HEF-Akademie: „Innovationen in der Nahrungsmittel- und Futtermittelproduktion“

Die Hans Eisenmann-Akademie lädt im Sommersemester 2024 zu einer öffentlichen Vortragsreihe im digitalen Format ein. Folgende Themen und Termine werden angeboten:

02. Mai 2024 (17:00 Uhr)
„Vertical Farming – mehr als Salat“
Prof. Dr. Senthold Asseng, Technische Universität München

06. Juni 2024
„Mikroalgen für die Futtermittelproduktion“
Dr. Fabian Wahl, Eidgenössisches Department für Wirtschaft, Bildung und Forschung, Agroscope

04. Juli 2024
„Insekten in der Lebensmittelproduktion“
Prof. Dr. Andreas Vilcinskas, Justus-Liebig-Universität München

25. Juli 2024
„Cellular Agriculture: Neue Möglichkeiten aus dem Labor“
Prof. Dr. Marius Henkel, Technische Universität München

Hier können Sie sich für die Veranstaltung registrieren und erhalten dann die Zugangsdaten zum Zoom.

Homepage der HEF

CODD – Eine neue Form der Moderhinke?

Von Dr. Johanna Meilwes und Dr. Philip Tegtmeyer, Fachtierärzte für Kleine Wiederkäuer, Tierarztpraxis Tegtmeyer, www.schafdoktoren.de

Moderhinke ist die wohl gefürchtetste Lahmheitsursache bei Schafen. CODD als neue Form dieser Erkrankung ist in Deutschland bisher noch selten. Damit das so bleibt, sollten Schafhalter sich auch mit dieser Krankheit beschäftigen.

Für Lahmheiten bei Schafen gibt es viele Ursachen. Die bekannteste und wohl zugleich gefürchtetste davon ist die Moderhinke. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Infektion des Zwischenklauenspaltes, ausgelöst durch die Erreger Dichelobacter nodosus und Fusobacterium necrophorum.

Bei der klassischen Form der Moderhinke kommt es zu schmerzhaften Entzündungen des Zwischenklauenbereiches. Diese können sich unter dem Wand- und dem Sohlenhorn fortsetzen. Es entstehen schmerzhafte Lahmheiten.

Neue aggressivere Form
Besonders im Vereinigten Königreich und in Irland ist schon seit den 90er-Jahren eine weitere, deutlich aggressivere Form der Moderhinke bekannt – die „contagious ovine digital dermatitis“, kurz CODD. Man geht davon aus, dass CODD dort in rund der Hälfte der schafhaltenden Betriebe vorkommt. In Deutschland ist die Krankheit zum Glück bisher noch wenig verbreitet. Offiziell beschrieben wurde sie erstmals 2020. Da es sich um ein recht neues Krankheitsbild handelt, ist diese Form einer Lahmheit jedoch bei uns möglicherweise unterdiagnostiziert.

Anders als bei der klassischen Moderhinke beginnt die Infektion nicht im Zwischenklauenspalt, sondern am Kronsaum (Bild 1). Von dort aus setzt sie sich unter dem Klauenhorn nach unten fort. Die Verbindung zwischen Horn und dem darunterliegenden Gewebe löst sich und das Klauenhorn kann sich vollständig von der Klaue lösen – die Schafe „schuhen aus“ (Bild 2). Betroffene Schafe zeigen hochgradige Lahmheiten. Sie können der Herde nicht mehr richtig folgen, liegen viel, nehmen weniger Futter auf und es kommt zu einem schnellen Verlust von Körperkondition und Leistung.

Auch bei CODD werden oft die Erreger der klassischen Moderhinke nachgewiesen. Durch das bereits angegriffene Horn können sich dann zusätzlich weitere Erreger vermehren, sogenannte Treponemen. Diese spiralförmigen Bakterien aus der Bakteriengruppe der Spirochaeten sind für den schweren CODD-Verlauf verantwortlich. Sie stehen auch in Zusammenhang mit der Mortellarosch’en Krankheit des Rindes. Daher wird eine Übertragung zwischen Rind und Schaf diskutiert.

Nachweis von CODD
Für die Diagnose der klassischen Moderhinke sind mittlerweile PCR-Tests etabliert. Der Erregernachweis für CODD ist immer noch aufwändig und nur in spezialisierten Laboren möglich.


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Chancen nutzen: Subklinische Mastitis ausheilen und Kälber schützen

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Bei Kühen mit subklinischer Mastitis sollte die Therapie in der Trockenstehzeit gezielt und selektiv sowie nach Erregerbestimmung und Antibiogramm erfolgen. Ein Trockensteller mit dem Wirkstoff Cefalexin zeigt sich in der Praxis als effektive Therapie, um das Euter vollständig auszuheilen und bietet noch weitere entscheidende Vorteile.

Trockenstellen mit Cefalexin: Ausheilung in der Trockenstehphase
Die meisten subklinischen Mastitiden werden durch grampositive Erreger, zumeist Streptococcus uberis, verursacht. Mit Cefalexin steht ein potenter Wirkstoff zur Verfügung, dessen Wirkspektrum neben Streptococcus uberis auch Staphylococcus aureus, Streptococcus dysgalactiae und Streptococcus agalactiae umfasst. Durch die sehr hohe Wirkstoffkonzentration von 375 mg Cefalexin pro Injektor wird auch eine gute Wirksamkeit gegen gramnegative Mastitiserreger erreicht. Cefalexin gehört zu den Cephalosporinen der 1. Generation und zählt damit nicht zu den Reserveantibiotika.

Ungestörte Entwicklung der Darmflora des neugeborenen Kalbes
Laut einer Studie* zur Einschätzung der Cefalexinaufnahme über das Kolostrum am ersten Lebenstag des Kalbes nach der Behandlung des Muttertieres mit dem cefalexinhaltigen Trockensteller lagen die Cefalexinmengen im Kolostrum zu jedem Zeitpunkt der Probenahme (12, 24, 36, 72, 84, 120, 132, 168 und 180 Stunden nach der Geburt) sogar unter dem ADI (acceptable daily intake, unkritische Wirkstoffmenge) für den Menschen. Hier werden aufgrund der fehlenden Grenzwerte für Kälber die Werte für den Menschen herangezogen. In der Abbildung sind die Ergebnisse der Studie dargestellt: Der grüne Bereich zeigt die unkritische Wirkstoffmenge für den Menschen, der rote Bereich markiert den kritischen Bereich. Alle getesteten Kühe zeigten Hemmstoffmengen im unkritischen Bereich, 16 der 21 Kühe sogar im sehr niedrigen Bereich von < 1 % des ADI.

Nur 5 Wirktage im Antibiotikamonitoring
Ein weiterer großer Vorteil sind die nur 5 Wirktage in der Antibiotika-Verbrauchsmengenerfassung, mit denen der cefalexinhaltige Trockensteller zu Buche schlägt.

Ein Trockensteller, der absolut passend ist für die aktuelle Zeit
Der cefalexinhaltige Trockensteller der Firma Virbac ist effektiv wirksam gegen die derzeit häufigsten Mastitiserreger, verhindert Störungen der Mikrobiomentwicklung des neugeborenen Kalbes und zählt nur 5 Wirktage im Antibiotikamonitoring. Die Wartezeit des cefalexinhaltigen Trockenstellers beträgt 12 Stunden bzw. 42,5 Tage auf Milch.

Kontakt:
Virbac Tierarzneimittel GmbH
Dr. Kerstin Duncker, Tel: +49 4531 805111, kerstin.duncker@virbac.de

„Nudging“ im virtuellen Supermarkt für mehr Tierwohl

Durch einige einfache Maßnahmen lässt sich das Kaufverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern möglicherweise spürbar verändern. In diese Richtung deutet zumindest eine Studie der Universität Bonn und der Technischen Universität München. Die Forscherinnen hatten darin untersucht, welchen Einfluss „Nudging“ auf den Verkauf von Produkten aus artgerechter Tierhaltung in einem virtuellen Supermarkt hat. Darunter versteht man sanfte Anstöße oder Schubser mit dem Ziel, ein bestimmtes Verhalten zu fördern – etwa, indem manche Produkte sichtbarer platziert werden.

Im Experiment griffen die Teilnehmenden der Nudging-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe etwa doppelt so häufig zu Produkten aus artgerechter Tierhaltung. Inwieweit sich die Ergebnisse auf wirkliche Einkäufe übertragen lassen, ist noch unklar. Die Studie ist nun in der Fachzeitschrift „Appetite“ erschienen.

Der Begriff „Nudging“ stammt aus dem Englischen und bedeutet „anstoßen“ oder „anstupsen“. In den Wirtschaftswissenschaften versteht man darunter Maßnahmen, die das Verhalten von Menschen beeinflussen – und zwar auf die sanfte Tour, also ohne Verbote oder monetäre Anreize. „Wir haben diese Strategie in einem virtuellen Supermarkt erprobt“, erklärt Dr. Nina Weingarten vom Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik der Universität Bonn. „Wir wollten wissen, ob Verbraucherinnen und Verbraucher dadurch motiviert werden können, beim Einkauf mehr auf Tierwohlaspekte zu achten.“

In Deutschland verkaufen sich Lebensmittel aus artgerechter Tierhaltung bislang mäßig. An mangelnder Information liegt das vermutlich nicht: Neben verschiedenen Bio-Labeln gibt es seit einigen Jahren eine vierstufige Haltungsform-Kennzeichnung. Sie ist in rot, blau, orange oder grün auf vielen Fleischverpackungen zu sehen. Allerdings fristen Tierwohl-Lebensmittel in den Sortimenten vieler Supermärkte noch immer ein Nischendasein. So stammen nur 13 Prozent der angebotenen Fleischprodukte aus Haltungsbedingungen, die die gesetzlichen Mindestvorgaben überschreiten.

Bodenmarkierungen in Form von Fußspuren als Wegweiser
„Wir haben daher getestet, ob eine erhöhte Verfügbarkeit und Sichtbarkeit von Tierwohl-Produkten dazu führen, dass sie vermehrt gekauft werden“, sagt Weingarten. Dazu nutzten die Forscherinnen zwei digitale Supermärkte. Dabei handelte es sich um 3D-Simulationen, deren Grafik sich an modernen Videospielen orientierte: Die Kundinnen und Kunden sahen die Regale aus der Ich-Perspektive, konnten Waren herausnehmen und von allen Seiten betrachten, sie in ihren Wagen legen und am Ende gegebenenfalls kaufen. „Die Kaufentscheidung blieb jedoch hypothetisch“, erklärt Prof. Dr. Monika Hartmann, die an der Universität Bonn die Abteilung Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft leitet. „Die Teilnehmenden mussten nicht wirklich für den Einkauf bezahlen, und sie erhielten am Ende auch keine echten Produkte.“

Die Forscherinnen teilten die Testpersonen in zwei Gruppen ein. Eine davon ging in einem herkömmlichen Supermarkt auf Einkaufstour. Die andere kaufte in einem Markt ein, in dem verschiedene Nudging-Elemente implementiert waren. So lotsten darin Bodenmarkierungen in Form von Fußspuren die Kundinnen und Kunden zu einem speziellen „Tierwohl-Regal“. „Für die Verbraucherinnen und Verbraucher in dieser Gruppe gab es also einen zusätzlichen zentralen Ort, in dem Fleisch, Milch und Eier aus artgerechter Haltung zu finden waren“, sagt Weingarten. Zudem machten große Aufsteller an verschiedenen Stellen auf das zusätzliche Regal aufmerksam. Die Maßnahmen waren ein durchschlagender Erfolg: Die Nudging-Gruppe griff im Schnitt doppelt so häufig zu Tierwohl-Produkten wie die Vergleichsgruppe.

Weitere Studien nötig
Noch ist unklar, inwieweit sich die Ergebnisse auf wirkliche Lebensmitteleinkäufe übertragen lassen. „Viele Menschen achten beim Einkauf stark auf den Preis, und der ist bei Tierwohl-Produkten in der Regel deutlich höher“, erklärt die Psychologin. „In unserem Experiment könnte man jedoch vermuten, dass dies eine geringere Rolle spielt, da der Kauf virtuell blieb.“ Immerhin zeigen die Daten der Studie aber, dass preisbewusste Kundinnen und Kunden auch an der digitalen Ladentheke seltener zu den teureren Tierwohlprodukten griffen als weniger preisbewusste. Sie verhielten sich also ähnlich, wie es auch in der Realität zu erwarten gewesen wäre.

Ein weiterer Punkt war in diesem Zusammenhang ebenfalls interessant: Auch diese preisbewussten Testpersonen ließen sich durch das Nudging beeinflussen und kauften häufiger Lebensmittel aus artgerechterer Haltung. Der sanfte Schubser scheint also auch bei ihnen zu wirken. „Wir benötigen aber weitere Studien, um zu sehen, wie belastbar diese Effekte wirklich sind“, sagt Prof. Hartmann. Zudem sei noch kaum untersucht, ob Nudging langfristig wirkt oder sich der Effekt dieser Maßnahmen schnell wieder abnutzt. „Auch das ist eine Frage, auf die wir noch keine Antwort geben können.“

Beteiligte Institutionen und Förderung
An der Studie waren die Universität Bonn und die Technische Universität München beteiligt. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert.

Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Größte Studie zu pflanzenbasierter Ernährung im deutschsprachigen Raum beginnt

Startschuss für die größte Studie zu pflanzenbasierter Ernährung im deutschsprachigen Raum: Heute begrüßt Silvia Bender, Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), gemeinsam mit Professor Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), im Beisein der Studienleitungen vom BfR und Max Rubner-Institut (MRI) den ersten Probanden der COPLANT-Studie im Studienzentrum Berlin-Charlottenburg. „Wir wollen erforschen, wie sich pflanzenbasierte Ernährungsweisen auf die Gesundheit auswirken und Datenlücken schließen“, sagt Professor Andreas Hensel. „Ergebnisse früherer Studien sind nur bedingt auf heutige Ernährungsgewohnheiten übertragbar. Beispielsweise stieg das Angebot von hochverarbeiteten, zucker-, fett- und salzreichen veganen Lebensmitteln in den letzten Jahren deutlich an“, ergänzt Professorin Tanja Schwerdtle, Vizepräsidentin des BfR.

COPLANT steht für COhort on PLANT-based diets (auf Deutsch: Kohortenstudie zu pflanzenbasierten Ernährungsweisen) – ein Kooperationsprojekt des BfR, des MRI, des Forschungsinstituts für pflanzenbasierte Ernährung (IFPE) und der Universitäten Jena, Bonn, Heidelberg, Regensburg und Wien. Unterstützt wird das Projekt vom BMEL. Für das Thema Nachhaltigkeit beteiligt sich das Thünen-Institut. Gemeinsam mit den Partnern sucht das BfR rund 6.000 Menschen im Alter von 18 bis 69 Jahren, die sich beteiligen möchten. „Mit der Ernährungsstrategie der Bundesregierung wollen wir gutes Essen in Deutschland für alle leichter machen und eine pflanzenbetonte Ernährung stärken. Das heißt für mich: vielseitig und ausgewogen, mit einem hohen Anteil saisonal-regionalem Gemüse und Obst, ballaststoffreichen Getreideprodukten und Hülsenfrüchten sowie Nüssen. Jeder Mensch soll die Möglic hkeit haben, sich gut, also gesund und nachhaltig, zu ernähren – und eben auch vegetarisch oder vegan, wenn sie oder er das will”, sagte Staatssekretärin Silvia Bender. “Dazu brauchen wir mehr aussagekräftige Daten zu den gesundheitlichen, ökologischen, sozialen und ökomischen Vorteilen oder möglichen Risiken pflanzenbasierter Ernährung. Die COPLANT-Studie soll diese Lücken schließen. Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse und danke dem Bundesinstitut für Risikobewertung für diese wichtige Initiative.”

Das Interesse an veganer und vegetarischer Ernährung wächst – insbesondere unter Jüngeren. Es gibt jedoch bislang kaum wissenschaftlich belastbare Daten zu den Auswirkungen heutiger pflanzenbasierter Ernährungsweisen auf den Körper. Die COPLANT-Studie soll Datenlücken schließen und wissenschaftlich basierte Ernährungsempfehlungen für eine gesunde und zugleich nachhaltige Lebensweise ermöglichen. Gegenstand der COPLANT-Studie bilden vegane (keine tierischen Produkte), vegetarische (kein Fleisch und Fisch, aber Milchprodukte und Eier), pescetarische (kein Fleisch, aber Fisch) und omnivore (Mischkost einschließlich aller möglichen tierischen Produkte) Ernährungsweisen.

Was wird untersucht?
Untersucht wird unter anderem, wie sich die einzelnen Ernährungsweisen auf die Körperzusammensetzung und die Knochengesundheit auswirken. Unterscheiden sich die pflanzenbasierten Ernährungsweisen von einer Mischkost bei der Aufnahme von unerwünschten Stoffen? Welche Vitamine und Mineralstoffe werden ausreichend aufgenommen und welche kommen möglicherweise zu kurz? Was passiert im Stoffwechsel, wenn vollständig auf tierische Lebensmittel verzichtet wird? Außerdem möchten die Forscherinnen und Forscher herausfinden, mit welchen ökologischen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen die Ernährungsweisen verbunden und wie nachhaltig diese insgesamt sind.

Datenerhebung per App
Die Ernährung wird von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern detailliert mit einer speziell für die Studie angepassten App an verschiedenen Tagen registriert. Anders als in bisherigen Studien kann hierbei auch der Verzehr von neuartigen veganen und vegetarischen Lebensmitteln umfassend ermittelt werden. Zudem wird durch die Untersuchung von Biomarkern in Blut und Urin festgestellt, ob die jeweilige Ernährungsweise mit einer unterschiedlichen Aufnahme von Verunreinigungen (Kontaminanten) wie Schwermetallen, Schimmelpilzgiften oder anderen unerwünschten Stoffen einhergeht. Die Abgabe einer Stuhlprobe ermöglicht es, Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Ernährungsweisen und den Darmbakterien zu erfassen.

Mitmachen!
Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer ist wichtig für den Erfolg der Studie. Denn je mehr Menschen mitmachen, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse. Wer teilnimmt, leistet also einen wichtigen Beitrag für die Forschung auf dem Gebiet der pflanzenbasierten Ernährung. Zudem erhält man Informationen zum eigenen Gesundheitszustand, zum Beispiel durch die Messung der Handgreifkraft. Diese gibt Auskunft über die Muskelkraft und das physische Leistungsvermögen. Untersuchungen der Körperzusammensetzung zeigen, wie hoch der Muskel- und Fettanteil ist und ein Ultraschall an der Ferse liefert Informationen zur Knochengesundheit. Zudem erstellt das Studienteam ein großes Blutbild und misst Blutzucker und Blutfette. Alle Informationen zur Teilnahme gibt es unter www.coplant-studie.de.

Weitere Informationen zur COPLANT-Studie

Informationen zur Studienteilnahme
Fragen und Antworten zur COPLANT-Studie
Quelle: BfR

Klauenpflege einfach gemacht mit Dragonhyde Dust

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Dragonhyde Dust ist zurück im Markt und macht Klauenpflege einfach wie noch nie. Der Wirkstoffbeutel mit einem Inhalt von 450 Gramm löst sich innerhalb einer Minute im Klauenbad auf und schon kann die Klauenpflege starten.

Dragonhyde Dust besticht durch seine brillantgrüne Farbe und organische Säuren, die die Klauen nicht nur pflegen, sondern auch anzeigen, wie effektiv die Klauen eingetaucht sind und wann die Wirkung des Klauenbades nachlässt. Die Farbe ändert sich je nach Wirkungsgrad von Signalblau in Olivgrün. Das Klauenbad kann einfach entsorgt werden und baut sich innerhalb weniger Tage biologisch vollständig ab und ist somit völlig unbedenklich für die Umwelt und Biogasanlagen. Aktuell ist das Produkt über Quidee erhältlich.

Weitere Infos über www.quidee.de.

Unternehmensinformation
QUIDEE GmbH – clevere Produkte für Landwirte und Tierärzte
Das Unternehmen wurde zu Beginn des Jahrtausends als Internetversandhandel gegründet, um innovative Produkte und Schnelltests für den Milchviehbetrieb auf den deutschen Markt zu bringen. Die Produktpalette umfasst inzwischen fast 150 Einzelartikel von geprüft hoher Qualität. Nahezu alle Waren für den täglichen Gebrauch in Praxis und Stall sind Importartikel, viele davon werden in Deutschland ausschließlich über die QuIdee GmbH vertrieben.

Im Fokus des Unternehmens stehen progressiv eingestellte Tierärzte und Landwirte. Persönliche Beratung, technisches und wissenschaftliches Know-how sind die Säulen des aufstrebenden Unternehmens.

Quelle: QUIDEE GmbH

Rückgang der Schlachtzahlen durch fehlendes Untersuchungspersonal

So oder so ähnlich könnte demnächst eine Schlagzeile in der Presse lauten, die sicherlich von Fleischgegnern begrüßt, aber den Verantwortlichen der Schlachtbranche und den für die Untersuchung verantwortlichen Behörden den Sorgenschweiß auf die Stirn treiben würde. Dabei verzeichnen die zuständigen Behörden bereits jetzt massive Probleme bei der Personalrekrutierung für die sogenannte amtliche Schlachttier- und Fleischuntersuchung.

Unter diesem Leitthema stand eine Fachtagung an der Universität Leipzig, die vom dortigen Institut für Lebensmittelhygiene, Professur Fleischhygiene und dem Bundesverband der beamteten Tierärzte e. V. (BbT) am 14. März ausgerichtet wurde. Dabei ging es darum, in Workshops die Herausforderungen des Tätigkeitsfeldes zu diskutieren und insbesondere Lösungsansätze zu finden, wie dem Personalmangel begegnet werden kann. Einig war man sich, dass die Schlachttier- und Fleischuntersuchung nach wie vor eine Schlüsselrolle im gesundheitlichen Verbraucherschutz und Tierschutz darstellt, in der Tierärztinnen und Tierärzte die zentralen Akteure sind. „Die Arbeitsbedingungen in der Schlachttier- und Fleischuntersuchungen müssen attraktiver und verlässlicher gestaltet werden“, so der Präsident des BbT und der Bundestierärztekammer, Dr. Holger Vogel. Hierzu zählt auch die Vergütung der Tätigkeit insbesondere in Kleinbetrieben. „Eine Überarbeitung des Tarifvertrages ist überfällig,“ so Vogel. Auch stellen gute Ausbildungsbedingungen an den tierärztlichen Bildungsstätten und eine gute Betreuung der Praktikanten im Schlachthofpraktikum durch die Veterinärämter Möglichkeiten dar, für diesen Berufszweig zu werben.

Die diskutierten Aspekte können Anhaltspunkte bieten, um dem Fachkräftemangel in der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung zu begegnen. Es wurde deutlich, dass für diese Themen dringend Herangehensweisen und Lösungen gefunden werden müssen. Der BbT wird diese Forderungen weiterverfolgen.

Daneben standen Aspekte der Fachfortbildung mit Fallbeispielen zur Schlachttier- und Fleischuntersuchung, Tierschutz bei der Schlachtung, Kommunikation und Eingriffsbefugnisse des amtlichen Tierarztes für die 150 Teilnehmer im Fokus. Die Diskussionen haben verdeutlicht, wie vielfältig die tierärztliche Tätigkeit in diesem Bereich sein kann.

Quelle: Institut für Lebensmittelhygiene, Professur Fleischhygiene, der Universität Leipzig und Bundesverband der beamteten Tierärzte e.V. (BbT)

Internationales Wissenschaftlerteam stellt weitere Ausbreitung der hochpathogenen aviären Influenza (HPAI) in der Antarktis fest

Ein internationales Team von Wissenschaftlern mit FLI-Beteiligung, das das Vorhandensein und die Auswirkungen von Infektionen mit der hochpathogenen aviären Influenza des Subtyps H5 (HPAIV H5) auf die antarktische Tierwelt untersucht, hat eine weitere Ausbreitung des Virus in der Region des nördlichen Weddellmeeres in der Antarktis festgestellt. Das Team fand heraus, dass Skuas bisher am stärksten betroffen sind. Die ermittelte hohe Sterblichkeitsrate zeigt, dass dies langfristige Folgen für deren Erhaltung in der Region haben könnte.

Die Expedition, die in erster Linie von der International Association of Antarctica Tour Operators (IAATO) sowie dem EU-Projekt Kappa-Flu* und dem Spanischen Nationalen Forschungsrat (CSIC) finanziert wurde, machte sich am 13. März auf den Weg, um die Region der Trinity-Halbinsel und das nördliche Weddellmeer zu untersuchen.

Das derzeitig nahezu weltweit auftretende HPAIV H5 entwickelte sich ursprünglich in Geflügel, hat sich aber in letzter Zeit so angepasst, dass es sich besser in Wildtieren ausbreitet. Seit 2020 hat seine beispiellose Ausbreitung zu einem erheblichen Sterben von Wildvögeln und -säugetieren auf nahezu globaler Ebene geführt. Nach der Ankunft von HPAIV H5 in Südamerika Ende 2022 wurde seine weitere Verbreitung in die Antarktis für die folgenden Jahre vorhergesagt und schließlich im Februar 2024 bestätigt.

Die Auswirkungen auf die Wildtierpopulationen in der Antarktis sind sehr besorgniserregend, da mehrere Arten bereits als stark bedroht oder sogar als vom Aussterben bedroht eingestuft sind. Außerdem könnte die hohe Sterblichkeit von Wildtieren, wie sie auf anderen Kontinenten wie Südamerika zu beobachten ist, hier aufgrund der Abgeschiedenheit und der eingeschränkten Zugänglichkeit des antarktischen Kontinents für eine regelmäßige Überwachung leicht unbemerkt bleiben. „Aus diesem Grund könnte die Entwicklung von Überwachungsinstrumenten, die in der Antarktis durchführbar sind, bei der Beobachtung der Auswirkungen von HPAIV H5 in den kommenden Jahren helfen“, erklärte Meagan Dewar, Leiterin der Expedition.

Die an dieser Expedition beteiligten Fachleute waren Biologinnen und Biologen, Tierärztinnen und Tierärzte für Wildtiere, Virologinnen und Virologen sowie eine erfahrene antarktische Segelmannschaft. Dieses Team war gut ausgerüstet, um schnell vom Verdacht zur Probenahme und weiter zu Tests überzugehen. Sie machten sich auf den Weg, um die Region der Trinity-Halbinsel und des nördlichen Weddellmeeres zu untersuchen, ein Gebiet, in dem die bisherigen Überwachungsmaßnahmen der nationalen Antarktisprogramme begrenzt waren, in dem aber das SCAR (Scientific Committee on Antarctic Research) – Antarctic Wildlife Health Network (AWHN) Meldungen von Forschenden, Ornithologen und der allgemeinen Öffentlichkeit über mögliche Todesfälle oder Krankheiten bei Wildtieren erhalten hatte. Vor Ort nahm das Team eine erste Bewertung kranker Individuen oder ungewöhnlicher Todessfälle bei Wildtieren vor und machte sich dann daran, Proben für HPAIV H5-Tests zu sammeln. Neben der Entnahme von nicht invasiven Proben kranker oder erkrankter Tiere wurden auch Hunderte von Kotproben von scheinbar gesunden Tieren entnommen, um deren Virusprävalenz zu untersuchen. Darüber hinaus wurden Luft- und Wasserproben entnommen, mit deren Hilfe das Vorhandensein des Virus in der Umwelt bestimmt werden soll.

Ein kompaktes Diagnoselabor, das eigens für diese Expedition auf dem Schiff eingerichtet wurde, ermöglichte es dem Team, mit modernsten Methoden inaktivierte Virusproben zu testen, um anschließend HPAIV H5 nachzuweisen und das Genom zu sequenzieren. Diese noch nie zuvor auf einem Schiff durchgeführten Tests stellen einen bemerkenswerten logistischen Fortschritt für die HPAIV H5-Überwachung in der Antarktis dar, da die Bestätigung nicht vom zeitaufwändigen Versand von Proben zu weit entfernten Laboren abhing.

Während der Expedition untersuchte das Team zehn Gebiete mit hoher Wildtierdichte zwischen den Süd-Shetland-Inseln, dem nördlichen Weddellmeer und den Danger-Inseln. Das Vorhandensein von HPAIV H5 wurde durch mehrere Labortests (H5-spezifische RT-qPCR und Sequenzierung der für HPAIV charakteristischen multibasischen Protease-Spaltstelle) in Skua-Kadavern an vier Anlandestellen (Hope Bay**, Devil Island, Paulet Island und Beak Island) bestätigt. Das Virus wurde in mehreren Probentypen, einschließlich des Gehirns, nachgewiesen, was auf eine neurotropische Infektion mit HPAIV H5 bei dieser Art schließen lässt.

Von den besuchten Orten stach Beak Island hervor, da dort eine große Skua-Brutkolonie lebt. Während sich zum Zeitpunkt des Besuchs 80 lebende Skuas dort aufhielten, wurden mehr als 50 Skuas tot aufgefunden. Von diesen 50 Skuas (darunter Braune Skuas und Südpolar-Skuas) wurden zehn getestet, und alle zehn wurden als positiv für HPAIV H5 bestätigt. An einem anderen Ort (Heroina Island) wurde ebenfalls eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Skua-Kadavern festgestellt, in denen das Virus jedoch nicht nachgewiesen werden konnte. Neben der Skua-Mortalität entdeckte das Team an zwei Orten (Heroina-Insel und Beagle-Insel) eine ungewöhnlich hohe Zahl toter Adélie-Pinguine. Am Hauptanlandeplatz von Heroina, der nur einen kleinen Teil der Insel ausmacht, wurden 532 Adélie-Kadaver gezählt, von denen eine beträchtliche Anzahl (172) erwachsen war. Wenn man diese Zahlen auf die anderen Orte der Insel hochrechnet, an denen ebenfalls Kadaver entdeckt, aber nicht gezählt wurden, muss die Sterblichkeit mehrere Tausend betragen haben. Diese hohe Zahl sowie die Entdeckung so vieler erwachsener Kadaver lässt darauf schließen, dass hier ein ungewöhnliches Sterbeereignis stattgefunden hat. Obwohl das Team vermutete, dass dies durch HPAIV H5 verursacht wurde, konnte das Vorhandensein des Virus nicht bestätigt werden. In den kommenden Monaten werden weitere Tests durchgeführt, um die Todesursache zu ermitteln.

Proben scheinbar gesunder Wildtiere sowie zusätzliche Probereihen an Kadavern werden demnächst in den beteiligten Instituten mit weiteren Techniken untersucht. Ziel dieser weiteren Analysen ist es, mehr Informationen über das Vorhandensein von Viren bei scheinbar gesunden Tieren und über die Genetik der nachgewiesenen Viren zu erhalten. Diese Daten werden dazu beitragen, zu verstehen, wie sich das Virus über Zeit und Ort verbreitet hat. Darüber hinaus werden Gewebe von infizierten Kadavern analysiert, um zu verstehen, wie das Virus Krankheit und Tod verursacht, und um herauszufinden, welche Gewebe sich am besten für den Virusnachweis eignen.

*KAPPA-FLU hat im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon Europe der Europäischen Union unter der Fördervereinbarung Nr. 101084171 Fördermittel erhalten.

**Esperanza Station vom Argentinischen Antarktischen Institut (IAA)

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Auslauf- und Freilandhaltung trotz ASP?

Von Dr. Heike Engels

ASP-Ausbruch und Freilandhaltung von Schweinen passte in der Vergangenheit nicht gut zusammen. Mit neuen Leitlinien, die kürzlich veröffentlicht wurden, soll sich das nun ändern. Was hat es damit auf sich?

Freiland- und Auslaufhaltung sind laut EU-Richtlinien ein Grundsatz in der ökologischen Schweineerzeugung, ohne diese Haltungsform ist eine ökologische Zertifizierung nicht möglich. Aber auch in konventionellen Betrieben ist die Auslaufhaltung mehr und mehr im Kommen. Gründe hierfür gibt es viele: Unter anderem erfordert die Ferkelerzeugung im Freiland weniger als ein Zehntel der Investitionskosten als bei Stallhaltung. Experten bescheinigen dieser Haltungsform Vorteile für das Ausüben des artgerechten Verhaltens sowie für die Schweinegesundheit. Zudem ist Auslauf- und Freilandhaltung politisch sowie gesellschaftlich gewünscht. Die Landwirtschaftszählung im Jahr 2020 ergab, dass rund 7,5 % der Betriebe in Deutschland ihre Schweine in Haltungen mit Zugang zu einem Auslauf hält.

Nun ist aber seit dem Jahr 2020 die Afrikanische Schweinepest (ASP) auch in Deutschland angekommen. Mittlerweile gab es neben den Wildschweinen auch einige ASP-Fälle in Hausschweinebeständen. Das ist für die Freilandhaltung problematisch, denn die EU hatte in der Vergangenheit in ASP-Sperrzonen ein generelles Verbot der Freiland- und Auslaufhaltung umgesetzt. Laut Schweinehaltungshygieneverordnung bedeutet Freilandhaltung, dass die Schweine ganzjährig im Freien gehalten werden ohne festen Stall, sondern nur mit Schutzeinrichtungen vor Sonne, Wind und Regen. Vorgeschrieben ist eine doppelte Einzäunung. Bei der Auslaufhaltung leben die Schweine in festen Stallgebäuden, haben aber zeitweise die Möglichkeit sich im Freien aufzuhalten. Beide Haltungsformen können nicht schnell zur Außenwelt hin abgesichert bzw. können die Tiere nicht sofort aufgestallt werden. Die Umsetzung des Aufstallungsgebotes bedeutet für die betroffenen Betriebe demzufolge häufig das Aus der Schweinehaltung.

Neubewertung seitens der EU
Damit dieser Fall zukünftig nicht eintritt, hat die EU im Jahr 2022/2023 die ASP-Restriktionen für die Auslauf- und Freilandhaltung neu bewertet. War bis dahin ein Aufstallungsgebot im ASP-Sperrbezirk umzusetzen, ist die Auslauf- und Freilandhaltung laut EU in ASP-Sperrzonen nun vertretbar, wenn der Betrieb mit der zuständigen Veterinärbehörde eine individuelle Risikobewertung vornimmt und der Betrieb wirksame Maßnahmen zum Schutz vor biologischen Gefahren umsetzt. Trifft der Betrieb, der in einem Gebiet liegt, dass durch die ASP gefährdet ist, allerdings keine derartigen Vorkehrungen, kann die zuständige Behörde die Auslauf- und Freilandhaltung weiterhin verbieten oder mit Auflagen versehen. Bei der Risikobewertung wird unterschieden zwischen ASP-freier Zone und ASP-Sperrgebiet.
Auch das Nationale Referenzlabor für Afrikanische Schweinepest, angesiedelt am Friedrich-Löffler-Institut (FLI), sieht diese Haltungsform in der Sperrzone als vertretbar an, sofern die Anforderungen der Schweinehaltungshygiene-Verordnung eingehalten und gegebenenfalls weitere Biosicherheitsmaßnahmen umgesetzt werden.

Leitlinien geben Orientierung
Doch wie genau müssen Betriebe Vorkehrungen treffen und welche Biosicherheitsmaßnahmen sind wichtig? Um diese Fragen zu klären, hat sich im Sommer 2022 im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eine Expertengruppe gegründet. Ziel war es, Bedingungen in Form von Leitlinien festzulegen, unter denen Auslauf- und Freilandhaltungen in ASP-Sperrzonen als vertretbar einzustufen sind. Diese Leitlinien sollen Tierhaltern und Behörden eine Orientierung geben, um bereits in seuchenfreien Zeiten alle notwendigen Maßnahmen für die optimale Biosicherheit einzuleiten. Bei einem ASP-Fall kann dann auch die Auslauf- und Freilandhaltung im Sperrbezirk weiterhin möglich sein. Wer vor dem Seuchenfall bereits seine Risikoeinschätzung erstellt und mit den zuständigen Behörden abgestimmt und dabei Zuverlässigkeit bewiesen hat, kann im Seuchenfall von dieser Vorarbeit profitieren.

Die Expertengruppe setzt sich unter anderem zusammen aus Vertretern folgender Behörden: BMEL, Bund ökologischer Lebensmittelwirtschaft, Friedrich Löffler Institut (FLI), Landvolk Niedersachsen, Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Niedersächsische Tierseuchenkasse und Thünen-Institut für ökologischen Landbau. Anfang 2024 stellte die Expertengruppe die Leitlinien auf einer Tagung des Friedrich-Löffler-Institutes vor. Die rechtlichen Grundlagen für die Leitlinien bilden das „Animal Health Law“ (AHL) vom 21.04.2021 und die Schweinehaltungshygiene-Verordnung.

Zehn Handlungsbereiche in den Leitlinien
Folgende zehn Handlungsbereiche sind in den Leitlinien in Form einer Maßnahmentabelle bundesweit einheitlich konkretisiert:


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Schwalben und Kühe – auf Milchbauernhöfen ein gutes Team

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Hannover (LVN). Gute Nachrichten für die Schwalben in Niedersachsen: Der Bestand an Mehl- und Rauchschwalben auf Milchbauernhöfen hat sich offensichtlich gut entwickelt. Im Rahmen der ersten niedersächsischen Schwalbenzählung im Sommer letzten Jahres wurden von den 1.100 teilnehmenden Landwirtinnen und Landwirten mehr als 23.000 Nester auf den Höfen gezählt. Mit dem Frühling kehren auch die Schwalben auf die Höfe und in die Kuhställe zurück, teilt die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. (LVN) mit.

Davon profitieren alle Beteiligten, denn die Schwalben, Kühe und Kälber bilden eine sehr gute Symbiose. Sowohl Rauch- als auch Mehlschwalben ernähren sich von Insekten, die sie im Flug fangen. Insbesondere Fliegen und Mücken finden in den Kuhställen gute Lebensbedingungen, werden aber schnell für Kühe und für die in den Ställen arbeitenden Menschen zum Ärgernis. Indem die Schwalben diese Insekten fressen, helfen sie, den Fliegenbestand auf natürliche Weise zu regulieren.

Traditionell gehörten Schwalben lange zum typischen Bild in dörflich gelegenen Kuhställen. Doch auch für die nützlichen Flugkünstler wurde der Strukturwandel in der Landwirtschaft zur Herausforderung. Während 1970 noch auf mehr als 100.000 niedersächsischen Höfen Kühe gehalten wurden, sind es aktuell nur noch rund 7.800 Milchhöfe. In den dortigen offenen Ställen siedeln sich die sonst schon zu den gefährdeten Arten zählenden Schwalben aber gern an. Die -LVN, die im vergangenen Sommer die Schwalbenzählung in Niedersachsen zusammen mit dem Landvolk und dem Landeskontrollverband initiiert hatte, will mit ihrer Aktion hierbei unterstützend wirken und niedersächsische Milchhöfe dazu motivieren, noch mehr Nisthilfen für die Schwalben zu bauen und aufzuhängen.

„Schwalben sind nützliche Stall-Mitbewohner. Zudem sind sie ein Indikator für ein gesundes Ökosystem. Es hilft allen Beteiligten, wenn in und um die Stallgebäude herum zusätzliche Nistmöglichkeiten durch das Anbringen von Nisthilfen geschaffen werden. Wichtig bei Nestern über hygienisch sensiblen Bereich ist, ein sogenanntes Kotbrett unterhalb des Nestes anzubringen, sodass beispielsweise Futter nicht verunreinigt wird“, stellt Dr. Jan-Hendrick Paduch, Geschäftsführer der LVN, heraus. „Damit können die beteiligten Milchbauernhöfe zudem einen wirksamen Beitrag leisten, den Bestand an Rauch- und Mehlschwalben in Niedersachsen zu schützen, denn die gefährdeten Vogelarten finden außerhalb der Landwirtschaft in Stadt und Land oft immer weniger Brutmöglichkeiten“, so Paduch weiter.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.milchland.de

X-Zelit® – Milchfieberprophylaxe einfach gemacht

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Keep it simple,
dies ist die Zielsetzung des Calciumund Phosphorbinders X-Zelit® bei der Milchfieberprophylaxe. X-Zelit® ist ein Natrium-Aluminium Silikat, auch als Zeolit bekannt, es wirkt im Verdauungstrakt der Kuh. Eine einfache Anwendung und Rationsgestaltung sind bei diesem Prophylaxeprodukt die Zielsetzung. Es muss mindestens 14 Tage vor der Kalbung mit einer Dosierung von rund 500 g je Kuh und Tag eingesetzt werden, dann liefert es sehr überzeugende Ergebnisse.

Phosphor ist der Schlüssel
Zum Hintergrund: Eine Studie am Hofgut Neumühle unter der Leitung von Prof. Dr. Walter Grünberg von der Uni Gießen aus dem Jahr 2022 zeigt, dass die Reduktion des Phosphorgehaltes in der Trockensteherfütterung den Blut-Calciumgehalt rund um die Abkalbung konstant hält. Dieser Effekt tritt ein, wenn die tägliche Phosphoraufnahme unter 20 g je Kuh und Tag liegt.

Dieses ist mit einer GMO-freien Fütterung und den entsprechend hohen Rapsmengen in der Ration nicht zu erbringen, da Raps viel Phosphor enthält. X-Zelit® bindet diätetischen Phosphor sehr fest, wodurch dieser dem Stoffwechsel der Kuh nicht zur Verfügung steht. Durch einen hormonellen Feedbackmechanismus wird die Aktivität der knochenabbauenden Zellen angeregt. Als Ergebnis wird Ca und P im immer gleichen Verhältnis von 2:1 freigesetzt. Niedrige Blutphosphorgehalte regen außerdem die Aktivierung von Vitamin D3 in der Niere an. Hierdurch wird eine größere Anzahl an Calcium-Kanälen in die Darmwand eingebaut und mehr Calcium wird aus dem Futter absorbiert (Horst et al., 1994). Beides hat zur Folge, dass die Kuh rund um die Geburt den Calciumblutspiegel aufrechterhält (>2,15 mmol/l) und kein subklinisches Milchfieber entwickelt.

Weg mit alten Zöpfen
Durch die Phosphor-Bindung des Produktes sinkt dementsprechend der Phosphorgehalt im Serum auf gewünschte Werte von unter 0,8 mmol/l. Studien von Wächter et al. (2022) und Cohrs et al. (2018) zeigen, dass eine kurzfristige (bis zu 5 Wochen) Absenkung des Phosphor- Serum-Spiegels während der Trockenstehzeit keine negative Auswirkung hat. Wie oben beschrieben, wird der Calcium-Blutspiegel dadurch stabilisiert. Wir nutzten heute den Phosphor-Serum-Spiegel als Kontrollmechanismus, ob wirklich die gewünschte X-Zelit® -Menge je Kuh und Tag aufgenommen wird. Bei Abweichungen müssen Managementoder Fütterungsfehler behoben werden, um den vollständigen Effekt des Prophylaxeproduktes zu erzielen.

Fütterung gestalten
In einer modernen Trockensteherfütterung hat Phosphor keinen Platz, somit sind Mineralfutter, die Phosphor enthalten umgehend zu ersetzen. Um den Einsatz von Raps in der Ration zu minimieren, kann bei Einsatz von X-Zelit® der Anteil an Grassilagen erhöht werden. Es hat sich gezeigt, dass das Produkt auch in grasbasierten Systemen wie in Neuseeland überzeugt. Wichtig ist, dass die gefütterten Mineralfutter mit einer sehr gut verfügbaren Magnesiumquelle und hohen Magnesiumgehalten ausgestattet sind. Magnesium spielt in der Aktivierung des Parathormons, ebenfalls ein Aktivator des Knochenabbaus, eine zentrale Rolle. Im Zusammenspiel mit X-Zelit® empfiehlt sich das Mineralfutter X-Dry 8000 von VILOFOSS. Um den Erfolg abzurunden ist es wichtig, dass die Tiere energie- und proteinmäßig an den Bedarf angepasst gefüttert werden.

Erfolg im Stall kontrollieren
Die Vermeidung von subklinischem Milchfieber durch X-Zelit® lässt sich durch Analyse des Blutcalciumspiegels post partum feststellen. Das Ziel sind Werte über 2,15 mmol/l rund 6-17 Std p.p.

Es können hierzu auch Kuhsignale beobachtet werden, denn eine gute Calciumversorgung gewährleistet eine gute Muskelkontraktion. Somit geht die Geburt schnell vonstatten, unterhalb von einer Stunde. Der Schwanz der Frischabkalber ist sauber sowie nicht blutverschmiert und die Scheide ist wenig geschwollen und nach ca. 4 Stunden wieder rückgebildet. Empirisch zeigt es sich, dass die Nachgeburt zügig ab geht und der Pansen nach 8 Stunden wieder gefüllt ist, da die Tiere schnell anfangen zu fressen.

Nicht vergessen
Das X-Zelit® sollte mindesten 14 Tage und höchstens 24 Tage mit 500 g täglich gefüttert werden. Bei sehr niedrigen Phosphorgehalten in der Ration kann die tägliche X-Zelit® Menge reduziert werden.

Es ist wichtig, dass die Frischabkalber direkt nach dem Kalben auf die Frischmelkerration umgestellt werden, da es ansonsten durch die Ca- und P-Bindung zu einem vehementen Milchfieber kommt. Praktiker handhaben es so, dass Frischabkalber jeweils vor und nach dem Melken umgruppiert werden. Hier müssen die Mitarbeiter sensibilisiert werden.

Gerne beraten wir Sie zum Einsatz und zur Rationsgestaltung, um auf einfache Art klinisches und subklinisches Milchfieber vorzubeugen und wie Sie gemeinsam mit ihrem Tierarzt den Erfolg sichern.

Kontakt:
VILOFOSS®
Dr. Katrin Metzger-Petersen
km-petersen@vilofoss.com
Tel: 05493-9870517

Vogelgrippe-Virus bei Wiederkäuern in den USA bestätigt

Das amerikanische „Farm Journal“ berichtet von Infektionen mit dem HPAI-Virus bei Rindern in Texas, New Mexico und Kansas. Es handelt sich dabei um denselben hochpathogenen Stamm, der seit zwei Jahren in den USA verbreitet ist. Bisher wurden drei Molkereien in Texas und eine in Kansas positiv auf HPAI getestet.

Das Virus wird von wildlebenden Wasservögeln übertragen, betroffene Milchkühe übertragen das Virus aber offenbar nicht auf andere Tiere in ihrer Herde. Auch wurden keine Veränderungen am Virus festgestellt, die eine Übertragung auf den Menschen erleichtern würden.

Die zuständigen Behörden raten Milchproduzenten dringend, alle Standard-Biosicherheitsmaßnahmen anzuwenden, alle Viehtränken zu reinigen und zu desinfizieren und das Trinkwasser dort zu isolieren, wo es durch Wasservögel kontaminiert werden könnte.

„Anders als bei betroffenem Geflügel gehe ich davon aus, dass es keinen Bedarf geben wird, Milchviehherden zu keulen“, sagte ein Sprecher des Texas Department of Agriculture. Man rechne mit einer vollständigen Erholung der Rinder.

Symptome
Das “Farm Journal” zitiert auch einen Sprecher der American Association of Bovine Practitioners (AABP), der die Symptome so beschreibt:

„Es scheint, dass die Krankheit nach etwa drei bis vier Tagen ihren Höhepunkt erreicht und 10 bis 14 Tage anhält. Ältere Milchkühe scheinen klinisch stärker betroffen zu sein und die Laktation ist stärker beeinträchtigt. Und obwohl es nicht bei jeder Herde auftritt, scheint es, dass es hauptsächlich Tiere betrifft, die sich in der mittleren bis späten Laktationsphase befinden. Es ist ziemlich ungewöhnlich, dass bei älteren Tieren etwas passiert, bei frischen Kühen jedoch nicht.“

Infizierte Herden verlieren 14 bis 21 Tage lang etwa 20 % ihrer Milchleistung
• Zu den klinischen Symptomen zählt ein plötzlicher Rückgang der Milchleistung.
• Einige stark betroffene Kühe produzieren dickere, konzentriertere, kolostrum-artige Milch.
• Die Infektion führt zu einem Rückgang der Futteraufnahme bei gleichzeitiger Verschlechterung der Pansenfunktion, begleitet von losem Kot und etwas Fieber.
• Betroffene Betriebe berichteten, dass ältere Kühe in der Mitte der Laktation möglicherweise stärker betroffen sind als jüngere Kühe, frischlaktierende Kühe oder Färsen.
• Trockensteher und Färsen scheinen nicht betroffen zu sein.
• In einigen Herden traten Lungenentzündung und Mastitis auf.

Kürzlich wurde erstmals die HPAI-Infektion einer Ziege in Minnesota diagnostiziert, wie die amerikanische Branchen-Website meldet. Die Ziege lebte mit einer Geflügelherde zusammen, die Ende Februar positiv auf das Vogelgrippevirus getestet wurde. Ziege und Geflügel teilten sich auf dem Hof Weide und Wasserquelle.

Stockmanship – Philipp Wenz: Effizientes Tiermanagement für Weide und Stall – sicherer Umgang mit Herdentieren für Tierärzte

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Stockmanship oder Low Stress Stockmanship ist eine Methode mit Herdentieren zu arbeiten, die in den U.S.A. von Bud Williams (1932-2012) entwickelt wurde. Es geht um die gute Arbeit mit Tieren. Im weitesten Umfang ist sie an und mit Rindern entwickelt und angewendet worden. Sie kann aber genauso gut für andere Nutz- und Haustiere adaptiert werden (Schafe, Ziegen, Elche, Wapiti Hirsche, Alpakas, Geflügel, Schweine, Kamele).

Im landwirtschaftlichen Alltag steht die Kontrolle der Tiere im Vordergrund: die Tiere von A nach B zu bringen, z.B. auf die Weide, in den Stall, den Melkstand, den Klauenstand – Tiere sortieren oder Einzelne zu separieren. All diese Arbeiten beruhen darauf, die Tiere kontrollieren zu können. Unter arbeitswirtschaftlichen Aspekten sollen sie alleine oder mit möglichst wenig AK erledigt werden und möglichst effizient. Beides ist leider keine Selbstverständlichkeit…

Die Basis für ein erfolgreiches Management in der Milchvieh- und Rinderhaltung ist der Umgang mit den Tieren. Die Rinderbestände werden immer größer, die Zeit pro Tier sinkt und der Stressfaktor bei Mensch und Tier steigt.

© Philipp Wenz

Tierschutz und Tierwohl sind in aller Munde. Konkret geht es um Anzahl und Größe von Liegeflächen und Fressplätzen, Zeiten, Lichtqualitäten, Temperatur und Luftqualität. Nur zu selten kommt der Mensch als Faktor des Tierwohls in den Blick – und noch viel seltener das Wohl und die Freude des Menschen an der Arbeit mit den Tieren. Mitunter scheint es auch weniger ein Miteinander als ein Gegeneinander zu sein…

Low Stress Stockmanship beruht auf Position und Bewegung – wie sich der Mensch gegenüber dem Tier positioniert und bewegt. Die Tiere reagieren darauf. Low Stress Stockmanship systematisiert die Reaktionen zu Regeln. Es wird so ein gezieltes Kontrollieren der Tiere im Alltag möglich, das weit über das Maß hinausgeht, was Akteure für möglich halten.

Alle Arbeiten, alles Positionieren, Bewegen, Druck und Druckreduktion ist eine Form der Kommunikation zwischen Mensch und Tier so wie auch zwischen den Tieren. Gelingt die Verständigung entwickelt sich Vertrauen und Respekt, misslingt sie, führt sie vielfach zu Angst. Angst aus Unverständnis und Überforderung ist der häufigste Grund für das Gegeneinander von Mensch und Tier. Zeitdruck verschlimmert die Situation.

Bei Low Stress Stockmanship geht es um genaues Beobachten des Tieres und darauf aufbauen sich in das Tier einzufühlen und den richtigen Zeitpunkt zu finden.

© Philipp Wenz

Im landwirtschaftlichen Alltag kann diese Methode jedem helfen besser mit Herdentieren zu arbeiten: Landwirte, Tierärzte, Klauenpfleger, Viehfahrer, Schlachthofmitarbeiter. Nach über 15 Jahren Schulungserfahrung kann ich sagen, dass jeder durch Stockmanship seine Arbeit mit den Tieren verbessern kann. Unabhängig von der Anzahl, Haltungsform oder Rasse der Tiere.

In der Milchviehhaltung stehen Milch Kg, Megajoule oder Ovulationsraten im Vordergrund, nicht aber das Tier als fühlendes Wesen. Schmerz, wir d man hier entgegnen, spielt eine Rolle und wird mit Schmerzmitteln immer mehr in der Tierbehandlung berücksichtigt. Das ist richtig und gut.

Mir geht hier um den Behandlungsschmerz. Wenn Tiere nicht oder nur schlecht z.B. in den Behandlungsstand gehen, wird als Grund Schmerz bei der Behandlung oder Klauenpflege genannt. Die Erfahrung in der Arbeit mit Stockmanship zeigt, dass eben nicht der Schmerz das Problem ist, sondern die Angst des Tieres

Das Tier hat Angst vor der Behandlung im Stand, Angst in den engen Stand zu gehen – und zwar völlig unabhängig davon, ob sie tatsächlich schmerzhaft ist oder nicht.

Lernen die Tiere, dass wir Rücksicht auf ihre Befindlichkeiten nehmen, entwickeln sie Vertrauen. Selbst Tiere, die die Klauenpflege mit Klauen und Hörnern verweigert haben, lernen mit Stockmanship die Arbeit mitzumachen. So können auch Tierärzte, die ja ständig mit z.T. fremden Tieren umgehen müssen, sicher und effizient mit ihnen arbeiten.

Stockmanship vermittelt ein Verständnis des Problems aus der Sicht der Tiere. Indem wir verstehend auf das Tier eingehen, entsteht eine effiziente und sichere Zusammenarbeit – zum Wohle von Mensch und Tier.

© Philipp Wenz

Philipp Wenz hat Landwirtschaft u.a. in der Schweiz gelernt und in Göttingen Agrarwissenschaften studiert. Er bei Bud Williams in Texas gelernt und hat diese Methode nach Europa gebracht. Seit 2008 ist er Coach für Stockmanship und Berater für effizientes Tiermanagement u.a. für große und kleine Landwirtschaftsbetriebe, Schlachthöfe, Tierärzte, Berufsgenossenschaften, Klauenpfleger. Darüber hinaus berät er Mutterkuhbetriebe, wie sie ihren Betrieb wirtschaftlich führen können.

In 2024 wieder 2-tägige Intensivseminare in Blankenförde / Mecklenburg-Strelitz (Theorie und Praxis mit Mutterkuhherde mit Bullen)

• Grundsätze für eine effiziente und sichere Arbeit mit Milchvieh, Mutterkühen, Bullen
• Zonenkonzept – Wie Rinder wahrnehmen / Wie Tiere lernen
• Techniken für die Arbeit mit Rindern
• Anwendungen der Methode in der Praxis
• Arbeit mit der Herde auf großen Flächen (Weide)
• Arbeit im Korral und mit Einzeltieren

Termine 2024
18./19. April
30./31. Mai
27./28. Juni
https://www.stockmanship.de/de/termin

September bis November jeweils der letzte Donnerstag und Freitag des Monats. Anmeldung unter gruhn@stockmanship.de

Videos mit Philipp Wenz
Herde parken – Bullen separieren
Kuh in den Klauenstand treiben mit Low stress stockmanship
Tiere in Treibegang bringen

Starke Beteiligung des FLI an Europäischer Partnerschaft für Tiergesundheit und Tierwohl

In der kürzlich gestarteten Europäischen Partnerschaft für Tiergesundheit und Tierwohl (The European Partnership on Animal Health and Welfare, kurz EUP AH&W) werden innovative Forschungen gefördert, mit denen ansteckende Tierkrankheiten verhindert und kontrolliert sowie ein hohes Maß an Tierwohl gewährleistet werden sollen. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ist an diesem neuen EU-Projekt mit fünf Fachinstituten an drei Standorten beteiligt.

56 Forschungseinrichtungen und 30 Förderorganisationen aus 24 europäischen EU- und Nicht-EU-Ländern wirken an dem auf sieben Jahre ausgelegten Gesamtprojekt mit. 105 Millionen Euro stehen dabei zur Verfügung. Jeweils die Hälfte wird von der EU (Horizon Europe) und von den teilnehmenden Einrichtungen finanziert. Das FLI ist an elf von derzeit 17 Einzelprojekten von Diagnostik über Krankheitsresistenz bis zur Verbesserung von Betäubungsverfahren beteiligt.

Für die Tiergesundheit wird vom FLI u.a. dazu geforscht, wie diese im Feld besser überwacht und diagnostische Verfahren effektiver und praktikabler werden können. Beteiligt ist das FLI auch an der Weiterentwicklung von Impfstoffen und deren Verabreichung sowie an Untersuchungen zur Dynamik bakterieller Erreger bei Mehrfachinfektionen. Um die natürliche Widerstandsfähigkeit von Nutztieren zu stärken, wird analysiert, welche Faktoren die Immunität der Tiere gegenüber Krankheitserregern beeinflussen. Durch geeignete Bakterien lässt sich z.B. das Mikrobiom im Darm von Tieren und damit deren Darmgesundheit verbessern. Dies könnte etwa Hühner widerstandsfähiger gegenüber Infektionen durch Salmonellen machen. Des Weiteren werden neue Technologien genutzt, wie ein am FLI entwickeltes, weltweit einzigartiges Schweinemodell, um die Funktion des Immunsystems und eines ausgewählten Immunzelltyps zu untersuchen. Diese besonderen Zellen vereinen Eigenschaften des angeborenen und erworbenen Immunsystems, ihre Bedeutung für eine schützende Immunantwort konnte bis dato nur ansatzweise verstanden werden.

Eng verbunden mit der Entwicklung einer nachhaltigen Tiergesundheit ist das Tierwohl. Hier arbeitet das FLI an der Erstellung einer Wissensplattform mit. Mit dieser sollen Daten zum Tierwohl erhoben und ausgewertet werden, um zukünftig das Tierwohl innerhalb der EU zu erfassen und zu überwachen. In einem weiteren Projekt sollen innovative Indikatoren für Tierwohl untersucht werden: „Bisher gibt es zahlreiche Indikatoren, um festzustellen ob und wann es Tieren schlecht geht. Das bedeutet aber nicht, dass es den Tieren gut geht. Wir forschen deshalb nun auch an Indikatoren, mit denen sich feststellen lässt, wie sich positives Wohlbefinden bei Hühnern messen lässt“, so Prof. Lars Schrader, Leiter des Instituts für Tierschutz und Tierhaltung des FLI in Celle. Konkrete Verbesserungen des Tierschutzes bei der Schlachtung von Schweinen sollen mit der Entwicklung eines Verfahrens erreicht werden, mit dem auf Basis künstlicher Intelligenz die Wahrnehmungs- und Empfindungslosigkeit der Tiere nach erfolgter Betäubung sicher festgestellt werden kann. Neben den Auswirkungen auf das Tierwohl werden unter Beteiligung des FLI auch die Auswirkungen tiergerechter Haltungsverfahren auf Umwelt, Ökonomie und soziale Interessen untersucht.

Koordiniert wird die Partnerschaft von der Universität Gent. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Akteure der Tiergesundheit, des Tierschutzes und darüber hinaus soll eine umfassende auch gesellschaftliche Wirkung im Sinne der One Health-Idee erzielt werden. „Wir freuen uns darüber, ein Teil dieser starken Partnerschaft zu sein. Dies spiegelt die breit aufgestellte Kompetenz und wissenschaftliche Exzellenz des FLI für die Tiergesundheit und das Tierwohl landwirtschaftlicher Nutztiere wider!“, so Prof. Christa Kühn, Präsidentin des FLI.

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Citizen-Science-Projekt: Hummeln melden per App

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In diesem Jahr findet erneut die bundesweite Hummel-Challenge statt. Ziel ist es, so viele Hummeln wie möglich in der freien Natur zu fotografieren und über die Bestimmungs-App ObsIdentify zu melden.

Das Team des Wildbienen-Monitorings in Agrarlandschaften am Thünen-Institut richtet die Hummel-Challenge 2024 deutschlandweit in Kooperation mit dem BUND Naturschutz Bayern als lokaler Partner aus. Ziel ist es, in den Zeiträumen 20. März bis 9. April und 20. Juni bis 3. Juli so viele verschiedene Hummeln auf so vielen verschiedenen Wildpflanzen wie möglich über die Naturbeobachtungsplattform Observation.org zu erfassen. Hummel-Fotos können über die Webseite oder mit Hilfe der Bestimmungs-App ObsIdentify hochgeladen werden.

Mitmachen ist ganz einfach: Die kostenlose App ObsIdentify herunterladen, Benutzeraccount anlegen, in der Natur so viele verschiedene Hummelarten wie möglich fotografieren und in der App speichern. Für die Teilnahme sind keine Artenkenntnisse nötig: Eine KI bestimmt die Hummeln anhand der hochgeladenen Fotos. Die Daten werden zusätzlich noch einmal von Hummel-Expert*innen überprüft. Wer innerhalb Deutschlands die meisten Arten im Projektzeitraum findet, gewinnt tolle Preise.

Die besten Chancen, verschiedene Hummelarten zu entdecken, haben Hummelsucher*innen dort, wo viele verschiedene Blütenpflanzen zu finden sind. Dr. Sophie Ogan, Projektverantwortliche für die Hummel-Challenge am Thünen-Institut, erklärt: „Pflanzen mit blauen und lilafarbenen Blüten wie beispielsweise Taubnessel, Knautie, Beinwell, Herzgespann, Distel oder Klee, aber auch blühende Obstbäume und -sträucher sind bei Hummeln sehr beliebt. Hier sammeln sie Pollen und trinken Nektar. Dafür halten sie kurz still und man kann sie gut fotografieren.“

Hummeln zählen zu den wichtigsten Bestäubergruppen sowohl für die Landwirtschaft als auch für viele Wildpflanzen. „Wir wünschen uns, dass möglichst viele Interessierte mitmachen und so dabei helfen, das Wissen über Hummeln zu vergrößern“, sagt Martina Gehret, Projektverantwortliche beim BUND Naturschutz. In der Hummel-Challenge geht es vor allem darum, Hummeln auf Wildpflanzen außerhalb des eigenen Gartens zu fotografieren. „Die Fotos liefern uns eine wichtige Datengrundlage für die Forschung. Aufgrund der Geodaten ist nachvollziehbar, wo welche Hummel gesichtet wurde. Auch die Blüte, auf der die Wildbiene fotografiert wurde, kann für eine spätere Auswertung wichtig sein“, ergänzt Sophie Ogan.

Wer sich über die Hummel-Challenge hinaus engagieren will, kann im Hummel-Monitoring des Thünen-Instituts mitmachen. In diesem Citizen-Science-Projekt erfassen Ehrenamtliche von März bis Oktober Hummeln auf einer festgelegten Strecke. Die dafür nötigen Artenkenntnisse werden in Schulungen vermittelt.

Hummeln und andere Wildbienen sind als Bestäuber enorm wichtig – nicht nur für den Erhalt von biologischer Vielfalt und intakten Ökosystemen, sondern auch für die Ernährungssicherheit. Zum Zustand und zur Entwicklung von Wildbienenbeständen gibt es bisher in Deutschland keine repräsentative Datengrundlage. Das Forschungsprojekt „Wildbienen-Monitoring in Agrarlandschaften“ (wildbienen.thuenen.de) am Thünen-Institut für Biodiversität entwickelt und testet deshalb Methoden zur bestandschonenden Erfassung von Wildbienen in landwirtschaftlich genutzten Räumen. In den Citizen-Science-Modulen haben Ehrenamtliche die Möglichkeit, einen Beitrag zur Forschung zu leisten und zugleich ihr eigenes Wissen über Wildbienen zu vergrößern. Das Projekt ist Teil des Verbundprojektes MonViA, dem bundesweiten Monitoring der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften.

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Rückgang der Schlachtzahlen durch fehlendes Untersuchungspersonal

So oder so ähnlich könnte demnächst eine Schlagzeile in der Presse lauten, die sicherlich von Fleischgegnern begrüßt, aber den Verantwortlichen der Schlachtbranche und den für die Untersuchung verantwortlichen Behörden den Sorgenschweiß auf die Stirn treiben würde. Dabei verzeichnen die zuständigen Behörden bereits jetzt massive Probleme bei der Personalrekrutierung für die sogenannte amtliche Schlachttier- und Fleischuntersuchung.

Unter diesem Leitthema stand eine Fachtagung an der Universität Leipzig, die vom dortigen Institut für Lebensmittelhygiene, Professur Fleischhygiene und dem Bundesverband der beamteten Tierärzte e. V. (BbT) am 14. März ausgerichtet wurde. Dabei ging es darum, in Workshops die Herausforderungen des Tätigkeitsfeldes zu diskutieren und insbesondere Lösungsansätze zu finden, wie dem Personalmangel begegnet werden kann. Einig war man sich, dass die Schlachttier- und Fleischuntersuchung nach wie vor eine Schlüsselrolle im gesundheitlichen Verbraucherschutz und Tierschutz darstellt, in der Tierärztinnen und Tierärzte die zentralen Akteure sind. „Die Arbeitsbedingungen in der Schlachttier- und Fleischuntersuchungen müssen attraktiver und verlässlicher gestaltet werden“, so der Präsident des BbT und der Bundestierärztekammer, Dr. Holger Vogel. Hierzu zählt auch die Vergütung der Tätigkeit insbesondere in Kleinbetrieben. „Eine Überarbeitung des Tarifvertrages ist überfällig,“ so Vogel. Auch stellen gute Ausbildungsbedingungen an den tierärztlichen Bildungsstätten und eine gute Betreuung der Praktikanten im Schlachthofpraktikum durch die Veterinärämter Möglichkeiten dar, für diesen Berufszweig zu werben.

Die diskutierten Aspekte können Anhaltspunkte bieten, um dem Fachkräftemangel in der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung zu begegnen. Es wurde deutlich, dass für diese Themen dringend Herangehensweisen und Lösungen gefunden werden müssen. Der BbT wird diese Forderungen weiterverfolgen.

Daneben standen Aspekte der Fachfortbildung mit Fallbeispielen zur Schlachttier- und Fleischuntersuchung, Tierschutz bei der Schlachtung, Kommunikation und Eingriffsbefugnisse des amtlichen Tierarztes für die 150 Teilnehmer im Fokus. Die Diskussionen haben verdeutlicht, wie vielfältig die tierärztliche Tätigkeit in diesem Bereich sein kann.

Quelle: Bundesverband der beamteten Tierärzte e.V.

Shopping-Studie zum Tierwohl im virtuellen Supermarkt

Wie lässt sich erreichen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher beim Kauf von Fleisch stärker auf Tierwohl-Aspekte achten? Wohl nicht allein dadurch, dass man Informationen zur Haltungsform besser sichtbar macht. In diese Richtung deuten zumindest die Ergebnisse einer Studie der Universität Bonn und der TU München. Die Forscherinnen haben darin Testpersonen zum Shoppen in einen virtuellen Supermarkt geschickt. An den Regalen angebrachte Banner und Label zur Haltungsform hatten demnach keinen Einfluss auf die Kaufentscheidung. Die Ergebnisse sind nun im Journal of Consumer Protection and Food Safety erschienen.

Wer kennt sie nicht – die roten, blauen, orangenen oder grünen Label, die seit einigen Jahren auf Fleischverpackungen prangen? Sie informieren über die Art und Weise, in der das jeweilige Tier gehalten wurde. Rot (= Haltungsform 1) bedeutet, dass lediglich die gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststandards beachtet wurden; grün (= Haltungsform 4) steht dagegen für eine vergleichsweise artgerechte Tierhaltung. „Doch häufig werden solche Informationen von den Kundinnen und Kunden nicht bewusst wahrgenommen“, sagt Leonie Bach vom Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik der Universität Bonn.

Die Nachwuchs-Wissenschaftlerin promoviert in der von Prof. Dr. Monika Hartmann geleiteten Abteilung Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Sie war einer der Köpfe hinter der aktuellen Studie. Darin untersuchen Forscherinnen der Universität Bonn und der TU München die Frage, ob sich die Effektivität der Haltungsform-Kennzeichnung erhöhen lässt, indem man diese besser sichtbar macht.

Virtueller Supermarkt
Die Forscherinnen haben diese Maßnahmen aber nicht in einem echten Lebensmittelladen erprobt, sondern in einem virtuellen Supermarkt. Dieser innovative Ansatz bietet mehrere Vorteile: Da der Einkauf am Rechner erfolgt, war es vergleichsweise einfach, eine große Anzahl von Versuchspersonen für die Studie zu gewinnen. Ein weiterer Vorteil ist, dass – abgesehen von der getesteten Maßnahme – der Supermarkt für jede Probandin und jeden Probanden identisch aussieht. Es gibt also keine versteckten Einflüsse auf das Kaufverhalten. „Mit der Infrastruktur eines virtuellen Supermarktes holen wir uns die reale Welt ins Labor“, erklärt Prof. Dr. Monika Hartmann.

In dem Experiment schoben 630 Personen ihren Einkaufswagen durch digitale Gänge, die denen eines realen-Marktes nachempfunden waren. „Wir haben die 3D-Simulation zusammen mit dem Marktforschungs-Iinstitut IPSOS entwickelt“, erläutert Bach. Die Grafik orientiert sich an modernen Videospielen: Die Versuchspersonen sehen die Gänge aus der Ich-Perspektive, können sich zu den Regalen drehen, Produkte heraus nehmen und von allen Seiten betrachten, sie in ihren Wagen legen und am Ende gegebenenfalls kaufen. Dabei blieb die Kaufentscheidung jedoch hypothetisch. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mussten nicht wirklich für den virtuellen Einkauf bezahlen und erhielten am Ende auch keine echten Waren. In der Befragung im Anschluss gaben die Beteiligten überwiegend an, die Simulation als sehr realistisch empfunden zu haben und gut mit ihr zurecht gekommen zu sein.

Ein Markt in drei Versionen
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren von IPSOS per E-Mail zur Studie eingeladen worden. Der Supermarkt, den sie zu sehen bekamen, unterschied sich lediglich in einem Punkt: der Art und Weise, in der die Haltungsform-Informationen hervorgehoben wurden. Bei einer Gruppe von Teilnehmenden waren die Label, wie momentan üblich, lediglich auf den Fleischverpackungen zu sehen. Bei einer zweiten Gruppe hingen zusätzlich über den Regalen große Banner, die die Label zeigten. Bei Gruppe 3 war die Labels außerdem noch neben den Preisschildern angebracht, allerdings nur für Produkte der Haltungsformstufen 3 und 4.

Das ernüchternde Ergebnis: Die Versuchspersonen in allen drei Gruppen griffen ähnlich oft zu Fleisch aus artgerechterer Haltung. Die Maßnahmen führten also zu keiner Änderung des Kaufverhaltens. „Ein Grund könnte sein, dass die Informationen nicht die notwendige Aufmerksamkeit erzielt haben, trotz der hervorgehobenen Weise, in der sie präsentiert wurden“, vermutet Leonie Bach. „Ein Teil unserer Versuchspersonen gab in der anschließenden Befragung an, diese nicht bewusst wahrgenommen zu haben“.

„Aktuell werten wir weitere Maßnahmen aus, die wir im virtuellen Supermarkt getestet haben“, erklärt Prof. Dr. Monika Hartmann. Für zukünftige Projekte wünschen sich die Autorinnen, die Realitätsnähe entsprechender Einkaufsexperimente noch weiter zu erhöhen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen dann die gekauften Produkte ähnlich wie beim Online-Shopping zugesandt bekommen und dafür auch bezahlen müssen.

Beteiligte Institutionen und Förderung:
An der Studie waren die Universität Bonn und die TU München beteiligt. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert.

Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Niederländische Supermarktkette Jumbo verzichtet auf „Preisknüller“ beim Fleisch

Wie verschiedene niederländische Medien berichten, verzichtet die inländische Supermarktkette Jumbo künftig auf Sonderangebote für frisches Rind-, Schweine- und Hühnerfleisch. In sämtlichen niederländischen Filialen und im Online-Verkauf sollen bis Ende Mai alle aktuellen Verkaufsaktionen für „Kiloknallers“ auslaufen.

Für Jumbo sei es zwar eine Herausforderung, als Erster diese Art Absatzförderung zu beenden, ein Vorteil bestehe jedoch darin, dass dadurch die Preise insgesamt etwas niedriger gehalten werden könnten, da kein Geld mehr durch Angebote verloren ginge, erklärte ein Unternehmenssprecher.

Die Tierschutzorganisation „Wakker Dier“, die bereits bei der Durchsetzung des Labels „Beter leven“ in den Niederlanden großen Einfluss ausübte, lobt Jumbo ausdrücklich und fordert alle Unternehmen des LEH auf, den Anteil pflanzlicher Proteine im Angebot von derzeit 40 % auf mindestens 50 % im Jahr 2025 und mindestens 60 % im Jahr 2030 zu steigern. Diese Ziele will Jumbo auch tatsächlich erreichen und gleichzeitig prüfen, inwieweit der Bereich der Fleischersatzprodukte erweitert werden kann.

Kennzahlen richtig einordnen: Eutergesundheit geht vor

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Seit Mitte Februar liegen den Betrieben nun verbindlich die Antibiotika-Kennzahlen für die Milchkühe vor. Diese Kennzahlen ergeben sich aus den eingesetzten Antibiotika und den Behandlungstagen im vergangenen Jahr. Doch die Inhaltsstoffe der verabreichten Antibiotika und die Wichtungsfaktoren bei Antibiotikakombinationen oder Depotwirkung könnten zur Folge haben, dass ab jetzt nur noch Monopräparate mit kurzer Wirkdauer eingesetzt werden. Ob das medizinisch Sinn macht ist fraglich, denn durch weniger gut passende Produkte besteht das Risiko von Rückfällen. Häufigere Therapien werden nötig und es verschlechtert sich womöglich die Gesundheit und die Leistung der Herde bzw. die Profitabilität des Betriebes. Bei der Milchkuh betrifft dies vor allem antibiotische Trockensteller und hochwirksame Mastitispräparate. Da eine Mastitis für die Kuh eine starke Belastung darstellt, ist der Einsatz von gut wirksamen Antibiotika in der Therapie notwendig und sogar tierschutzrelevant.

Natürlich ist der Ansatz richtig, den Antibiotikaeinsatz weiter zu reduzieren. Doch diese Anstrengungen dürfen nicht zu Lasten der Tiergesundheit gehen. Es kommt bei der Therapie von Mastitis auf den richtigen Wirkstoff an, der passend für den Betrieb und den vorherrschenden Leitkeim ist und nicht auf die Antibiotika-Kennzahl oder den Wichtungsfaktor. Daher sollten Milchviehbetriebe in Absprache mit ihrer Tierarztpraxis bei erfolgreichen Konzepten bleiben, die passenden Produkte wählen und nicht auf Wichtungsfaktoren schauen. Zur Antibiotikareduzierung bietet sich eher an, bei entsprechenden Voraussetzungen das selektive Trockenstellen zu beginnen und mit Zitzenversieglern zu arbeiten.

Weitere Informationen auf www.ubrocare.de/antibiotikaeinsatz

Neues Forschungsprojekt der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) bringt mehr Sicherheit in den Rinderstall

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Im Herbst 2023 ist das Projekt „Sichere Rinderhaltung“ an der Fakultät Nachhaltige Agrar- und Energiesysteme der HSWT gestartet. Der Fokus liegt auf Deckbullen, Abkalbung und Treiben von Rindern.

Stress, Müdigkeit und Zeitdruck sind in der Rinderhaltung wiederkehrende Gegebenheiten und gleichzeitig Risikofaktoren für Unfälle, insbesondere im Umgang mit den Tieren. Dabei sind bestimmte Risikomomente als besonders kritisch hervorzuheben.

Spezielle Bullenboxen
Seit 2024 gilt die neue Unfallverhütungsvorschrift 4.1 der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft, die das freie Mitlaufenlassen von Deckbullen in der Milchviehhaltung aus Sicherheitsgründen untersagt. Spezielle Bullenboxen mit direkter Herdennähe sollen eine tiergerechte Haltung bei gleichzeitiger Erhöhung der Arbeitssicherheit ermöglichen. Der sichere Umgang mit den Tieren steht dabei im Vordergrund, aber die Separation des Bullen bedeutet eine große Umstellung für den Betrieb. Für die Brunstbeobachtung und das Treiben der als brünstig entdeckten Kühe müssen Arbeitskräfte eingerechnet bzw. Investitionen getätigt werden. Für die Compliance der in der Landwirtschaft arbeitenden Menschen ist daher eine praktikable Integration in den Betriebsablauf mit effizienten Zu- und Abtriebsystemen der Kühe zu entwickeln.

Stressreduktion und Arbeitssicherheit
Ein weiteres Ziel des über zwei Jahre laufenden Forschungsprojekts „Sichere Rinderhaltung“ ist es, konkrete und in der Praxis bereits gelebte Ansätze zur Stressreduktion und zur Arbeitssicherheit beim Verbringen von Rindern in der täglichen Praxis zu erfassen. Dazu zählen u. a. innovative Treibesysteme, Low-Stress-Stockmanship Umsetzungen, sichere Abkalbelinien sowie bauliche Maßnahmen, die auf die Sinnesphysiologie der Rinder eingehen.

Wissenstransfer
Die Ergebnisse dieses Forschungsvorhabens fließen in ein webbasiertes Kompendium mit anschaulichem Bild- und Videomaterial ein, in dem Landwirtinnen und Landwirte bequem, zeitsparend und mit niedriger Hemmschwelle passende Vorschläge für den eigenen Betrieb finden.

Aufruf an Betriebe mit Rinderhaltung in Bayern oder Baden-Württemberg
Landwirt:innen, die in ihrem Betrieb Stress beim Treiben von Rindern haben, entweder beim Zutrieb zum Klauenpflegestand, beim Verladen oder bei der Entnahme von Blutproben, können sich zur Teilnahme an einer kostenlosen Beratung sowie für die Übernahme von Investitionen im Rahmen dieses Forschungsprojekts anmelden. Die Anmeldung ist bis zum 31. März 2024 möglich. In folgender PDF finden sich alle Informationen zur Ausschreibung sowie eine Anmeldemöglichkeit.

Quelle: Hochschule Weihenstephan-Triesdorf