Dürre macht Hummeln schwer zu schaffen

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Dürre mindert den Fortpflanzungserfolg von Hummelvölkern erheblich. Das zeigt eine neue Studie eines Forschungsteams der Universität Würzburg. Das hat auch Konsequenzen für die Bestäubung von Pflanzen.

Wie hat sich das Dürrejahr 2022 in Unter- und Oberfranken auf eine bestimmte Hummelart ausgewirkt? Welche Unterschiede zeigen sich zu dem klimatisch durchschnittlichen Jahr 2024? Diesen Fragen ist ein Forschungsteam des Lehrstuhls für Tierökologie und Tropenbiologie (Zoologie 3) der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) nachgegangen. Seine Ergebnisse zeigen, dass Dürrejahre die Kolonieentwicklung deutlich beeinträchtigen: Sowohl Lebensdauer als auch Koloniegewicht und die Produktion von Königinnen und Männchen sind dann stark reduziert.

„Unsere Arbeit ist die erste Studie, die einen negativen Effekt von Dürren auf die Reproduktion von Hummeln feststellen konnte“, beschreibt Erstautor Hanno Korten das zentrale Ergebnis. Klassischerweise konzentrieren sich Studien mit Hummelkolonien auf die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris); in diesem Fall hat das Team jedoch die Auswirkungen von Dürrejahren auf die Ackerhummel (Bombus pascuorum) unter die Lupe genommen.

Ein wichtiger Indikator für den Zustand der Biodiversität
Diese langrüsselige Art zählt zu den sogenannten „Pocket-Makern“. Sie lagern Blütenpollen in speziellen Taschen am Nest, aus denen sich die Larven eigenständig versorgen. Diese Biologie macht sie anfälliger als Arten, deren Larven direkt von erwachsenen Tieren gefüttert werden. In Bayern gehören 82 Prozent der gefährdeten Hummelarten zu dieser Gruppe langrüsseliger Hummeln, was die Ackerhummel zu einem wichtigen Indikator für den Zustand der Biodiversität macht.

Im Rahmen der Studie haben Hanno Korten und der Lehrstuhlinhaber Ingolf Steffan-Dewenter an insgesamt 25 Standorten in Ober- und Unterfranken den Zustand der Hummelkolonien erfasst und dabei das Dürrejahr 2022 mit dem Jahr 2024 verglichen. Die Ergebnisse haben sie jetzt in der Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences“ veröffentlicht.

Hummelvölker verlieren dramatisch an Gewicht
Als zentraler Maßstab für die Fitness und die Anzahl der verfügbaren Arbeitskräfte gilt in der Ökologie das maximale Gewicht einer Kolonie. Ein geringes Koloniegewicht bedeutet weniger Individuen für die Nahrungssuche, was die Bestäubungsleistung im Umfeld direkt reduziert, da weniger Blüten in vergleichbaren Zeiträumen besucht werden können.

„Unsere Untersuchung zeigt eine deutliche Differenz zwischen den beiden Jahren: Ungefütterte Völker erreichten im Dürrejahr ein Durchschnittsgewicht von lediglich etwa 14 Gramm, während sie im Normaljahr auf rund 140 Gramm anwuchsen“, sagt Hanno Korten. Dies entspricht einem zehnfachen Anstieg beziehungsweise einem Zuwachs von über 900 Prozent unter günstigen klimatischen Bedingungen.

Eine zusätzliche Zufütterung mit Zuckerwasser steigerte das Gewicht im Dürrejahr zwar auf das Fünffache gegenüber nicht gefütterten Völkern, konnte die Defizite im Vergleich zu einem Normaljahr jedoch bei weitem nicht ausgleichen. „Die Belastung durch Trockenheit ist offensichtlich so hoch, dass reine Kohlenhydratgaben die Vitalität der Staaten nur bedingt stabilisieren können“, sagt Korten. Wenn Kolonien derart geschwächt sind, sinkt ihre tägliche Arbeitsleistung, was die Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen unmittelbar beeinträchtigt.

Anzahl an Königinnen geht deutlich zurück
Dieser Gewichtsverlust ist jedoch nur die Vorstufe für ein weit gravierenderes Problem: den fast vollständigen Ausfall der Folgegeneration. „Die langfristige Stabilität einer Population hängt von der Produktion neuer Königinnen ab, die als einzige Individuen den Winter überleben und im Folgejahr neue Staaten gründen“, erklärt Ingolf Steffan-Dewenter. Wenn keine Geschlechtstiere für die nächste Saison nachkommen, sei „ein Überleben des Volkes im Sommer zwar ein Beitrag zur Bestäubung, für den Erhalt der Population aber wertlos“.

Die Studie dokumentiert eine signifikante Verringerung der Reproduktionsraten: Während im Dürrejahr lediglich 45 Prozent der Völker Nachkommen produzierten, waren es im Normaljahr 91 Prozent. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Anzahl der neuen Königinnen. Bei nicht gefütterten Völkern stieg deren Zahl von durchschnittlich nur 0,4 im Dürrejahr auf 13,5 im Normaljahr – ein Anstieg auf das mehr als 30-Fache.

Die Forschenden identifizierten dabei den Pollenmangel als den entscheidenden Flaschenhals. Während die Gabe von Zuckerwasser als Nektarersatz die Produktion von Männchen begünstigte, hatte sie keinen signifikanten Einfluss auf die Zahl der produzierten Königinnen. Da Pollen die notwendige Proteinquelle für die Larvenentwicklung darstellt, führt sein Fehlen während einer Dürre zu einem fast vollständigen Ausfall des weiblichen Nachwuchses. Für die Population bedeutet dies ein erhebliches Risiko: Bleiben die Königinnen aus, steigt das Risiko für ein lokales Aussterben im Folgejahr. Dies bedroht die Bestäubungssicherheit und damit auch die Erträge in der Landwirtschaft sowie die Vielfalt der Wildpflanzen.

Gezielte Maßnahmen in der Landschaftsplanung gefordert
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass selbst ökologisch hochwertige Habitate wie Kalkmagerrasen in Dürrezeiten kein ausreichendes Refugium bieten, wenn kein aktives Naturschutzmanagement eingreift. Um die Resilienz der Bestäuber gegenüber Extremwetterereignissen zu erhöhen, sind gezielte Maßnahmen in der Landschaftsplanung erforderlich, so die Forschenden.

Eine zentrale Strategie ist die Förderung von schattenspendenden Bäumen in ansonsten offenen Habitaten, um kühlere Flächen zu schaffen. Ebenso wichtig sei die Wiederherstellung von Feuchtgebieten und die Umsetzung von Maßnahmen, die das Rückhaltevermögen von Wasser im Boden großflächig verbessern. In der Agrarlandschaft sollte der Fokus verstärkt auf die Anpflanzung trockenresistenter, sommerblühender Pflanzen gelegt werden, um das Nahrungsangebot auch in Trockenperioden lückenlos aufrechtzuerhalten.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Arbeitszeit sparen bei der Ferkelimpfung: Erfahrungen nach einem Jahr Vierfachschutz

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Rund vier Stunden weniger Arbeitszeit pro Impftermin: Diese Zeitersparnis berichtet ein Schweinebetrieb, der von Einzelimpfungen auf einen Vierfachschutz in einem Arbeitsgang umgestellt hat. Möglich wird dies durch einen vor einem Jahr von MSD Tiergesundheit eingeführten intradermalen Kombinationsimpfstoff gegen Porcines Circovirus Typ 2 (PCV2) und Mycoplasma hyopneumoniae (M. hyo). Dadurch werden die Arbeitsabläufe im Ferkelstall effizienter. Im Beispielbetrieb mit 5400 Ferkelimpfungen im Jahr summiert sich der Zeitgewinn auf 68 Arbeitsstunden jährlich.

Nach zwölf Monaten Praxisanwendung wurden in Deutschland bereits mehr als eine Million Impfungen mit dem intradermalen Kombinationsimpfstoff durchgeführt.

Das Prinzip dahinter: Der intradermale Kombinationsimpfstoff deckt PCV2 (Cirko) und Mycoplasma hyopneumoniae (Myko) ab und lässt sich mit einem Lawsonien Impfstoff mischen sowie gleichzeitig mit einem PRRS Impfstoff applizieren. Mithilfe des IDAL® Twin Geräts können Ferkel so gegen die wichtigsten vier Erreger in nur einem Arbeitsgang geimpft werden.

Der Zeitgewinn ergibt sich aus dieser Bündelung der Impfmaßnahmen. Statt bis zu vier Einzelinjektionen lassen sich so Impfdurchgänge verschlanken und der personelle Aufwand reduzieren – ein relevanter Faktor insbesondere hinsichtlich Arbeitsressourcen und Wirtschaftlichkeit.

Ein Schweinehalter aus einem Betrieb mit 3 Wochen Rhythmus, der auf das IDAL®-Konzept umgestellt hat, berichtet: „Wir sparen bei jedem Impftermin etwa vier Stunden. Hochgerechnet aufs Jahr sind das bei uns 68 Stunden weniger Arbeitszeit – und wir brauchen beim Impfen keine zusätzliche Hilfe mehr.“

Neben der Zeitersparnis nennen Betriebe vor allem eine bessere Planbarkeit der Arbeitsabläufe und eine spürbare Entlastung für Familie und Mitarbeitende. Das IDAL® Konzept vereinfacht Impfprozesse und reduziert den zeitlichen und personellen Aufwand im Stall.

Quelle: MSD Tiergesundheit

Klimaerwärmung verändert den Schlupfzeitpunkt von Bienen und Wespen

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Ein groß angelegtes Experiment zeigt: Wärme holt Bienen und Wespen früher aus der Winterruhe – viele von ihnen haben dann schlechtere Startbedingungen. Das gilt besonders für Arten in kühleren Regionen, die im Frühling schlüpfen.

Die meisten Wildbienen überwintern als verpuppte Larven in ihren Kokons im Boden, in Holz oder an anderen geschützten Orten. Arten, die im zeitigen Frühjahr schlüpfen, überwintern als voll entwickelte Erwachsene im Kokon. Dagegen müssen Arten, die im Sommer schlüpfen, ihre Entwicklung im Frühjahr noch abschließen.

Weltweit verändert der Klimawandel den Zeitpunkt, zu dem Insekten im Frühjahr oder Sommer aus ihrer Winterruhe erwachen. Diese Verschiebungen können Folgen haben: Wenn Insekten wegen höherer Temperaturen zu früh schlüpfen, finden sie eventuell noch nicht die Blüten oder die Beutetiere, von denen sie sich ernähren. Außerdem verbrennen sie ihre lebenswichtigen Fettreserven bei höheren Temperaturen schneller. Das kann ihre Überlebenschancen und Fortpflanzungsmöglichkeiten verringern.

Insekten von 160 Standorten in Bayern untersucht
Wie steht es um die körperliche Fitness von Bienen und Wespen, wenn sich die Temperaturen rund um den Schlupfzeitpunkt verändern? Das hat ein Team um Dr. Cristina Ganuza und Professor Ingolf Steffan-Dewenter vom Biozentrum der Universität Würzburg untersucht. Dazu betrachteten die Forschenden fünf wildlebende Bienen- und Wespenarten, die in Bayern vorkommen und zu unterschiedlichen Jahreszeiten schlüpfen.

Für die Studie stellte sich das Team einer Mammutaufgabe: Es sammelte fast 15.000 in Winterruhe befindliche Individuen aus über 160 Regionen in Bayern und zog sie dann an der Uni unter kontrollierten kalten, warmen und heißen Frühjahrsbedingungen auf, um verschiedene Klimaszenarien nachzustellen.

Weibchen verlieren bis zu 34 Prozent ihrer Körpermasse
Alle fünf Arten schlüpften bei wärmeren Frühlingstemperaturen früher. Doch dabei unterschieden sich die Populationen nach ihrer klimatischen Herkunft: Frühjahrsarten aus wärmeren Regionen wie Unterfranken erschienen bei warmen Frühlingstemperaturen besonders früh und behielten in der Zeit danach mehr Körpermasse als Individuen aus kühleren Regionen wie dem Bayerischen Wald.

Im Gegensatz dazu schlüpften bei den Spätsommerarten nur die Individuen aus kühleren Regionen früher. Weibchen der Sommerarten verloren unter wärmeren Bedingungen schneller an Körpermasse – in einigen Fällen bis zu 34 Prozent.

Insekten aus kühleren Regionen, die im Frühling fliegen, haben Nachteile
„Unsere Daten zeigen, dass Insekten aus kühleren Regionen besonders anfällig für warme Frühjahre sind. Sie verlieren schneller ihre Energiereserven und haben dadurch schlechtere Startbedingungen“, sagt Dr. Cristina Ganuza. Die Erstautorin der Studie forscht am Lehrstuhl für Zoologie III (Tierökologie und Tropenbiologie) der Universität Würzburg.

Die Ergebnisse der Studie sind im Journal Functional Ecology veröffentlicht. Sie sind Teil des LandKlif-Projekts, das Professor Steffan-Dewenter im Bayerischen Klimaforschungsnetzwerk (bayklif) leitet.

Die Forschenden sehen mehrere offene Fragen, die als nächstes zu klären sind:

• Wie beeinflussen zusätzliche extreme Hitzetage das Schlüpfen?
• Welche Folgen haben die Energiereserven der Insekten für deren Bestäubungsleistungen?
• Wie schnell können sich Populationen an veränderte Temperaturen anpassen?

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

EFSA: Tierschutzbewertung von Puten auf dem Bauernhof

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine wissenschaftliche  Stellungnahme zum Wohlbefinden von Puten in europäischen Betrieben veröffentlicht und  zahlreiche Kritikpunkte vorgebracht.

Im Einzelnen untersucht wurden:

  • Art und Zustand der Einstreu
  • Art und Verfügbarkeit von Beschäftigungsmöglichkeiten (einschließlich überdachter Veranda und Auslauf)
  • Platzangebot
  • Ammoniak- und Kohlendioxidkonzentrationen
  • effektive Umgebungstemperatur
  • Gruppengröße
  • Nestbedingungen
  • Lichtverhältnisse
  • und Bedingungen in der Brüterei.

Zusätzlich wurden die Risiken von Herdenreduzierung und Entnahme von Hennen, z. B. Schnabelkürzen, Entfernen der Kehllappen und Zehenkürzen, künstlicher Besamung (einschließlich Samengewinnung) und Futterrestriktion bewertet, wobei die beiden letztgenannten Praktiken nur bei Zuchtputen berücksichtigt wurden. Die Auswirkungen der Zucht auf das Wohlbefinden der Tiere wurden ebenfalls bewertet.

Empfehlungen zur Vorbeugung und/oder Minderung relevanter Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Mast- und Zuchtputen umfassen die Vergrößerung des verfügbaren Platzes im Vergleich zum derzeitigen, die Vermeidung von Futter- und Wasserentzug bei frisch geschlüpften Küken für mehr als 48 Stunden sowie die Bereitstellung von Beschäftigungsmöglichkeiten wie erhöhten Plattformen, Strohballen und einer überdachten Veranda. Es wird empfohlen, die Einstreu trocken zu halten, d. h. unter einem Feuchtigkeitsgehalt von 35–40 %.

Schnabelkürzen, Entfernen der Halskrause und Zehenkürzen sowie die damit verbundenen Folgen für das Wohlbefinden können vermieden werden, wenn die empfohlenen Haltungs- und Managementpraktiken umgesetzt werden, z. B. die Vergrößerung des Platzes und die Bereitstellung geeigneter Beschäftigungsmöglichkeiten. Es wird empfohlen, die Ausdünnung der Herde einzustellen und die quantitative Futterbeschränkung zu vermeiden, die derzeit bei Zuchthähnen praktiziert wird. Außerdem wird empfohlen, bei der genetischen Selektion mehr Wert auf die Beingesundheit und weniger auf die Gewichtszunahme zu legen. Die ausgewählten Kriterien zur Überwachung relevanter Auswirkungen auf das Tierwohl im Schlachthof sind die Gesamtmortalität, Gefiederschäden, Shlachtkörperverwerfungen, Wunden, Brustblasen und Ballendermatitis.

Link zur Original-Studie
https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.2903/j.efsa.2026.9851

Fütterung im Fokus: Wirtschaftlichkeit durch gesunde Tiere

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Die vetxperts machen in ihrer Online-Fortbildungsreihe deutlich, warum Tiergesundheit ein oft unterschätzter Erfolgsfaktor ist und wie fundiertes Ernährungswissen hilft, Kosten zu senken und Ressourcen optimal zu nutzen.

Die Produktion tierischer Lebensmittel steht zunehmend unter Druck. Steigende Kosten und unsichere Märkte infolge globaler Verwerfungen stellen tierhaltende Betriebe vor große Herausforderungen. Besonders deutlich zeigt sich dies im Bereich der Fütterung: Futtermittel machen rund 50 bis 60 Prozent der variablen Kosten in der Schweinehaltung aus und zählen somit zu den entscheidenden Faktoren für Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Gleichzeitig unterliegen Verfügbarkeit und Qualität von Futtermitteln starken preislichen und nährstofflichen Schwankungen.

Langfristig beeinflusst der Klimawandel und kurzfristig wirken Konflikte – für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet dies, ihre Produktionssysteme zunehmend an unsichere Rahmenbedingungen anzupassen. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Wissen um bedarfsgerechte Tierernährung und damit um Nährstoffeffizienz immer stärker an Bedeutung. Ziel ist es, die vorhandenen Ressourcen bestmöglich zu nutzen und Verluste zu minimieren.

Neben züchterischen Fortschritten, dem betrieblichen Management und einer energie- sowie nährstoffangepassten Rationsgestaltung bleibt ein zentraler Puzzlestein häufig unterschätzt: die Tiergesundheit. Gesunde Tiere können Nährstoffe deutlich besser verwerten, erzielen höhere Leistungen und verursachen gleichzeitig einen geringeren ökologischen Fußabdruck. Damit wird deutlich, wie eng Tiergesundheit und Tierernährung miteinander verknüpft sind. Auch in der tierärztlichen Praxis rückt dieses Zusammenspiel zunehmend in den Fokus: Tierärztinnen und Tierärzte beschäftigen sich verstärkt mit Fragen der bedarfsgerechten Tierernährung und deren Bedeutung für Tiergesundheit, Tierwohl und nachhaltige Produktion.

Im Rahmen einer siebenteiligen Online-Fortbildungsreihe für Tierärztinnen und Tierärzte wurden neben grundlegenden auch tiefergehende Themenkomplexe im Bereich „Schwein“ aufgegriffen, vorgestellt und angeregt diskutiert. Reinhard Puntigam (FH Soest), Stephan Schneider (HfWU Nürtingen-Geislingen) und Georg Dusel (TH Bingen) spannten in den zweistündigen Einheiten einen weiten Bogen – von der Rüsselscheibe (Futtermittelkunde und Nährstoffe) über deren Wirkung im Tier und physiologische Zusammenhänge bis hin zur Schwanzspitze (Ausscheidungen und die damit verbundenen rechtlichen Vorgaben). Speziell der Zusammenhang zwischen Tiergesundheit und Nährstoffversorgung – die Diätetik – stand von der Geburt des Ferkels bis zur Schlachtung im Mittelpunkt. Neben theoretischem Fachwissen wurde auch praktisch gearbeitet: Zum Einsatz kam das Rationsberechnungsprogramm der LfL Bayern, „ZiFo2 – Zielwert-Futter-Optimierung“. Themen wie die Supplementierung von Aminosäuren, die Substitution durch Eiweißalternativen und die Reduktion von Phosphor standen im Fokus, um unter Einhaltung gesetzlicher Vorgaben Tiergesundheit und Wohlbefinden auf hohem Niveau zu sichern.

Vor den Einheiten konnten Fragen eingereicht werden, und im Anschluss wurde intensiv diskutiert, denn Theorie und Praxis lassen sich nicht immer perfekt in Einklang bringen; Biologie ist vielfältig. So wie Tierärztinnen und Tierärzten oftmals vertieftes Wissen in der Tierernährung fehlt, ergeht es Tierernährern im Bereich der Tiermedizin ähnlich. Mit dieser Veranstaltung konnte die erfolgreiche Verbindung von Tiergesundheit und Tierernährung eindrucksvoll bestätigt werden. Dieses Format entstand aus einer gemeinsamen Idee zum Nutzen von Tiergesundheit und Tierernährung gleichermaßen.

Wir als „vetxperts“ sind ein Kompetenzverbund, zusammengeschlossen aus einer Vielzahl an anerkannten Fachtierarztpraxen für Schweine aus ganz Deutschland. Unser Ziel ist es, die Schweinegesundheit durch moderne Technik, digitales Farmmanagement und gezielte Laborunterstützung auf höchstem Niveau zu fördern und die Wertschöpfungskette nachhaltig zu optimieren.

Anke Zankl: zankl@tierarztpraxis-hohenlohe.de
Reinhard Puntigam: puntigam.reinhard@fh-swf.de
Stephan Schneider: stephan.schneider@hfwu.de
Georg Dusel: g.dusel@th-bingen.de

Dieser Beitrag wurde Ende Februar vorab allen Newsletter-Abonnenten zur Verfügung gestellt.

Neue Regelung beim Einsatz von Antibiotika in der Milchviehhaltung

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In der Vergangenheit führten antibiotische Trockensteller mit mehreren Wirkstoffen zu einer höheren Anzahl an Therapietagen und damit zu erhöhten Kennzahlen. Der Gesetzgeber hat hier nun nachjustiert.

Seit dem 9. März 2026 gilt eine Anpassung im Tierarzneimittelgesetz (TAMG), die sowohl Tierärzten als auch Milchkuhhaltern die Möglichkeit bei der antibiotischen Behandlung einräumt nach dem sinnvollsten Wirkstoff zu schauen und nicht nach dem Therapieindex. Im Rahmen des Monitorings werden Präparate – unabhängig davon, ob sie einen oder mehrere Wirkstoffe enthalten – nun einheitlich berücksichtigt.

Konkret bedeutet das: Kombinationsantibiotika gehen bei der Berechnung der Therapietage nur noch mit dem Faktor 1 ein (zuvor Faktor 2). Damit werden antibiotische Eutertuben und Injektionspräparate mit mehreren Wirkstoffen künftig gleich bewertet wie Produkte mit nur einem Wirkstoff.

Das antibiotische Trockenstellen ist auf vielen Milchviehbetrieben fester Bestandteil des Gesundheitsmanagements. Dabei kommen unter anderem Präparate zum Einsatz, die das Euter über einen längeren Zeitraum vor Mastitiserregern schützen. Im Zuge des Antibiotikamonitorings und der seit 2023 geltenden Meldepflicht für Milchkühe werden diese Produkte weiterhin mit dem Faktor 5 (Langzeitwirkung) berücksichtigt.

Bis zur Gesetzesänderung wurden Trockenstellpräparate mit mehreren Wirkstoffen mit dem Faktor 5 multipliziert. Dadurch entsprach das Trockenstellen einer Kuh mit einem Kombinationspräparat rechnerisch bis zu 10 Therapietagen.

Mit der aktuellen Anpassung im TAMG entfällt diese doppelte Gewichtung. Führende Trockensteller und Laktationsantibiotika werden nun wieder gleichbehandelt, sodass der Therapieindex nicht die Einsatzentscheidung steuert.

Hier der originale Gesetzestext: https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2026/60/VO.html
Quelle: Der Hoftierarzt

Notfall Schwanzbeißen

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Akutes Schwanzbeißen im Schweinestall erkennen, eindämmen und nachhaltig vorbeugen

Schwanzbeißen zählt zu den größten Herausforderungen in der modernen Schweinehaltung. Es ist sowohl ein erhebliches Tierschutzproblem als auch ein wirtschaftlicher Risikofaktor durch Verletzungen, Leistungseinbußen, Behandlungskosten und Vermarktungsverluste. Da es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt, ist im Ernstfall ein strukturiertes und schnelles Vorgehen entscheidend.

Das Netzwerk Fokus Tierwohl hat einen praxisnahen Notfallplan entwickelt, der Tierhaltende beim akuten Management und bei der nachhaltigen Vorbeugung unterstützt.

Schwanzbeißen – ein komplexes Geschehen
Schwanzbeißen tritt in allen Haltungssystemen auf, konventionell wie ökologisch. Ursachen liegen meist in einer Überforderung durch Umwelt-, Fütterungs-, Gesundheits- oder Managementfaktoren, oft in Kombination.

Neben schnellem Eingreifen ist das frühzeitige Erkennen von Warnsignalen entscheidend. Das Netzwerk Tierwohl stellt dazu sechs kompakte Informationseinheiten bereit, die als Stallposter mit weiterführenden Hinweisen per QR-Code genutzt werden können.

  1. Bestandsaufnahme: genau beobachten

Sorgfältige Tierbeobachtung ist die Grundlage jeder Maßnahme:

  • Tiere zunächst unbemerkt beobachten
  • Ruhe- und Aktivitätsphasen berücksichtigen
  • Besonders Nachmittags- und Abendstunden beachten
  • Beobachtung bewusst von anderen Arbeiten trennen

In Großgruppen ist ein Betreten der Bucht sinnvoll. Strukturierte Dokumentationssysteme (z. B. Buchtenkarten oder Ampelsysteme) erleichtern die Kommunikation im Betreuungsteam.

Beißer erkennen und handeln
Hinweise auf beißende Tiere sind Blut an der Rüsselscheibe, Unruhe, Schwanzmanipulation, Entwicklungsrückstand oder struppiges Haarkleid. Identifizierte Beißer müssen sofort separiert werden, um eine Eskalation zu verhindern.

  1. Ablenkung als Sofortmaßnahme

Nach der Separation ist die Ablenkung der Gruppe zentral. Bewährt haben sich:

  • Raufutter (z. B. Stroh, Heu, Silagen)
  • Organische Beschäftigungsmaterialien wie Holz oder Naturfasern
  • Bodennah angebotene, gut zugängliche Materialien

Wichtig sind Attraktivität, Qualität und ausreichende Menge. Ziel ist es, das natürliche Wühlverhalten anzusprechen und Zeit für die Ursachenanalyse zu gewinnen.

  1. Verletzte Tiere versorgen

Bei ersten Anzeichen sollte die Kontrollfrequenz erhöht werden. Fiebermessen hilft bei der Einschätzung des Schweregrades.

Grundsätze:

  • Beißer selektieren
  • Leicht verletzte Tiere ggf. separieren
  • Schwer verletzte Tiere in Krankenbuchten unterbringen

Empfohlen werden 2,5 bis 3 % Krankenbuchtenplätze (bei unkupierten Tieren eher 5 % oder mehr). Behandlung und Schmerzmanagement erfolgen in Abstimmung mit dem Tierarzt und müssen dokumentiert werden.

  1. Ursachen analysieren und vorbeugen

Langfristige Prävention erfordert eine systematische Analyse. Wichtige Risikobereiche sind:

  • Beschäftigung und Buchtenstruktur
  • Stallklima
  • Tiergesundheit
  • Konkurrenz um Ressourcen
  • Fütterung und Wasserversorgung

Reizarme Umgebungen, Rohfasermangel, Hitzestress oder subklinische Erkrankungen können Schwanzbeißen begünstigen. Eine strukturierte Bucht mit Rückzugsmöglichkeiten reduziert Stress und Konkurrenz.

  1. Frühwarnsignale ernst nehmen

Unruhe, intensives Manipulieren von Artgenossen, Schwanzwedeln, leere Flanken, Zähneknirschen oder Lahmheiten sind Warnzeichen. Je früher reagiert wird, desto größer ist die Chance, einen Ausbruch zu verhindern.

  1. Vorbereitung: der Notfallkoffer

Für den Ernstfall sollten bereitstehen:

  • Einsatzbereite Krankenbuchten
  • Zusätzliche Tränken
  • Raufutter und Beschäftigungsmaterial
  • Futterergänzer und ggf. Toxinbinder
  • Hygienepulver und zugelassene Vergrämungsmittel

Gerade an Wochenenden entscheidet Vorbereitung über den weiteren Verlauf.

Fazit
Schwanzbeißen ist Ausdruck eines Ungleichgewichts im Haltungssystem. Ein klar strukturierter Notfallplan, aufmerksame Tierbeobachtung und konsequente Ursachenarbeit sind entscheidend, um Tierwohl und Wirtschaftlichkeit nachhaltig zu sichern.

Hier geht es zum Notfallplan:
https://www.fokus-tierwohl.de/fileadmin/redaktion/Dateiablage_oeffentlich/04_Dateidownloads/02_Schwein/Notfallplan_Schwanzbeissen/Poster_Notfallplan_V2.pdf

Weitere Informationen:
https://www.fokus-tierwohl.de/de/schwein/fachinformationen-schwein/notfallplan-schwanzbeissen

Quelle: Netzwerk Fokus Tierwohl

Dieser Beitrag wurde Ende Februar vorab allen Newsletter-Abonnenten zur Verfügung gestellt.

Schutz für Schaf und Schäfer: Tierfreundliche Wolfsabwehr

DBU fördert Startup Pax Lupus – Vorfall in Hamburg

Wölfe sind in Deutschland wieder heimisch. Das Startup Pax Lupus hat daher ein autonomes System für einen Kompromiss zwischen Wolfs- und Herdenschutz entwickelt. Eine mobile Anlage vertreibt Wölfe auch langfristig mit Drohne und Geräuschen, ohne den Tieren zu schaden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Startup mit 125.000 Euro.

Jahrelang waren Wölfe in Deutschland ein seltener Anblick. Nach Zahlen des Bundesamts für Naturschutz (BfN) wächst die Population jedoch seit einiger Zeit – von 128 Rudeln im Jahr 2019 auf nun 219 bestätigte Rudel 2025. Ein aktueller Vorfall, bei dem ein Wolf eine Frau in einer Einkaufspassage in Hamburg-Altona gebissen hat, sorgt derweil für intensive Debatten über den Umgang mit Wölfen. Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 125.000 Euro geförderte Startup Pax Lupus aus Wismar hat derweil ein autonomes System entwickelt, das in freier Natur Wolfs- und Herdenschutz zugleich ermöglicht: Eine mobile Anlage vertreibt Wölfe mit Drohnen, ohne die Tiere zu schädigen.

Arten- und Herdenschutz schließen sich nicht aus
Die Rückkehr des Wolfs nach Deutschland sei aus Artenschutzperspektive positiv, benötige jedoch ein funktionierendes Management, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. „Denn Wölfe gehören in die Natur, nicht in Städte“, so Bonde zum aktuellen Hamburger Fall. Und in freier Natur komme es auf Schutzmechanismen für das Nebeneinander von Wild- und Nutztieren an, „die sich für die Tierhaltung praktisch und wirtschaftlich umsetzen lassen“. Bonde: „Die Lage der Nutztierhaltung ist ernst zu nehmen. Eine zukunftsfähige Land- und Weidewirtschaft muss mit Wildtieren umgehen, hat gleichzeitig aber auch den Herdenschutz im Blick.“ Ein Ansatz, den das Pax Lupus-Gründungsduo Anna-Karina Katt und Karsten Schmiegel unterstützt. Das Startup entwickelt ein autonomes Herdenschutzsystem zur nicht-tödlichen Abwehr von Wolfsrudeln auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI). Katt: „Viele etablierte Schutzmaßnahmen wie Zäune, Netze und Herdenschutzhunde sind arbeitsintensiv und teils umweltschädigend.“ So seien engmaschige Herdenschutznetze aus Kunststoff kurzlebig und produzieren große Mengen an nicht-recyclebarem Müll. „Außerdem können sich andere Wildtiere wie Rehe, Füchse und Feldhasen darin verfangen. Die Folgen sind nicht selten schwere Verletzungen oder gar Verendungen“, erklärt Katt.

Zuverlässige Erkennung und Vertreibung von Wölfen
Das Herdenschutzsystem von Pax Lupus soll Schmiegel zufolge autonom und netzunabhängig arbeiten: „In der Mitte der Weide wird das Gerät inklusive Mast mit Kameras und Sensoren aufgestellt.“ Dieses Gerät könne leicht von Weide zu Weide ab- und wieder aufgebaut werden. Die Stromversorgung erfolgt laut Schmiegel per Solarmodul. Der Gründer weiter: „In einem Radius von bis zu 200 Metern überwachen die Kameras Tag und Nacht die Weide und erkennen, wenn sich ein Wolf nähert. Langfristig soll die Erkennung auch über Bewegungsmuster erfolgen.“ Nähert sich ein Wolf, würden nach und nach unterschiedliche Abwehrstufen aktiviert. „Zunächst steigt aus der Basisstation eine kleine Drohne auf und fliegt den Wolf gezielt an. Sollte er im Außenbereich der Weide verbleiben, fliegt sie erste Abwehrmanöver. Beim Vordringen auf die Weide folgen weitere Abwehrmaßnahmen durch die Drohne, die den Wolf vertreiben“, erklärt Schmiegel. Bei verfügbarer Netzabdeckung würden auch die Schäfer in Echtzeit über die Vorfälle informiert. Der Pax Lupus-Gründer weiter: „Das System soll erkennen, bewerten und reagieren, damit die Schafe sicher sind, die Schäferinnen und Schäfer entlastet werden und ein unnötiger Abschuss der Wölfe vermieden wird.“

Zeit- und Geldersparnis für die Schäferinnen und Schäfer
Nach Katts Worten soll die entwickelte Technik zuverlässig Wölfe von anderen Tieren oder von Menschen unterscheiden. „Weder Alarm noch Drohne werden bei anderen Weidebesuchern ausgelöst“, so die Pax Lupus-Gründerin. Sobald Schäferin oder Schäfer alarmiert seien, könnten diese über Kameras die Situation zusätzlich einschätzen und gegebenenfalls das Abwehrmanöver manuell abbrechen. Das Schutzsystem vertreibt die Wölfe laut Katt nicht nur situativ: „Falls ein Rudel zurückkehrt, kann die wiederholte Vergrämung dazu führen, dass die Wölfe die Weidetiere auch langfristig meiden.“ Mit dem Herdenschutz von Pax Lupus sei zudem nur noch ein Grundschutz wie einfache Weidezäune zusätzlich erforderlich, während die eigentliche Schutzwirkung situativ und gezielt bereitgestellt werde. Neben der Schonung von Umwelt und Ressourcen nennt Startup-Gründerin Katt einen aus ihrer Sicht weiteren Bonus des Pax Lupus-Systems: „Es trägt auch zum Erhalt artenreicher Lebensräume bei.“ Denn die schonende Wolfsabwehr verbunden mit besserem Schutz für Schaf und Schäfer gewährleiste Sicherheit für die Herden – und damit solide Planbarkeit und Wirtschaftlichkeit für Schäferinnen und Schäfer. Die Folge laut Katt: „Erhalten bleiben durch diese traditionsreiche Weidetierhaltung naturschutzrelevante Offenlandschaften wie Heide, Bergweiden und Deiche. Viele dieser Flächen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas.“

Ausweitung des Systems auf andere Nutz- und Raubtiere
Nach Angaben des Startups ist eine Anwendung des Systems bei anderen Weidetieren ebenfalls realisierbar. Katt: „Dazu zählt etwa die Abwehr von Wolfsangriffen auf Kühe, Pferde oder Hühner.“ Denkbar sei zudem ein Training des Systems auf weitere Raubtiere wie Füchse oder Kojoten. Pax Lupus will das Herdenschutzsystem per Verkauf und Leasing anbieten, übernimmt nach eigenen Angaben die Wartung. Katt: „Sobald wir genügend Anlagen im Bestand haben, planen wir zudem Notfall-Mieten, falls ein akuter Wolfsriss vorliegt.“ Am Montag dieser Woche war es in einem Einkaufszentrum in Hamburg-Altona zur Bissverletzung einer Frau durch einen Wolf gekommen – der erste Vorfall dieser Art seit einer Wiederansiedlung des Tiers in Deutschland vor fast 30 Jahren. Die Frau konnte mittlerweile das Universitätsklinikum Eppendorf nach ambulanter Behandlung wieder verlassen. Unklar ist, was mit dem zwischenzeitlich eingefangenen Wolf, der derzeit in einer Wildtierauffangstation in Niedersachsen untergebracht ist, geschehen soll.

Über die Green Startup-Förderung
Mit der Green Startup-Förderung unterstützt die DBU Gründerinnen und Gründer, die auf innovative und wirtschaftlich tragfähige Weise Lösungen für Umwelt, Ökologie und Nachhaltigkeit entwickeln. Mehr Informationen gibt es unter https://www.dbu.de/startup.

Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Studie: Hummeln sind Wirte für gefährliches Bienenvirus

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Steinhummeln dienen dem Akuten Bienenlähmungs-Virus in der freien Natur als Wirt. Während das Virus den Hummeln offenbar wenig Schaden zufügt, verläuft eine Infektion bei Honigbienen in der Regel tödlich. Bislang ging man davon aus, dass nur Honigbienen als Wirte für das Virus in Frage kommen. Mithilfe umfangreicher Feldversuche konnte ein Team der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Georg-August-Universität Göttingen nun nachweisen, dass Steinhummeln der wichtigste Wirt für das Virus sind. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift „Ecology Letters“ und könnte für neue Schutzmaßnahmen hilfreich sein, um die Ausbreitung solcher Krankheiten in der Natur einzudämmen.

Honigbienen, Wildbienen und andere Insektenarten sind durch ihre gemeinsamen Blütenbesuche miteinander verbunden. „Eine blühende Sommerwiese ist also zugleich Nahrungsquelle und ein möglicher Übertragungsort für virale Infektionen. Denn dort kommen die Insekten auf der Suche nach Nahrung mit eventuell virenbelastetem Material in Kontakt, zum Beispiel Pollen und Nektar“, sagt der Biologe Prof. Dr. Robert Paxton von der MLU. Bislang sei man in der Forschung davon ausgegangen, dass nur Honigbienen als Wirte für verschiedene Viren dienen und so Hummeln und andere Wildbienen damit anstecken können. Die neue Studie zeichnet jedoch ein anderes Bild: Demnach können auch Wildbienen Wirte für Viren sein und damit theoretisch zur Infektion von Honigbienen beitragen.

Dieses Ergebnis basiert auf Daten, die das Team bei Feldversuchen an 32 Standorten in Niedersachsen und Hessen gesammelt und umfangreich ausgewertet hat. Die Forschenden beobachteten zunächst, ob verschiedene Bienenarten die gleichen Blumen besuchten. Außerdem analysierten sie mithilfe eines Virus-Screenings bei 1.725 Insekten für verschiedene Bienenarten, wie stark jede Art zur Verbreitung verschiedener Viren beiträgt. „Um herauszufinden, welche Bienenart am meisten zur Verbreitung eines Virus beiträgt, haben wir die sogenannte artspezifische Basisreproduktionszahl R? genutzt. Damit können wir berechnen, wie viele Insekten ein Insekt der gleichen Art anstecken kann“, erklärt Patrycja Pluta von der MLU, Erstautorin der Studie. So berechnete das Team für jede Kombination aus Virus und Bienenart punktgenau, wie leicht sich das Virus ausbreiten kann und wie stark jede Bienenart potenziell zur Verbreitung der Viren beiträgt.

Für drei bekannte Bienenviren identifizierten die Forschenden die wichtigsten Wirtsinsekten. Es zeigte sich, dass an den untersuchten Standorten Honigbienen zwar die Hauptträger für das Flügeldeformationsvirus (DWV) und das sogenannte Black Queen Cell Virus (BQCV) sind. „Beim Akuten Bienenlähmungs-Virus ist das hauptsächliche Wirtsinsekt aber eine Wildbiene: die Steinhummel Bombus lapidarius“, sagt Patrycja Pluta. Infizieren sich Honigbienen mit dem Virus, können sie nach kurzer Zeit nicht mehr fliegen, zittern und sterben innerhalb weniger Tage. Das kann zu einem raschen Zusammenbruch eines ganzen Volkes führen.

Ein weiteres Ergebnis: Die Zusammensetzung der Bienenarten an einem Standort beeinflusst die Verbreitung von Viren weniger als bisher angenommen. Dagegen spielt der direkte Kontakt zu Bienen, die viele Viren übertragen, eine entscheidende Rolle. Und der geschieht bei Blütenbesuchen. Laut Robert Paxton sind diese Erkenntnisse wichtig, um zu verstehen, wie sich Krankheiten in der Natur ausbreiten und wie man dem womöglich entgegenwirken kann. „Je mehr Platz und Nahrungsangebot Bienen haben, desto unwahrscheinlicher werden Infektionen. Um das Risiko zur weiteren Ausbreitung der Krankheiten zu minimieren, wären also zum Beispiel mehr Blühstreifen mit vielen unterschiedlichen Pflanzenarten sehr hilfreich“, so Paxton.

Die Studie wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) auf Grundlage eines Beschlusses des Deutschen Bundestages über das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Originalpublikation:
Studie: Pluta P. et al. Multiple Key Hosts and Network Structure Shape Viral Prevalence Across Multispecies Communities of Bees. Ecology Letters (2026). doi: 10.1111/ele.70327
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Wolf kommt ins Bundesjagdgesetz – Bundesrat stimmt Gesetzentwurf zu

Der Bundesrat hat heute dem von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer vorgelegten Gesetzentwurf zur Änderung des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) und zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) zugestimmt. Damit wird den Ländern die Möglichkeit eröffnet, Wolfsbestände auf der Grundlage von Managementplänen dann zu regulieren, wenn ein günstiger Erhaltungszustand vorliegt. Der Schutz von Weidetieren wird verbessert, da Wölfe, die zumutbare Herdenschutzmaßnahmen überwunden und ein Weidetier verletzt oder getötet haben, nun unter erleichterten Voraussetzungen erlegt werden können. Außerdem: In Weidegebieten, in denen ein ausreichender präventiver Herdenschutz nicht möglich ist – etwa in der alpinen Region oder auf Deichen – können zur Vermeidung von Weidetierrissen zukünftig Gebiete ausgewiesen werden, in denen Wölfe unter erleichterten Voraussetzungen bejagt werden können. Die hohe Bedeutung eines präventiven Herdenschutzes wird darüber hinaus bestätigt.

Dazu sagt der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer: „Wir halten Wort: Der Wolf kommt ins Jagdrecht – dafür haben wir im Eiltempo gesorgt. Die Risse von Schafen und anderen Weidetieren durch den Wolf sind für viele Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter bittere Realität und nicht nur eine emotionale, sondern auch wirtschaftliche Belastung. Eins ist mir wichtig: Niemand will den Wolf ausrotten, er hat sich bei uns als Teil der Tierwelt etabliert. Wenn aber Weidehaltung vielerorts schlicht nicht mehr stattfinden kann, haben wir einen klaren Handlungsauftrag. Künftig gibt es klare, praxistaugliche Regeln und Rechtssicherheit im Umgang mit dem Wolf. Ich freue mich, dass der Bundesrat meinem Gesetzentwurf zugestimmt hat – das ist ein guter Tag für alle Betriebe mit Weidehaltung.“

Im Einzelnen sieht der Gesetzentwurf folgende Regelungen vor:

• Regionales Bestandsmanagement: Mit der Aufnahme des Wolfes in das BJagdG wird den Ländern die Möglichkeit eines regionalen Bestandsmanagements eröffnet. Das bedeutet: Wenn ein günstiger Erhaltungszustand vorliegt, kann auf Grundlage von Bestandsmanagementplänen die Anzahl der regional lebenden Wölfe reguliert werden. In diesem Rahmen ist eine Jagdzeit von 1. Juli bis 31. Oktober vorgesehen.

• Abschuss von Wölfen: Haben Wölfe Herdenschutzmaßnahmen überwunden und Weidetiere verletzt oder getötet, ist ein leichterer, unbürokratischer Abschuss dieser Wölfe unabhängig davon möglich, ob ein günstiger oder ein ungünstiger Erhaltungszustand vorliegt.

• Ausweisung von nicht schützbaren Weidegebieten: In einigen Regionen Deutschlands ist präventiver Herdenschutz, zum Beispiel das Aufstellen von Zäunen, aufgrund der geografischen Gegebenheiten, wie Hangneigung, Bodenbeschaffenheit oder Lage an Gewässern, nicht möglich. Das ist beispielsweise in den Alpen (Almwiesen) oder an den Küsten (Deiche) der Fall. Die Bundesländer bekommen nun die Möglichkeit, solche Weidegebiete auszuweisen, um hier den Schutz von Weidetieren durch Erlegung von Wölfen sicherzustellen.

• Finanzierung Herdenschutz: Der Bund unterstützt die Finanzierung von Herdenschutzmaßnahmen über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK). Wir überprüfen diese Regelungen mit dem Ziel, Verbesserungen beim präventiven Herdenschutz zu erzielen.

• Bericht an den Bundestag: Fünf Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes berichtet die Bundesregierung dem Deutschen Bundestag, inwieweit sich die Regelungen bewährt haben.

• Kein Handel mit Wolfstrophäen: Die Regeln der EU-Artenschutzverordnung gelten auch weiterhin für den Wolf: Damit sind Zurschaustellung und Handel mit toten Wölfen auch künftig verboten.

Hintergrund:
Die Wolfsbestände in Europa sind in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen – von 11.200 Tieren im Jahr 2012 auf über 20.300 im Jahr 2023. In Deutschland leben derzeit 219 Wolfsrudel, vor allem in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen. Parallel dazu steigt die Zahl der Wolfrisse: Im Jahr 2024 wurden rund 4.300 Nutztiere, überwiegend Schafe und Ziegen, von Wölfen gerissen, zum Teil trotz der weiterhin wichtigen Herdenschutzmaßnahmen wie Zäunen und Herdenschutzhunden.

Deutschland hat der EU-Kommission im Jahr 2025 den „günstigen Erhaltungszustand“ des Wolfs in der atlantischen und der kontinentalen Region gemeldet. Damit sind die Voraussetzungen gegeben, um den Ländern in Regionen mit einem günstigen Erhaltungszustand die Möglichkeit zu geben, ein regionales Wolfsmanagement einzuführen. Mit der Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz und den entsprechenden Anpassungen im Bundesnaturschutzgesetz wird dafür die rechtliche Grundlage geschaffen. Dies ist möglich, da der Wolf im letzten Jahr in der Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herabgestuft worden ist.

Quelle: BMLEH