Im Rahmen der Fachtagung in Augsburg standen auch Mastitistherapie und Eutergesundheit im Fokus. Dr. Heinrich-Jürgen Zumbusch (Vétoquinol) und Stephanie Meyer (SaluVet GmbH) zeigten, dass sowohl die Behandlung als auch die Vorbeugung heute ein differenziertes und konsequentes Vorgehen erfordern.
Mastitis ist nicht nur eine akute Erkrankung, sondern hat auch langfristige Folgen. Entzündungen zerstören Milchgewebe, das anschließend durch Bindegewebe ersetzt wird. Die Milchleistung sinkt dauerhaft. Umso wichtiger ist eine differenzierte Therapie.
Eine Mastitis entsteht, wenn Krankheitserreger in das Euter eindringen und sich dort vermehren. Das Immunsystem reagiert sofort, es kommt zur Entzündung. Je nach Stärke dieser Reaktion und des Erregers verläuft die Erkrankung unterschiedlich: Manche Infektionen heilen von selbst aus, andere bleiben unbemerkt (subklinisch), und wieder andere führen zu einer deutlich sichtbaren, klinischen Mastitis.
Entscheidend ist der Schweregrad. Leichte Mastitiden äußern sich häufig nur durch veränderte Milch, während die Kuh ansonsten unauffällig bleibt. In solchen Fällen ist ein Antibiotikum oft nicht notwendig. Bei mittelschweren Verläufen sollte die Entscheidung gezielt getroffen werden. Schwere Mastitiden hingegen erfordern ein sofortiges Eingreifen, da das Allgemeinbefinden der Tiere deutlich beeinträchtigt ist.
Evidenzbasierte Mastitistherapie
Lange Zeit galt: Mastitis gleich Antibiotikum. Heute weiß man, dass dieses Vorgehen oft unnötig ist und sogar Nachteile mit sich bringt, etwa Resistenzentwicklung oder unnötige Kosten. Ein zentraler Baustein der modernen Therapie ist die Diagnostik. Statt routinemäßig zu behandeln, wird zunächst der Erreger bestimmt. Auf dieser Grundlage wird entschieden, ob ein Antibiotikum überhaupt sinnvoll ist und wenn ja, welches.
Häufig reicht eine lokale Behandlung aus, während schwere Fälle systemisch behandelt werden müssen. Besonders wichtig ist auch die Erkenntnis, dass nicht jede Mastitis bakteriell „wegtherapiert“ werden muss. Gerade bei sogenannten coliformen Mastitiden, verursacht durch E. coli, ist die Selbstheilungsrate hoch. Hier liegt das Problem oft weniger beim Erreger selbst als bei einer überschießenden Immunreaktion der Kuh.
Ein zentraler Baustein dieser Therapie ist außerdem der konsequente Einsatz von Entzündungshemmern (NSAIDs). Sie lindern Schmerzen, senken Fieber und unterstützen die Heilung und das unabhängig davon, ob Antibiotika eingesetzt werden oder nicht.
Schnelle Diagnostik
Ein zentrales Thema des Vortrags war die Diagnostik. Klassische Laboruntersuchungen liefern zwar zuverlässige Ergebnisse, dauern jedoch mehrere Tage, das ist zu lange für eine zeitnahe Therapieentscheidung. Mit dem Mastatest steht ein praxistaugliches Instrument zur Verfügung. Das Gerät ermöglicht eine Erregerbestimmung inklusive Antibiogramm innerhalb von rund 22 Stunden. Die Ergebnisse werden automatisch ausgewertet und direkt an Landwirt und Tierarzt übermittelt. Dadurch können Behandlungen gezielter durchgeführt werden, was Antibiotika einspart und die Heilungschancen verbessert.
Voraussetzung ist eine saubere Probenentnahme sowie eine stabile Internetverbindung während der Analyse. Für besonders akute Fälle stehen ergänzend schnellere Testverfahren zur Verfügung, die Ergebnisse innerhalb weniger Stunden liefern. Auch für das Trockenstellen eignet sich der Mastatest, der übrigens von Landwirten auch gekauft werden kann.
Auch beim Trockenstellen wurde ein klares Umdenken empfohlen. Statt alle Kühe pauschal mit Antibiotika zu behandeln, sollte die Entscheidung auf Basis der Zellzahlen getroffen werden. Kühe mit niedrigen Zellzahlen (unter 100.000 Zellen) gelten als eutergesund und benötigen in der Regel kein Antibiotikum. Hier bieten Zitzenversiegler einen wirksamen Schutz vor Neuinfektionen.
Eutergesundheit: tägliches Management entscheidend
Stephanie Meyer machte deutlich, wie stark die Eutergesundheit vom täglichen Management beeinflusst wird. Wer seine Daten und seine Kühe genau kennt, erkennt Probleme, bevor sie entstehen.
Eine wichtige Grundlage ist die regelmäßige Auswertung der MLP-Daten. Auffälligkeiten können so frühzeitig erkannt werden. Ebenso wichtig ist die Kenntnis des betriebsspezifischen Erregerprofils, da unterschiedliche Keime unterschiedliche Umweltbedingungen bevorzugen.
Ein zentraler Einflussfaktor ist die Haltung. Liegeflächen müssen sauber und trocken sein. Tiefboxen mit Stroh bieten hohen Komfort, erfordern aber konsequente Pflege. Kalk kann unterstützend wirken, wenn er den pH-Wert in einen alkalischen Bereich verschiebt und damit keimhemmend wirkt. Sandbettwaben bieten hygienische Vorteile, allerdings sind diese oft hart, weshalb eine dünne Strohschicht den Liegekomfort deutlich verbessert, während Hochboxen mit Schaumstoff von den Kühen gut angenommen werden.
Auch die Besatzdichte spielt eine entscheidende Rolle. Überbelegung führt zu weniger Liegezeiten, was sich negativ auf Eutergesundheit, Klauen und Stoffwechsel auswirkt.
Sauberkeit ist ein zentraler Punkt im Alltag. Verschmutzte Kühe tragen mehr Erreger mit sich, was sich häufig in erhöhten Zellzahlen widerspiegelt.
Ergänzend ist eine konsequente Melkhygiene notwendig. Dazu gehören saubere Euter, funktionierende Technik und der regelmäßige Austausch von Verschleißteilen wie Zitzengummis. Ebenso lohnt es sich, die Wirksamkeit der Zwischendesinfektion regelmäßig mit Teststreifen zu überprüfen.
Auch bei Dippmitteln lohnt sich ein genauer Blick. Produkte mit Jod können zwar wirksam sein, greifen jedoch den natürlichen Säureschutzmantel der Haut an und können damit auch nützliche Mikroorganismen beeinträchtigen.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist Hitzestress. Erste Anzeichen lassen sich bereits an der Atmung erkennen. Sind die Nasenlöcher rund und weit geöffnet, atmet die Kuh schneller, ein klares Zeichen für Stress. Längliche Nasenlöcher deuten hingegen auf einen entspannten Zustand hin. Hitzestress führt dazu, dass Kühe weniger fressen und entsprechend weniger Milch geben. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig gegenzusteuern.
Quelle: Dr. Heike Engels
Auf einer Fachtagung in Augsburg, organisiert von der Tierklinik Gessertshausen, kamen rund 100 Milchviehhalterinnen und Milchviehhalter zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen. In seinem Vortrag zur Fruchtbarkeit machte Dr. Sebastian Jander (Ceva Tiergesundheit) deutlich, dass erfolgreiche Milchviehhaltung heute vor allem ein konsequentes, gut abgestimmtes Management im Alltag erfordert.
Die durchschnittliche Nutzungsdauer unserer Milchkühe liegt aktuell bei nur 38,5 Monaten. Das ist deutlich zu wenig. Hauptabgangsgrund ist mit rund 16 % die Unfruchtbarkeit. Für die Praxis stellt sich daher nicht die Frage, ob Handlungsbedarf besteht, sondern wo man am effektivsten ansetzt.
Die Ursachen für die Fruchtbarkeitsprobleme sind komplex. Neben genetischen Einflüssen, die sich nur begrenzt steuern lassen, spielen vor allem Stoffwechsel, Fütterung, Tiergesundheit sowie Management- und Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle. Besonders kritisch ist die Phase nach der Kalbung. Hier treffen mehrere Belastungen gleichzeitig auf das Tier: hohe Milchleistung, negative Energiebilanz und ein erhöhtes Krankheitsrisiko.
Stoffwechselstörungen wie Ketosen und das damit verbundene Energiedefizit nach der Kalbung wirken sich direkt auf die Fruchtbarkeit aus. Gleichzeitig führt die hohe Milchleistung dazu, dass Hormone wie Östrogen und Progesteron schneller über die Leber abgebaut werden. Das verschlechtert die Konzeptionsrate und begünstigt Doppelovulationen sowie Zwillingsgraviditäten. Hinzu kommt, dass sich die Follikelentwicklung bei Hochleistungskühen oft verzögert, die Eizellen sind „älter“ und weniger befruchtungsfähig.
v.l.n.r.: Dr. Sebastian Jander (Ceva Tiergesundheit GmbH), Dr. Gregor Sigl (MSD Tiergesundheit), Laura Krey (dsp-Agrosoft GmbH), Tabea Klemens (Schippers GmbH), Joachim Mair (Schippers GmbH), Amelie Armbruster (Tierklinik Gessertshausen, Jan Thye-Lokenberg (dsp-Agrosoft GmbH), Stefanie Fuhrmann (Vetoquinol GmbH), Verena Thiel (Vetoquinol GmbH), Dr. Heinz-Jürgen Zumbusch (Vetoquinol GmbH), Franziska Lingner (Tierklinik Gessertshausen), Peter Zech (SaluVet GmbH), Jonas Erben (Tierklinik Gessertshausen), Stephanie Meyer (SaluVet GmbH), Katarina Maseg (SaluVet GmbH) Bildquelle: Tierklinik GessertshausenDie ersten 14 Tage entscheiden
Eine Schlüsselrolle spielen die ersten 14 Tage nach der Kalbung. In dieser Phase ist das Risiko für Erkrankungen am höchsten. Erkrankungen wie Nachgeburtsverhaltungen und Metritiden beeinflussen die spätere Fruchtbarkeit massiv. Hintergrund ist ein hormonelles Ungleichgewicht: Entzündungen führen zur Freisetzung von Prostaglandin F2α (PGF2α), das den Gelbkörper abbaut und die Progesteronproduktion hemmt. Gleichzeitig beeinflussen Zytokine das Immunsystem und die Entzündungsreaktion. In dieser Kombination wird eine erfolgreiche Trächtigkeit deutlich erschwert.
Ein großes Problem ist die Früherkennung solcher Erkrankungen. Kühe zeigen als Fluchttiere Symptome oft erst spät. Sensorsysteme können bei der Erkennung kranker Kühe wertvolle Unterstützung leisten. Besonders Veränderungen in der Wiederkauaktivität liefern häufig erste Hinweise auf gesundheitliche Probleme.
Ein Beispiel aus der Praxis ist die Labmagenverlagerung, die häufig kurz nach der Kalbung auftritt. Typische Anzeichen sind Appetitlosigkeit, Leistungsabfall und unregelmäßiges Wiederkauen. Wird sie früh erkannt, lassen sich Folgeschäden begrenzen, auch im Hinblick auf die Fruchtbarkeit.
Neben der Tiergesundheit spielt das Management eine zentrale Rolle. Faktoren wie Futter- und Wasserverfügbarkeit, Liegekomfort, Klauengesundheit, Besatzdichte und Hitzestress greifen ineinander. Bereits Temperaturen ab etwa 20 °C können die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen.
Auch die Brunsterkennung bleibt ein entscheidender Punkt. Bei visueller Beobachtung sollten mindestens 65 % der Brunsten erkannt werden, automatische Systeme sollten über 80 % erreichen. Hier setzen hormonelle Synchronisationsprogramme wie Ovsynch an. Sie ermöglichen eine zeitgesteuerte Besamung ohne klassische Brunsterkennung. Allerdings hat sich gezeigt, dass klassische Ovsynch-Protokolle nicht immer ausreichen. Moderne Varianten wie Double-Ovsynch verbessern durch eine genauere Steuerung der Follikelwellen die Erfolgsraten. Durch eine doppelte Prostaglandingabe (z. B. an Tag 7 und 8 im Abstand von 24 Stunden) wird der Gelbkörper sicherer abgebaut. Das verbessert die Luteolyse und erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit. Voraussetzung dafür ist jedoch ein gutes Verständnis des Zyklusgeschehens, das je nach Kuh zwei- oder dreiwellige Verläufe zeigen kann. Gerade bei Hochleistungskühen und unter Hitzestress sind häufig dreiwellige Zyklen zu beobachten. Die Anzahl der Follikelwellen hängt eng mit dem Progesteronverlauf zusammen. Für das Management bedeutet das: Wer den Zyklus versteht, kann gezielter eingreifen.
Systematisch vorgehen
In vielen Herden ist zudem ein hoher Anteil nicht zyklischer Kühe zu beobachten, bis zu 23 % pro Betrieb sind keine Seltenheit. Diese Tiere zeigen keine Brunstanzeichen und werden daher oft übersehen. Hier kann der gezielte Einsatz von Progesteronpräparaten, beispielsweise über Vaginalspangen, sinnvoll sein. Diese werden in der Regel für etwa sieben Tage eingesetzt, häufig in Kombination mit Prostaglandin. Es stehen unterschiedliche Dosierungen zur Verfügung (z. B. 1,0 g oder 1,55 g), wobei höhere Dosierungen in vielen Fällen bessere Ergebnisse liefern. Wichtig ist: Diese Maßnahmen sind immer Einzeltierentscheidungen und sollten gezielt eingesetzt werden.
Auch die Zwischenkalbezeit und der Body Condition Score (BCS) sollten regelmäßig überprüft werden. Längere Zwischenkalbezeiten können zwar zur Entlastung beitragen, erhöhen jedoch das Risiko der Verfettung. Eine betriebsindividuelle Auswertung hilft, die richtige Balance zu finden.
Der Vortrag machte deutlich: Fruchtbarkeit ist kein Zufallsprodukt. Sie ist das Ergebnis konsequenter Arbeit in vielen Bereichen, von der Fütterung über die Tierbeobachtung bis hin zum Detail im täglichen Management. Wer diese Punkte systematisch angeht, schafft die Grundlage für bessere Fruchtbarkeit, längere Nutzungsdauer und wirtschaftlich stabile Milchviehhaltung.
Quelle: Dr. Heike Engels
Dr. Sandra Düpjan (FBN) stellte in ihrem Vortrag anlässlich des 15. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums KI-Ansätze zur Bewertung des Tierwohls im Schweinestall vor.
Einleitend wies sie darauf hin, wie wenig Zeit gewöhnlich für die Beobachtung des Einzeltieres in gängigen Stallsystemen bleibt, wo den Betreuern oft nur deutlich sichtbare Krankheitssymptome zuverlässig auffallen. Zwei gute Tierwohl-Indikatoren seien Lautäußerungen und Stereotypien. Beide könnten potentiell durch KI-Systeme – rund um die Uhr – erfasst werden.
Für Stresslaute gebe es bereits ein funktionierendes System, allerdings würden ebenso Klassifikatoren benötigt, die positive Lautäußerungen erkennen. Ein neues mit Spektrogrammen trainiertes CNN (convolutional neural network) biete hier einen hoffnungsvollen Ansatz, weil es Schweinelaute im Versuch mit über 90%er Zuverlässigkeit korrekt klassifizieren konnte. Allerdings gäbe es noch Probleme mit Störgeräuschen (Lüftung, Klappergeräusche) und wenn sich Lautäußerungen verschiedener Tiere überlagern.
Bei Stereotypien ließen sich zwei Formen unterscheiden: Leerlaufhandlungen, die nicht objektbezogen sind, und umorientiertes Verhalten, das auf ein unpassendes Objekt gerichtet ist. Objekt-unabhängiges Verhalten sei etwa Leerkauen und Kopfschlagen bei Sauen, Zungenrollen bei adulten Rindern, Laufstereotypien und das „Weben“ (rhythmisches Hin- und Herbewegen des Kopfes). Umorientierte Verhaltensmuster seien z. B. Stangenbeißen, Gitternagen, Besaugen und Beißen von Artgenossen und auch Federpicken bei Hühnern. Sichtbare Indikatoren seien etwa „Trampelpfade“ für Laufstereotypien, starke Zahnabnutzung oder Biss-Spuren an Stangen und Kanten bei oralen Stereotypien.
Orale Stereotypien seien häufig auf Nahrungsmangel zurückzuführen. Laufstereotypien dagegen könnten als Fluchtversuche oder Suchverhalten (nach Futter, Sozialpartnern) verstanden werden. Auch könne chronischer Stress durch reizarme Haltung erst zur Ausbildung von Stereotypien führen, wenn ein weiterer Stressfaktor – wie etwa Hunger – hinzukomme.
Stereotypien könnten sogar wegen eines weiter zurückliegenden Problems entstehen, vor allem wenn Tiere die Haltungsumgebung und/oder den Besitzer wechseln.
Vor allem Beschäftigungsmaterial im Stall, das dem normalen Tierverhalten entspricht, sei sinnvoll zur Vermeidung oder zumindest Verminderung von Stereotypien.
In Anbetracht der aktuellen Entwicklungsgeschwindigkeit bei KI-Systemen, darf man wohl schon in näherer Zukunft mit praxistauglichen Lösungen rechnen. Wir werden berichten!
In einer aktuellen Studie wurden Gene untersucht, die mit Umweltvariablen zusammenhängen. Ziel war herauszufinden welche genetischen Varianten für klimaresiliente Züchtungsansätze in unterschiedlichen Klimazonen geeignet sind.
Da Schafe eine Vielzahl lokaler Anpassungen aufweisen, stellen sie ein ideales Objekt für die Untersuchung der Umweltanpassung innerhalb und zwischen Rassen dar. Dies gilt insbesondere für Merino-Schafe, die weltweit zur Wollproduktion verwendet werden.
Für die Studie wurden 24 Merino-Populationen in Europa mit insgesamt 736 Tieren eingezogen. Die Forscher identifizierten 168 SNPs und 232 Gene, die mit bioklimatischen Variablen assoziiert sind. Die Isothermie (Verhältnis von täglicher zu jährlicher Temperaturschwankung) zeigte dabei die größte Anzahl genomischer Assoziationen. Außerdem fanden sich Kandidaten-Gene, die mit Thermoregulation, Immunität und Haarentwicklung zusammenhängen.
Zu den Schlüsselgenen, die in den durch diese Analysen identifizierten Genomregionen gefunden wurden, gehörten solche, die zuvor mit Thermoregulation, Haarfollikelentwicklung, Lipidstoffwechsel und Höhenanpassung in Verbindung gebracht wurden, was auf eine mögliche Rolle bei der Anpassung an die Umwelt schließen lässt. Die Erkenntnisse dienen damit zukünftig einer klimaresistenten Zucht.
Link zur Original-Studie
Die Gruppenhaltung von ferkelführenden Sauen ist mit erheblichen Herausforderungen verbunden, erklärten Anne-Claire Berentsen/Dr. Sandra Ripke anlässlich des 15. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums 2026. Hier eine Zusammenfassung ihrer Ausführungen.
In der Regel werden Sauen vor dem Geburtstermin vereinzelt und kehren erst wieder in die Gruppe zurück, wenn die Ferkel ein bestimmtes Alter erreicht haben. Dafür gibt es zwei Verfahren:
1) Haltungssysteme, in denen die eigentliche Abferkelbucht noch zur Verfügung steht und die Tiere durch Türen Zugang zu einem Gemeinschaftsbereich bekommen (nur Sauen oder Sauen und Ferkel).
2) Haltungssysteme, in denen Sauen und Ferkel zunächst in Einzelabferkelbuchten bleiben und später in eine Gruppenbucht umgestallt werden.
Der Flächenbedarf pro Wurf ist hier erheblich größer als bei Einzelhaltung in Bewegungsbuchten, weil die Gruppenfläche zusätzlich zum Abferkelbereich zur Verfügung gestellt werden muss.
Gruppensäugen ohne Umstallung
Innerhalb der eigentlichen Abferkelbuchten haben Sauen und Ferkel ausreichend Bewegungsfläche zur Verfügung, für Ruhen, Aufstehen, Ablegen, Säugen und Umdrehen. Ein Begegnungsbereich im Verhältnis von 1:3 eignet sich besser als eine lange, schmale Fläche. Die Breite sollte min 3 m betragen, damit die Sauen problemlos an anderen liegenden Sauen vorbeikommen.
Ist keine eigentliche Abferkelbucht mehr vorhanden, werden Sauen und Ferkel zunächst in Einzelabferkelbuchten gehalten. Danach folgt die Umstallung in eine Gruppenbucht (z. B. auch durch einfaches Entfernen von Trennwänden).
Dabei sollten je Wurf min. 7-8 m² zur Verfügung stehen sowie Rückzugsmöglichkeiten für Sau und Ferkel vorhanden sein. Je nach Wurfgröße circa 1,5 m² pro Ferkel-Wurf und min. 3,5 m² für die Sau als Säuge- und Ruhebereich.
Essentiell ist bei der Gruppenhaltung eine gute Mutter-Kind-Bindung. Natürlicherweise sondern Sauen sich 2-3 Tage vor der Geburt von der Gruppe ab und kehren erst ca. 10 Tage nach dem Abferkeln zurück. Um diesem Verhalten gerecht zu werden sollten die Sauen in diesem Zeitabschnitt in Einzelabferkelbuchten gehalten werden.
Zwischen dem 7. und 10. Lebenstag bildet sich auch eine feste Zitzenordnung bei den Ferkeln aus. Führt man Würfe vorher zusammen, nimmt das Fremdsaugen zu. Auch wenn ein gewisses Maß an Fremdsaugen beim Gruppensäugen normal ist, kommt es zu Rangeleien am Gesäuge und vor allem zu geringerer Milchaufnahme.
Tiergesundheit
Typischen Erkrankungen während der Säugeperiode treten vor allem in der ersten Woche nach der Geburt auf, bei Sauen etwa Gesäuge- und Gebärmutter-Entzündungen. Gibt eine kranke Sau dann weniger Milch, fördert dies das Fremdsaugen und gefährdet so die Gesundheit der ganzen Gruppe. Deshalb sollten kranke Sauen nicht integrieren und – wenn sie bereits in der Gruppe sind – zusammen mit ihren Ferkeln separiert werden.
Bei Ferkeln kommt es in den ersten 10 Lebenstagen häufig zu Durchfällen. Um das deutlich erhöhte Ansteckungsrisiko zu senken, sollte in den ersten 10 Tagen deshalb nicht mit anderen Würfen gruppiert werden.
Meistens fallen in die erste Lebenswoche der Ferkel auch Eingriffe wie Impfungen, Eckzahnschleifen, Schwanzkupieren, Ohrmarken einziehen und Kastration. Deshalb sollte ein eventueller Wurfausgleich nicht vor dem 10. Lebenstag stattfinden.
Management
Alle Sauen sollten sich aus dem Wartestall kennen und eine stabile Rangordnung ausgebildet haben. Auch sollten Körperkondition, Milch- und Aufzuchtleistung möglichst homogen sein. Bei den Ferkeln sollte
der Altersunterschied 5 Tage nicht überschreiten, weil sonst das Fremdsaugen (vor allem der stärkeren Ferkel) begünstigt wird. Auch sollte die Gruppe aus höchstens 6 bis 8 Sauen bestehen.
Jungsauen und Altsauen in einer Gruppe zu halten, ist nicht zu empfehlen. Die älteren Tiere verdrängen jüngere häufig von Futter und Wasser und aus dem Liegebereich. Auch kommt es bei ihnen oft zu Fremdsaugen, weil Jungsauen gewöhnlich eine hohe Milchleistung haben.
Die Tierbeobachtung gelingt am besten, wenn von einem Kontrollgang der gesamte Bereich einzusehen ist. Auch erleichtern Ohrmarken in verschiedenen Farben die Identifikation von Wurfgeschwistern.
Last but not least wird es in diesem Haltungssystem immer Sauen geben, die nicht in eine Gruppe überführt werden können. Für sie müssen ausreichend viele Einzelabferkelbuchten vorhanden sein.
Frau Dr. Malchow: erhöhte Ebenen unterstützen das natürliche Aufbaum-Verhalten von Hühnern. Welche weiteren positiven Effekte haben sie?
In der konventionellen Masthühnerhaltung ist die Haltungsumgebung oft reizarm, d.h. es gibt den Einstreubereich sowie Tränke- und Futtervorrichtungen. Das Angebot von erhöhten Strukturen kann die Haltung in getrennte Aktivitäts- und Ruhebereiche strukturieren. Sowohl auf der erhöhten Struktur sowie unter diesem Bereich werden Ruhebereiche geschaffen, wobei die geringere Lichtintensität unterhalb der Ebene das Ruheverhalten zusätzlich unterstützt, wenn dieser gut zugänglich ist. Durch diese Strukturierung sind bspw. die Futter- und Tränkbereiche deutlich als Aktivitätsbereich markiert. Des Weiteren kann die Nutzung von erhöhten Strukturen zu einer bessere Fußballengesundheit führen, da auf den Ebenen die Fußballen nicht ständig mit der Einstreu in Kontakt stehen. Weiterhin kann die Nutzung bei den Masthühnern zu einer Verbesserung der Lauffähigkeit und Erhöhung der Verhaltensaktivität führen, da eine dreidimensionale Struktur geschaffen wird und die Bewegung anregt, um unterschiedliche Bereich zu erreichen.
Sie haben nun in einem Wahlversuch ermittelt, wie die Oberfläche von erhöhten Ebenen am besten beschaffen sein sollten und zwei Varianten parallel angeboten. Was erwies sich als beliebter: Gitterrost oder geschlossene Oberfläche mit Einstreu?
Genauer gesagt haben wir untersucht, welche Oberflächen Masthühner in welchem Alter und zu welcher Tageszeit mehr nutzen. Dazu haben wir ebenerdig als Bodenoberfläche zum einen Kunststoffgitterroste und zum anderen eine Standardeinstreu parallel angeboten. Die Tiere konnten frei wählen, welche Oberfläche sie zu unterschiedlichen Tageszeiten bevorzugen. Es war keine Studie, um Empfehlungen zur Bodenoberfläche zu geben. Vielmehr war eine unserer Hypothesen, dass die Tiere gerade gegen Ende der Mast die Gitterroste zum Ruhen bevorzugen würden. In dieser Altersphase produzieren die Tiere relativ viel Körperwärme, die sie in der isolierenden Einstreu schlechter abführen können als auf den Gitterrosten.
Bei der Nutzung zeigten sich verschiedene Abhängigkeiten. Fangen wir mit der Tageszeit an.
Wir unterschieden vier verschiedene Tageszeiten: Morgen, Mittag, Nachmittag und Nacht. Über die Mastphase zeigte sich, dass die Tiere beide Oberflächen gleich nutzten. Nachts drehte sich das Bild aber im Verlauf der Mastdauer. Ab ca. der dritten Lebenswoche entwickelte sich nachts eine klare Präferenz für die Gitteroste im Vergleich zur Einstreu. Wir nehmen an, dass in den ersten Lebenswochen die Isolierung der Einstreu und auch die Nähe zu Artgenossen ein wesentlicher Punkt ist, warum der Einstreubereich bevorzugt wurde. Nachdem in etwa der dritten Lebenswoche die Gefiederentwicklung abgeschlossen ist, sind die Tiere weniger wärmebedürftig, da in diesem Alter auch die eigene Wärmeproduktion sowie die Thermoregulation ausgebildet sind. Weiterhin nehmen wir an, dass es zu den Tageszeiten Morgen, Mittag und Nachmittag keine Präferenz für eine der Bodenqualitäten gab, weil die Masthühner tagsüber weniger Ruhen und in der Einstreu natürlicherweise Nahrungs- und Erkundungsverhalten zeigen. Sie nutzen während ihrer Hauptaktivitätszeit im Hellen quasi beide Flächen, um ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben.
Auch das Lebensalter der Tiere spielt bei der Nutzung eine Rolle.
Ja, genau. Ab ca. der dritte Lebenswoche konnte wir klar sehen, dass besonders zum Ruhen/ Schlafen in der Nacht die Gitterroste bevorzugt genutzt wurden.
Und auch die Umgebungstemperatur beeinflusst das Verhalten der Tiere.
Ja, wir vermuten, dass die Masthühner insbesondere gegen Ende der Mastphase sich auch tagsüber häufiger auf den Gitterrosten aufhalten, weil sie auf diesen besser ihre Körperwärme abführen können. Hierzu haben wir auch Hinweise gefunden. Weil wir die Umgebungstemperatur aber nicht experimentell verändert haben, d.h. nicht erhöht haben, bedarf es für die Überprüfung dieser Hypothese allerdings noch weitere Untersuchungen.
Wie sollten nach Ihren Ergebnissen erhöhte Ebenen am besten ausgestaltet werden?
Wie eingangs schon erwähnt, unterstützen erhöhte Ebenen das Aufbaumverhalten. Dieses Verhalten wird hauptsächlich in der Nacht durchgeführt (teilweise auch am Tage), so dass wir durch unsere kleine Studie ableiten können, dass erhöhte Ebenen aus Kunststoffgitterroste bestehen sollten, da sie bei Nutzung die Thermoregulation vor allem ab der 3. Lebenswoche unterstützen können. Um die Nutzung von erhöhten Strukturen zu erhöhen, sind noch weitere Aspekte von Bedeutung: Die Höhe der erhöhten Ebenen kann unterschiedlich ausfallen, je nachdem, welche Möglichkeiten der Stall sowie auch das technische Equipment bietet. Zu empfehlen sind mind. 30 cm, aber besser wären 50 cm, da zum einen die Tiere bei dieser Höhe ohne Probleme auch den darunterliegenden Bereich nutzen können und zum anderen die Tierkontrolle bei den täglichen Stallkontrollen besser möglich ist als bei geringeren Höhen. Abhängig von der Höhe der Ebenen ist eine Rampe vor allem bei den schnell wachsenden Masthühnern anzubieten, damit die Tiere die Ebene nutzen können. Die Rampe sollte eine rutschfeste Oberfläche sowie Stabilität bieten und einen Winkel von max. 30° aufweisen. Besser wären noch flachere Anstiege, um den Auf- und Abgang noch einfacher zu machen. Die Rampen sollten so breit sein, dass zwei Tiere problemlos aneinander vorbeigehen können. Sonst kann ein einzelnes auf der Rampe sitzendes Tier den Zugang komplett blockieren. Die Positionen der erhöhten Ebenen sind abhängig von den Stallgegebenheiten. So können zwei Bahnen oder auch nur eine Bahn mittig oder jeweils auch an der Stallwand installiert werden. Allerdings sollte bei wandständigen erhöhten Ebenen auf eine ausreichende Lüftung auch unterhalb der Ebenen geachtet werden.
Frau Dr. Malchow: herzlichen Dank für das Gespräch!Dr. Julia Malchow forschte nach ihrer Promotion sieben Jahre lang zu Geflügel und Tierschutz am Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts. Seit Anfang 2026 ist sie Referentin für Politik bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt.
Auf der Fachtagung in Augsburg wurde auch das Thema Biosicherheit intensiv beleuchtet. Dr. Sebastian Jander machte deutlich, dass vorbeugende Maßnahmen angesichts neuer und bekannter Tierkrankheiten immer wichtiger werden.
Neue Erkrankungen wie Blauzunge (BTV) oder Epizootische Hämorrhagie (EHD) sowie bekannte Zoonosen wie Q-Fieber zeigen, wie wichtig vorbeugende Maßnahmen sind.
Seit dem 1. Januar 2026 ist eine betriebsindividuelle Biosicherheitsbewertung verpflichtend, ab Juli wird sie Teil der QS-Audits. Hilfestellung bietet die Risikoampel der Universität Vechta, mit der sich Schwachstellen im Betrieb systematisch analysieren lassen.
Im Mittelpunkt steht die Kontrolle von Eintragswegen für Krankheitserreger. Hinweisschilder wie „Betreten verboten“ sind dabei genauso sinnvoll wie feste Abläufe für Besucher. Diese sollten nach Möglichkeit betriebseigene Kleidung und Stiefel oder Überschuhe nutzen.
Auch die innerbetrieblichen Abläufe verdienen Aufmerksamkeit. Wege von Futter, Gülle oder Kadavern sollten klar getrennt und regelmäßig überprüft werden. Besonders sensibel sind Bereiche wie das Abkalbe- und Krankenabteil, sie sollten unbedingt räumlich getrennt sein, um eine Verschleppung von Erregern zu vermeiden.
Tierzukäufe stellen ein weiteres Risiko dar. Eine Quarantänephase mit entsprechender Untersuchung hilft, Krankheiten gar nicht erst in den Bestand einzuschleppen.
Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Neben den großen Strukturen sind es oft die kleinen Maßnahmen im Alltag, die den Unterschied machen. Regelmäßige Reinigung und Desinfektion von Stiefeln über Stallgeräte bis hin zu Milcheimern oder Nuckeln spielen dabei eine zentrale Rolle.
Wichtig ist, bei der Reinigung systematisch vorzugehen: Erst reinigen, dann desinfizieren, und dabei Einwirkzeiten sowie Temperaturbedingungen beachten.
Desinfektionsmatten, häufiges Kotabschieben oder das regelmäßige Versetzen von Kälberiglus helfen, den Keimdruck im Stall zu senken. Ergänzt wird dies durch konsequente Schädlingsbekämpfung, etwa gegen Ratten, Fliegen oder Gnitzen, die als Überträger von Krankheiten eine wichtige Rolle spielen können.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist eine klare Organisation im Betrieb. Standardarbeitsanweisungen (SOPs) sorgen dafür, dass alle Mitarbeiter die gleichen Abläufe einhalten und Hygienemaßnahmen konsequent umgesetzt werden.
Impfprogramme können helfen, Krankheiten zu verhindern oder zumindest deren Verlauf deutlich abzumildern. Ebenso sinnvoll ist es, regelmäßig Proben zu ziehen – zum Beispiel Milchproben – um frühzeitig zu erkennen, ob und welche Erreger im Bestand vorhanden sind. Denn nur wer die Situation im eigenen Betrieb kennt, kann gezielt handeln.
Biosicherheit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Perfektion ist dabei nicht das Ziel, entscheidend ist, den eigenen Betrieb Schritt für Schritt zu verbessern. Schon kleine, konsequent umgesetzte Maßnahmen können einen großen Unterschied machen für die Tiergesundheit, die Betriebssicherheit und letztlich auch für den wirtschaftlichen Erfolg.
Quelle: Dr. Heike Engels
Legehennen benötigen aufgrund des hohen Bedarfs für die Eiproduktion mehr Kalzium als andere Wirbeltiere und passen ihre Kalziumaufnahme ihrem Bedarf an, wenn ihnen eine zusätzliche Kalziumquelle wie ein Pickstein angeboten wird. Picksteine können auch für Hennen, die sich von Knochenbrüchen erholen, eine Kalziumquelle darstellen. Der Einfluss von Knochenbrüchen auf das Kalziumsuchverhalten mithilfe von Picksteinen wurde jedoch noch nicht untersucht.
Diese Studie wurde an der Universität Guelph in Kanada mit 240 Legehennen durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen der Präferenz für Picksteine, dem Status von Brustbeinbrüchen und der Eischalenqualität zu untersuchen. Die Hennen wurden in Gruppen von 20 Tieren in ausgestatteten Käfigen gehalten. Aus jeder Gruppe wurde eine Untergruppe zufällig als Beobachtungstiere für Verhaltensbeobachtungen ausgewählt. Drei handelsübliche Picksteine mit unterschiedlichem Kalzium- und Getreidegehalt wurden den Hennen über mehrere Wochen für paarweise Präferenztests angeboten. Die Hennen wurden anhand der Gesamtzahl ihrer Pickvorgänge an den Blöcken während des Versuchs in „Nutzer“ und „Nicht-Nutzer“ eingeteilt. Gewicht, Schalendicke und Bruchkraft der Schale wurden analysiert. Die Hennen wurden geröntgt und der Schweregrad von Brustbeinfrakturen beurteilt.
Die Hennen zeigten individuelle Präferenzen für verschiedene Arten von Pickblöcken. Diese Präferenzen blieben über die Zeit relativ konstant, korrelierten jedoch nicht mit der Schalenqualität oder dem Vorhandensein von Brustbeinfrakturen. Die Eierschalen der „Nutzer“ waren stabiler und die Schalendicke blieb über die Zeit erhalten, während sie bei den „Nicht-Nutzern“ abnahm. Hennen, die während des Versuchs neue Frakturen erlitten, pickten häufiger an den Blöcken als solche ohne neue Frakturen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Hennen die Pickblöcke nutzen, um ihren individuellen Kalziumbedarf für die Eierschalenbildung und möglicherweise auch für die Knochenreparatur zu decken. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, den Hennen Möglichkeiten zur Deckung ihres zusätzlichen Kalziumbedarfs zu bieten.
Original-StudieEhigbor TF, Edwards AM, Rentsch AK, Kiarie EG, Harlander A, Widowski TM (2025) Pecking block use at individual level is associated with improved eggshell quality and keel fractures in laying hens. Poultry Sci 104(11):105716https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0032579125009575Dieser Beitrag wurde Ende Februar vorab allen Newsletter-Abonnenten zur Verfügung gestellt.
Nachdem kürzlich bereits die EFSA starke Kritik an der Putenhaltung in Europa geübt hatte (ausführlicher Bericht hier), hat am 23. April das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass die Haltungsbedingungen in einem deutschen Putenmastbetrieb mit dem Tierschutzgesetz nicht vereinbar sind. Da der betroffene Halter sich an die „freiwilligen Eckwerte“ (Download-Link) gehalten hat, dürfte dieses Urteil Auswirkungen auf zahlreiche deutsche Putenhaltungen haben.
Weil aber das Gericht keinerlei Hinweise gab, wie ein gesetzeskonformer Stall denn aussehen sollte (und bis zu einer gesetzlichen Regelung sicher noch geraume Zeit ins Land gehen dürfte), sind nun die regionalen Amtsveterinäre gefragt. Diese wiederum werden sich bei der Beurteilung einer Putenhaltung an den aktuellen Forschungsergebnissen orientieren. Zentrale Punkte sind hier:
Besatzdichte
Begründet auf der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur und wirtschaftlichen Gesichtspunkten ergibt sich eine maximale Endmast-Besatzdichte für Puten von 36-40 kg Lebendgewicht pro m2 nutzbarer Stallfläche.
Stallstruktur
Um einigen Verhaltensbedürfnissen der Puten entgegenzukommen, ist eine Strukturierung des Stalles erforderlich:
• Aufbaummöglichkeiten / erhöhte Ebenen
• Strukturierungselemente, die von den Tieren auch bepickt werden können (z.B. Strohballen, Pickblöcke)
• Außenklimabereich im Ausmaß von mind. 20% der nutzbaren Stallbodenfläche
Einstreu
Die Einstreu muss es den Tieren über die gesamte Haltungsperiode ermöglichen, zu scharren und zu picken. Sie muss jederzeit deutlich locker, trocken (< 30% Feuchtigkeit) und ausreichend sauber (Einstreuanteile > Kotanteile) sein.
Licht
Das Licht im Putenstall muss folgenden Anforderungen genügen:
• ausreichend gleichmäßiges Licht, damit die Tiere ein normales Aktivitätsniveau zeigen können
• acht Stunden Dunkelphase (Notbeleuchtung mit 0,5 Lux möglich)
• UV-A im Spektrum enthalten
• flimmerfreie Beleuchtung (Leuchtmittelfrequenz höher als die Flimmerfusionsfrequenz der Puten)
Raumklima
Ein gutes Stallklima ist wichtig für das Tierwohl. Lüftung, Staub, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Gaskonzentrationen sind auf Leveln zu halten, die den Tieren keinen Schaden zufügen:
• gute Luftzirkulation im gesamten Stall (Luftaustauschrate 4-7 m³/kg/Stunde), keine Zugluft
• Schadstoff-Höchstwerte: einatembarer Staub 3,4 mg/m³, lungengängiger Staub 1,7 mg/m³ liegen, NH3 10 ppm, CO2 3000 ppm und H2S 5 ppm
• Luftfeuchtigkeit im Stall sollte zwischen 50 und 70% liegen
• altersadäquate Temperatur
Pflege
• mehrmals tägliche Kontrolle der gehaltenen Tiere
• schwache, kranke oder verletzte Tiere unverzüglich in ein abgesondertes Krankenabteil bringen und behandeln
• Halter und Personal müssen nachweisbare Kenntnis und Fähigkeit im artgerechten Umgang mit den gehaltenen Tieren besitzen
Wenn kein Zugang zum Freiland besteht oder geschaffen werden kann, sind Beschäftigungsmöglichkeiten essenziell. Jedes Material muss dabei „veränderbar“ sein und dabei Hygiene und Futtermittelrecht unbedingt beachtet werden.
Die Grundlage bildet eine lockere und trockene Einstreu, die zum Picken, Scharren und Staubbaden animiert. Dazu kommen frei hängende Körbe mit Stroh von weniger als 8 cm Halmlänge, in Kombination mit Magensteinen, um Verstopfungen vorzubeugen (für 750-1.000 Tiere je ein Korb, pro Woche mehrmals nachfüllen). Auch Pickblöcke in Kopfhöhe wecken das Interesse der Tiere.
Treten Verhaltensstörungen auf, können freihängende, glänzende Metallgegenstände, Plastikflaschen mit Kabelbindern oder rot-weißeAbsperrketten Abhilfe schaffen. Allerdings sind solche Objekte meist nur kurzfristig attraktiv und sollten nach der „Problemphase“ auch wieder entfernt werden.
Strohballen zum Aufbaumen und Ruhen sollten in ausreichender Zahl vorhanden sein – aber Vorsicht vor Schimmelbildung!
Lautäußerungen transportieren Informationen, die es sozialen Tieren ermöglichen, Artgenossen zu erkennen, den sozialen Zusammenhalt zu wahren und ihren emotionalen Zustand mitzuteilen – allesamt lebensnotwendig. Schafe sind gesellige Tiere, die in verschiedenen Situationen charakteristische Lautäußerungen zeigen, wie beispielsweise hohe Blöklaute bei Stress. Besonders in der frühen postnatalen Phase weisen sie auch individuelle Lautäußerungen auf, um die Bindung zwischen Mutterschaf und Lamm zu fördern. Obwohl die Lautäußerungen von Widdern bei Mutterschafen und Lämmern gut erforscht sind, ist über ihre Individualität und ihren individuellen Charakter bisher wenig bekannt.
Eine Studie auf einem kommerziellen Assaf-Schafzuchtbetrieb in Griechenland zeichnete die Lautäußerungen von 15 Widdern in fünf verschiedenen Situationen auf: 1) morgens isoliert, 2) isoliert und die Glocken der Mutterschafe hörend, 3) abends isoliert, 4) isoliert und in Erwartung von Futter, 5) isoliert und ohne Futter. Jeder Widder wurde drei Minuten lang isoliert, und die Lautäußerungen wurden aufgezeichnet. Die Kontexte 1, 3 und 5 wurden als negativ, die Kontexte 2 und 4 hingegen als positiv für die Widder erwartet. Neunzehn akustische Parameter wurden analysiert, um festzustellen, ob sie Informationen über die individuellen Lautäußerungen der Widder enthielten und ob sie sich den verschiedenen emotionalen Kontexten zuordnen ließen.
Die Ergebnisse zeigten, dass Widder tatsächlich individuell unterschiedliche Lautäußerungen aufweisen, die innerhalb jedes Kontextes mit einer Genauigkeit von 59–80 % erkannt werden können. Rufe in negativen Kontexten (z. B. Futterentzug, abendliche Isolation) zeigten eine größere Formantstreuung (oder Resonanz) und Amplitudenvariation als Rufe in positiven Kontexten (z. B. Vorfreude auf Futter), die höhere Formantfrequenzen aufwiesen. Interessanterweise enthielten diese höheren Frequenzen auch Informationen über die Identität des Widders. Dies deutet darauf hin, dass Widder in negativen emotionalen Zuständen tiefere, instabilere Rufe produzieren und in Vorfreude auf Futter sowie zur Kommunikation ihrer individuellen Identität höhere Rufe. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Widder durch ihre Lautäußerungen emotionale Informationen kommunizieren und zeigen somit weiteres Potenzial für diese nicht-invasive Methode zur Überwachung des Wohlbefindens von Schafen auf landwirtschaftlichen Betrieben.
Original-StudieFrantzola A, Ntairis A, Laliotis GP (2025) Vocal signatures in rams: Exploring individual distinctiveness across different contexts. Ruminants 5(4):53https://www.mdpi.com/2673-933X/5/4/53Dieser Beitrag wurde Ende Februar vorab allen Newsletter-Abonnenten zur Verfügung gestellt.