(Nichts) Neues aus der Ebermast?

© Thünen-Institut, Sinje Büttner

Thünen Online-Konferenz: Ökoebermast – Problem oder Chance?

Die Probleme mit Ebermast und Eberfleisch sind hinlänglich bekannt und auch die Online-Konferenz des Thünen-Instituts am 23. März konnte keine bahnbrechend-neuen Erkenntnisse präsentieren. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Ergebnisse mehrjähriger Forschung.

Das Risiko Fleisch mit Geruchsabweichungen zu produzieren, lässt sich durch ausgeklügelte Futtermischungen vielleicht senken, aber nicht auf null. Die Fettqualität lässt bei unkastrierten Ebern zu wünschen übrig und ihr Fleisch eignet sich nicht zur Verarbeitung in allen Produkten. Speziell wenn es erwärmt wird, birgt Eberfleisch das Risiko einen unangenehmen Geruch und Geschmack zu entwickeln. Schuld sind, bei einem kleineren Teil der Eber, zu hohe Anteile von Androstenon und Skatol im Fleisch, die urin- und fäkalartige Aromen verursachen.

Das lässt sich zwar durch Gewürze und Marinaden maskieren, aber nur bedingt. Ist die Konzentration der beiden Stoffe zu hoch, lehnen auch weniger empfindliche Menschen das Fleisch ab. Alternativ kann Fleisch unkastrierter Eber mit dem von Sauen und Kastraten (Börgen) vermischt werden. Allerdings höchstens in Anteilen von 20-25% und außerdem lassen sich die Edelteile auffälliger Eber nicht als solche vermarkten, sondern landen komplett im Fleischwolf.

Die Jungebermast wird in einigen Ländern praktiziert, um bei jüngeren und leichteren Tieren das Risiko von Geruchsabweichungen zu minimieren. Jedoch können auch junge Eber bereits Androstenon und Skatol in problematischen Mengen produzieren, so dass auf entsprechende Tests am Schlachtband nicht verzichtet werden kann. Darüber hinaus sind die Teilstücke naturgemäß kleiner und die produzierte Tagesmenge an Fleisch fürs Schlachtunternehmen, bei gleicher Anzahl geschlachteter Tiere, geringer als bei ausgemästeten Schweinen.

Eine Alternative zur Ebermast wäre die „Impfung“ gegen Ebergeruch, die jedoch leider mit der 2020 verabschiedeten EU-Öko-Verordnung unvereinbar ist. Das bedauern auch viele Bio-Schweinehalter! Ein Impf-Versuch am „Thünen-Institut für Ökologischen Landbau“ kam nun zu interessanten Ergebnissen: hierfür wurde Ferkeln bereits im Alter von 3 (und nochmals mit 7 Monaten) Improvac injiziert. Die Entwicklung von Ebergeruch konnte dadurch fast ebenso gut verhindert werden, wie bei der herkömmlichen Impfung während der Mastphase (mit 35 kg Lebendgewicht und nochmals 4-6 Wochen vor der Schlachtung).

Das Handling von Ferkeln gestaltet sich natürlich viel einfacher als das von schweren Ebern, speziell gegen Ende der Mast, wenn oft eine zweite Person benötigt wird. Allerdings wiesen 7% der früh geimpften Ferkel bei der späteren Schlachtung zu hohe Androstenongehalte im Rückenfett und entsprechende Geruchsabweichungen auf. Beim Skatol blieben sie dagegen unauffällig.

Die Ebermast bleibt in jeder Haltungsform, ob bio oder konventionell, die tiergerechteste Alternative, weil sie auf jeglichen Eingriff am Tier verzichtet. Den Ebergeruch vollständig zu verhindern bleibt jedoch eine Herausforderung für die Forschung. Schlachtunternehmen und Fleischverarbeiter sollten auf der anderen Seite Phantasie entwickeln, wie der Eberfleisch-Anteil in Zukunft deutlich erhöht werden kann.

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