachterinnen, wenn die Tänzerin nicht perfekt kommunizieren kann?
„Wir versuchen nun herauszufinden, was die beobachtenden Sammlerinnen tun, wenn die Tänzerin nicht perfekt kommunizieren kann“, sagt James Foster. Um diese Frage zu beantworten, beeinflussen James Foster und seine Forschungsgruppe Tänzerinnen, die von einer neuen Futterquelle zurückkehren, so dass ihr Tanz ungenau oder sogar mehrdeutig wird.

Lesen Sie auf campus.kn, wie die Wissenschaftler*innen dabei genau vorgehen, und schauen Sie sich in der Fotogalerie an, wie ein Forschungstag abläuft.

Faktenübersicht:

– Neurobiologe James Foster ist Gruppenleiter an der Universität Konstanz und Mitglied des Exzellenzclusters Kollektives Verhalten. In seiner aktuellen Forschung nutzt er „Schwänzeltänze“ von Honigbienen, um die Kompassnavigation zu untersuchen.

– Frida Hildebrandt ist Doktorandin am Exzellenzcluster Kollektives Verhalten.

– Jedes Jahr zwischen April und September führt das Team Verhaltensexperimente mit Honigbienen auf dem Campus der Universität Konstanz durch.

– Der Exzellenzcluster Kollektives Verhalten der Universität Konstanz ist ein weltweit führendes Spitzenforschungszentrum für die Erforschung von Schwarmverhalten. Interdisziplinär werden drängende Fragen über Arten- und Organisationsebenen hinweg angegangen, von neuronalen Mechanismen über individuelle Wahrnehmung und Präferenzen bis hin zu kollektivem Verhalten in Gruppen oder ganzen Gesellschaften. Link.

Quelle: Universität Konstanz

Bewertung von Maul-Nasenringen bei Rindern unter dem Aspekt des Tierschutzes #TiHo-Tierschutztagung 2024

0

Im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wurden die Folgen des Einsatzes von Maul-Nasenringen, in engem Austausch mit Juristen, tierschutzfachlich bewertet. Die Einschätzung des Amtes erläuterte Dr. Anne Rößler* auf der diesjährigen Tierschutztagung in Hannover.

Maul-Nasenringe (Oberlippen-Nasenringe) sollen das gegenseitige Besaugen von Färsen und Milchkühen verhindern. Beim entsprechenden Eingriff werden Oberlippe, Nasenhöhle und Nasenscheidewand des Tieres durchstochen und auch wenn dies fachgerecht durchgeführt werde (mit Sedation, Lokalanästhesie und Schmermedikation), käme es in der Abheilungsphase zumindest beim Fressen und Trinken immer wieder zu Schmerzspitzen, sagte die Tierärztin. Ebenso könnten während dieser Zeit  Mikroverletzungen bei Körperpflege, Kontakt mit Stalleinrichtungen und Artgenossen auftreten, weil der frischeingezogene Ring immer wieder bewegt und damit das durchstochene Gewebe weiter traumatisiert würde, auch könnten Entzündungen und Abszesse auftreten.

Zwar gäbe es erst wenige Studien zum Thema, aber nach Einschätzung des LGL behindern die Maul-Nasenringe den Aufbau eines Unterdrucks in der Maulhöhle des Rindes als Saugtrinker. Auch sei davon auszugehen, dass die Beweglichkeit von Oberlippe, Flotzmaul und Nase eingeschränkt würden und natürliche Verhaltensweisen der Tiere behinderten. Etwa das Flehmen und Belecken von Nasenlöchern, Eutern und dem Zwischenschenkelbereich. Schließlich bestehe auch ein Risiko, dass sich Kühe am Maul verletzen, wenn sie mit dem Ring etwa an Fütterungs- oder Tränkeinrichtungen hängenblieben.

Dabei gäbe es zur Prävention des Euterbesaugens Alternativen. Dieses Fehlverhalten zeige vor allem Defizite in Management der Tiere, denn es bestünde ein enger Zusammenhang zwischen Besaugen im Kälberalter und bei erwachsenen Kühen. Gegenseitiges Besaugen ließe sich bei Kälbern durch verbessertes Absetzmanagement und Optimierung von Haltung und Fütterung in den ersten Lebenswochen erheblich reduzieren.

Träte das Besaugen bei einzelnen Kühen doch auf, sollten sie schnellstmöglich von der Gruppe getrennt werden. Weil sich das Fehlverhalten auch durch Nachahmung verbreite, sei auch die frühzeitige Schlachtung eines Einzeltieres in Betracht zu ziehen. Ebenso sollten Kühe die eine Prädisposition fürs Besaugen vererben, möglichst von der Zucht ausgeschlossen werden, auch wenn die Heritabilität nur bei 3,7% läge.

Offtmals ließen sich nur bestimmte Tiere in der Herde besaugen. Bei festen Tierkonstellationen könne z. B. der Einsatz von Euternetzten das besaugte Tier schützen.

Ferner könnten sog. Saugschutzhalfter am besaugenden Tier zielführend sein. Wenn sich andere Mittel als unwirksam erwiesen hätten, sei der Gebrauch von Saugstoppringen („Klemmringen“) möglich. Dabei sei darauf zu achten, dass Halfter und Klemmringe regelmäßig kontrolliert werden und nicht dauerhaft am Tier verbleiben, da bei ersteren Scheuerstellen, bei letzteren Läsionen der Nasenscheidewand, entstehen können. Anders als bei Maul-Nasenringen, die, obwohl oftmals nicht erforderlich, darauf abzielen, durch dauerhaften Verbleib am Tier ein Besaugen mechanisch unmöglich zu machen, bestehe das Ziel dieser Methoden darin, den Tieren das unerwünschte Verhalten abzugewöhnen. Der Erfolg der Maßnahme müsse überprüft werden, indem Halfter oder Ring abgenommen und darauf geachtet wird, ob das Tier gelernt hat, das Besaugen zu unterlassen. Bei der Verwendung von Saugstoppringen müsse eine sachgerechte Anbringung gesichert sein. Insbesondere dürfe der Ring nicht so fest angebracht werden, dass er Drucknekrosen der Nasenscheidewand verursacht.

* Landesinstitut Tiergesundheit I, Sachgebiet Tierschutz

Anbindehaltung von Rindern #TiHo-Tierschutztagung 2024

0

Dr. Peter Scheibl* widmete sich bei der diesjährigen Tierschutztagung dem „schwebenden Verfahren“ in Sachen Anbindehaltung. Bislang gibt es nur einen Entwurf zur Änderung des Tierschutzgesetzes, das Thema wird aber schon lange öffentlich diskutiert.

Fachlich unstrittig sei, dass in der Anbindehaltung letztlich alle natürlichen Verhaltensweisen von Rindern widersprechen, sagte Scheibl. Bewegungsmöglichkeiten, Körperpflege- und Sozialverhalten würden eingeschränkt.

Die Bewertung jedes Einzelfalls hänge jedoch maßgeblich davon ab, ob es Zeiten ohne Fixierung gebe, wie etwa saisonale Anbindung, täglichen Auslauf, Weidegang an mehreren Tagen pro Woche. Auch bauliche Gegebenheiten und Bodenbeschaffenheit des Stalls seien zu berücksichtigen, eine dauerhafte Anbindung im Stall jedoch unstrittig tierschutzwidrig.

Gegen ein Verbot dieser Haltungsform würde immer wieder argumentiert, dass sie ohnehin auslaufe und von einem Verbot vor allem kleine Betriebe betroffen wären. Zieht man aber die Statistik zu Rate, zeigt sich der lange Zeithorizont des „automatischen“ Auslaufens. 2010 gab es 3,0 Mio., 2020 immer noch 1,1 Mio. Betriebe.

In Bayern ist der Neubau von Ställen mit ganzjähriger Anbindung seit 2022 verboten, die Umstellung auf Laufställe wird zudem finanziell gefördert. Erhaltung der Kulturlandschaft und Förderung der Biodiversität dürften hier eine wichtige Rolle spielen.

Zwar seien tierschutzrechtliche Anordnungen bereits gerichtlich bestätigt worden, das Verwaltungsgericht Münster etwa schrieb 2022 einen Betrieb vor, seinen Tieren mindestens vom 1.6. bis zum 30.9. täglich mindestens zwei Stunden Auslauf auf einer Weide zu gewähren. Für Amtstierärzte bleibe die Bewertung einzelner Ställe so lange schwierig, bis eine konkrete gesetzliche Regelung vorliege, führte Scheibl aus. Und auch danach würde sich die Frage der Vollziehbarkeit stellen: wie soll die Einhaltung von Zeitfenstern ohne Fixierung tatsächlich überwacht werden?

* Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)

Umfangreiche One-Health-Studie zur Verbreitung des Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) in Nature Communications veröffentlicht

0

Das „klassische“ Borna disease virus 1 (BoDV-1) wird von Spitzmäusen übertragen und kann zumeist tödliche Gehirnentzündungen bei Tieren (v.a. Pferden) und Menschen verursachen. Die Letalität liegt bei über 90%. Obwohl sowohl das Virus als auch die Erkrankung schon sehr lange bekannt sind, war die Datenlage zur Verbreitung dieses zoonotischen Erregers bisher sehr lückenhaft und größtenteils veraltet.

Unter Leitung des Nationalen Referenzlabors für Bornavirusinfektionen der Tiere am FLI wurde nun die bisher umfassendste Studie zur Verbreitung des BoDV-1 veröffentlicht. Die Studie war im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsverbundes „ZooBoCo“ durchgeführt worden. Beteiligt an der Studie waren mehr als 25 Institutionen aus der Veterinär- und Humanmedizin in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Rahmen dieses Projekts wurden Gehirnproben von aktuellen sowie archivierten Fällen von BoDV-1-Infektionen bei Menschen und Tieren untersucht, die gefundenen Viren genetisch typisiert und umfangreiche Hintergrundinformationen zu den Fällen gesammelt. Eine gemeinsame Analyse dieser neuen Daten in Kombination mit den bereits zuvor publizierten Fällen erlaubt nun erstmals die Festlegung von definierten Kriterien zur Identifikation von Verbreitungsgebieten, in denen ein Risiko für eine Übertragung des BoDV-1 auf Tier und Mensch besteht.

Darüber hinaus liefert die Studie eine erste Übersicht über alle 46 bisher publizierten laborbestätigten BoDV-1-Infektionen beim Menschen.

Hinweise auf ein Vorkommen des Virus wurden ausschließlich in den zuvor bereits angenommenen Verbreitungsgebieten, vor allem in südlichen und östlichen Teilen Deutschlands und begrenzten Gebieten in Österreich und der Schweiz gefunden. Anzeichen einer deutlichen Ausbreitungstendenz des Virus über die vergangenen Jahrzehnte gibt es nicht. Die verschiedenen genetischen Varianten des BoDV-1 treten in voneinander abgrenzbaren Regionen innerhalb des Verbreitungsgebiets auf. Dieser Umstand erlaubt es, anhand ihrer genetischen Signatur die Herkunft der Viren und damit die Infektionsorte von Mensch und Tier einzugrenzen. So konnte in fast allen Infektionsfällen bei Menschen der gefundene Virustyp der jeweiligen Heimatregion der Patientin oder des Patienten zugeordnet werden, was auf in der Regel wohnortnahe Infektionsquellen schließen lässt.

Die Detailuntersuchungen und genetischen Typisierungen der Proben werden durch das Nationale Referenzlabor weitergeführt, um die Datenlage weiter zu verbessern und in Zukunft noch genauere Aussagen zu Risikogebieten und Infektionsquellen treffen zu können. Die Kartierung der Verbreitungsgebiete soll zudem dazu beitragen, die Aufmerksamkeit für die Infektion sowohl in der Human- als auch der Veterinärmedizin zu stärken. „Nun muss in diesen Regionen genauer hingeschaut werden und BoDV-1 als Erreger für Mensch und Tier in Betracht gezogen und Verdachtsfälle abgeklärt werden.“, so PD Dr. Dennis Rubbenstroth, Leiter des Referenzlabors für Bornavirusinfektionen der Tiere.

Die ganze Studie finden Sie hier und weitere Informationen zu Bornaviren hier.

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Durch Stall, Hörsaal und Labor – Tag der offenen Tür am FBN

0

Einladung zum Tag der offenen Tür am 21. September

Nach vierjähriger Pause öffnet das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf am Sonnabend, dem 21. September, wieder seine Pforten für alle Interessierten. Neben einer Vielzahl an Mitmachstationen stehen Kurzpräsentationen zu Forschungsthemen, Stallführungen, eine Wissenssafari und Eisherstellung auf dem Programm. Kann Fleisch aus dem Labor das Klima retten, wie kommt ein Kalb zur Welt und haben Schweine eigentlich eine Persönlichkeit? Antworten auf diese und viele weitere Fragen geben die Mitarbeitenden des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN) am Tag der offenen Tür in Dummerstorf.

Das FBN und die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA) laden in der Zeit von 10 bis 16 Uhr große und kleine Besucher ein, die mehr als 20 Aktionsstationen auf dem gesamten Gelände zu entdecken. Forschende geben allen Interessierten Auskunft zu aktuellen Fragen der Nutztierforschung und gewähren spannende Einblicke in ihre Arbeit.

„Der Tag der offenen Tür ist für uns die beste Gelegenheit, die gesamte Bandbreite unserer Forschung zu präsentieren“, so Vorstand Prof. Klaus Wimmers. „Unsere Forschungsthemen reichen von der Vererbung und Ausprägung von Eigenschaften und Fähigkeiten der Tiere bis zu ihrem Verhalten sowie Fragen des Tier-, Umwelt- und Klimaschutzes. Am 21. September zeigen wir all diese Aspekte der Nutztierforschung. Wir laden alle herzlich ein, das FBN zu erkunden und mit unseren Forschenden ins Gespräch zu kommen.

© FBN

Mitmachen erwünscht
Auf dem gesamten Campus warten Aktionsstationen darauf, entdeckt und erforscht zu werden. Dabei werden die Besucher auf vielfältige Weise angesprochen: ertasten, sehen, hören und nicht zuletzt erschmecken können die Gäste die Angebote in den Häusern. Spannende Kurzvorträge vermitteln Wissen zu mutigen Fischen und optimistischen Schweinen, der Geschichte des Melkens oder essbaren Insekten. Die Oxidation von Kohlenhydraten aus der Nahrung kann ebenso gemessen werden wie der eigene Stresslevel. Die Verhaltensbiologie erklärt, was Laute von Schweinen über deren Stimmung verraten, und am Ziegenlerncomputer kann jeder die Tests ausprobieren, die auch die Afrikanischen Zwergziegen am FBN absolvieren. Wer an aktuellen Stellen oder Ausbildungsmöglichkeiten am FBN interessiert ist, lässt sich am Karriere-Stand informieren. Ein besonderes Highlight wartet auf kleine und große Gourmets im Tagungszentrum: mit Hilfe von Stickstoff kann dort jeder sein Eis nach eigenem Geschmack herstellen.

Der Großtier-Operationssaal öffnet ebenso seine Tore wie das Soldatenfliegen-Labor, in dem die Maden dieser besonderen Nutztiere schlüpfen. Bei Führungen durch den Kuh- oder Schweinestall erfahren Besucher Wissenswertes und Besonderes rund um die Haltung der Tiere. Ein Kremserwagen bringt die Gäste der Führung in der Experimentalanlage Schwein zum etwa einen Kilometer entfernt gelegenen Stall. Die Teilnahme an den Führungen ist mit einem kostenfreien Ticket möglich, das die Gäste am zentralen Info-Punkt an der Haupteinfahrt erhalten.

Quizrallye auf dem gesamten Gelände
Zentrales Element des Events ist die Wissenssafari: an zwölf Stationen warten Quizfragen zu unterschiedlichen Themen darauf, beantwortet zu werden. Dabei sind für Erwachsene und Kinder unterschiedliche Fragen vorbereitet. Mit jeder korrekt beantworteten Frage sammeln die Teilnehmer einen Stempel. Die Stempelkarten für die Wissenssafari erhalten Besucher ebenfalls am Info-Punkt.

Attraktionen drinnen und draußen
Nicht nur in den Häusern, auch auf dem Gelände gibt es viel zu entdecken: die Freiwillige Feuerwehr ist mit Hüpf- und Wasserspritzspielen sowie Deftigem aus der Gulaschkanone vor Ort. Daneben versorgen mehrere Grills, ein Wagen mit regionalen Leckereien, ein Süßwarenmobil sowie zwei Kuchenbasare die wissenshungrigen Gäste mit vielfältigen Speisen. Wem nach so viel Forschung und Wissen der Sinn nach Entspannung steht, findet dafür auf den weitläufigen Wiesen ausreichend Gelegenheit – Picknickdecken dürfen gern mitgebracht werden. Der Eintritt ist frei.

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Kostenfreies Fortbildungsangebot für Nutztierhalter

0

Die Lernplattform VetMab bietet zahlreiche Online-Kurse für Rinder-, Schweine- und Geflügelhalter an. Beim „Hoftierarzt“ gibt es dafür einen kostenlosen Zugangscode bei freier Kurs-Auswahl. Einfach die neueste Ausgabe des E-Magazins runterladen, mehr zu VetMab erfahren und den kostenfreien Kennelern-Code auf Seite 6 nutzen. Das alles ist natürlich völlig kostenfrei und unverbindlich.

Und wer noch kein kostenfreies Abo des E-Magazins hat, kann sich hier schnell und einfach registrieren.

Alle Details hier noch mal im Video:

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 4/2024 mit exklusivem Lern-Angebot für Leser!

0

„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 4/2024 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

• Weniger Antibiotika – mehr Leistung: Lernplattform für erfolgreiche Antibiotikaminimierung im Stall – jetzt testen!
Kostenloses Kennenlernangebot mit exklusivem Code für Leser dieser Ausgabe.

• Studie testet: Kälberdurchfall vorbeugen mit speziellem Futterzusatz?

• Milchleistungsfutter für gesunde u. produktive Milchkühe Darmgesundheit durch Hopfen

• Paratuberkulose im Monitoring

• Eutergesundheit am Melkroboterbetrieb

• Natürliches Tageslicht ohne Hitzestress

• Automatisches Einstreusystem

• Neue oder angepasste Impfkonzepte: Erreger beim Schwein noch besser in den Griff bekommen?

• Neue Fliegenfalle für die Weide Einwegbeutel für die Reinigung

• Blauzunge: Wie ist die aktuelle Lage?

• Mehr Tiergesundheit, bessere Leistung: Kamerasystem ermöglicht 24/7 Überwachung der Masthähnchen

• Frühtracht 2024 – Ergebnisse der Honigernte

Das Tiergesundheits-Magazin für Nutztierhalter erscheint alle zwei Monate im praktischen PDF-Format. Jetzt 1 x registrieren, 1 x in der Bestätigungs-Mail „OK“ klicken und gleich kostenfrei downloaden und lesen!

Melden Sie sich einfach hier für den kostenfreien Empfang des E-Magazins an. Alle zwei Monate erhalten Sie dann per E-Mail einen Download-Link zur aktuellen Ausgabe.

Wenn die Hitze orientierungslos macht

0

Nicht nur wir Menschen leiden unter Hitzewellen. An der Universität Würzburg fanden Forschende kürzlich heraus, dass heiße Temperaturen Hummeln den Geruchssinn rauben – und damit ihre Nahrungssuche erschweren.

Der Klimawandel setzt Ökosystemen auf unterschiedlichste Weise zu. Eine seiner Folgen sind immer längere und intensivere Hitzeperioden, die essenzielle Abläufe der Natur beeinflussen – zum Beispiel die Bestäubung. Ein Team von Forschenden der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat nun genauer untersucht, wie sich Hitze auf eine bestimmte Akteurin dieser Prozesse auswirkt: Die Hummel.

„Hummeln sind wichtige Bestäuber in natürlichen und landwirtschaftlichen Systemen. Sie haben damit einen hohen wirtschaftlichen Wert und stehen für biologische Vielfalt“, erklärt Dr. Sabine Nooten, Leiterin der Studie. Die pelzigen Insekten sind außerdem äußerst anfällig für Hitzeereignisse, da sie besonders gut an kältere Lebensräume angepasst sind.

Hitze schadet den Tieren
Als Bestäuber orientieren sich Hummeln an Duftstoffen, welche die Pflanzen abgeben. Diese chemischen Wegweiser verraten nicht nur den Standort der Pflanzen, sie enthalten auch Informationen zum Zustand der Blüten.

Im Experiment wurden Hummeln in Röhren Temperaturen von 40 Grad Celsius ausgesetzt – mit gravierenden Folgen. „Die Hummeln sind in ihrer Fähigkeit Pflanzendüfte wahrzunehmen erheblich beeinträchtigt.“, so Sabine Nooten. Sie verlieren quasi ihren Geruchssinn.

Bei Arbeiterinnen konnten Verschlechterungen von bis zu 80 Prozent festgestellt werden. Männliche Tiere büßten bis zu 50 Prozent ihres Geruchssinn ein. Auffällig war weiterhin, dass wilde Hummeln noch größere Probleme mit der Hitze hatten als wirtschaftlich genutzte Tiere.

Auch eine anschließende Regenerationszeit bei passenden Temperaturen sorgte nicht umgehend für Besserung. 24 Stunden nach den Hitzetests zeigten die meisten Hummeln immer noch vergleichbare Beeinträchtigungen.

Folgestudie in Planung
Die Studie bestätigt, wie stark das Zusammenspiel von Insekten und Pflanzen durch den Klimawandel belastet wird. Hitzewellen im Besonderen fällt hier demnach eine tragende Rolle zu. Die Ergebnisse könnten für zukünftige Initiativen zum Artenschutz von entscheidender Bedeutung sein.

Ein Folgeprojekt ist bereits bewilligt, erzählt Sabine Nooten: „Nachdem wir herausgefunden haben, dass Hitzewellen die physiologischen Prozesse der Hummeln zur Wahrnehmung von Blumendüften beeinträchtigen, richtet sich unser Fokus nun auf die Verhaltensseite. Wir werden testen, wie sich Hitze auf das Verhalten der Hummeln bei der Nahrungssuche auswirkt.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Das Animal Health Info System – Digitalisierung in der Schweizer Bestandsbetreuung

0

Von Dr. Claudia Egle, Fachstelle PHIS, Nutztiergesundheit Schweiz

Die Gesunderhaltung eines Nutztierbestands ist eine kontinuierliche Herausforderung. Ein gutes Management und geeignete Prophylaxemaßnahmen sollen möglichst dazu führen, dass gesundheitliche Probleme erst gar nicht auftreten. Sollte sich die Gesundheitssituation trotzdem verschlechtern, muss dies baldmöglichst erkannt werden, um angemessen reagieren zu können. Das gilt nicht nur für den einzelnen Bestand, sondern auch auf nationaler Ebene. Eine fortlaufende Gesundheitsüberwachung ist unverzichtbar.

Die Digitalisierung schreitet auch in der Veterinärmedizin unaufhaltsam voran. Gleichzeitig werden immer mehr Daten insbesondere auch im Zusammenhang mit der Produktion von tierischen Lebensmitteln erhoben, um die Produktionsprozesse zu überwachen und eine gute Lebensmittelqualität zu gewährleisten. Es liegt also nahe, diese ohnehin erhobenen und inzwischen nun häufig digital gespeicherten Daten zielgerichtet zu verarbeiten, um zusätzliche Informationen zur Tiergesundheit zu erhalten und damit die Gesundheitsüberwachung zu stärken.

Strukur in den Datendschungel bringen
Als man in der Schweiz vor einigen Jahren damit begonnen hat, Daten zu diesem Zweck aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen, musste man feststellen, dass ausgerechnet Daten zur aktuellen Gesundheit der Tiere in den Beständen nur spärlich vorhanden sind. Es gibt beispielsweise Informationssysteme zur Erfassung von Ergebnissen von Schlachttier- und Fleischuntersuchungen oder von Antibiotikaverschreibungen durch die Tierärztinnen und Tierärzte. Auch die Tierhaltenden sind dazu verpflichtet, ihre Tierbehandlungen zu dokumentieren. All diese Daten lassen aber nur indirekt Rückschlüsse auf die aktuelle Tiergesundheit zu. Befunde von tierärztlichen Untersuchungen in den Beständen wurden in der Regel nur in eher unstrukturierter Weise mittels Praxissoftware festgehalten und waren damit weder verfügbar noch für weiterführende Auswertungen geeignet. Mit der Entwicklung des «Pig Health Info System» (PHIS) wurde deshalb ein System geschaffen, das nicht nur eine strukturierte und einheitliche Erfassung von Gesundheitsdaten erlaubt, sondern diese Daten auch in Echtzeit analysiert und darstellt.

Der Aufbau des PHIS wurde durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) finanziert. Dieses Engagement steht in direktem Zusammenhang mit der Umsetzung der Tiergesundheitsstrategie, die in der Schweiz verfolgt wird. Ein wichtiges Handlungsfeld ist die Prävention, um das Auftreten und die Verbreitung von Tierkrankheiten zu verhindern. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Digitalisierung. Die Datenerfassung und -auswertung soll optimal genutzt werden, um allfällig vorhandene Tiergesundheitsprobleme frühzeitig zu erkennen.

Die «Pig Health Info System»-App
Ein zentraler Bestandteil des PHIS ist die App zur Datenerfassung. Sie erlaubt den Bestandstierärztinnen und Bestandstierärzten die Erfassung aller Angaben, die möglicherweise in Zusammenhang mit der Tiergesundheit in einem Schweinebestand relevant sein könnten. Es können Befunde und Diagnosen festgehalten, Angaben zu Management oder Tierumgebung aufgezeichnet oder sogar Anamneseformulare für gewisse Laboruntersuchungen erstellt werden. In der App sind verschiedene Formulare vorhanden, die aufeinander aufbauen und je nach Fragestellung ausgefüllt werden können. Die Tierärztin bzw. der Tierarzt entscheidet in Anhängigkeit vom konkreten Problem, welche Informationen in welchem Detailierungsgrad aufgezeichnet werden.

Sobald ein Formular fertig ausgefüllt wurde, wird automatisch ein PDF-Dokument erstellt, das alle erhobenen Daten beinhaltet. Dieses PDF-Dokument wird einerseits in der App abgelegt, damit die Angaben auch später jederzeit verfügbar sind, kann andererseits aber auch direkt aus der App per E-Mail an die Tierhaltenden und bei Bedarf auch weitere Empfänger geschickt werden. Dadurch wird die Verfügbarkeit der Informationen für alle Beteiligten verbessert und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gefördert.

In der PHIS-App sind die Daten aber nicht nur als PDF-Dokument verfügbar. Empfehlungen und Massnahmen werden beispielsweise bei einer Folgeuntersuchung automatisch angezeigt, so dass beurteilt und wiederum dokumentiert werden kann, ob diese umgesetzt wurden und zu welchen Veränderungen in der Tiergesundheit die Umsetzung möglicherweise geführt hat. Viele Angaben können auch aus der Dokumentation der vorherigen Untersuchung importiert werden, so dass die Werte mit der aktuellen Situation im Bestand verglichen und auch direkt übernommen werden können, falls es in der Zwischenzeit keine Veränderung bei diesen Werten gegeben hat.

Automatisierte Datenanalyse und Darstellung
Die PHIS-App soll die Bestandstierärztinnen und Bestandstierärzte bei ihrer täglichen Arbeit in den Schweinebeständen unterstützen und damit die Bestandsbetreuung fördern, gleichzeitig aber auch die Früherkennung von Krankheitsausbrüchen verbessern und das nationale Gesundheitsmonitoring stärken. Das Rollout des PHIS fand am 1. Mai 2023 statt. Zum jetzigen Zeitpunkt reicht die Datengrundlage für eine detaillierte Analyse noch nicht aus. Die Tierärzteschaft muss sich erst mit der PHIS-App vertraut machen und sie zunehmend in den Arbeitsalltag integrieren, damit zukünftig in einer gewissen Regelmässigkeit Gesundheitsdaten erfasst werden, die es ermöglichen, eine allfällige Veränderung in der Tiergesundheit in einer bestimmten Region oder über einen gewissen Zeitraum zuverlässig zu erkennen. Sobald die Daten aussagekräftige Analysen zulassen, werden die Ergebnisse auf einer öffentlich zugänglichen Website dargestellt, damit sich alle interessierten Personen ein Bild von der aktuellen Schweizer Schweinegesundheit machen können. Dabei wird der Datenschutz jederzeit gewährleistet. Rückschlüsse auf einzelne Bestände oder Personen sind ausgeschlossen. Ein Expertengremium wird über Relevanz und notwendige Massnahmen entscheiden, falls das System eine Verschlechterung der Tiergesundheit anzeigt.

Fazit nach einjährigem Betrieb
Seit gut einem Jahr wird die PHIS-App nun im Feld für die Dokumentation von Bestandsuntersuchungen eingesetzt.


Zuerst erschienen im zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin. Zum kostenfreien Abo bitte einfach hier anmelden und dann den Link in der Bestätigungs-Mail anklicken. Anschließend den Artikel in der letzten Ausgabe weiterlesen:

 

Die faszinierende Welt der Bienen: Tag der offenen Tür im LAVES Institut für Bienenkunde Celle – Sonntag, 1. September, 10.30 Uhr bis 17 Uhr

0

Bienen sind klein, effizient, perfekt organisiert, lebenswichtig und unersetzlich im Kreislauf der Natur. Sie unterscheiden sich stark in ihrer Lebensweise und Produktivität – mehr als 20.000 Bienenarten leben auf dieser Welt. Nur wenige von ihnen produzieren Produkte wie Honig oder Bienenwachs. Doch alle Bienen leisten eine ökologisch und ökonomisch wichtige Arbeit durch ihre Bestäubungsaufgabe. Sie spielen damit in der Produktion und Qualitätssicherung von hochwertigen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und Nüssen eine wichtige Rolle.

Einblicke in die Welt der Honig- und Wildbienen können Besucherinnen und Besucher bei dem diesjährigen Tag der offenen Tür im Institut für Bienenkunde Celle (IB Celle) des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) am Sonntag, 1. September, von 10.30 Uhr bis 17 Uhr, bekommen. Das Institutsgelände liegt am Rande der Celler Altstadt direkt am Französischen Garten, Herzogin-Eleonore-Allee 5.

Wie entsteht eigentlich Honig und wie kommt er ins Glas? Wie werden Königinnen gezüchtet? Wie organisiert sich das Bienenvolk? Wie führt man einen insektenfreundlichen Garten, der den Anforderungen des Klimawandels gewachsen ist? Der Tag der offenen Tür bietet dem Publikum die Gelegenheit, sich über das Leben von Bienen, die Imkerei und die Arbeitsfelder des Instituts zu informieren.

Wie vielfältig die Aufgaben des Celler Instituts sind, können die Gäste an Informationsständen der einzelnen Fachbereiche und bei praktischen Demonstrationen erfahren. Die Themen reichen von der Honig- und Wachsproduktion über die Zucht von Bienenköniginnen, die Vorbeugung und Behandlung von Bienenkrankheiten bis hin zu Untersuchungstätigkeiten in der Qualitätskontrolle von Honig.

Erstmals wird es in diesem Jahr Führungen geben, in denen die Geschichte der Heideimkerei, die verschiedenen Bewohnerinnen und Bewohner des Institutsgartens und die Welt der Honigbiene erläutert werden. Für Fragen und tiefere Diskussionen stehen Imkerinnen und Imker sowie die Imkerfachberatung des Instituts zur Verfügung.

Über den Betrieb der institutseigenen Imkerei und die Laborarbeit im Bereich der Honig- und Pollenanalyse sowie der Diagnostik von Bienenkrankheiten hinaus unterhält das Institut einen Fachberatungsdienst. Dieser berät und unterstützt landesweit bei anspruchsvollen Maßnahmen, wie beispielsweise der krankheitsbedingten Sanierung von Bienenbeständen.

Außerdem bildet das Institut Tierwirtinnen und Tierwirte der Fachrichtung Imkerei aus, sowohl in der innerbetrieblichen Ausbildung mit bis zu sechs Auszubildenden, als auch als eine von bundesweit zwei Berufsschulen für den fachspezifischen Berufsschulunterricht im sogenannten „Winterblock“.

Das LAVES ist eine zentrale Behörde des gesundheitlichen Verbraucherschutzes in Niedersachsen. Es ist landesweit zuständig für die Untersuchung und Beurteilung von amtlichen Proben aus allen Prozess- und Produktionsstufen der Lebensmittelkette. Das IB Celle ist eines von sechs Instituten des LAVES und ein in Niedersachsen einzigartiges Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung. Fünf weitere Institute gehören zum LAVES: zwei Lebensmittel- und Veterinärinstitute (Oldenburg, Braunschweig/Hannover), das Institut für Fische und Fischereierzeugnisse (Cuxhaven), das Institut für Bedarfsgegenstände (Lüneburg), und das Futtermittelinstitut (Stade). Die in Oldenburg angesiedelten Fachabteilungen übernehmen unmittelbare Vollzugsaufgaben und stehen den Behörden der Landkreise beratend zur Seite.

Nähere Informationen finden Sie unter www.laves.niedersachsen.de.

Quelle: Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Hitzestress beeinflusst Mikrobiom bei Milchkälbern

0

Aktuelle Studien zeigen, dass sich Hitzestress negativ auf die Darmbarriere auswirkt und mit lokalen sowie systemischen Entzündungen und einer Dysbiose des Darms einhergeht. Ziel dieser Studie war es, die Darmbarriere, entzündungsfördernde und -hemmende Signale sowie die Zusammensetzung der Mikrobiota-Gemeinschaft bei Holstein-Bullenkälbern zu untersuchen, die Hitzestress ausgesetzt waren.

Kälber (durchschnittliches Alter = 12 Wochen; durchschnittliches Körpergewicht = 122 kg), die einzeln in temperaturgeregelten Räumen gehalten wurden, wurden 7 Tage lang
(1) thermoneutralen Bedingungen (konstante Raumtemperatur von 19,5 °C) und eingeschränktem Futterangebot (TNR, n = 8) oder (2) Hitzestressbedingungen (Zyklen von Raumtemperaturen zwischen 20 und 37,8 °C) zusammen mit einem Futterangebot nach Belieben (HS, n = 8)
ausgesetzt.

Nach Abschluss der Behandlung analysierten die Wissenschaftler*innen unter anderem die Bakteriengemeinschaften im Darm. Die durch Hitzestress hervorgerufene Veränderung der Bakteriengemeinschaften im Dickdarm war durch eine Zunahme der Gattung Butyrivibrio spp., eines bekannten butyratproduzierenden Organismus, sowie Veränderungen im bakteriellen Stoffwechsel gekennzeichnet. Bei HS-Kälbern wurde eine starke positive Korrelation zwischen der Rektaltemperatur und entzündungsfördernden Eggerthii spp. festgestellt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Arbeit darauf hinweist, dass Hitzestress die Darmbarrierefunktion beeinträchtigt. Die Veränderungen der Bakteriengemeinschaften im Dickdarm zugunsten butyratproduzierender Organismen (z. B. Butyrivibrio-Arten) können Teil einer erfolgreichen Reaktion zur Aufrechterhaltung der Funktion der Dickdarmschleimhaut von HS-Kälbern sein, denn Butyrivibrio-Arten zählen zu den entzündungshemmenden Darmbakterien.

Studie*: Yu, Z. (2024): Heat stress–associated changes in the intestinal barrier, inflammatory signals, and microbiome communities in dairy calves. Journal of dairy Science, Volume 107, ISSUE 2, P1175-1196, February 2024

Quelle: Dr. Heike Engels – zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 3/2024

Kuhgebundene Kälberaufzucht: Wie fühlen sich Milchkühe im Stall mit oder ohne ihre Kälber?

0

Die Praxis, Milchkühe bei ihren Kälbern zu halten, gewinnt immer mehr an Interesse. Es wird angenommen, dass der Kontakt zwischen Kuh und Kalb oder dessen Fehlen den emotionalen Zustand beeinflusst. Verschiedene Arten des Kontakts zwischen Kuh und Kalb können sich auch auf den emotionalen Zustand von Kühen auswirken.

Das Hauptziel dieser Studie* war die Beurteilung des emotionalen Zustands von Milchkühen mit Vollzeit- (23 h/d), Teilzeit- (10 h/d) oder keinem Kontakt zu ihren Kälbern (Trennung 48 h nach der Geburt). Dies erfolgte mithilfe eines visuellen Verhaltenstests (visual judgement bias test , JBT) etwa einen Monat nach dem Kalben. Der JBT ist die derzeitige Goldstandardmethode zur Beurteilung des emotionalen Zustands von Tieren durch Bewertung von Optimismus oder Pessimismus. Das sekundäre Ziel war der Vergleich der Ergebnisse des visuellen JBT auf Farb- und Formbasis.

Fünfzig Milchkühe wurden darauf trainiert, sich einem positiven Bild auf einem Bildschirm zu nähern (mit Futter belohnt) und ein negatives Bild zu vermeiden (andernfalls wurden sie mit einem wedelnden Beutel „bestraft“). Nach dem Erlernen (> 80 % Richtigkeit an 2 aufeinanderfolgenden Tagen) wurden den Kühen 3 gemischte Bilder gezeigt (jedes einmal pro Tag, davon 4 positive und 3 negative Bilder, wiederholt über 4 Tage) und ihre Annäherungsreaktionen aufgezeichnet. Bei der Farbmethode (10 Vollzeit-, 9 Teilzeit- und 11 No-Contact-Kühe) hatten positive und negative Bilder einen einfarbig roten oder weißen Hintergrund; gemischte Bilder hatten Rosatöne. Bei der Formmethode (8 Vollzeit-, 6 Teilzeit- und 6 No-Contact-Kühe) bestanden positive und negative Bilder aus einem weißen Kreis oder Kreuz auf schwarzem Hintergrund; gemischte Bilder wurden mit Kreisen und Kreuzen in unterschiedlichen Grautönen überlagert.

Die Kühe lernten schneller, Farben zu unterscheiden als Formen (7,3 Tage vs. 9,3 Tage). Die Ergebnisse des Farb-JBT zeigen eine pessimistische Tendenz (was auf eine negative Gefühlslage hinweist) bei Kühen mit teilweisem Kälberkontakt, möglicherweise aufgrund der wiederholten täglichen Trennung von ihrem jungen Kalb, im Vergleich zu Kühen mit ganztägigem Kälberkontakt. Somit scheinen Kuh-Kalb-Kontaktsysteme die Gefühlslage der Kühe je nach Praxis zu beeinflussen. Die Forscher*innen schlussfolgern, dass der JBT eine nützliche Methode zur Beurteilung der Gefühlslage von Milchkühen ist; künftige Forschungen sollten sich auf das Verständnis der Gefühlslagen von Milchkühen in alternativen Managementsystemen konzentrieren.

Studie*: Neave, H.W. et al (2024): Assessing the emotional states of dairy cows housed with or without their calves. Journal of Dairy Science, Volume 107, Issue 2, February 2024, Pages 1085-1101

Quelle: Dr. Heike Engels Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 3/2024

LAVES untersucht mögliche Übertragung des Vogelgrippe-Virus auf Katzen – Niedersächsisches Projekt verfolgt Verbreitung des Erregers bei Säugetieren

0

In Deutschland ist das hochpathogene aviäre Influenzavirus, auch Vogelgrippe oder Geflügelpest genannt, mittlerweile ganzjährig bei Wildvögeln nachzuweisen. Aufgrund der weiten Verbreitung des Virus in der Wildvogelpopulation kann es zu einer Infektion von Säugetieren kommen. So wurden in Europa Vogelgrippe-Infektionen bei Füchsen, Nerzen, Marderhunden oder Seehunden nachgewiesen. In Polen wurde im Juni/Juli 2023 eine ungewöhnliche Häufung von Erkrankungen und Todesfällen bei Hauskatzen beobachtet, die offensichtlich auf das Virus der hochpathogenen aviären Influenza (HPAIV) zurückzuführen waren. In Deutschland ist bislang kein Fall einer Ansteckung bei einer Hauskatze bekannt geworden.

Um allerdings eine mögliche Anpassung des Virus an Säugetiere zu verfolgen, startet das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Kooperation mit der Tierärztekammer Niedersachsen ein Projekt zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn: Untersucht werden Proben von Katzen, die sich im Freien aufhalten und dadurch Kontakt zu Wildvögeln haben könnten. Für die Übertragung ist eine hohe Menge an Viren notwendig, wenn zum Beispiel erkrankte Vögel gefressen werden. Auch der Kontakt in einem Stall mit erkranktem Geflügel kann eine mögliche Infektionsquelle sein. Eine Übertragung auf den Menschen ist bislang unwahrscheinlich, allerdings sind Katzen unter den bereits infizierten Säugetierarten diejenigen, die den engsten Kontakt zum Menschen haben. Daher richtet sich das Monitoring auf Katzen.

Das LAVES und die Tierärztekammer bitten die praktizierenden Tierärztinnen und Tierärzte in Niedersachsen um Unterstützung dieses Projekts. Wenn sie bei Katzen im Rahmen der regulären Behandlung Blutentnahmen durchführen, soll mit Einverständnis der Tierhalterinnen oder Tierhalter eine Probe zur Untersuchung an das LAVES geschickt werden. Bei Tieren mit grippeähnlichen Krankheitssymptomen ist zusätzlich eine Nasentupferprobe für einen PCR-Test notwendig. Die erforderlichen Materialien für die Untersuchungen werden den teilnehmenden Praxen vom LAVES bereitgestellt. Für die Untersuchung der Proben durch das LAVES fallen keine weiteren Kosten an. Die Teilnahme an dem Projekt ist freiwillig.

Mit ihrer Teilnahme leisten die Tierarztpraxen sowie die Katzenhalterinnen und -halter einen entscheidenen Beitrag zum Gelingen dieses wichtigen Projekts. Jede eingehende Probe ist hilfreich und trägt zu einem weiteren Erkenntnisgewinn bei, um die Anpassung des aviären Influenzavirus an Säugetiere zu verfolgen.

Informationen zum Auftreten der Vogelgrippe in Niedersachsen sind unter www.tierseucheninfo.niedersachsen.de zu finden, ebenso ein „Infoblatt zur Vogelgrippe bei Hunden und Katzen“ mit Informationen für Tierhalterinnen und Tierhalter zu Infektionswegen sowie Schutz- und Hygienemaßnahmen (Download-Link).

Quelle: Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Bienen gesundhalten: Forschende der HTWD unterstützen Imkerinnen und Imker in Sachsen

0

Die bei uns gehaltene westliche Honigbiene ist eines der drei wichtigsten Nutztiere in Deutschland. Ähnlich wie die anderen Nutztiere ist auch sie verschiedenen Krankheitserregern ausgesetzt. Während jedoch in anderen Nutztierbeständen Bestandstierärzte die Gesundheit der Tiere sichern, sind Imkerinnen und Imker bei der Bienengesundheit meist auf sich allein gestellt , auch wenn es Tierärzte mit Weiterbildung zum Fachtierarzt bzw. mit Zusatzbezeichnung Bienen gibt. Ein Forschungsprojekt an der HTWD soll nun Abhilfe schaffen.

Im Projekt ImBieSax bieten die Forschenden eine umfassende Gesundheitsfachberatung für Imker an. „Unser Ziel ist es, eine sachsenweite tierärztliche Beratung aufzubauen, die sich besonders auf effektives Bienenmanagement und die Gesundheit der Bienenvölker konzentriert“, erläutert der Projektleiter Professor Markus Freick.
Durch das Projekt erhalten sächsische Imkerinnen und Imker Zugang zu fundierten Informationen und praxisnaher Unterstützung, um die Gesundheit ihrer Bienenvölker nachhaltig zu sichern und zu verbessern. Alle rund 4.500 Imker*innen* mit Wohnsitz in Sachsen und Bienenvölkern in Sachsen können diese kostenfreie Beratung in Anspruch nehmen.

Vor-Ort-Besuche und Telefonberatung
Das Forschungsteam besucht nicht nur die Bienenstände für persönliche Beratungen vor Ort und für Probenentnahmen, sondern bietet auch telefonische Beratung an. „Eine spezielle tierärztliche Beratung hinsichtlich Bienengesundheit, wie bei anderen Nutztierbeständen, gab es seit der Wiedervereinigung Deutschlands in Sachsen nicht, obwohl das Wissen über Bienen in der tierärztlichen Approbationsverordnung enthalten ist und während des Veterinärmedizinstudiums gelehrt wird“, erklärt Tierärztin und Projektmitarbeiterin Dr. Julia Dittes.
Besonderer Fokus liegt auf der Prävention und Bekämpfung von Krankheiten wie der Varroamilbe und Virusinfektionen. Zudem soll das Wissen über moderne Imkereipraktiken verbreitet und gestärkt werden.

Arbeiten im Netzwerk
Das Projektteam arbeitet eng mit regionalen Partnern wie dem Landesverband Sächsischer Imker und der Sächsischen Tierseuchenkasse zusammen, um sicherzustellen, dass das Angebot die Bedürfnisse und Herausforderungen der Imker*innen in Sachsen adressiert.
So gibt es einen regelmäßigen Austausch mit allen Beteiligten und das Projekt konnte im Rahmen der jährlichen Weiterbildung der Bienenseuchensachverständigen der Veterinärämter in der Imkerschaft beworben werden. Gemeinsam erarbeiteten die Projektbeteiligten eine KAP-Analyse (KAP = knowledge, attitude, practice), um den Wissensstand und gängige Praktiken in der Imkerschaft zu ermitteln und deren Bedarfe zu erkennen. Besonders wichtig ist für das Projektteam die Nutzung der Kontakte über den Landesverband und die strukturierten Vereine in Sachsen, um das Angebot bekannt zu machen.

„Seit dem Start des Projekts haben sich bereits 180 Imkerinnen und Imker für unsere Beratungen angemeldet. Wir sind begeistert von der positiven Resonanz und den zahlreichen Rückmeldungen“ sagt Dr. Dittes.

Monitoring und Entwicklung
Bis Ende 2024 wertet das Team, zu dem auch zwei Studentinnen der Studiengänge Landschaftsentwicklung und Gartenbau der Fakultät Landbau, Umwelt, Chemie gehören, den Fragebogen und die Ergebnisse der Proben aus. Sie wollen feststellen, welche Krankheitserreger nachweisbar sind und ob es dabei regionale Unterschiede innerhalb Sachsens gibt. Dr. Dittes und ihre Mitarbeiterinnen verfolgen die Entwicklung der Bienenvölker auch über den Winter und planen die Fortführung des Projektes.
Die Förderung erfolgt nach dem Maßnahmenkatalog des Freistaates Sachsen zum Erhalt und zur Zucht von gesunden und resistenten Bienenvölkern vom 03.02.2023 (REVOSax Landesrecht Sachsen – Maßnahmenkatalog Bienen). Die Finanzierung des Projektes erfolgt zu 50 % aus Mitteln der Europäischen Union.

Quelle: Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden

Freilandhaltung und Photovoltaik kombinieren

0

Erlass an das LAVES: Niedersachsen erleichtert Doppelnutzung von Auslaufflächen

Seit einigen Monaten dürfen die Auslaufflächen bei einer konventionellen Freilandhaltung von Legehennen gleichzeitig mit Solarpanelen bebaut werden. Um die Umsetzung für interessierte Landwirtinnen und Landwirte zu fördern, hat das Landwirtschaftsministerium (ML) das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) als zuständige Behörde angewiesen, die maximale Überdachungsfläche durch Photovoltaik-Module und die dazugehörigen technischen Einrichtungen bis zu 70 Prozent bei hoch aufgeständerten Anlagen und bis zu 50 Prozent bei bodennahen Anlagen zu akzeptieren.

Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte: „In der konventionellen Freilandhaltung von Legehennen führt eine Doppelnutzung nicht nur zu einer gesteigerten ökologischen und ökonomischen Landnutzung, sondern kann auch zu positiven Synergieeffekten führen. Die PV-Anlage kann eine bedeutende Schutzfunktionen für die Tiere einnehmen – zum Beispiel vor Beutegreifern – oder als Hagelschutz dienen. Mit entsprechenden Vorrichtungen kann sie auch einen Beitrag zur besseren Regenwasserverteilung leisten. Die Anlagen bieten eine gute Möglichkeit für eine wirtschaftliche Energieerzeugung, bei der gleichzeitig das Tierwohl gefördert und die Vegetationsdecke gewährleistet wird.“

Hintergrund:
Bis zum Herbst 2023 war es EU-weit lediglich gestattet, die Auslaufflächen für die konventionelle Freilandhaltung von Legehennen zusätzlich auch in Form von Obstplantagen, bewaldeten Flächen oder Weiden zu nutzen. Mit der Delegierten Verordnung 2023/2465 wurde diese Doppelnutzung nun neu geregelt – eine Änderung, für die Niedersachsen sich im Vorfeld nachdrücklich eingesetzt hat. EU-weit gilt jetzt, dass die Auslaufflächen nun auch gleichzeitig zum Beispiel mit Solarpanelen bestückt werden können, wenn die zuständige Behörde dies genehmigt.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Neue Tierschutzleitlinie für die Schafhaltung

Anlässlich des 14. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums in Oldenburg stellte Dr. Eva Moors vom Tierschutzdienst, Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Oldenburg die neue Tierschutzleitlinie für die Schafhaltung vor. Eingangs wies sie darauf hin, dass jeder Schafhalter über die nötige Sachkunde (Ernährung, Pflege, Betreuung verhaltensgerechte Unterbringung) verfügen muss, die durch entsprechende Ausbildungen, abgeschlossenes Studium oder Teilnahme an speziellen Sachkundekursen erworben werden könne.

In den letzten Jahren sei eine Zunahme zu beobachten, dass vermehrt Mängel bei der Unterbringung, Fütterung oder Tierbetreuung auffielen. Gerade für diese Hobbyschafhalter sei fachliche Weiterbildung dringend geboten.

Stallhaltung
Schafe werden üblicherweise nur zur Lammzeit und in kalten Wintermonaten im Stall gehalten, die ganzjährige Stallhaltung sei tierschutzfachlich dagegen abzulehnen. Ein Stall solle trocken, hell und zugfrei sein und über ausreichende Luftzufuhr verfügen, Offenställe böten prinzipiell günstige Klimabedingungen und Tiefstreuhaltung auf Stroh habe sich in der Praxis bewährt.

Der Flächenbedarf im Stall sei z.B. von Körpergröße und Rasse der Tiere, Fütterungseinrichtungen und Bewollung abhängig. Für ein Mutterschaf bis 70 kg würde eine Liege-/Lauffläche von mind. 0,8-1,2 m² empfohlen, für ein Mutterschaf mit 2 Lämmern mind. 1,5-2,0 m².

Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen müssten jedem Tier jederzeit Zugang zu ausreichenden Mengen Futter und Wasser gewähren und so angeordnet sein, dass Verunreinigungen von Futter und Wasser ebenso wie Auseinandersetzungen zwischen den Tieren auf ein Mindestmaß reduziert würden.

Hürden und Raufen müssten stabil und sicher befestigt sein und dank ausreichender Höhe und lichter Weite zwischen den Stangen das Überspringen oder Durchkriechen verhindern. Auch dürften keine herausragenden Nägel, abgebrochenen Teile oder scharfe Kanten eine Verletzungsgefahr darstellen.

Witterungsschutz
Werden Schafe und Lämmer im Freien gehalten, brauchten sie einen Witterungsschutz, der sie vor extrem niedrigen oder hohen Temperaturen schützt. Langanhaltender Regen in Kombination mit Kälte/Wind, könnten zur Auskühlung (gerade bei Lämmern) führen. Bei starker Sonneneinstrahlung drohe neben Hitzestress auch Sonnenbrand (speziell bei frisch geschorenen Tieren).


Zuerst erschienen im zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin. Zum kostenfreien Abo bitte einfach hier anmelden und dann den Link in der Bestätigungs-Mail anklicken. Anschließend den Artikel in der letzten Ausgabe weiterlesen:

 

Keinen Tropfen verschwenden: Kolostrum und Transitmilch

0

Von Dr. Ingrid Lorenz, Tiergesundheitsdienst Bayern

In über 200 Jahre alten Lehrbüchern der Viehwirtschaft wird bereits betont, wie wichtig es für die Gesundheit des Kalbes ist, dass es mit Kolostrum gefüttert wird. Seit ungefähr einem Jahrhundert kennen wir auch einen der Gründe dafür, nämlich die Notwendigkeit des passiven Transfers von Antikörpern aus dem Kolostrum in das Blut des Kalbes. Dennoch ist das Kolostrummanagement in fast allen untersuchten Betrieben mit Kälberproblemen mangelhaft. Als Kolostrum bezeichnen wir bei den Milchrassen nur das erste Gemelk der Kuh nach dem Kalben. Die weiteren Gemelke, die noch nicht die sensorischen Eigenschaften normaler Milch haben, bezeichnet man als Transitmilch. Auch diese ist für das Kalb noch wesentlich wertvoller als normale Milch. Die Empfehlung ist daher, dass alle Milch, die nach der Kalbung nicht an die Molkerei geliefert werden kann, an die Kälber verfüttert werden sollte. Eine Ausnahme bildet hier nur Milch von antibiotisch behandelten Kühen unter Wartezeit.

Warum ist Kolostrum so wichtig?
Das Kalb kommt zwar mit einem funktionsfähigen Immunsystem zur Welt, allerdings war es in der Gebärmutter gegen Krankheitserreger abgeschirmt und konnte daher noch keine spezifische Abwehr aufbauen. Im Gegensatz z.B. zum Menschen gehen bei der Kuh während der Trächtigkeit keine Immunglobuline gegen Infektionskrankheiten über das Blut auf das Kalb über. Dies liegt an der besonderen Beschaffenheit der Eihäute und bedeutet, dass das Kalb dem Keimdruck der Umgebung unmittelbar nach der Geburt zunächst schutzlos ausgesetzt ist. Die Aufnahme der Abwehrstoffe, die das Kalb schützen können, kann nur aus der Biestmilch erfolgen. Auch die herausragende Rolle der Biestmilch als erste Nahrung für das Kalb darf nicht unterschätzt werden. Biestmilch enthält nicht nur die vierfache Menge an Eiweiß im Vergleich zu normaler Milch, sondern auch die doppelte Menge an Fett. Da Kälber nahezu ohne Fett- und Energiereserven geboren werden, können sie gerade bei kalten Temperaturen ohne frühzeitige Biestmilchaufnahme rasch erfrieren.

Ungefähr in den letzten zwei Jahrzehnten sind unsere Kenntnisse über den Gehalt und die Wirkungsweise anderer im Kolostrum enthaltener Substanzen regelrecht explodiert. So sind im Kolostrum zum Beispiel Hormone und Wachstumsfaktoren in hohen Konzentrationen vorhanden. Mittlerweile weiß man, dass diese zur Entwicklung einer voll funktionsfähigen Darmschleimhaut beitragen. Insbesondere fördern sie das Wachstum der Darmzotten. Dadurch vergrößert sich die Oberfläche der Darmschleimhaut und damit die Fähigkeit, die Inhaltsstoffe der Nahrung ins Blut aufzunehmen. Durch die vermehrte Aufnahme von Nährstoffen reift auch das Hormonsystem des Kalbes, das für die Förderung des Wachstums verantwortlich ist.

Mit Hinsicht auf die Darmentwicklung ist die weitere Verfütterung von Transitmilch nach der ersten Kolostrummahlzeit besonders wichtig. Die im Kolostrum enthaltenen weißen Blutzellen wirken sowohl lokal auf die Entwicklung der Immunität im Darm, aber auch im Blut wird die Bereitstellung von Abwehrzellen nach Kolostrumaufnahme beschleunigt.

Spezielle Zuckerverbindungen (Oligosaccharide) sind dafür verantwortlich, dass sich eine gesunde Keimflora im Darm der Kälber ausbilden kann. Außerdem verhindern diese das Anheften von Krankheitserregern an die Darmwand.

Zusätzlich sind die Gehalte an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sehr hoch, so dass auch für diese Stoffe durch eine gute Kolostrumaufnahme die Versorgung gesichert wird. Ein gutes Kolostrummanagement kann in dieser Hinsicht weder durch kommerzielle Präparate (z.B. Kälberbooster) ersetzt noch verbessert werden.

Warum ist eine rasche Biestmilchgabe essenziell?
Die Verabreichung von Biestmilch unmittelbar nach der Geburt des Kalbes ist aus mehreren Gründen wichtig.


Zuerst erschienen im zweimonatlichen Hoftierarzt E-Magazin. Zum kostenfreien Abo bitte einfach hier anmelden und dann den Link in der Bestätigungs-Mail anklicken. Anschließend den Artikel in der letzten Ausgabe weiterlesen:

 

Anforderungen an Außenklimaställe für Schweine

0

Die Stallhaltung von Schweinen stelle immer einen Kompromiss zwischen dem Bedürfnis der Tiere, der Wirtschaftlichkeit und den örtlichen Möglichkeiten dar, betonte Dr. Heiko Janssen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zu Beginn seines Vortrags anlässlich des 14. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums 2024. Die Planung eines Stalles richte sich stets nach dem aktuellen Stand der Technik, den gesetzlichen Vorgaben, eigenen Erwartungen und den ökonomischen Zwängen des Marktes. Und: der Stallbau lege den Rahmen der Haltung für lange Zeit fest, weil investiertes Geld wieder erwirtschaftet werden müsse.

Aktuell würden in Deutschland die weitaus überwiegende Zahl der Schweine in geschlossenen, klimatechnisch gesteuerten Ställen gehalten. Abluft könne gereinigt und der Nutztierbestand vor Krankheitsvektoren geschützt werden.

Eine wachsende Zahl von Schweinehaltern beschäftige sich aber mittlerweile nach jahrelangen Diskussionen um einen „Umbau der Tierhaltung“ und die Tierhaltungskennzeichnung mit Außenklimaställen oder dem Bau von Ausläufen. Für die Mastschweinehaltung wurden die Kriterien für insgesamt fünf Haltungsstufen festgelegt: Stall, Stall + Platz, Frischluftstall, Auslauf / Freiland, Bio.

Beim Thema „Außenklima“ könne man grundsätzlich zwischen den Anforderungen des Tieres und den Anforderungen des Menschen unterscheiden. Mit Blick auf das Tier sei immer zu bedenken, ob es um Saugferkel, Absetzferkel, Mastschweine, Zuchtläufer oder Sauen geht. Die Bedürfnisse der Tiere, hohe Tiergesundheit und Leistung stünden hier im Fokus. Insbesondere die Thermoregulation sei ein wesentlicher Parameter bei Stallplanung, da Schweine nur über die Rüsselscheibe schwitzen und sie ihre Haltungsumgebung in Funktionsbereiche unterteilen. Ruhe-, Fress- und Kotbereiche werden nach Möglichkeit räumlich voneinander getrennt.
Bei der Auswahl eines Ruhebereichs stehe die Thermoregulation hinsichtlich Wärmebedarf und Wärmeabgab im Vordergrund. Er sollte fei von Zugluft sein und eine geringe Lichtintensität haben. Möglichst weit von Ruhe- und Fressbereich entfernt legten Schweine dann einen Kotbereich an. Und weil Schweine äußerst soziale Tiere seien und möglichst zusammen fressen oder ruhen wollten, seien wesentliche Aspekte vorgegeben, wie Haltungssysteme konzipiert werden sollten, um dem natürlichen Verhalten der Schweine entgegenzukommen,

Für den Schweinehalter seien Tiergesundheit, Biosicherheit, Funktionalität, Arbeitserledigung, Verfahrenssicherheit, Vermarktung und Ökonomie wesentlich.
Aber auch Bau- und Umweltgesetzgebung, das Tierschutzgesetz oder auch Vermarktungsnormen müssen berücksichtigt werden.

Herausforderungen bei der konkreten Stallbauplanung seien vor allem die Wechselwirkungen der genannten Faktoren. So habe sich Flüssigmist in Kombination mit Vollspaltenboden u.a. deswegen etabliert, weil es hohe Arbeitseffizienz mit guter Verfahrenssicherheit kombiniere. Die Wühlmöglichkeit fürs Schwein sei allerdings stark einschränkt.

Getrennte Funktionsbereichen und Teilspaltenböden böten dem Tier dagegen mehr Möglichkeiten, das natürliche Wühlverhalten auszuleben, könnten aber zu Problemen bei Tiergesundheit und Emissionen führen, wenn die Festflächen als Kotbereiche genutzt würden.

Für das Tier sei es kaum von Bedeutung, ob es im „Außenklimastall“ oder einem „Stall mit Auslauf“ lebt, so lange alle Funktionsbereiche vorhanden sind. Die Unterscheidung zwischen Außenklimastall und Auslauf sei aber wichtig unter den Aspekten Tierhaltungskennzeichnung, Bau- und Umweltgesetzgebung sowie Förderungsmöglichkeiten und Vermarktungsnormen. Dabei spielten insbesondere definierte Vorgaben zu Mindestflächen, Überdachungsgrade oder auch Bodengestaltung eine wesentliche Rolle.

Nach heutigem Stand gäbe es aber leider noch eine Vielzahl an unterschiedlichen Definitionen von Außenklimastall und Auslauf für Schweine, die es der Beratung und dem Schweinehalter erschwerten, zukunftsfähige Ställe tatsächlich umzusetzen.

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 3-2024