Vom Energiepotenzial des Hähnchenmists bis zu globalen Ernährungstrends: Das Broilersymposium der AGRAVIS Nutztier GmbH in Holdorf bot einen umfassenden Blick auf die Zukunft des Geflügels. Wie die Fütterung Einfluss auf die Tiergesundheit nimmt beleuchteten zwei Vortragende.
Prof. Dr. Julia Hankel, Professorin für Nachhaltigkeit im Kontext Tierernährung an der TiHo Hannover, erinnerte daran, dass Tierhaltung seit jeher ein integraler Bestandteil der Lebensmittelproduktion ist. Früher wurden Küchenreste im „Schweineeimer“ gesammelt und direkt wiederverwertet, ein einfaches, effizientes Kreislaufsystem, das heute aus rechtlichen Gründen nicht mehr erlaubt ist.
Auch moderne Lebensmittelproduktion erzeugt zahlreiche Nebenprodukte, etwa aus der Getreideverarbeitung oder aus Ernterückständen. Viele davon sind faserreich und schwer zu verfüttern, aber grundsätzlich wertvolle Futtermittel. Gerade im Geflügelfutter, das zu großen Teilen aus Getreide besteht, ließe sich durch den verstärkten Einsatz solcher Nebenströme die Konkurrenz um Lebensmittel reduzieren. Wichtig bleibt dabei die Qualität: Mykotoxine etwa sitzen häufig in den Schalen und können sich in Nebenprodukten anreichern.
Gleichzeitig hat die Fütterung einen erheblichen Einfluss auf die Umweltwirkung der Geflügelproduktion. Durch den gezielten Einsatz geeigneter Nebenprodukte lässt sich der CO₂‑Fußabdruck deutlich senken, allerdings nur, solange die Leistung der Tiere nicht leidet. Denn leistungsschwache oder kranke Tiere verbrauchen mehr Ressourcen, da ihr Immunsystem zusätzliche Energie und Proteine benötigt.
Ein spannender Ausblick galt der Nutzung von Insekten. Auch wenn Umfragen zufolge die meisten Menschen in Deutschland sie nicht essen möchten, könnten sie als Futtermittel eine wichtige Rolle spielen.
Hankels Fazit: Die Rohwaren der Zukunft liegen nicht nur in klassischen Futtermitteln, sondern in der Weiterentwicklung von Nebenprodukten, Fermentationstechnologien und Enzymverfahren. Kreisläufe zu schließen, bleibt einer der wichtigsten Hebel für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion.
Geflügelernährung gesund und nachhaltig gestalten
Hubert Möllmann, Produktmanager Geflügel bei der AGRAVIS Nutztier GmbH, zeigte, wie stark sich die Gesundheit und Nachhaltigkeit in der Hähnchenmast über die Fütterung beeinflussen lassen. Der erste Blick eines erfahrenen Tierhalters gilt immer der Herdenverteilung: Gesunde Tiere sind aktiv, verteilen sich gleichmäßig im Stall und machen Platz. Kranke Tiere hingegen suchen Wärme, bilden Haufen oder wirken apathisch. Auch der Gefiederzustand liefert Hinweise: struppiges, abstehendes Gefieder deutet auf Kälte oder Stress hin. Stallklima, Fütterung und Darmgesundheit hängen eng zusammen, denn ein gestresster Darm verändert die Kotkonsistenz und kann Krankheiten begünstigen.
Ein zentrales Ziel moderner Geflügelernährung ist es, das Darmmikrobiom gezielt zu unterstützen. Dazu gehören mehrphasige Fütterungsstrategien, die bedarfsgerecht angepasst werden, sowie der Verzicht auf Nährstoffüberschüsse. Strukturierte Rohfaser, verdauliche Komponenten, Enzyme, Probiotika – vor allem Milchsäurebakterien – und Säurezugaben im Wasser oder Futter helfen, die Passagegeschwindigkeit im Darm zu steuern und die Verdauung zu stabilisieren. Auch klassische Komponenten wie Hafer, ganzes Weizenkorn oder Sonnenblumenschrot spielen dabei eine wichtige Rolle.
Möllmann erläuterte, wie viel sich über die Kotbeurteilung erkennen lässt: Zu flüssiger Kot weist auf Erkrankungen hin und führt zu feuchter Einstreu und Fußballenproblemen, breiige Konsistenz oder unverdaute Futterbestandteile sind Warnsignale. Blut im Kot deutet auf Kokzidien hin. Entscheidend ist, dass die Tiere kontinuierlich fressen, Hungerphasen schaden der Darmgesundheit.
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die Nachhaltigkeit. In den vergangenen Jahren konnte der Rohproteingehalt im Futter bereits deutlich gesenkt werden. Parallel dazu hat sich die Effizienz der Broilermast verbessert: Seit 2000 stieg die Leistung um 25,8 %, die Futtereffizienz um 15 %. Angesichts schrumpfender globaler Ackerflächen ist diese Entwicklung entscheidend. Da die weltweite Ackerfläche abnimmt, mussten 2020 drei Personen von der Fläche eines Fußballfeldes ernährt werden, 2050 werden es fünf Personen sein. Um den CO₂‑Fußabdruck weiter zu senken, spielen regionale Rohstoffe wie Raps, Erbsen oder Sonnenblumen eine wichtige Rolle. Auch Zuchtfortschritt und Futterverwertung bieten großes Potenzial.
Möllmanns zentrale Botschaft: Die Fütterung hat einen enormen Einfluss auf die Tiergesundheit und sie entscheidet maßgeblich darüber, wie nachhaltig Geflügelproduktion sein kann.
Dr. Heike Engels






































