Als Vorsichtsmaßnahme gegen eine mögliche Pandemie wurde in Großbritannien damit begonnen, Freiwillige mit einem neuen H5N1-Vogelgrippe-Impfstoff zu impfen. Der Impfstoff zielt auf den Grippestamm H5N1 ab, der bei Vögeln zu weit verbreiteten Ausbrüchen geführt hat und auch bei einigen Säugetieren nachgewiesen wurde.
Auch wenn bisher fast alle Fälle beim Menschen mit engem Kontakt mit infizierten Tieren zusammenhängen besteht für die Zukunft durchaus ein solches Risiko. Weil sich Influenzaviren ständig weiterentwickeln, sind kontinuierliche Überwachung und Impfstoffentwicklung für die Pandemievorsorge von entscheidender Bedeutung.
Ziel der Studie ist es, Menschen aus den beiden am stärksten gefährdeten Gruppen zu rekrutieren, Personen die in der Geflügelindustrie arbeiten oder über solche die 65 Jahre alt sind. An dem Versuch werden insgesamt 4.000 Personen beteiligt sein.
Die ersten Freiwilligen in England, Schottland und den USA wurden jetzt mit einem Impfstoff geimpft. der auf der gleichen mRNA-Technologie basiert, wie aktuelle Covid-Impfstoffe. Dies könnte eine schnelle und groß angelegte Entwicklung des Impfstoffs im Falle einer Pandemie ermöglichen.
*AG Tiergesundheit und Tierverhalten „Netzwerk Fokus Tierwohl“
Die Klauengesundheit ist ein zentraler Aspekt für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Sauen. Eine mangelhafte Klauengesundheit im Bestand gilt zudem als tierschutzrelevant und macht das Einleiten geeigneter, zielgerichteter Maßnahmen erforderlich. Sauenabgänge aufgrund von Fundamentproblemen bzw. Klauenerkrankungen stellen in der Praxis nach wie vor eine Herausforderung dar. Klauenerkrankungen können neben einem vorzeitigen Abgang der Sau auch zu Minderleistungen, höheren Ferkelverlusten und geringerer Fruchtbarkeit führen. Zahlreiche Faktoren aus den Bereichen Haltung, Züchtung, Management und Fütterung, sowie weitere tierbezogene Faktoren beeinflussen die Gesundheit und Belastbarkeit der Klauen. Eine systematische Betrachtung dieser Einflussgrößen stellt die Grundlage für das zügige Erkennen der Problembereiche und das Einleiten gezielter Präventionsmaßnahmen dar, sodass die Klauengesundheit im Sauenbestand langfristig verbessert werden kann.
1. Klauenaufbau
Um die Klauengesundheit im Stall zu verbessern, ist es wichtig, den Aufbau der Klauen zu verstehen. Schweine laufen auf Zehenspitzen, sodass sie im Vergleich zu uns Menschen eine sehr kleine Auftrittsfläche haben, die eine sehr große Druckbelastung tragen muss. Das Schwein gehört zu den Paarzehern: statt fünf Zehen wie beim Menschen haben sie zwei Hauptklauen und zwei Afterklauen. Die Afterklauen berühren den Boden auf festem Untergrund nicht, sondern übernehmen nur beim Einsinken in weichem Boden eine Stützfunktion.
Bildquelle: MuD Tierschutz, BLE
Die Schweineklaue hat eine sehr harte Hornwand, eine harte Sohle und einen weichen Ballen, der einen Großteil der Unterseite und die Seitenfläche der Klauen einnimmt. Die verschiedenen Hornsegmente der Klauen haben unterschiedliche Härtegerade, die unmittelbar aufeinanderstoßen und die Klaue an diesen Stellen empfindlicher für Risse und Verletzungen macht. So grenzt das harte Kronhorn an das weiche Saumsegment, das den Übergang zur behaarten Haut darstellt. Das härtere Sohlen- und Wandhorn stößt an das weichere Ballenhorn. Auch die weiße Linie, an der das Wandhorn an das Sohlenhorn grenzt, stellt einen solchen Übergangsbereich dar.
Je nach Alter der Schweine wächst das Horn unterschiedlich schnell nach. Ab einem Alter von einem Jahr liegt das Wachstum durchschnittlich bei 5-6 mm pro Monat.
Bildquelle: MuD Tierschutz, BLE
Der Winkel zwischen der vorderen Wand- und der Sohlenfläche ist entscheidend für die Gesunderhaltung der Klauen: Je länger die Klauen werden, umso spitzer wird auch der Winkel (sogenannte Stallklauen). Im Normalfall sollte er zwischen 50° und 60° liegen. Bei einem spitzeren Winkel verlagert sich der Druckpunkt der Fußungsfläche auf den Ballenbereich, dessen Hornhärte hierfür nicht ausgelegt ist.
2. Stallboden und Untergrund
Der Stallboden hat einen großen Einfluss auf den Abrieb der Klauen und die gesamte Klauengesundheit. Während eines Produktionszyklus durchlaufen Sauen oft verschiedene Bodenarten. Im Deck- und Wartestall gibt es häufig Betonspalten, während die Abferkelbuchten meistens mit Metall- oder Kunststoffspalten ausgestattet sind. Teilweise werden die Spalten im Abferkelabteil auch mit Gummimatten ausgelegt, um Druckverletzungen zu reduzieren. Besonders hier im Abferkelbereich, in dem verschiedene Materialien verwendet werden, ist auf eine hohe Standsicherheit zu achten. Materialübergänge sollten dabei ebenmäßig ausgeführt sein – ohne Risse oder Kanten und mit durchgehend gleichem Niveau. Im Deck- und Wartestall können Gummimatten unterschiedliche Auswirkungen haben und ihr Einfluss auf Afterklauenabrisse, Wandhornabschürfungen, Lederhautblutungen, Hornrisse und Sohlendefekte scheint je nach Zeitpunkt unterschiedlich zu sein.
Die Rutschfestigkeit und Trittsicherheit eines Bodens hängen von Material, Oberflächenprofil und Verschmutzungsgrad ab. Gummimatten, kunststoffummantelter Streckmetallboden (Polyethylen-beschichtete Roste) sowie Beton weisen hohe Gleitreibwerte auf und sind daher rutschfest. Glatte Materialien wie Polypropylen sind hingegen nicht empfehlenswert. Zu glatte Böden sorgen außerdem für einen unzureichenden Klauenabrieb und eine Fehlbelastung der Klauen. Zu raue Böden hingegen können zu einem übermäßigen Abrieb führen, wodurch Lederhautblutungen und Ballenhornwucherungen entstehen können.
Feuchtigkeit und Verschmutzungen senken die Rutschfestigkeit des Bodens je nach Material unterschiedlich stark, wodurch das Verletzungsrisiko vor allem bei glatten Böden steigt. Zudem quillt das Horn durch Feuchtigkeit wie Urin oder nasse Einstreu auf. Bei einem Wechsel zu trockenen Böden härtet das Horn wieder aus und wird porös, wodurch die Bildung von Rissen begünstigt wird. Durch diese Risse können unter Umständen Krankheitserreger eindringen und Infektionen verursachen. In diesem Zusammenhang sollten Temperatur und Luftfeuchtigkeit stets im Blick behalten und bei Bedarf angepasst werden.
Gemäß der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sind für Sauen, Jungsauen und Eber Spaltenböden mit Spaltenbreiten von maximal 20 mm zulässig. Empfohlen werden Auftrittsbreiten je nach Funktionsbereich zwischen 80 und 200 mm und Spaltenbreiten zwischen 17 und 20 mm.
Bei neuen Betonspaltenböden besteht die Gefahr, dass das Verletzungsrisiko infolge von scharfen Graten an den Kanten der Spalten steigt. Werden keine bereits entgrateten Spaltenböden verlegt, sollten diese daher entgratet werden bevor die ersten Tiere eingestallt werden, z.B. durch den Einsatz einer Flex. Außerdem können ätzende Betonsäuren das Klauenhorn schädigen. Vor der ersten Aufstallung können diese durch Ausbringen einer 10%igen Sodalösung abgepuffert werden.
Ein guter Zustand der Spaltenböden, insbesondere die Abwesenheit scharfer Kanten und ausgebrochener Spalten, ist Grundvoraussetzung für den Erhalt der Klauengesundheit.
Die Haltung auf trockenem Stroh führt zu einer tendenziell besseren Klauengesundheit als die Haltung auf Betonböden. Allerdings führt Stroh auch zu einem geringen Abrieb und begünstigt somit unter Umständen die Bildung von Stallklauen. Besonders bei ausschließlicher Haltung auf Tiefstreu über einen langen Zeitraum können die Klauen übermäßig wachsen, wodurch Fehlbelastungen an der Klaue bedingt werden. Die Kombination von Betonböden mit eingestreuten Flächen je nach Funktionsbereich kann die Klauengesundheit fördern.
Eine weitere Herausforderung stellt die Bodenbeschaffenheit im Abferkelbereich dar. Die Sau benötigt einen möglichst trittsicheren Boden, während die Ferkel einen nicht zu rauen Untergrund brauchen, damit beim Anrüsten am Gesäuge die Gelenke keine Schürfwunden erhalten.
Da der Grundstein für eine gute Klauengesundheit bereits im Ferkelalter gelegt wird, ist es insbesondere für Eigenremontierer, aber auch in der Jungsauenaufzucht wichtig auf eine dem Alter und Körpergewicht angepasste Bodenbeschaffenheit zu achten. Zuchtläufer, die mit mehr als 25 kg Körpergewicht noch auf Kunststoffrosten gehalten werden, neigen dazu, als ausgewachsene Sau schneller durchtrittig zu werden.
Weiterhin umfasst ein wirksames Hygienekonzept trockene, leicht zu reinigende Flächen mit ausreichendem Gefälle sowie regelmäßige Kotentfernung. Arbeitsgeräte sind regelmäßig zu reinigen, zu desinfizieren und klar einem Bereich zuzuordnen, um Infektionsketten zu unterbrechen. Nach Möglichkeit sollten die Ställe – besonders der Besamungsbereich – regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.
Egal, ob es sich um Spaltenböden aus Kunststoff oder Beton oder planbefestigte Böden mit oder ohne Einstreu handelt, jeder Stallboden hat seine Vor- und Nachteile. Derzeit stellen alle Bodenmaterialien einen Kompromiss zwischen Klauengesundheit, Hygiene, Komfort, Thermoregulation und den unterschiedlichen Ansprüchen je nach Lebensabschnitt dar. Die Verwendung unterschiedlicher Materialien in einzelnen Funktionsbereichen kann daher sinnvoll sein. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Böden trocken und sauber sind.
3. Raum- und Buchtenstruktur
Eine klare Trennung der Funktionsbereiche (Liege-, Kot-, Fress- und Aktivitätsbereich) vermeidet Verunreinigungen und reduziert somit Verletzungen durch Ausrutschen und die Infektion von Klauenläsionen. Lange Laufwege zum Fressplatz bzw. das häufige Aufsuchen von diesem, wie es beispielsweise in Systemen mit einer ad libitum Abruffütterung stattfindet, belasten die Klauen vermehrt und führen vor allem zu Ballenveränderungen. In restriktiven Fütterungssystemen (z.B. Drippelfütterung) wird der Fressplatz weniger häufig aufgesucht, was die Laufwege verkürzt und in Untersuchungen zu 16-17 % weniger Sauen mit schweren Ballenveränderungen führte. Kommt es infolge instabiler Sauengruppen zu mehr Aggressionen am Fressplatz, ist ebenfalls mit schwereren Ballenveränderungen zu rechnen.
Breite Laufgänge von über 3 m geben rangniederen Sauen Ausweichmöglichkeiten und reduzieren so Klauenverletzungen, die im Rahmen von Rangkämpfen bei Rückwärts- und Drehbewegungen entstehen können. Getrennte Fressplätze mit Trennwänden verringern den Konkurrenzdruck und unterstützen die Klauengesundheit in ähnlicher Weise. Auch Selbstfangbuchten sind geeignet, da sie Schutz vor Angriffen von Artgenossen bieten und somit Stress und Klauentraumata reduzieren.
4. Management
Auch beim Management ist das Ziel, den Stress und das damit verbundene Verletzungsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren.
Feste Gruppen, in denen Rangordnungskämpfe auf ein Minimum beschränkt werden können, sind empfehlenswert.
Sind die Sauengruppen sehr homogen, haben alle Tiere die gleichen Zugangschancen zu Ressourcen. Allerdings können Rangordnungskämpfe länger andauern als in heterogenen Gruppen mit großen Gewichtsunterschieden. Hier laufen besonders Jungsauen Gefahr, sich gegenüber stark konditionierten Altsauen nicht durchsetzen zu können.
Insbesondere kleine Tiergruppen sollten konstant gehalten und ein Nachstallen von Einzeltieren vermieden werden. Schweine erkennen sich in Gruppen mit 20-30 Individuen sicher und eine feste Rangordnung kann sich einstellen. In Großgruppen mit über 60 Tieren kann die Zusammenstellung etwas dynamischer sein, da die Tiere größere räumliche Distanzen aufbauen und Konflikten besser aus dem Weg gehen können.
Bei Jungsauen ist eine sorgfältige Kontrolle bei und nach der Anlieferung entscheidend, da nur gesunde Tiere die Basis für eine erfolgreiche Ferkelproduktion bilden. Häufig entstehen Probleme durch unzureichend eingestreute Quarantäneställe in Altgebäuden, da feuchte Einstreu das Klauenhorn aufweicht, wodurch Hornrisse in der späteren Haltung auf Spaltenböden begünstigt werden. Eine ruhige Eingliederung, stabile Gruppen mit angepasster Belegdichte sowie gegebenenfalls die Integration erst nach dem ersten Abferkeln können Klauenprobleme und Verletzungen wirksam reduzieren.
5. Fütterung und Nährstoffversorgung
Für die Bildung von qualitativ hochwertigem Horn ist eine ausreichende Versorgung mit Aminosäuren (z.B. Cystein, Methionin und Histidin), aber auch mit verschiedenen Mengen- und Spurenelementen (z.B. Kalzium, Zink, Kupfer, Mangan und Selen) sowie mit Vitaminen (z.B. Biotin, Vitamine A, D, C und E) und Fettsäuren (z.B. Linolsäure) essenziell. Wird über eine klauengesundheitsfördernde Ausgestaltung des Futters nachgedacht, hat bislang insbesondere die langfristige, parallele Supplementierung mehrerer Stoffe zu einer Verbesserung der Klauengesundheit geführt. Besonders Biotin, Cystein, Mangan, Zink und Kupfer konnten in unterschiedlichen Studien zur Stabilisierung der Klauengesundheit beitragen. Speziell für Biotin gilt jedoch, dass Effekte auf die Klauengesundheit teilweise erst nach einer Supplementierungsdauer von sechs Monaten erzielt wurden. Liegen die Spurenelemente organisch gebunden in der Ration vor, werden sie besser verstoffwechselt. Daher wird ab der Jungsauenaufzucht die Zugabe der Spurenelemente in organisch gebundener Form für mindestens 50% des Angebots empfohlen, um eine gute Aushärtung des Klauenhorns zu erreichen. Nach der Eingliederung sollte wenigstens das Futter der tragenden Sauen entsprechend ausgestaltet sein.
Von entscheidender Bedeutung für die spätere Klauengesundheit ist auch die Konditionierung der Jungsauen. Ab einem Körpergewicht der Jungsauen von 30 kg können Tageszunahmen über 900 g zu einer Verschlechterung der Stabilität der Fundamente führen.
In der Wissenschaft werden die Auswirkungen des Entzündungs- und Nekrose- Syndroms des Schweines (SINS) auf die Klauengesundheit von Sauen diskutiert.
Ist die Darmwand des Tieres, z.B. aufgrund von energiereicher Fütterung mit geringen Rohfasergehalten geschädigt, können Toxine aus qualitativ minderwertigem Futter, besonders aber auch Toxine bakteriellen Ursprungs (sogenannte Endotoxine) die Darmbarriere überwinden und in den Blutkreislauf des Schweins gelangen. Hier wirken sie auf das Immunsystem des Körpers ein und setzen Entzündungsprozesse in der Sau in Gang. Weitere begünstigende Faktoren sind Hitzestress, Wassermangel, schlechte Wasserqualität oder stoffwechselintensive Phasen wie die Laktation. Als Folge können Entzündungen an Ohren, Schwänzen, Zitzen, Vulven oder den Klauen von Schweinen auftreten.
Sauen können, vergleichbar mit Rindern und Pferden, eine Klauenrehe entwickeln. Äußerlich ist dies an aufgewölbten Reheringen am Hornschuh sichtbar. Ähnlich wie Jahresringe bei Bäumen deutet die Anzahl der Reheringe auf die Häufigkeit entzündlicher Ereignisse in der Klaue hin. Bei schweren Verläufen kann das Gewebe so stark geschädigt werden, dass das Klauenbein rotiert und die Sauen behandlungsresistente Lahmheiten entwickeln.
Auch während der Aufzucht der Jungsauen sollte eine darmschonende Ration gefüttert werden, um SINS Symptome zu vermeiden und Klauenschäden vorzubeugen. Durch ausgewogene Rationen mit einer guten Ausstattung an faserreichem Getreide (Gerste) können Bildung und Aufnahme von Toxinen im Darm vermieden werden.
6. Tierbezogene Faktoren
Das Körpergewicht und das Alter von Sauen gelten als direkte Risikofaktoren für die Klauengesundheit. Beispielsweise erhöht gegen Ende der Trächtigkeit jedes Kilogramm mehr Körpergewicht das Risiko für Wandhornläsionen um drei Prozent. Ein höheres Körpergewicht führt zudem auch zu mehr Hornrissen. Die Außenklauen tragen dabei bis zu 78 % des Körpergewichtes der Sauen und sind daher häufiger von Klauenveränderungen betroffen.
Mit zunehmendem Alter, vor allem zwischen dem ersten und dritten Wurf, nimmt das Auftreten von Klauenveränderungen zu. Bei älteren Sauen kommen längere Klauen und Hornrisse häufiger vor.
Auch genetische Unterschiede zwischen den Rassen zeigen sich im unterschiedlich häufigen Auftreten von Klauenerkrankungen. Unterschiede zwischen Eigenremontierung und Zukauf konnten bislang nicht ausgemacht werden.
Umgang mit kranken und verletzten Tieren
Sauen, die Lahmheiten oder Verletzungen der Fundamente aufweisen, müssen sofort in eine Genesungsbucht separiert werden. Ein weicher, trockener Untergrund, z.B. eine Einstreu mit Stroh oder eine saubere Gummimatte fördern die Heilung. Auch die Gabe eines Schmerzmittels sollte erfolgen und sollte wie gegebenenfalls weitergehende Behandlungen mit dem Hoftierarzt abgestimmt werden.
Fazit
Die wesentlichen Einflussfaktoren auf die Klauengesundheit von Sauen sind Böden, Management, Fütterung, Alter und Körpergewicht. Bei Auffälligkeiten oder gesundheitlichen Problemen sollte der Hoftierarzt oder der Schweinegesundheitsdienst um Rat gefragt werden. In einer umfangreichen Beratung können alle diese Faktoren überprüft und bei Bedarf optimiert werden.
* Autoren AG Tiergesundheit und Tierverhalten „Netzwerk Fokus Tierwohl“:
Martin Dittmar, Impulsbetrieb Tierwohl
Prof. Dr. Isabel Henning-Pauka, Tierärztliche Hochschule Hannover
Prof. Dr. Johannes Kauffold, Universität Leipzig
Dr. Sandra Löbert, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Jochen Meyer, Impulsbetrieb Tierwohl
Dr. Hendrik Niehoff, LUFA Nord-West
Prof. Dr. Imke Traulsen, Universiät Kiel,
Dr. Dirk Bornhorn, Tierärztliche Hochschule Hannover
Dr. Maren Gerlach, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Imke Albers, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Marie Lamoth, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
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Kühlung und ausreichend Futter wichtig – Keine langen Tiertransporte erlaubt
Hohe Temperaturen sind nicht nur für Menschen eine erhebliche Belastung, auch für Nutz- und Haustiere sind Sonneneinstrahlung und Hitze gefährlich. Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) ruft Tierhalterinnen und Tierhalter daher zu besonderer Vorsicht auf.
Im Gegensatz zu Menschen können Hühner und Puten nicht schwitzen. Sie sind auf andere Hilfsmittel angewiesen, um der Hitze zu widerstehen. Eine häufige Überwachung der Stalltechnik und Betreuung der Tiere ist daher besonders wichtig. Außerdem kann eine Fütterung in den kühleren Abend- und Nachtstunden helfen. Mehr dazu kann in den „Merkblättern zur Vermeidung von Hitzestress bei Geflügel“ nachgelesen werden.
Die Informationen wurden in Zusammenarbeit von Tierhaltenden, Geflügelfachtierärztinnen und -ärzten und den niedersächsischen Veterinärbehörden erstellt.
Auch andere Tiere, wie z.B. Rinder, Schafe und Pferde können ebenfalls durch starke Sonnenstrahlung gefährdet werden. Werden die Tiere auf der Weide gehalten, sollte immer auch ausreichender Witterungsschutz und Zugang zu Wasser sichergestellt werden. Außerdem kann durch die Hitze die Futtergrundlage auf der Weide schwinden. Hier muss unter Umständen zugefüttert werden. In diesem Zusammenhang appelliert das ML aus gegebenem Anlass in Anlehnung an die Tierschutzleitlinie für die Schafhaltung auch an Schafhalterinnen und -halter, ihre Tiere vor der Sonne zu schützen. So sollte geprüft werden, ob allen Tieren ausreichend Schatten zur Verfügung steht (zum Beispiel durch einen Unterstand, Bäume oder Büsche), ob ausreichend sauberes Wasser zugänglich ist und den Schurtermin anzupassen (Wollvlies ist zusätzlicher „Dämmfaktor“, der die Abstrahlung der Körperwärme erschwert; insbesondere bei überlangem oder verfilztem Vlies kann es zu „Hitzestau“ kommen). Außerdem sollten Anstrengungen vermieden werden (zum Beispiel sollten bei Hütehaltung keine großen Distanzen zurückgelegt werden und Aktivitäten wie Umtreiben, Tierbehandlungen, Tiertransporte etc. auf die kühleren Morgenstunden verschoben werden) und der Weidegang und/oder die Fütterung früh am Morgen oder spät am Abend eingeplant werden.
Besondere Vorsicht gilt auch bei Haustieren: Hunde, Meerschweinchen, Vögel und Co. müssen ebenfalls vor der Hitze geschützt werden. Das bedeutet vor allem ausreichend Zugang zu Flüssigkeit und Schutz vor der Sonne. Und: Tiere sollten niemals in einem parkenden Auto zurückgelassen werden! Auch hier hält das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit nützliche Informationen bereit.
In diesem Zusammenhang weist das ML darauf hin, dass bereits im April ein Erlass zu Tiertransporten in der heißen Jahreszeit an die kommunalen Veterinärbehörden übersandt worden ist. Demnach sind Abfertigungen langer Tiertransporte von Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen, bei dem während des Transports keine aktive Kühlmöglichkeit besteht, ab einer Temperatur von 30 Grad Celsius zu verbieten.
Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Auf einer Fachtagung in Augsburg, organisiert von der Tierklinik Gessertshausen, kamen rund 100 Milchviehhalterinnen und Milchviehhalter zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen. In seinem Vortrag zur Fruchtbarkeit machte Dr. Sebastian Jander (Ceva Tiergesundheit) deutlich, dass erfolgreiche Milchviehhaltung heute vor allem ein konsequentes, gut abgestimmtes Management im Alltag erfordert.
Die durchschnittliche Nutzungsdauer unserer Milchkühe liegt aktuell bei nur 38,5 Monaten. Das ist deutlich zu wenig. Hauptabgangsgrund ist mit rund 16 % die Unfruchtbarkeit. Für die Praxis stellt sich daher nicht die Frage, ob Handlungsbedarf besteht, sondern wo man am effektivsten ansetzt.
Die Ursachen für die Fruchtbarkeitsprobleme sind komplex. Neben genetischen Einflüssen, die sich nur begrenzt steuern lassen, spielen vor allem Stoffwechsel, Fütterung, Tiergesundheit sowie Management- und Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle. Besonders kritisch ist die Phase nach der Kalbung. Hier treffen mehrere Belastungen gleichzeitig auf das Tier: hohe Milchleistung, negative Energiebilanz und ein erhöhtes Krankheitsrisiko.
Stoffwechselstörungen wie Ketosen und das damit verbundene Energiedefizit nach der Kalbung wirken sich direkt auf die Fruchtbarkeit aus. Gleichzeitig führt die hohe Milchleistung dazu, dass Hormone wie Östrogen und Progesteron schneller über die Leber abgebaut werden. Das verschlechtert die Konzeptionsrate und begünstigt Doppelovulationen sowie Zwillingsgraviditäten. Hinzu kommt, dass sich die Follikelentwicklung bei Hochleistungskühen oft verzögert, die Eizellen sind „älter“ und weniger befruchtungsfähig.
v.l.n.r.: Dr. Sebastian Jander (Ceva Tiergesundheit GmbH), Dr. Gregor Sigl (MSD Tiergesundheit), Laura Krey (dsp-Agrosoft GmbH), Tabea Klemens (Schippers GmbH), Joachim Mair (Schippers GmbH), Amelie Armbruster (Tierklinik Gessertshausen, Jan Thye-Lokenberg (dsp-Agrosoft GmbH), Stefanie Fuhrmann (Vetoquinol GmbH), Verena Thiel (Vetoquinol GmbH), Dr. Heinz-Jürgen Zumbusch (Vetoquinol GmbH), Franziska Lingner (Tierklinik Gessertshausen), Peter Zech (SaluVet GmbH), Jonas Erben (Tierklinik Gessertshausen), Stephanie Meyer (SaluVet GmbH), Katarina Maseg (SaluVet GmbH) Bildquelle: Tierklinik Gessertshausen
Die ersten 14 Tage entscheiden
Eine Schlüsselrolle spielen die ersten 14 Tage nach der Kalbung. In dieser Phase ist das Risiko für Erkrankungen am höchsten. Erkrankungen wie Nachgeburtsverhaltungen und Metritiden beeinflussen die spätere Fruchtbarkeit massiv. Hintergrund ist ein hormonelles Ungleichgewicht: Entzündungen führen zur Freisetzung von Prostaglandin F2α (PGF2α), das den Gelbkörper abbaut und die Progesteronproduktion hemmt. Gleichzeitig beeinflussen Zytokine das Immunsystem und die Entzündungsreaktion. In dieser Kombination wird eine erfolgreiche Trächtigkeit deutlich erschwert.
Ein großes Problem ist die Früherkennung solcher Erkrankungen. Kühe zeigen als Fluchttiere Symptome oft erst spät. Sensorsysteme können bei der Erkennung kranker Kühe wertvolle Unterstützung leisten. Besonders Veränderungen in der Wiederkauaktivität liefern häufig erste Hinweise auf gesundheitliche Probleme.
Ein Beispiel aus der Praxis ist die Labmagenverlagerung, die häufig kurz nach der Kalbung auftritt. Typische Anzeichen sind Appetitlosigkeit, Leistungsabfall und unregelmäßiges Wiederkauen. Wird sie früh erkannt, lassen sich Folgeschäden begrenzen, auch im Hinblick auf die Fruchtbarkeit.
Neben der Tiergesundheit spielt das Management eine zentrale Rolle. Faktoren wie Futter- und Wasserverfügbarkeit, Liegekomfort, Klauengesundheit, Besatzdichte und Hitzestress greifen ineinander. Bereits Temperaturen ab etwa 20 °C können die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen.
Auch die Brunsterkennung bleibt ein entscheidender Punkt. Bei visueller Beobachtung sollten mindestens 65 % der Brunsten erkannt werden, automatische Systeme sollten über 80 % erreichen. Hier setzen hormonelle Synchronisationsprogramme wie Ovsynch an. Sie ermöglichen eine zeitgesteuerte Besamung ohne klassische Brunsterkennung. Allerdings hat sich gezeigt, dass klassische Ovsynch-Protokolle nicht immer ausreichen. Moderne Varianten wie Double-Ovsynch verbessern durch eine genauere Steuerung der Follikelwellen die Erfolgsraten. Durch eine doppelte Prostaglandingabe (z. B. an Tag 7 und 8 im Abstand von 24 Stunden) wird der Gelbkörper sicherer abgebaut. Das verbessert die Luteolyse und erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit. Voraussetzung dafür ist jedoch ein gutes Verständnis des Zyklusgeschehens, das je nach Kuh zwei- oder dreiwellige Verläufe zeigen kann. Gerade bei Hochleistungskühen und unter Hitzestress sind häufig dreiwellige Zyklen zu beobachten. Die Anzahl der Follikelwellen hängt eng mit dem Progesteronverlauf zusammen. Für das Management bedeutet das: Wer den Zyklus versteht, kann gezielter eingreifen.
Systematisch vorgehen
In vielen Herden ist zudem ein hoher Anteil nicht zyklischer Kühe zu beobachten, bis zu 23 % pro Betrieb sind keine Seltenheit. Diese Tiere zeigen keine Brunstanzeichen und werden daher oft übersehen. Hier kann der gezielte Einsatz von Progesteronpräparaten, beispielsweise über Vaginalspangen, sinnvoll sein. Diese werden in der Regel für etwa sieben Tage eingesetzt, häufig in Kombination mit Prostaglandin. Es stehen unterschiedliche Dosierungen zur Verfügung (z. B. 1,0 g oder 1,55 g), wobei höhere Dosierungen in vielen Fällen bessere Ergebnisse liefern. Wichtig ist: Diese Maßnahmen sind immer Einzeltierentscheidungen und sollten gezielt eingesetzt werden.
Auch die Zwischenkalbezeit und der Body Condition Score (BCS) sollten regelmäßig überprüft werden. Längere Zwischenkalbezeiten können zwar zur Entlastung beitragen, erhöhen jedoch das Risiko der Verfettung. Eine betriebsindividuelle Auswertung hilft, die richtige Balance zu finden.
Der Vortrag machte deutlich: Fruchtbarkeit ist kein Zufallsprodukt. Sie ist das Ergebnis konsequenter Arbeit in vielen Bereichen, von der Fütterung über die Tierbeobachtung bis hin zum Detail im täglichen Management. Wer diese Punkte systematisch angeht, schafft die Grundlage für bessere Fruchtbarkeit, längere Nutzungsdauer und wirtschaftlich stabile Milchviehhaltung.
Seit drei Jahrzehnten zählt Boehringer Ingelheim zu den prägenden Akteuren in der Bekämpfung des Porzinen Reproduktiven und Respiratorischen Syndroms (PRRS). Das Unternehmen entwickelte den weltweit ersten zugelassenen Impfstoff, der sowohl gegen PRRS-Virus‑Typ 1 als auch Typ 2 schützt und damit einen Meilenstein für die moderne PRRS‑Kontrolle setzte.
Vor zehn Jahren wurde das Portfolio um zwei Typ‑1‑Vakzine mit homologem Stamm erweitert, die speziell auf europäische Bestände ausgerichtet sind. Die Impfstoffe bieten eine breite, wissenschaftlich belegte Kreuzimmunität gegenüber zahlreichen Feldstämmen.
Parallel dazu investiert Boehringer Ingelheim kontinuierlich in Forschung und Wissenstransfer: von Projekten zur Weiterentwicklung von Diagnostik und Impfstrategien über den PRRS-Award bis hin zur Zusammenarbeit mit führenden Forschungseinrichtungen.
Praxisnahe Werkzeuge unterstützen die Betriebe bei einer nachhaltigen PRRS‑Kontrolle: der 5‑Stufen‑Plan für strukturiertes Management, die 10 Regeln zur Stabilisierung von Beständen, das Biosicherheitstool COMBAT sowie internationale Expert*innenformate wie Meet the Expert.
Diese Bausteine bilden einen modernen, wissenschaftlich fundierten Ansatz, der Tierärztinnen und Landwirtinnen weltweit hilft, PRRS einzudämmen und Produktionsstabilität zu sichern.
In einer aktuellen Studie wurden Gene untersucht, die mit Umweltvariablen zusammenhängen. Ziel war herauszufinden welche genetischen Varianten für klimaresiliente Züchtungsansätze in unterschiedlichen Klimazonen geeignet sind.
Da Schafe eine Vielzahl lokaler Anpassungen aufweisen, stellen sie ein ideales Objekt für die Untersuchung der Umweltanpassung innerhalb und zwischen Rassen dar. Dies gilt insbesondere für Merino-Schafe, die weltweit zur Wollproduktion verwendet werden.
Für die Studie wurden 24 Merino-Populationen in Europa mit insgesamt 736 Tieren eingezogen. Die Forscher identifizierten 168 SNPs und 232 Gene, die mit bioklimatischen Variablen assoziiert sind. Die Isothermie (Verhältnis von täglicher zu jährlicher Temperaturschwankung) zeigte dabei die größte Anzahl genomischer Assoziationen. Außerdem fanden sich Kandidaten-Gene, die mit Thermoregulation, Immunität und Haarentwicklung zusammenhängen.
Zu den Schlüsselgenen, die in den durch diese Analysen identifizierten Genomregionen gefunden wurden, gehörten solche, die zuvor mit Thermoregulation, Haarfollikelentwicklung, Lipidstoffwechsel und Höhenanpassung in Verbindung gebracht wurden, was auf eine mögliche Rolle bei der Anpassung an die Umwelt schließen lässt. Die Erkenntnisse dienen damit zukünftig einer klimaresistenten Zucht.
Probiotika können helfen, den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung zu verringern, um der Bildung von Antibiotikaresistenzen entgegenzuwirken. Das Probiotikum Ecobiol PRO von Evonik keimt im Hühnerdarm besonders schnell aus und verbessert so das Überleben der Tiere. Möglich macht das ein besonderes Herstellverfahren.
Antibiotikaresistente Bakterien stellen nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation global eines der größten Gesundheitsrisiken für den Menschen dar. Mit neuen Erkenntnissen über sporenbildende Bakterien und der Weiterentwicklung eines Probiotikums für Geflügel leistet Evonik einen wichtigen Beitrag zur Verringerung des Antibiotikaeinsatzes bei Nutztieren und damit gegen die zunehmende Verbreitung von Antibiotikaresistenzen.
2021 starben mehr als eine Million Menschen im direkten Zusammenhang mit antibiotikaresistenten Keimen. Bis 2050 rechnen Experten mit rund zwei Millionen Toten pro Jahr. Als mitverantwortlich für die Entstehung von Antibiotika-Resistenzen sehen sie den unnötig hohen Verbrauch von Antibiotika.
„Da 73 Prozent aller weltweit eingesetzten Antibiotika auf die Nutztierhaltung entfallen – therapeutisch, prophylaktisch und als Wachstumsförderer -, lässt sich dort am besten ansetzen, um der weiteren Entstehung von Resistenzen entgegenzuwirken“, erläutert Stefan Pelzer, Leiter der Mikrobiomforschung von Evonik.
Evonik Animal Nutrition setzt auf eine Kombination von Futtermittelzusätzen, darunter Buttersäure und pflanzliche Zusätze, als Alternative zu antibiotischen Wachstumsförderern. Probiotika – lebende Mikroorganismen – spielen dabei eine Schlüsselrolle. Mit Probiotika wurden im Futtermittelbereich 2025 weltweit rund 4 Milliarden US$ umgesetzt. Der Markt wächst jährlich um rund sieben Prozent.
Bei Ecobiol, einem bewährten Probiotikum vor allem für Geflügel, ist den Evonik-Wissenschaftlern jetzt ein Fortschritt gelungen, der neue Maßstäbe für die Wirksamkeit und Qualität von Probiotika setzt. Grundlage dafür lieferten die Arbeiten im Biotech Hub von Evonik in Halle (Westfalen). Dort wird daran gearbeitet, biologische Systeme besser zu verstehen und die Wirksamkeit von biotechnologisch hergestellten Produkten zu verbessern.
Ecobiol stärkt das Darmmikrobiom und das Immunsystem der Tiere und verhindert die Ausbreitung krankmachender Keime wie Escherichia coli, Salmonellen und Clostridien bei ihnen. Ein Krankheitserreger, der Geflügelbetrieben weltweit Sorge bereitet, ist Clostridium perfringens. Er verursacht die Subklinische Nekrotische Enteritis, die die Darmwand der Tiere schädigt, ihr Wachstum beeinträchtigt und zum frühzeitigen Tod der Tiere führen kann. Weltweit entstehen dadurch wirtschaftliche Verluste in Höhe von 4 bis 6 Milliarden US$ pro Jahr.
Probiotika als Futtermittelzugabe können dieser Erkrankung wirksam vorbeugen – wenn sie im Dünndarm aktiv sind. „Bei sporenbildenden Bakterien wie Bacillus velezensis CECT 5940, auf dem Ecobiol basiert, kommt es deshalb darauf an, wie schnell und an welcher Stelle im Verdauungssystem sie sich in aktive, vegetative Zellen verwandeln“, sagt Pelzer.
Mit Hilfe seines weltweit einzigartigen Geflügeldarmmodells DAISy (kurz für „Dynamic Avian Intestine in vitro System“) konnte Pelzers Team im Biotech Hub aufklären, wie dieser Verwandlungsprozess bei Ecobiol im Zuge der Futterverdauung abläuft. Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass das Herstellverfahren einen großen Einfluss auf das Auskeimverhalten dieser Sporen hat.
Das auf dieser Basis weiterentwickelte Produkt, Ecobiol PRO, keimt im Darm noch schneller aus – ohne Veränderung am Stamm selbst. Die schnellere Auskeimung gibt den Bakterien mehr Zeit, sich im Dünndarm zu vermehren und der Ausbreitung pathogener Keime entgegenzuwirken.
Wie eine Studie der Oklahoma State University zeigt, führt diese Eigenschaft bei Masthähnchen, die Kontakt zum Krankheitserreger Clostridium perfringens haben, im Vergleich mit einem marktüblichen Probiotikum zu einer um 50 Prozent verbesserten Überlebensrate und einer deutlichen Verringerung der strukturellen Schäden im Darm.
Da Futter weltweit und für unterschiedliche Entwicklungsstadien der Tiere stark variieren kann, haben die Biotechnologen von Evonik das Auskeimverhalten von Ecobiol PRO sowie Wettbewerbsprodukten in unterschiedlichsten Futtern getestet. Das Produkt von Evonik zeigte hier eine konsistente, schnelle Auskeimung und Vermehrung; andere Produkte waren langsamer oder variierten stärker in verschiedenen Futtern.
Damit bietet Evonik mit Ecobiol PRO ein noch wirkungsvolleres Instrument, Geflügel gesund zu halten und den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung zu reduzieren. „Die gewonnenen Erkenntnisse sind aber nicht nur relevant für die Tierernährung, sondern für zahlreiche andere Anwendungen mit Bacillus-basierten Produkten – ob in der Ernährung, Körperpflege, Mundhygiene, bei Agrar- oder Reinigungsprodukten“, so Pelzer.
Die Gruppenhaltung von ferkelführenden Sauen ist mit erheblichen Herausforderungen verbunden, erklärten Anne-Claire Berentsen/Dr. Sandra Ripke anlässlich des 15. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums 2026. Hier eine Zusammenfassung ihrer Ausführungen.
In der Regel werden Sauen vor dem Geburtstermin vereinzelt und kehren erst wieder in die Gruppe zurück, wenn die Ferkel ein bestimmtes Alter erreicht haben. Dafür gibt es zwei Verfahren:
1) Haltungssysteme, in denen die eigentliche Abferkelbucht noch zur Verfügung steht und die Tiere durch Türen Zugang zu einem Gemeinschaftsbereich bekommen (nur Sauen oder Sauen und Ferkel).
2) Haltungssysteme, in denen Sauen und Ferkel zunächst in Einzelabferkelbuchten bleiben und später in eine Gruppenbucht umgestallt werden.
Der Flächenbedarf pro Wurf ist hier erheblich größer als bei Einzelhaltung in Bewegungsbuchten, weil die Gruppenfläche zusätzlich zum Abferkelbereich zur Verfügung gestellt werden muss.
Gruppensäugen ohne Umstallung
Innerhalb der eigentlichen Abferkelbuchten haben Sauen und Ferkel ausreichend Bewegungsfläche zur Verfügung, für Ruhen, Aufstehen, Ablegen, Säugen und Umdrehen. Ein Begegnungsbereich im Verhältnis von 1:3 eignet sich besser als eine lange, schmale Fläche. Die Breite sollte min 3 m betragen, damit die Sauen problemlos an anderen liegenden Sauen vorbeikommen.
Ist keine eigentliche Abferkelbucht mehr vorhanden, werden Sauen und Ferkel zunächst in Einzelabferkelbuchten gehalten. Danach folgt die Umstallung in eine Gruppenbucht (z. B. auch durch einfaches Entfernen von Trennwänden).
Dabei sollten je Wurf min. 7-8 m² zur Verfügung stehen sowie Rückzugsmöglichkeiten für Sau und Ferkel vorhanden sein. Je nach Wurfgröße circa 1,5 m² pro Ferkel-Wurf und min. 3,5 m² für die Sau als Säuge- und Ruhebereich.
Essentiell ist bei der Gruppenhaltung eine gute Mutter-Kind-Bindung. Natürlicherweise sondern Sauen sich 2-3 Tage vor der Geburt von der Gruppe ab und kehren erst ca. 10 Tage nach dem Abferkeln zurück. Um diesem Verhalten gerecht zu werden sollten die Sauen in diesem Zeitabschnitt in Einzelabferkelbuchten gehalten werden.
Zwischen dem 7. und 10. Lebenstag bildet sich auch eine feste Zitzenordnung bei den Ferkeln aus. Führt man Würfe vorher zusammen, nimmt das Fremdsaugen zu. Auch wenn ein gewisses Maß an Fremdsaugen beim Gruppensäugen normal ist, kommt es zu Rangeleien am Gesäuge und vor allem zu geringerer Milchaufnahme.
Tiergesundheit
Typischen Erkrankungen während der Säugeperiode treten vor allem in der ersten Woche nach der Geburt auf, bei Sauen etwa Gesäuge- und Gebärmutter-Entzündungen. Gibt eine kranke Sau dann weniger Milch, fördert dies das Fremdsaugen und gefährdet so die Gesundheit der ganzen Gruppe. Deshalb sollten kranke Sauen nicht integrieren und – wenn sie bereits in der Gruppe sind – zusammen mit ihren Ferkeln separiert werden.
Bei Ferkeln kommt es in den ersten 10 Lebenstagen häufig zu Durchfällen. Um das deutlich erhöhte Ansteckungsrisiko zu senken, sollte in den ersten 10 Tagen deshalb nicht mit anderen Würfen gruppiert werden.
Meistens fallen in die erste Lebenswoche der Ferkel auch Eingriffe wie Impfungen, Eckzahnschleifen, Schwanzkupieren, Ohrmarken einziehen und Kastration. Deshalb sollte ein eventueller Wurfausgleich nicht vor dem 10. Lebenstag stattfinden.
Management
Alle Sauen sollten sich aus dem Wartestall kennen und eine stabile Rangordnung ausgebildet haben. Auch sollten Körperkondition, Milch- und Aufzuchtleistung möglichst homogen sein. Bei den Ferkeln sollte
der Altersunterschied 5 Tage nicht überschreiten, weil sonst das Fremdsaugen (vor allem der stärkeren Ferkel) begünstigt wird. Auch sollte die Gruppe aus höchstens 6 bis 8 Sauen bestehen.
Jungsauen und Altsauen in einer Gruppe zu halten, ist nicht zu empfehlen. Die älteren Tiere verdrängen jüngere häufig von Futter und Wasser und aus dem Liegebereich. Auch kommt es bei ihnen oft zu Fremdsaugen, weil Jungsauen gewöhnlich eine hohe Milchleistung haben.
Die Tierbeobachtung gelingt am besten, wenn von einem Kontrollgang der gesamte Bereich einzusehen ist. Auch erleichtern Ohrmarken in verschiedenen Farben die Identifikation von Wurfgeschwistern.
Last but not least wird es in diesem Haltungssystem immer Sauen geben, die nicht in eine Gruppe überführt werden können. Für sie müssen ausreichend viele Einzelabferkelbuchten vorhanden sein.
Vier Landkreise liegen im Restriktionsgebiet – Einschränkungen im Handelsverkehr
Nach dem Nachweis des Blauzungenvirus vom Serotyp 8 (BTV-8) in einem Rinderbestand im Landkreis Fulda in Hessen am 1. Juni erstreckt sich die eingerichtete Restriktionszone nun bis nach Niedersachsen. Das teilt das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) mit. Betroffen sind der Landkreis Göttingen und Teile der Landkreise Northeim, Holzminden und Goslar. Hier gelten besondere Vorgaben hinsichtlich des Transports von empfänglichen Tieren. In Niedersachsen wurde eine Infektion mit dem Blauzungenvirus vom Serotyp 8 zuletzt im Dezember 2008 in einem Rinderbestand festgestellt.
Aus der Restriktionszone, die für Niedersachsen in einer interaktiven Karte dargestellt ist, dürfen für das Blauzungenvirus empfängliche Tiere wie Rinder, Schafe, Ziegen, Lamas, Alpakas und weitere Wiederkäuerarten nur unter bestimmten Bedingungen in BTV-8-freie Regionen innerhalb von Deutschland und der EU transportiert werden. Transporte von Zucht- und Nutztieren sowie zur unmittelbaren Schlachtung sind innerhalb nicht BTV-8-freier Regionen Deutschlands ohne Einschränkungen möglich, sofern die Tiere keine klinischen Auffälligkeiten zeigen. Weitere Informationen zur Verbringung können Tierhalterinnen und Tierhalter vom jeweils zuständigen Veterinäramt erfahren, mit denen das ML sich im engen Austausch befindet. Die Einschränkungen gelten ausschließlich für BTV-8. In Bezug auf den BTV-Serotyp 3 bestehen keine Einschränkungen für Verbringungen innerhalb Deutschlands.
Hintergrund:
Die Blauzungenkrankheit wird durch das Bluetongue-Virus (BTV) hervorgerufen und ist eine zu meldende Tierseuche, die zumeist Rinder und Schafe betrifft. Daneben sind auch Ziegen, Neuweltkameliden und Wildwiederkäuer für die Erkrankung empfänglich. Das Virus wird nicht direkt von Tier zu Tier, sondern durch infizierte Gnitzen (blutsaugende Stechmückenart) übertragen. Erkrankte Tiere zeigen zum Beispiel Fieber, Lahmheiten, Apathie und teilweise Schleimhautläsionen. Für den Menschen ist der Erreger nicht gefährlich. Fleisch, Milch und Milchprodukte von Rindern, Schafen und Ziegen können bedenkenlos verzehrt werden.
Weitere Informationen und eine interaktive Karte mit einer genauen Darstellung der niedersächsischen Anteile der Restriktionszone finden Sie hier.
Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Die Tierärzteschaft in Deutschland wächst weiter: Zum 31.12.2025 waren 46.089 Tierärzt:innen Mitglied einer Landes-/Tierärztekammer, das sind 444 approbierte Tierärzt:innen mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Tierärztinnen lag bei 66,8 Prozent; unter den aktiv tierärztlich Tätigen betrug er 71,7 Prozent.
Doch die aktuelle Tierärztestatistik zeigt zugleich Entwicklungen, die für die tierärztliche Versorgung zunehmend relevant werden. „Die Zahlen zeigen, dass die Tiermedizin ein attraktiver Beruf bleibt. Gleichzeitig bestätigen sie die seit einigen Jahren zu beobachtende Veränderung der Berufsstruktur. Immer weniger Tierärzt:innen entscheiden sich für die eigene Niederlassung, während angestellte Tätigkeiten weiter zunehmen“, erklärt Ltd. VD Dr. Holger Vogel, Präsident der Bundestierärztekammer (BTK). Besonders deutlich wird diese Entwicklung im Vergleich der niedergelassenen und angestellten Tierärzt:innen. Die Zahl der Niedergelassenen sank 2025 auf 11.216. Im Vorjahr waren es noch 11.264. Gleichzeitig stieg die Zahl der Angestellten von 11.990 auf 12.125.
Auch bei den Praxisstrukturen zeigt die Statistik Handlungsbedarf. In der Mehrzahl der Kammerbereiche war die Zahl der Tierarztpraxen 2025 rückläufig. Die Zahl der tierärztlichen Kliniken blieb hingegen weitgehend stabil. Diese Entwicklung ist v. a. mit Blick auf die Alterung der Berufsgruppe – die Zahl der Kammermitglieder ab 60 Jahren stieg im Vergleich zum Vorjahr erneut – und der damit einhergehenden Nachfolgefrage, Notdienststrukturen und die flächendeckende tierärztliche Versorgung relevant. „Ein reiner Blick auf die Gesamtzahl der Tierärzt:innen reicht nicht aus. Entscheidend ist, wo und in welchen Arbeitsformen Tierärzt:innen tätig sind. Wenn Praxen keine Nachfolge finden oder immer weniger Kolleg:innen eine eigene Niederlassung übernehmen möchten, kann das regional zu Versorgungsengpässen führen – insbesondere in ländlichen Räumen und in der Nutztierpraxis“, erläutert Dr. Vogel. Für die kommenden Jahre bleibt daher die Frage zentral, ob ausreichend Nachwuchs in die kurative Praxis nachrückt. Bei den tierärztlichen Tätigkeitsfeldern ist 2025 die Zahl der aktiv tierärztlich Tätigen nur leicht gestiegen. Während die Zahl der Tierärzt:innen im Ausland wieder auf das Niveau von 2021 sank, nahm die Zahl der Angestellten im öffentlichen Dienst weiter zu. Auch die Zahl der Tierärzt:innen in Privatwirtschaft und Industrie stieg leicht.
Die Statistik lässt keinen einfachen Schluss auf einen bundesweit einheitlichen Tierärztemangel zu. Sie macht aber strukturelle Herausforderungen sichtbar: weniger Selbstständigkeit, regionale Unterschiede bei den Praxiszahlen, eine alternde Berufsgruppe und wachsende Anforderungen an Arbeitszeitmodelle, Notdienst und Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
„Wir brauchen Rahmenbedingungen, die tierärztliche Tätigkeit in allen Bereichen attraktiv halten – in der Praxis, im öffentlichen Veterinärdienst, in der Wissenschaft und in der Industrie. Dazu gehören planbare Arbeitszeiten, eine verlässliche Finanzierung tierärztlicher Leistungen und moderne Praxis- und Kooperationsmodelle“, verdeutlicht der BTK-Präsident.
Die Tierärztestatistik wird jährlich auf Grundlage der Mitgliederdaten der Landes-/Tierärztekammern erhoben. Die Zahlen zu den Studierenden werden bei den veterinärmedizinischen Bildungsstätten erfragt.
Dr. Sandra Düpjan (FBN) stellte in ihrem Vortrag anlässlich des 15. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums KI-Ansätze zur Bewertung des Tierwohls im Schweinestall vor.
Einleitend wies sie darauf hin, wie wenig Zeit gewöhnlich für die Beobachtung des Einzeltieres in gängigen Stallsystemen bleibt, wo den Betreuern oft nur deutlich sichtbare Krankheitssymptome zuverlässig auffallen. Zwei gute Tierwohl-Indikatoren seien Lautäußerungen und Stereotypien. Beide könnten potentiell durch KI-Systeme – rund um die Uhr – erfasst werden.
Für Stresslaute gebe es bereits ein funktionierendes System, allerdings würden ebenso Klassifikatoren benötigt, die positive Lautäußerungen erkennen. Ein neues mit Spektrogrammen trainiertes CNN (convolutional neural network) biete hier einen hoffnungsvollen Ansatz, weil es Schweinelaute im Versuch mit über 90%er Zuverlässigkeit korrekt klassifizieren konnte. Allerdings gäbe es noch Probleme mit Störgeräuschen (Lüftung, Klappergeräusche) und wenn sich Lautäußerungen verschiedener Tiere überlagern.
Bei Stereotypien ließen sich zwei Formen unterscheiden: Leerlaufhandlungen, die nicht objektbezogen sind, und umorientiertes Verhalten, das auf ein unpassendes Objekt gerichtet ist. Objekt-unabhängiges Verhalten sei etwa Leerkauen und Kopfschlagen bei Sauen, Zungenrollen bei adulten Rindern, Laufstereotypien und das „Weben“ (rhythmisches Hin- und Herbewegen des Kopfes). Umorientierte Verhaltensmuster seien z. B. Stangenbeißen, Gitternagen, Besaugen und Beißen von Artgenossen und auch Federpicken bei Hühnern. Sichtbare Indikatoren seien etwa „Trampelpfade“ für Laufstereotypien, starke Zahnabnutzung oder Biss-Spuren an Stangen und Kanten bei oralen Stereotypien.
Orale Stereotypien seien häufig auf Nahrungsmangel zurückzuführen. Laufstereotypien dagegen könnten als Fluchtversuche oder Suchverhalten (nach Futter, Sozialpartnern) verstanden werden. Auch könne chronischer Stress durch reizarme Haltung erst zur Ausbildung von Stereotypien führen, wenn ein weiterer Stressfaktor – wie etwa Hunger – hinzukomme.
Stereotypien könnten sogar wegen eines weiter zurückliegenden Problems entstehen, vor allem wenn Tiere die Haltungsumgebung und/oder den Besitzer wechseln.
Vor allem Beschäftigungsmaterial im Stall, das dem normalen Tierverhalten entspricht, sei sinnvoll zur Vermeidung oder zumindest Verminderung von Stereotypien.
In Anbetracht der aktuellen Entwicklungsgeschwindigkeit bei KI-Systemen, darf man wohl schon in näherer Zukunft mit praxistauglichen Lösungen rechnen. Wir werden berichten!
• Künftig drei Programme auch für Rindermast: Zwei neue Programme „Frischluftstall“ und „Auslauf/Weide“ ergänzen das bestehende Programm „Stall plus Platz“
• Anmeldung und Auditierung der neuen Programme ab 1. Juni 2026 möglich
Die Initiative Tierwohl (ITW) erweitert ihr Angebot für die Rindermast und führt zum 1. Juni 2026 die neuen Programme „Frischluftstall“ und „Auslauf/Weide“ ein. Damit bietet die ITW wie bereits jetzt für Schweinehalter und Geflügelhalter künftig auch für Rinderhalter drei Programme mit steigendem Anforderungsniveau an, die den Stufen 2, 3 und 4 der bekannten Haltungsform-Kennzeichnung entsprechen. Neben dem bewährten Programm „Stall plus Platz“ (Haltungsform Stufe 2) können Rindermastbetriebe nun auch an den Programmen „Frischluftstall“ (Haltungsform Stufe 3) und „Auslauf/Weide“ (Haltungsform Stufe 4) teilnehmen. So entsteht für die Tierhalter ein aufeinander aufbauendes, flexibles System. Die ITW reagiert damit auf die anhaltende Nachfrage nach Fleisch aus höheren Haltungsformstufen und bietet Landwirtschaft, Fleischwirtschaft, Handel und Gastronomie ein verlässliches, transparentes und einheitliches System, das den EU Vorgaben zur verbesserten und vergleichbaren Verbraucherinformation (der sogenannten EmpCo-Richtlinie) entspricht.
„Mit den neuen Programmen für die Rindermast übertragen wir das bewährte ITW Prinzip der aufeinander aufbauenden Tierwohlstufen konsequent auf eine weitere Tierart“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der ITW. „Wir bieten Rindermästern damit ein verlässliches und praxistaugliches System, das sowohl den komplexen Anforderungen des Marktes als auch den Erwartungen von Handel und Verbrauchern gerecht wird.“
Die neuen Programme bauen auf den bekannten Grundanforderungen der ITW auf. Dazu zählen unter anderem eine intensivierte tierärztliche Bestandsbetreuung, die Sauberkeit der Tiere sowie eine regelmäßige Fortbildung. Zudem wird zukünftig in den Grundanforderungen das Kriterium „Scheuermöglichkeiten“ aufgenommen. Ergänzend kommen für die Programme „Frischluftstall“ und „Auslauf/Weide“ zusätzliche Anforderungen hinzu, wie ein noch höheres Platzangebot, Außenklimareize beziehungsweise ein ständiger Zugang zu Auslauf oder Weide. Voraussetzung für die Teilnahme an allen Programmen bildet eine QS Lieferberechtigung.
Anmeldung und Auditierung ab 1. Juni 2026
Rindermastbetriebe können sich ab dem 1. Juni 2026 für die neuen ITW Programme anmelden und ab diesem Zeitpunkt auditiert werden. Bereits teilnehmende ITW-Betriebe haben zudem eine schnelle und einfache Möglichkeit, in ein höheres Programm zu wechseln, sofern die zusätzlichen Kriterien erfüllt werden. Die ITW Programme sind so konzipiert, dass Lieferberechtigungen in höheren Programmen die Berechtigung für die jeweils niedrigeren Programme einschließen.
Finanzierung
Für die Programme „Frischluftstall“ und „Auslauf/Weide“ gibt es keine Empfehlungen zur Höhe des Preisaufschlags. Diese werden frei zwischen den Marktbeteiligten verhandelt. Für das Programm „Stall plus Platz“ bleiben die Aufpreisempfehlungen vorerst bestehen. Zum 1. Juni 2027 erhöhen sie sich allerdings von 10,7 Cent auf 12,83 Cent pro Kilogramm Schlachtgewicht, wenn bei den Grundanforderungen die Scheuermöglichkeiten umzusetzen sind.
Breher: „Tierwohl darf nicht am Genehmigungsrecht scheitern“
Das Bundeskabinett hat heute den vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) vorgelegten Gesetzentwurf zur Modernisierung des Städtebau- und Raumordnungsrechts beschlossen und damit auch vereinfachte Regelungen für den Stallumbau auf den Weg gebracht. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat sich in den Abstimmungen dafür eingesetzt, auch den Umbau von Tierställen zu ermöglichen, die vor 2013 errichtet wurden und wegen einer damals erfolgten Rechtsänderung nicht hätten umgebaut werden dürfen. Voraussetzung ist, dass sich durch den Umbau die Haltungsbedingungen verbessern und sich die Zahl der Tierplätze nicht erhöht. Auch ein Wechsel der in dem Stall gehaltenen Tierart wird künftig möglich sein.
Dazu erklärt Silvia Breher, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: „Damit Tierwohl kein Lippenbekenntnis bleibt, muss es auch genehmigungsrechtlich möglich sein, Ställe zu modernisieren. Deshalb schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass unsere Landwirtinnen und Landwirte investieren, umbauen und ihre Tiere besser halten können. Unsere Höfe übernehmen Verantwortung – für ihre Tiere, für hochwertige Lebensmittel und für die Zukunft des ländlichen Raums. Wir machen den Stallumbau möglich, damit Tierwohl nicht am Genehmigungsrecht scheitert. So stärken wir unsere Landwirtschaft und sichern Wertschöpfung im ländlichen Raum.“
Bislang behindern zahlreiche Vorschriften den Umbau von Ställen; zudem sind die Genehmigungsverfahren oft langwierig. Viele Landwirtinnen und Landwirte, die ihre Tierhaltung den sich verändernden gesetzlichen Vorgaben und Wünschen der Verbraucherinnen und Verbraucher anpassen wollen, stellt dies vor enorme Herausforderungen, auch finanzieller Art. Mit dem nun beschlossenen Gesetzentwurf werden zahlreiche unnötige Auflagen aufgehoben, darunter die bislang an die Vorgaben des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes gebundene Zulässigkeit eines Umbaus. Statt eines Stallumbaus ist zudem künftig unter gewissen Bedingungen auch ein Rück- und Neubau erlaubt, etwa wenn der Standort des Ersatzbaus im räumlichen Zusammenhang mit dem Standort der zurückzubauenden Anlage steht. Auch der Betrieb von Biomasseanlagen im Außenbereich wird durch den Gesetzentwurf erleichtert.
Wie kann Nutztierhaltung künftig tiergerecht, klimaresilient und zugleich wirtschaftlich tragfähig gestaltet werden? Darüber diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Verbänden und Praxis beim Parlamentarischen Abend des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN) in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern in Berlin.
Zu der Veranstaltung hatten das FBN, das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern sowie die Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern beim Bund eingeladen.
Forschung als Grundlage politischer Entscheidungen
Prof. Dr. Klaus Wimmers, Vorstand des FBN, hob die Rolle der Forschung für eine zukunftsfähige Nutztierhaltung hervor: „Die Herausforderungen für die Nutztierhaltung lassen sich nur mit wissenschaftlich fundierten Lösungen bewältigen. Am FBN verbinden wir Grundlagenforschung mit konkreten Ansätzen für mehr Tierwohl, Nachhaltigkeit und resiliente Agrarsysteme – kurz gesagt: Forschung für eine bessere Nutztierhaltung.“
Im wissenschaftlichen Impulsvortrag sprach Prof. Dr. Wilhelm Windisch, emeritierter Professor der Technischen Universität München, über die Bedeutung der Nutztierhaltung für resiliente Agrarsysteme.
Einen politischen Impuls setzte Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus.
„Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf ist heute eine bundesweit und international anerkannte Spitzeneinrichtung der Agrarforschung. Mecklenburg-Vorpommern hat sich immer klar zum Standort bekannt und dessen Entwicklung konsequent unterstützt – mit erheblichen Investitionen in Infrastruktur und Forschung. Das FBN verbindet Grundlagenforschung mit konkretem Nutzen für die landwirtschaftliche Praxis und leistet wichtige Beiträge für Tierwohl, Klimaanpassung, Emissionsminderung und Ernährungssicherung. Herausragend sind unter anderem die Arbeiten zur Entschlüsselung und funktionellen Genomforschung bei Rind, Schaf und weiteren Nutztieren sowie die erfolgreiche Sequenzierung des Zander-Genoms als wichtiger Aquakulturfisch. Das FBN ist ein unverzichtbarer Bestandteil der deutschen Forschungslandschaft. Deshalb unterstützt Mecklenburg-Vorpommern ausdrücklich den weiteren Entwicklungsprozess des Instituts und dessen Rückkehr in die Leibniz-Gemeinschaft“, so Minister Dr. Till Backhaus.
Forschung zum Anfassen
Im Anschluss nutzten die Gäste die Gelegenheit zum Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des FBN. An den Tischen standen Forschende des Instituts als direkte Ansprechpartner zur Verfügung. Darüber hinaus präsentierte das FBN im Foyer ausgewählte Forschungsprojekte und Exponate aus der aktuellen Arbeit des Instituts.
Gezeigt wurden unter anderem der virtuelle „Milchviehstall der Zukunft“, innovative Ansätze zur automatisierten Tierwohlanalyse mit KI, neue Konzepte der Insektenfütterung für eine ressourcenschonende Nutztierhaltung sowie digitale Monitoring-Systeme für die Weidehaltung von Schafen. Auch Projekte zur Verbindung von Schafhaltung und Agriphotovoltaik verdeutlichten, wie Forschung zur Lösung aktueller Zielkonflikte in Landwirtschaft und Landnutzung beitragen kann.
Der Parlamentarische Abend fand zudem vor dem Hintergrund des Antrags des FBN auf Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft statt. Mit seiner Forschung zu biologischen Grundlagen landwirtschaftlicher Nutztiere leistet das Institut einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftsbasierten Weiterentwicklung resilienter Agrarsysteme.
Auf der Fachtagung in Augsburg wurde auch das Thema Biosicherheit intensiv beleuchtet. Dr. Sebastian Jander machte deutlich, dass vorbeugende Maßnahmen angesichts neuer und bekannter Tierkrankheiten immer wichtiger werden.
Neue Erkrankungen wie Blauzunge (BTV) oder Epizootische Hämorrhagie (EHD) sowie bekannte Zoonosen wie Q-Fieber zeigen, wie wichtig vorbeugende Maßnahmen sind.
Seit dem 1. Januar 2026 ist eine betriebsindividuelle Biosicherheitsbewertung verpflichtend, ab Juli wird sie Teil der QS-Audits. Hilfestellung bietet die Risikoampel der Universität Vechta, mit der sich Schwachstellen im Betrieb systematisch analysieren lassen.
Im Mittelpunkt steht die Kontrolle von Eintragswegen für Krankheitserreger. Hinweisschilder wie „Betreten verboten“ sind dabei genauso sinnvoll wie feste Abläufe für Besucher. Diese sollten nach Möglichkeit betriebseigene Kleidung und Stiefel oder Überschuhe nutzen.
Auch die innerbetrieblichen Abläufe verdienen Aufmerksamkeit. Wege von Futter, Gülle oder Kadavern sollten klar getrennt und regelmäßig überprüft werden. Besonders sensibel sind Bereiche wie das Abkalbe- und Krankenabteil, sie sollten unbedingt räumlich getrennt sein, um eine Verschleppung von Erregern zu vermeiden.
Tierzukäufe stellen ein weiteres Risiko dar. Eine Quarantänephase mit entsprechender Untersuchung hilft, Krankheiten gar nicht erst in den Bestand einzuschleppen.
Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Neben den großen Strukturen sind es oft die kleinen Maßnahmen im Alltag, die den Unterschied machen. Regelmäßige Reinigung und Desinfektion von Stiefeln über Stallgeräte bis hin zu Milcheimern oder Nuckeln spielen dabei eine zentrale Rolle.
Wichtig ist, bei der Reinigung systematisch vorzugehen: Erst reinigen, dann desinfizieren, und dabei Einwirkzeiten sowie Temperaturbedingungen beachten.
Desinfektionsmatten, häufiges Kotabschieben oder das regelmäßige Versetzen von Kälberiglus helfen, den Keimdruck im Stall zu senken. Ergänzt wird dies durch konsequente Schädlingsbekämpfung, etwa gegen Ratten, Fliegen oder Gnitzen, die als Überträger von Krankheiten eine wichtige Rolle spielen können.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist eine klare Organisation im Betrieb. Standardarbeitsanweisungen (SOPs) sorgen dafür, dass alle Mitarbeiter die gleichen Abläufe einhalten und Hygienemaßnahmen konsequent umgesetzt werden.
Impfprogramme können helfen, Krankheiten zu verhindern oder zumindest deren Verlauf deutlich abzumildern. Ebenso sinnvoll ist es, regelmäßig Proben zu ziehen – zum Beispiel Milchproben – um frühzeitig zu erkennen, ob und welche Erreger im Bestand vorhanden sind. Denn nur wer die Situation im eigenen Betrieb kennt, kann gezielt handeln.
Biosicherheit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Perfektion ist dabei nicht das Ziel, entscheidend ist, den eigenen Betrieb Schritt für Schritt zu verbessern. Schon kleine, konsequent umgesetzte Maßnahmen können einen großen Unterschied machen für die Tiergesundheit, die Betriebssicherheit und letztlich auch für den wirtschaftlichen Erfolg.
Die Ceva Tiergesundheit GmbH hat im Rahmen Ihrer Pressekonferenz über die Verbreitung von Zoonosen berichtet, insbesondere von zoonotischen Krankheiten, die bei Landwirten und Tierärzten immer noch unterschätzt werden. Zudem wurde ein Update über das aktuelle Seuchengeschehen insbesondere von Vektor übertragenen Krankheiten im Rinderbereich gegeben.
Zoonosen – Krankheiten, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden können – sind längst keine abstrakte Bedrohung mehr. Laut aktuellen WHO-Zahlen sind rund 60 % aller bekannten und sogar 75 % aller neu auftretenden Infektionskrankheiten beim Menschen zoonotischen Ursprungs. Vor diesem Hintergrund hat Ceva Santé Animale mit dem Ceva Wildlife Research Fund den Kampf gegen Zoonosen als eine von drei globalen Kernmissionen definiert. Ceva Ruminants greift diesen Impuls auf und macht ihn für den deutschsprachigen Raum konkret – mit aktuellen Studiendaten, einer Landwirteumfrage und gezielten Aufklärungsmaßnahmen.
Q-Fieber: Eine unterschätzte, keine seltene Zoonose
Q-Fieber gilt in der breiten Öffentlichkeit häufig als Rarität. Laut Infektionsepidemiologischem Jahrbuch des RKI wurden für 2023 lediglich 74 Fälle gemeldet – ein trügerisch niedriger Wert. Denn bis zu 60 % aller Infektionen verlaufen vollständig asymptomatisch, der Großteil der verbleibenden Fälle zeigt unspezifische Grippe-ähnliche Symptome. Die Folge: Die durch Coxiella burnetii verursachte Erkrankung wird von Landwirten, Tierärzten und Humanmedizinern gleichermaßen kaum erkannt. Dabei belegt eine Studie von Groten et al. (2020)1, dass bis zu 70 % der untersuchten Schäfer, Rinderhalter und Rindertierärzte Antikörper gegen Q-Fieber aufwiesen – ein klarer Hinweis auf die tatsächliche Verbreitung weit jenseits der gemeldeten Zahlen.
Die Übertragung erfolgt primär aerogen: Beim Abkalben oder Ablammen werden Milliarden von Erregern freigesetzt – bis zu 10⁹ Bakterien pro Gramm Plazenta2,3 – die sich nachweislich bis zu 18 km über die Luft verbreiten können4. Direkter Kontakt ist nicht notwendig. Gefährdet sind damit nicht nur Halter von Rindern und kleinen Wiederkäuern sowie deren Mitarbeiter, sondern auch betreuende Tierärzte und Betriebsbesucher z.B. im Rahmen eines „Tag des offenen Hofes“ wie Familien, Schüler-, Kindergartengruppen oder Feriengäste.
Eigene Analysedaten ergeben: 74,3 % der Betriebe Q-Fieber-positiv
In den vergangenen 2,5 Jahren hat Ceva Tiergesundheit insgesamt 1.096 von Landwirten eingesendete Tankmilchproben aus Deutschland und Österreich auf Q-Fieber im Labor untersuchen lassen. Das Ergebnis ist beunruhigend: 74,3 % der untersuchten Betriebe sind Q-Fieber-positiv. Die Daten sind im interaktiven Dashboard öffentlich einsehbar
Was Landwirte wissen – und was sie unterschätzen
In einer Umfrage unter Milchviehhaltern aus ganz Deutschland im Winter 2025 gaben 44 % der Befragten an, selbst bereits einmal an einer Zoonose erkrankt gewesen zu sein – in den meisten Fällen an Rinderflechte. Das eigene Erkrankungsrisiko durch Q-Fieber wird dennoch stark unterschätzt. Ceva Tiergesundheit setzt daher auf gezielte Aufklärungsarbeit: mit Stallpostern, Webinaren für Tierärzte, einem Zoonose-Blog sowie Aktionen zum Welt-Zoonose-Tag am 6. Juli 2026.
Vektorübertragene Erkrankungen: EHD als neues Sorgenkind
Im zweiten Themenschwerpunkt wurde die aktuelle Lage bei vektorübertragenen Tierseuchen beleuchtet. Nahezu alle befragten Landwirte (97 %) stuften die Bedrohung durch vektorübertragene Erkrankungen als hoch oder sehr hoch ein. Über 70 % gaben an, die in 2025 angefangenen Impfungen gegen das Blauzungenvirus auffrischen zu wollen. Dennoch dominieren im Rindersektor das Blauzungen-Virus (BTV) und Lumpy Skin Disease (LSD) – aktuell mit 14 aktiven Ausbrüchen in Italien (Stand 27.04.2026) – das Seuchengeschehen in Europa. Warme Temperaturen begünstigen die Vermehrung der Gnitzen als Vektoren und schaffen ideale Bedingungen für eine weitere Verbreitung. Insbesondere bei den durch die Orbiviren übertragenen Krankheiten BTV und EHD begünstigen die steigenden Temperaturen auch die Replikation der Viren im Vektor. Somit ist auch die Gefahr von EHD, der epizootische hämorrhagische Krankheit, noch keineswegs vorüber. Sie ist weiterhin präsent, auch wenn sie derzeit vor allem in Frankreich zirkuliert. Aufgrund der zunehmenden Gnitzenaktivität kann sie sich schnell auch in unsere Region ausbreiten. Ein wirksamer Schutz der Tiere gewinnt damit weiter an Bedeutung. Umso wichtiger ist die konsequente Prävention. Dafür steht Ihnen auch in Deutschland ein Impfstoff zur Verfügung. Ceva begleitet Tierärzte und Landwirte aktiv mit aktuellen Informationen und Impfkonzepten.
Quellen:
1 Tanja Groten, Karola Kuenzer, Udo Moog, Beate Hermann, Katrin Maier, Katharina Bode: Who is at risk of occupational Q fever: new insights from a multi-profession cross-sectional study (2020), https://bmjopen.bmj.com/content/10/2/e030088
2 Howard ZP, Omsland A.2020: Selective Inhibition of Coxiella burnetii Replication by the Steroid Hormone Progesterone. Infect Immun 88:10.1128/iai.00894-19 https://doi.org/10.1128/iai.00894-19
3 Miller HK, Priestley RA, Smith CB, Cherry C, Kersh GJ. Longitudinal surveillance of Coxiella burnetii following an abortion storm in domestic goats. Front Vet Sci. 2024 Sep 13; https://doi.org/10.3389/fvets.2024.1426573
4 Hawker JI, Ayres JG, Blair I, Evans MR, Smith DL, Smith EG, et al. A large outbreak of Q fever in the West Midlands: windborne spread into a metropolitan area? Commun Dis Public Health. 1998; 1:180–74. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9782633/
Zum Weltbienentag: BVL gibt Tipps zur richtigen Lagerung
Für den Aufbau von Wintervorräten und als Ersatz für den vom Imker entnommenen Honig füttern Imker ihre Bienenvölker bereits ab dem Sommer mit einem speziellen Futter. Diese Sirupe oder Teige bestehen vor allem aus Einfachzuckern. Bei hohen Umgebungstemperaturen oder direkter Sonneneinstrahlung kann sich im Futter bienenschädliches Hydroxymethylfurfural (HMF) bilden. Durch richtige Lagerung der speziellen Bienenfuttermittel lässt sich die HMF-Bildung reduzieren. Die verfügbaren Daten aus den Jahresstatistiken der amtlichen Futtermittelüberwachung in der Bundesrepublik Deutschland bestätigen, dass die empfohlenen Orientierungswerte eingehalten werden.
Hohe HMF-Gehalte, welche die Bienen im Winter mehrere Monate lang aus dem in den Waben eingelagerten Futtermittel aufnehmen, können mitunter zum Tod von Bienenvölkern führen. Um dies zu verhindern, wird ein Orientierungswert von maximal 60 mg HMF/kg Futtersirup zum Zeitpunkt der Auslieferung empfohlen. Die Ergebnisse der Futtermittelstatistiken der Jahre 2021 bis 2024 zeigen, dass die Untersuchungen der Bundesländer nicht zu Beanstandungen der Futtermittelproben geführt haben. Damit setzt sich der positive Trend der Untersuchungsergebnisse aus den Jahren 2018 bis 2020 fort.
Prof. Dr. Gaby-Fleur Böl, Präsidentin des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), betont: „Honigbienen sind als Teil der biologischen Vielfalt bedeutsam für die Landwirtschaft und die Ernährung. Die Einhaltung der empfohlenen Lagerbedingungen und die kontinuierliche Überwachung des HMF-Gehalts tragen dazu bei, dass Bienen gesund bleiben.“
Um die Bildung von HMF im Bienenfutter zu vermeiden, ist es wichtig, auf die Produktions-, Transport- und Lagerbedingungen zu achten. Händler und Imker sollten Futterzucker vor Temperaturen über 25° C und direkter Sonneneinstrahlung schützen. Zudem sollte eine lange Lagerdauer bei höheren Temperaturen vermieden werden. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass sich die Bienen auch in den kalten Wintermonaten im Bienenstock sicher versorgen können.
Hintergrundinformation
Hydroxymethylfurfural (HMF), auch 5-Hydroxymethyl-2-furaldehyd, ist ein Abbauprodukt aus Einfachzuckern, insbesondere der Fructose. HMF kommt in kohlenhydrathaltigen Lebens- und Futtermitteln vor, zum Beispiel in Futterzuckern, die in der Winterfütterung von Honigbienen eingesetzt werden. Studien deuten darauf hin, dass erhöhte Gehalte an HMF für Honigbienen schädlich sind, besonders wenn eine lang andauernde Fütterungsperiode, vor allem im Winter, eine langfristige Exposition mit HMF bedingt.
Die Überwachungsbehörden der Bundesländer untersuchen Futtermittel risikoorientiert auf den Gehalt an unerwünschten Soffen, so auch auf HMF. Die Untersuchungsergebnisse fließen in die Futtermitteljahresstatistik ein, die das BVL aus den von den Bundesländern gemeldeten Daten erstellt. Im Zeitraum 2018 bis 2020 haben einige Bundesländer ein Sonderprogramm zur Untersuchung von HMF in Bienenfuttermittel durchgeführt. Dabei wurden 116 Futtermittelproben auf ihren HMF-Gehalt untersucht. Im Zeitraum 2021 bis 2024, ohne Sonderprogramme, war die Zahl mit 37 Proben entsprechend geringer. Im gesamten Untersuchungszeitraum wurde keine Probe beanstandet.
Weiterführende Informationen
Weitere Informationen zur Vermeidung des Vorkommens von HMF in Futtermitteln für Honigbienen sind in einem Merkblatt zusammengefasst, das in Zusammenarbeit von Bund und Ländern mit Wissenschaft und Wirtschaftsverbänden erstellt wurde. Das Merkblatt kann von der Internetseite des BVL heruntergeladen werden.
Über das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
Das BVL ist eine eigenständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). Es ist für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, Tierarzneimitteln und gentechnisch veränderten Organismen in Deutschland zuständig. Im Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit übernimmt das BVL Managementaufgaben und koordiniert auf verschiedenen Ebenen die Zusammenarbeit zwischen dem Bund, den Bundesländern und der Europäischen Union.
Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
Im Rahmen der Fachtagung in Augsburg standen auch Mastitistherapie und Eutergesundheit im Fokus. Dr. Heinrich-Jürgen Zumbusch (Vétoquinol) und Stephanie Meyer (SaluVet GmbH) zeigten, dass sowohl die Behandlung als auch die Vorbeugung heute ein differenziertes und konsequentes Vorgehen erfordern.
Mastitis ist nicht nur eine akute Erkrankung, sondern hat auch langfristige Folgen. Entzündungen zerstören Milchgewebe, das anschließend durch Bindegewebe ersetzt wird. Die Milchleistung sinkt dauerhaft. Umso wichtiger ist eine differenzierte Therapie.
Eine Mastitis entsteht, wenn Krankheitserreger in das Euter eindringen und sich dort vermehren. Das Immunsystem reagiert sofort, es kommt zur Entzündung. Je nach Stärke dieser Reaktion und des Erregers verläuft die Erkrankung unterschiedlich: Manche Infektionen heilen von selbst aus, andere bleiben unbemerkt (subklinisch), und wieder andere führen zu einer deutlich sichtbaren, klinischen Mastitis.
Entscheidend ist der Schweregrad. Leichte Mastitiden äußern sich häufig nur durch veränderte Milch, während die Kuh ansonsten unauffällig bleibt. In solchen Fällen ist ein Antibiotikum oft nicht notwendig. Bei mittelschweren Verläufen sollte die Entscheidung gezielt getroffen werden. Schwere Mastitiden hingegen erfordern ein sofortiges Eingreifen, da das Allgemeinbefinden der Tiere deutlich beeinträchtigt ist.
Evidenzbasierte Mastitistherapie
Lange Zeit galt: Mastitis gleich Antibiotikum. Heute weiß man, dass dieses Vorgehen oft unnötig ist und sogar Nachteile mit sich bringt, etwa Resistenzentwicklung oder unnötige Kosten. Ein zentraler Baustein der modernen Therapie ist die Diagnostik. Statt routinemäßig zu behandeln, wird zunächst der Erreger bestimmt. Auf dieser Grundlage wird entschieden, ob ein Antibiotikum überhaupt sinnvoll ist und wenn ja, welches.
Häufig reicht eine lokale Behandlung aus, während schwere Fälle systemisch behandelt werden müssen. Besonders wichtig ist auch die Erkenntnis, dass nicht jede Mastitis bakteriell „wegtherapiert“ werden muss. Gerade bei sogenannten coliformen Mastitiden, verursacht durch E. coli, ist die Selbstheilungsrate hoch. Hier liegt das Problem oft weniger beim Erreger selbst als bei einer überschießenden Immunreaktion der Kuh.
Ein zentraler Baustein dieser Therapie ist außerdem der konsequente Einsatz von Entzündungshemmern (NSAIDs). Sie lindern Schmerzen, senken Fieber und unterstützen die Heilung und das unabhängig davon, ob Antibiotika eingesetzt werden oder nicht.
Schnelle Diagnostik
Ein zentrales Thema des Vortrags war die Diagnostik. Klassische Laboruntersuchungen liefern zwar zuverlässige Ergebnisse, dauern jedoch mehrere Tage, das ist zu lange für eine zeitnahe Therapieentscheidung. Mit dem Mastatest steht ein praxistaugliches Instrument zur Verfügung. Das Gerät ermöglicht eine Erregerbestimmung inklusive Antibiogramm innerhalb von rund 22 Stunden. Die Ergebnisse werden automatisch ausgewertet und direkt an Landwirt und Tierarzt übermittelt. Dadurch können Behandlungen gezielter durchgeführt werden, was Antibiotika einspart und die Heilungschancen verbessert.
Voraussetzung ist eine saubere Probenentnahme sowie eine stabile Internetverbindung während der Analyse. Für besonders akute Fälle stehen ergänzend schnellere Testverfahren zur Verfügung, die Ergebnisse innerhalb weniger Stunden liefern. Auch für das Trockenstellen eignet sich der Mastatest, der übrigens von Landwirten auch gekauft werden kann.
Auch beim Trockenstellen wurde ein klares Umdenken empfohlen. Statt alle Kühe pauschal mit Antibiotika zu behandeln, sollte die Entscheidung auf Basis der Zellzahlen getroffen werden. Kühe mit niedrigen Zellzahlen (unter 100.000 Zellen) gelten als eutergesund und benötigen in der Regel kein Antibiotikum. Hier bieten Zitzenversiegler einen wirksamen Schutz vor Neuinfektionen.
Eutergesundheit: tägliches Management entscheidend
Stephanie Meyer machte deutlich, wie stark die Eutergesundheit vom täglichen Management beeinflusst wird. Wer seine Daten und seine Kühe genau kennt, erkennt Probleme, bevor sie entstehen.
Eine wichtige Grundlage ist die regelmäßige Auswertung der MLP-Daten. Auffälligkeiten können so frühzeitig erkannt werden. Ebenso wichtig ist die Kenntnis des betriebsspezifischen Erregerprofils, da unterschiedliche Keime unterschiedliche Umweltbedingungen bevorzugen.
Ein zentraler Einflussfaktor ist die Haltung. Liegeflächen müssen sauber und trocken sein. Tiefboxen mit Stroh bieten hohen Komfort, erfordern aber konsequente Pflege. Kalk kann unterstützend wirken, wenn er den pH-Wert in einen alkalischen Bereich verschiebt und damit keimhemmend wirkt. Sandbettwaben bieten hygienische Vorteile, allerdings sind diese oft hart, weshalb eine dünne Strohschicht den Liegekomfort deutlich verbessert, während Hochboxen mit Schaumstoff von den Kühen gut angenommen werden.
Auch die Besatzdichte spielt eine entscheidende Rolle. Überbelegung führt zu weniger Liegezeiten, was sich negativ auf Eutergesundheit, Klauen und Stoffwechsel auswirkt.
Sauberkeit ist ein zentraler Punkt im Alltag. Verschmutzte Kühe tragen mehr Erreger mit sich, was sich häufig in erhöhten Zellzahlen widerspiegelt.
Ergänzend ist eine konsequente Melkhygiene notwendig. Dazu gehören saubere Euter, funktionierende Technik und der regelmäßige Austausch von Verschleißteilen wie Zitzengummis. Ebenso lohnt es sich, die Wirksamkeit der Zwischendesinfektion regelmäßig mit Teststreifen zu überprüfen.
Auch bei Dippmitteln lohnt sich ein genauer Blick. Produkte mit Jod können zwar wirksam sein, greifen jedoch den natürlichen Säureschutzmantel der Haut an und können damit auch nützliche Mikroorganismen beeinträchtigen.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist Hitzestress. Erste Anzeichen lassen sich bereits an der Atmung erkennen. Sind die Nasenlöcher rund und weit geöffnet, atmet die Kuh schneller, ein klares Zeichen für Stress. Längliche Nasenlöcher deuten hingegen auf einen entspannten Zustand hin. Hitzestress führt dazu, dass Kühe weniger fressen und entsprechend weniger Milch geben. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig gegenzusteuern.
Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz lädt am
Donnerstag, den 21. Mai 2026 um 19 Uhr zu einer Online-Informationsveranstaltung zur „Newcastle-Krankheit – Aktuelle Herausforderungen“ ein.
Programm
1) Begrüßung: Miriam Staudte, Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Moderation: Dr. Alice Welzel, Nds. ML
2) Überblick Newcastle-Krankheit – Ursache, Symptome, Eintragswege und aktuelle Verbreitung in Europa und Deutschland (Prof. Dr. Carola Sauter-Louis, PD Dr. Christian Grund, FLI)
3) Prävention: Impfung und effektive Biosicherheitsmaßnahmen
• Möglichkeiten und Grenzen der Impfstoffe (PD Dr. Christian Grund, FLI)
• Praktische Umsetzung (Dr. Heinrich Windhaus, Die Praxis für Geflügel GbR, Vechta)
4) Fragen aus dem Chat
Für die Webex-Videoveranstaltung ist eine Dauer von ca. 90 Minuten vorgesehen.
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Meeting-Kennnummer (Zugriffscode): 2743 838 2264
Meeting-Passwort: 8A8fJiDGxg7 (82835434 beim Einwählen von einem Telefon)