Einfluss der Fütterung auf Tiergesundheit

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Vom Energiepotenzial des Hähnchenmists bis zu globalen Ernährungstrends: Das Broilersymposium der AGRAVIS Nutztier GmbH in Holdorf bot einen umfassenden Blick auf die Zukunft des Geflügels. Wie die Fütterung Einfluss auf die Tiergesundheit nimmt beleuchteten zwei Vortragende.

Prof. Dr. Julia Hankel, Professorin für Nachhaltigkeit im Kontext Tierernährung an der TiHo Hannover, erinnerte daran, dass Tierhaltung seit jeher ein integraler Bestandteil der Lebensmittelproduktion ist. Früher wurden Küchenreste im „Schweineeimer“ gesammelt und direkt wiederverwertet, ein einfaches, effizientes Kreislaufsystem, das heute aus rechtlichen Gründen nicht mehr erlaubt ist.

Auch moderne Lebensmittelproduktion erzeugt zahlreiche Nebenprodukte, etwa aus der Getreideverarbeitung oder aus Ernterückständen. Viele davon sind faserreich und schwer zu verfüttern, aber grundsätzlich wertvolle Futtermittel. Gerade im Geflügelfutter, das zu großen Teilen aus Getreide besteht, ließe sich durch den verstärkten Einsatz solcher Nebenströme die Konkurrenz um Lebensmittel reduzieren. Wichtig bleibt dabei die Qualität: Mykotoxine etwa sitzen häufig in den Schalen und können sich in Nebenprodukten anreichern.

Gleichzeitig hat die Fütterung einen erheblichen Einfluss auf die Umweltwirkung der Geflügelproduktion. Durch den gezielten Einsatz geeigneter Nebenprodukte lässt sich der CO₂‑Fußabdruck deutlich senken, allerdings nur, solange die Leistung der Tiere nicht leidet. Denn leistungsschwache oder kranke Tiere verbrauchen mehr Ressourcen, da ihr Immunsystem zusätzliche Energie und Proteine benötigt.

Ein spannender Ausblick galt der Nutzung von Insekten. Auch wenn Umfragen zufolge die meisten Menschen in Deutschland sie nicht essen möchten, könnten sie als Futtermittel eine wichtige Rolle spielen.

Hankels Fazit: Die Rohwaren der Zukunft liegen nicht nur in klassischen Futtermitteln, sondern in der Weiterentwicklung von Nebenprodukten, Fermentationstechnologien und Enzymverfahren. Kreisläufe zu schließen, bleibt einer der wichtigsten Hebel für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion.

Geflügelernährung gesund und nachhaltig gestalten
Hubert Möllmann, Produktmanager Geflügel bei der AGRAVIS Nutztier GmbH, zeigte, wie stark sich die Gesundheit und Nachhaltigkeit in der Hähnchenmast über die Fütterung beeinflussen lassen. Der erste Blick eines erfahrenen Tierhalters gilt immer der Herdenverteilung: Gesunde Tiere sind aktiv, verteilen sich gleichmäßig im Stall und machen Platz. Kranke Tiere hingegen suchen Wärme, bilden Haufen oder wirken apathisch. Auch der Gefiederzustand liefert Hinweise: struppiges, abstehendes Gefieder deutet auf Kälte oder Stress hin. Stallklima, Fütterung und Darmgesundheit hängen eng zusammen, denn ein gestresster Darm verändert die Kotkonsistenz und kann Krankheiten begünstigen.

Ein zentrales Ziel moderner Geflügelernährung ist es, das Darmmikrobiom gezielt zu unterstützen. Dazu gehören mehrphasige Fütterungsstrategien, die bedarfsgerecht angepasst werden, sowie der Verzicht auf Nährstoffüberschüsse. Strukturierte Rohfaser, verdauliche Komponenten, Enzyme, Probiotika – vor allem Milchsäurebakterien – und Säurezugaben im Wasser oder Futter helfen, die Passagegeschwindigkeit im Darm zu steuern und die Verdauung zu stabilisieren. Auch klassische Komponenten wie Hafer, ganzes Weizenkorn oder Sonnenblumenschrot spielen dabei eine wichtige Rolle.

Möllmann erläuterte, wie viel sich über die Kotbeurteilung erkennen lässt: Zu flüssiger Kot weist auf Erkrankungen hin und führt zu feuchter Einstreu und Fußballenproblemen, breiige Konsistenz oder unverdaute Futterbestandteile sind Warnsignale. Blut im Kot deutet auf Kokzidien hin. Entscheidend ist, dass die Tiere kontinuierlich fressen, Hungerphasen schaden der Darmgesundheit.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die Nachhaltigkeit. In den vergangenen Jahren konnte der Rohproteingehalt im Futter bereits deutlich gesenkt werden. Parallel dazu hat sich die Effizienz der Broilermast verbessert: Seit 2000 stieg die Leistung um 25,8 %, die Futtereffizienz um 15 %. Angesichts schrumpfender globaler Ackerflächen ist diese Entwicklung entscheidend. Da die weltweite Ackerfläche abnimmt, mussten 2020 drei Personen von der Fläche eines Fußballfeldes ernährt werden, 2050 werden es fünf Personen sein. Um den CO₂‑Fußabdruck weiter zu senken, spielen regionale Rohstoffe wie Raps, Erbsen oder Sonnenblumen eine wichtige Rolle. Auch Zuchtfortschritt und Futterverwertung bieten großes Potenzial.

Möllmanns zentrale Botschaft: Die Fütterung hat einen enormen Einfluss auf die Tiergesundheit und sie entscheidet maßgeblich darüber, wie nachhaltig Geflügelproduktion sein kann.

Dr. Heike Engels

Von Entwurmung über Futterqualität bis zur In-ovo-Geschlechtsbestimmung

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Im Mittelpunkt des Biolegehennenforum in Ankum, veranstaltet durch die Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Dres. Arnold sowie die Bio-Aufzucht Gudendorf-Ankum, standen aktuelle Entwicklungen, praktische Erfahrungen sowie neue Impulse aus Forschung, Beratung und Praxis. Drei Vorträge beschäftigten sich mit Tiergesundheit und Tierwohl.

Der Bio-Sektor wächst weiter: Im ersten Quartal 2026 legte der Markt gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sechs Prozent zu. Getragen wurde das Wachstum vor allem von Drogerien und dem Online-Handel. Vor diesem Hintergrund erläuterte Peter Röhrig vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) die aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen für Biolegehennen und Bioeier. Gleichzeitig zeigte er auf, welche Anpassungen aus Sicht der Branche notwendig sind.

Die EU-Öko-Verordnung 2018/848 befindet sich derzeit in einem umfassenden Vereinfachungsprozess. Vorgesehen ist unter anderem, dass Jungtiere erst dann Zugang zum Grünauslauf erhalten müssen, wenn ihre Befiederung ausreichend entwickelt ist. Zudem sollen künftig mehrere Produktionseinheiten pro Betrieb in der Geflügelmast möglich sein.

Eine wichtige Änderung betrifft die Wartezeit nach Medikamentengaben, beispielsweise nach einer Entwurmung. Statt der bisher vorgeschriebenen 48 Stunden soll künftig eine Wartezeit von null Tagen gelten. Seit 2022 müssen nach chemisch-synthetischen Behandlungen 48 Stunden Wartezeit eingehalten werden, während der die Eier nicht als Bio vermarktet werden dürfen. Da alternative Mittel ohne Wartezeit bislang nicht ausreichend wirksam sind, setzt sich der BÖLW für eine praxistaugliche Lösung ein.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Eiweißversorgung. Aktuell dürfen Biolegehennen mit bis zu fünf Prozent konventionellem Eiweiß gefüttert werden. Da hochwertige Bio-Eiweißquellen weiterhin knapp sind, hält der BÖLW eine Verlängerung dieser Regelung um zehn Jahre für sehr wahrscheinlich. Langfristig bleibt jedoch das Ziel bestehen, die Tiere vollständig mit heimischen Eiweißquellen zu versorgen.

Darüber hinaus fordert der BÖLW klarere und praxistauglichere Tierwohlregelungen. Dazu zählen angepasste Besatzdichten und Auslaufvorgaben für Mastgeflügel, eine Reduzierung der Auslauffläche für Masthähnchen sowie offene anstelle von geschlossenen Trennwänden in der Putenaufzucht. Auch die Definition der Junghenne soll auf 20 bis 22 Wochen ausgeweitet werden.

Dauerhafte Kükenzukäufe lehnt der Verband ab. Sie sollen nur dann genehmigt werden, wenn keine Bio-Küken verfügbar sind. Auf nationaler Ebene unterstützt der BÖLW die Beschlüsse der Länderarbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau und setzt sich dafür ein, dass das sogenannte Downgrading – also die Vermarktung als konventionelle Ware im Ausnahmefall – vollständig möglich bleibt.

Auch eine mögliche Ausweitung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes auf Geflügel wird aufmerksam verfolgt. Positiv bewertet der Verband, dass Bio darin eine eigene Stufe bildet und keine zusätzliche Registrierung notwendig wäre, da Bio-Zertifikate ohnehin öffentlich einsehbar sind.

Um die Betriebe in diesem komplexen Umfeld zu unterstützen, arbeitet der BÖLW an 26 praxisnahen Leitfäden. Gleichzeitig drängt der Verband auf schnelle politische Entscheidungen, beispielsweise bei der Eiweißfütterung und der Entwurmungsregelung. So sollen Futtermühlen und Betriebe verlässlich planen können.

Genetischer Fortschritt im Pflanzenbau und Futterqualität
Samuel Leidenberger von der BAT Tiernahrung GmbH & Co. KG zeigte in seinem Vortrag, wie stark sich die Rohwarenbasis für Futtermittel in den vergangenen Jahren verändert hat und warum diese Veränderungen zunehmend Einfluss auf die Fütterung von Legehennen haben.

Bei Getreide und anderen pflanzlichen Komponenten gehe es inzwischen längst nicht mehr ausschließlich um Preis und Verfügbarkeit. Auch die CO₂-Bilanz, Mykotoxinrisiken und insbesondere die Nährstoffzusammensetzung spielen eine wichtige Rolle. Wassergehalt, Rohprotein und Rohfaser seien dabei entscheidende Parameter. Gerade beim Getreide werde jedoch häufig unterschätzt, wie stark die natürlichen Schwankungen ausfallen können. Neben der Züchtung spielen dabei auch Klima, Düngung, Technik und das Management auf dem Feld eine Rolle.

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung am Stärkegehalt des Weizens. Eine Erhöhung des Stärkeanteils um fünf Prozent bedeutet rund vier Prozent mehr Energie. Bei einem Weizenanteil von 50 Prozent im Legemehl steigt der Energiegehalt des Futters nach WPSA um etwa 0,25 MJ.

BAT hat dafür mehr als 10.000 Weizenproben aus den Jahren 2018 bis 2025 ausgewertet und dabei eine klare Tendenz festgestellt: Die Stärkegehalte steigen über die Jahre um drei bis fünf Prozent. Auch LUFA-Analysen und Daten aus Dänemark bestätigen diesen Trend. Die Rohstoffbasis sei damit deutlich volatiler, als vielen bewusst sei. Sichtbar werde dies allerdings erst bei der Betrachtung großer Datenmengen.

Für diese Entwicklung gibt es mehrere Erklärungsansätze. Erstens könnten Ertragssteigerungen durch höhere Stärkegehalte erzielt werden. Die Hektarerträge zeigen allerdings keinen eindeutigen Trend, auch wenn ein jährlicher Zuwachs von 0,5 bis 1 Prozent erkennbar ist.

Zweitens hat sich die Pflanzenernährung deutlich verändert: Der Einsatz von Stickstoffdünger wurde seit dem Jahr 2000 nahezu halbiert. Dadurch sinken die Proteingehalte im Getreide und der relative Stärkeanteil steigt automatisch.

Drittens haben sich die angebauten Sorten stark verändert. Die Top-10-Weizensorten von 2017 unterscheiden sich grundlegend von denen des Jahres 2025. Futtermühlen kaufen zwar nach Produktqualität und nicht nach Sorte, dennoch beeinflusst die Sortenwahl die Nährstoffzusammensetzung.

Viertens wirkt sich auch der Klimawandel aus. Steigende CO₂-Konzentrationen verändern den Stoffwechsel von C3-Pflanzen wie Getreide und können höhere Stärkeeinlagerungen begünstigen.

Leidenbergers Fazit lautet daher, Weizen von 2017 ist nicht mehr Weizen von 2026. Umweltbedingungen, Sortenwahl und Düngung verändern die Rohware. Die Schwankungen mögen zunächst klein erscheinen, können aber große Auswirkungen auf die Fütterung haben, die entsprechend präzise ausgesteuert werden muss. In der Praxis sei dies häufig nur eingeschränkt möglich.

Umso wichtiger sei es, konsequent zu messen, Daten zu bündeln und diese auch mit Gesundheitsparametern wie Fettleberbelastungen zu verknüpfen. Die Bedürfnisse der Tierernährung müssten stärker bei der Pflanzenzüchtung und im Rohstoffhandel berücksichtigt werden.

In-ovo-Geschlechtsbestimmung
Josefine Stuff von Agri Advanced Technologies (AAT) stellte in ihrem Vortrag die Chancen und Herausforderungen der In-ovo-Geschlechtsbestimmung für die Bio-Geflügelhaltung vor.

Lange Zeit hatte die Bio-Branche diese Verfahren abgelehnt, da sie als zu technisch und nicht mit den Grundsätzen des Ökolandbaus vereinbar galten. Inzwischen hat jedoch ein Umdenken eingesetzt. Aus Gründen der Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz – die Aufzucht der Bruderhähne ist wirtschaftlich kaum darstellbar und ressourcenintensiv – erlauben inzwischen mehrere Bio-Verbände die In-ovo-Geschlechtsbestimmung. Allerdings gelten dabei unterschiedliche Grenzwerte, ab welchem Bruttag das Verfahren zulässig ist.

Während einige Verbände den 7. oder 9. Tag festlegen, orientieren sich andere am 13. Tag. Hintergrund ist die Frage, ab wann ein Embryo Schmerz empfinden kann. Studien deuten darauf hin, dass vor Tag 15 oder 16 keine Schmerzempfindung möglich ist. Zwischen Tag 13 und 14 könnten erste Gehirnaktivitäten auftreten, während ab Tag 16 bis 17 Schmerzempfinden als sicher gilt.

Stuff betonte jedoch, dass „früher nicht automatisch besser“ sei, da viele Verfahren in sehr frühen Entwicklungsstadien noch nicht zuverlässig funktionieren. Die Diskussion über den „richtigen Tag“ sei vor allem eine deutsche Debatte, die international kaum eine Rolle spiele.

Derzeit gibt es eine Vielzahl technischer Ansätze zur Geschlechtsbestimmung im Ei, und die Forschung entwickelt sich rasant weiter. Stuff stellte drei Verfahren vor: die invasive DNA-Analyse, bei der ein Laser ein kleines Loch in die Schale brennt und eine Probe entnommen wird, das nicht-invasive optische KI-Verfahren von Omegga sowie die MRT-basierte Methode von Orbem.

AAT selbst arbeitet mit hyperspektraler Bildgebung. Das Cheggy-Verfahren durchleuchtet Bruteier optisch und erkennt das Geschlecht anhand der Gefiederfarbe. Bislang funktioniert dieses Verfahren allerdings nur bei Braunlegern. Für weiße Linien gibt es noch kein marktreifes Verfahren. Stuff machte deutlich, dass hierfür völlig neue technische Ansätze erforderlich sind und die Entwicklung noch Zeit benötigt.

Dr. Heike Engels

Immissionsschutztag Netzwerk Fokus Tierwohl: Möglichkeiten der Ammoniakreduktion in der Schweinehaltung

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Die Minderung von Ammoniakemissionen aus der Schweinehaltung ist ein wesentlicher Bestandteil der europäischen und nationalen Luftreinhaltepolitik. Genau mit dieser Thematik beschäftigte sich die Geschäftsstelle Schwein des Netzwerk Fokus Tierwohl bei ihrem Immissionsschutztag. Im Fokus stehen Fütterungsstrategien, Verfahren zur Gülleansäuerung, technische und bauliche Minderungsmaßnahmen, Güllezusatzstoffe sowie neue Methoden zur Emissionsmessung und -bewertung. Die stark beziehungsweise sehr stark stickstoff- und phosphorreduzierte Fütterung stellt eine unmittelbar umsetzbare Maßnahme zur Verringerung der Stickstoffausscheidungen dar. Darüber hinaus zeigen die Ansäuerung von Gülle, die Güllekühlung, sowie Verfahren zur Kot-Harn-Trennung ein erhebliches Potenzial zur Minderung von Ammoniakemissionen, wobei ihre Praxistauglichkeit von betrieblichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen abhängt. Ergänzend tragen aktuelle Forschungsprojekte zur Weiterentwicklung von Emissionsmessverfahren und zur Bewertung emissionsarmer Haltungsverfahren bei. Insgesamt wird deutlich, dass eine nachhaltige Emissionsminderung durch die Kombination mehrerer, an die jeweiligen Betriebsbedingungen angepasster Maßnahmen erreicht werden kann. Gleichzeitig besteht weiterer Forschungs- und Entwicklungsbedarf, um innovative Verfahren unter Praxisbedingungen zu validieren und ihre breite Umsetzung zu ermöglichen.

Vor dem Hintergrund der Anforderungen der NERC-Richtlinie und der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) gibt es hier einen Überblick über aktuelle Maßnahmen und Forschungsansätze zur Reduktion von Ammoniakemissionen: https://www.fokus-tierwohl.de/de/schwein/fachinformationen-schwein/01-moeglichkeiten-der-ammoniakreduktion-in-der-schweinehaltung

*Autoren/Mitglieder der Arbeitsgruppe Immissionsschutz:
Dr. Brigitte Eurich-Menden, Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V.
Dr. Frauke Hagenkamp-Korth, Universität Kiel
Jörn Menning, Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau
Sabrina Möbius, LSZ Boxberg
Jonas Niebel, Impulsbetrieb Tierwohl
Ina Stellwag, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
Projekt „Netzwerk Fokus Tierwohl“ Geschäftsstelle Schwein

10 Jahre Operatives Rahmenziel Schweinemast in Bayern

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Präzise füttern, Kosten senken, Umweltwirkungen reduzieren: Das Potenzial der N-/P-reduzierten Schweinemast

Katja Krebelder (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)), Reinhard Puntigam (Fachhochschule Südwestfalen), Elisabeth Beckmüller (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)) und Stephan Schneider (Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU))

Das seit 2015 in Bayern laufende Praxisprojekt „Operative Rahmenziel Schweinemast“ zeigt anhand einer außergewöhnlich großen Datenbasis, dass sich Stickstoff (N)- und Phosphor (P)-reduzierte Fütterungsverfahren in der Praxis ohne Leistungseinbußen umsetzen lassen. Zwischen 2015 und 2025 wurden Daten von rund 1.400 Betrieben und mehr als 30 Millionen Schweinen ausgewertet.

Der entscheidende Ansatz besteht darin, nicht einfach weniger Rohprotein zu füttern, sondern die Tiere gezielt mit den tatsächlich benötigten essenziellen Aminosäuren zu versorgen. Hochwertige Mineral- oder Ergänzungsfuttermittel mit erweiterter Aminosäurenausstattung ermöglichen dadurch eine deutliche Absenkung des Rohproteingehalts. Bei Phosphor ist dagegen nicht allein der Brutto-Phosphor-Gehalt entscheidend, sondern die bedarfsgerechte Versorgung mit verdaulichem Phosphor. Der Einsatz von mikrobieller Phytase spielt dabei eine wichtige Rolle, weil dadurch der in Phytat gebundene Phosphor besser verfügbar wird.

Die Praxisdaten zeigen eine deutliche Entwicklung: Der Rohproteingehalt der mittleren Mastration sank von 167 auf 148 g/kg Futter (88 % Trockenmasse [TM]), der Phosphorgehalt von 4,8 auf 4,3 g/kg (88 % TM). Gleichzeitig stiegen die täglichen Zunahmen von 780 auf über 870 g. Auch der Muskelfleischanteil blieb stabil bzw. stieg leicht von 59,1 auf 59,7 %. Die Ergebnisse zeigen damit, dass ein höherer Rohproteingehalt nicht automatisch zu einem höheren Muskelfleischanteil führt.

Für den Schweinemäster besonders interessant ist der wirtschaftliche Effekt. Durch eine präzisere Aminosäureversorgung und eine stärker differenzierte Mehrphasenfütterung konnte der Einsatz von Sojaextraktionsschrot von rund 47 auf 30 kg je Mastschwein reduziert werden. Trotz höherer Kosten für hochwertiges Mineralfutter und eines etwas höheren Getreideanteils ergibt sich laut Modellrechnung eine Nettokostenersparnis von 3,05 € je Mastschwein. Bei einem Beispielbetrieb mit 1.000 Mastplätzen sind das 8.130 € pro Jahr.

Hinzu kommen ökologische Vorteile: Die berechneten Treibhausgasemissionen der Modellration sanken von 4,3 auf 3,6 kg CO₂e je kg Schlachtkörpergewicht, also um mehr als 16 %. Durch die reduzierte Stickstoffversorgung sinkt zudem die Stickstoffausscheidung und damit das rechnerische Potenzial für Ammoniakemissionen. Damit kann eine präzisere Fütterung gleichzeitig zur Minderung von Nährstoffausscheidungen und fütterungsbedingten Treibhausgasemissionen beitragen.

Ein weiterer praktischer Vorteil ist die größere Flexibilität bei der Rohproteinversorgung. Durch die gezielte Aminosäureversorgung können heimische Eiweißfuttermittel wie Raps- und Sonnenblumenprodukte, Ackerbohnen, Erbsen oder getoastete Sojabohnen stärker in die Ration integriert werden. Dadurch lässt sich die Abhängigkeit von importierten Futtermitteln reduzieren.

Was bedeutet das für die SchweinemästerInnen in der Praxis:
N-/P-reduzierte Fütterung verbindet ökologische Ziele mit einem direkten betrieblichen Nutzen:

• Futterkosten senken: Rund 3 € Einsparung je Mastschwein sind laut Modellrechnung möglich.
• Soja einsparen: Rund 17 kg weniger Sojaextraktionsschrot je Mastschwein.
• Leistung sichern: Trotz sinkender Rohproteingehalte stiegen die täglichen Zunahmen in den ausgewerteten Praxisdaten.
• Muskelfleischanteil sichern: Ein niedrigerer Rohproteingehalt führt nicht automatisch zu einem geringeren Muskelfleischanteil.
• Nährstoffausscheidungen reduzieren: Eine bedarfsgerechte, nährstoffangepasste Versorgung mit N und P senkt die entsprechenden Ausscheidungen.
• Emissionen mindern: Die Modellrechnung zeigt ein geringeres Treibhauspotenzial; durch die reduzierte N-Ausscheidung sinkt zudem das rechnerische Potenzial für Ammoniakemissionen.
• Ohne große Investitionen umsetzbar: Der Ansatz setzt vor allem bei der Rationsgestaltung, Aminosäureversorgung und einer stärker differenzierten Mehrphasenfütterung an.
• Mehr Flexibilität: durch die gezielte Versorgung mit freien Aminosäuren können auch heimische Eiweißfuttermittel stärker in die Ration integriert werden.

Fazit
Eine bedarfsgerechte, stark N-/P-reduzierte Fütterung kann ökonomische und ökologische Ziele miteinander verbinden. Bei präziser Rationsgestaltung lassen sich Leistung, Futterkosten und Nachhaltigkeit miteinander in Einklang bringen. Der Schweinemäster muss also nicht zwischen Leistung, Kosten und Nachhaltigkeit wählen. Bei einer präzisen Rationsgestaltung können sich diese Ziele vielmehr ergänzen. Das Projekt kommt entsprechend zu dem Schluss, dass N-/P-reduzierte Fütterungsverfahren ein zentraler Baustein für eine effiziente und nachhaltige Schweinehaltung sind.

Die ausführlichen Projektergebnisse gibt es auf der LfL-Website

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Kälberaufzucht: Hygiene wird bei den Kleinsten GROß geschrieben

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AG Hygiene in der Kälberhaltung des Netzwerk Fokus Tierwohl*

Bei allen bedeutenden Erkrankungen junger Kälber (Durchfall, Lungenentzündung, Nabel- oder Gelenksentzündung) handelt es sich um klassische Faktorenerkrankungen. Das bedeutet, das neben oftmals in allen Rinderhaltungen vorkommenden Krankheitserregern immer auch Umwelt- oder Managementfaktoren am Ausbruch der Erkrankung beteiligt sind. Der wesentliche Grundsatz zur Aufzucht gesunder Kälber ist daher, die Abwehrkraft des Kalbes so hoch und gleichzeitig den Keimdruck so niedrig wie möglich zu halten.

Hygiene im eigentlichen Sinne meint alle Maßnahmen, die der Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit dienen und die zur Vermeidung oder Bekämpfung von Infektionen eingesetzt werden. Landläufig wird der Begriff Hygiene allerdings oft enger interpretiert und mit Reinigungs- und Desinfektionsmaßnamen gleichgesetzt.

Erkrankungen im Kälberalter
Die Wachstumsintensität in den ersten Wochen nach der Geburt wirkt sich auch auf das spätere Leben des Jungrindes aus z.B. auf den Zeitpunkt der ersten Trächtigkeit, auf die Milchleistung in der ersten Laktation aber auch auf die Nutzungsdauer im Betrieb. Das wichtige Ziel hoher Tageszunahmen wiederum wird durch ein komplexes, häufig betriebsspezifisches Netz aus verschiedenen Faktoren beeinflusst. Häufigkeit und Schweregrad von Erkrankungen in der Kälberaufzucht gehören dazu.

Die wichtigste Rolle spielen in den ersten Lebenswochen Durchfall- und Atemwegserkrankungen. Erkrankungen des Nabels und der Gelenke können ebenfalls schwerwiegende Folgen haben, treten gehäuft aber eher auf einzelbetrieblicher Ebene auf. Gleiches gilt für Erkrankungskomplexe aufgrund von Infektionen mit z.B. Salmonellen oder Clostridien.

Grundsätzlich gilt, dass jedes kranke Kalb eines zu viel ist. Nichtsdestotrotz bedarf es Orientierungswerte, ab welchen Erkrankungshäufigkeiten im Betrieb dringender Handlungsbedarf besteht, siehe Tabelle 1. Voraussetzung zur Anwendung von Orientierungswerten ist eine ehrliche und lückenlose Dokumentation im eigenen Betrieb.

Tabelle 1: Orientierungsrahmen mit Ziel- und Alarmwerten für die betriebliche Eigenkontrolle bei Aufzuchtkälbern (bis 6 Monate) zur Einordnung der Erhebungsergebnisse tierbezogener Indikatoren gemäß KTBL-Praxisleitfaden „Tierschutzindikatoren – Rind“, verändert nach Brinkmann et al. (2020)

Häufigkeit und Schweregrad der genannten Erkrankungen werden wiederum durch verschiedene Komponenten beeinflusst. Neben immunmodulierenden Komponenten (Kolostrumversorgung, Energie- und Nährstoffversorgung, Komfort, Stress, Zeitpunkt des Kontakts zum Erreger, etc.) spielt der Erregerdruck, also die Konzentrationen spezifischer und unspezifischer krankmachender Keime in der direkten Umgebung des Kalbes eine entscheidende Rolle. Durch die Umsetzung von Hygienemaßnahmen und die effektive Reduktion dieses Keimdrucks kann das Risiko für Erkrankungen in der Kälberaufzucht minimiert werden.

Die Diagnostik zum Nachweis spezifischer Krankheitserreger ist sicherlich ein wichtiges Instrument. Sie sollte aber im Gesamtkonzept nicht überschätzt werden. So ist das Wissen um spezifische Krankheitserreger von Durchfall- und Atemwegserkrankungen vor allem dann von Bedeutung, wenn erregerspezifische Übertragungswege zu beachten sind oder es z.B. um die Wahl von Desinfektionsmitteln, die Erstellung von Impfprogrammen oder Behandlungskonzepten geht.

Reinigung und Desinfektion
Um Krankheitserregern entgegenzuwirken sind die korrekt durchgeführten Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen wichtig. Nachfolgend werden die wichtigsten Schritte einer Hygienemaßnahme Beispiel einer Abkalbebucht aufgezeigt.

Idealerweise wird die Abkalbebucht im Rein-Raus-Prinzip belegt und die Reinigung findet zwischen der Ausstallung und der Neueinstallung statt. Wird die Bucht kontinuierlich belegt, wie es häufig bei Gruppenbuchten der Fall ist, sollte die Reinigung mindestens alle 2 Wochen erfolgen.

Abbildung 1: Verringerung der Keimdichte (Bakterien/cm2) durch Reinigung und Desinfektion, verändert nach M. Kaske (2008)

In Abbildung 1 ist exemplarisch erkennbar, wie stark die Keim-/Bakteriendichte durch das Reinigen und Desinfizieren abnimmt. Eine häufige Reinigung und Desinfektion hilft, die Übertragungswege zu unterbrechen und senkt damit auch das Risiko des Auftretens von Kälbererkrankungen, wie bspw. Durchfällen (Trotz-Williams et al., 2007; Klein-Jöbstl et al., 2014).

Reinigung
Gemäß der vier Schritte einer optimalen Reinigung in Abbildung 2, wird nach der Ausstallung im ersten Reinigungsschritt mit der Entmistung begonnen. Je mehr Material bei der mechanischen Reinigung entfernt werden kann, desto besser. Anschließend sollten vorhandene Mist- und Futterreste gut eingeweicht werden. Der Einsatz von Reinigungsmitteln, die z.B. mit einer Schaumlanze aufgebracht werden, wird hierfür empfohlen. Durch die enthaltenen Tenside werden auch Fette gelöst und die Grundlage für eine wirkungsvolle Desinfektion geschaffen. Ein Hochdruckreiniger – idealerweise mit Heißwasser – ist für die gründliche Reinigung unerlässlich. Sollten noch (hartnäckige) Verschmutzungen verblieben sein muss der Reinigungsprozess wiederholt werden. Vor der Desinfektion müssen die Flächen vollständig abgetrocknet sein, um eine sichere Wirkung des Mittels zu gewährleisten (Verdünnungsfehler vermeiden).

Eine Beeinträchtigung mit Kälbern belegter Bereiche durch Aerosole (Übertragung von Krankheitserregern und Feuchtigkeit) während der Reinigung sollte vermieden werden. Es bedarf einem gezielten Abfluss der Flüssigkeiten (Vermeidung des Abflusses in belegte Bereiche) und gute Bedingungen zum Trocknen (Luftumwälzung, Sonneneinstrahlung).

Abbildung 2: Durchführung der Reinigung und Desinfektion im Stall, verändert nach Strauch und Böhm (2002), Stoy (1983)

Desinfektion
Die Abkalbebucht muss vor der Desinfektion frei von Verschmutzungen sein, da Schmutz nicht desinfiziert werden kann und aufgebrachte Desinfektionsmittel unwirksam macht (Eiweißfehler)!

Es bedarf einer gezielten Auswahl von Desinfektionsmitteln, die die wichtigsten kälberspezifischen Krankheitserreger aber auch den unspezifischen Keimgehalt effektiv reduzieren. Diese sollten eine Wirksamkeit gegen Bakterien, Viren und Kryptosporidien aufweisen.

Eine von der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) erstellte Übersicht gibt einen guten Überblick darüber, welche Desinfektionsmittel auf dem Markt erhältlich sind, gegen welche Erreger sie eingesetzt werden können und welche Wirkstoffe sie beinhalten. Da Erreger gegen Desinfektionsmittel resistent werden können, sollte die Auswahl immer zielgerichtet gegen die im Stall vorhandenen Erreger ausgewählt und bei Bedarf gewechselt werden (DVG, 2020).

Zu DVG-geprüfte Desinfektionsmittel für den Einsatz in der TierhaltungIn der Datenbank kann nach Produkt, Anwendungsbereich und Einwirkzeit selektiert, sowie gezielt nach Herstellern gesucht werden. Abweichungen in der Konzentration der gebrauchsfertigen Lösung sowie Nicht-Beachtung der Umgebungstemperatur bei der Anwendung (Kältefehler) sind die häufigsten Fehler bei der Anwendung von Desinfektionsmitteln. Daher ist die Gebrauchsanweisung des jeweiligen Desinfektionsmittels unbedingt zu beachten, siehe Abbildung 3: Einflussfaktoren einer erfolgreichen Desinfektion.

Abbildung 3: Einflussfaktoren einer erfolgreichen Desinfektion, verändert nach Müller and Schlenker (2021), Strauch and Böhm (2002), Gauly et al. (2016), Wales et al. (2021), Bremer (2003)

Mit Blick auf die schlechte Umweltverträglichkeit von chemischen Desinfektionsmitteln, gibt es auch die Möglichkeit mit UVC-Licht oder bei hitzebeständigen Materialien mit Dampf oder Feuer zu desinfizieren (Kramer et al., 2010; Raue, R. et al., 2016).

Zum Video: UVC-Desinfektion

Bei der Anwendung des Desinfektionsmittels sollten die drei dargestellten Schritte beachtet werden, siehe Abbildung 4:

Abbildung 4: Durchführung der Desinfektion im Tierstall, verändert nach Bodenschatz (2012), Gauly et al. (2016), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2023)

Desinfektionsmittel sind meist chemisch äußerst reaktive Substanzen, die für den Menschen und das Tier gesundheitsschädlich sein können. Desinfektionsmittelrückstände in Trögen oder Tränken müssen durch Abspülen gründlich entfernt werden. Im Anschluss an die Desinfektion (vollständige Abtrocknung der Mittel) kann ein Leerstand der Abkalbebuchten zu einer weiteren Keimreduktion beitragen. Direkt vor der Einstallung muss jedoch unbedingt das Stagnationswasser aus Tränkeleitungen entfernt und die Tränke(n) mit frischem Wasser befüllt werden.

Die Ausarbeitung ist im Rahmen des bundesweiten Projekts „Netzwerk Fokus Tierwohl” entstanden: Besuchen Sie die Projekthomepage unter www.fokus-tierwohl.de für weitere Informationen.

*Autoren/Mitglieder der AG Hygiene in der Kälberhaltung:
Dr. Alexandra Koch, Tiergesundheitsdienst Sachsen-Anhalt
Dr. Ingrid Lorenz, Tiergesundheitsdienst Bayern
Konstanze Rohwer, Hof Blauer Lieth, Westerrönfeld; Impulsbetrieb
Dr. Andreas Steinbeck, Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH
Dr. Ilka Steinhöfel, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
PD Dr. Julia Steinhoff-Wagner, Tierernährung und Metabolismus, TUM School of Life Sciences

Überraschende Ergebnisse: Tierschutzrelevante Befunde an deutschen Schlachthöfen #TiHo-Tierschutztagung 2026

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Werden Tierschutz-Probleme in Schlachtbetrieben öffentlich diskutiert, geht es in den allermeisten Fällen um die unsachgemäße oder ungenügende Betäubung von Schlachttieren.

Dr. Anika Lücking vom BSI Schwarzenbek hat auf der diesjährigen Tierschutztagung eine retrospektive Analyse von Betriebsüberprüfungen seit 2019 vorgestellt und kam dabei zu recht überraschenden Ergebnissen.

Sie bewertete in ihrer Arbeit sämtliche Abläufe im Schlachthof:
• Anlieferung an der Rampe,
• Wartebereich,
• Zutrieb,
• Betäubung,
• Entblutung,
• betriebliche Eigenkontrolle.

Es wurden insgesamt 62 Betriebsbesuche auf 45 verschiedenen Rinder- und Schweineschlachtbetrieben in acht Bundesländern in die Untersuchung einbezogen. Die 38 Rinderschlachtbetriebe wandten die Bolzenschussbetäubung an, von den 24 Schweineschlachtbetrieben setzen 13 Elektro- und 11 CO2-Betäubung ein.

Grundlage der Bewertung waren die TierSchlV VO 1099/2009 und das Handbuch Schlachtung des bsi. Das angewandte bsi-Bewertungsschema ist vierstufig: Positiv (1), verbesserungswürdig (2), nicht ausreichend (3) und akut tierschutzrelevant (4).

Alle Betriebsbereiche wurden bewertet und insgesamt 94 Einzelpunkte einbezogen, aus deren Bewertung sich dann eine Gesamtbeurteilung ergab. Wird ein Unterpunkt mit (3) oder (4) bewertet, kann das Gesamtergebnis nicht mehr positiv ausfallen. Liegen zwei Unterpunkte bei (3) oder (4), lautet die Gesamtbeurteilung „nicht ausreichend“.

Betrachtet man die verschiedenen Stationen im Schlachthaus und bewertet sie jeweils mit positiv (p), verbesserungswürdig (v) oder nicht ausreichend (n) ergibt sich folgendes Bild:

Entgegen der landläufigen Erwartungen ist die Betäubung gar nicht das größte Problem. Über 80%-90% der Betriebe werden in den drei Unterkategorien mit (1) oder (2) bewertet. Deutlich schlechter sieht es dagegen in den vorgelagerten Bereichen aus.

Anlieferung
Sollen Rinder oder Schweine vom LKW abgeladen werden, darf es z. B. keine Hindernisse oder Ablenkungen geben (Schienen, reflektierende Gegenstände, wechselnde Bodenbeläge, verschmutzte, rutschige Böden, Stufen). Denn die Tiere sollten möglichst verhaltensgerecht und weitestgehend selbstständig laufen und nicht ständig angetrieben werden müssen.

Die Entladerampe sollte keine starke Abwärtsneigung aufweisen und bei der betrieblichen Überwachung muss insbesondere auf Tiere geachtet werde, die einen erhöhten Betreuungsbedarf haben, etwa verletzte Schweine oder ausrangierte Milchkühe und Kühe mit prallvollen Eutern. Und natürlich sollte die Wartezeit vor der Entladung so gering wie möglich ausfallen.

Wartestall
Hier kommt es auf eine passende Aufteilung des Stalls an: trittfeste Böden, geeignete und zwischengereinigte Liegeflächen sowie Seitenschutz. Hier, wie schon bei der Anlieferung, gilt es Lärm zu vermeiden (etwa durch klirrende Ketten). Jederzeit muss auch die Wasserversorgung gewährleistet und ein Aufsprungschutz vorhanden sein (insbesondere wenn auch Bullen aufgestallt werden).

Sehr große Buchten, in denen verschiedene Tiergruppen zusammenkommen und dadurch alle Tiere zusätzlich gestresst werden, sind ebenfalls nicht tierschutzgerecht. Bei Schweinen kommt es hier immer wieder zu Problemen mit Rangkämpfen, die zu Verletzungen und auch zu Kreislaufproblemen führen. Eigentlich ist der Wartestall aber dazu da, die Tiere nach dem Transport nochmals zur Ruhe kommen zu lassen.

Zutrieb
Hier ist das Grundlayout oft schon ein Problem. Häufige Richtungswechsel, Bodenveränderungen, enge Kurven, Pfützen, Reflexionen, offene Wände, die den Blick nach allen Seiten freigeben und die Tiere ebenso stressen, wie offene Fenster. Wie schon beim Abladen sollten beim Zutrieb Rinder und Schweine selbstständig laufen und nicht ständig angetrieben werden müssen.

Häufig ist auch der Blick in die Schlachthalle frei und vor allem der dortige Lärm zu hören. Bei Rindern gäbe es auch oft zu kurze (zu alte) Fallen, für immer größer werdende Tiere, führte Dr. Anika Lücking weiter aus. Bei Schweinen in CO2 Betrieben bemängeln die Fachleute vom bsi oft die Treibsschilder, weil sie entweder zu viel Druck ausüben oder klapprig sind und eine Verletzungsgefahr darstellen.

Durchführung der Betäubung
Hier sieht das bsi hauptsächlich Probleme bei der Geräte-Anzeige der Schlüsselparameter, Fehleranzeigen und die entsprechende Aufzeichnung, vor allem bei Elektro- und CO2 Betäubung.

Selbstverständlich muss beim Einsatz von Elektrozangen die sichere Herzdurchströmung gewährleistet sein, wie beim Rind der korrekt angesetzte Bolzenschuss. Auch sind Instandhaltung und Reinigung der Bolzenschussgeräte – gerade in Kleinstbetrieben – immer wieder ein Problem.

Wesentlich ist auch die Kontrolle der Betäubung während der Entblutung, also direkt nach der Betäubung bis zum Stich. Das Tier sei ja nicht sofort tot, aber bei der Kontrolle gäbe es immer wieder Mängel, weil nicht genug drauf geachtet würde und teilweise auch nicht geachtet werden könne, wenn die Tiere gleich hinter einer Wand verschwinden, erklärte die Referentin.

Betäubungseffektivität
Bei der Betäubungseffektivität wurden bei 62 Untersuchungen bei fünf Betrieben Mängel festgestellt. Die betroffenen (vor allem kleineren) Betriebe setzten Bolzen- oder Elektrobetäubung ein. Zwischen 0,6-16% (!) der Tiere wurden dort nicht ausreichend betäubt. Ursächlich seien dabei meist mehrere Faktoren: schwache Geräte, zu geringe Stromstärken, Wartungsmängel, später und mangelhafter Stich und mangelnde Sachkunde, z. B. beim Ansatz.

Gerade hier könne sie sich den Einsatz von KI, zumindest als Unterstützung, sehr gut vorstellen, betonte Dr. Anika Lücking am Schluss ihres Vortrags.

Tierschutzgerechter Einsatz von Herdenschutzhunden #TiHo-Tierschutztagung 2026

Eine Arbeitsgruppe der TVT (Tierärztliche Vereinigung Tierschutz e. V.) hat sich Gedanken gemacht, zum tierschutzgerechten Einsatz von Herdenschutzhunden (HSH). Anlässlich der Tierschutztagung 2026 fasste Dr. Peter Blanché die zentralen Aspekte zusammen.

Alle Rassen, wie z. B. Kangal, Ovchanka, Pyrenäenberghund, Maremmano, Mastin oder Castro Laboreiro, haben eine genetische Disposition gemein, in der Territorialverhalten, Wachsamkeit, Abwehr, Drohverhalten und Teamarbeit angelegt sind. Deswegen (und aufgrund ihrer Größe) sind diese Hunde geeignet Wölfe erfolgreich abzuwehren.

Haltung
Wer Herdenschutzhunde hält muss einige Punkte stets beachten:
• es müssen immer mindestens zwei Hunde gehalten werden,
• eine tägliche Kontrolle ist Pflicht,
• mindestens tägliche Fütterung,
• ständiger Zugang zu Wasser,
• geeigneter Witterungsschutz (aber nicht unbedingt eine Hütte),
• auch im Winter ausreichender Auslauf
• und ganzjähriger Kontakt zu Nutztieren.

Sozialisation
Herdenschutzhunde brauchen nicht unbedingt den Menschen als ständigen Sozialpartner, sondern mindestens einen weiteren Herdenschutzhund. Bei Sozialisation und Entwicklung der HSH ist es wichtig, dass die Geburt bereits im Herdenumfeld erfolgt (Wurfkiste im Stall). Auch Kontakt zu Mutter, Geschwistern und Menschen muss von Anfang an gewährleistet sein.

Ab der 4. Lebenswoche sollte der Erstkontakt mit anderen Hunden und – in einem abgetrennten Raum – auch mit einigen sehr verträglichen Nutztieren stattfinden. Dabei sollte ein geeigneter Rückzugsort vorhanden sein: ein Welpenschlupf, dessen Eingang zu klein für Nutztiere ist.

Ab der 8. Woche können die Welpen in eine kleinere Herde umziehen. Eine schrittweise Einführung fördert hier den Aufbau einer Bindung. Die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Tierarten muss erlernt werden, die Hunde müssen Respekt vor den Nutztieren haben, z. B. auch mal zur Seite gehen und sie als Sozialpartner annehmen. Zu intensives Spielen und Jagen sollte sofort unterbunden werden. Wichtig in der frühen Phase ist, die Hunde nicht zu überfordern, sie etwa sofort in eine große Herde zu schicken.

Ausbildung
Ziel der Ausbildung ist, dass HSH ihre Herde ohne Anweisungen des Menschen eigenständig bewachen. Die Herausforderung liegt darin, dass auch die Ausbildung nicht unter ständiger Aufsicht des Menschen erfolgt. Einige Grund Kommandos müssen sie jedoch kennen, etwa ein Abbruchssignal zur Unterbindung von Fehlverhalten wie Jagen und z. B. auch mal an der Leine gehen, ins Auto einsteigen, zum Tierarzt gehen.

In erster Linie jedoch müssen sie ihre angeborenen Fähigkeiten, während einer langsamen und schonenden Sozialisation mit den Weidetieren, in der Zusammenarbeit mir erfahrenen Hunden durch Nachahmen lernen.

Gewöhnung an den Elektrozaun
„Ein Elektrozaun ist nicht unbedingt, was man sich im Sinne des Tierschutzes wünscht, aber er hält die Wölfe am besten ab“ sagte Dr. Blanché. Der eingezäunte Bereich muss groß genug sein, darf aber keine Ecken haben, in denen sich Tiere verfangen können. Außerdem dürfen die Maschen des Zaunes nicht so eng sein, dass ein Hund versehentlich hängen bleiben kann. Gerade ein kleiner Welpenkopf passt manchmal hindurch, aber ein Geflügelnetz schafft hier Sicherheit.

Vor dem Zauntraining muss der Welpe erfahren haben, dass er angstfrei durch Zaunöffnungen und Tore gehen kann; auch das Übungsgelände muss im bekannt sein. Niemals darf ein Welpe aktiv an einen Elektrozaun gelockt oder geführt werden, weil dann Vertrauensverlust zur Bezugsperson droht. Zauntraining sollte frühestens ab der 8. Lebenswoche beginnen. Allerdings kann dies mit dem Zeitpunkt des Verkaufs kollidieren. Direkt nach Abgabe des Hundes sollte das Training mit fremden Menschen und in fremder Umgebung jedoch nicht stattfinden.

Verhalten
• HSH sollen eine vertrauensvolle Bindung an den Betreuer haben,
• Grundgehorsam zeigen,
• unbefangen und neutral gegenüber nicht-bedrohlich auftretenden Fremde sein
• und Passanten nicht gefährden,

• Weidetiere respektieren,
• sie nicht beunruhigen und nicht verletzen,
• eine Bindung zu den Weidetieren aufbauen
• und Herdentreue zeigen,

• HSH sollen Territorialverhalten zeigen, also
• das Weidegebiet sicher annahmen,
• den Zaun zügig ablaufen
• und ihr Territorium markieren (um Wölfen zu signalisieren, dass es besetzt ist).

Zauntreue ist wichtig! HSA sollen zuverlässig innerhalb der eingezäunten Weide bleiben und den Zaun weder untergraben, noch überspringen, um eine Gefährdung von Passanten zu verhindern.

• HSH sollen wachsam sein und Schutz garantieren,
• Droh- und Imponierverhalten zeigen,
• aber den Hund eines Spaziergängers nur am Zaun „begleiten“.

Das Schutzverhalten soll nur in Verbindung mit der Herdentreue gezeigt werden. HSH sind keine „Kampfhunde“.

Eingliederung in die Weidetier-Herde
Auch wenn man gut ausgebildete, erwachsene Hunde kauft, muss man sie schrittweise eingliedern und mit wenigen, ruhigen Herdentieren beginnen. Ist die Herde Hunde bereits gewöhnt, ist dies unproblematisch. Sind die Weidetiere jedoch bereits durch Wölfe traumatisiert, wird die Eingliederung schwierig. In diesem Fall kann man einen zweiten Zaun aufstellen, der Hunde und Weidetiere trennt und letzteren Zeit gibt, sich an die Hunde zu gewöhnen. Auch kann der Betreuer HSH zunächst angeleint durch die Herde führen. Arbeiten bereits HSH in der Herde, müssen neu hinzukommende HSH zunächst an die „alten“ Artgenossen – außerhalb der Nutztierherde – gewöhnt werden.

Althunde
Entsprechend ihrer Körpergröße beginnt das Seniorenalter bei HSH mit 7-8 Jahren. Zeigen sich altersbedingte Einschränkungen, können Althunde in der Herde verbleiben, wenn jüngere Hunde den Schutz gewährleisten. Sie können auch bei einer kleinen Nutztiergruppe – auf einer separaten Fläche – bleiben und eventuell auch als „Welpen-Lehrer“ fungieren.

Abschließend mahnte Dr. Blanché: Wenn ein HSH seine Aufgaben trotz intensiven Trainings nicht erfüllen kann, muss eine andere Aufgabe für das Tier gefunden werden, z. B. die Bewachung des Betriebsgeländes. Einen HSH ohne vernünftigen Grund zu töten, verstößt gegen das Tierschutzgesetz (§17) und ist strafbar!

30.000 Euro für Engagement zur Verbesserung des Tierschutzes

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Niedersächsischer Tierschutzpreis – Vorschläge bis 01. Dezember 2026 einreichen

Mit einem Preisgeld in Höhe von insgesamt 30.000 Euro zeichnet das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Personen oder Institutionen aus, die sich in Niedersachsen besonders stark für den Tierschutz einsetzen. Die Ehrung ist in diesem Jahr anders als sonst nicht auf ein bestimmtes Tätigkeitsfeld oder eine bestimmte Tierart beschränkt. Vorschläge für den Tierschutzpreis können bis zum 01. Dezember 2026 eingereicht werden.

Tierschutzministerin Miriam Staudte:
„Auch 2027 möchte ich mit dem Niedersächsischen Tierschutzpreis Menschen auszeichnen, die sich in besonderem Maß für den Tierschutz engagieren. Der Preis ist ein Dank und ein Zeichen unserer Anerkennung für dieses wichtige Engagement. Jede Tierart hat besondere Bedürfnisse, denen wir gerecht werden müssen. Das ist nicht immer einfach – etwa, wenn sich Tierhalterinnen und Tierhalter der Verantwortung für ein Tier nicht ausreichend bewusst sind, steigende Kosten die Versorgung erschweren oder in landwirtschaftlichen Betrieben die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden muss.“

Einzelpersonen, Tierschutzvereine, Nichtregierungsorganisationen (NGO), Stiftungen, Einrichtungen aus Forschung und Lehre sowie alle anderen Akteure, die sich besonders für den Tierschutz einsetzen, können sich bewerben oder vorgeschlagen werden.

Ministerin Miriam Staudte weiter: „Engagieren Sie sich in besonderer Art und Weise in der Tierschutzbildung oder setzen Sie sich dafür ein, dass landwirtschaftliche Nutztiere nach Standards, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen, gehalten werden? Haben Sie zum Beispiel eine App programmiert, über die wichtige Informationen zu Tieren abrufbar sind, oder ein Fachbuch geschrieben, das sich dem Schutz unserer Tiere widmet? Verfassen und verbreiten Sie Berichte, die auf systematische Probleme in der Tierhaltung, beim Transport oder bei der Schlachtung hinweisen? Auch technische Entwicklungen, die den Tierschutz in größeren Betrieben verbessern oder zusätzliche Kontrollmöglichkeiten schaffen, können einen wichtigen Beitrag leisten. Wenn Sie sich in besonderer Weise für den Tierschutz einsetzen oder jemanden kennen, auf den dies zutrifft, bewerben Sie sich oder schlagen Sie uns diese Person oder Institution für den Niedersächsischen Tierschutzpreis vor!“

Bitte senden Sie uns Ihren Vorschlag oder Ihre Bewerbung mit einer Begründung oder einer kurzen Beschreibung bis zum 01. Dezember 2026 schriftlich oder elektronisch. Sie können für Ihren Vorschlag das Formular nutzen, das wir weiter unten auf dieser Seite zum Download anbieten.

Bitte richten Sie Ihren Vorschlag an:
Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Referat 204
Calenberger Straße 2
30169 Hannover

Hintergrund:
Der Niedersächsische Tierschutzpreis wird 2027 zum fünften Mal verliehen. Hier finden Sie die Pressemitteilung zum vierten Tierschutzpreis:

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Mastitis: Schulung des Personals gut für Melkroutine, Eutergesundheit und Milchqualität (AdA)

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Aus dem Archiv (AdA 6/2024) und immer noch aktuell

Neben den verschiedenen landwirtschaftlichen Verfahren ist eine durchdachte Melkroutine entscheidend, um Mastitis vorzubeugen und die Sicherheit und Qualität der Milch zu verbessern. Die unzureichende Einhaltung der Melkroutinen bleibt jedoch ein Hauptfaktor, der zur Variabilität der Milchqualität in Herden beiträgt. Die Schulung der Mitarbeiter ist unerlässlich, um die Einhaltung der Melkroutinen sicherzustellen, die sich direkt auf die Milchqualität und Eutergesundheit auswirken. Ziel dieser Studie* war es, die Auswirkungen einer Schulung auf das Verständnis der Mitarbeiter für die Melkroutine, Verhaltensänderungen während des Melkens und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Milchqualität und Eutergesundheit zu untersuchen.

An dem Projekt nahmen Mitarbeiter (n = 112) von 16 kommerziellen Milchviehbetrieben in Michigan und Ohio teil. Die Schulung wurde mit einem aktiven Lernansatz durchgeführt, bei dem Gruppendiskussionen im Vordergrund standen. Der Schwerpunkt lag auf der Pathogenese, Identifizierung und den Risikofaktoren für Mastitis sowie auf den Gründen und der Bedeutung jedes einzelnen Schritts im Melkablauf. Vor und nach der Schulung wurden Bewertungen durchgeführt, um Wissensveränderungen zu messen. Die Melkstände wurden bewertet, um Verhaltensveränderungen festzustellen. Daten aus klinischen Mastitisfällen und der somatischen Zellzahl im Milchtank wurden verwendet, um die Eutergesundheit und Milchqualität abzuschätzen.

Schulung sorgte für mehr Sorgfalt
Zur Beurteilung der Auswirkungen der Schulungsmaßnahme wurden segmentierte und lineare gemischte Regressionsanalysen verwendet. Die Teilnehmer waren überwiegend Melktechniker (61,1 %), wobei 70 % von ihnen weniger als ein Jahr Erfahrung hatten und im Durchschnitt seit 9 Monaten in ihrem Beruf tätig waren. Die Kenntnis der Melkroutine erhöhte sich nach der Schulung von 49,3 % auf 67,6 % der richtigen Antworten. Basierend auf Bewertungen im Melkstand erhöhte sich die Kontaktzeit des Desinfektionsmittels vor dem Melken um 9 s pro Kuh. Der Anteil der Melkvorgänge mit unzureichender Vorbereitungszeit sank von 69 % (vor der Schulung) auf 48 % (nach der Schulung).

Der Anteil unzureichender Zitzenbedeckung während der Desinfektion nach dem Melken sank von 9,8 % (77 von 782) vor dem Training auf 5,9 % (34 von 572) nach dem Training. In der Woche unmittelbar nach dem Training gab es einen deutlichen Anstieg klinischer Mastitisfälle. Die Wissenschaftler*innen vermuten, dass dies mit gesteigerter Aufmerksamkeit für das Entdecken von klinischer Mastitis zusammenhängt. Darüber hinaus wurde der Aufwärtstrend bei der somatischen Zellzahl im Sammeltank gestoppt. Die Ergebnisse deuten auf eine Verbesserung der allgemeinen Mastitiserkennung und der Milchqualität hin und unterstreichen die Bedeutung gezielter Schulungsprogramme für Mitarbeiter zur Verbesserung der Einhaltung der Melkroutine, der Verbesserung der Milchqualität und der Förderung einer besseren Eutergesundheit.

Mehr Zufriedenheit und Engagement
Die Schulung der Mitarbeiter hatte einen positiven Einfluss auf ihr Wissen und ihre Praktiken im Zusammenhang mit Melkroutinen und erzeugte Zufriedenheit und die Bereitschaft, Melkprotokolle einzuhalten. Darüber hinaus wirkte sie sich positiv auf die Praktiken zur Zitzendesinfektion nach dem Melken aus. Angesichts der Schlüsselrolle, die Mitarbeiter für die Milchqualität spielen, sollten regelmäßige Schulungen und Beurteilungen daher Teil ihrer Entwicklung in kommerziellen Milchviehbetrieben sein.

Studie*: Zelmar Rodriguez et al.: Impact of training dairy farm personnel on milking routine compliance, udder health, and milk quality. Journal of Dairy Science, Articles in Press, November 07, 2024

Quelle: Der Hoftierarzt, Dr. Heike Engels

Auf Anforderung schicken wir Ihne auch gerne die komplette Ausgabe des E-Magazins 6/2024 (PDF, 10,0 MB). Senden Sie einfach eine E-Mail an wengenroth@der-hoftierarzt.de

Die faszinierende Welt der Bienen: Tag der offenen Tür im LAVES Institut für Bienenkunde Celle – Sonntag, 6. September, 10.30 Uhr bis 17 Uhr

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Bienen sind klein, kommunikativ, perfekt organisiert, lebenswichtig und unersetzlich im Kreislauf der Natur. Mehr als 20.000 Bienenarten gibt es weltweit, doch nur wenige von ihnen produzieren Honig oder Bienenwachs. Dennoch leisten alle Bienen eine unschätzbare Arbeit. Durch ihre Bestäubungstätigkeit spielen sie eine ökologisch und ökonomisch wichtige Rolle: In der Produktion und Qualitätssicherung von hochwertigen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und Nüssen und nicht zuletzt auch bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt. Während alle der über 566 Wildbienenarten Deutschlands sowie zahlreiche andere Insekten zur Deckung der Bestäubung im Lande beitragen, sind Honigbienen durch ihre leichte Handhabung unvergleichlich.

Einblicke in die Welt der Bienen – sowohl Honig- als auch Wildbienen – und Imkerei können Besucherinnen und Besucher bei dem diesjährigen Tag der offenen Tür im Institut für Bienenkunde Celle (IB Celle) des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) am Sonntag, 6. September, von 10.30 Uhr bis 17 Uhr, bekommen. Das Institutsgelände liegt am Rande der Celler Altstadt direkt am Französischen Garten, Herzogin-Eleonore-Allee 5.

Wie entsteht eigentlich Honig und wie kommt er ins Glas? Wie werden Königinnen gezüchtet? Wie organisiert sich das Bienenvolk? Wie führt man einen insektenfreundlichen Garten, der den Anforderungen des Klimawandels gewachsen ist? – Der Tag der offenen Tür bietet Gästen die Gelegenheit, sich über das Leben von Bienen, die Imkerei und die Arbeitsfelder des Instituts zu informieren.

Wie vielfältig die Aufgaben des Celler Instituts sind, können die Besucherinnen und Besucher an Informationsständen der einzelnen Fachbereiche und bei praktischen Demonstrationen erfahren. Die Themen reichen hierbei von der Honig- und Wachsproduktion über die Zucht von Bienenköniginnen, die Vorbeugung und Behandlung von Bienenkrankheiten bis hin zu Untersuchungstätigkeiten in der Qualitätskontrolle von Honig.

Über den Betrieb der institutseigenen Imkerei und die Laborarbeit im Bereich der Honig- und Pollenanalyse sowie der Diagnostik von Bienenkrankheiten hinaus unterhält das Institut einen Imkerfachberatungsdienst, der landesweit Imkerinnen und Imker berät und bei anspruchsvollen Maßnahmen, beispielsweise der krankheitsbedingten Sanierung von Bienenbeständen, unterstützt.

Neben diesen Tätigkeitsbereichen bildet das Institut auch Tierwirtinnen und Tierwirte der Fachrichtung Imkerei aus, sowohl in der innerbetrieblichen Ausbildung mit bis zu acht Azubis, als auch als bundesweit einzige Berufsschule für den fachspezifischen Berufsschulunterricht im sogenannten „Winterblock“.

Das LAVES ist eine zentrale Behörde des gesundheitlichen Verbraucherschutzes in Niedersachsen. Es ist landesweit zuständig für die Untersuchung und Beurteilung von amtlichen Proben aus allen Prozess- und Produktionsstufen der Lebensmittelkette. Das IB Celle ist eines von sechs Instituten des LAVES und ein in Niedersachsen einzigartiges Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung. Fünf weitere Institute gehören zum LAVES: zwei Lebensmittel- und Veterinärinstitute (Oldenburg, Braunschweig/Hannover), das Institut für Fische und Fischereierzeugnisse (Cuxhaven), das Institut für Bedarfsgegenstände (Lüneburg), und das Futtermittelinstitut (Stade). Darüber hinaus erfüllt das LAVES unmittelbare Vollzugsaufgaben in den Bereichen Futtermittel-, Tierarzneimittel- und Marktüberwachung sowie Ökologischer Landbau. Des Weiteren berät es die kommunalen Behörden in Fragen der Lebensmittelüberwachung, im grenzüberschreitenden Handel, der Tiergesundheit, der Schädlingsbekämpfung und des Tierschutzes.

Quelle: Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit