FLI bestätigt weiteres Shamonda-Virus-verwandtes Orthobunyavirus in Deutschland

Neueste Untersuchungsergebnisse des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) weisen auf ein zweites Einschleppungs- und Ausbreitungsereignis in Deutschland hin. Sequenzanalysen von PCR-positiven Proben im Nordwesten und Osten Deutschlands zeigen, dass neben der Variante „Shamonda-Virus/DE/2026“, die seit Juli vor allem in Süddeutschland, der Schweiz und Frankreich auftrat, eine weitere mit dem Shamonda-Virus verwandte Variante vorkommt. Die Rinderproben stammen aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Thüringen.

Dieses Virus gehört immer noch zur Spezies Orthobunyavirus Schmallenbergense der Simbu-Serogruppe und ist mit dem ursprünglich in Afrika und Japan beschriebenen Shamonda-Virus verwandt, zeigt aber eindeutige Unterschiede zur zuerst in der Schweiz, Frankreich und Süddeutschland nachgewiesenen Variante Shamonda-Virus/DE/2026. Zur einfacheren Unterscheidung werden sie nun als Shamonda-Virus Europe 1 (SHAV-EU1) für die erste Variante und Shamonda-Virus Europa 2 (SHAV-EU2) für die zweite Variante bezeichnet.

Es handelt sich daher bei dem derzeitigen Seuchengeschehen um zwei unabhängige Ereignisse, die sich in manchen Bundesländern bereits überschneiden. Zur besseren Einordnung der zweiten Virusvariante laufen derzeit genauere phylogenetische Analysen. Erste Untersuchungen zeigen aber, dass sich alle drei Genomsegmente des Shamonda-Virus Europa 2 vom SHAV-EU1 unterscheiden. Ob ein ausreichender Kreuzschutz zwischen den beiden Varianten nach Infektion vorliegt, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Unbekannt ist derzeit noch das genaue Wirtsspektrum der neuen Variante. Alle positiven Proben für SHAV-EU2 stammen bisher von Rindern. Infektionen mit Shamonda-Virus Europe 1 wurden bislang bei Rind, Pferd, Schaf und Ziege nachgewiesen.

In Deutschland zirkulieren jetzt mit dem Schmallenberg-Virus und den beiden Shamonda-Virus-verwandten Varianten drei Orthobunyaviren der Simbu-Serogruppe. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass diese Viren gegenseitig Genomsegmente austauschen und sich entsprechend verändern (reassortieren).

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Karpfen und Teichwirtschaft: Nicht nur Tradition in den Monaten mit „r“

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Von September bis April, den Monaten mit „r“, ist traditionell Karpfenzeit in Deutschland. Der Karpfen ist nach der Regenbogenforelle auf Platz 2 des in heimischer Aquakultur gezogenen Fischs: Im Jahr 2025 erzeugten laut Statistischem Bundesamt 1.269 Betriebe rund 4.200 Tonnen Karpfen – damit ist rund jeder vierte Fisch aus heimischer Aquakultur ein Karpfen. Doch die Teiche, als eine Form der Aquakultur, sind mehr als Produktionsflächen: Sie prägen die Landschaft und sind Teil der regionalen Kultur und Identität. Das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) der BLE trägt dazu bei, die ökologischen, genetischen, kulturellen und wirtschaftlichen Leistungen der Karpfenteichwirtschaft langfristig zu erhalten.

Grundlage für die IBV-Arbeit ist das Nationale Fachprogramm für aquatische genetische Ressourcen, das ausdrücklich die Erhaltung regionaler Karpfenstämme wie des Lausitzer oder des Aischgründer Karpfens vorsieht. Dazu lässt das IBV regionale Karpfenlinien identifizieren, genetisch charakterisieren und bewerten. Die Ergebnisse werden in der Datenbank „Nationales Inventar Aquatischer Genetischer Ressourcen“(AGRDEU-Datenbank) dokumentiert und schaffen so eine wichtige fachliche Grundlage für Fischereibehörden, Verbände und insbesondere Teichwirtschaften, um wertvolle regionale Zuchtlinien langfristig zu erhalten.

Beispiel Bayern: Kulturlandschaft mit regionaler Wertschöpfung
In Deutschland ist Bayern das Bundesland mit der größten Karpfenproduktion. Die bayerische Karpfenteichwirtschaft ist überwiegend kleinstrukturiert, viele Betriebe werden im Nebenerwerb geführt. Da die Karpfen häufig regional vermarktet werden, sind sie ein besonderes Beispiel für regionale Wertschöpfung: Rund ein Drittel der Produktion wird in der heimischen Gastronomie angeboten, weitere Mengen werden unter anderem an heimische Fischerei- und Angelvereine vermarktet, während der Rest über den Großhandel zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern gelangt.
Zugleich verbindet die traditionelle Karpfenteichwirtschaft eine naturnahe und nachhaltige Lebensmittelproduktion mit wichtigen Leistungen für Natur und Landschaft. Teichgebiete sind wertvolle Lebensräume und vielerorts Hochburgen der biologischen Vielfalt; sie bieten Rückzugsräume für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

Karpfen wieder mehr auf den Teller bringen
Die Karpfenteichwirtschaft und die von ihr geprägten Teichlandschaften stehen aufgrund vielfältiger Herausforderungen, wie beispielsweise dem sich verändernden Klima, steigender Kosten oder fischfressender Tierarten wie Kormoran und Otter, zunehmend unter Druck. Verbraucherinnen und Verbraucher können zu ihrem Erhalt beitragen, indem sie Karpfen wieder häufiger auf den Speiseplan setzen. Denn entgegen seinem Ruf ist Karpfen eine kulinarisch vielseitige und schmackhafte Bereicherung. Besonders frisch ist er ein Genuss und auch als Filet inzwischen im Handel erhältlich. In den traditionellen Karpfenteichregionen wie der Oberlausitz, Franken oder der Oberpfalz kann Karpfen besonders zur Abfischzeit im Herbst direkt beim Teichwirt bezogen werden. Wer nicht in einer dieser Regionen lebt, sollte beim örtlichen Fischhändler nachfragen – er hilft gerne weiter.

Mehr Informationen zum Nationalen Inventar Aquatischer Genetischer Ressourcen gibt es unter https://agrdeu.genres.de/

Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Shamonda-Virus: Infektionen bei Pferd und Alpaka bestätigt, Schafe und Ziegen auch empfänglich

Neben Nachweisen bei Rindern aus Baden-Württemberg, Hessen, Bayern, dem Saarland und Sachsen bestätigte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) nun Infektionen mit dem neu eingeschleppten europäischen Shamonda-Virus (SHAV) bei einem Pferd aus Rheinland-Pfalz sowie einem Alpaka aus Hessen. In Proben von Schafen und Ziegen aus Baden-Württemberg, die dem FLI freundlicherweise zu Monitoringzwecken zur Verfügung gestellt wurden, ist ebenfalls SHAV nachgewiesen worden. Die Ausbreitung bei empfänglichen Tieren in Deutschland hält an, wobei eine exakte und einheitliche Erfassung der Fälle in Deutschland aufgrund fehlender Meldepflichten bisher nicht erfolgt. Daher kann das FLI nicht wie sonst bei meldepflichtigen Tierseuchen üblich Verbreitungskarten auf Basis der von den Landesveterinärbehörden ins Tierseuchennachrichtensystem eingetragenen bestätigten Fälle erstellen.

Das aus Rheinland-Pfalz stammende Pferd zeigte vor seinem Tod zentralnervöse Störungen. In der Gehirnprobe des Tieres wurde eine hohe Viruslast festgestellt, was einen Zusammenhang mit dem klinischen Bild wahrscheinlich macht. Das unterscheidet SHAV deutlich vom verwandten Schmallenberg-Virus (SBV), bei dem solche Störungen nicht auftreten. Von Infektionen mit dem Shuni-Virus hingegen, einem weiteren Virus der Simbu-Serogruppe, zu der auch SHAV und SBV gehören, sind neurologische Störungen bei Pferden und Rindern bekannt.

Nähere Untersuchungen des Virus, vor allem genomische Analysen weiterer positiver Proben sind notwendig, um die genaue Einordnung von SHAV vorzunehmen, insbesondere im Kontext der Fälle in weiteren europäischen Ländern.

Weitere Informationen zum Shamonda-Virus stellt das FLI auf der entsprechenden Themenseite zur Verfügung.

Quelle: FLI

Weniger CO2, mehr Wirtschaftlichkeit: Klimaschutzpotenziale in der Milchviehhaltung

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Die HAW Kiel untersucht 250 CO2e-Fußabdrücke von Milchviehbetrieben in Schleswig-Holstein und zeigt: Bis zu 15 Prozent Emissionsminderung sind möglich und die Hälfte der untersuchten Maßnahmen kann Kosten sparen. Die Ergebnisse des von der Gesellschaft für Energie- und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EKSH) geförderten Projekts werden beim Osterrönfelder Agrarforum Spezial präsentiert.

Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit müssen in der Milchviehhaltung kein Widerspruch sein. Das zeigt das zweijährige Praxisprojekt „Inwertsetzung von CO2e-Reduzierungen in der Milchwirtschaft“ des Fachbereichs Agrarwirtschaft der HAW Kiel. Für die Untersuchung hat das Team um Projektleiter Prof. Holger Thiele insgesamt 250 CO2e-Fußabdrücke von schleswig-holsteinischen Milchviehbetrieben betrachtet. In Modellberechnungen wurden verschiedene Maßnahmen untersucht und ökonomisch bewertet. Dazu zählen unter anderem Verbesserungen beim Fütterungsmanagement und bei der Futterqualität, eine längere Nutzungsdauer der Tiere, Wirtschaftsdüngermanagement, Futterzusatzstoffe und der Einsatz von Ökostrom. Das Ergebnis ist für die Praxis besonders relevant: Durch geeignete Minderungsstrategien lässt sich der CO2e-Ausstoß kalkulatorisch um bis zu 15 Prozent je Kilogramm Milch reduzieren. Gleichzeitig führt rund die Hälfte der untersuchten Maßnahmen zu Kosteneinsparungen. „Die große Spannbreite der CO2e-Fußabdrücke zeigt, dass es individuelle Minderungsstrategien für die einzelnen Betriebe braucht. Mit der Ergebnispräsentation tragen wir die Erkenntnisse nun direkt in die Praxis, um Klimaschutz in der Milchwirtschaft Schritt für Schritt stärker zu verankern“, so Prof. Holger Thiele.

Klimaschutz als wirtschaftliche Chance
Klimaschutz kann sich für Milchviehbetriebe damit unter bestimmten Bedingungen auch wirtschaftlich lohnen. Warum werden solche Maßnahmen dennoch nicht automatisch umgesetzt? Das Projekt hat neben den technischen und ökonomischen Möglichkeiten auch mögliche Hemmnisse betrachtet. Dazu zählen unter anderem wirtschaftlicher Druck, Beratungsbedarf, Risikoscheu und fehlende Vergleichsmöglichkeiten. Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts war die Frage, wie die von Betrieben erbrachten CO2e-Minderungen künftig in Wert gesetzt und innerhalb der Milchwirtschaft honoriert werden können.

„Klimaschutz in der Landwirtschaft endet nicht bei der Erzeugung erneuerbarer Energien. Gerade in der Milchwirtschaft gibt es weitere Potenziale, Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig wirtschaftliche Chancen für die Betriebe zu schaffen“, sagt Dr. Thies Popp von der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz (EKSH), die das Projekt finanziert hat.

Ergebnispräsentation
Gemeinsam mit den Projektpartnern Nordseemilch eG, Lactoprot GmbH und Molkerei Struvenhütten eG werden die Projektergebnisse am Donnerstag, 3. September 2026, von 11:00 bis 12:45 Uhr am Fachbereich Agrarwirtschaft der HAW Kiel in Osterrönfeld vorgestellt. Die kostenfreie Veranstaltung findet im Claus-Heller-Haus, Grüner Kamp 11, 24383 Osterrönfeld, statt. Anmeldungen sind bis zum 1. September 2026 per E-Mail an marie-sophie.eismann@haw-kiel.de möglich. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Quelle: HAW Kiel

Initiative Tierwohl: Ferkelfonds noch bis Ende April 2027

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• Übergang zur Marktlösung für Ferkelerzeuger zum 1. Mai 2027 avisiert
• Mehr Zeit für Aufbau von Lieferbeziehungen und Umsetzung der Nämlichkeit
• Weitere Registrierungsphase für Ferkelaufzüchter im Oktober 2026

Die Zahlungen an die Ferkelerzeuger in der Initiative Tierwohl (ITW) über den Ferkelfonds werden bis längstens zum 30. April 2027 verlängert. Damit verschieben die Partner aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Handel den ursprünglich zum Jahreswechsel 2026/2027 geplanten Übergang zur Marktfinanzierung um vier Monate auf den 1. Mai 2027.

„Mit dieser Einigung zeigen Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel erneut im Rahmen der ITW, dass sie an einem Strang ziehen können“, erklärt Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands e.V. und Vorsitzender des ITW-Fachausschusses Rind und Schwein. „Die Verlängerung der Zahlungen aus dem Ferkelfonds ermöglichen den Tierhalterinnen und Tierhaltern dringend benötigte, zusätzliche Zeit, um die Weichen für die geforderte Nämlichkeit zu stellen.“

„Dass wir nun einen gemeinsamen Zielpfad für die Überführung in die Marktlösung gefunden haben, ist ein wichtiger und notwendiger Schritt“, kommentiert Björn Fromm, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels e.V. (BVLH). „Alle Beteiligten haben Verantwortung für eine tragfähige Lösung übernommen. Jetzt gilt es, diesen Weg verlässlich weiterzugehen.“

Geordneter Übergang zur Marktlösung
In der jüngsten Registrierungsphase haben sich ausreichend Ferkelerzeuger für eine Teilnahme an der ITW angemeldet. Damit konnte die bislang bestehende rechnerische Lücke bei der Nämlichkeit zwischen Ferkelaufzucht und Schweinemast geschlossen werden. Die zusätzliche Zeit bis Ende April 2027 soll den Betrieben helfen, passende ITW-Abnehmer bzw. Lieferanten zu finden und die nötigen Lieferbeziehungen aufzubauen.

„Unser Ziel bleibt eine vollständig marktgetragene Finanzierung der Tierwohlleistungen von der Sauenhaltung bis zur Schlachtung. Die zusätzlichen Monate sind ein wichtiges Signal an die Landwirtschaft und geben den Tierhalten in dieser herausfordernden Zeit den notwendigen Spielraum, um ihre Betriebe noch besser für die lange geplante Umsetzung der Marktlösung aufzustellen“, so Robert Römer, Geschäftsführer der ITW. Die Übergangsphase wird aus bislang nicht genutzten Mitteln des Ferkelfonds sowie den fortlaufenden Einzahlungen der Schlachtbetriebe finanziert.

Finanzielle Anreize und mehr Flexibilität
Für Ferkelerzeuger bedeutet die Verlängerung, dass das vereinbarte Tierwohlentgelt von 4,50 Euro je Ferkel für Lieferungen an ITW-Mäster voraussichtlich bis zum 30. April 2027 weiter aus dem Ferkelfonds finanziert wird. Mit dem Übergang zur Marktlösung wird daraus eine Empfehlung für einen entsprechenden Preisaufschlag. Für Schweinemäster startet der verpflichtende Bezug von ITW-Ferkeln mit der Einführung der Marktlösung zum 1. Mai 2027. Zum 1. Januar 2027 wird zudem die Empfehlung zur Höhe des Preisaufschlages für Mastschweine angepasst. Für Betriebe, die ausschließlich ITW-Ferkel beziehen, gilt weiterhin die Empfehlung in Höhe von 7,50 Euro, während für Betriebe, die nicht ausschließlich ITW-Ferkel beziehen, die Empfehlung von 6,00 Euro auf 5,00 Euro sinkt. Als zusätzlichen Anreiz für eine möglichst zeitnahe Umstellung auf ITW-Ferkel wird darüber hinaus der Status „nämlich ab Geburt“ ab dem 1. Januar 2027 unmittelbar vergeben, sobald ausschließlich ITW-Ferkel eingestallt werden; die bisherige Wartezeit entfällt.

Zusätzliche Registrierungsphase für Ferkelaufzüchter
Um weitere Betriebe für die Teilnahme zu gewinnen, bietet die ITW im Oktober 2026 eine zusätzliche Registrierungsphase für Ferkelaufzüchter an. Die Auditierung der neu angemeldeten Betriebe soll ab November 2026 beginnen. Details dazu wird die ITW in den kommenden Wochen und Monaten kommunizieren.

Quelle: Initiative Tierwohl GmbH

WEDA launcht innovative Strohdosierung für den Sauenbereich

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Als führender Stallausrüster für den Agrarsektor präsentiert WEDA Dammann & Westerkamp aus Lutten eine vollautomatische WEDA-Strohdosierung mit 80 Millimeter Rohrdurchmesser für mehr Tierwohl in der Schweinehaltung. Das neue System wurde speziell entwickelt, um Schweine kontinuierlich und arbeitssparend mit hochwertigem Beschäftigungsmaterial zu versorgen und gleichzeitig die strengen gesetzlichen Tierwohlanforderungen hocheffizient umzusetzen.

Bildquelle: WEDA

Robust und modular erweiterbar
Die innovative Anlage löst eine der größten Herausforderungen moderner Schweinehalter: die zeitaufwendige, manuelle Verteilung von Stroh. Das neue WEDA-System basiert auf einem robusten, modular erweiterbaren Strohballen-Auflöser, der Quaderballen über drei kraftvolle Zahnwalzen und eine integrierte Paddeltechnik vollständig auflöst.

Punktgenaue Zuteilung in die Buchten
Über einen langlebigen Kettenförderer wird das bis zu 80 Millimeter lange Stroh materialschonend über ein Kettenfördersystem direkt zu den Buchten transportiert. Die punktgenaue Zuteilung in die einzelnen Buchten erfolgt über speziell entwickelte Dosierventile. Dabei haben die Landwirte die Wahl zwischen pneumatisch gesteuerten Doppelwirkventilen für die präzise, dynamische Fütterung oder einer kostengünstigen, strombetriebenen Seilzugvariante mit Linearstellantrieb.

Kein Verstopfen der Ventile

Bildquelle: WEDA

Beide Ventilarten fassen ein definiertes Abwurfvolumen von etwa 10 Litern – entspricht 300 – 400 Gramm Stroh pro Auslass – und verfügen über eine leicht konische Form sowie eine mechanische Schaufel, die ein Verstopfen der Ventile konsequent verhindert. Optionale, verstellbare Strohteiler aus Edelstahl ermöglichen zudem die exakte Aufteilung einer Dosierung auf zwei benachbarte Buchten.

Weitere Informationen unter www.weda.de

Quelle: WEDA Dammann & Westerkamp GmbH

Antibiotika-Verbrauchsmengen und Therapiehäufigkeit in der Tierhaltung 2025

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Insgesamt wurde im Jahr 2025 in allen Nutzungsarten ein Antibiotikaverbrauch von etwa 494 Tonnen erfasst. Dies entspricht einem leichten Rückgang von etwa 3 % gegenüber dem Vorjahr. Die bei Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten erfassten Verbrauchsmengen von für die Humanmedizin besonders wichtigen Wirkstoffen konnte seit Bestehen des Antibiotika-Minimierungskonzeptes deutlich von über 66 Tonnen im Jahr 2014 nur bei Masttieren auf 29 Tonnen im Jahr 2025 bei allen Nutztieren reduziert werden. Der Rückgang ist hauptsächlich auf die Reduktion des Antibiotikums Colistin zurückzuführen.

Die Therapiehäufigkeit ging bei fast allen der im Jahr 2023 neu erfassten Nutzungsarten zurück, besonders stark bei Legehennen (−55 %) und Milchkühen (−7 %). Bei Masttieren stiegen die Therapiehäufigkeiten dagegen zumeist an, am stärksten bei Masthühnern (+6 %) und Mastputen (+5 %).

Entwicklung der Antibiotika-Resistenzen
Die Resistenzentwicklung bei E. coli von Mastschweinen sowie Mastkälbern und Jungrindern ist weniger positiv als noch vor zwei Jahren. Kurzfristig, im Vergleich von 2025 zu 2023, stiegen die Resistenzraten bei E. coli von Mastschweinen bei der Schlachtung gegenüber den Wirkstoffen Sulfamethoxazol und Trimethoprim signifikant an. Die langfristigen Trends für den Zeitraum von 2015 bis 2025 zeigen bei Mastschweinen lediglich gegenüber einer einzigen Substanz eine statistisch signifikante Abnahme der Resistenz, nämlich gegenüber Tetracyclin. Gleichzeitig gab es eine statistisch signifikante Zunahme der Resistenz gegenüber dem Makrolid Azithromycin.

Auch bei Mastkälbern und Jungrindern wurde eine kurzfristige signifikante Zunahme der Resistenzraten gegenüber den Wirkstoffen Sulfamethoxazol und Trimethoprim festgestellt. Langfristig stehen zwei statistisch signifikanten Rückgängen von Resistenzraten (gegen Nalidixinsäure und Azithromycin) sogar drei Zunahmen gegenüber (gegen Ampicillin, Chloramphenicol und Tetracyclin). Angesichts des ansteigenden Antibiotika-Einsatzes bei Masthühnern und puten ist auch in diesen Nutzungsarten mit weiteren Zunahmen der Resistenzen von E. coli zu rechnen.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung

Kokzidiose bei Geflügel: Ursachen, Folgen und Behandlung der Erkrankung (AdA)

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Aus dem Archiv (AdA 2/2025) und immer noch aktuell

Kokzidiosen verursachen pro Jahr weltweit Verluste von mehr als 10 Mrd. Pfund Sterling (€ 11,7 Mrd.). Die Krankheit ist bei Hühnern nicht saisonabhängig, betrifft alle Altersgruppen und die Mortalitätsrate kann bei infizierten Küken bis zu 80 % betragen. Es gibt 7 bekannte Eimeria-Arten und 3 neu entdeckte Arten, die als eigenständige Parasiten klassifiziert wurden. Akute Symptome umfassen Depression, Anämie und blutige Durchfälle, während chronische Symptome das Wachstum und die Eierproduktion beeinträchtigen. Sekundärinfektionen mit Clostridium perfringens und Escherichia coli sind häufig und können die Gesundheit der Vögel zusätzlich beeinträchtigen. Außerdem können Kokzidiosen durch andere Viren wie Reovirus und Mareksche Krankheit verstärkt werden.

Kokzidiose bei Geflügel: Herausforderungen und Lösungen
Eine Übersichtsstudie*beschäftigt sich mit dem aktuellen Wissensstand rund um die Kokzidiose bei Geflügel. Die aktuell verfügbaren Lebendimpfstoffe können die Futterverwertung junger Broiler negativ beeinflussen und subklinische Symptome hervorrufen. Der Lebenszyklus von Eimeria umfasst mehrere Generationen von Schizogonie (ungeschlechtliche, asexuelle Teilungsform) und eine Generation von Gametogonie (Fortpflanzung durch Bildung und paarweise Verschmelzung von Gameten/Keimzellen), gefolgt von Sporogonie (Erzeugung von Sporen als ungeschlechtliche Phase im Verlauf eines Generationswechsels). Der Fokus auf den Sporogonie-Prozess könnte eine vielversprechende Strategie zur Bekämpfung von Kokzidiosen darstellen.

Lebenszyklus von Eimeria bei Geflügel
Die Phase der Schizogonie erfolgt durch 3-4 Teilungen und produziert erste Generation von Merozoiten, die 2-3 Tage nach der Infektion freigesetzt werden. Merozoiten verursachen schwere Schäden im Darm, indem sie Epithelzellen zerstören und die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen. Die anschließende Gametogonie führt zur Bildung von Mikro- und Makrogameten, die Zygoten bilden, die dann zu Oozysten reifen.

Die Sporogonie findet dann außerhalb des Wirts statt, wobei Oozysten unter optimalen Bedingungen innerhalb von 48 Stunden zu über 90 % sporulieren. Oozysten sind bei 40°C nicht mehr sporulationsfähig und werden bei 66°C abgetötet. Die Verwendung von Insektiziden und die Kontrolle der Umgebungstemperatur können die Verbreitung von Kokzidiosen erheblich reduzieren. Die Störung des Sporulationsprozesses von Eimeria-Oozysten ist entscheidend für die effektive Prävention und Kontrolle der Krankheit.

Ionophore-Antibiotika und ihre Alternativen
Ionophore-Antibiotika wie Salinomycin und Doramectin, welche die Ionendurchlässigkeit durch Zellmembranen erhöhen, sind effektiv gegen Kokzidien, zeigen jedoch langsam Resistenzen. Synthetika wie Triazine und Sulfonamide hemmen die Entwicklung von Kokzidien, wobei Nicarbazin und Sulfaquinoxaline häufig verwendet werden.

Die Resistenz von Eimeria-Stämmen gegenüber einigen Pharmazeutika stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Geflügelindustrie dar. Neuere Entwicklungen umfassen Nano-Zinkoxid und Chlordioxid, die vielversprechenden Ergebnisse gegen Kokzidien zeigen. Halofuginon-Resistenzen sind mit spezifischen genetischen Mutationen verbunden, was neue Forschungsansätze zur Resistenzmechanik eröffnet.

Die traditionelle chinesische Medizin bietet alternative Behandlungsansätze, die die Immunität von Küken stärken und die Krankheitslast reduzieren können. Die Kombination von chemischen und traditionellen Ansätzen könnte die Wirksamkeit der Behandlung von Kokzidien verbessern.

Forschung zu Kokzidiose und Desinfektionsmitteln
Die Studie behandelt die Regulierung von Sporogonie, Desinfektionsmitteln gegen Kokzidien-Oozysten und natürliche Produkte zur Bekämpfung. Die APETALA2 (AP2) Familie spielt eine Schlüsselrolle in der Regulierung der Sporogonie bei Apicomplexan-Parasiten. 53 AP2-Proteine wurden im Eimeria-Genom identifiziert, wobei ETH2_0411800 möglicherweise keine signifikante Rolle in der Entwicklung spielt. 8 % Ammoniak zeigte die beste Wirkung gegen Kokzidien-Oozysten, gefolgt von NaOH und Peressigsäure. Chlordioxid hat starke Adsorptions- und Penetrationsfähigkeiten und wirkt effektiv gegen Mikroben. Essentielle Öle wie von Artemisia (Beifuß) und Thymian haben nachweislich oozystentötende Eigenschaften. Studien zeigen, dass Extrakte von Opuntia ficus-indica (Feigenkaktus) die Sporulation von Eimeria-Oozysten effektiv hemmen können. Natürliche Produkte bieten vielversprechende Alternativen zur chemischen Bekämpfung von Kokzidien-Infektionen.

Impfstoffe gegen Kokzidiose bei Hühnern
• Lebendimpfstoffe sind entscheidend zur Vorbeugung von Kokzidiose und erfordern spezifische Eimeria-Stämme für umfassenden Schutz.
• Virulente Impfstoffe können Immunität erzeugen, bergen jedoch Risiken wie die Einführung von Wildstämmen und milden Symptomen.
• Attenuierte Impfstoffe haben reduzierte Pathogenität, bieten aber dennoch gute Immunogenität und erfordern komplexe Produktionsmethoden.
• CoxAbic ist ein Übertragungsblockierungsimpfstoff, der mütterliche Antikörper über das Ei an Nachkommen überträgt und frühe Immunität bietet.
• Multivalente Impfstoffe zeigen vielversprechende Ergebnisse, indem sie Schutz gegen mehrere Eimeria-Arten bieten und teilweise Kreuzimmunität induzieren.
• Mikronem-Proteine wie EtMIC-2 und SO7 sind vielversprechende Antigenziele für die Entwicklung neuer Impfstoffe.
• Der Einsatz von Adjuvanzien wie C3d kann die Immunogenität von Impfstoffen erhöhen und die Immunantwort beschleunigen.
• Zukünftige Forschungen sollten sich auf die Verbesserung der Produktionsmethoden und die Entdeckung neuer Antigene konzentrieren.

*Studie: Dan Zhao et al. (2024): „Innovative prevention and control of coccidiosis: targeting sporogony for new control agent development“, Poultry Science 103

Link zur Original-Studie

Auf Anforderung schicken wir Ihne auch gerne die komplette Ausgabe des E-Magazins 2/2025 (PDF, 22,0 MB). Senden Sie einfach eine E-Mail an wengenroth@der-hoftierarzt.de

FBN veröffentlicht Positionspapier zur tiergerechten Ferkelaufzucht

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Wissenschaftliche Empfehlungen für vitale Ferkel, mehr Tierwohl und eine zukunftsfähige Schweinehaltung

Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) hat ein neues Positionspapier zur tiergerechten Aufzucht von Ferkeln veröffentlicht. Unter dem Titel „Tiergerechte Aufzucht von Ferkeln“ fasst das Papier aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen und formuliert Empfehlungen für Praxis, Beratung und Politik. Nach dem Positionspapier zur Kälberaufzucht nimmt das FBN damit erneut eine besonders sensible frühe Lebensphase von Nutztieren in den Blick.

Die ersten Lebenstage und Lebenswochen sind entscheidend für Überleben, Gesundheit und langfristige Entwicklung der Ferkel. Dennoch verenden unter konventionellen wie ökologischen Haltungsbedingungen durchschnittlich 10 bis 25 Prozent der lebend geborenen Ferkel bis zum Absetzen. Das entspricht etwa zwei bis vier Tieren pro Wurf.

Das Positionspapier zeigt zentrale Ansatzpunkte für eine tiergerechtere Aufzucht auf. Dazu gehören eine frühe und ausreichende Versorgung mit Kolostrum und Milch, eine bedarfsgerechte Ernährung von Sau und Ferkeln sowie Wärme, Hygiene und stressarme Haltungsbedingungen. Auch natürliche Verhaltensweisen wie Nestbau, Bewegungsfreiheit und frühe soziale Kontakte sollten stärker ermöglicht werden.

Aus Sicht des FBN muss zudem die Zucht stärker auf Vitalität, Mütterlichkeit, komplikationslose Geburten und Immunkompetenz ausgerichtet werden. Nicht die weitere Steigerung der Zahl geborener Ferkel sollte im Vordergrund stehen, sondern das Ziel, mehr vitale Ferkel erfolgreich aufzuziehen. Auch belastende Routineeingriffe sollten durch geeignete Maßnahmen in Haltung, Management und Zucht weiter reduziert werden.

Die Autorinnen und Autoren kommen zu dem Schluss, dass eine tiergerechte Ferkelaufzucht Veränderungen in Haltung, Fütterung, Management und Zucht erfordert. Die damit verbundenen Maßnahmen seien eine wichtige Investition in Tiergesundheit, Tierwohl und die Zukunftsfähigkeit der Schweinehaltung.

Das vollständige Positionspapier „Tiergerechte Aufzucht von Ferkeln: Herausforderungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und Empfehlungen für die Praxis“ ist auf der Website des FBN oder hier abrufbar.

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Fibrinöse Pleuropneumonie bei Milchkühen: Neue Erkenntnisse zu Ausbrüchen durch Mannheimia haemolytica in intensiv bewirtschafteten Betrieben (AdA)

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Aus dem Archiv (AdA 5/2025) und immer noch aktuell

In einer Studie* untersuchten niederländische Forscher Ausbrüchen fibrinöser Pleuropneumonie (FPP) durch Mannheimia haemolytica bei Milchkühen. Atemwegserkrankungen sind eine der Hauptursachen für Mortalität, Morbidität und Produktionsverluste bei Rindern weltweit. Mannheimia haemolytica ist ein bedeutender Erreger von Atemwegserkrankungen, insbesondere bei erwachsenen Milchkühen. In den letzten Jahren wurden vermehrt Ausbrüche von tödlicher FPP durch M. haemolytica in den Niederlanden und anderen Ländern gemeldet.

Die Studie ergab, dass die betroffenen Kühe vor der Erkrankung gesund, durchschnittlich leistungsfähig und in gutem Zustand waren. Die meisten Ausbrüche traten in größeren, intensiv bewirtschafteten Betrieben auf (überdurchschnittliche Milchproduktion pro Hektar).

Risikofaktoren für Ausbrüche waren Stressfaktoren, unzureichende Biosicherheitsmaßnahmen und Stallbedingungen wie Überbelegung (z. B. zu wenige Fress- und Liegeplätze), Einführung neuer Tiere in die Herde, insbesondere aus anderen Betrieben oder Ländern, was sowohl Stress als auch die Einführung neuer Krankheitserreger begünstigen kann. Auch Wetterbedingungen wie hohe Luftfeuchtigkeit und kalte Jahreszeiten, die zu Stress und einer Schwächung des Immunsystems führen können, spielen eine Rolle, denn die meisten Ausbrüche ereigneten sich im Winter oder nach einer Woche mit erhöhter Luftfeuchtigkeit.

Betroffene Tiere zeigten keine Anzeichen von anderen Krankheiten vor der FPP-Diagnose. Die Mehrheit der erkrankten Tiere hatte eine normale Körperkondition, was darauf hindeutet, dass sie vor der Erkrankung gesund und unauffällig waren. Die meisten befanden sich in der mittleren bis späten Laktation oder waren Trockensteher. Keine der betroffenen Kühe befand sich in den ersten 30 Tagen nach der Kalbung. Kühe in der zweiten und dritten Laktation waren häufiger betroffen, während Tiere in der vierten oder höheren Laktation unterrepräsentiert waren. Auch hatten die betroffenen Kühe ein durchschnittliches Leistungsniveau im Vergleich zu ihrer Herde.

Die Sterblichkeitsrate der ersten Fälle war hoch (82 %), was auf eine verspätete Diagnose und Behandlung zurückzuführen ist. Die Studie deutet darauf hin, dass M. haemolytica möglicherweise als primärer Erreger agiert und nicht unbedingt eine andere primäre Virusinfektion benötigt, um FPP auszulösen. Es wird vermutet, dass bestimmte virulente Stämme von M. haemolytica für die Ausbrüche verantwortlich sein könnten. Besondere Bedeutung kommt einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung zu, um die Sterblichkeitsrate zu senken.

Fazit: FPP durch M. haemolytica ist eine multifaktorielle Erkrankung, die gesunde Milchkühe plötzlich und schwerwiegend betrifft. Die Ergebnisse deuten auf eine primäre Infektionskrankheit hin, die durch spezifische Risikofaktoren und möglicherweise virulente Bakterienstämme ausgelöst wird. Die Studie betont die Notwendigkeit einer erhöhten Sensibilisierung und schnellen Diagnose, um die Auswirkungen von FPP-Ausbrüchen zu minimieren.

*Studie:
Het Lam, J. et al. (2025): Characterization of Mannheimia haemolytica pleuropneumonia outbreaks in Dutch dairy cattle. Journal of Dairy Science. Volume 108.

Link zur Original-Studie

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 5/2025

Auf Anforderung schicken wir Ihne auch gerne die komplette Ausgabe des E-Magazins 5/2025 (PDF, 9,0 MB). Senden Sie einfach eine E-Mail an wengenroth@der-hoftierarzt.de

VFT prüft jetzt auch Putenfutter

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Im Gegensatz zu dem abnehmenden Verzehr an Rinder- und Schweinefleisch erlangt Geflügelfleisch weiterhin zunehmende Bedeutung. Der VFT hat sich daher in den letzten Jahren mit der Entwicklung eines Bewertungsschemata zur Prüfung von Futter für Masthähnchen und Puten beschäftigt.

Die Mast von Geflügel ist weitgehend in integrierten Ketten organisiert. Während bei der Hähnchenmast (mit Ausnahme kleinerer Halter) der Bezug von Tieren und Futter vorgegeben ist, besteht im Bereich der Putenmast für den Tierhalter durchaus noch die Möglichkeit der Futterauswahl.

Der VFT hat in den Jahren 2024 und 2025 eine Reihe von Putenfutter beprobt, eine Deklarationsprüfung durchgeführt und zusätzliche Daten gesammelt.

Da sich die Produktion von Putenfutter weitgehend an fest etablierten Wachstumsphasen orientiert und nur wenige Puten-Herkünfte eingesetzt werden, sind die Fütte-rungskonzepte sehr ähnlich. Aktuelle wissenschaftlich erarbeitete Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung existieren kaum, von der Wirtschaft (Putenzüchter) erarbeitete Empfehlungen sind aktueller und wurden daher als Bewertungsbasis (Richtwerte) herangezogen. Die in Deutschland am weitesten verbreiteten Fütte-rungsempfehlungen sind die des Moorgutes Kartzfehn.

Dazu wurde von den Fachgremien des VFT ein Bewertungsschema für Putenfutter (unterschiedliche Phasen) erarbeitet, das auf einige fachliche Richtwerte und die de-klarierten Angaben der Hersteller abstellt. Die Bewertung lehnt sich im Aufbau an an-dere VFT-Bewertungsschemata an.

Die Prüfung umfasst dabei zwei Teile: A. Deklarationsprüfung, B. Prüfung der fachlichen Eignung.

Für A) werden die Futtermittelrechtlichen Bestimmungen (EU VO 767/2009) herangezogen.

Für B) wird die Angabe des Einsatzzweckes (Einsatzbereich lt. Bezeichnung/ Fütte-rungshinweis) sowie die Angabe eines Energiegehaltes und engere Toleranzen (VFT-Toleranz), wie in anderen VFT-Bewertungen üblich, berücksichtigt.

Der Warentest des VFT umfasst jeweils zwei Teile: zum einen die Analyse der wesentlichen Nährstoffkonzentrationen nebst Prüfung der Deklarationseinhaltung, zum anderen erfolgt eine fachliche Bewertung, bei der die Analysenwerte der geprüften Kriterien mit den ernährungsphysiologischen Richtwerten (Richtwerte der Wirtschaft) verglichen werden. Weiterhin wird der Fütterungshinweis in die Bewertung mit einbezogen. Hierbei werden neben den rechtlich geforderten Angaben zur Kennzeichnung des Futtertyps, Angaben zum Einsatzbereich (Phase, Besonderheiten) sowie die Energieangabe als wesentliche Parameter für Auswahl und Einsatz des Futters als sinnvolle und übliche Hilfestellung für den fachgerechten Einsatz gefordert.

Der VFT hat mit der regelmäßigen Prüfung im Jahr 2026 begonnen. Wie beim VFT üb-lich wird die Prüfung für einzelne Chargen erfolgen und mit einer abschließenden Bewertung veröffentlicht.

Weitergehende Infos zum VFT und die Bewertungsschemata und Erläuterung zur Prüfung von Mischfutter des VFT sind auf der Homepage des VFT zu finden.

Quelle: Verein Futtermitteltest

Shamonda-Virus: Neu eingeschlepptes Rindervirus breitet sich aus

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Die neu eingeschleppte europäische Variante des Shamonda-Virus (Shamonda-Virus /DE/2026) breitet sich bei Rindern in Deutschland weiter aus. Mittlerweile wurden Infektionen auch bei Rindern in Rheinland-Pfalz und Hessen durch das FLI bestätigt. Zudem zeigen erste Sequenzvergleiche, dass es sich bei den Fällen in der Schweiz und Frankreich um das gleiche Virus zu handeln scheint. Mit einer weiteren Ausbreitung ist zu rechnen.

Das Virus wird weiterhin als Shamonda-Virus (SHAV) bezeichnet, da für einen abweichenden Namen die Verwandtschaft zum bereits seit den 1960er Jahren bekannten Virus zu groß ist. Die aktuelle europäische Variante weist allerdings einige genetische Unterschiede zu den bisher bekannten SHAV in Afrika und Asien auf.

Zunächst hatte die Schweiz über ungewöhnliche Krankheitsfälle bei Rindern berichtet. Der Zeitpunkt der Einschleppung des Shamonda-Virus nach Europa ist nach wie vor unklar, Untersuchungen dazu laufen. Mit weiteren Fällen, auch in anderen Bundesländern, ist zu rechnen.

Das FLI stellte den Veterinärlaboren der Bundesländer bereits Testprotokolle für die Diagnostik zur Verfügung. Dies ermöglicht die Erstuntersuchungen von Verdachtsfällen in den dafür zuständigen Landeslaboren.

Weitere Informationen zum Shamonda-Virus stellt das FLI auf der entsprechenden Themenseite zur Verfügung.

Quelle: FLI

Wurmmittel für Weidetiere bringen Nahrungsketten durcheinander

Ein gängiges Mittel gegen Parasiten gelangt über den Boden zu Pflanzen und Insekten und stört dort das ökologische Gleichgewicht.

Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Universität Trier weisen erstmals nach, dass ein weitverbreitetes Wurmmittel für Weidetiere nicht nur einzelne Pflanzen und Insekten schädigt, sondern ganze ökologische Beziehungsgefüge verändert. Untersucht wurde der Wirkstoff Moxidectin im Präparat Cydectin®, das Landwirt*innen häufig gegen Parasiten bei Weidetieren einsetzen.

Bislang war bekannt, dass Wurmmittel einzelne Arten beeinflussen können: Samen von typischen Grünlandpflanzen verändern zum Beispiel ihr Keimungsverhalten, wenn sie mit Wurmmitteln in Kontakt kommen. Käfer- und Fliegenlarven, die im Kot behandelter Weidetiere leben, zeigen geringere Überlebensraten. Wie sich diese Effekte auf das Zusammenspiel mehrerer Arten auswirken, hatte bisher niemand untersucht.

Weidetierhalter*innen setzen Wurmmittel ein, um ihre Tiere gesund zu halten und wirtschaftlich zu arbeiten. Ein Verzicht auf die Mittel ist daher meist keine Option. Das untersuchte Präparat enthält den Wirkstoff Moxidectin. Dieser gehört zur Gruppe der makrozyklischen Laktone, das sind Antiparasitika mit Langzeitwirkung. Der Körper der Tiere baut den Wirkstoff kaum ab. Er gelangt deshalb zu großen Teilen über den Kot behandelter Tiere in den Boden oder wenn Landwirt*innen ihre Felder mit Gülle oder Festmist düngen.

Weniger Früchte, mehr Blattläuse
Für ihre Untersuchung bauten die Forschenden in einem einfachen Modell eine Nahrungskette nach. Sie kombinierten drei Arten: die Kultur-Erdbeere, die Grüne Pfirsichblattlaus und die Hainschwebfliege. Die Erdbeerpflanze diente den beiden Insekten als Nahrung. Die Blattlaus saugte Pflanzensaft. Die Schwebfliege nutzte im ausgewachsenen Stadium Pollen und Nektar der Blüten und fraß im Larvenstadium die Blattläuse. Das Team setzte die Tiere und Pflanzen in kleine, insektendichte Käfige. Die Hälfte der Käfige enthielt Erdbeertöpfe mit wurmmittelbelastetem Boden, die andere Hälfte unbelastete Kontrollpflanzen. Anschließend erfassten die Forschenden, wie viele Früchte die Pflanzen bildeten, wie viele Blattläuse an den Pflanzen auftraten und wie viele Eier die Schwebfliegen legten.

Alle drei Arten reagierten auf das Wurmmittel: Die Erdbeerpflanzen bildeten unter Wurmmitteleinfluss rund ein Viertel weniger Früchte und die Blattläuse vermehrten sich zehnmal stärker, allerdings nur, wenn keine Schwebfliegenlarven anwesend waren. Eine mögliche Erklärung: Das Wurmmittel schwächt die Abwehrkräfte der Pflanze gegen die Blattläuse. Auch die Schwebfliegen reagierten: Weibchen, die Blüten wurmmittelbehandelter Pflanzen besuchten, legten viermal mehr Eier. Diese Eier waren jedoch ungleichmäßiger in der Größe und wirkten optisch weniger vital. Unter dem Strich könnte das den Fortpflanzungserfolg der Schwebfliegen verringern.

„Wir waren überrascht, wie weitreichend ein einzelnes Präparat das Zusammenspiel zwischen Pflanze und Insekt verändern kann“, sagt Dr. Andrés García. „Das zeigt, dass wir bei der Bewertung von Tierarzneimitteln nicht nur einzelne Arten, sondern ganze ökologische Beziehungen im Blick behalten müssen.“

Offen ist bisher, wie das Wurmmittel diese Effekte genau auslöst. Weitere Studien sollen zeigen, welchen Anteil der Wirkstoff Moxidectin, die übrigen Inhaltsstoffe und deren Abbauprodukte an diesen Effekten haben und wie sie in der Nahrungskette weitergegeben werden. Die Autor*innen der Studie fordern, komplexe ökologische Beziehungen zwischen Arten künftig stärker zu berücksichtigen, wenn die Wirkung von Tierarzneimitteln auf die Umwelt untersucht wird.

Andrés García, Tim Diekötter, Jitin Sabu, Laura Olivia Greene, Lilli Kuhtz, Tobias W. Donath und Carsten Eichberg veröffentlichten ihre Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift Science of the Total Environment. Erstautor Andrés García führte die Untersuchung im Rahmen eines Georg Forster-Forschungsstipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung durch.

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Salmonellen: Thymolbasierter Futterzusatz als Alternative zu Antibiotika? (AdA)

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Aus dem Archiv (AdA 5/2025) und immer noch aktuell

Eine aktuelle Studie an insgesamt 500 Eintagsküken (Ross 708) zeigt, dass eine thymolbasierte mikroverkapselte Futterzusatzmischung von Pflanzenstoffen (Blend 1000) bei Hühnern die durch Salmonella Enteritidis verursachte Entzündung effektiv reduziert. Im Vergleich zu Antibiotika und einer niedrigeren Dosis der Mischung (Blend 500) führte die höhere Dosis zu einer signifikanten Verbesserung des Wachstums und einer vollständigen Eliminierung der Salmonellen aus dem Darm.

Die Wirkung beruht auf der Modulation von Entzündungssignalen durch reduzierte Proteinphosphorylierung. Diese Ergebnisse unterstreichen das Potenzial von Pflanzenstoffen als natürliche Alternative zu Antibiotika in der Tierhaltung, um die Gesundheit und Leistung von Geflügel zu fördern.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

Reduktion von Entzündungen
Die höhere Dosis der Mischung (Blend 1000) reduzierte die durch Salmonella Enteritidis verursachte Entzündung signifikant, indem sie die Proteinphosphorylierung und damit die Entzündungsreaktion im Darm modulierte.

Verbesserte Wachstumsleistung
Hühner, die mit Blend 1000 gefüttert wurden, zeigten eine deutliche Steigerung des Körpergewichts (+153 g im Vergleich zur Kontrollgruppe).

Effektive Eliminierung von Salmonellen
Die Mischung führte zu einer vollständigen Eliminierung der Salmonellen aus dem Darm und der Leber, während Antibiotika wie Tylosin und Neomycin dies nicht durchgängig erreichten.

Dosisabhängige Wirkung
Die höhere Dosis (Blend 1000) zeigte deutlich bessere Ergebnisse als die niedrigere Dosis (Blend 500), was die Bedeutung der richtigen Dosierung unterstreicht.

Natürliche Alternative zu Antibiotika
Thymolbasierte Pflanzenstoffe bieten eine vielversprechende, natürliche Alternative zu Antibiotika, um die Gesundheit und Leistung von Geflügel zu fördern und gleichzeitig die Entzündungsbelastung zu reduzieren.

Studie*: Casey N. Johnson et al. (2025): A thymol-based blend of botanicals reduces Salmonella induced inflammation by altering key inflammatory signaling intermediates differentially depending on dose and in a manner distinct from in-feed antibiotics. Poultry Science Volume 104, Issue 11.

Link zur Original-Studie

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 5/2025

Auf Anforderung schicken wir Ihne auch gerne die komplette Ausgabe des E-Magazins 5/2025 (PDF, 9,0 MB). Senden Sie einfach eine E-Mail an wengenroth@der-hoftierarzt.de

Ähnlichkeit zwischen Zellen von Mensch und Rind könnte Wirkstoffforschung voranbringen

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Eine Art „Suizidprogramm“ ist Teil des Stoffwechsels jeder Zelle: Forschende untersuchen, wie die Apoptose, also der programmierte Zelltod, beeinflusst werden könnte, um Krebs oder andere schwere Erkrankungen zu behandeln. Zum Testen möglicher Wirkstoffe nutzen sie häufig Zellen von Mäusen. Veterinärmediziner:innen der Universität Leipzig haben jetzt herausgefunden, dass Rinderzellen menschlichen Zellen in bestimmten Aspekten stärker ähneln als Mauszellen und für die Entwicklung neuer Wirkstoffe genutzt werden könnten.

Der Begriff Apoptose bezeichnet den Vorgang, mit dem geschädigte oder nicht mehr benötigte Zellen in einem Organismus natürlicherweise eliminiert werden. Wie dieser Mechanismus gezielt beeinflusst werden könnte, um Krebs oder andere schwere Erkrankungen beim Menschen zu behandeln, beschäftigt Forschende seit Längerem.

Prof. Dr. Frank Edlich von der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig forscht zur mitochondrialen (also aus dem Inneren der Zelle angestoßenen) Apoptose und nimmt dabei eine zwischen verschiedenen Tierarten und dem Menschen vergleichende Perspektive ein. Durch eine Zusammenarbeit mit der Universitätsmedizin Leipzig konnten er und sein Forschungsteam menschliche Blutproben mit Zellen und Geweben von Rind, Maus, Schaf und Schwein vergleichen. Die Forschenden fokussierten sich in ihrer Studie auf die Proteine BAX und BAK, die den programmierten Zelltod initiieren. Sie untersuchten mit biochemischen Proteinanalysen, wo sich BAX und BAK in den Zellen der untersuchten Arten befinden und wie sie sich an der Mitochondrienmembran organisieren. In einem Versuch mit Rinderleberzellen wendeten die Wissenschaftler:innen zudem verschiedene Wirkstoffe an und verfolgten den Ablauf des programmierten Zelltods anhand mehrerer unabhängiger Messgrößen sowie mit hochauflösender Mikroskopie.

Sie stellten fest, dass Rinderzellen mit Blick auf die zentralen Zelltodproteine BAX und BAK menschlichen Zellen stärker ähneln als die häufig verwendeten Mauszellen. Zum einen ist das Rinderprotein BAX dem menschlichen Protein ähnlicher als das der Maus, zum anderen sind BAX und BAK an der Mitochondrienmembran von Rind und Mensch ähnlich verteilt und organisiert.

Rinderzellen könnten deshalb als ergänzendes Testsystem helfen, Wirkungen und Nebenwirkungen von potentiellen Wirkstoffen zuverlässiger auf den Menschen zu übertragen. „Wir haben einen konkreten mechanistischen Maßstab identifiziert, der bei der Auswahl geeigneter präklinischer Modelle berücksichtigt werden kann“, erklärt Professor Edlich. „Dadurch könnten Fehlbewertungen bereits in frühen Phasen der Wirkstoffentwicklung vermieden werden.“ Er unterstreicht, dass die nachgewiesene Ähnlichkeit zwischen Rind und Mensch sich ausschließlich auf die Regulation von BAX und BAK bei der mitochondrialen Apoptose beziehen.

Im nächsten Schritt wollen die Forschenden prüfen, wie stabil diese Übereinstimmung zwischen Rind und Mensch in weiteren Zelltypen und bei weiteren Wirkstoffen ist. Daraus könnten standardisierte Rinderzellmodelle entstehen, die präklinische Tierversuche gezielter ergänzen und in geeigneten Bereichen teilweise ersetzen. Entscheidend sei, ihren Anwendungsbereich und ihre Grenzen genau zu bestimmen, so Edlich.

Die Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler:innen vor Kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „Archives of Toxicology“. Das Projekt wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert.

Quelle: Universität Leipzig

Modifikation des Mikrobioms mit Postbiotika: Eine Alternative zur Reduzierung von ETEC-Infektionen? (AdA)

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Aus dem Archiv (AdA 5/2025) und immer noch aktuell

Enterotoxigene F4-Escherichia coli (F4-ETEC) stellen aufgrund des durch sie verringerten Wachstums, der erhöhten Mortalität und Morbidität sowie der erhöhten Behandlungskosten eine wirtschaftliche Bedrohung für die Schweineindustrie dar. Prävention und Behandlung von F4-ETEC basieren häufig auf Antibiotikagaben. Aufgrund der Gefahr einer antimikrobiellen Resistenz wird der Einsatz antimikrobieller Mittel jedoch minimiert, weshalb alternative Kontrollmethoden erforderlich sind.

Postbiotika sind die Fermentationsprodukte probiotischer Stämme. Sie bieten möglicherweise eine alternative Strategie zur Minimierung des Antibiotikaeinsatzes nach dem Absetzen. Die Mischung aus Zuckern, Proteinen und Aminosäuren in Fermentationsprodukten wird auf ihre positiven Auswirkungen auf die Mikrobiota des Magen-Darm-Trakts und die Gesundheit des Wirtes untersucht, um vor Krankheitserregern und den damit verbundenen Erkrankungen zu schützen. Laktobazillen und die Hefeart Saccharomyces cerevisiae sind zwei erforschte Probiotika. Studien beschreiben eine Linderung der klinischen Symptome einer F4-ETEC-Infektion bei Schweinen.

In dieser Studie* wurden die Auswirkungen von Fermentationsprodukten von Lactobacillus acidophilus (LFP) und Saccharomyces cerevisiae (SFP) auf Schweine untersucht, die mit einem F4-ETEC-Stamm infiziert wurden. Achtzig Schweine wurden anhand eines F4-ETEC-Empfindlichkeitstests im Vorfeld ausgewählt. Die Tiere wurden in 5 Behandlungen mit jeweils 4 Wiederholungen aufgeteilt. Die Schweine wurden 5 verschiedenen Diäten zugeteilt: einer Kontrolldiät (CON); CON-Diät mit 3.000 ppm Zinkoxid (ZnO); CON-Diät mit 2.000 ppm LFP (LFP); CON-Diät mit 2.000 ppm SFP (SFP); CON-Diät mit sowohl 2.000 ppm LFP als auch 2.000 ppm SFP (LAS). Die Schweine wurden zweimal mit F4-ETEC behandelt, am Tag 0 und am Tag 1 des Experiments.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

1. Keine signifikanten Unterschiede in der Kotkonsistenz und F4-ETEC-Konzentration: Es wurden keine signifikanten Unterschiede in der Kotkonsistenz oder der Konzentration von F4-ETEC im Kot von Schweinen festgestellt, die mit Lactobacillus acidophilus Fermentationsprodukten (LFP) und/oder Saccharomyces cerevisiae Fermentationsprodukten (SFP) behandelt wurden.

2. Erhöhte bakterielle Diversität und Häufigkeit von Lactobacillaceae: Die Diversität und die Häufigkeit von Lactobacillaceae im fäkalen Mikrobiom der Schweine, die mit LFP und/oder SFP behandelt wurden, waren erhöht. Dies wurde mit einem verbesserten Wachstum und einem besseren Gesundheitszustand in Verbindung gebracht.

3. Erhöhtes Endgewicht: Schweine, die mit der Kombination aus LFP und SFP (LAS-Gruppe) gefüttert wurden, zeigten ein signifikant höheres Endgewicht (17,9 kg) im Vergleich zu den Kontroll- und ZnO-Gruppen (16,1 bzw. 16,2 kg).

4. Keine vollständige Entfernung von ETEC erforderlich: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Bewältigung von ETEC-bedingten Leistungseinbußen möglicherweise keine vollständige Entfernung von ETEC aus dem Produktionssystem erfordert. Die Modifikation des Mikrobioms durch die Kombination von LFP und SFP könnte eine alternative Strategie zur Reduzierung der Auswirkungen von ETEC-Infektionen sein.

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass die Kombination von LFP und SFP das fäkale Mikrobiom positiv beeinflusst und die Wachstumsleistung von F4-ETEC-infizierten Schweinen verbessert, ohne dass eine vollständige Entfernung des Erregers notwendig ist.

Studie*: Cherrington et al. (2025): Lactobacillus and Saccharomyces fermentation products impact performance and the fecal microbiome in weanling pigs inoculated with enterotoxigenic Escherichia coli. Journal of Animal Science, Volume 103,2025.

Link zur Original-Studie

E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 5/2025

Auf Anforderung schicken wir Ihne auch gerne die komplette Ausgabe des E-Magazins 5/2025 (PDF, 9,0 MB). Senden Sie einfach eine E-Mail an wengenroth@der-hoftierarzt.de

Neues „Bee Lab“ am Campus Dieburg

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Zehntausende beflügelte Kommilitoninnen tummeln sich neuerdings am Campus Dieburg. Im neuen „Bee Lab“ der Hochschule Darmstadt produzieren sie nicht nur h_da-Hochschul-Honig, ihr fleißiges Treiben nutzen Studierende wie Lehrende aus verschiedensten Studiengängen auch für anwendungsorientierte wissenschaftliche Projekte.

Vier Bienenvölker betreut Bee Lab-Leiter und Informatik-Professor Marcus Zinn, selbst auch Imker, auf einer Campuswiese. Zusammen mit seinen Studierenden stattet er die Bienenstöcke – Bienenbeuten in der Fachsprache – mit Sensoren aus. Sie liefern Daten direkt aus den Beuten, die mit KI weiterverarbeitet werden und Grundlage für eine offene Forschungsplattform sind, an der sich Interessierte aus der gesamten Hochschule beteiligen können. Erfasst werden zum Beispiel Daten zum Kommunikationsverhalten von Bienen, die sich über Vibrationen verständigen.

Zahlreiche Projekte rund um das Bee Lab sind mittlerweile angelaufen: Wirtschafts-Studierende planen einen Digitalen Zwilling und somit eine 1:1-Digitalkopie eines Bienenstocks, Mathematik-Studierende möchten die Beuten mit Kameras ausstatten für Projekte zur Bilderkennung. Studierende der Gesellschaftswissenschaften interessieren sich wiederum für soziale Dynamiken und nachhaltige Aspekte. Kreativstudierende nutzen zum Beispiel die Sounds der Bienen für künstlerische Audioprojekte.

Ein Projektteam aus dem Studiengang Onlinekommunikation arbeitet aktuell an einem Chatbot, der Echtzeitdaten aus dem Bienenstock in ein Gespräch in natürlicher Sprache übersetzt. Mit diesem Projekt möchte sich das Bee Lab künftig an Schulen wenden, um Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte dabei zu unterstützen, Lernziele zu erreichen und KI an einem greifbaren Beispiel zu verstehen. Prof. Dr. Marcus Zinn kann sich zudem vorstellen, einen digitalen Lehrbienenstand zu entwickeln.

„Das Bee Lab bietet den Studierenden die Gelegenheit, Themen aus ihrem Studium in einem besonderen Praxisprojekt anzuwenden“, sagt Prof. Dr. Marcus Zinn. Zum Schutz der Insekten und auch zum Schutz der Studierenden darf zwar nur er als Imker direkt in den Beuten arbeiten. „Die Auseinandersetzung mit den sozialen und sensiblen Tieren ist für viele Studierende jedoch eine eindrucksvolle Erfahrung.“

Doch nicht nur die Hochschule freut sich über die Chancen, die das interdisziplinäre Bee Lab bietet. Auch ein ungebetener Gast hat die Bienenstöcke im Visier: die asiatische Hornisse. Sie tötet gezielt Bienen und bedroht die Populationen. Prof. Dr. Marcus Zinn arbeitet kontinuierlich an Schutzmaßnahmen, um die produktiven Insekten zu schützen. Ein Hintergrundartikel hierzu findet sich in unserem Wissenschaftsmagazin impact.

Quelle: Hochschule Darmstadt

Heimische Eiweißträger in der Schweinefütterung: Webinar liefert Praxiswissen und neue Impulse – am 3. 9. 2026

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Wie lassen sich heimische Eiweißfuttermittel sinnvoll in der Schweinefütterung einsetzen? Welche Erfahrungen gibt es aus der Praxis und wo liegen Chancen für Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung? – Antworten auf diese Fragen liefert ein Webinar, zu dem proteinmarkt.de und LeguNet am 3. September 2026 einladen.

Heimische Eiweißfuttermittel gewinnen in der Schweinefütterung weiter an Bedeutung. Ob Erbsen, heimisches Soja oder Leinprodukte – gefragt sind Lösungen, die wirtschaftlich tragfähig sind, zur regionalen Wertschöpfung beitragen und zugleich neue Perspektiven für eine nachhaltigere Fütterung eröffnen.

Genau hier setzt das Webinar „Schweinefütterung mit heimischen Eiweißträgern – Chancen, Erfahrungen & Praxiswissen“ an, zu dem proteinmarkt.de und LeguNet am 3. September 2026 von 10:00 bis 12:00 Uhr einladen. Die Veranstaltung findet online via MS Teams statt.

Forschung trifft Futtertrog
Zum Auftakt gibt Dr. Wolfgang Preissinger von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft einen Überblick über den Einsatz heimischer Eiweißträger in der Schweinemast und skizziert aktuelle Entwicklungen aus Forschung und Praxis.

Anschließend wird es konkret: Drei Praktiker zeigen, wie unterschiedliche Konzepte in ihren Betrieben umgesetzt werden. Dabei geht es um den Einsatz von Erbsen und heimischem Soja, um Winter- und Sommererbsen in Anbau und Verwertung sowie um das Konzept des Omega-3-Schweins mit Leinprodukten zur Anreicherung von Omega-3-Fettsäuren im Schweinefleisch.

Praxisnah, kompakt und diskussionsfreudig
Das Webinar richtet sich an alle, die sich mit moderner Schweinefütterung beschäftigen und nach fachlich fundierten, zugleich aber praxisnahen Ansätzen suchen. Neben den Vorträgen bietet die Veranstaltung auch Gelegenheit, Fragen direkt mit den Referenten zu diskutieren.

Kostenlos anmelden – direkt online
Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist direkt online möglich.

Quelle: OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland

Weniger ist mehr: Präzisere Messung des Stallklimas durch Sensoren an den richtigen Stellen

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Wo sollte ein Sensor positioniert werden, um möglichst viel über die Luftströmung in einem Stall zu verraten? Mehr Sensoren liefern zwar mehr Daten, aber nicht zwangsläufig mehr Erkenntnisse. Forschende des Leibniz-Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. haben nun einen datengestützten Ansatz entwickelt, der die Messpositionen identifiziert, die die meisten Informationen liefern. Damit legen sie einen Grundstein für ein effizienteres Umweltmonitoring und zukünftige Minderungsmaßnahmen für Schadgase in der Tierhaltung.

Nicht mehr, sondern besser messen
Wer Luftströmungen und damit die Ausbreitung schädlicher Gase in einem Stall messen möchte, steht vor einer großen Herausforderung: Luft ist ständig in Bewegung, ändert mit jedem Windstoß die Richtung und erzeugt je nach Gebäudestruktur komplexe Strömungsmuster und Wirbel. Theoretisch müssten überall Messungen durchgeführt werden. Gleichzeitig machen dichte Sensornetzwerke Messkampagnen teuer und sind oft nicht praktikabel. Die entscheidende Frage lautet daher: Wo sollten Sensoren platziert werden, um die relevantesten Informationen zu erfassen?

Forschende des ATB haben dazu eine neue Methode in der Fachzeitschrift „Smart Agricultural Technology“ veröffentlicht. Dr. Long Chen, Wissenschaftler am ATB und Erstautor der Studie, erklärt: „Wir wollten nicht einfach so viele Strömungssimulationen wie möglich berechnen, sondern solche, auf die wir uns verlassen können. Mithilfe der Computational Fluid Dynamics, kurz CFD, berechneten wir die Luftbewegung bei verschiedenen Windrichtungen und Strömungsbedingungen in einem natürlich belüfteten Milchviehstall. Diese Simulationen validierte unser hervorragendes Team im großen Grenzschicht-Windkanal des ATB. Erst als die Computersimulationen und die Windkanalmessungen vergleichbare Ergebnisse lieferten, erzielten wir auch eine zuverlässige Referenzdatenbank. Mit Messungen allein im Stall hätten wir eine solche Genauigkeit kaum erreichen können.“

Erkennen, wo Daten besonders wertvoll sind
Auf der Grundlage der validierten Simulationen entwickelten die Forschenden ihren eigentlichen Ansatz. Sie nutzten die Shannon-Entropie, ein mathematisches Maß für den Informationsgehalt. Anstatt zu fragen, wo sich die Luft besonders schnell bewegt, fragten sie, wo sich ihr Verhalten unter verschiedenen Windbedingungen am deutlichsten ändert. Genau an diesen Stellen versprechen Sensoren die meisten Informationen. Diese Messpunkte stehen in Zusammenhang mit der lokale mittlere Luftverweildauer – einem wichtigen Indikator für die Belüftungsqualität, der beschreibt, wie lange die Luft durchschnittlich im Stall verbleibt.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass bei der in dieser Studie untersuchten Stallkonfiguration bereits 15 bis 20 sorgfältig positionierte Sensoren fast denselben Informationsgehalt liefern können wie ein deutlich dichteres Messnetz. Dies eröffnet völlig neue Möglichkeiten, das Stallklima sowohl präzise als auch kosteneffizient zu überwachen“, so Dr. Long Chen.

Eine Grundlage für bessere Maßnahmen zur Emissionsminderung
Die Studie zeigt, wie gezielte Strömungssimulationen in konkrete Empfehlungen für die praktische Anwendung umgesetzt werden können. Davon profitieren nicht nur zukünftige Forschungsprojekte. Langfristig legt der Ansatz auch den Grundstein für effizientere Umweltmonitoringsysteme in Stallgebäuden. Zuverlässigere Informationen über Luftströmungsmuster können zudem die Bewertung von Belüftungssystemen verbessern und die Entwicklung gezielter Maßnahmen zur Emissionsminderung unterstützen.

Originalpublikation:
Chen, L.; Thormann, L.; Amon, T.; Yi, Q.; Wu, W.; Janke, D. (2026): CFD-informed sensor placement optimization for predicting local mean age of air in naturally ventilated livestock buildings. Smart Agricultural Technology. (August): p. 102319. Online: https://doi.org/10.1016/j.atech.2026.102319

Quelle: Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB)

Hitzestress-Webinar. Kostenfrei am 11. 8. 26 von 19.00 – 21.00 Uhr

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und das Netzwerk Fokus Tierwohl laden zum kostenfreien Online-Semiar am 11. August ein:

Akutmaßnahmen bei Hitzeperioden / Schwein u. Geflügel

Temperaturschwankungen und plötzlich eintretende Hitzewellen sind mittlerweile in Deutschland keine Seltenheit mehr. Die Höchsttemperaturen erreichen neue Rekorde und die Ställe sind auf diese Klimaveränderungen oft nicht ausgelegt. Dadurch entsteht bei den Tieren im Stall Hitzestress, welcher zu gesundheitlichen Problemen, Stress, Leistungseinbußen und sogar Todesfällen führen kann. Um erneuten Hitzewellen sicherer begegnen zu können, bietet das Netzwerk Fokus Tierwohl ein Online-Seminar zu Akutmaßnahmen bei Hitzeperioden an. Dabei wird in zwei Vorträgen auf die beiden Schwerpunktthemen Geflügel und Schwein eingegangen und anschließend können offene Fragen zu dem Thema diskutiert und beantwortet werden.

Referenten
Wilfried Brede (Spezialberatung Schwein)
Dr. med. vet. Kristian Düngelhoef (Fachtierarzt für Geflügel)

19.00 – 21.00 Uhr

Physiologische Auswirkungen von Hitzestress bei Schweinen und Maßnahmen zu dessen Reduzierung
Wilfried Brede I STA-Serviceteam Alsfeld GmbH

Hitzestress beim Geflügel reduzieren
Dr. med. vet. Kristian Düngelhoef I Tierarztpraxis an der Güterstraße

Sie erhalten nach der Veranstaltung unaufgefordert eine Teilnahmebscheinigung sowie die Handouts.

Aufgrund einer Förderung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat im Rahmen des Projektes Netzwerk Fokus Tierwohl entfallen die für dieses Seminar üblichen Kosten.

Link zur Anmeldung

Quelle: Tierärztekammer Niedersachsen