Kolostrum fürs Kalb – und Wasser! #MSD-Münsterland-Symposium Nr. 2

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Der Vortrag von Dr. Peter Sanftleben (Institut für Tierproduktion der LFA Mecklenburg-Vorpommern) drehte sich vor allem um Kälbertränke und Kolostrum. Natürlich muss jedem Rinderhalter die Bedeutung der Biestmilchversorgung klar sein, aber einige Details gilt es besonders zu beachten.

Laut Kälberhaltungsverordnung muss jedes Kalb spätestens vier Stunden nach der Geburt gesoffen haben. Aber es kommt dabei auf Qualität und Menge des Kolostrums an. Bei Untersuchungen in schwedischen und norwegischen Biobetrieben, in denen alle Kälber bei ihren Müttern saugten, wurde in 31% der Fälle ein mangelnder Immuntransfer festgestellt. Der IgG1-Gehalt der Biestmilch war zu gering und die aufgenommene Menge ebenso. Eine wichtige Rolle spielt auch das Alter der Kuh. Bereits 1991 haben Pritchett et al. festgestellt, dass von Laktationsnummer 1 bis 4 der Gehalt an IgG1 in der Biestmilch von 42,8 auf 56,6 ansteigt.

Erste Wahl sollte möglichst immer das Kolostrum des Muttertieres sein. Aber auch Biestmilch hoher Qualität von älteren Kühen sollte im Betrieb vorhanden sein. Mit der Spindel auf Qualität geprüft, in Portionen von 1 bis 1,5 Litern eingefroren und im Wasserbad bei unter 60 Grad aufgetaut.

Dr. Peter Sanftleben

In den folgenden Lebenswochen des Kalbes gelte es dann, den richtigen Milchaustauscher zu wählen. Manche Landwirte neigten hier zur Sparsamkeit, meinte Sanftleben, aber essentiell sei doch die Verdaulichkeit. Je jünger die Kälber, desto höher solle der Anteil an tierische Eiweiß-Quellen sein. Pflanzliche Komponenten seien für junge Kälber teilweise nur zur Hälfte verdaulich.

Auch auf die Wasserqualität müsse man unbedingt achten. Häufig sei der Sulfatgehalt zu hoch und verursache Durchfälle und einen zu geringen Trockenmassegehalt im Kot. Das eigene Wasser untersuchen zu lassen, sei deshalb unabdingbar.

Die Abtränkphase empfiehlt der Wissenschaftler zu verlängern, von 70 bis auf 100 Tage, um einen Abfall der Tageszunahmen zu verhindern. Und auch die Versorgung mit Wasser sei von Anfang an dringend empfohlen! Die Ergebnisse einer Studie von 2018 Wickramasinghe et al. zeigten, dass Holsteinkälber, denen vom ersten Lebenstag an zusätzlich Wasser angeboten wurde, bis zu einem Alter von 5 Monaten ein höheres Körpergewicht, eine größere Hüfthöhe sowie Körperlänge und höhere Futtereffizienz erreichten, als ihre Vergleichsgruppe.

Eine Meta-Analyse einschlägiger Forschungsergebnisse zeige, so Peter Sanfleben am Schluss seines Vortrags, dass besser versorgte Kälber später als Kühe bis zur 3. Laktation 1.034 kg Milch mehr gäben!

Boehringer Ingelheim verkündet Gewinner des BVDzero-Stipendienprogramms

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Das aus internationalen Branchenexperten bestehende BVDzero-Komitee hat gemeinsam mit einem Vertreter der World Association for Buiatrics zwölf herausragende Tiermedizinstudenten aus der ganzen Welt für das BVDzero-Stipendium ausgewählt. Sie können helfen, die sich stetig wandelnden Bedürfnisse der Branche zu adressieren. Auch können sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Herausforderungen der Veterinärmedizin in den Bereichen Gesundheit und Tierwohl zu bewältigen.

Ursprünglich war es geplant, die zehn besten Studierenden auszuwählen. Aufgrund der hohen Qualität der eingereichten Bewerbungen entschied sich das Komitee jedoch für zwölf herausragende Studenten. Sie erhalten jeweils ein Stipendium in Höhe von 1.000 Euro zur Abdeckung der Reisekosten zum World Buiatrics Congress 2020 in Madrid. Für alle Stipendiaten übernimmt Boehringer Ingelheim außerdem die Kosten für die Kongressanmeldung und kommt für die Unterkunft auf.

Der Kongress ist ein Top-Ereignis der Branche und bietet hervorragende Möglichkeiten zum Netzwerken und Lernen. Die Studierenden können dort ihr tiermedizinisches Wissen im Bereich Rindermedizin erweitern. Denn sie haben auf dem Kongress die Möglichkeit mit Fachexperten, zentralen Meinungsführern und dem für Rinder zuständigen Team des Unternehmensbereichs Tiergesundheit von Boehringer Ingelheim ins Gespräch zu kommen.

Die zwölf Stipendiaten des BVDzero-Stipendienprogramms lauten wie folgt:

·Allison Hale, USA
·Amy Birch, Australien
·Bruna Mendes, Brasilien
·Eugenia Ishaku, Nigeria
·Jessie Hesseling, Niederlande
·Jia Cheng, China
·Lovina Ikwe, Nigeria
·Mariel Burquez, Mexiko
·Samuel Kalis, USA
·Savannah Basham, USA
·Tahia Logna, Bangladesch
·William Philips, Vereinigtes Königreich

„Wir haben uns über das große Interesse von Studierenden aus der ganzen Welt sehr gefreut. Insgesamt haben wir 454 Bewerbungen erhalten. Durch diese Initiative möchten wir Tiermedizinstudenten auf die Bovine Virusdiarrhoe (BVD) aufmerksam machen und ein Bewusstsein für die Krankheit schaffen. Darüber hinaus möchten wir mit Menschen in Kontakt kommen, die sich für eine Karriere bei Boehringer Ingelheim interessieren, um gemeinsam mit uns die Zukunft der Tiergesundheit zu gestalten“, so Serkan Erkovan, Senior Global Manager for Ruminant Business bei Boehringer Ingelheim.

Quelle: Boehringer Ingelheim

Chemikalien testen ohne Tierversuche an Nagetieren

Forscherinnen und Forscher der TiHo entwickeln Ersatzmethode mit Heuschrecken, um zu testen, ob Chemikalien neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern verursachen.

In den letzten Jahren hat die Zahl neurologischer Entwicklungsstörungen bei Kindern zugenommen. Epidemiologische Daten legen nahe, dass Faktoren des Lebensstils und Chemikalien, die in unserem Umfeld eingesetzt werden, dazu beitragen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Physiologie und Zellbiologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) veröffentlichten in der Zeitschrift ALTEX einen Test, mit dem Chemikalien daraufhin überprüft werden können – ohne dass dafür Labornager eingesetzt werden müssen.

Das Gehirn des heranwachsenden Organismus reagiert empfindlicher auf Chemikalien als das erwachsene. Für chemische Verbindungen wie Pestizide, Quecksilberverbindungen, PCB oder Toluol konnte bereits gezeigt werden, dass sie eine Ursache für Entwicklungsstörungen bei Kindern sein können. „Die Anzahl bisher untersuchter Chemikalien ist aber leider verschwindend gering, da die erforderlichen Testverfahren sehr aufwendig sind und eine hohe Anzahl von Tierversuchen mit Labornagern erfordern. Aussagekräftige und zeitsparende Tests, die sich auf Zellkulturverfahren beschränken und eine Alternative zum stark belastenden Tierversuch sind, werden daher dringlich benötigt“, erklärt Professor Dr. Gerd Bicker aus dem Institut für Physiologie und Zellbiologie.

Wie funktioniert die Methode?
Während der Embryonalentwicklung der Säugerhirnrinde steuern Leitsignale wie das Protein Semaphorin, wohin die Fortsätze der Nervenzellen (Axone) wachsen. Die Signalstoffe erzeugen einen Konzentrationsgradienten, an dem sich die Axone orientieren. „Im heranwachsenden Heuschreckenembryo funktioniert es genauso: Semaphorine sind Signalgeber für die sogenannten Pionierneuronen, die im sich entwickelnden Nervensystem die ersten Axone aussenden“, erklärt Gregor Bergmann, der sich dem Thema in seiner Doktorarbeit bei Professor Bicker widmet. „Semaphorine wurden in der Evolution vom Virus bis zum Menschen konserviert, also kaum verändert.“ Die Pionierneurone des Insektenembryos legen entlang von Semaphoringradienten die erste Sinnesbahn von den Gliedmaßen in das zentrale Nervensystem. Die Ähnlichkeit der Wegfindungsmechanismen zwischen Insektenembryos und der Säugerhirnrinde veranlasste Bickers Arbeitsgruppe, die Heuschreckenembryonen als entwicklungstoxikologisches Testsystem einzusetzen.

Bisherige Ersatz- und Ergänzungsmethoden erfassen hauptsächlich relativ einfach messbare Zelleigenschaften wie die Lebensfähigkeit von Zellen, die Zellvermehrung oder die Synthese neuronaler Proteine. Die Entstehung eines funktionellen Gehirns erfordert aber vielschichtige Interaktionen verschiedener Zelltypen, beispielsweise wenn Nervenfasern in der komplexen Umgebung des neuronalen Gewebes präzise den Weg zu ihren Zielgebieten finden müssen. Das neuartige Testsystem wird dieser Komplexität gerecht, indem die Forscherinnen und Forscher den vollständigen intakten Insektenembryo zusammen mit den Testchemikalien kultivieren. Anschließend quantifizieren sie mit fluoreszenzmikroskopischen Methoden, ob die Pionierneuronen im Gewebe entstehen, auswachsen und Wegfindungsfehler machen. Die Ergebnisse des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes zeigen die Empfindlichkeit des Systems gegenüber Pestiziden, Kalziumkanalblockern und Substanzen, die den Aufbau des Zellskeletts beeinflussen.

Die Einsatzmöglichkeiten
Damit der Insektenassay routinemäßig als Ersatz- und Ergänzungsmethode für bisher verwendete Tierversuche eingesetzt werden kann, muss er standardisiert werden. „Der Prozess wird einige Jahre in Anspruch nehmen“, sagt Bicker. Danach könnte er genutzt werden, um zu bestimmen, ob die Hirnrinde unter Einfluss der Testchemikalien bei Säugern korrekt verschaltet wird. Zusätzlich könnte er als Ersatz- und Ergänzungsmethode verwendet werden, um pharmakologische Wirkstoffe zu screenen, die das Wachstum neuronaler Verbindungen fördern und so helfen, das Nervensystem nach Verletzungen zu regenerieren.

„Eine besondere Note bekommt das Projekt, wenn man sich vor Augen führt, dass Wissenschaftler seit einem Jahrhundert intensiv die Entwicklungsbiologie der Heuschrecke erforschen, um Strategien zur Bekämpfung dieses schwarmbildenden Schadinsekts zu entwickeln. Bei dieser Grundlagenforschung stellte sich heraus, dass der Heuschreckenembryo ein übersichtlicher Modellorganismus ist, um zu studieren, wie Nervenzellen sich bilden und auswachsen“, sagt Bicker.

Die Originalpublikation
An Intact Insect Embryo for Developmental Neurotoxicity Testing of Directed Axonal Elongation
Gregor A. Bergmann, Sarah Frömbling, Nina Joseph, Karsten Bode, Gerd Bicker, Michael Stern
ALTEX, DOI:10.14573/altex.1901291

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Einfluss der Kälber-Aufzucht auf spätere Milchleistung – #MSD-Münsterland-Symposium Nr. 1

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Wie sich Probleme in der Kälberaufzucht später auf die Leistung der Milchkuh auswirken, stellte Dr. Anke Römer in ihrem Vortrag anlässlich MSD-Rinder-Symposiums in Münster detailliert dar. Die Wissenschaftlerin vom Institut für Tierproduktion der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern, konnte dabei auf Daten von 30 Betrieben der Rinder-Allianz M-V zurückgreifen. In ihre Untersuchung wurden sage und schreibe 243.402 Kälber einbezogen, die zwischen Oktober 2005 und Juni 2017 in den Testherden geboren wurden.

Ihr Augenmerk richtete Anke Römer zunächst vor allem auf das Geburtsgewicht. Im Mittel wogen die Kälber in Meck-Pomm bei der Geburt 42,6 kg. Die Tiere unterschieden sich, je nach Ausgangsgewicht, deutlich in der Aufnahme an Milchaustauscher. Bis zum 60. Lebenstag soffen leicht geborene Kälber (unter 40 kg) durchschnittlich 375 Liter, mittelschwer geborene (40-45 kg) schon 393 Liter und Kälber mit mehr als 45 kg Geburtsgewicht 418 Liter.

Aber: ist das Geburtsgewicht des Kalbes überhaupt wichtig für die spätere Leistung als Kuh? 10 Betriebe wogen ihre Kälber regelmäßig, 7 weitere taten dies sporadisch. So konnten die Gewichte von insgesamt 27.664 Kälbern zum 80. Lebenstag ermittelt werden. Im Mittel wogen die Tiere dann 99 kg. Bei der Zunahme an Lebendmasse zeigten sich aber erhebliche Unterschiede: Waren es im Schnitt 719 g bis zum 80 LT, lagen die geringsten und höchsten Werte weit auseinander: 400 g im Minimum gegenüber maximal 1.600 g. Die schwergeborenen Kälber zeigten sich auch mit 80 Lebenstagen klar im Vorteil: wogen sie bei der Geburt schon mehr als 50 kg, konnten sie bis zum 80. LT 13 kg mehr zulegen, als Kälber die unter 35 kg Geburtsgewicht gehabt hatten (90 kg zu 103 kg).

Das Geburtsgewicht weiblicher Kälber steigt mit der Trächtigkeitsdauer. Jeder zusätzliche Tag bringt hier auch zusätzliches Körpergewicht. Kälber von Altkühen sind durchschnittlich schwerer, aber auch die Saison hat ihren Einfluss: Sommerkälber sind am leichtesten (42,10 kg), Winterkälber am schwersten (42,65 kg). Auf der Waage zeigte sich, dass leichte Kälber zwar am Anfang (bis 80. LT) mehr zunehmen, die schweren aber später stark aufholten (bis 450. LT).

Ziel des üblichen Fütterungsmanagements ist die möglichst rasche Ausreifung des Vormagensystems und deshalb wird bislang häufig die Milchaufnahme limitiert und früh Festfutter angeboten. Aber, erklärte Dr. Anke Römer, so schöpfe man das Wachstumspotential der Kälber gar nicht aus und verzichte auf spätere Milchleistung. Bei Kühen, die als Kälber unter 600 g Tageszunahme hatten und solchen die 1.000 aufwiesen, lag der Unterschied bei 460 kg Milch in der ersten Laktation!

Was aus einem Kalb wird, liegt – man kann es nicht oft genug sagen – an der Aufzucht. Die ersten Lebenstage sind entscheidend und wirken sich lebenslang auf den Organismus aus. Dazu müsse man wissen, sagte die Referentin, dass bis zum 40. Lebenstag das Körperwachstum auf Zellvermehrung durch Teilung beruhe und später der Massenzuwachs aller Organe hauptsächlich durch Vergrößerung vorhandener Zellen erzielt würde.

Deshalb fordert Anke Römer „Mut zur „ad-lib-Tränke“. Ein Kalb brauche pro Tag folgende Milchmengen: zur Erhaltung 4 l, für 1.000 g Wachstum 5 l, zur Wärmeproduktion (ab 0 Grad C) 1 l und für die Immunabwehr 2 l. Insgesamt also 12 Liter Milch. Aber: trinken Kälber in den ersten beiden Lebenswochen überhaupt so viel? Im Versuch taten sie das durchaus. Um Durchfälle zu vermeiden, sei jedoch gute Tränkequalität wichtig, dass die Tiere mit gestrecktem Hals saufen und dabei intensiv saugen (durch kleine Nuckelöffnungen, die nicht aufgeschnitten, aber regelmäßig ersetzt werden sollten).

Ab dem 6. Lebensmonat sollten die Tageszunahmen dann gebremst werden, um einer Verfettung vorzubeugen. Bis 6. Monat ad lib oder 3×4 l täglich, danach energieärmer) Zur Kontrolle sei regelmäßiges Wiegen wichtig. Die Vollkosten hierfür kalkulierte Frau Römer mit € 30,- je Kuh (Kälberwaage, Jungrinderwaage, Arbeitsaufwand, bei insgesamt 100 Kühen).

Und am Ende liege, dank früher und hoher Gewichtszunahmen, auch noch die Nutzungsdauer um 3 Monate höher.

Boehringer Ingelheim Farm Animal Well-Being Forum 2019: Erwartungen an mehr Tierwohl in Einklang bringen

Die gute Zusammenarbeit zwischen Tierärzten und Landwirten ist ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Umsetzung eines hohen Tierwohlniveaus, resümierten internationale Experten auf dem kürzlich von Boehringer Ingelheim veranstalteten Expertenforum für das Tierwohl von Nutztieren. Über 100 Delegierte aus 17 Ländern trafen sich im Juni in Prag zum 12. Mal im Rahmen der Konferenz.

In vielen Regionen stehen hohe und steigende Erwartungen an das Tierwohl einer überwiegend niedrigen Zahlungsbereitschaft des Verbrauchers gegenüber. Viele international operierende Unternehmen der Agrar- und Ernährungsbranche nutzen Tierwohl bereits seit längerem als Benchmarking-System und beziehen verschiedene Tierwohlaspekte in die Etablierung nachhaltiger Lieferketten mit ein.

Trotz modernster Forschung und Technologie ist eines der größten Hindernisse für das Erreichen eines hohen Tierschutzes das Verhalten und die Einstellungen von Landwirten, Tierärzten und Verbrauchern. Das Aufbrechen von traditionellen Denkweisen und Verhaltensmustern ist laut den Teilnehmern ein zentraler Erfolgsfaktor. Tierwohl bedeutet weit mehr als nur Freiheit von Schmerzen, es stehe bei aller Komplexität der Begriffe unter anderem in der öffentlichen Wahrnehmung für eine artgerechte und stressfreie Haltung der Tiere sowie für den Mehraufwand, der vom Verbraucher honoriert werden muss.

Seit 2008 bringt Boehringer Ingelheim als führendes Tiergesundheitsunternehmen für das Forum Tierärzte, Landwirte Wissenschaftler, Lebensmitteleinzelhandel und andere Vertreter aus der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereichen zusammen, um die neuesten Forschungsergebnisse, Daten und Visionen zur Verbesserung des Tierwohls von Nutztieren zu diskutieren.

Weitere Informationen über dieses Forum und vergangene Veranstaltungen finden Sie unter: www.farmanimalwellbeing.com

Weitere Informationen gibt Ihnen gerne:

Dr. Malte Lohölter
Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH
Tel.: +49 (6132) 77-7174
malte.lohoelter@boehringer-ingelheim.com

Feldstudie: Wie viel Herbst-Zeitlose und Kreuzkraut sind zu viel?

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Achtung giftig: Auf Grünland wie Weiden und Wiesen finden viele Pflanzen einen Lebensraum, doch auch toxische Arten wie Jakobskreuzkraut (Jakobs-Greiskraut) oder Herbst-Zeitlose fühlen sich hier wohl. Das kann schwere Folgen für Tiere wie Rinder oder Pferde haben, wenn sie die Pflanzen mit dem Heu fressen. Deshalb ist der Einsatz des Grünschnitts als Futter grundsätzlich verboten. Ungefährliche, aber wertvolle Pflanzen des artenreichen Futters bleiben in der Folge ungenutzt. Bisher ist nicht bekannt, welche Mengen der Giftpflanzen für die Tiere gefährlich sind und inwieweit sie diese wirklich fressen. Gemeinsam wollen die Stiftung Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover und die Universität Leipzig diese Wissenslücke schließen. Ihr Vorhaben wird fachlich und finanziell mit rund 290.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. „Mit dem Wissen wollen wir helfen, Besitzern von Grünland im Umgang mit den Giftpflanzen mehr Sicherheit zu geben und so mehr dieser wichtigen Lebensräume zu schützen“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.

Später sollen Grenzwerte helfen, Gras und Heu sicher zu nutzen
„Bisher ist nicht bekannt, wie viel Giftpflanzen im Futter enthalten sein dürfen, ohne dass die Tiere Schaden nehmen. Auch ist nicht klar, in welchem Maße sie diese überhaupt zu sich nehmen. Konkret wollen wir in unserer Studie unter realen Bedingungen messen, inwieweit Pferde und Rinder die Giftpflanzen Jakobs-Greiskraut und Herbst-Zeitlose im Heu von selbst meiden“, erläutert Projektleiterin Dr. Sabine Aboling aus dem Institut für Tierernährung der TiHo. Aus den Ergebnissen sollen anschließend Grenzwerte berechnet werden, welchen Anteil die beiden Gift-Pflanzen auf Weiden und Wiesen haben dürfen, das Gras und anderer Bewuchs aber trotzdem bedenkenlos als Futter genutzt werden können. Aboling: „Am Ende sollen konkrete Zahlen stehen, die später an Landwirte, Tierhalter, Naturschutzverbände und Tierärzte weitergegeben werden können.“

Wirtschaftlichkeit von Grünland wichtiger Punkt für Erhalt
Von ihren Ergebnissen erhoffen sich die Projektpartner, dass langfristig weniger Pflanzenschutzmittel gegen die Giftpflanzen auf Wiesen und Weiden eingesetzt werden. Auch soll der Vertragsnaturschutz, also der Schutz von Flächen gegen Geld, gestärkt werden. „Die Wirtschaftlichkeit ist ein wichtiger Punkt: Wir hoffen, dass der Erhalt des Grünlandes sich finanziell lohnt und weniger Flächen in Acker umgewandelt werden oder brach liegen, wenn mehr Grünschnitt als Futter und damit Einnahmequelle genutzt werden kann. Das wäre ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt“, so Aboling.

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Lawsonien schwächen Immunsystem im Darm

Wissenschaftler untersuchten den Einfluss einer Lawsonien-Infektion auf das Darmimmunsystem und belegten eine lokale Immunsuppression.* Nahezu jedes Mastschwein in Deutschland macht eine Lawsonien-Infektion durch, was die Brisanz dieser neuen Erkenntnisse durchaus erhöht. Bisher kannte man nachstehende Folgen der Lawsonien-Infektion:

• reduzierte Nährstoffaufnahme insb. schlechtere Rohprotein-Verdaulichkeit
• reduzierte Tageszunahmen und schlechtere Futterverwertung
• Auseinanderwachsen

Durch den direkten Einfluss und die Verschiebung des Mikrobioms, die Zerstörung der wichtigen Mukusschicht auf der Darmschleimhaut, sowie eine lokale Immunsuppression mit Verlust der essentiellen zytotoxischen T-Zellen und Makrophagen wird die Darmbarriere durch Lawsonien gestört. Damit erklären sich auch stark erhöhte Risiken von Sekundärinfektionen, wie z.B. eine Salmonellose. Die Auswirkungen einer Lawsonien-Infektion und deren Einfluss auf das gesamte Tier sind erheblich. Aufgrund der hauptsächlich subklinischen Ileitis-Form sollte man die Darmgesundheit nie aus dem Blick verlieren. Häufig wird mit Futterzusätzen an den Symptomen gearbeitet, ohne der eigentlichen Ursache auf den Grund zu gehen und sie zu lösen. Eine Impfung gegen Ileitis schützt nachweislich vor diesen Schäden.

*Quelle: Leite, F. L. L. et al., Poster Leman Conf. (2016)

Weitere Informationen erhalten Sie über Kim Schulze, Tel.: 06132 77-90218, E-Mail: kim.schulze@boehringer-ingelheim.com.

Verhaltensstörungen bei Legehennen verhindern

Wissenschaftler der HTW Dresden untersuchen, wie sich die Haltungsbedingungen auf das physiologische Verhalten von Legehennen auswirken. Ziel ist es, dem Federpicken vorzubeugen.

Federpicken ist bei Legehennen, Hühner die zur Erzeugung von Eiern gehalten werden, eine bedeutsame Verhaltensstörung. Das gegenseitige Picken der Federn führt zu Stress und Schmerzen bei den Hennen und wirkt sich negativ auf deren Leistungen aus.

Wie diese Verhaltensstörung verhindert werden kann, untersucht ein Forschungsteam um Professor Markus Freick am Zentrum für Angewandte Forschung und Technologie e. V. (ZAFT). Die Ursachen des Federpickens sind vielfältig und reichen von der genetischen Veranlagung und der Fütterung über das Haltungsumfeld und die soziale Struktur bis hin zur Tiergesundheit. Trotz der Kenntnis der Ursachen fehlen derzeit geeignete Verfahren, die diesen Verhaltensstörungen vorbeugen.

Projektleiter Professor Freick: „Der Fokus der Forschung liegt auf drei Aspekten. Zunächst betrachten wir, wie sich die Qualität des Einstreumaterials in den Stallungen auf das Tierwohl auswirkt. Darüber hinaus wird untersucht, welche Belastungen durch Parasiten, wie der Roten Vogelmilbe entstehen. Abschließend wollen wir herausfinden, inwieweit Schäden am Gefieder oder dem Körper der Hennen entstehen. Aktuell arbeitet die Forschung mit rein visuellen Methoden. Im Projekt wird evaluiert, ob Infrarot-Thermografie als nicht invasive Methode der Einzeltieruntersuchung in Frage kommt. Dies könnte die klassischen Verfahren ergänzen und erweitern, um frühzeitig Gefiederschäden zu erkennen und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten.“

Zunächst werden in verschiedenen sächsischen Legehennenherden Daten zum Zustand von Gefieder, Pickverletzungen, der biologischen Leistung sowie zu Kot-, Einstreu- und Futtereigenschaften erhoben. Anhand dieser Daten wird ein Beratungskonzept für regionale Geflügelhöfe entwickelt.

Das Projekt in Kooperation mit dem Sächsischen Geflügelwirtschaftsverband, der Sächsischen Tierseuchenkasse, dem Großenhainer Geflügelhof sowie dem Landwirtschaftsbetrieb Krätzschmar läuft bis März 2022. Es wird mit rund 320.000 Euro vom Sächsischen Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie gefördert. Die Mittel stammen aus der Europäischen Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-Agri).

Quelle: Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden

Umweltschonende Bekämpfung verbreiteter Krankheiten bei Fischen und Amphibien

Lebewesen im Meer und im Süßwasser weltweit sind von Pilz- und pilzartigen Krankheiten bedroht. Diese Krankheitserreger sind vor allem in der Aquakultur gefürchtet. Sie stellen aber auch eine Bedrohung für die Biodiversität von Amphibien dar. Es gibt nur wenige zugelassene chemische Mittel zur Bekämpfung, mit oft unerwünschten Nebenwirkungen. Forschende vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) schlagen nun alternative biologische Konzepte zur umweltschonenden Bekämpfung von Pilzkrankheiten vor.

Einige Pilz- und pilzartige Krankheiten erzeugen kleine infektiöse Stadien – Zoosporen –, die im Wasser schwimmen, um nach neuen Wirten zu suchen. Sie können Fische, Amphibien und Algen, die für den menschlichen Verzehr gezüchtet werden, befallen. „Der Schaden, der durch diese Krankheiten verursacht wird, ist beträchtlich. Nur wenige Chemikalien sind für die Prophylaxe zugelassen, aber teuer, umweltschädlich und oft langfristig wirkungslos – was die richtige Anwendung gerade im Artenschutz sehr schwierig macht“, beschreibt Dr. Thijs Frenken, Hauptautor der Studie, das Problem.

80 Millionen Tonnen der weltweiten Fischproduktion stammen aus der Aquakultur, Tendenz steigend. Krankheiten sind die Hauptursache für wirtschaftliche Verluste in der Fischzucht. Mindestens zehn Prozent aller geschlüpften Lachse in der Aquakultur erkranken an Zoosporen. Allein in schottischen Lachsfarmen führen beispielsweise Infektionen mit dieser Pilzkrankheit zu Produktionsausfällen von mindestens 6,5 Millionen US-Dollar pro Jahr. Effiziente und nachhaltige Methoden zur Bekämpfung von Fischkrankheiten sind daher für den zukünftigen Erfolg der Aquakultur von größter Bedeutung. „Wir müssen zu den Grundlagen zurückkehren und unser ökologisches Verständnis dieser Organismen anwenden, um die Ausbreitung von Infektionen zu begrenzen“, spezifiziert Dr. Thijs Frenken.

Die Forschenden schlagen 7 biologische Konzepte für den Schutz von Wasserorganismen vor Zoosporenerkrankungen vor, die umweltfreundlicher und nachhaltiger als chemische Methoden sind:

1. Übertragungen reduzieren (Kontrolle der Verbreitungswege und -vektoren): Tier- und Pflanzenarten können Erreger verbreiten, auch ein enger Kontakt unter verschiedenen Populationen erhöht das Risiko einer Verbreitung von Krankheitserregern.
2. Die Diversität der Wirtsarten erhöhen: Es gilt der sogenannte Monokultureffekt – genetisch homogene Populationen sind anfälliger gegenüber Infektionserregern als diverse Gemeinschaften.
3. Impfung und Immunisierung: Fische zu impfen ist eine gängige Praxis in der Aquakultur. Bisher gibt es keine Impfstoffe gegen pilzartige Krankheiten, dies könnte aber ein vielversprechender Weg sein.
4. Die induzierte Abwehr und Produktion von Antipilz-Peptiden stimulieren: Wenn parasitäre Erreger in den Wirt eindringen, sterben Wirtszellen ab und Eiweißbausteine „Peptide“ werden freigesetzt. Diese Signalstoffe bewirken in den Nachbarzellen eine erhöhte Immunabwehr.
5. Probiotika einsetzen: Sie können das Wachstum von parasitären Zoosporen hemmen und auch die Bindung von Zoosporen an den Wirt verhindern, indem sie oberflächenaktive Substanzen bilden. Probiotika wurden bei Fischen bereits erfolgreich als Behandlung von Zoosporen-Infektionen getestet.
6. Hyperparasitismus: Parasitäre Erreger können durch die Anwesenheit anderer Parasiten reduziert werden.
7. „Parasiten-Fresser“ einsetzen: Viele Parasiten sind Nahrung für andere Organismen. Kleinstlebewesen im Gewässer (Zooplankton) können beispielsweise verpilzte Fischeier „abgrasen“.

„Die sich ständig ändernden Umweltbedingungen haben einen großen Einfluss auf die Interaktion zwischen Parasiten und Wirten. Diese Dynamik muss auch in die Planung von Schutz- und Therapiekonzepten einbezogen werden. Wir hoffen, dass unsere Arbeit die Weiterentwicklung alternativer biologischer Bekämpfungsstrategien anregen wird. Es sind noch viel mehr Arbeiten erforderlich, bevor wir diese Methoden sicher in natürlichen Lebensräumen umsetzen können, ohne unvorhergesehene Risiken einzugehen“, betont die IGB-Forscherin und Studienleiterin Prof. Dr. Justyna Wolinska.

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Der Hoftierarzt E-Magazin 3/2019 – soeben erschienen

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