(Nichts) Neues aus der Ebermast?

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Thünen Online-Konferenz: Ökoebermast – Problem oder Chance?

Die Probleme mit Ebermast und Eberfleisch sind hinlänglich bekannt und auch die Online-Konferenz des Thünen-Instituts am 23. März konnte keine bahnbrechend-neuen Erkenntnisse präsentieren. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Ergebnisse mehrjähriger Forschung.

Das Risiko Fleisch mit Geruchsabweichungen zu produzieren, lässt sich durch ausgeklügelte Futtermischungen vielleicht senken, aber nicht auf null. Die Fettqualität lässt bei unkastrierten Ebern zu wünschen übrig und ihr Fleisch eignet sich nicht zur Verarbeitung in allen Produkten. Speziell wenn es erwärmt wird, birgt Eberfleisch das Risiko einen unangenehmen Geruch und Geschmack zu entwickeln. Schuld sind, bei einem kleineren Teil der Eber, zu hohe Anteile von Androstenon und Skatol im Fleisch, die urin- und fäkalartige Aromen verursachen.

Das lässt sich zwar durch Gewürze und Marinaden maskieren, aber nur bedingt. Ist die Konzentration der beiden Stoffe zu hoch, lehnen auch weniger empfindliche Menschen das Fleisch ab. Alternativ kann Fleisch unkastrierter Eber mit dem von Sauen und Kastraten (Börgen) vermischt werden. Allerdings höchstens in Anteilen von 20-25% und außerdem lassen sich die Edelteile auffälliger Eber nicht als solche vermarkten, sondern landen komplett im Fleischwolf.

Die Jungebermast wird in einigen Ländern praktiziert, um bei jüngeren und leichteren Tieren das Risiko von Geruchsabweichungen zu minimieren. Jedoch können auch junge Eber bereits Androstenon und Skatol in problematischen Mengen produzieren, so dass auf entsprechende Tests am Schlachtband nicht verzichtet werden kann. Darüber hinaus sind die Teilstücke naturgemäß kleiner und die produzierte Tagesmenge an Fleisch fürs Schlachtunternehmen, bei gleicher Anzahl geschlachteter Tiere, geringer als bei ausgemästeten Schweinen.

Eine Alternative zur Ebermast wäre die „Impfung“ gegen Ebergeruch, die jedoch leider mit der 2020 verabschiedeten EU-Öko-Verordnung unvereinbar ist. Das bedauern auch viele Bio-Schweinehalter! Ein Impf-Versuch am „Thünen-Institut für Ökologischen Landbau“ kam nun zu interessanten Ergebnissen: hierfür wurde Ferkeln bereits im Alter von 3 (und nochmals mit 7 Monaten) Improvac injiziert. Die Entwicklung von Ebergeruch konnte dadurch fast ebenso gut verhindert werden, wie bei der herkömmlichen Impfung während der Mastphase (mit 35 kg Lebendgewicht und nochmals 4-6 Wochen vor der Schlachtung).

Das Handling von Ferkeln gestaltet sich natürlich viel einfacher als das von schweren Ebern, speziell gegen Ende der Mast, wenn oft eine zweite Person benötigt wird. Allerdings wiesen 7% der früh geimpften Ferkel bei der späteren Schlachtung zu hohe Androstenongehalte im Rückenfett und entsprechende Geruchsabweichungen auf. Beim Skatol blieben sie dagegen unauffällig.

Die Ebermast bleibt in jeder Haltungsform, ob bio oder konventionell, die tiergerechteste Alternative, weil sie auf jeglichen Eingriff am Tier verzichtet. Den Ebergeruch vollständig zu verhindern bleibt jedoch eine Herausforderung für die Forschung. Schlachtunternehmen und Fleischverarbeiter sollten auf der anderen Seite Phantasie entwickeln, wie der Eberfleisch-Anteil in Zukunft deutlich erhöht werden kann.

Initiative Tierwohl: Große Teilnahmebereitschaft der Schweinehalter, Handel investiert massiv

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– Neue Programmphase der ITW startet mit erheblichem Zuwachs bei Schweinen
– LEH investiert massiv in den Fonds, um allen angemeldeten Schweinehaltern Teilnahme zu ermöglichen
– Statt wie geplant rund 75 Millionen Euro für das Programm 2021-2023, stellt Handel rund 135 Millionen Euro für die Aufnahme der Ferkelerzeuger bereit

Die Handelsunternehmen in der Initiative Tierwohl (ITW) stocken ihr finanzielles Engagement massiv auf, um die Breitenwirksamkeit der Initiative noch weiter zu erhöhen. Denn das Interesse der Schweinehalter ist groß: Zum aktuellen Programm 2021-2023 haben sich insgesamt 6.832 Schweine haltende Betriebe angemeldet. Darunter 1.027 Sauenhalter und 1.240 Ferkelaufzüchter mit gut 14 Millionen Ferkeln. Das sind mehr als doppelt so viele Ferkel wie im Programm 2018-2020. Statt wie geplant rund 75 Millionen Euro für die Jahre 2021-2023, stellen die an der ITW teilnehmenden LEH jetzt rund 135 Millionen Euro für Ferkelerzeuger in einem Fonds bereit. Damit kann allen interessierten Betrieben eine ITW-Teilnahme ermöglicht werden.

„Die Bereitschaft der Landwirte zum Engagement für Tierwohl ist absolut beeindruckend“, erklärt Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Rund 14 Millionen Ferkel und über 17 Millionen Mastschweine können so derzeit von der ITW profitieren. Das große Interesse allein bei den Ferkelerzeugern haben wir in diesem Umfang nicht erwartet. Umso mehr freuen wir uns über die Bereitschaft des Handels durch zusätzliche Finanzmittel dafür zu sorgen, dass wir keine Warteliste brauchen.“

In Deutschland erfolgt die Schweinehaltung in mehreren Stufen. Von der Sauenhaltung über die Ferkelaufzucht bis hin zur Mast sind nicht selten mehrere Landwirte beteiligt. Damit an der ITW teilnehmende Sauenhalter an ebenfalls teilnehmende Ferkelaufzüchter liefern können, haben die an der ITW teilnehmenden Händler einen Fonds aufgesetzt, aus dem heraus die Ferkelerzeuger zusätzlich zu dem Marktpreis einen Tierwohl-Aufpreis pro Ferkel erhalten.

Für teilnehmende Schweinemäster gilt ein anderes Prinzip. Sie erhalten den von der ITW festgesetzten Tierwohl-Aufpreis von derzeit 5,28 Euro pro Tier über den Schlachtbetrieb. Auch bei den Mastschweinen verzeichnet die ITW einen erheblichen Zuwachs. Waren es im vergangenen Programm noch rund 12 Millionen Tiere, so sind für das Programm 2021-2023 bereits 17,3 Millionen Mastschweine angemeldet. Damit machen die Mastschweine aus den teilnehmenden ITW-Betrieben über 34 Prozent der in Deutschland erzeugten Mastschweine aus.

Die ITW befindet sich mit dem Programm 2021-2023 bereits in der dritten Programmphase. Seit ihrem Start im Januar 2015 haben die teilnehmenden LEH gemeinsam bereits um die 645 Millionen Euro in das Tierwohl von Schweinen, Hähnchen und Puten investiert.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Hohe Qualitätsstandards und Sicherheit für Tierarzneimittel

Bundesministerin Julia Klöckner schafft eigenes Tierarzneimittelgesetz – heutiger Beschluss des Bundeskabinetts

Das Bundeskabinett hat heute dem Gesetzentwurf der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, zugestimmt, ein eigenständiges Tierarzneimittelgesetz (TAMG) für Deutschland zu schaffen. Bisher waren Tierarzneimittel Teil des allgemeinen nationalen Arzneimittelgesetzes.

Mit der Neuregelung werden alle gesetzlichen Vorschriften zu Tierarzneimitteln übersichtlich zusammengefasst:

• Das erleichtert den Tierhaltern und Tierärzten die Anwendung der neuen Vorschriften.
• Die Trennung des Arzneimittelrechts und des Tierarzneimittelrechts in zwei getrennte Gesetze ist für die Verwaltung eine erhebliche Vereinfachung.
• Zudem wird die ordnungsgemäße Arzneimittelversorgung im Veterinärbereich gestärkt: Arzneimittel für die Behandlung von Tieren müssen jederzeit zur Verfügung stehen. Deren Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit muss dabei sichergestellt sein.

Bundesministerin Julia Klöckner: „Mit dem eigenen Gesetz tragen wir den Belangen von Tierhaltern und Tierärzten Rechnung – das ist ein großer Erfolg. Wir garantieren höchste Qualitätsstandards und Sicherheit für Tierarzneimittel. Damit stärken wir die Tiergesundheit und den Tierschutz.“

Hintergrund
Der Gesetzesentwurf passt die nationalen Vorschriften des Tierarzneimittelrechts an neue unionsrechtliche Vorschriften an, insbesondere an die Verordnung (EU) 2019/6 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2018 über Tierarzneimittel. Dazu wird ein eigenständiges Tierarzneimittelgesetz erlassen und die auf Tierarzneimittel bezogenen Vorschriften aus dem nationalen Arzneimittelgesetz (AMG) gestrichen.

Das TAMG schreibt die bisherigen Vorschriften des Arzneimittelgesetzes für Tierarzneimittel dabei im Wesentlichen fort, soweit diese nicht durch das unmittelbar geltende Unionsrecht überlagert werden. Zudem nutzt das Gesetz von der EU-Verordnung eingeräumte Gestaltungsspielräume. Neben den Durchführungsvorschriften zu der Verordnung (EU) 2019/6 werden Vorschriften auch für solche Tierarzneimittel und veterinärmedizintechnischen Produkte getroffen, die in den bisherigen Anwendungsbereich des AMG, nicht aber in den Anwendungsbereich der Verordnung (EU) 2019/6 fallen.

Die neuen nationalen Vorschriften treten wie das neue Unionsrecht am 28. Januar 2022 in Kraft. Das Gesetz bedarf der Zustimmung des Bundesrates.

Quelle: BMEL

„Molekulare Whistleblower“: Biomarker ermöglichen frühe Diagnose bei Euterentzündung der Milchkuh

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Komplexe Erkrankungen wie die Euterentzündung (Mastitis) bei Milchkühen führen oft zu einem enormen wirtschaftlichen Schaden: Die Tiere geben weniger Milch, und sie ist weniger brauchbar. Auch immense Tierarztkosten sind die Folge. Ein möglichst frühzeitiges Erkennen solcher entzündlichen Erkrankungen minimiert den Antibiotikaeinsatz erheblich und steigert die Milchleistung der Kühe. Bio- beziehungsweise Entzündungsmarker geben als „molekulare Whistleblower“ oft verborgen gebliebene Hinweise zu einer möglichen Erkrankung und unterstützen Kliniker immer besser bei der Diagnose und Therapie.

Forscher der Universität Leipzig haben jetzt ein nicht invasives Nachweisverfahren entwickelt, das auf einem spezifischen Biomarker basiert. Es ermöglicht eine frühzeitige Diagnose sowie Therapieverlaufskontrolle entzündlicher Erkrankungen.

Das Projekt von Prof. Dr. Getu Abraham und seinem Team vom Institut für Pharmakologie, Pharmazie und Toxikologie der Veterinärmedizinischen Fakultät wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Es hilft dabei, das Risiko für einen schweren Verlauf und den damit verbundenen wirtschaftlichen Verlust erheblich zu mindern. „Da unser Verfahren auch der Entwicklung multiresistenter Keime und damit einem inflationären Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung vorbeugt, leisten wir auch einen Beitrag zum Tierschutz“, erklärt Abraham.

Bei dem Marker handelt es sich um ein spezifisches Protein, das aus einwandernden Entzündungszellen freigesetzt wird – beispielsweise, wenn eine Kuhmilch an Mastitis erkrankt ist. „Durch die Isolation dieses Proteins ist es uns gelungen, einen effizienten Biomarker zu gewinnen, der in der Routine-Diagnostik den Schweregrad der Euterentzündung vorhersagen kann. Folglich ist es möglich, mit Hilfe des Biomarkers Mastitiden bei Milchkühen bereits im subklinischen Stadium eindeutig zu diagnostizieren“, sagt Abraham.

Der Nachweis des Entzündungsmarkers erfolgt unkompliziert in Milchproben, ohne dass invasive Eingriffe am Tier erforderlich sind. Dadurch können bereits Tage vor den eigentlichen Krankheitssymptomen Risikotiere eindeutig identifiziert und individuell behandelt werden. Wie Untersuchungen des Teams gezeigt haben, steigt im Falle einer akuten Euterentzündung der Parameter ohne merkliche Zeitverzögerung signifikant mit großer Amplitude in der Milch an und fällt nach einer Antibiotika-Therapie beziehungsweise nach Abklingen des Entzündungsgeschehens rasch um mehr als ein Drittel des Ursprungswertes ab. Dadurch sei der Biomarker für ein Krankheits- und Therapie-Monitoring gut einsetzbar.

Aktuell arbeitet das Forscherteam an einer Weiterentwicklung des Testverfahrens, um eine einfache und patientennahe Vorort-Diagnostik zu ermöglichen. Perspektivisch soll die Anwendung auf unterschiedliche Matrizes wie Blut, Kot oder Harn erweitert und für unterschiedliche Spezies validiert werden.

Quelle: Universität Leipzig

Geflügelpest in Niedersachsen: Rund eine Million Tiere betroffen

Ministerin spricht mit Tierhaltern – Dank an Mitarbeiter des LAVES und der Landkreise

Die Zahl an Geflügelpestfällen in Niedersachsen steigt weiter an. Bislang sind rund eine Million Tiere betroffen. „Das ist leider ein trauriger Rekord“, sagte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast. Die Ministerin hat Tierhalter, deren Ställe geräumt werden mussten, für den morgigen Dienstag, 23. März, zu einer Telefonkonferenz eingeladen. Mit Vertretern der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft und dem Landkreis Cloppenburg hat Ministerin Otte-Kinast sich bereits heute ausgetauscht.

In Niedersachsen wurden bislang 64 Ausbrüche der Geflügelpest festgestellt. Mit 34 Putenmast-, drei Entenmast- und einem Hähnchenmastbetrieb ist der Landkreis Cloppenburg besonders betroffen. Insgesamt sind in Niedersachsen 46 Putenbestände, fünf Entenbestände, vier nicht gewerbliche Kleinsthaltungen, ein Masteltern-Hennen Betrieb, zwei Hähnchenmastbestände, drei Legehennenbestände und drei Gänsebestande betroffen. Die Betriebe befinden sich in zehn Landkreisen, bzw. kreisfreien Städten.

Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren: Im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg (LVI OL) des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) sind während des aktuellen Seuchengeschehens bisher mehr als 17.140 Proben von Hausgeflügel untersucht worden, davon allein für den Landkreis Cloppenburg mehr als 12.000 Proben. Hinzu kommen insgesamt 900 Wildvogelmonitoringproben (im Zeitraum vom 4. November 2020 bis zum 22. März 2021).

„In unseren Laboren und unserem Task-Force-Koordinierungszentrum sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit Wochen kontinuierlich im Einsatz. Die Lage erfordert es, dass wir an Wochenenden und auch an Feiertagen schnellstmögliche Ergebnisse liefern“, betonte Prof. Dr. Eberhard Haunhorst, Präsident des LAVES.

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Laboren arbeiten Tag und Nacht, um die Proben zu untersuchen. Die Task Force Veterinärwesen koordiniert die Bekämpfungsmaßnahmen“, erklärte Ministerin Otte-Kinast.

„Ich danke aber auch allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Landkreisen, die mit ihrer Arbeit dafür sorgen, dass sich das Seuchengeschehen nicht ausbreitet und andere Tierbestände geschützt werden, sowie den Landwirten, die auf Biosicherheit in ihren Ställen achten.“

Das Ausbruchsgeschehen ist geprägt durch den andauernd hohen Infektionsdruck aus den Wildvogelpopulationen und die hohe Infektiosität des vorherrschenden Virustyps. Daher sind weitere Ausbrüche in Geflügelbeständen in den kommenden Wochen wahrscheinlich. Durch die in den vergangenen Jahren nochmals verbesserten Biosicherheitsmaßnahmen vieler Betriebe sind die möglichen Eintragspfade für das Geflügelpest-Virus in die Bestände zwar schon deutlich reduziert worden.

Eine vollständige Ausschaltung aller Risiken, die sich zum Beispiel durch Zugvogelbewegungen in unmittelbarer Nähe von Tierhaltungen ergeben, erscheint jedoch nicht möglich. Die hohe Geflügeldichte in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta spielt bei der Entwicklung des Infektionsgeschehens zudem eine große Rolle.

Aus Sicht des Landwirtschaftsministeriums müssen daher in der aktuellen Situation alle Maßnahmen ergriffen werden, die geeignet sind, die Zahl empfänglicher Tiere temporär zu reduzieren. Dazu gehören die von den Landkreisen angeordneten Wiederaufstallungsverbote in Restriktionszonen, bzw. der Verzicht auf Wiederaufstallungen. Schlachtreifes Geflügel in den Restriktionsgebieten muss so früh wie möglich der Schlachtung zugeführt werden.

Hintergrund:
Die Geflügelpest ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Eine Übertragung auf Menschen wurde bislang nicht festgestellt. Seit November 2020 ist das Virus in mehreren deutschen Küstenländern aufgetaucht, auch in Niedersachsen wurde der erste Fall Anfang November festgestellt. Im Dezember 2020 hat Ministerin Otte-Kinast den Tierseuchenkrisenfall festgestellt und somit die Aktivierung des Tierseuchenkrisenzentrums im Landwirtschaftsministerium und die Errichtung des Krisenkoordinierungsstabes beim LAVES angeordnet.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Aktueller Buchtipp: Leitfäden für die Praxis – Schwein – Rind – Geflügel

Der KTBL-Praktikerleitfaden „Tierschutzindikatoren – Schwein“ ist eine Arbeitsunterlage für Halter von Sauen-, Saugferkel-, Aufzuchtferkel- und Mastschweinen. Der KTBL-Praktikerleitfaden „Tierschutzindikatoren – Rind“ ist eine Arbeitsunterlage für Halter von Milchkühen, Aufzuchtkälbern oder Mastrindern. Der KTBL-Praktikerleitfaden „Tierschutzindikatoren – Geflügel“ ist eine Arbeitsunterlage für Halter von Jung- und Legehennen-, Masthühner- und Mastputen.

Die Leitfäden sind mit stabiler Spiralbindung und abwaschbaren Seiten stalltauglich ausgeführt und liefern dem Tierhalter eine Anleitung, wie eine Überprüfung des Tierwohls nach aktuellem wissenschaftlichen Stand praktikabel und fachgerecht durchgeführt werden kann. Ablaufschemata für jede Produktionsrichtung zeigen, welche Indikatoren wann und an welchen Tieren an

hand einer Stichprobenziehung erhoben werden sollten. Der Steckbrief zu jedem Indikator ent

hält dann eine kurze fachliche Beschreibung, eine Foto-Klassifikationstabelle bzw. Rechenformel sowie weitere Hinweise zur Erhebung. Die Leitfäden sind nach intensiver Testphase in landwirtschaftlichen Betrieben methodisch überarbeitet und in der 2. aktualisierten Auflage noch besser auf den Einsatz unter Praxisbedingungen angepasst. Neu sind auch kopierbare Erhebungsformulare im Anhang.

Erscheinungsjahr 2020, 2. aktualisierte Auflage, erhältlich als E-Book oder gedruckte Version, Preis 18.00 € je Heft

Schwein: Bestell-Nummer: 12631 · ISBN 978-3-945088-76-0

Rind: Bestell-Nummer: 12630 · ISBN 978-3-945088-75-3

Geflügel: Bestell-Nummer: 12632 · ISBN 978-3-945088-77-7

Weitere Informationen im KTBL-Shop

Schafe gegen Ziegen: Wer sind die besseren Problemlöser?

Wenn es darum geht, sich auf neue Situationen einzulassen, haben Ziegen die Nase vorn: Im Vergleich zu Schafen können sie sich deutlich schneller auf veränderte Begebenheiten einstellen und so zum Beispiel zu Nahrungsquellen gelangen. Das legt eine neue Studie von Forschenden der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und dem Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) nahe, die im Fachjournal „Royal Society Open Science“ erschienen ist. Darin hatten sie untersucht, wie gut es den Tieren gelang, Hindernisse zu umlaufen und zu ihrem Futter zu kommen.

Dr. Camille Raoult und Dr. Christian Nawroth (Foto: Katrina Rosenberger)

Schafe und Ziegen haben viele Gemeinsamkeiten: Sie sind genetisch gesehen enge Verwandte, etwa gleich groß, haben ähnliche soziale Strukturen und werden beide vom Menschen als Nutztiere gehalten. Große Unterschiede gibt es aber bei der Nahrungssuche: „Während Schafe eher Weidetiere sind, streifen Ziegen umher und bevorzugen Knospen und frische Triebe“, sagt Dr. Camille Raoult von der MLU, die die Studie gemeinsam mit Dr. Christian Nawroth vom FBN geleitet hat. Die Experimente wurden am Forschungszentrum Agroscope in der Schweiz, an der Queen Mary University London (QMUL) sowie am „Buttercups Sanctuary for Goats“ in Kent durchgeführt.

„Die Fähigkeit, auf eine sich verändernde Umwelt zu reagieren, ist lebenswichtig, denn so können Tiere neue Nahrungsquellen erschließen“, sagt Nawroth. Das Team wollte deshalb untersuchen, wie beide Tierarten auf neue räumliche Hindernisse reagieren. Der Versuchsaufbau der Studie war dabei relativ einfach: Jeweils ein Tier wurde an das Ende eines kleinen Geheges geführt. Am anderen Ende befand sich eine Person, die Futter anbot. Dazwischen war ein Zaun mit einer Lücke – der direkte Weg war jeweils versperrt. Die Forscherinnen und Forscher beobachteten das Verhalten der Tiere, also ob sie direkt in Richtung der Lücke liefen, und stoppten die Zeit, die sie brauchten, um zu ihrem Futter zu gelangen. Nach einigen Durchläufen wurde die Position der Lücke im Zaun verändert. Anschließend sollten die Tiere den Versuch wiederholen. Insgesamt absolvierten 21 Ziegen und 28 Schafe das Experiment.

Dr. Christian Nawroth mit Schaf (Foto: Britta Osthaus)

Die Ergebnisse: Den Ziegen gelang es im ersten Durchlauf mit der neuen Lücke deutlich besser und auch schneller, das Hindernis zu umlaufen, obwohl die Schafe im Durchschnitt schneller ans Ziel gelangten. Sowohl Schafe als auch Ziegen waren aber von der neuen Position der Lücke zunächst irritiert und brauchten einige Versuche, um sich auf die neue Situation einzustellen. Anschließend machten sie weniger Fehler. Die Versuche konnten nicht unter exakt identischen Bedingungen an beiden Standorten durchgeführt werden, sie zeigen aber trotzdem deutlich: „Ziegen können sich offensichtlich besser und genauer auf neue Situationen einstellen und die korrekte Richtung einschlagen, um das Hindernis zu umlaufen. Das spricht dafür, dass sie mental flexibler als Schafe sind“, sagt Ko-Autorin Dr. Britta Osthaus von der Canterbury Christ Church University zusammenfassend. Ein möglicher Grund für die Unterschiede könnten die unterschiedlichen Strategien bei der Nahrungssuche sein, so die Forscherin.

Die Studie wurde vom Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der US-amerikanischen Tierschutzorganisation „Farm Sanctuary“ unterstützt.


Video: Dr. Christian Nawroth

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg & Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

Maul- und Klauenseuche: Bekämpfungsansätze eines möglichen Ausbruchs bewertet

Die Maul- und Klauenseuche (MKS) gilt weltweit als eine der meist gefürchtetsten Tierseuchen. Die Viruserkrankung ist hochansteckend, verläuft akut und befällt hauptsächlich Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen. Im Falle eines Ausbruchs werden strenge Sperr-, Kontroll- und Keulungsmaßnahmen notwendig. Tierverluste sowie langwierige Handelsrestriktionen führen zu hohen wirtschaftlichen Einbußen. Anhand einer Simulationsstudie der Vetmeduni Vienna in Zusammenarbeit mit der AGES und dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz wurden Notfallmaßnahmen und Bekämpfungsstrategien nun bewertet.

Derzeit sind alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) frei von Maul- und Klauenseuche (MKS). Allerdings stellen MKS-Ausbrüche in Regionen nahe der EU-Außengrenze, z. B. in der Türkei, im Nahen Osten oder in Nordafrika ein ständiges Einschleppungsrisiko des Virus in die EU dar. Im Jahr 2001 brach in Großbritannien die seit Jahrzehnten größte Epidemie der Maul- und Klauenseuche aus. Es folgten Ausbrüche in Frankreich, in den Niederlanden und in Irland. Millionen von Tieren mussten getötet werden und es entstand ein wirtschaftlicher Schaden im Ausmaß von mehreren Milliarden Euro.

Simulationsstudie bewertet Bekämpfungsansätze
Da Tierseuchen unerwartet und plötzlich auftreten können, ist eine gezielte Vorbereitung auf solche Krisensituationen sehr wichtig. Dazu zählt u.a. die Bewertung von verschiedenen Bekämpfungsstrategien und Notfallmaßnahmen sowie die Abschätzung der notwendigen Ressourcen für all diese Maßnahmen. Vor diesem Hintergrund führten ForscherInnen der Abteilung für Öffentliches Veterinärwesen und Epidemiologie der Vetmeduni Vienna in Zusammenarbeit mit ExpertInnen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit in Österreich (AGES) und des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) eine Simulationsstudie durch, die verschiedene Bekämpfungsansätze eines möglichen MKS-Ausbruchs in Österreich bewertete. „Betrachtet wurde sowohl die Wirkung der Maßnahmen auf die Ausbreitung der Seuche und den Umfang der zu tötenden Tiere als auch die – mit einem Seuchenausbruch verbundenen – Kosten“, sagt Studienerstautorin Tatiana Marschik (Institut für Lebensmittelsicherheit, Lebensmitteltechnologie und Öffentliches Gesundheitswesen, Vetmeduni Vienna). Durch die Ergebnisse dieser Studie soll das nationale Krisenmanagement in seinen Entscheidungen hinsichtlich der raschen und effizienten Eindämmung im Falle eines MKS-Seuchenfalles in Österreich unterstützt werden.

Epidemiologische Modellierung
Simulationsmodelle stellen eine Annäherung an die Realität dar. Hinsichtlich MKS sind sie vor allem für solche Länder von großer Bedeutung, die seit mehreren Jahrzehnten mit keinem MKS-Ausbruchsgeschehen konfrontiert wurden. In der gegenwärtigen Studie simulierten die ExpertInnen den Ausbruch mittels des Modells EuFMDiS (The European Foot-and-Mouth Disease Spread Model). Es handelt sich dabei um eine europäische Anpassung des ursprünglich für Australien entwickelten AADIS Modells (The Australian Animal Disease Spread Model). „Das Modell simuliert einen MKS-Ausbruch unter realitätsnahen Bedingungen. Dazu zählen u.a. die Übertragung der Infektion innerhalb und außerhalb der tatsächlich vorhandenen empfänglichen Betriebe unter Berücksichtigung aller plausiblen Übertragungswege“, erklärt Marschik. Die Bekämpfungsmaßnahmen werden vom Modell entsprechend dem europäischen Rechtsrahmen implementiert. Der Einsatz der personellen und logistischen Ressourcen im Rahmen der operativen Tätigkeiten wie Überwachung, Keulung oder Dekontamination wird in Anlehnung an die Ressourcenverfügbarkeit modelliert.

Simulation eines MKS-Ausbruchs in Österreich
Die WissenschafterInnen verglichen das Ausbruchgeschehen in zwei verschiedenen Regionen Österreichs. Diese Regionen – „Westen“ (Tirol/Vorarlberg) und „Norden“ (Niederösterreich/Oberösterreich) – unterscheiden sich maßgeblich hinsichtlich Tierdichte und Herdengröße. Region „Westen“ ist im Gegensatz zu Region „Norden“ eine wenig tierdichte Region, in der mehr als die Hälfte aller empfänglichen Betriebe aus weniger als 14 Tieren besteht.

Die Ausbreitung der Seuche wurde in beiden Regionen ausgehend von einem Milchviehbetrieb verfolgt, wobei angenommen wurde, dass die Infektionsverbreitung drei Wochen lang unentdeckt blieb. Für die Bekämpfungsphase des Ausbruchs (ab der Detektion bis zum Ausbruchsende) wurden für beide Regionen fünf verschiedene Bekämpfungsszenarien auf Basis von Variationen der Keulungs- und Impfpolitik und des präventiven Tilgungsprogramms implementiert. „Die Studienergebnisse haben gezeigt, dass ein Ausbruch der MKS in Österreich Gesamtkosten zwischen 270 und 580 Millionen Euro verursachen würde. Das Ausmaß dieses Schadens hängt stark von der betroffenen Region, den gewählten Kontrollmaßnahmen und der Verfügbarkeit von personellen Ressourcen ab“, sagt Tatiana Marschik. Die Umsetzung zusätzlicher, gemäß der EU-Rechtsvorschriften in Ausnahmefällen erlaubter Kontrollmaßnahmen, wie z. B. Impfung oder präventive Tilgung, wäre nur dann notwendig, wenn die Epidemie in einem Gebiet mit hoher Tierdichte beginnen würde. So wäre beispielweise in der Region „Norden“ das präventive Tilgungsprogramm die kostengünstigste Strategie zur Eindämmung des Ausbruchs, wobei in der Region „Westen“ die Standardbekämpfungsstrategie (Keulung infizierter Betriebe) ausreichend wäre, um den Ausbruch effizient unter Kontrolle zu bringen. Auch konnte in der Studie gezeigt werden, dass eine Erhöhung von personellen Ressourcen in Österreich die Größe der Epidemie maßgeblich reduzieren kann.

Nachhaltige Strategie
Strategien zur Bekämpfung von sich schnell ausbreitenden Tierseuchen werden oft von negativen Folgen für die Umwelt, die Natur als auch für die Bevölkerung der betroffenen Regionen begleitet. Die globale Strategie zur schrittweisen Bekämpfung und nachhaltigen Kontrolle der MKS wird im europäischen Raum durch die enge Partnerschaft zwischen der Europäischen Kommission, der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) unterstützt. Zum Ziel dieser Strategie zählt die Erhöhung der Bereitschaft der europäischen Länder, mit europäischen Nachbarn nachhaltige Kontrollprogramme zu implementieren und die fortschreitende Bekämpfung von MKS in allen Regionen zu unterstützen. Die gegenwärtige Studie belegt nicht nur die Wichtigkeit der schnellen und effizienten Bekämpfung, sondern auch die Notwendigkeit der Bereitstellung personeller Ressourcen, um im Bedarfsfalle die negativen Auswirkungen eines MKS-Ausbruchs in Österreich zu verringern.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

Frühinfektionen mit Mykoplasmen: Saugferkel sind seltener infiziert als angenommen

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Von Ulrike Amler, Dipl. Ing. agr., freie Agrarjournalistin

Im Rahmen einer wissenschaftliche Arbeit an der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) wurden in den untersuchten Beständen deutlich weniger der gefürchteten Frühinfektionen bei Saugferkeln vorgefunden, als nach geltendem Kenntnisstand zu erwarten waren. Für die Impfstrategie gegen Mycoplasma hyopneumoniae ergeben sich dadurch neue Ansätze.

Ferkelerzeuger und Mäster fürchten zu Recht die Enzootische Pneumonie (EP). Der verantwortliche Erreger, Mycoplasma hyopneumoniae (M. hyopneumoniae) ist in nahezu jedem Schweinebestand nachzuweisen. Durch die Zerstörung des Flimmerepithels nimmt die Selbstreinigungskraft der oberen Atemwege ab und führt zur Verstärkung des klinischen Bildes verschiedener Atemwegserkrankungen bei Zucht- und Masttieren. Die Tierärztin Dr. Pauline Deffner führte ihre Studie zu Infektionen mit dem Erreger der Enzootischen Pneumonie im Rahmen einer Dissertation an der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) durch. Im Fokus stand das Vorkommen von Infektionen mit M.hyopneumoniae im Saugferkelalter und deren Weiterverbreitung in nachgelagerte Produktionsstufen. Der Erreger von M. hyopneumoniae wurde in den untersuchten Beständen lediglich bei 0,6 Prozent (%) der gesamten Ferkelpopulation und in 10 % der Bestände nachgewiesen. Bislang wurde aus vorangegangenen Untersuchungen von einer Infektionsrate von 14,1 % der Saugferkel ausgegangen. Aufgrund dieser Annahmen forderte der Handel in einigen Regionen von Ferkelerzeugern zwingend eine frühe 2-Shot-Impfung ab dem 7. Lebenstag. Ein weiterer Fokus der Studie an der veterinärmedizinischen Fakultät lag auf der Darstellung des Zusammenhangs zwischen infizierten Muttersauen und dem Grad der besiedelten Ferkel. Deffner fand unter den untersuchten Sauen auf Einzeltierebene eine Infektionsrate von 4 %.

Mycoplasmen in fast allen Schweinebeständen
In 90 % der zehn untersuchten Betriebe hatte Dr. Pauline Deffner bei Saugferkeln in ihrer Querschnittsuntersuchung IgG- Antikörper gegen M.hyopneumoniae nachgewiesen. Damit wurde die Annahme bestätigt, dass der Erreger in nahezu allen Schweinebeständen zu finden ist. Ein weiterer Untersuchungsschwerpunkt lag auf der Weiterverbreitung von M. hyopneumoniae-Infektionen in die Ferkelaufzucht- und Mastphase hinein. In der Literatur sind Infektionen der Saugferkel bereits ab der ersten Lebenswoche beschrieben. Erst im späteren Verlauf der Mast lassen sich aber klinische Anzeichen einer Enzootischen Pneumonie beobachten. Mäster kennen die Problematik: Schwere Krankheitsverläufe führen zu schlechteren Tageszunahmen, längerer Mastdauer und schweren Lungenläsionen. Als Hauptübertragungsweg gilt der direkte nasale Kontakt zwischen Sau und Ferkeln. Kehlkopftupfer von Jungsauen waren nach Deffners Untersuchungen häufiger positiv mit M. hyopneumoniae als die von älteren Sauen.

Die Tierärztin wählte für ihre Untersuchung Bestände aus, die bereits vorher schon durch respiratorische Probleme auffielen. So konnten Betriebe mit mehr oder weniger hohen Lungenläsionsscores miteinander verglichen werden. Vorab wurden EP-Scores potentieller Studienbestände am Schlachthof erhoben und anschließend 10 Betriebe aus Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein in die Studie eingeschlossen. Weitere Voraussetzungen waren das Auftreten von Husten im Bestand oder der Nachweis von M. hyopneumoniae. Die Hypothese, dass Ferkel, die in der 3. Lebenswoche noch nicht gegen M. hyopneumoniae geimpft, aber bereits infiziert waren, in der Mast höhere Hustenindices und höhere Lungenscores am Schlachthof aufweisen, wurde in der vorliegenden Studie nicht bestätigt. Die teilnehmenden Betriebe waren geschlossene Bestände, praktizierten eine Teilmast oder die Ferkelerzeuger und Mäster hatten eine 1:1 Anbindung. Die untersuchten Ferkel wurden erst ab dem 21. Lebenstag mit einem 1-shot Präparat gegen M. hyopneumoniae immunisiert.

Pro Bestand wurden zehn Sauen in der Abferkelung sowie je fünf ihrer Ferkel untersucht. Es wurden jeweils Blutproben gewonnen sowie bei Sauen Kehlkopfabtriche und bei Ferkeln Abstriche aus den oberen Atemwegen entnommen. Zusätzlich wurden bei Tieren in der 6., 12., 16., und 20. Lebenswoche mittels Kaustricken Speichelproben, sogenannte Oral fluids, gewonnen. Am häufigsten wurde Erreger-DNA von M. hyopneumoniae in Kaustrickproben in der 20. Lebenswoche nachgewiesen. Die Serumproben wurden mittels ELISA auf das Vorkommen spezifischer IgG-Antikörper gegen M. hyopneumoniae untersucht. Des Weiteren wurden Abstriche vom Kehlkopf und den oberen Atemwegen mittels Real-time PCR auf das Vorkommen M. hyopneumoniae spezifischer Genomfragmente getestet.
Ein Zusammenhang zwischen der Besiedelung noch ungeimpfter Tiere im Saugferkelalter mit M. hyopneumoniae und der Höhe der Hustenindices in der Mast sowie der EP-Scores am Schlachthof könne nicht dargestellt werden, schreibt Dr. Pauline Deffner. Allerdings scheine beim Auftreten von Husten im Bestand die Gewinnung von Speichelproben durch Kaustricke auf Buchtenebene zum Nachweis von M. hyopneumoniae geeignet zu sein.

Zum richtigen Zeitpunkt impfen


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Lahmheiten im Kuhstall – ein Symptom, viele Gründe

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Von Dr. Ingrid Lorenz, Tiergesundheitsdienst Bayern e.V.

Rinder sind von Natur aus Weichbodengänger. Das heißt, Kuhklauen sind optimal an stundenlanges Gehen beim Grasen auf der Weide angepasst. Das Stehen und Gehen auf harten Betonböden in der modernen Laufstallhaltung strapaziert hingegen die Klauen oft über ihre Belastungsgrenze hinaus. Die Folge sind Lahmheiten, die durch schmerzhafte Klauenerkrankungen hervorgerufen werden. Welche Maßnahmen beugen Lahmheiten vor?

Klauenerkrankungen sind mit Schmerzen und Leiden für die Kuh verbunden, haben aber auch gravierende ökonomische Folgen. Die Kosten für einen Fall von hochgradiger Lahmheit werden auf bis zu 850 € geschätzt. Hier kommen zu den offensichtlichen Kosten für die Behandlung vor allem auch Verluste durch geringere Milchleistung und Fruchtbarkeitsstörungen hinzu. Neben einer regelmäßigen professionellen Klauenpflege, die auf jeden Fall zwei bis dreimal im Jahr durchgeführt werden sollte, gibt es viele Faktoren, die die Klauengesundheit beeinflussen.

Wichtig: Lahmheit erkennen
Als potenzielle Beutetiere versuchen Kühe ihre Erkrankung möglichst lange zu verbergen. Daher sind die Zeichen einer frühen Klauenerkrankung schwer zu erkennen und werden im Betriebsalltag häufig übersehen. Untersuchungen zeigen, dass im Routinebetrieb in der Regel nur hochgradig lahme Kühe erkannt werden. Um geringgradig lahme Kühe zu erkennen muss gezielt nach ihnen gesucht werden. Am einfachsten ist das, wenn man die Kühe von der Seite beim Gehen auf einem planbefestigten Untergrund beobachtet. Eine klauengesunde Kuh läuft mit geradem Rücken und gleichmäßigen ausladenden Schritten. Dabei tritt der Hinterfuß an die Stelle, die der Vorderfuß gerade verlassen hat. Der Kopf wird leicht unter der Rückenlinie gehalten. Es gibt verschiedene Scoringsysteme, die allerdings hauptsächlich wissenschaftlich interessant sind. Für den praktischen Gebrauch reicht eine Unterscheidung von normal und nicht normal laufenden Tieren völlig aus. Alle Kühe, die mit aufgekrümmten Rücken laufen, Kopfnicken oder eine Schrittverkürzung zeigen, sollten schnellstmöglich einer Klauenpflege bzw. -behandlung unterzogen werden. Die Beurteilung der Klauengesundheit kann auch im Stehen (z.B. im Fressgitter) vorgenommen werden. Eine klauengesunde Kuh steht mit von hinten gesehen geraden Beinen, die Klauenspitzen zeigen nach vorne. Abweichungen hiervon (z.B. kuhhessige Stellung, zehenweite Stellung oder eine Rotation des Fußes um mehr als 15° nach außen) deuten auf Klauenprobleme hin. Auch Trippeln und natürlich offensichtliche Entlastung einer Gliedmaße sind Alarmzeichen. Frühzeitig erkannte und behandelte Klauenprobleme haben eine wesentlich günstigere Prognose, als Erkrankungen, die erst bei hochgradiger Lahmheit behandelt werden und sparen dadurch Zeit und Geld. Deshalb sollte eine der oben beschriebenen systematischen Untersuchungen regelmäßig mindestens alle zwei Wochen auf dem Programm stehen.

Diagnostik entscheidet über Behandlung
Wurde ein Lahmheitsproblem in einem Bestand erkannt, ist der nächste wichtige Schritt herauszufinden welche Art der Erkrankung vorliegt. Man unterscheidet zwischen infektiösen und nicht-infektiösen Erkrankungen. Die häufigste infektiöse Ursache von Lahmheiten ist die Mortellarosche Krankheit (auch: Dermatitis digitalis). Unter den nicht-infektiösen Erkrankungen dominieren die Sohlengeschwüre und Defekte in der weißen Linie. Das dominierende Problem zu definieren ist wichtig, da sich die Risikofaktoren für das Auftreten der verschiedenen Krankheiten unterscheiden.

Risikofaktoren für nicht-infektiöse Klauenerkrankungen: Sohlengeschwüre und Weiße-Linien-Defekte
Ein dominierender Risikofaktor für Klauenerkrankungen ist eine zu kurze Ruhezeit der Kühe. Kühe in Laufstallhaltung müssen am Tag mindestens 12 Stunden liegen um ihre Klauen zu entlasten. Dies ist weniger als Kühe auf der Weide im Liegen verbringen, was hier aber durch den weichen Untergrund mehr als wettgemacht wird. Dies ist auch der Grund, warum jeglicher Weidegang oder auch Auslauf auf weichem Grund das Risiko von nicht-infektiösen Klauenerkrankungen vermindert. Dafür, dass Kühe ihre angestrebte Ruhezeit nicht erreichen gibt es viele Gründe:


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