Weidebasierte Milchproduktion kann hohe Milchleistung mit sehr niedrigen Methanemissionen verbinden

0

Ist die Milch von weidenden Kühen besser für das Klima als Milch von Kühen in Stallhaltung? Dieser Frage haben sich Forschende der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gewidmet. Die Resultate der Forschungsarbeit haben sie in der internationalen Fachzeitschrift Agriculture publiziert.

Weidende Kühe – für viele Menschen ist dieser Anblick nicht nur schön, sondern auch ein Kulturgut. Gleichzeitig nimmt der Anteil der Kühe, die auf der Weide stehen in Deutschland kontinuierlich ab. Und dies, obwohl Weide international als die kostengünstigste Art gilt, Futter bereit zu stellen, welches zudem in keiner Konkurrenz zur Humanernährung steht. Grünlandflächen sind zudem einer der wichtigsten Kohlenstoffspeicher weltweit und damit ein wichtiger Faktor im Kampf gegen den Klimawandel. Gleichzeitig emittieren Kühe aber auch als Nebenprodukt der Verdauung Methan. Dies hat zwar mit zehn Jahren eine vergleichsweise kurze Verweildauer in der Atmosphäre, bevor es wieder in CO2 zerfällt, in dieser kurzen Zeit trägt es aber erheblich zum Klimawandel bei. Ausgerechnet der Weidehaltung wurde dies bisher oft angelastet, da sie häufig niedrigere Milchleistungen – und somit auch höhere Methanemissionen pro Liter Milch – erzielt als eine Stallhaltung mit hohem Kraftfutter- oder Maisanteil in der Ration. Ob das tatsächlich so ist, ist Gegenstand vieler aktueller Forschungen. Deswegen haben Forschende der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der CAU auf dem Versuchsgut Lindhof im Rahmen des EU-Projektes „SusCatt“ über ein Jahr hinweg die Milchleistungen von weidenden Jersey-Kühen erfasst und es wurden in mehreren Kampagnen die Methanemissionen der weidenden Kühe von der Doktorandin Cecilia Loza (Abteilung Grünland und Futterbau/Ökologischer Landbau – Professor Friedhelm Taube) gemessen. Die Kühe weideten hierbei in zwei Gruppen jeweils auf einer einfachen Grünlandmischung aus Weißklee und Weidelgras, oder auf einer diversen Mischung mit acht Arten inklusive Wiesenkräutern und weiteren Leguminosen. Zudem erhielten sie täglich im Stall eine geringe ergänzende Kraftfuttergabe von zwei Kilogramm – dies entsprach ungefähr 12 bis 15 Prozent der gesamten Trockenmasseaufnahme. Gerade artenreiche Grünlandbestände haben den Vorteil, dass sie weitere Ökosystemdienstleistungen erbringen: Zum Beispiel liefern sie Nektar für blütenbesuchende Insekten.

Das überraschende Resultat der Forschungsarbeit, die unlängst in der internationalen Fachzeitschrift publiziert wurde: Die Milchleistungen der Kühe waren nicht nur generell sehr hoch und vergleichbar mit Jersey-Kühen aus einer anderen Studie, die bei gleichem Körpergewicht 61 Prozent Kraftfutter in der Ration aufgenommen haben – die Milchleistung konnte sogar noch zusätzlich auf den artenreichen Beständen signifikant gesteigert werden und lag in der frühen Laktationskurve im Mittel bei bis zu 30 Kilogramm Standardmilch (ECM) pro Kuh und Tag. Da Jersey-Kühe mit etwa 430 Kilogramm Körpergewicht wesentlich leichter sind als solche der Rasse Holstein-Friesian, sind das extrem hohe Leistungen bezogen auf das Körpergewicht. Diese Milch ist zudem von exzellenter Qualität mit Fettgehalten von durchschnittlich fünf bis sechs Prozent. Die Methanbildung war zwar auch mit ca. zehn Prozent leicht gesteigert, doch blieben die Methanemissionen insgesamt mit ca. acht bis zehn Gramm Methan pro Kilogramm Standardmilch auf einem im Vergleich zur internationalen Literatur sehr niedrigen Niveau. Dies ist vor allem das direkte Resultat der exzellenten Futterqualitäten und hohen Futteraufnahmen auf der Weide, die mit dem sehr jungen Weidefutter angeboten worden war – um das zu erreichen, rotierten die Kühe auf etwa 15 Teilflächen bis zu zehnmal im Jahr. „Wir kombinieren hier den Zuchtfortschritt der Futterpflanzenzüchtung der letzten 20 Jahre mit optimiertem Weidemanagement“, so Dr. Carsten Malisch, wissenschaftlicher Koordinator der Studie. „Mit dieser Arbeit können wir zeigen, dass eine weidebasierte Milchproduktion sehr hohe Milchleistungen mit sehr niedrigen Methanemissionen verbinden und somit zum Klimaschutz beitragen kann – und gleichzeitig werden damit Zusatzleistungen für die Artenvielfalt bereitgestellt – ohne Importfuttermittel, denn das notwendige Protein im Futter liefert der Klee.“

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Haltung und Einsatz von arbeitenden Herdenschutzhunden

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) bietet auf Ihrer Homepage ein Merkblatt zum Herdenschutzhund an. Aus tierärztlicher Sicht werden darin alle wichtigen Aspekte behandelt, angefangen bei Zucht und Sozialisation, bis zum speziellen Verhalten der Herdenschutzhunde.

Es geht um Sozialisation an Menschen und andere Hunde, Habituation an die belebte und unbelebte Umwelt sowie Arbeitsweise und Training. Ebenso um den Umgang mit unerwünschtem Verhalten, wie unerwünschtes Aggressionsverhalten gegen Personen, aggressives Verhalten gegen andere Hunde und/oder Herdentiere und Verhaltensweisen, die zu eingeschränkter Arbeitsleistung der Hunde führen.

Natürlich dürfen Gesundheitsprophylaxe, Hygiene, Pflege und Krankheiten genauso wenig fehlen, wie tierschutzrechtliche Aspekte. Informationen zu Sachkunde, selbstständigem Arbeiten und zu den Gefahrhundegesetzen runden den Inhalt ab.

Das TVT-Merkblatt 186 steht hier zum kostenfreien Download bereit.

Anforderungen an die tierschutzkonforme Haltung von Mastputen

Bisher sind auf EU-Ebene keine Mindeststandards für die Haltung von Puten vorgeschrieben. Wie eine tierschutzkonforme Haltung von Mastputen aussähe, beschreibt eine aktuelle Studie der Vetmeduni Vienna und der Universität Leipzig:

Besatzdichte
Begründet auf der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur und wirtschaftlichen Gesichtspunkten ergibt sich eine maximale Endmast-Besatzdichte für Puten von 36-40 kg Lebendgewicht pro m2 nutzbarer Stallfläche.

Stallstruktur
Um einigen Verhaltensbedürfnissen der Puten entgegenzukommen, ist eine Strukturierung des Stalles erforderlich:
• Aufbaummöglichkeiten / erhöhte Ebenen
• Strukturierungselemente, die von den Tieren auch bepickt werden können (z.B. Strohballen, Pickblöcke)
• Außenklimabereich im Ausmaß von mind. 20% der nutzbaren Stallbodenfläche

Einstreu
Die Einstreu muss es den Tieren über die gesamte Haltungsperiode ermöglichen, zu scharren und zu picken. Sie muss jederzeit deutlich locker, trocken (< 30% Feuchtigkeit) und ausreichend sauber (Einstreuanteile > Kotanteile) sein.

Licht
Das Licht im Putenstall muss folgenden Anforderungen genügen:
• ausreichend gleichmäßiges Licht, damit die Tiere ein normales Aktivitätsniveau zeigen können
• acht Stunden Dunkelphase (Notbeleuchtung mit 0,5 Lux möglich)
• UV-A im Spektrum enthalten
• flimmerfreie Beleuchtung (Leuchtmittelfrequenz höher als die Flimmerfusionsfrequenz der Puten)

Raumklima
Ein gutes Stallklima ist wichtig für das Tierwohl. Lüftung, Staub, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Gaskonzentrationen sind auf Leveln zu halten, die den Tieren keinen Schaden zufügen:
• gute Luftzirkulation im gesamten Stall (Luftaustauschrate 4-7 m³/kg/Stunde), keine Zugluft
• Schadstoff-Höchstwerte: einatembarer Staub 3,4 mg/m³, lungengängiger Staub 1,7 mg/m³ liegen, NH3 10 ppm, CO2 3000 ppm und H2S 5 ppm
• Luftfeuchtigkeit im Stall sollte zwischen 50 und 70% liegen
• altersadäquate Temperatur

Pflege
• mehrmals tägliche Kontrolle der gehaltenen Tiere
• schwache, kranke oder verletzte Tiere unverzüglich in ein abgesondertes Krankenabteil bringen und behandeln
• Halter und Personal müssen nachweisbare Kenntnis und Fähigkeit im artgerechten Umgang mit den gehaltenen Tieren besitzen

Download der vollständigen Studie hier.

Schaufenster Bioökonomie: Wie Legehennen Phosphor optimal nutzen können

Forschende der Uni Hohenheim untersuchen, wie Legehennen Phosphor aus Pflanzen optimal verwerten können. Das schont knappe Ressourcen und fördert die Tiergesundheit.

Phosphor ist ein unersetzlicher Mineralstoff für alle Lebewesen, aber auch eine sehr begrenzte Ressource. Mit dem Ziel Phosphor aus mineralischen Quellen einsparen zu können, haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sechs Fachgebieten der Universität Hohenheim in Stuttgart zur DFG-Forschungsgruppe „P-FOWL“ (FOR 2601) zusammengeschlossen und noch zwei weitere Arbeitsgruppen vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf eingebunden. Sie wollen die Frage klären, wie Legehennen Phosphor aus pflanzlichen Quellen optimal verwerten können. Erste Ergebnisse zeigen, dass diese Fähigkeit unter anderem genetisch bedingt ist – ein Ansatzpunkt, um künftig Tiere mit einer besseren Phosphorverwertung zu züchten. Zudem bilden sich bei der Freisetzung von Phosphor aus pflanzlichen Inhaltsstoffen im Verdauungstrakt Substanzen, die zusätzliche und bislang kaum erforschte Vorteile für die Tiergesundheit haben können. Die erste Phase des Projektes ist nun abgeschlossen und wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit zwei Millionen Euro gefördert. Das macht FOR 2601 zu einem Schwergewicht der Forschung an der Universität Hohenheim.

Phosphor ist an vielen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt. So spielt der Mineralstoff unter anderem eine Rolle im Hormonhaushalt und Energiestoffwechsel. Neben Kalzium ist Phosphor einer der wichtigsten Nährstoffe für das Knochenwachstum. Mit beidem müssen Legehennen daher gut versorgt sein. Ein Phosphormangel kann zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen.

Da die Tiere aus pflanzlichem Körnerfutter allein ihren Bedarf nicht decken können, setzen Landwirte dem Futter meist Phosphor bzw. Phosphat aus mineralischen Quellen zu – Ressourcen, die schon in gut 100 Jahren aufgebraucht sein könnten. Wird dem Futter zudem mehr Phosphat als nötig zugesetzt, wird es von den Tieren ungenutzt ausgeschieden. Die Folge ist eine höhere Umweltbelastung.

Interdisziplinäre Forschungsgruppe schafft Synergien
Die Forschungsgruppe P-FOWL nimmt darum in einem mehrjährigen Projekt genau unter die Lupe, wie die Phosphorverwertung im Verdauungssystem von Hühnern und Wachteln abläuft. „Unsere Forschung soll dazu beitragen, dass Tiere den im pflanzlichen Futter enthaltenen Phosphor möglichst effizient nutzen können, damit weniger aus mineralischen Vorkommen eingesetzt werden muss“, erklärt Prof. Dr. Markus Rodehutscord, Sprecher des Projektes P- FOWL.

Dazu muss das Forschungsteam aber zuerst einmal verstehen, wie genau die Phosphor-Freisetzung im Verdauungstrakt der Tiere funktioniert. Deswegen untersuchen die Forschenden der Universität Hohenheim in sechs Teilprojekten alle Aspekte der Phosphorverwertung im Verdauungstrakt und Metabolismus von Geflügel, speziell von Legehennen und Wachteln. Unterstützt werden sie dabei vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf, das mit zwei Teilprojekten an der Forschungsgruppe beteiligt ist.

Die interdisziplinäre Zusammensetzung der Forschungsgruppe schafft eine einzigartige Möglichkeit, verschiedene Untersuchungen zu kombinieren und möglichst viele Informationen von denselben Tieren zu gewinnen, ihren genetischen Hintergrund genau zu erfassen, und alle Daten in eine Gesamtauswertung einfließen zu lassen. „Das macht die Ergebnisse deutlich aussagefähiger und vergleichbarer“, ist Prof. Dr. Rodehutscord überzeugt.

Komplexe Struktur des pflanzlichen Phosphorspeichers muss geknackt werden
Zwar enthalten viele Pflanzensamen wie Hülsenfrüchte, Getreide und Ölsaaten, größere Mengen an Phosphor. Allerdings ist dieser Phosphor für viele Tiere nicht gut verwertbar. Ein Grund dafür ist der komplizierte Aufbau des pflanzlichen Phosphorspeichers.

„In Pflanzen sind die Phosphor-Bausteine fest an eine ringförmige Struktur gebunden, das Phytin. Diese Verbindungen müssen im Verdauungstrakt mit Hilfe von Enzymen geknackt werden. Viele Nutztiere wie Geflügel können das, ebenso wie wir Menschen, nur sehr schlecht“, erklärt Prof. Dr. Rodehutscord. „Sie sind nicht in der Lage, ausreichende Mengen dieser Enzyme zu bilden.“

Gesundheitsfördernder Nebeneffekt?
Welche Wirkung der Abbau des pflanzlichen Phosphorspeichers im Verdauungstrakt der Tiere außerdem noch auf ihren Stoffwechsel hat, ist eine weitere Frage, mit der sich die Hohenheimer Forschungsgruppe beschäftigt. Denn bei der Abspaltung von Phosphor aus den pflanzlichen Substanzen entstehen neue Verbindungen, deren Einfluss auf die Bakterien im Darm und die Gesundheit der Tiere bislang noch kaum untersucht wurde.

Eine von ihnen, das so genannte myo-Inositol, scheint über einen bislang unbekannten Mechanismus Einfluss auf den Energiestoffwechsel in den Zellen zu haben. Im Nervensystem beeinflusst myo-Inositol das Wachstum von Gehirn- und Nervenzellen und ist zudem an der Übermittlung von Nervenimpulsen beteiligt. Darüber hinaus ist es noch in eine Vielzahl von Stoffwechselprozessen eingebunden und kann so die Tiergesundheit positiv beeinflussen.

Verwertung von pflanzlichem Phosphor bei Hennen optimieren
„Im Verdauungstrakt regelt ein kompliziertes Zusammenspiel des Tieres mit verschiedenen Mikroorganismen, dem Mikrobiom, die Verwertung von Nährstoffen aus dem Futter“, erklärt Prof. Dr. Rodehutscord. „Es ist bekannt, dass die Zusammensetzung dieses Mikrobioms im Darm von Säugetieren und Vögeln sowohl durch das Futter als auch durch das Erbgut der Tiere geformt und beeinflusst wird.“

So können Kalzium- und Phosphor-Zufütterungen die Fähigkeit der Tiere deutlich reduzieren, pflanzliche Phosphorquellen zu verwerten. Umgekehrt stützt diese Erkenntnis auch frühere Untersuchungen, wonach die in Legehennen-Futtermitteln verwendeten Phosphat-Konzentrationen zu hoch sind.

Zudem will die Forschungsgruppe mit High-Tech-Methoden auch herausfinden, welche Bakterien im Verdauungstrakt von Legehennen am Aufbrechen des Phosphorspeichers beteiligt sind und welche Aufgabe genau sie dabei übernehmen. Der Experte hofft: „Wenn wir die Rolle der beteiligten Mikroorganismen geklärt haben, könnten wir langfristig ihre Zusammensetzung so beeinflussen, dass sie den organisch gebundenen Phosphor für die Tiere besser nutzbar machen.“

Effiziente Phosphor-Verwertung – auch eine Frage der Gene
Um genauer zu untersuchen, welche Rolle die Genetik bei der effizienten Phosphorverwertung von Geflügel spielt, griffen die Forscher zunächst auf Proben aus Versuchen mit Wachteln zurück, die in einem Vorgängerprojekt gewonnen wurden. „Die Phosphorverwertung variiert stark von Tier zu Tier und dies ist auch durch die Genetik der Tiere zu begründen“, fasst der Experte die Ergebnisse zusammen.

Deswegen wählten die Forschenden bei den Legehennen zwei Abstammungslinien aus, bei denen sich die Linien genetisch stark voneinander unterscheiden, die Tiere sich aber innerhalb der Linie möglichst ähnlich sind. Auch hier fanden sie Hinweise darauf, dass die Fähigkeit zur Verwertung von Phosphor genetisch angelegt ist. Dabei sind die Unterschiede zwischen den Abstammungslinien und auch zwischen einzelnen Tieren innerhalb derselben Linie deutlich zu erkennen.

„Dies ist ein erster Schritt, um einzelne Tiere zu identifizieren, die besser als andere in der Lage sind, pflanzlichen Phosphor effektiv zu nutzen. Über kurz oder lang wäre es wahrscheinlich möglich, diese Fähigkeit durch Züchtung zu stärken“, betont Prof. Dr. Rodehutscord die Bedeutung dieser Erkenntnis. „Noch gibt es allerdings viel Forschungsbedarf. Langfristig könnten unsere Ergebnisse sicherlich dazu beitragen, den Mineralstoffgehalt in der Legehennen-Fütterung weiter zu reduzieren.“

HINTERGRUND: DFG-Forschungsgruppe „Inositolphosphate und Myo-Inositol beim Geflügel: Untersuchungen an den Schnittstellen von Genetik, Physiologie, Mikrobiom und Ernährung“ (FOR 2601)

Die DFG-Forschungsgruppe „P-FOWL“ (FOR 2601) erforscht seit 2018 am Beispiel von Geflügel, welche Auswirkungen Phosphor aus pflanzlichen Reserven auf das Tier hat, wie genau Nutztiere den wertvollen Nährstoff im Verdauungstrakt verwerten und wie diese Vorgänge noch effizienter gemacht werden können.

An der Universität Hohenheim sind sechs Fachgebiete beteiligt. Externer Partner ist das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG fördert das Projekt mit rund 2 Mio. Euro. Damit gehört es zu den Schwergewichten der Forschung in Hohenheim.

Weitere Informationen auf der Homepage des Projektes

HINTERGRUND: Einsatz von Tieren im Projekt
Für das Projekt führte die Forschungsgruppe zwei Versuche mit Hennen von braunen und weißen Leghorn-Hybriden durch. Für Untersuchungen zu den Verhältnissen bei Wachteln wurde auf eingefrorene Proben aus einem Vorgängerprojekt zurückgegriffen.

Im ersten Versuch erhielten 80 Hennen im Bereich der höchsten Legeleistung im Alter von etwa 30 Wochen Futtermischungen mit unterschiedlichen Gehalten an Kalzium und Phosphor. Von allen Tieren wurden Exkremente gesammelt und analysiert. Hierfür wurden die Tiere in Einzelhaltung gehalten, jedoch mit Sichtkontakt zueinander. Schließlich wurde den Tieren der Verdauungstrakt entnommen, um die dort vorhandenen Abbauprodukte und Darmfunktionen zu analysieren.

Im zweiten Versuch wurde zusätzlich zur Herkunft der Hennen auch das Alter der Tiere als Faktor berücksichtigt: Dazu wurden jeweils zehn Tiere pro Abstammungslinie im Alter von 10, 16, 24, 30 und 60 Wochen wie im vorigen Versuch beprobt und analysiert.

Hühner waren laut der Versuchstiermeldung von 2019 mit 3.365 Tieren das häufigste Versuchstier an der Universität Hohenheim, gefolgt von Hausmäusen (782 Tiere) und Schweinen (548 Tiere).

Quelle: Universität Hohenheim

Öko-Landbau und Bienengesundheit

0

Vielfältige Landschaften, Blühstreifen und ökologischer Landbau können sich positiv auf Bienen und andere Bestäuber in der Agrarlandschaft auswirken. Ein neues Forschungsprojekt der Universitäten Göttingen und Halle untersucht nun, welche Auswirkungen verschiedene Kombinationen dieser Maßnahmen auf die Diversität, Populationsentwicklung und Gesundheit von Bienen haben können. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert das Projekt „Combee“ drei Jahre lang mit insgesamt rund 700.000 Euro.

Im Zentrum des Verbundprojekts stehen Untersuchungen zu biologischen Interaktionen über mehrere Ebenen der Nahrungsnetze und wie sich diese Interaktionen in verschiedenen Szenarien der Landnutzung verändern. „Wir wollen beispielsweise herausfinden, wie sich die Verfügbarkeit von Blüten in den verschiedenen Landnutzungstypen auf die Interaktionen zwischen Pflanze und Bestäuber auswirken“, sagt Prof. Dr. Catrin Westphal, Leiterin der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität der Universität Göttingen, „und wie sich diese mit der Verfügbarkeit von Blühressourcen und Nistplätzen in ökologisch bewirtschafteten Flächen, naturnahen Lebensräumen und Blühstreifen verändern.“

In Bezug zu aktuellen politischen Zielen des Green Deals der Europäischen Union und der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie werden die Untersuchungen in 32 Landschaften stattfinden, in denen die Flächenanteile von Ökolandbau zwischen 0 und 20 Prozent liegen. „In diesen Landschaften untersuchen wir neben der Diversität der Wildbienen auch die Populationsentwicklung von Honigbienen, Hummeln und solitären Wildbienen“, ergänzt Dr. Annika Hass, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität maßgeblich an der Entwicklung des Forschungsprojekts beteiligt war.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der die Vitalität von Bienengemeinschaften beeinflusst, sind die Übertragungswege und Verbreitung von Pathogenen in Wild- und Honigbienen. „Deshalb werden wir außerdem den Einfluss von Honigbienen auf die Übertragung von Pathogenen zwischen verschiedenen Bienenarten analysieren“, erklärt Prof. Dr. Robert Paxton, Leiter der Abteilung Allgemeine Zoologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Dazu werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im zweiten Projektjahr die Dichte von Honigbienen in der Hälfte der Untersuchungslandschaften experimentell stark erhöhen.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Künstliches Licht beeinflusst die Pflanzenbestäubung auch am Tag

Strassenlaternen verändern die Anzahl der Blütenbesuche von Insekten nicht nur nachts, sondern auch tagsüber. Künstliches Licht in der Nacht beeinflusst somit indirekt die gesamte Gemeinschaft von Bestäubern und Pflanzen – mit unbekannten Folgen für das Ökosystem, wie Forschende von Universität Zürich und Agroscope erstmals nachweisen.

In den letzten Jahren hat die Verbreitung von künstlichem Licht weltweit massiv zugenommen. Dies hat negative Konsequenzen für das Überleben und die Fortpflanzung von nachtaktiven Organismen. Wichtige ökologische Prozesse wie die Bestäubung von Pflanzen durch nachtaktive Insekten werden durch künstliches Licht beeinträchtigt – was Folgen für den Ertrag landwirtschaftlicher Kulturen und die Fortpflanzung von Wildpflanzen haben kann.

Nun zeigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Zürich und von Agroscope erstmals, dass künstliches Licht nachts das Bestäubungsverhalten der Insekten auch während des Tages beeinträchtigt. In einem Experiment haben sie natürliche Pflanzen-Bestäuber-Gemeinschaften auf sechs Naturwiesen nachts mit kommerziellen Strassenlaternen beleuchtet. Sechs weitere Naturwiesen blieben im Dunkeln. In ihrer Analyse konzentrierte sich das Forschungsteam auf 21 natürlich vorkommende Pflanzenarten sowie auf die Insektengruppen der Zweiflügler (Diptera), der Hautflügler (Hymenoptera) und der Käfer (Coleoptera).

Unterschiedliche Interaktionen je nach Pflanzenart
«Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass künstliches Licht in der Nacht je nach Pflanzenart die Anzahl der Pflanzen-Bestäuber-Interaktionen während des Tages verändert», sagt Eva Knop vom Universitären Forschungsschwerpunkt Globaler Wandel und Biodiversität der Universität Zürich und von Agroscope. So erhielten drei Pflanzenarten tagsüber signifikant weniger und eine weitere Art leicht weniger Bestäubungsbesuche. Eine andere Pflanzenart dagegen wurde mit LED-Licht viel mehr und eine weitere etwas mehr besucht.

Interessanterweise war auch die Aktivität der nachtaktiven Bestäuber bei künstlichem Licht verschieden: Zum Beispiel wurde der Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum) in beleuchteten und dunklen Wiesen gleich häufig besucht, die Insekten unterschieden sich jedoch: Während die Zweiflügler die Beleuchtung mieden, wurden die Käfer eher angezogen. Ähnliche Tendenzen gab es auch bei zwei weiteren Pflanzenarten.

Indirekte ökologische Folgen von Lichtverschmutzung
Bisher wurden indirekte ökologische Effekte der Lichtverschmutzung vernachlässigt. «Da Insekten eine zentrale Rolle in der Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen spielen und auch unabhängig von künstlichem Licht durch die Zerstörung des Lebensraums und den Klimawandel bedroht sind, ist es wichtig, diese indirekten Mechanismen zu klären», sagt Knop.

Basierend auf den Ergebnissen fordern Eva Knop und ihre Kollegen: «Die ökologischen Folgen der Lichtverschmutzung sollten stärker erforscht und Massnahmen entwickelt werden, um negative Auswirkungen auf die Umwelt zu verhindern.» Auch wenn künstliches Licht aus besiedelten Gebieten kaum wegzudenken sei, gäbe es Möglichkeiten dafür: So könnte die öffentliche Beleuchtung in Kombination mit neuen Technologien sorgfältig geplant und auf ein Minimum reduziert werden.

Literatur:
Giavi S., Fontaine C., Knop E. (2021) Impact of artificial light at night on diurnal plant-pollinator interactions. Nature Communications, 16. März 2021. Doi: 10.1038/s41467-021-22011-8

Quelle: Universität Zürich

Geflügelpest: Weiterer Ausbruch im Märkischen Kreis bestätigt

Acht Fälle werden in Nordrhein-Westfalen derzeit bearbeitet – Aufstallungspflichten auf die Bezirke Detmold, Arnsberg und Münster ausgeweitet
Umweltministerium mahnt zur konsequenten Vorsorge. Eier können trotz Stallhaltung vorerst weiter als „Freiland“ und „Öko“ vermarktet werden.

Über einen Geflügelhandel in Ostwestfalen wurden in Nordrhein-Westfalen zwei weitere Geflügelpest-Ausbrüche im Kreis Warendorf und im Märkischen Kreis vom Friedrich-Löffler-Institut offiziell bestätigt. Damit wurde in acht Fällen in Nordrhein-Westfalen das hoch ansteckende Geflügelpestvirus H5N8 nachgewiesen. Insgesamt wurden in Nordrhein-Westfalen bisher fast 200.000 Tiere im Rahmen der Seuchenbekämpfung getötet.

In den Regierungsbezirken Detmold, Arnsberg und Münster wurde eine Aufstallungspflicht angeordnet, um weiteren Übertragungen des Virus von Wildvögeln in Nutztierbestände vorzubeugen. Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz fordert alle Geflügelalter in den betroffenen Gebieten auf, Aufstallungspflichten und Biosicherheitsmaßnahmen zwingend und konsequent zu beachten.

„Auch in Gebieten, in denen Geflügel derzeit noch im Freien gehalten werden darf, ist sicherzustellen, dass Wildvögel keinen Zugang zu Futter- oder Wasserquellen des Hausgeflügels bekommen können, um Kontakte zu Wildvögeln so weit wie möglich zu verhindern“, erläutert Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser. Bürgerinnen und Bürger sind weiterhin aufgerufen, Funde von verendeten wildlebenden Wasservögeln oder Greifvögeln dem Veterinäramt des jeweiligen Landkreises bzw. der kreisfreien Stadt zu melden. Verendete oder krank erscheinende Tiere sollen nicht berührt, eingesammelt oder selbst vom Fundort verbracht werden.

Vorsicht ist auch beim Kauf von lebendem Geflügel über fliegende Händler geboten. Das aktuelle Geschehen um einen Ausbruch der Geflügelpest im Kreis Paderborn in unmittelbarem Zusammenhang zu einem Handel mit lebendem Geflügel im Reisegewerbe zeigt, dass die Geflügelpest auch über lebende Tiere in andere Bestände eingetragen wird. Nicht nur Nordrhein-Westfalen ist von diesen Verkäufen betroffen. Über den Handel mit lebendem Geflügel in kleinen Mengen, insbesondere an Hobbyhalter, wurden Legehennen aus Ostwestfalen in sechs weitere Bundesländer veräußert. Auch dort konnten in Folge des Ausbruches im Kreis Paderborn bereits erneute Ausbrüche festgestellt werden.

Für Menschen, die keinen unmittelbaren Kontakt zu infizierten Tieren haben, bedeutet das Geflügelpest-Virus keine Gefahr. Auch können Geflügelfleisch sowie Eier nach Erhitzen gefahrlos verzehrt werden. Bedenken, wonach aufgrund der Geflügelpest Freilandeier vor Ostern in Nordrhein-Westfalen knapp werden, sind nach Einschätzung des Umweltministeriums unbegründet. „Es muss niemand Sorge um sein Osterei haben. Aber sorgen muss man sich um die Geflügelbetriebe und die Tiere, da eine weitere Ausbreitung der Geflügelpest nicht ausgeschlossen werden kann“, so Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann.

Halter müssen ihre Bestände kontrollieren
Aufgrund der derzeitigen Seuchenlage ist auch bei Hobbyhaltern eine tägliche Kontrolle der Todesraten sowie der Produktionsdaten im Tierbestand erforderlich. Erhöhte Sterblichkeitsraten (mehr als 2 Prozent des Bestandes innerhalb von 24 Stunden) sowie rückläufige Legeleistungen sind unverzüglich bei dem vor Ort zuständigen Veterinäramt zu melden. Das Veterinäramt leitet dann eine amtliche Probenuntersuchung und alle weiteren tierseuchenrechtlichen Maßnahmen ein. Bei positivem Nachweis der Geflügelpest wird die Tötung des Tierbestandes angeordnet. Eine Aufhebung der eingerichteten Restriktionszonen erfolgt erst, wenn alle Tiere negativ untersucht sind.

Tierseuchenkasse und Tierseuchenbekämpfung
Da es sich bei der Geflügelpest um eine anzeigepflichtige Tierseuche handelt und es keine Behandlungsmöglichkeiten gegen das Virus gibt, müssen betroffene Tiere schnellstmöglich getötet werden, um eine Weiterverbreitung der Seuche zu verhindern. Die Tierseuchenbekämpfung liegt in Nordrhein-Westfalen grundsätzlich in der Zuständigkeit der Veterinärämter. Die Tötung von Tieren erfolgt unter der Aufsicht von Amtsveterinären, um sicherzustellen, dass tierseuchen- und tierschutzrechtliche Vorgaben vollumfänglich beachtet werden. Die Tierseuchenvorsorgegesellschaft unterstützt die erforderlichen Maßnahmen und stellt unter anderem eine Reinigung und Desinfektion der betroffenen Betriebe sicher.

Vermarktung der Eier als „öko“ bzw. „Freiland“ weiter möglich
Trotz der Aufstallung in den von Aviärer Influenza (Geflügelpest) betroffenen Gebieten können Eier vorerst weiterhin als Produkte aus Freilandhaltung und Ökolandbau gekennzeichnet und vermarktet werden. Daher Eier aus Freilandhaltung von nach dem Legehennenbetriebsregistergesetz registrierten Unternehmen können trotz Aufstallungsanordnung für maximal 16 Wochen als Freilandeier vermarktet werden. Nach dieser Frist muss die Auslobung auf Bodenhaltung geändert werden. Im Ökolandbau gibt es hingegen keine zeitliche Beschränkung: Auch nach Aufstallung können Eier weiterhin als „bio“ beziehungsweise „öko“ vermarktet werden.

Ohne intensiven Tierkontakt keine Gefahr für Menschen
Theoretisch können alle Influenza-A-Viren, die beim Menschen auch für die Auslösung der saisonalen Grippe verantwortlich sind, auch vom Tier auf den Menschen übertragen werden. In Deutschland ist es jedoch bisher nicht zu einer Übertragung des aktuellen Geflügelpest-Virus vom Subtyp H5N8 auf den Menschen gekommen. Eine Übertragung des aktuellen Virus auf den Menschen wurde bisher weltweit nur aus Russland bekannt. Dort sind Mitarbeiter einer Geflügelfarm mit dem Virus infiziert worden und auch an leichten Grippesymptomen erkrankt. Voraussetzung für eine Infektion am Tier ist der unmittelbare intensive Kontakt zum Geflügel.

Bisher wurden in Nordrhein-Westfalen folgende Fälle registriert und bestätigt:

Wildgeflügel
13.11.2020: Wildgans in Emmerich (Kreis Kleve)
13.11.2020: Wildgans in Emmerich (Kreis Kleve)
18.12.2020: Wildgans in Sonsbeck (Kreis Wesel)
18.12.2020: Drossel in Hamminkeln (Kreis Wesel)
13.01.2021: Greifvogel in Xanten (Kreis Wesel)
17.02.2021: Wildgans in Kreis Kleve
03.03.2021: Wildgans Stadt Münster
15.03.2021: Vier Wildgänse in Sendenhorst (Kreis Warendorf)
15.03.2021: Wildgans Stadt Bielefeld
16.03.2021: Graureiher in Enger (Kreis Herford)
17.03.2021: Wildgans in Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke)
27.03.2021: Sperber in Bad Salzuflen (Kreis Lippe)
27.03.2021: Höckergans in Preußisch Oldendorf (Kreis Minden Lübbecke)

Hausgeflügel
01.03.2021: Entenhaltung in Versmold (Kreis Gütersloh)
02.03.2021: Gemischte Geflügelhaltung in Lichtenau (Kreis Paderborn)
02.03.2021: Putenhaltung in Preußisch Oldendorf (Kreis Minden-Lübbecke)
20.03.2021: Putenhaltung in Eslohe (Hochsauerlandkreis)
20.03.2021: Hühnerhaltung in Beelen (Kreis Warendorf)
20.03.2021: Hühnerhaltung in Delbrück (Kreis Paderborn)
23.03.2021: Putenhaltung in Münster
24.03.2021: Hühnerhaltung in Menden (Märkischer Kreis)

Quelle: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

Vogelgrippe breitet sich aus: Biosicherheit weiter ernst nehmen

Nach dem großen Seuchenzug 2016/2017 sind Niedersachsens Geflügelhalter und hunderttausende Tiere nun wieder stark betroffen von der Ausbreitung der Geflügelpest. „In diesem Winter ist das Virus nach allen bisherigen Erkenntnissen besonders aggressiv“, stellt Georg Meiners fest. Er ist der Vorsitzende im Tierseuchen-Ausschuss des Landvolks Niedersachsen.

Und nicht nur in Niedersachsen sind Geflügelbestände betroffen: Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) meldet in seiner Risikoeinschätzung vom 16.02.2021, dass in Deutschland seit dem 30.10.2020 über 600 HPAIV (Hochpathogenes Aviäres Influenza-Virus) H5-Fälle (Subtyp 5) bei Wildvögeln, 59 Ausbrüche bei Geflügel, davon drei bei gehaltenen Vögeln in Tierparks festgestellt worden sind. Außerdem meldeten 25 europäische Länder Wildvogelfälle bzw. Ausbrüche von HPAIV des Subtyps H5 bei gehaltenen Vögeln. Das Risiko der Ausbreitung in Wasservogelpopulationen und des Eintrags in Geflügelhaltungen und Vogelbeständen (z.B. zoologische Einrichtungen) wird als hoch eingestuft. In Gebieten mit einer hohen Dichte von Geflügelhaltungen ist von einem hohen Eintragsrisiko durch Verschleppung des Virus zwischen Geflügelhaltungen (Sekundärausbrüche) auszugehen. Überwachungsmaßnahmen hinsichtlich toter oder kranker Wildvögel sollten unverzüglich weiter intensiviert sowie die Biosicherheit in den Geflügelhaltungen überprüft und optimiert werden.

Für ein schnelles Erkennen von Verdachtsfällen bei Geflügel ist eine erhöhte Wachsamkeit wichtig: Sind die Tiere teilnahmslos und schlapp und legen die Hühner deutlich weniger Eier, muss sofort ein Tierarzt hinzugezogen werden.

Wildenten und -gänse können das Virus über weite Strecken verschleppen. Bei Kontakt mit solchen Tieren kann Nutzgeflügel erkranken – und auffällig ist derzeit laut Georg Meiners, dass besonders häufig Putenmasten betroffen sind. „Die Ställe sind sehr offen gebaut, dadurch hat es das Virus leichter“, erläutert der Landwirt.

Ähnlich gefährlich ist die Lage bei Mobilställen. Diese dürfen während der Aufstallungspflicht nicht mehr verzogen werden. Je nach Risikolage ist es empfehlenswert, die Mobilställe frühzeitig auf den Winterstellplatz zu schaffen oder sie im Fall der Aufstallungspflicht an den Hof zu holen, empfiehlt die Landwirtschaftskammer. Die Versorgungswege werden kurz gehalten und die Gefahr der Einschleppung reduziert. Auch wenn eine Reihe von gesetzlich angeordneten Maßnahmen erst ab einer Bestandgröße von 1.000 Tieren verpflichtend gelten, sollten sich auch kleinere Bestände an die Biosicherheitsmaßnahmen halten.

In vielen Bundesländern gilt zwar nicht landesweit, aber bereits in einigen Gebieten und Landkreisen die Stallpflicht für Geflügel.

Das FLI bietet eine umfangreiche Checkliste zur Vermeidung der Einschleppung der Geflügelpest auf seiner Homepage an.

Quelle: Der Hoftierarzt, Dr. Heike Engels, Landvolk Niedersachsen, FLI

Bundesministerin Julia Klöckner verlängert Förderung für Tierwohlställe bis zum 30. 3. 2021

0

Mehr Planungssicherheit für Landwirte – Änderung der Förderrichtlinie zum Stallumbau soll Anfang April in Kraft treten

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat im vergangenen Jahr erreicht, dass im Corona-Konjunkturprogramm der Bundesregierung für 2020 und 2021 insgesamt 300 Millionen Euro für den Umbau von Ställen zur Verfügung stehen. Das Programm dient der Umsetzung von mehr Tierwohl in den Ställen. Das Programm war – wie alle Teile des Corona-Konjunkturprogramms – ursprünglich bis Ende 2021 befristet, da eine Mittelübertragung in das Jahr 2022 vom zuständigen Bundesfinanzministerium grundsätzlich nicht vorgesehen war.

Damit sauenhaltende Betriebe auch Vorhaben finanzieren können, wenn der Abschluss des Umbaus erst in 2022 erfolgt, will die Bundesministerin nun die Antragsfrist in der Förderrichtlinie verlängern: Die Betriebe könnten den Förderantrag dann bis zum 30. September 2021 stellen.

Bundesministerin Julia Klöckner: „Unsere Landwirte brauchen Planungssicherheit, wenn sie in Stallumbauten zum Wohl der Tiere investieren. Das unterstützen wir mit unserem Programm. Jetzt sorge ich dafür, dass das Geld auch noch 2022 abgerufen werden kann. Dazu ändern wir die Förderrichtlinie. Das ist ein wichtiges Signal an alle Betriebe, die ihre Ställe kurzfristig tierwohlgerechter umbauen wollen.

Damit die Mittel gut abfließen können, erwarte ich von unserem Koalitionspartner, dass er seine Blockadepolitik bei der Änderung des Baugesetzbuches aufgibt. Denn wir wollen Landwirten helfen, schneller und unbürokratischer eine Genehmigung zu bekommen, wenn sie mehr Platz im Stall schaffen. Hier auf der Bremse zu stehen, schadet Tierhaltern und Tieren gleichermaßen.“

Die Änderung der Förderrichtlinie liegt aktuell bei der Europäischen Kommission zur Prüfung – sie wird voraussichtlich Anfang April im Bundesanzeiger veröffentlicht.

Zum Programm:
Mit der Siebten Verordnung zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, die im Februar 2021 in Kraft getreten ist, wird die Sauenhaltung im Deckzentrum und im Abferkelbereich neu geregelt. Ziel der Neuregelung ist es, den Tierschutz zu verbessern. Die Kastenstandhaltung im Deckzentrum abzuschaffen sowie der Bau von Bewegungsbuchten im Abferkelbereich kosten Geld. Um die Belastungen für die Betriebe bei der Umsetzung dieser Neuregelung abzufedern, hat Bundesministerin Julia Klöckner in den Verhandlungen zum Corona-Konjunkturpaket das Bundesprogramm zum Stallumbau erreicht.

Voraussetzungen:
Unter folgenden Voraussetzungen können die sauenhaltenden Betriebe in Deutschland einen Förderantrag für die Umsetzung der neuen Anforderungen an die Sauenhaltung stellen:
– Die Höchstgrenze liegt bei 500.000 Euro je Betrieb und Investitionsvorhaben.
– Das Bauvorhaben darf nicht mit einer Vergrößerung des Tierbestandes verbunden sein.
– Das Vorhaben muss bis Ende des Jahres 2022 abgeschlossen sein.
– Förderfähig sind auch die einzelbetriebliche Beratung für die Erstellung eines Um- oder Ersatzbaukonzepts.

Zeitplan:
Anträge können dann länger – bis zum 30. September 2021 (statt bis zum 15. März 2021) bei der zum BMEL gehörenden Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) unter www.ble.de/stallumbau gestellt werden. Vorhaben können bis Ende 2022 umgesetzt werden.

Weitere Details zur Antragstellung sind unter www.ble.de/stallumbau veröffentlicht. Auskunft erteilt die BLE außerdem unter der Rufnummer 0228/6845-2755 sowie per E-Mail an stallumbau@ble.de

Quelle: BMEL

Aviäre Influenza: Erfahrungen und Strategien aus Wissenschaft und Praxis

Nachlese EuroTier digital: Berichte aus Praxis und Wissenschaft zur Geflügelpest (Aviäre Influenza, AI)

Im DLG-Spotlight Geflügel der „EuroTier digital“ waren Informationen und Austausch zum Thema Aviäre Influenza (AI) sehr gefragt. In fünf Online-Veranstaltungen wurden aktuelle Entwicklungen, Erfahrungen aus der Praxis und neue Ansätze der Wissenschaft besprochen und diskutiert. Auch das Netzwerk Fokus Tierwohl war mit drei Veranstaltungen zum Thema vertreten.

Aufstallungspflicht bei Mobilställen
Mit welchen Maßnahmen kann das Tierwohl in Zeiten der Vogelgrippe aufrechterhalten werden? Um hilfreiche Tipps aus der Praxis ging es im Vortrag von Landwirtin Friederike Schierholz. Die Mobilstallhalterin berichtete von ihren Erfahrungen mit der Aufstallungspflicht. Kurz vor dem Seuchenzug 2016/2017 wurden auf ihrem Betrieb die ersten Legehennen in den damals neuen Mobilstall eingestallt: „An eine Stallpflicht haben wir überhaupt nicht gedacht in dem Moment als wir uns den Stall zugelegt haben“, merkte die Landwirtin an. Vor allem Neueinsteigern rät sie, diesen Fall aber unbedingt in die Überlegungen beim Stallkauf mit einzubeziehen. So hätten ihre eigenen Erfahrungen gezeigt, dass ein Wintergarten in der Phase der Aufstallung den Tieren zusätzlichen Platz biete und dadurch Stress reduziere. Ihr Ziel sei es, den Legehennen auch während der Aufstallung ausreichend Möglichkeiten zum Scharren und Picken zu bieten. Hierzu setze sie loses Stroh, Strohpellets aber auch unterschiedlichste Beschäftigungsmaterialien ein. Grundsätzlich sei zu beachten, dass die Beschäftigungsmaterialien für die Tiere langanhaltend attraktiv und der damit verbundene Arbeitsaufwand ebenso wie die entstehenden Kosten vertretbar seien. Aufgrund ihrer positiven Erfahrungen setzt Friederike Schierholz derzeit unter anderem neben Pickblöcken und Luzerneballen auch zeitweise Maissilage ein. Zudem erhalten ihre Tiere vier bis fünf Mal pro Tag Hafer oder Weizen über einen automatisierten Körnerstreuer.

Sicherheits-Check mit AI-Risikoampel
Unter dem Titel „Vorsorgen ist besser als Räumen“ informierte Dr. Anja Globig vom Institut für Internationale Tiergesundheit am Friedrich-Loeffler-Institut die Zuhörenden darüber, wie wichtig die konsequente Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen in der Geflügelhaltung im Hinblick auf die Verbreitung der Aviären Influenza (Geflügelpest) ist. Allein in der derzeitigen Epidemie seien bis Mitte Februar bereits Verluste in Höhe von über 600.000 Tieren durch die Geflügelpest zu beziffern. Ein zentraler Punkt, um die Verbreitung des Virus zu verhindern, sei laut Dr. Globig, die Eigenschaften des Virus zu kennen. Neben der direkten Übertragung von Tier zu Tier müssten insbesondere auch die indirekten Übertragungswege beachtet werden. Die Kernfrage sei: „Hat mein Betrieb eine Biosicherheitslücke?“. Zur Beantwortung dieser Frage wurde die AI-Risikoampel im Jahr 2018 von der Universität Vechta in Zusammenarbeit mit dem FLI entwickelt. Diese umfasst einen Fragenkatalog aus 100 Einzelfragen, die Tierhalter anonym im Multiple-Choice-Verfahren für ihren Betrieb beantworten können. Ziel ist es hierbei, in der Abfrage mögliche Risikofaktoren in Hinblick auf die Sicherung des Betriebes, die Sicherung des Stalles aber auch die Arbeitsabläufe zu identifizieren. Am Ende erfolgt die Einordnung in drei Risikogruppen „grün“, „orange“ und „rot“. Zudem erhält jeder Tierhalter Optimierungshinweise zusammen mit einer Checkliste für konkret durchzuführende Maßnahmen. Mithilfe der AI-Risikoampel können Betriebsabläufe mit Blick auf die Hygienestandards somit sicherer gestaltet werden. Das Tool steht allen Interessierten unter risikoampel.uni-vechta.de kostenfrei zur Verfügung.

Maßnahmen in der Gänsehaltung
Im Interview mit Dr. Christian Lambertz vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) stellte Iris Tapphorn, Landwirtin im Netzwerk der Impulsbetriebe Tierwohl, ihre Erfahrungen im Umgang mit den Auflagen zur Geflügelpest dar. Der Gänsehof Tapphorn in Niedersachsen hat mehrere Betriebszweige, darunter eine Gänse-Elterntierzucht mit EU-Brüterei. Die Gänseaufzucht und -mast stellen weitere Betriebsschwerpunkte dar. Auf dem Betrieb etablierte die Betriebsleiterin zahlreiche Biosicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor einem Eintrag des AI-Erregers. Zu den risikominimierenden Maßnahmen zählen das Anbieten von Futter und Wasser ausschließlich im Stall sowie die regelmäßige stichprobenartige Testung mittels PCR-Analyse auf den Erreger H5N8. Zusätzlich wurde die Besatzdichte zur Stressvermeidung reduziert.

Hintergrund:
Als Teil des Bundesprogramms Nutztierhaltung fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) den Aufbau des Netzwerkes Fokus Tierwohl. Das Verbundprojekt der Landwirtschaftskammern und landwirtschaftlichen Einrichtungen aller Bundesländer hat das Ziel, den Wissenstransfer in die Praxis zu verbessern, um schweine-, geflügel- und rinderhaltende Betriebe hinsichtlich einer tierwohlgerechten, umweltschonenden und nachhaltigen Nutztierhaltung zukunftsfähig zu machen. Neueste Erkenntnisse aus der angewandten Forschung, der Praxis, den Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz und anderen Projekten werden durch die Tierwohl-Kompetenzzentren in Kooperation mit Expertinnen und Experten der Verbundpartner gesammelt und fachlich fundiert eingeordnet. Ausführliche Informationen sind unter www.fokus-tierwohl.de zu finden.

Quelle: DLG