One Health: Gemeinsam für Gesundheit forschen

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BfR, FLI und RKI unterstützen Europäisches Programm zur Reduzierung von Infektionskrankheiten bei Mensch und Tier

Das Schicksal von Mensch und Tier ist vielfältig miteinander verknüpft – auch durch Krankheitserreger. Rund 60 % aller Krankheitserreger können Menschen wie Tiere gleichermaßen infizieren. Um der Herausforderung zu begegnen, wird weltweit eine enge Zusammenarbeit von Ärzten, Tierärzten und anderen Gesundheitsexperten in „One Health“-Initiativen („Eine Gesundheit“) angestrebt. Anfang des Jahres startete nun ein europäisches One-Health-Programm, an dem mehr als 40 Partner aus 19 europäischen Ländern beteiligt sind. „Antibiotikaresistenzen oder Bedrohungen durch neuartige Erreger sind brisante Beispiele dafür, wie sehr Gesundheit und Krankheit von Mensch, Tier und Umwelt zusammenhängen“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). „Ein gemeinsames europäisches Forschungsprogramm unter dem Dach von One Health kann helfen, mikrobiellen Risiken wirksam zu begegnen.“ Deutsche Partner des „European Joint Programme“ zu One Health sind das BfR, das Friedrich-Loeffler-Institut und das Robert-Koch-Institut.

Ziel des „European Joint Programme“ (EJP) ist der Aufbau einer europäischen Plattform für One Health, die die Bedürfnisse von europäischen und nationalen politischen Entscheidungsträgern und Interessengruppen (Stakeholdern) erfüllt. Hierfür werden europäische Einrichtungen aus Medizin, Veterinärmedizin und gesundheitlichem Verbraucherschutz im Lebensmittelsektor ihre Zusammenarbeit ausbauen, um Fortschritte beim Eindämmen von lebensmittelbedingten Zoonosen (Infektionen, die zwischen Mensch und Tier übertragen werden), Antibiotikaresistenzen und neuartigen Infektionsgefahren (Emerging Threats) zu erzielen.

Das One-Health-Konzept berücksichtigt die enge Verknüpfung der Gesundheit des Menschen mit der Gesundheit von Tieren und der Umwelt. So wird der Zusammenhang zwischen der Sicherheit von Futtermitteln und Lebensmitteln mit der Gesundheit von Tieren und Menschen sowie der Umweltbelastung betrachtet. Die Untersuchung von Infektionserregern, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können, stellt einen Schwerpunkt dieses EJP dar, einem neuen Förderprogramm innerhalb des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ der Europäischen Kommission. Geleitet wird das One Health EJP (Grant Agreement 773830) von der französischen Agentur für Lebensmittelsicherheit, Umwelt- und Arbeitsschutz (ANSES).

Die Kooperation zwischen den 40 Partnern soll durch das Programm gestärkt werden. Die Partner haben jeweils auch Referenzaufgaben, geben also den Maßstab für Untersuchungen vor. Sie bilden bereits ein organisiertes Netzwerk und repräsentieren eine Forschergemeinschaft in den Themenbereichen lebensmittelbedingte Zoonosen, Antibiotikaresistenzen und Emerging Threats. Über insgesamt fünf Jahre werden 90 Millionen € für die Aktivitäten in diesem Netzwerk ausgegeben. 50 % der Kosten werden von der Europäischen Kommission bereitgestellt, die andere Hälfte tragen die jeweiligen Mitgliedsländer.

Das One Health EJP wird wissenschaftliche Daten, Methoden und Softwareprogramme erzeugen, die von den nationalen und europäischen Einrichtungen zur Bewertung gesundheitlicher Risiken und möglicher vorbeugender Maßnahmen genutzt werden können. Gleichzeitig wird der Austausch mit anderen großen von der Europäischen Kommission geförderten Projekten sichergestellt. Eine der Aufgaben wird der effiziente und regelmäßige Wissenstransfer zwischen der Forschungsgemeinschaft und nationalen Behörden sowie internationalen und europäischen Stakeholdern sein.

Teilprojekte des BfR
Ein weiteres Ziel des One Health EJP ist der Ausbau der Zusammenarbeit zwischen den Instituten durch fächerübergreifende Kooperation. Dies soll durch gemeinsame Forschungsvorhaben und integrative Projekte sowie Ausbildungs- und Trainingsmaßnahmen verwirklicht werden. Das BfR ist an fünf Forschungsprojekten und zwei integrativen Projekten beteiligt und leitet das Arbeitspaket „Science to Policy Translation“. In diesem sollen Maßnahmen zum bestmöglichen Transfer der Ergebnisse aus den Forschungsvorhaben und integrativen Projekten zu den Stakeholdern entwickelt werden, die im Bereich der lebensmittelbedingten Zoonosen, Antibiotikaresistenz und Emerging Threats tätig sind.

Das BfR koordiniert zudem das integrative Projekt “ORION” (One health surRveillance Initiative on harmOnization of data collection and interpretation). Im Mittelpunkt steht der Austausch von Daten und Informationen, die bei der Überwachung, Sammlung und Interpretation von Daten zu Gesundheit und Wohlbefinden entstehen. Durch die Kooperation von 13 Instituten aus den Bereichen Öffentliche Gesundheit und Veterinärmedizin aus sieben Ländern wird außerdem die Zusammenarbeit der Einrichtungen weiter verbessert.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung

Wildschweinjagd: DJV stellt 6-Punkte-Katalog für Vereinfachungen vor

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Anlässlich der gestrigen „Nationalen ASP-Präventionskonferenz“ im Bundesland- wirtschaftsministerium stellte der DJV seine Forderungen für eine Vereinfachung der Wildschweinjagd vor.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte Vertreter aus Forschung, Ministerien und Jagd nach Berlin geladen zur „Nationalen ASP-Präventionskonferenz“. Der Deutsche Jagdverband (DJV) wies vor diesem Hintergrund darauf hin, dass eine Einschleppung des Virus der Afrikanischen Schweinepest (ASP) durch verstärkte Jagd allein nicht verhindert werden kann. Vielmehr müssten insbesondere Fernfahrer aus europäischen Risikogebieten stärker kontrolliert werden, ebenso wie Raststätten entlang von Transitstrecken: Laut Experten haben achtlos weggeworfene Reste von verseuchter Rohwurst maßgeblich zur bisherigen Verbreitung der ASP beigetragen, Sprünge von mehreren 100 Kilometern in kürzester Zeit sind dokumentiert. Im Sinne der Prävention hält der DJV eine weitere Reduzierung der Wildschweinbestände für notwendig: Sollte das ASP-Virus den Sprung nach Deutschland schaffen, wäre dann zumindest die natürliche Ausbreitung reduziert. Diese beträgt etwa 20 Kilometer pro Jahr.

Eine noch intensivere Bejagung der Wildschweine kann nach Ansicht des DJV nur erfolgreich sein, wenn Politik, Behörden, Landwirte und Jäger Hand in Hand zusammenarbeiten. Der Verband veröffentlichte dazu einen 6-Punkte-Katalog mit Forderungen, der die Jagd erfolgreicher machen soll.

1. Anlegen von Bejagungsschneisen in allen Feldkulturen, besonders Raps, Mais, Weizen
Ohne Schneisen können 6,8 Millionen Hektar Feldfläche (ein Viertel Deutschlands) von Mai bis Oktober kaum bejagt werden, weil die Vegetation zu hoch ist. Dort wandern Wildschweine im Sommerhalbjahr ein.

2. Aufheben von Jagdverboten in Naturschutzgebieten
Feuchte Lebensräume mit Deckung wie Schilfgürtel oder Bruchwälder sind beliebte Rückzugsgebiete für Wildschweine.

3. Ganzjährige Bejagung von Wildschweinen in Staats- und Bundesforsten sowie großen Privatforsten

4. mehr Revier übergreifende Wald-Bewegungsjagden im Winterhalbjahr
Wildschweine haben vergleichsweise große Reviere, eine großflächige Bejagung ist deshalb sinnvoll. Behörden müssen die notwendige Verkehrssicherungspflicht unbürokratisch und kostenfrei unterstützen, am besten mit Personal. Ferner sollten Revierinhaber zur Duldung unbeabsichtigten Überjagens von Hunden verpflichtet sein.

5. Vergünstigungen für Ausbildung und Einsatz von Jagdhunden für die Wildschweinjagd
Für die effektive Wildschweinjagd in Dickungen und Wald sind gut ausgebildete Stöberhunde unerlässlich. Tierschutzgerechte Ausbildung und Schutzausrüstung der Jagdhunde sind teuer, der Jagdeinsatz aufwendig. Eine finanzielle Unterstützung durch die Behörden ist erforderlich. Denkbar wäre auch eine Befreiung von der Hundesteuer.

6. Zulassung von der „kleinen Kugel“ für gestreifte Frischlinge
Für gestreifte Frischlinge müssen bundesweit Patronen zugelassen werden, die eine Mindestenergie von 1.000 Joule auf 100 Meter Entfernung haben – auch in Kalibern unter 6,5 Millimeter Durchmesser. Bisher sind 2.000 Joule und ein Mindestkaliber von 6,5 Millimeter vorgeschrieben. Geschosse mit dieser Energie können allerdings bei kleinen Frischlingen für so starke Verletzungen sorgen, dass das Wildbret nicht mehr verwertbar ist.

Die bundesweite Aufhebung von Schonzeiten für Wildschweine begrüßt der DJV. Der Dachverband der Jäger weist darauf hin, dass dies nicht die Aufhebung des Elterntierschutzes bedeutet: Bachen, die gestreifte Frischlinge säugen, dürfen auch weiterhin nicht erlegt werden. Im vergangenen Jagdjahr haben Deutschlands Jäger knapp 600.000 Wildschweine erlegt – das vierthöchste Jagdergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1930er Jahren. Nach Auffassung des DJV ist die Jagd alternativlos, um Wildschweinbestände zu reduzieren. Die „Pille für das Wildschwein“ (Immunokastration) lehnt der DJV als Unsinn ab.

Nur wenn Politik, Behörden, Landwirte und Jäger Hand in Hand zusammenarbeiten, kann eine noch intensivere Bejagung der Wildschweine erfolgreich sein.

Quelle: DJV

Erste FOKUS RIND-Veranstaltung von Bröring voller Erfolg/ Ministerin verspricht gute Rahmenbedingungen

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Erstmalig veranstaltete das inhabergeführte Familienunternehmen H. Bröring GmbH & Co. KG aus Dinklage, Niedersachsen, die Fachveranstaltung FOKUS RIND. Der Weltmarkt für Milch, GVO-freie Produkte, Planungssicherheit für niedersächsische Milcherzeuger sowie die neue Düngeverordnung waren die Topthemen, die über 300 Landwirte nach Spohle reisen ließen.

Die neue niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast versprach den anwesenden Landwirten, für gute Rahmenbedingungen zu sorgen, so dass sie auf ihren Betrieben gut wirtschaften könnten. Einige Punkte in der neuen Dünge-VO will sie überarbeitet sehen, außerdem den Landwirten mehr Zeit zur Umsetzung geben.

Der landwirtschaftliche Berater Johannes Thomsen aus Schleswig-Holstein empfahl, um die Vorgaben der neuen Dünge-VO einzuhalten müsse jetzt viel mehr analysiert und berechnet werden, sowohl in der Rationszusammenstellung als auch bei Boden- und Gülleanalysen. Lösungen der Firma Bröring über das BOVA-Rinderfutterprogramm speziell für die GVO-freie Fütterung hob er lobend hervor.

Bröring produziert an mittlerweile neun Standorten im nördlichen Deutschland Futtermittel für Nutztiere. Das Familienunternehmen arbeitet eng mit Zuchtunternehmen und Vermarktern zusammen, um immer das passende zukunftsorientierte Futter für die richtige Genetik oder veränderte Marktanforderungen wie z.B. GVO-freie Milch entwickeln zu können.

Dr. Klaus Hein, Direktor Landwirtschaft bei der DMK Deutsches Milchkontor GmbH in Bremen, sieht für 2018 die Butterpreise wieder ansteigen, ebenso die Käsepreise. Die EU-Exporte sieht Dr. Hein positiv und auch der Trend zu GVO-Produkten, also Produkten aus Milch, die ohne gentechnisch verändertes Futter produziert wurde, hält weiter an. Das neue IG-Milchbarometer der Interessengemeinschaft Genossenschaftliche Milchwirtschaft (IGM) will für mehr Transparenz auf dem Milchmarkt sorgen.

Quelle: H. Bröring GmbH & Co. KG

Deutlich mehr Schweine in Brandenburg geschlachtet

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2017 wurden in Brandenburg 1,28 Millionen Schweine gewerblich geschlachtet. Wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mitteilt, waren das 108 000 Schweine oder 9,2 Prozent mehr als 2016. Bei Rindern und Schafen war dagegen ein Rückgang der gewerblichen Schlachtungen festzustellen. Die Zahl der gewerblichen Rinderschlachtungen sank gegenüber dem Vorjahr um 8,0 Prozent auf 33700 Tiere. Die Schlachtzahlen bei den Schafen gingen um 6,9 Prozent auf 65 500 Tiere zurück.

Der Entwicklung der Schlachtzahlen folgend veränderten sich auch die Schlachtmengen. Bei den Schweinen nahm sie um 9,7 Prozent auf 120 000 Tonnen zu, während sie bei den Rindern um 7,2 Prozent auf 9 500 Tonnen sank. Bei den Schafen verringerte sich die Schlachtmenge um 6,0 Prozent auf unter 1 300 Tonnen. Der Anteil des Rindfleisches an der gewerblichen Fleischproduktion (ohne Geflügelfleisch) sank 2017 auf 7,3 Prozent. Der Schweinefleischanteil stieg auf 91,7 Prozent und der des Schaffleisches ging auf 1,0 Prozent zurück.

Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Weniger Federpicken! Workshop mit Praxistipps zur Haltung von Legehennen

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Viele Millionen Legehennen zeigen jedes Jahr Federpicken. Dabei rupfen sie nicht nur die Federn der anderen Hennen hinaus, in einigen schwereren Fällen picken sie ihre Artgenossen sogar bis in den Tod.

Durch das Kupieren der Schnäbel am Schlupftag konnten Betriebe bis Ende 2016 das Verletzungsrisiko zumindest eindämmen. Auf Betreiben des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) hat sich der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V. (ZDG) als Interessenvertretung aller Geflügelhalter zum Ausstieg aus dieser zootechnischen Maßnahme entschlossen.

Nachdem die Haltung von Legehennen mit unbehandeltem Schnabel besondere Managementbedingungen erforderlich machen, haben sich Wissenschaftler der Universität Hohenheim im Projektbeirat des Projekts zur Haltung unkupierter Legehennen des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz mit Maßnahmen beschäftigt, um das Federpicken zukünftig zu verhindern.

Bessere Umwelt, weniger Federpicken

„85 Prozent des Federpickens bei Legehennen wird durch die Umwelt beeinflusst“, erklärt Prof. Dr. Michael Grashorn, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Nutztierwissenschaften der Universität Hohenheim und Beiratsmitglied der Projektgruppe zur Haltung von Legehennen mit ungekürzten Schnäbeln des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz.

„Das bedeutet, dass die Betriebe selbst dafür sorgen können, das Federpicken zwar nicht ganz sicher zu vermeiden, aber zumindest die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten wesentlich zu reduzieren. Verletzungen und der damit verbundene Stress für die Tiere können somit minimiert werden: mit einer optimierten Junghennenaufzucht, einer besseren Futtergestaltung, mehr Beschäftigung und einer anderen Lichtgestaltung.“

In ihrem Workshop zeigen die Experten die besonders kritischen Punkte in der Junghennenaufzucht und in der Haltung der Legehennen auf und erklären den Betriebsleitern, wie sie diese effektiv „entschärfen“ können. Der Workshop bildet den Abschluss des Projektes „Haltung unkupierter Legehennen in Baden-Württemberg“ der Landsiedlung BW GmbH, eines Unternehmens des Landes Baden-Württemberg.

Workshop zur Haltung von Legehennen mit ungekürzten Schnäbeln
Termin 27. 2., 8:00-16:00 Uhr
Ort: Universität Hohenheim, Euroforum, Kirchnerstr. 3, 70599 Stuttgart

Zur Anmeldung: christian.weik@landsiedlung.de

Expertenliste Tierwohl

DBV: Schweinepestverordnung im Grundsatz gut

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Die heute im Bundeskabinett vorgelegte Verordnung zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) begrüßt der Deutsche Bauernverband (DBV) im Grundsatz. „Es ist wichtig, dass es jetzt eine Rechtsgrundlage und verbindliche Spielregeln für den Fall des Ausbruchs gibt“, sagt der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Bernhard Krüsken. Positiv sei auch, dass die Schonzeitregelung für Schwarzwild angepasst wurde. Bei einigen Punkten sieht der DBV aber noch erhebliche Herausforderungen und praktische Probleme. Dazu zählt unter anderem die vorgesehene Regelung für Heu und Stroh aus den Restriktionsgebieten, bei der die rückwirkende Anwendung kaum praktisch umzusetzen ist. „Diese Verordnung verdeutlicht die enorme Größenordnung der Probleme, die im Fall eines Ausbruchs vor Ort pragmatisch gelöst werden müssen“, so der DBV-Generalsekretär. Eine massive Verstärkung von Vorsorge- und Präventionsmaßnahmen bleibe daher das Gebot der Stunde.

Quelle: Deutscher Bauernverband

Der digitale Betrieb ist auf dem Vormarsch

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„Viele Innovationen im technischen Bereich benutzen digitale Techniken, um bestehende Verfahren zu verbessern, kontrollierbarer, präziser, schneller und sicherer zu machen. Dazu gehören Entwicklungen aus dem Bereich Internet of Things, vernetzte Sensoren, Bedien- und Kontrollmöglichkeiten aus der Ferne über PC und Smartphone oder auch die Kommunikation von verschiedenen Maschinen untereinander. Dazu gehören aber auch viele digitale Weiterentwicklungen des Precision Farming, bis hin zu Verfahren, die den Prozessen im Ackerbau eine neue Dimension der Planbarkeit geben – Fahrspurplanung auf dem Acker oder die positionsgenaue Aussaat von Reihenkulturen zur späteren genauen mechanischen Pflege seinen hier genannt. All dies ist technischer Fortschritt, wie wir ihn kennen und auch beurteilen können, und dies sollten wir auch genau tun“, sagte DLG-Präsident Hubertus Paetow am 21. Februar 2018 zur Eröffnung des Zukunftsplenums „Der digitale Betrieb – Chancen richtig nutzen“ auf der DLG-Wintertagung in Münster/Westfalen.

Vor den mehr als 1.000 Teilnehmern ging er auf die digitalen Umwälzungen im Bereich der Geschäftsmodelle und -abläufe ein. In Bereichen des täglichen Bedarfs, wie zum Beispiel beim Online-Handel, hätten die digitalen Umwälzungen größte Auswirkungen auf die Struktur ganzer Branchen. Neue Wege der Kommunikation zwischen den Marktteilnehmern und die Möglichkeit, viele Teilschritte des Geschäftsprozesses automatisch ablaufen zu lassen, hätten hier zu großen Verschiebungen geführt. Ob diese Entwicklungen auch in der Landwirtschaft Einzug halten werden, hängt nach Meinung des DLG-Präsidenten davon ab, inwieweit die Integration auch die landwirtschaftliche Rohstoffproduktion und den Handel mit einbezieht. „Solange ein Betrieb Milch, Fleisch oder Getreide in einer definierten Standardqualität produziert, wird die Vermarktung kaum von digitalen Geschäftsmodellen profitieren“, betonte Paetow. Lediglich in der Logistik, also im Management der Lieferkette, könnten hier Potenziale liegen.

„Die digitale Revolution wird unsere Rolle als Menschen auf dieser Erde grundlegend verändern. Daten sind heute der Treibstoff der Zukunft.“ Dies erklärte Prof. Dr. Ewald Wessling von der Hochschule Hannover. Computerprogramme würden inzwischen als selbstlernende Systeme programmiert, die sich unabhängig von menschlichen Einflüssen weiter entwickeln und Ergebnisse liefern können, deren Begründung anschließend von Menschen nicht mehr nachvollziehbar ist. Hier beginne Artifizielle oder Künstliche Intelligenz, die möglicherweise irgendwann menschlicher Intelligenz überlegen sein kann. „Daten sind das neue Öl, und je mehr Daten sich erschließen lassen, umso bessere Ergebnisse liefern die Computeralgorithmen.“ Wie Wessling betonte, lassen sich Daten über das Internet weltweit beliebig kombinieren, und daraus entstehen neue Geschäftsmodelle, „die die Märkte gravierend verändern mit dem Ergebnis, dass die Wertschöpfung zum Kunden geht“. Insbesondere würden Online-Plattformen die Disruption vorantreiben.

Datenbasierte Geschäftsmodelle würden zukünftig in der Landwirtschaft nicht nur auf Einzelanwendungen fokussieren, sondern auf Komplett-Services. „Die zukünftigen Geschäftsmodelle werden helfen, Ressourcen effizienter einzusetzen, umweltschonender zu produzieren, die Qualität der Produkte zu verbessern und die Kosten zu senken“, so der Wissenschaftler. Bei allen Digitalisierungsprozessen komme der Datenhoheit wesentliche Bedeutung zu. „Sie als Landwirte müssen die Datenhoheit behalten“, betonte Wessling. Die Landwirte hätten weit mehr Erfahrungen mit dem technischen Wandel als andere Branchen, „daher habe ich keine Angst um sie“.

„Durch die Digitalisierung können wir eine effizientere, Ressourcen schonendere Landbewirtschaftung betreiben“, erklärte der Marktfruchterzeuger Carl Christian Koehler aus Siestedt (Sachsen-Anhalt). Vorteile sieht er insbesondere im effektiveren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Düngern und Saatgut. Hinzu komme eine Arbeitserleichterung durch die automatische Dokumentation. Auch Kosteneinsparungen hält er für möglich. Risiken bestünden vor allem in der Datensicherheit, unter anderem durch Cyberkriminalität. „Die Datenhoheit gegenüber unseren Maschinenherstellern sehe ich als nicht so großes Problem, das ist für mich mehr ein Miteinander“, betonte Koehler. „Auch nutze ich zur Navigation Google. Da werde ich zwar voll überwacht, aber es funktioniert, und das ist mir wichtiger. Ich komme letztendlich schneller ans Ziel.“

Koehler erwartet, dass die Robotik sich weiterentwickeln wird, insbesondere in der mechanischen Unkrautbekämpfung sieht er Potenzial. Auch Sensoren, Satelliten und Drohnendaten werden besser. „Ich denke, wir sind hier aber schon recht weit! Es hängt eben an der einfachen Umsetzung auf dem Betrieb, und das muss sich verbessern! An diesem Punkt wäre auch mein Wusch, dass es bestimmte Grunddaten für die Betriebe kostenlos gibt. Das wäre eine gute Möglichkeit, anfängliche Barrieren zu überwinden.“

„Unsere Kühe sind schon längst in der Cloud“, sagte Detlef May von der Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung in Groß Kreutz (Brandenburg). Der Milchviehhalter nutzt Herdenmanagementsoftware bereits seit 25 Jahren. Alle wichtigen Produktionsparameter des Bestandes sind heute von überall auf der Welt abrufbar und minutenaktuell. Die Digitalisierung habe zusätzliche Informationen über das Einzeltier für Entscheidungen und Managementmaßnahmen gebracht. Zudem habe sich die Tierkontrolle verändert, auffällige Tiere würden besonders intensiv beobachtet, und die Tierhistorie führe zu anderen Entscheidungsgrundlagen, insbesondere bei Handling und Prophylaxe.

Für die Zukunft wünscht sich der Milchviehhalter funktionsfähige Schnittstellen zwischen den Systemen ohne notwendige Umstellung auf einen Vollanbieter sowie eine Vorfilterung der Datenmengen auf entscheidende Managementinformationen. Auch sieht er noch weiteren Bedarf bei der Digitalisierung in Richtung Arbeitsentlastung: „Die Digitalisierung kostet noch zu viel Zeit.“ Allerdings gebe es auch noch einige Fragen, die durchaus kritisch gesehen werden müssen. Datensicherheit stehe hier oben an, genauso wie das Heben ökonomischer Vorteile.

Wie sich die Digitalisierung als Schlüssel der überbetrieblichen Prozessentwicklung nutzen lässt, dies zeigte Steffen Schirmacher-Rohleder am Beispiel seines Dienstleistungsunternehmens ODAS GmbH auf. Das in Dorsten beheimatete Unternehmen beschäftigt sich seit der Gründung im Jahre 2004 in einem Kernbereich mit der Vermittlung und dem Handel von organischen Düngern. Gegenwärtig betrage die gehandelte und transportierte Tonnage ca. 500.000 t pro Jahr. Mit einer im Unternehmen entwickelten Online-Plattform „DELOS“ werden ODAS-Kunden in die Lage versetzt, gezielt auf einer Fläche eine organische Düngung bestellen zu können und zwar zum gewünschten Termin, mit der richtigen Ausbringtechnik und der gewünschten Ware. „Dies führte dazu, dass wesentliche Prozesse im Unternehmen ab sofort digitalisiert waren“, sagte Schirmacher-Rohleder. Ziel sei es immer gewesen, mit möglichst wenig Kommunikation die erhaltenen Aufträge bis zur Durchführung komplett zu digitalisieren.

Mittlerweile habe das Unternehmen viele weitere Schritte digitalisiert: Diese erstreckten sich über das Erstellen von Lieferscheinen für Nähstoffverwertung, den Transfer der Nährstofflieferscheine nach Wirtschaftsdüngernachweisverordnung aus DELOS direkt zu den zuständigen Landwirtschaftskammern bis hin zur kompletten Digitalisierung der Tagesberichte der Fahrer, der Zeiterfassung der Mitarbeiter, der GPS-Ortung der Fahrzeuge sowie der Bereitstellung der DELOS APP.

Quelle: DLG

Mehr Bioschweine in deutschen Ställen

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In deutschen Mastschweineställen werden immer häufiger Biokriterien beachtet, die Landwirte reagieren damit auf eine gestiegene Nachfrage. Am gesamten bundesdeutschen Schweinebestand nimmt sich das Biosegment mit 0,7 Prozent allerdings weiterhin relativ bescheiden aus. Nach Mitteilung des Landvolk-Pressedienstes standen 2016 in deutschen Schweinemastställen 118.000 Bioschweine, den gesamten Schweinebestand beziffert die Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn auf knapp 17,5 Mio. Tiere. In Niedersachsen gab es zum Stichtag 1.3.2016 insgesamt 30.100 Mastschweine und Ferkel auf Ökobetrieben, das entsprach 0,4 Prozent aller Schweine. Am stärksten vertreten waren sie nach Mitteilung des Kompetenzzentrums Ökolandbau in der Grafschaft Bentheim und im Emsland. 2006 wurden bundesweit erst 80.000 Bioschweine gezählt, 2007 waren es bereits 102.000. Seitdem pendelt der Bestand in größeren Schwankungen um die Marke von 100.000 Tieren, er zeigt jetzt weiter nach oben. Damit zählt Deutschland EU-weit gleichwohl zum absoluten Marktführer, jedes vierte EU-weit gemästete Bioschwein steht in Deutschland. In Dänemark und Frankreich wird der Bestand auf 66.000 beziehungsweise 63.000 Tiere beziffert, Italien und die Niederlande folgen mit 37.000 beziehungsweise 36.000 Tieren. Diese fünf Länder stellen bereits drei Viertel des gesamten EU-Bestandes bei Bioschweinen. Höheren Preisen für die Erzeuger stehen allerdings auch höhere Aufwendungen, unter anderem bei Ferkelzukauf oder dem Futter, gegenüber. Deutlich teurer waren im Gegenzug für Verbraucher im Zeitraum 2016/17 (Juli bis Juni) in erster Linie die edleren Teilstücke wie Filet, Schnitzel und Braten, während Gulasch oder Kassler mit einem geringeren Preisabstand zu konventionell erzeugter Ware verkauft wurden. Lediglich gemischtes Hackfleisch wurde in Bioqualität ebenfalls deutlich teurer verkauft als konventionelles Hackfleisch.

Der Umstieg auf die Biohaltung gestaltet sich für Tierhalter nicht immer einfach. So gibt es bei Planungen für Stallbauten immer wieder Konflikte mit Anforderungen nach dem Immissionsschutz. Dies trifft für alle neuen Ställe zu, in besonderem Maße aber für frei gelüftete Ställe. Hier sind nach Einschätzung des Landvolkes Niedersachsen dringend Zielkonflikte zwischen den Ansprüchen des Tierschutzes und den Anforderungen des Immissionsschutzes aufzuheben.

Quelle: Landvolk Niedersachsen

Leichter Anstieg der Schafszahlen in Bayern

Nach den endgültigen Ergebnissen der vom Bayerischen Landesamt für Statistik durchgeführten Schafbestandserhebung zum 3. November 2017 stieg die Anzahl der Schafhaltungsbetriebe auf 2 200 an. Dies entspricht einem Zuwachs von rund 4,0 Prozent. Der Schafbestand steigt dabei um 0,7 Prozent auf 268 400 Tiere im Vergleich zum Vorjahreswert.

Wie das Bayerische Landesamt für Statistik mitteilt, wurden nach den endgültigen Ergebnissen der Schafbestandserhebung zum Stichtag 3. November 2017 rund 2 200 schafhaltende Betriebe und 268 400 Schafe gezählt. Die Anzahl der Schafhalter stieg dabei um 4,0 Prozent an. Auch der Schafbestand erhöhte sich um 1 800 Schafe, was 0,7 Prozent Zuwachs gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Schnitt werden in Bayern 124 Schafe pro Betrieb gehalten. In Betrieben die 500 und mehr Schafe halten, werden 122 400 Tiere gezählt, dies entspricht 45,6 Prozent des gesamten Schafbestandes.

Bei den weiblichen Schafen zur Zucht ist eine Zunahme um 1,8 Prozent zu verzeichnen. Dies entspricht einem Zuwachs von 3 400 auf 187 800 Tiere. Innerhalb dieser Kategorie stieg sowohl der Bestand an Milchschafen (+700 Tiere) als auch der Be-stand an anderen Mutterschafen (+2 700) an. Im Vergleich zum Vorjahr wurden bei den Schafen unter einem Jahr 1,2 Prozent weniger Tiere (74 000 Tiere) gezählt.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik

Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration

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Zu dem hochaktuellen Thema liefern Wissenschaftler im Heft 74 der DGfZ-Schriftenreihe Hintergrundinformationen, Einschätzungen und Ausblicke

Ab dem 1. Januar 2019 dürfen Ferkel in Deutschland nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden. Von dem Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration ist die gesamte Wirtschaftskette betroffen. Ein deutlicher Strukturwandel, insbesondere in der deutschen Ferkelerzeugung, aber auch in der Mast und bei der Schlachtwirtschaft, ist zu erwarten. Insgesamt sind rund 24,2 Mio. männliche Ferkel vom Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration betroffen. In den EU-Ländern ist der Verzicht der betäubungslosen Ferkelkastration bisher uneinheitlich geregelt. Daraus resultieren unterschiedliche Handhabungen und Produktqualitäten, Wettbewerbsverzerrungen werden befürchtet.

In der Schriftenreihe widmen sich die Autoren umfänglich den Vor- und Nachteilen verschiedener Methoden unter dem Aspekt des Tierschutzes und bewerten dabei insbesondere die Anwendung der Ferkelkastration unter Lokalanästhesie. Darüber hinaus findet der Leser eine ausführliche Beschreibung der physiologischen Aspekte der Androstenon- und Skatolbildung beim Eber.

Die DGfZ ergänzt mit diesem Band der Schriftenreihe ihr umfangreiches Informationsmaterial zum Thema Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration und hofft, dass die vorliegenden Artikel Wissenslücken schließen und konstruktiv zur aktuellen Diskussion beitragen können.

112 Seiten, Preis 10 € incl. MwSt. zzgl. Porto und Verpackung (1,00 € für Nicht-Mitglieder) – Bestellung