NEU: Online-Schulung zum stressarmen Umgang mit Milchkühen

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Mit ihren interaktiven Online-Kursen zur Kälbergesundheit begeisterte die „Kälberschule“ der Tierklinik für Fortpflanzung der Freien Universität Berlin bereits hunderte Mitarbeiter landwirtschaftlicher Betriebe. Nun wird das Kursangebot um den Themenbereich „Stressarmer Umgang mit Milchkühen“ („Kuhschule“) erweitert.

Marika Wendt

Die Teilnehmer lernen hier nützliche Tricks zum „Treiben“ oder dem „Verhalten im Melkstand“, mit der sie alltägliche Arbeiten angenehmer für Mensch und Tier gestalten können. Denn mit viel Druck läuft die Kuh nie schneller, zudem gibt eine gestresste Kuh weniger Milch und ist krankheitsanfälliger. Das weiß Marika Wendt, die das Wissen für die Kuhschule bereitstellt. Die Landwirtin ist in ihrer Arbeit als Zuchtberaterin bei der Rinderallianz täglich in Milchviehanlagen unterwegs und insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern als Expertin für das Vermitteln von Wissen zum stressarmen Umgang mit Milchkühen bekannt.

Sie sagt: „Man muss ein Grundverständnis für das Naturell der Kuh als stilles Herdentier entwickeln und die Vorstellung ablegen, dass man großen Tieren nur mit Kraft beikommt. Wenn man weiß wie, geht das Arbeiten im Stall viel leichter von der Hand, ist sicherer und macht auch mehr Spaß.“

Das Ziel der Kälberschule und der Kuhschule ist es, leichtverständliches Material zum Anlernen neuer Mitarbeiter und für die Wissensauffrischung zwischendurch bereitzustellen. Jeder Kurs dauert deshalb nur 8-10 Minuten und besteht aus Schritt-für-Schritt-Anleitungen, in denen mit zahlreichen Bildern und Videos aus dem Stall die 3 Kernfragen „Was brauche ich? Wie mache ich es? Warum ist es wichtig?“ beantwortet werden.

Bereits bewährte Themen wie „Erstversorgung des Kalbes“, „Kolostrum-Management“, „Erkennen kranker Kälber“ sind natürlich weiterhin abrufbar. Rund 18 Kurse sind es insgesamt, die in einer noch bedienerfreundlicheren Lernplattform online bereitgestellt werden, die selbstverständlich auch mobil abrufbar ist. Ein Quiz am Ende jedes Themas dient zu spielerischen Wissensüberprüfung.

Auf den Wunsch der bisherigen Kälberschule-Teilnehmer gibt es außerdem zu jedem Thema die Arbeitsanleitungen zum Ausdrucken und Aufhängen für den Stall.

Mitmachen können alle aus den Bereichen der Milchviehhaltung und Tiermedizin: Azubis, Studierende, Aushilfs- und Saisonarbeitskräfte, Angestellte, Familienangehörige sowie Herdenmanagement, Betriebsleitung und tiermedizinisches Fachpersonal. Die Lernmaterialien entstehen im Rahmen zweier Doktorarbeiten, in der sich die Tierklinik für Fortpflanzung mit modern aufbereiteten Informationen für die Milchviehhaltung beschäftigt. Deshalb erbittet die Klinik bei der Anmeldung einige Angaben zu Ihrem Vorwissen und zu Ihrer Tätigkeit. Alle Angaben werden anonym ausgewertet und vertraulich behandelt.

Melden Sie sich jetzt unter diesem Link an (Kursauswahl „Kuhschule“). Sie erhalten dann im Juni eine E-Mail mit dem Zugang zu den Kursen.

Quelle: Tierklinik für Fortpflanzung, Freie Universität Berlin

Bienen und Bestäuberinsekten in der Agrarlandschaft: Einrichtung für Vernetzung und Wissenstransfer gesucht

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In einer neuen Ausschreibung sucht das Bundeslandwirtschaftsministerium eine Einrichtung, die 16 Verbundprojekte zum Schutz von Bienen und Bestäuberinsekten vernetzt und den Wissensaustausch und -transfer fördert. Bewerbungen können bis zum 21. Juni 2021, 12 Uhr, online bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) eingereicht werden.

Im August 2019 hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium mit der „Bekanntmachung über die Förderung von Forschungsvorhaben zum Schutz von Bienen und weiteren Bestäuberinsekten in der Agrarlandschaft“ Projektideen gesucht, die Lösungen für ein Zusammenwirken von Bestäubern, Imkern und landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland entwickeln. Ziel war, das Nahrungsangebot und die Lebensbedingungen für Honigbienen und andere Bestäuberinsekten zu verbessern. 16 Verbundprojekte werden seitdem über das Programm zur Innovationsförderung, das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) sowie über die Ackerbaustrategie des BMEL gefördert.

Diese gilt es nun zu vernetzen und ihre Erkenntnisse öffentlich zu kommunizieren. Hierfür wird eine Einrichtung gesucht, die eine hohe Sichtbarkeit und nachhaltige Breitenwirksamkeit der Projekte sicherstellt. Gelingen soll das beispielsweise durch die Organisation und Unterstützung von übergreifenden Kooperationen zwischen den einzelnen Verbundprojekten und Akteuren wie Berufsverbänden. Auch die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen zum Wissensaustausch und -transfer sind Teil der Aufgabe.

Die Angebote müssen elektronisch über die e-Vergabe-Plattform des Bundes eingesendet werden. Dort finden Interessierte die Ausschreibung und weitere Informationen.

Hintergrund
Honigbienen und andere wildlebende Bestäuberinsekten leisten durch die Bestäu-bung von Kulturpflanzen und anderen Pflanzen einen wichtigen Beitrag für Landwirt-schaft und Natur. Auf diese Weise sichern sie die menschliche Nahrungsgrundlage und erhalten die biologische Vielfalt. Das Ziel des BMEL ist es, intakte Insektenpopu-lationen im Zusammenspiel mit einer nachhaltigen Landwirtschaft in Deutschland zu realisieren. Über die Förderung von Projekten durch das Programm zur Innovations-förderung, das BÖLN sowie durch die Ackerbaustrategie des BMEL soll hierfür ein wesentlicher Beitrag geleistet werden.

Weitere Informationen

Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

LANXESS schließt Übernahme von THESEO ab Führende Position im Wachstumsmarkt Tierhygiene

Das Unternehmen LANXESS hat zum 01. April die Übernahme von THESEO erfolgreich abgeschlossen. Die zuständigen Kartellbehörden haben die Transaktion im März genehmigt. THESEO mit Hauptsitz in Laval/Frankreich ist ein Anbieter von Biosicherheitslösungen, der im Jahr 2020 einen Umsatz von 33 Millionen Euro erzielte.

Mit der Übernahme baut LANXESS sein Produktportfolio für den Wachstumsmarkt Nutztierhaltung deutlich aus – und bietet nun ein umfangreiches Sortiment von Desinfektions- und Hygienelösungen im Bereich Biosicherheit an. Zum Portfolio zählen auch Produkte zur Schädlingsbekämpfung sowie für Tiernahrung und Tierwohl. Die neuen Geschäfte werden in den Bereich Material Protection Products (MPP) eingegliedert.

Neben den rund 115 Mitarbeitern hat LANXESS die Produktionsstätten von THESEO in Großbritannien, Brasilien, Deutschland und Frankreich übernommen.

Die Kombination des breiten Portfolios von LANXESS und THESEO ermöglicht es LANXESS, als Marktführer in der Tiergesundheitsindustrie Premiumprodukte anzubieten, besonders im Bereich der Reinigungs- und Desinfektionsprodukte.

Auf Kundenebene wird THESEO Deutschland auch weiterhin unverändert auftreten und ein gewohnt zuverlässiger Partner in allen Fragen rund um das Thema Biosicherheit im Agrar-Bereich sein.

Quelle: THESEO Deutschland

Klauenpflege: Qualität und Quantität besser vereinen

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Auf der EuroTier digital wurde auch das Thema Klauenpflege diskutiert. Die Teilnehmer waren Prof. Dr. Alexander Starke und Dr. Fanny Rachidi von der Universität Leipzig, Dr. Hans-Joachim Herrmann vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Robert Otto von der Agrargenossenschaft Eibau eG und Klauenpfleger Klaus Hermann Haß aus Schleswig-Holstein. Ihrer Erfahrung nach geht die Hälfte der Kühe in Deutschland lahm und weist Erkrankungen an den Klauen auf. Und trotz vielfältiger Forschungen auf dem Gebiet hat sich an der Situation nicht viel geändert.

Robert Otto berichtete von seinem Betrieb, dass er 30 % erkrankte Kühe hatte, wovon viele komplizierte Sohlengeschwüre hatten. Eine intensive Behandlung in Zusammenarbeit mit der Uni Leipzig senkte die Zahl der erkrankten Tiere und in der Folge stieg die Milchleistung und bei den Abgangskühen der Schlachterlös, weil es mehr Schlachtkühe gab und weniger Kühe aufgrund von Klauenerkrankungen abgingen. Gesunde Klauen bzw. eben auch kranke Klauen haben also einen direkten Einfluss auf die Leistung der Tiere und damit auch auf das Einkommen des Betriebs.

Klauenpfleger Haß beschrieb seine Situation so, als dass er immer wieder die gleichen Tiere mit den gleichen Problemen vorgestellt bekam. Das wollte er ändern, indem er sich intensiver um jedes einzelne Tier kümmert, so dass das Tier am Ende seiner Behandlung wieder einen intakten Hornschuh hat. Er dokumentiert die Klauenpflege und Behandlung, um so besser beurteilen zu können, wie erfolgreich seine Behandlungen sind. Mit diesem System verdient er allerdings nach dem akkordbasierten Modell der Klauenpflege weniger Geld. Deshalb hat er seine Abrechnung umgestellt auf eine Mischkalkulation: einen Stundenlohn, für die Bereitstellung des Klauenpflegestands eine Grundgebühr und eine Pauschale pro Kuh. Dieses System passt für ihn nun besser, denn er meint, der beste Lehrherr ist die Klaue selbst. Man kann sie aber nur befragen, wenn man sie auch im Nachhinein wieder kontrolliert. Er muss für sein neues System wissen, was aus seiner Arbeit geworden ist. Dann kann er seine Schlüsse daraus ziehen. Der Klauenpfleger sieht das größte Optimierungspotential in der Organisation und dem Management der Klauenpflege, Klauenbehandlungen und deren Nachsorge für den Landwirt, sowie das Synchronisieren von tiergesundheitlichen Bedürfnissen und wirtschaftlichen Interessen aller Beteiligten.

Quelle: Dr. Heike Engels

Weniger Ammoniak und mehr Tierwohl durch bessere Belüftung DBU-Projekt unterstützt neuen Aufbau für Rinderställe

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Die Landwirtschaft gilt als eine der größten Quellen für Ammoniakemissionen. Besonders die Rinderhaltung steht im Fokus. Das Johann Heinrich von Thünen-Institut hat berechnet, dass sich der Ammoniakausstoß senken lässt, wenn die Rinderställe anders aufgebaut sind und ein Abluftkanalsystem installiert wird. Gleichzeitig steigt so das Tierwohl. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat das Projekt fachlich und finanziell mit 97.270 Euro gefördert.

Versauerung und Stickstoffanreicherungen im Boden und in Gewässern bedeuten Belastungen der Ökosysteme, die oft auf Ammoniakemissionen zurückzuführen sind. Nach Vorgabe der Europäischen Union müssen diese Emissionen sinken. In der deutschen Landwirtschaft ist die Rinderhaltung für etwa die Hälfte der Ammoniakemissionen verantwortlich. Ein Großteil davon entfällt auf den Stall und die Lagerung von Gülle.

Mehr Tierwohl und weniger Ammoniak
„Eine Möglichkeit, die Emissionen zu reduzieren ist die sogenannte partielle Unterflurabsaugung“, erläutert der technische Projektleiter Stefan Linke. Die hohe Ammoniakkonzentration werde unter einem Spaltenboden, auf dem die Rinder stehen, abgesaugt und gereinigt. Oberhalb des Bodens belüfte Wind den Stall weiterhin. So könne Ammoniakbelastung reduziert und gleichzeitig der Tierschutz verbessert werden.

Modell-Vorhaben simuliert Rinderstall
Die Forscher des Instituts haben zusammen mit dem unternehmerischen Kooperationspartner Norddeutsche Bauernsiedlung einen Rinderstall mit 255 Tieren simuliert, in dem die partielle Unterflurabsaugung zum Einsatz kommt. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Ammoniakemission deutlich gesunken ist“, sagt Linke. „Da die Methode bisher aber nur mathematisch simuliert wurde, haben wir bereits Kontakt mit Vertretern aus der Abluftreinigungsindustrie aufgenommen, um einen Partner für ein Folgeprojekt zu gewinnen.“ Ziel sei es, einen Rinderstall mit entsprechender Technik zu bauen und zu vermessen.

Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Fortschritte in der Phagen-Therapie: Forscher weisen breite Wirksamkeit gegen MRSA-Bakterien nach

Bakteriophagen sind spezielle Viren, die ausschließlich Bakterien angreifen und deshalb eine Alternative zu Antibiotika darstellen können. Ein Team aus österreichischen, deutschen und schweizerischen Forschern konnte nun erstmals zeigen, dass gezielt herangezüchtete Phagen deutlich besser gegen multiresistente Keime wirken, als bekannte Wildtypen. Die Ergebnisse der gemeinsamen Forschungsarbeit wurden jetzt im Fachjournal „Pharmaceuticals“ publiziert.

„ε² – Evolution squared“, zu Deutsch etwa ‚Evolution im Quadrat‘, so nennt das österreichische Unternehmen PhagoMed Biopharma ihre Züchtung von „bakterienfressenden“ Viren zur Bekämpfung von Methicillin-resistenten Staphylokokken (MRSA). Eine Therapie mit den sogenannten Bakteriophagen gilt schon seit einiger Zeit als aussichtsreiche Option zur Therapie von schwer zu behandelnden Infektionen mit multiresistenten Bakterien. Sie wirken viel gezielter auf die krankheitsverursachende Bakterienspezies und können typische Resistenzmechanismen von Bakterien umgehen. Besonders auf Biofilmen – eine Art schützender Schleim, den Bakterien um sich bilden – bleiben Phagen oft deutlich besser wirksam als Antibiotika.

Doch die hohe Spezifität der Phagen war bislang auch ihr größter Nachteil: „Bakteriophagen sind derart exakt an ihr Wirtsbakterium angepasst, dass selbst eng verwandte Stämme der gleichen Bakterienart nicht mehr von ihnen angegriffen werden. Bislang versuchte man das durch eine geschickte Mischung natürlich vorkommender Phagen zu umgehen. Selbst in günstigen Fällen wirkt diese Phagen-Mixtur oft nur bei der Hälfte aller Zielbakterien und im schlimmsten Fall wirkt er nur auf einen einzigen Stamm von hunderten“, erläutert der InfectoGnostics-Forscher Prof. Ralf Ehricht, der mit seinem Team vom Leibniz-Institut für Photonische Technologien Jena und der Friedrich-Schiller Universität Jena an der Studie beteiligt war.

Gezüchteter Bakteriophagen-Cocktail wirkt gegen mehr als 100 Bakterienstämme
Um optimal für den therapeutischen Einsatz geeignete Viren heranzuzüchten, nutzten die Entwickler von PhagoMed die Mechanismen der Evolution: Sie kreuzten verschiedene Phagen und selektierten diejenigen, die ein möglichst breites Spektrum an Bakterienstämmen angreifen konnten. Gemeinsam mit den Jenaer Campusforschern und weiteren Partnern testeten sie eine Mischung der so gezüchteten Phagen an 110 Staphylokokken-Stämmen. Diese Bakterienstämme hatten die Forscher vorab ausgewählt und umfassend analysiert – 43 Prozent von ihnen waren bereits multiresistente MRSA-Varianten. Das Resultat nach der Behandlung mit den gezüchteten Phagen: Bei 101 der 110 Bakterienstämme wurde das Wachstum erfolgreich unterbunden. „Das ist ein großer Fortschritt für die Phagentherapie, wodurch sie bei manchen Krankheitsbildern als ernsthafte Alternative zur antibiotischen Behandlung von MRSA-Infektionen in den Fokus rückt“, bewertet Ralf Ehricht die Ergebnisse der Studie.

Weitere Partner des InfectoGnostics Forschungscampus Jena arbeiten darüber hinaus bereits an der Gen-Analyse von Bakteriophagen: So hat das junge Startup-Unternehmen Nanozoo bereits gemeinsam mit akademischen Campuspartnern des Universitätsklinikums Jena und der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein neues Bioinformatik-Tool namens „What the Phage“ entwickelt, das erstmals eine nutzerfreundliche Analyse von Gensequenzen von Phagen ermöglicht. Mit dem kostenlosen Open-Source-Programm lassen sich Phagen in Sequenzdatensätzen identifizieren, die sich auch für eine therapeutische Anwendung gegen passende Wirtsbakterien eignen könnten.

Quelle: InfectoGnostics – Forschungscampus Jena e.V.

Dr. Kirsten Traynor ist neue Leiterin des Instituts für Bienenkunde – ausgeprägtes Fachwissen und internationales Netzwerk

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Ihre Leidenschaft für die Wissenschaft der Bienen entdeckte sie im LAVES Bieneninstitut – damals war die gebürtige Amerikanerin Stipendiatin. Jetzt kehrt sie hierher zurück – als neue Leiterin des Instituts für Bienenkunde Celle des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES): Dr. Kirsten Traynor (39). In den 15 Jahren dazwischen liegen ein Biologiestudium und eine Promotion in den USA, Forschungsarbeiten in Maryland (USA), Avignon (Frankreich) und Berlin sowie Stationen in einem amerikanischen Bienen-Fachmagazin und als Buchautorin.

„Wir freuen uns, dass wir Dr. Kirsten Traynor für diese herausfordernde, wichtige Aufgabe gewinnen konnten. Und sind uns sicher, dass sie dieses gut aufgestellte LAVES Institut mit ihrem ausgeprägten Fachwissen, ihrem hohen Engagement und ihrem internationalen Netzwerk bereichern und weiterentwickeln wird“, sagte Barbara Woltmann, Vizepräsidentin des LAVES, über die neue Institutsleiterin, die gut vernetzt in Wissenschaft und Imkerei ist.

Lebensweg: Angefangen hat alles mit einem Kurs in den USA, bei dem sie einen Bienenstock gewann und ihre Begeisterung für die Imkerei entdeckte. Ein „Bundeskanzler-Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung für Führungskräfte von morgen“ führte sie vor 15 Jahren erstmals nach Celle in das LAVES Bieneninstitut. Dort arbeitete sie 15 Monate, beschäftigte sich unter anderem mit der Bekämpfung der Varroa-Milbe, publizierte darüber und knüpfte fachliche Kontakte in Westeuropa.

Nach ihrer Rückkehr in die USA studierte und promovierte die Amerikanerin an der Arizona State University im Fach Biologie bei Robert Eugene Page, renommierter, mehrfach ausgezeichneter Bienenforscher und Mitglied der Leopoldina. Noch während ihrer Doktorarbeit erhielt sie ein Stipendium, um bei Yves Le Conte in Frankreich (Avignon) forschen zu können. Er ist Forschungsdirektor für „Bienen und Umwelt“ am Nationalen Forschungszentrum für Agrarwissenschaften Paris und gilt als einer der bedeutendsten Bienenkenner.

Traynor arbeitete danach als Wissenschaftlerin an der University of Maryland und untersuchte den Einfluss von Viren und Pestiziden auf die Bienengesundheit. Gleichzeitig veröffentlichte die Biologin zahlreiche Artikel über die europäische Imkerei und wechselte anschließend als Redakteurin zum American Bee Journal.

2018 kehrte Kirsten Traynor, die in New York geboren und in Deutschland und den USA aufgewachsen ist, nach Europa zurück. Diesmal als Stipendiatin am Wissenschaftskolleg zu Berlin, ihre Studien über die Bienenkrankheit Varroa führten sie zudem an die Freie Universität Berlin. Dort nutzte sie ein Trackingsystem, womit Lebensbahnen von bis zu 4.000 Bienen in einem Beobachtungsstock verfolgt werden können. Sie verglich das Verhalten und die Langlebigkeit zwischen Bienenschwestern, die mit und ohne Varroa-Erkrankung geschlüpft sind. Die Varroamilbe ist ein Parasit, der sich in der Brut im Bienenstock entwickelt und vermehrt. Und gilt als bedeutsamster Bienenschädling weltweit.

Ziele: „Krankheitsdiagnostik ist auch ein wichtiger Aspekt im Bieneninstitut Celle. Mit einer Virendiagnostik an den Bienen und Pestizid-Analyse in Pollen und Wachs könnten wir das Spektrum der Ursachenforschung von Bienenkrankheiten noch weiter ausbauen. Auch könnten die Fortschritte im Bereich des Smart Tracking bei der Untersuchung von Bienenvergiftungen durch Pflanzenschutzmittel stärker genutzt werden. So ließen sich traditionelle Laborarbeit und Feldarbeit sinnvoll ergänzen“, beschreibt Kirsten Traynor eine ihrer Vorstellungen zur Weiterentwicklung des Instituts. Zur Klärung der Frage, wie sich Pestizide und Bienenkrankheiten langfristig auf die Bienenvölker auswirken, ist noch eine intensive Forschung erforderlich. „Ich halte es für sinnvoll, verstärkt die Auswirkung von multiplen Stressoren auf die Bienengesundheit zu untersuchen“, so die Biologin. Das Institut in Celle sei mit seinen Stärken in Krankheits-, Pollen- und Honig-Diagnostik sehr gut dafür aufgestellt.

„Mein Ziel ist es, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Institut so zu unterstützen, dass sie ihre Arbeit mit Freude weiterentwickeln und ihre Ziele erreichen können, um das Institut noch weiter voranzubringen. Nur gemeinsam können wir erfolgreich in unserer Untersuchungs-, Forschungs- und Bildungsarbeit sowie in der Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit sein“, unterstreicht die Institutsleiterin. Auch die Kooperationen mit anderen Institutionen im In- und Ausland sowie mit imkerlichen Verbänden sollten ausgeweitet werden. Bundesweit ist das LAVES-Institut die einzige Berufsschule für die Ausbildung als Berufsimker/in. Auch hier möchte sie Akzente setzen und Lehrlingen Praktika im Ausland möglich machen.

Das Institut in Celle wurde 1927 als Landesinstitut für Bienenforschung gegründet, seit 2004 gehört es zum LAVES und wurde in Institut für Bienenkunde Celle umbenannt.

Das LAVES ist eine zentrale Behörde des gesundheitlichen Verbraucherschutzes in Niedersachsen. Es ist landesweit zuständig für die Untersuchung und Beurteilung von amtlichen Proben aus allen Prozess- und Produktionsstufen der Lebensmittelkette. Sechs Institute gehören zum LAVES: die Lebensmittel- und Veterinärinstitute Oldenburg und Braunschweig/Hannover, das Institut für Fische und Fischereierzeugnisse Cuxhaven, das Institut für Bedarfsgegenstände Lüneburg, das Futtermittelinstitut Stade und das Institut für Bienenkunde Celle. Darüber hinaus erfüllt das LAVES mit seinen vier Fachabteilungen unmittelbare Vollzugsaufgaben in den Bereichen Futtermittel- und Tierarzneimittelkontrolle, Ökologischer Landbau sowie Marktüberwachung und berät die kommunalen Behörden in Fragen der Lebensmittelüberwachung, im grenzüberschreitenden Handel, der Tiergesundheit, der Schädlingsbekämpfung und des Tierschutzes.

Quelle: Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Kälbermast: Es geht mit weniger Antibiotika

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Mit einigen einfachen Maßnahmen können Landwirte den Antibiotikaeinsatz drastisch reduzieren und das Tierwohl verbessern, ohne dass ihnen deswegen Wettbewerbsnachteile entstehen. Das zeigen Berner Forschende in einem für die Schweiz bisher einmaligen Praxistest ihrer eigens entwickelten „Freiluftkalb“-Methode.

Die Schweizer Kälbermast braucht große Mengen Antibiotika – auch wenn die Branche deren Einsatz in den vergangenen Jahren bereits reduzieren konnte. Viele Betriebe halten sich allerdings mit weitergehenden Maßnahmen zurück, weil oft unklar ist, wie sie sich auf ihre wirtschaftliche Effizienz auswirken werden. Forschende der Universität Bern haben nun ein Mastkonzept entwickelt, das mit weniger Antibiotika auskommt – und dieses auch umfassend in der Praxis getestet. Das Ergebnis des vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms „Antimikrobielle Resistenz“ (NFP 72) sowie von IP-SUISSE, Migros-Genossenschaftsbund und dem Bundesamt für Landwirtschaft geförderten Projekts ist deutlich: Im Vergleich zum etablierten Standard des Labels IP-SUISSE ließ sich der Antibiotikaeinsatz auf Versuchsbetrieben massiv reduzieren, das Tierwohl dabei verbessern, und die Wirtschaftlichkeit auf vergleichbarem Niveau halten.

Die ersten Wochen sind entscheidend
Für das sogenannte „Freiluftkalb“-Konzept hat ein Team um Studienleiterin Mireille Meylan von der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern zunächst analysiert, weshalb Mastkälber Krankheitsbilder entwickeln, die den Einsatz von Antibiotika nötig machen. Im Fokus standen dabei Lungenentzündungen. Diese sind in der Mast häufig und der Hauptgrund für Antibiotikabehandlungen. „Besonders in den ersten Lebenswochen sind viele Tiere hohen Infektionsrisiken ausgesetzt“, so Meylan. „Weil sie im Transport vom Geburtshof zum Mastbetrieb mit anderen Kälbern gemischt werden und bei der Ankunft in noch größere Gruppen kommen, verbreiten sich Krankheitserreger oft sehr schnell“.

Genau hier setzt das neue Konzept an: Mäster sollen neue Kälber nur von Höfen zukaufen, die in ihrer Nähe liegen, so dass während den kurzen Transporten keine Tiere aus verschiedenen Betrieben gemischt werden müssen. Die ersten Wochen nach der Ankunft halten sich die Tiere dann in Einzeliglus im Freien auf und werden gegen Lungenentzündungen geimpft. Erst nach dieser Quarantäne kommen sie in kleinen Gruppen von maximal zehn Kälbern zusammen. In diesen verbringen sie die restliche Zeit ihrer durchschnittlich viermonatigen Mastdauer. Dabei bleiben sie immer im Außenbereich, wo sie über ein Gruppeniglu und einen überdachten, reichlich eingestreuten Auslauf verfügen.

Gesündere Tiere
Ob das in der Realität tatsächlich zu gesünderen Tieren und weniger Antibiotikaeinsatz führt, wurde auf 19 Kälbermastbetrieben in den Kantonen Bern, Freiburg, Luzern, Aargau und Solothurn während je 12 Monaten getestet. Dabei besuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni Bern jeden Betrieb mindestens einmal pro Monat. Sie erhoben jeweils den Gesundheitszustand und das Wohlergehen der Kälber. Dasselbe taten sie auch auf 19 Vergleichsbetrieben in derselben Region, die nach den Vorgaben von IP-SUISSE produzierten, einem Label mit ebenfalls hohen Anforderungen an das Tierwohl. „So erhielten wir einen direkten Vergleich zwischen den Methoden“, sagt Tierarzt Jens Becker, der die meisten Gesundheitschecks durchführte. Es zeigte sich, dass bei den nach dem „Freiluftkalb“-Konzept gehaltenen Kälbern nicht nur weniger Atemwegs- und Verdauungskrankheiten auftraten, sondern auch frühzeitige Todesfälle seltener waren. „Das ist nicht zuletzt bemerkenswert, weil auch die Vergleichshöfe in Bezug auf die Gesundheit der Tiere durchaus vorbildlich abschnitten“, so Becker.

Fünfmal weniger Antibiotika
Mit Hilfe der Landwirte protokollierte Becker auch den Antibiotikaeinsatz akribisch, ist doch dessen Reduktion das Hauptziel des Konzepts. „Was wir sahen hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen“, sagt er. Während auf den Vergleichsbetrieben jedes zweite Kalb im Verlauf seines Lebens Antibiotika benötigte, war es bei den „Freiluftkälbern“ nur jedes sechste. Und bei der gesamten Behandlungsdauer war der Unterschied noch größer: In Betrieben mit dem neuen Konzept wurden fünfmal weniger Behandlungstage als auf den Vergleichsbetrieben verzeichnet.

Wirtschaftlich kaum Unterschiede
Schließlich analysierten Mireille Meylan und ihr Team auch die wirtschaftlichen Aspekte des „Freiluftkalbs“. Denn diese sind für die praktische Umsetzung entscheidend. Sie berechneten hierzu den spezifischen Aufwand, den ein Mäster pro Kalb hat – vom Ankaufspreis über die benötigte Arbeit bis zum Futter. Dies taten sie in einer Variante auf Basis der realen Zahlen aus dem Versuch sowie in einer zweiten Variante mit Durchschnittszahlen für einzelne Kostenpunkte gemäß dem jährlich erscheinenden „Deckungsbeitragskatalog der landwirtschaftlichen Produktionszweige“. Trotz kleinerer Unterschiede ergaben beide Varianten, dass die Mast nach „Freiluftkalb“ jener nach IP-SUISSE Label wirtschaftlich weitgehend ebenbürtig ist.

„Das überrascht nicht“, sagt Ueli Straub von AGRIDEA, der landwirtschaftlichen Beratungszentrale der kantonalen Fachstellen, der für diesen Teil an der Studie mitgearbeitet hat. „Neunzig Prozent der Direktkosten für ein Mastkalb machen Futter und der Ankaufpreis des Tieres aus“. Die restlichen Faktoren fielen deshalb nicht sehr stark ins Gewicht. Zudem neutralisierten sich die jeweiligen Vor- und Nachteile jedes Systems weitgehend: Der leicht höhere Arbeitsaufwand für „Freiluftkälber“ wurde unter anderem durch die tiefere Sterblichkeit und eine gute Tagesmastleistung kompensiert.

Ein pragmatischer Weg in die Zukunft
Mireille Meylan zieht ein äußerst positives Fazit aus dem Projekt: „Wir haben gezeigt, dass man den Antibiotikaeinsatz mindestens auf bäuerlichen Kälbermastbetrieben drastisch reduzieren könnte. Und zwar auf sehr pragmatische Weise, die auch wirtschaftlich sinnvoll ist“. Allerdings sei man in den Wirtschaftlichkeitsberechnungen davon ausgegangen, dass Landwirte, die nach „Freiluftkalb“ vorgehen, genau wie die IP-SUISSE-Betriebe RAUS-Direktzahlungen dafür erhalten, dass die Tiere nach einem festgelegten Standard genügend frische Luft erhalten. Doch das ist wegen des Daches über dem eingestreuten Auslauf im Moment noch nicht der Fall. Damit das Konzept wirklich breit umgesetzt werden kann, bräuchte es deshalb nun die Anerkennung durch Labels, Bundesämter und Großverteiler. Das sei erfahrungsgemäß ein langer Weg, so Meylan. Doch sollten kaum mehr Zweifel darüber bestehen, dass er gangbar ist – und sich im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen lohnen würde.

Quelle: Schweizerischer Nationalfonds SNF

Wildbienenvielfalt erfassen: Auf die Technik kommt es an

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Wildbienen sind eine wichtige Indikatorgruppe für intakte Ökosysteme. Ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Julius Kühn-Instituts (JKI), des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Mosel (DLR Mosel) und des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg hat die vier gängigen Probenahme-Methoden für Wildbienen verglichen. Sie zeigen in ihrer kürzlich im Fachjournal „Ecological Indicators“ erschienenen Studie, dass sich nur zwei der vier Methoden für eine zuverlässige Überwachung der Bienenvielfalt eignen.

Mehr als 50 Prozent der deutschen Wildbienenarten stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten, 26 sind als „extrem selten“ eingestuft und sieben Prozent sind inzwischen verschollen und wahrscheinlich dauerhaft ausgestorben. „Durch die zunehmende Industrialisierung und Versiegelung von Flächen finden Wildbienen heute immer weniger Nahrungspflanzen und geeignete Nistplätze und fehlen dort als wichtige Bestäuber“, erklärt Prof. Dr. Thomas Schmitt vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in Müncheberg und fährt fort: „Umso wichtiger ist es, ihre Vielfalt und ihre Bestände im Blick zu behalten und regelmäßig zu überwachen!“

Doch genau hier beginnt das Problem: Die verschiedenen, derzeit am häufigsten angewandten Nachweisverfahren sind schwer vergleichbar und liefern unterschiedliche Ergebnisse. Schmitt hat daher mit Forschenden des JKI an den Standorten Braunschweig und Siebeldingen sowie des DLR Mosel die gängigsten Probenahme-Methoden – das Fangen mit einem Handkescher, Farbschalen und Nistfallen – miteinander verglichen und qualitativ bewertet. In ihrem Untersuchungsgebiet, einer Weinbaulandschaft im rheinland-pfälzischen Moseltal hat das Team hierfür insgesamt 10.330 Tiere aus 134 Arten für ihren Vergleich gefangen und analysiert. Weitere 2.225 Individuen aus 99 Wildbienenarten wurden ergänzend für eine Gegenüberstellung zu den sogenannten „Malaise-Fallen“ – zeltartige Gebilde zum Fang von fliegenden Insekten – in die Auswertung einbezogen.

„Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich nur zwei der vier Fangmethoden für Wildbienen eignen: Farbschalen und das Fangen mit dem Handnetz“, erläutert der Erstautor der Studie Dr. André Krahner vom JKI die Analyse und ergänzt: „Bei den Farbschalen haben sich insbesondere gelbe Fallen als besonders effektiv für eine vollständige Erfassung erwiesen.“

Das Fangen mit dem Kescher ist dagegen auch vom Geschick der sammelnden Person abhängig. „Zudem ist das Gelände ausschlaggebend – wer schon einmal an einem windigen und steilen Weinberg versucht hat mit dem Handnetz eine fliegende Biene einzufangen, weiß wovon ich spreche“, sagt Schmitt lachend. Diese Methode empfehlen die Beteiligten daher besonders für einen Einsatz bei größeren Arten wie Hummeln und gefährdeten Spezies. Die beiden weiteren Methoden erwiesen sich im umfassenden Wildbienen-Monitoring als wenig geeignet und dienen daher nur spezielleren Fragestellungen.

„Unsere Ergebnisse können zur Standardisierung von Erfassungsmethoden führen und bei diversen Monitoring-Programmen helfen. Sie sind daher ein wichtiger Beitrag für den Schutz der Wildbienen“, so das Resümee von Dr. Krahner, der am JKI-Institut für Bienenschutz in Braunschweig forscht.

Quelle: Judith Jördens (Pressestelle der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung) & Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

Das richtige Arzneimittel zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Die Tiergesundheitsindustrie muss auch in Krisenzeiten die stabile Versorgung mit Tierarzneimitteln gewährleisten.

Nicht nur Humanmediziner, sondern auch Tierärzte sind es gewohnt, aus einem breiten Portfolio von Arzneimitteln und Impfstoffen schöpfen zu können. Durch die Corona-Situation wurde vielen bewusst, wie wichtig dies ist. Lieferengpässe können verschiedene Ursachen haben und nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Lieferengpässe können beispielsweise durch Probleme bei der Beschaffung von Wirkstoffen, im Herstellungsprozess, im Rahmen der Qualitätssicherung, aber auch durch eine unerwartet gesteigerte Nachfrage begründet sein. Die regulativen Vorgaben sind hoch und die Herstellung von Tierarzneimitteln oder die Freigabe der Chargen können selbst im Falle von Engpässen nur schwer beschleunigt werden. Das macht es den Herstellern schwer, auf unerwartete Ereignisse kurzfristig zu reagieren.

Die Anforderungen sind in internationalen, europäischen und nationalen Verordnungen und Leitlinien definiert. Entsprechend diesen Standards legen die Unternehmen detaillierte Prozessabläufe zur Qualitätssicherung und -kontrolle fest. Diese werden in offiziellen Inspektionen überprüft. Schon kleine Fehler, z. B. auf Etiketten oder Packmitteln, können zur Bemängelung einer Charge führen. Der Vertrieb eines Produkts wird aufgehalten und eine Lieferstörung ist die Folge.

Schwierigkeiten bei der Produktion wiederum können durch Störungen in den einzelnen Produktionsschritten entstehen. Kommt es etwa bei einer Produktionsverlagerung zu Abweichungen, kann dies ebenfalls zu Verzögerungen führen.

Noch komplexer ist die Situation bei der Herstellung von Impfstoffen, da die Hersteller hier mit biologischen Systemen arbeiten. Diese erfordern einen längeren zeitlichen Vorlauf und können sehr empfindlich auf nur geringfügige Störungen reagieren. Aufgrund begrenzter Haltbarkeiten sind große Produktionen im Voraus schwierig. Tritt also ein unerwarteter Bedarf auf, kann dieser häufig erst mit einiger Verzögerung bedient werden.

Seit 2016 befasst sich eine von der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA und den Leitern der Arzneimittel-Agenturen (HMA) eingesetzte Task-Force mit Verfügbarkeitsproblemen, einschließlich zugelassener, aber nicht vermarkteter Arzneimittel, und Störungen der Lieferkette. Ihr Ziel ist es, die Kontinuität der Versorgung mit Human- wie Tierarzneimitteln in ganz Europa zu verbessern.

Die pharmazeutische Industrie setzt sich dafür ein, eine gute Versorgungslage mit wichtigen Arzneimitteln sicherzustellen und neue und innovative Produkte für bisher nicht behandelbare Krankheiten zu entwickeln. Insbesondere durch den Abbau unnötiger administrativer Lasten können frei werdende Ressourcen in die Forschung und (Weiter-) Entwicklung von Tierarzneimitteln fließen. Um auch die Bedürfnisse kleiner Marktsegmente abdecken zu können, ist darüber hinaus die Ausgestaltung der regulatorischen Rahmenbedingungen für die sogenannten Minor Species oder Minor Indications sehr wichtig.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT)