Geflügelwirtschaft verzichtet auf Werkverträge – Arbeitnehmerüberlassung muss nötige Flexibilität sichern

Die deutsche Schlachtgeflügelwirtschaft will kurzfristig ab spätestens Anfang 2021 auf Werkverträge in der Schlachtung, Zerlegung und Verpackung verzichten, worauf sich die im Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG) organisierten Unternehmen verständigt haben. Dringend erforderlich ist für die Branche indes das arbeitsrechtliche Instrument der Arbeitnehmerüberlassung: „Unsere Unternehmen sind auf eine gewisse Flexibilität bei der Zahl der Mitarbeiter zwingend angewiesen, um auf die Nachfragesituation des Lebensmitteleinzelhandels angemessen reagieren zu können“, stellt ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke klar. „Grillsaison, Urlaubszeit, Weihnachtsgeschäft – es gibt einen klaren saisonalen Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften in den Schlachtereien. Wir brauchen die Arbeitnehmerüberlassung, um diesen Bedarf auffangen zu können.“ Um für mehr Sicherheit und Transparenz zu sorgen, wird die Dokumentation der Arbeitszeit der Leiharbeitnehmer durch eine verpflichtende digitale Zeiterfassung sichergestellt.

Klar ist aber auch: Die Überführung der Werkverträge in feste Arbeitsverhältnisse wird zu steigenden Kosten in der Erzeugung und entsprechend höheren Preisen für Geflügelfleischerzeugnisse führen. „Wir erwarten, dass Lebensmitteleinzelhandel und Verbraucher die Bereitschaft zeigen, diese Kosten zu übernehmen“, sagt ZDG-Präsident Ripke. „Es darf nicht sein, dass die Mehrkosten an der Erzeugungskette und unseren Tierhaltern hängen bleiben, die gerade engagiert auf dem Weg zu mehr Tierwohl sind.“ Unbedingt vermieden werden muss, dass günstiges Fleisch aus dem Ausland die heimische Erzeugung verdrängt. Ripke: „Trotz höherer Erzeugungskosten muss die Tierhaltung in Deutschland mit ihren im europäischen Vergleich höheren Tierschutzstandards erhalten bleiben!“

Für die faire und sichere Ausgestaltung der Vertragsverhältnisse hat sich die deutsche Geflügelwirtschaft auf konkrete begleitende Maßnahmen verständigt:

• Verpflichtende digitale Zeiterfassung
Die Dokumentation der Arbeitszeit wird in der Geflügelwirtschaft bereits seit längerem durch eine digitale Zeiterfassung sichergestellt. Dies sollte verpflichtend sein. Auf diese Weise wird ein Missbrauch auch im Einzelfall unterbunden.

• Erhöhung der Bußgelder und Schaffung einer Beschwerdestelle
Die deutsche Geflügelwirtschaft unterstützt die angemessene Erhöhung der Bußgelder bei Verstößen gegen geltendes Recht. Befürwortet wird eine neutrale, bundesweit agierende Informationsstelle, an welche sich Beschäftigte im Fall von Verstößen über eine Hotline wenden können.

• Transparenz und Sicherheit bei den Unterkünften
Um einen gesicherten Standard bei der Wohnsituation zu realisieren, gilt das vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales erarbeitete und mit dem Verband der Ernährungswirtschaft e. V. in seiner Funktion als sektorspezifischem Arbeitgeberverband und der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe abgestimmte Hygiene- und Arbeitsschutzkonzept mit Empfehlungen für die korrekte Unterbringung der Arbeitskräfte in Gemeinschaftsunterkünften. Dieses definiert verbindliche Vorgaben zu Zimmergröße und -belegung sowie klare Hygienestandards.

Gesetzliche Informationspflicht erforderlich – Höhere Strafen für Mietwucher
Während der Hochphase der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass die Behörden teils nur mit Mühe die Wohnorte der Beschäftigten im Sinne des Infektionsschutzes nachvollziehen konnten. Dies ist darauf zurückzuführen, dass ein großer Teil der Beschäftigten sich privat eine Unterkunft mietet. In diesem Fall gibt es für die Unternehmen keine rechtliche Möglichkeit, die privaten Wohnungen zu kontrollieren. Daher ist hier die Politik gefordert, die Grundlagen für eine gesetzliche Informationspflicht zu schaffen, die es dem Unternehmer erlaubt, Wohnorte der Beschäftigten an die zuständigen Behörden zu übermitteln.

Darüber hinaus müssen die Vermieter der privat angemieteten Unterkünfte in die Pflicht genommen werden und dafür Sorge tragen, dass Hygienestandards, die Belegung der Wohnräume, bauliche Anforderungen und der Mietpreis geltenden Gesetzen entsprechen. Für Mietwucher sollten deutlich höhere Strafen eingeführt werden.

Quelle: ZDG

Haltungsform-Zeichen für Fleisch: so bekannt wie Bio, von Verbrauchern hoch geschätzt

• forsa-Befragung zeigt: Haltungsform-Kennzeichnung des Handels bei Verbrauchern bekannt und beliebt
• Haltungsform-Kennzeichnung bereits in über 20.000 Filialen des LEH zu finden
• Rund zwei Drittel der Verbraucher in Deutschland kennen die Initiative Tierwohl, 91 Prozent unterstützen den Ansatz der ITW

Die vierstufige Haltungsform-Kennzeichnung für Fleisch ist inzwischen bei den Deutschen genauso bekannt wie das EU-Biosiegel. Darüber hinaus finden 92 Prozent die Haltungsform-Kennzeichnung des Handels gut oder sehr gut. Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen forsa-Befragung aus Juni dieses Jahres. 79 Prozent der Befragten glauben zudem, die Kennzeichnung der Haltungsform führe langfristig dazu, dass Verbraucher bewusster einkaufen und das Thema „Tierwohl“ dabei stärker berücksichtigen.

„In weniger als anderthalb Jahren seit ihrem Start ist die Haltungsform-Kennzeichnung zu einer wertvollen Orientierungshilfe für Verbraucherinnen und Verbraucher beim Fleischkauf geworden“, erläutert Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl, die Ergebnisse der forsa-Befragung. „Transparenz, Übersichtlichkeit und Orientierung im Fleischangebot von konventionell, über Initiative Tierwohl bis hin zu Bio – das leistet die Haltungsform für alle Kunden des teilnehmenden Lebensmitteleinzelhandels. Und was uns besonders freut: die Verbraucher wissen das wirklich zu schätzen und vertrauen auf eine langfristige Wirkung im Sinne des Tierwohls. Obgleich die Händler in den Stufen 3 und 4 auch aufgrund des höheren Preises verhältnismäßig geringe Mengen absetzen können, so sehen wir dennoch eine Zunahme an registrierten Siegeln in diesen Stufen. 13 der 16 registrieren Siegel finden die Verbraucher inzwischen in den Stufen 3 und 4.“

Haltungsform im Handel
Die Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung, die auch die Initiative Tierwohl (ITW) betreibt, gibt die Haltungsform-Kennzeichnung heraus. Die Gesellschaft hat ermittelt: Die teilnehmenden Händler kennzeichnen inzwischen durchschnittlich um die 90 Prozent ihrer Gesamtware von Schwein, Hähnchen, Pute und Rind mit der Haltungsform-Kennzeichnung. Verbraucher finden die Kennzeichnung deutschlandweit in insgesamt über 20.000 Filialen von Aldi Süd, Aldi Nord, EDEKA, Kaufland, LIDL, Netto, Penny und REWE. Bei Geflügel haben die Händler inzwischen ganze Sortimentsbereiche umgestellt. Während nur noch weniger als 1 Prozent aus Stufe 1 stammen, deckt die Stufe 2 mit 85 Prozent bei Hähnchen und 98 Prozent bei Pute den weitaus größten Bereich des gekennzeichneten Sortiments ab.

„Die Haltungsform macht auch Veränderungsprozesse, wie die große Verschiebung von Stufe 1 zu Stufe 2 bei Geflügel deutlich“, so Hinrichs weiter. „Durch die Ausweitung des Produktsiegels der Initiative Tierwohl rechnen wir mit einer weiteren großen Verschiebung bei Schweinefleischprodukten von Stufe 1 zu Stufe 2 ab dem nächsten Jahr. Aber nicht nur diese Prozesse werden für Verbraucher durch die Haltungsform-Kennzeichnung leichter nachvollziehbar. Auch Nicht-Regierungsorganisationen und Medien berufen sich bei ihren Analysen des Angebots inzwischen auf die vierstufige Haltungsform. Und Schulbücher erklären anhand der Haltungsform die verschiedenen Arten der Tierhaltung in Deutschland. Die Haltungsform ist zur Standardorientierung geworden, wenn es um Tierwohl beim Fleischkauf geht.“

ITW ebenfalls bekannt und beliebt
Fleisch bleibt beliebt: Laut der forsa-Befragung essen die meisten Deutschen regelmäßig Fleisch. Lediglich 3 Prozent der befragten Männer und 11 Prozent der befragten Frauen verzichten ganz auf Fleisch oder essen sehr selten Fleisch. Die Initiative Tierwohl, die auf ein Tierwohl-Plus in möglichst vielen Betrieben für möglichst viele Tiere setzt, kennen inzwischen 64 Prozent der Deutschen. 91 Prozent der Verbraucher finden den Ansatz der ITW gut oder sehr gut.

Über die forsa-Befragung
Die forsa Politik- und Sozialforschung GmbH hat im Auftrag der Initiative Tierwohl eine Befragung zur Haltung von Nutztieren in Deutschland und zu Tierwohl-Siegeln durchgeführt. Im Rahmen der aktuellen Untersuchung wurde unter anderem die Bekanntheit von neun Tierwohl-Siegeln untersucht. Insgesamt wurden 1.004 nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland befragt. Die Erhebung wurde vom 8. bis 16. Juni 2020 mithilfe des Befragungspanels forsa.omninet durchgeführt. Die ermittelten Ergebnisse können mit den bei allen Stichprobenerhebungen möglichen Fehlertoleranzen (im vorliegenden Fall +/- 3 Prozentpunkte) auf die Gesamtheit der Bevölkerung ab 18 Jahren in Deutschland übertragen werden.

Quelle: Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH

Rapsextraktionsschrot passt in jeden Trog: neue bundesweite Futtermitteluntersuchungen belegen gleichbleibend hohe Qualität

Die Nachfrage nach Rapsextraktionsschrot (RES) in der Fütterung ist in den vergangenen Jahren sehr stark gestiegen. Die als Futtermittel verwendete Menge hat sich in Deutschland in zehn Jahren um gute 40 % erhöht und übertrifft momentan den Sojaextraktionsschroteinsatz deutlich. Neueste Monitoring-Ergebnisse für Rapsextraktionsschrot sind auf proteinmarkt.de abrufbar – sowie aktualisierte Einsatzempfehlungen. Der deutlich gestiegene Einsatz von Rapsextraktionsschrot in der Tierfütterung ist Ausdruck dafür, dass vor allem in der Rinderfütterung – aber zunehmend auch in der Schweine- und Geflügelfütterung – dieses Futtermittel hohe Akzeptanz alternativ zum Sojaextraktionsschrot (SES) genießt. Wesentliche Grundlagen dafür legten umfassende Fütterungsversuche sowie ein kontinuierliches Qualitätsmonitoring, welche in Koordination zwischen mehreren Landesversuchseinrichtungen mit Unterstützung der UFOP durchgeführt wurden.

Neue Daten aus der Beprobung 2019 verfügbar
Auch in 2019 zeigt RES eine stabil hohe Qualität mit einem durchschnittlichen Eiweißgehalt von 34 %, einem Rohfasergehalt von 12,6 % sowie mit 3,8 % einem leicht erhöhten Fettgehalt gegenüber den Vorjahren.

Durch die neue Düngeverordnung, die nur noch eine deutlich reduzierte Phosphor-Düngung zulässt, ist es auch in der Fütterung notwendig geworden, neben N- auch P-reduzierte Fütterungsstrategien anzuwenden. Im aktuellen Monitoring lag beim Rapsextraktionsschrot deshalb der Untersuchungsschwerpunkt bei den Mineralstoffen, insbesondere beim P-Gehalt. Dieser lag in 2019 im Durchschnitt bei 10,4 g/kg RES. Die dabei ermittelten Streuungen der Werte weisen Abweichungen von rund 20 % nach oben und
unten aus.

Berechnet man aus den Werten für K, Na, Cl und S das Kationen-Anionen-Verhältnis (DCAB), das für die Rationsgestaltung bei Milchkühen von Bedeutung ist, erhält man hier Werte von durchschnittlich -93 meq/kg. Das Monitoring zeigte ebenfalls eine hohe Übereinstimmung zwischen den deklarierten Rohproteingehalten der Hersteller/Verkäufer der verkauften RES-Ware und den ermittelten Analysewerten.

Die aktuellen Ergebnisse sowie die Ableitung von konkreten Fütterungsempfehlungen für den Einsatz von RES in der Rinder-, Schweine- und Gefügelfütterung sind ab sofort online unter www.proteinmarkt.de abrufbar.

Quelle: OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland

TVT fordert mehr Tierwohl für landwirtschaftliche Nutztiere

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Schnellstmöglicher Ausstieg aus der Haltung von Sauen in Kastenständen, sofortige Einführung eines Tierwohl-Monitorings sowie die Umsetzung des Borchert-Konzeptes

Das Tierwohl bei Nutztieren wird aktuell auf unterschiedlichen politischen Ebenen diskutiert: Im Bundesrat wird über die umstrittene Haltung von Sauen in Kastenständen abgestimmt. Mit dem Bericht des Kompetenznetzwerkes Nutztierhaltung wurde bereits ein umfassendes Konzept zur Verbesserung des Tierwohls vorgelegt und der Deutsche Ethikrat hat ganz aktuell u. a. die Lebensbedingungen der Nutztiere in Deutschland kritisiert.

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz begrüßt die Ausführungen des Ethikrates und fordert die Bundesregierung auf, das Konzept des Kompetenznetzwerkes kurzfristig umzusetzen und in diesem Zusammenhang einen vollkommenen Verzicht auf die Haltung von Sauen in Kastenständen sowie ein sofort einzuführendes Gesundheitsmonitoring in das vorliegende Konzept zur Transformation der Nutztierhaltung zu integrieren.

Der deutsche Ethikrat hat am 16. Juni in seiner Stellungnahme erhebliche Reformen gefordert, um künftig Mindeststandards eines akzeptablen Umgangs mit Nutztieren zu erreichen. Denn unter den derzeit rechtlich normierten Bedingungen in der Zucht, Haltung und bei der Schlachtung werden den Tieren, auch durch den wirtschaftlichen Druck, überwiegend vermeidbare Schmerzen und Leiden zugefügt. Schon im Februar hatte das von Bundesminister a. D. Jochen Borchert geleitete „Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung“ dem BMEL ein Konzept vorgelegt, mit dem die Nutztierhaltung in Deutschland in die Lage versetzt werden soll, den fachlichen und gesellschaftlichen Ansprüchen an den Tier- und Umweltschutz zu entsprechen und trotzdem weiter wettbewerbsfähig zu bleiben, da die aktuelle Situation gesellschaftlich immer weniger akzeptiert wird. Mit Zeitplan und Finanzierungskonzept wurde damit ein umfassendes, umsetzbares Konzept erarbeitet, mit dem den systematischen Mängeln der intensiven Tierhaltung, etwa den Einschränkungen des natürlichen Verhaltensrepertoires der Tiere, begegnet werden kann.
Zeitgleich debattiert der Bundesrat darüber, inwieweit die umstrittene Haltung von Sauen in Kastenständen mit verkürzter Aufenthaltsdauer der Tiere und Verbreiterung der Stände, über weitere Jahre fortgeführt werden soll. Für die TVT ist dies nicht akzeptabel, denn die Haltung von Sauen ist bei allen Bestandsgrößen ohne den Kastenstand möglich. So sind in Skandinavien beispielsweise die Gruppenhaltung von Sauen und die freie Abferkelung ohne Fixierung der Sau schon gesetzlich vorgeschrieben. Auch in Deutschland setzen Sauenhalter bereits auf die „kastenstandlose“ Haltung. Die TVT hat schon 2018 in Ihrem Merkblatt „Eckpunkte einer tiergerechten Sauenhaltung“ (Merkblatt 95) Möglichkeiten einer praxistauglichen und tiergerechten Gruppenhaltung aufgezeigt. Es stehen also bereits Haltungssysteme ohne die zwangsweise Haltung im Kastenstand praxisreif zur Verfügung. Die Bereitschaft zu einem Umdenken und Umgestalten ist in der Landwirtschaft vorhanden. Jetzt ist die Politik gefordert hierfür die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, in dem für die erforderlichen Umbaumaßnahmen die dafür notwendige Planungssicherheit geschaffen wird und geeignete Fördermaßnahmen für die Umstrukturierung eingerichtet werden.

„Wenn der Bundesrat jetzt für eine wie auch immer variierte Verlängerung der Kastenstandhaltung stimmt, wird damit diese tierschutzwidrige Haltungsform über viele Jahre fortgesetzt und dies widerspricht sowohl den Empfehlungen des Ethikrates als auch denen des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung“, so Prof. Dr. Thomas Blaha, stellvertretender Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V.

Benötigt wird laut TVT nun ein Umsetzungskonzept und der Wille aller Akteure, dieses dann auch unverzüglich in Angriff zu nehmen. Dafür ist das „Borchert-Papier“ als Grundlage hervorragend geeignet, so Blaha. Allerdings muss hier noch der Verzicht auf den Kastenstand mit aufgenommen werden. Damit könne man den systembedingten Tierschutzverstößen bei Nutztieren sinnvoll begegnen.

Als weiteres Problem sieht die TVT die immer wieder, unabhängig von den Haltungsbedingungen auftretenden Mängel und Defizite in der Tierbetreuung und Gesundheitsvorsorge in einzelnen Betrieben. Diese werden in den Empfehlungen des Kompetenznetzwerkes Nutztiere nicht ausreichend berücksichtigt. Betreuungsmängel können nämlich in allen Haltungsformen, auch in ökologischen und alternativen Haltungen, vorkommen und sind meist durch Managementfehler und oder menschliches Fehlverhalten verursacht.

Um Tierleid zu vermeiden müssen also auch Betreuungsmängel in den Betrieben frühzeitig identifiziert werden. Hierfür bietet sich ein nationales Tiergesundheits- und Tierwohl-Monitoring an, für das die erforderlichen Daten bereits vorhanden sind. Durch das Monitoring kann bei Auffälligkeiten durch eine qualifizierte fachliche Beratung das Tierwohl in suboptimal arbeitenden Betrieben Schritt für Schritt verbessert werden. Bei permanenten Mängeln oder Uneinsichtigkeit kann durch eine risikoorientierte amtliche Überwachung und ggf. einhergehenden Sanktionierungen für Abhilfe gesorgt werden.

„Ein solches Monitoring, kann in kürzester Zeit und mit einem vergleichsweise geringen Investitionsaufwand aufgebaut werden. Anhand der z. B. in den Tierbeständen und an den Schlachthöfen sowie in den Tierkörperbeseitigungsanlagen erhobenen Tiergesundheits- und Tierwohlindikatoren können Betreuungsmängel einzelner Betriebe fortlaufend erfasst werden. Damit bieten sie die Grundlage für eine fachliche Beratung bereits im Falle sich ankündigender tierschutzrelevanter Managementfehler und für zielgerichtete amtliche Kontrollen“, sagt Thomas Blaha.

Die TVT fordert daher die schrittweise völlige Abschaffung der Kastenstände in der Sauenhaltung sowie ein Tiergesundheits-Monitoring in die Umsetzung des „Borchert-Papiers“ zu integrieren. Die Bundesregierung sollte dieses umfassende Konzept schnellstmöglich in nationales Recht umsetzen und so die Voraussetzung für eine Realisierung der angestrebten Transformation der Nutztierhaltung in der Praxis schaffen.

Quelle: TVT

Auswirkungen von Hitzestress bei Rindern, ressourcenschonende Zucht und Verbesserung des Tierwohls

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Seit zehn Jahren kooperiert das FBN mit brasilianischen Wissenschaftlern
Bereits seit 2011 kooperieren Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie Dummerstorf mit brasilianischen Biologen und Veterinärmedizinern, um nachhaltige Strategien zur Verbesserung der Stoffwechselstabilität und Nutzungsdauer von Rindern und ihren Haltungsbedingungen vor dem Hintergrund des Klimawandels zu entwickeln. In verschiedenen Projekten wird der Einfluss von Hitzestress auf die Fruchtbarkeit, Eizell- und Embryonalentwicklung sowie der Energiestoffwechsel in frühen Embryonen erforscht.

„Die enge Zusammenarbeit und Vernetzung mit den brasilianischen Kollegen hat nicht nur zur einer Reihe wichtiger Erkenntnisse geführt, sondern auch einen regen Austausch mit Studenten und Nachwuchswissenschaftlern für die Forschung gefördert“, betonte Dr. Ralf Pöhland vom FBN-Institut für Fortpflanzungsbiologie. Seit Juli 2019 arbeitet Professorin Dr. Fabiana de Andrade Melo Sterza von der Staatlichen Universität von Mato Grosso do Sul in Aquidauana (UEMS/Brasilien) als Gastwissenschaftlerin am FBN. Die Veterinärmedizinerin betreut seit 2011 federführend die Forschungskooperation und den Austausch von Wissenschaftlern für Brasilien.

„Die Landwirtschaft ist ein bedeutender Sektor für die brasilianische Wirtschaft, besonderes im Bundesland Mato Grosso do Sul im mittleren Westen Brasiliens. Die Region Mato Grosso do Sul ist so groß wie Deutschland, hat aber mit 2,67 Mio. Menschen wesentlich weniger Einwohner und mit 21,4 Mio. Tieren weitaus mehr Rinder“, machte Professorin Fabiana de Andrade Melo Sterza deutlich. „Der Einsatz von innovativen Biotechnologien und Biomarkern in der Zucht kann die Produktion von Milch und Fleisch bei reduziertem Verbrauch von Land und Ressourcen, Vermeidung von Umweltschäden sowie Verbesserung des Tierwohls fördern. Trotz intensiver Forschung zur Fruchtbarkeit und Nutzungsdauer stagnieren seit einigen Jahren die Ergebnisse auf dem Gebiet. Mit der modernen Forschungsausstattung und dem Know-how des FBN möchten wir hier weitere Erfolge erzielen.“

Hitzeklima beeinträchtigt die Rinderhaltung
Schon seit vielen Jahren forschen Wissenschaftler an den Folgen zunehmender Hitzeperioden auf den Stoffwechsel und die Fruchtbarkeit von Milchkühen. Ähnlich wie Menschen atmen und schwitzen Kühe bei hohen Temperaturen stärker und nehmen mehr Wasser auf als bei ihrer Wohlfühltemperatur. Diese liegt bei deutschen Milchrindern bei etwa vier bis 15 Grad Celsius. Bereits ab ca. 20 Grad müssen die Tiere zusätzliche Energie aufwenden, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Tropische Rassen sind eher an höhere Temperaturen angepasst.Im Rahmen der deutsch-brasilianischen Zusammenarbeit wird in mehreren Forschungsprojekten untersucht, wie sich die Hitze bei in Brasilien angesiedelten tropischen Rinderrassen unter den unterschiedlichen Haltungsbedingungen auswirkt und welche natürlichen Anpassungsmechanismen diese Rassen entwickelt haben.Im Fokus stehen das weiße Fleischrind Nelore, das ursprünglich vom indischen Zebu abstammt und gut an das heiße Klima angepasst ist sowie die Girolandos, die als Milchrinder in ganz Brasilien gehalten werden. Die dritte Rasse sind die vom Aussterben bedrohten fast wilden Pantaneiros, die auch hohe Temperaturen und Luftfeuchte gewohnt sind.

Forschungsergebnisse finden große Beachtung in Brasilien
„Wir konnten unter anderem nachweisen, dass die Pantaneiros im Gegensatz zu den Girolandos kaum auf Hitzestress durch sehr hohe Temperaturen und Feuchtigkeit reagieren. Die Atmungsfrequenz blieb unverändert, während die Girolandos auf Hitzestress ähnlich negativ wie die deutschen Rinder reagieren“, so Professorin Dr. Fabiana de Andrade Melo Sterza. „Neu war für uns, dass die Pantaneirakühe bei einigen Parametern unter niedrigen Temperaturen vergleichbare Symptome wie andere Rinder unter Hitzestress zeigten. Das wollen wir weiter untersuchen.“

Eine weitere wichtige Erkenntnis waren die positiven Effekte bei der Haltungsform. „Bei einer schattigen Tierhaltung in Waldgebieten kam es selbst bei den hitzebeständigen Nelorerindern zu einer verbesserten Fruchtbarkeit und frühembryonalen Entwicklung nach künstlicher Befruchtung.“

Derzeit ist Brasilien der größte Fleischproduzent und Fleischexporteur und der zweitgrößte Embryonenproduzent der Welt. Tierschutz und Umweltschutz spielen dabei eine immer größere Rolle. Im vergangenen Jahr wurde das klimaneutrale Fleischsiegel (Brazilian beef – carbon neutral) in Brasilien etabliert. Landwirte, die integrierte und emissionsarme Haltungssysteme in Wäldern für ihre Rinder nutzen, können in der Vermarktung mit dem Siegel werben. Hier engagiert sich vor allem mit EMBRAPA Campo Grande ein weiterer gemeinsamer brasilianischer Partner.

Zur Verbesserung der Haltungsbedingungen setzen darüber hinaus immer mehr Rinderzüchter auf einen stressfreien Umgang, den die Tierhalter „Manejo Nada na mãos“ nennen. Das steht für „nichts in den Händen“ und eine neue Praxis des Herdenmanagements mittels Sprache und Körpersteuerung.

Gemeinsame Forschung wird fortgesetzt
Die Zusammenarbeit mit den Experten aus Brasilien wird in mehreren Projekten fortgeführt. „Zunächst geht es um die Anpassungsstrategien an die Umwelt und das Klima, die während der Domestikation und Zucht der untersuchten Rassen unter den entsprechend unterschiedlichen Bedingungen entstanden sind. Daraus sollen Züchtungsstrategien und Haltungsempfehlungen abgeleitet werden. Perspektivisch sollen verlässliche Marker, also konkrete leicht messbare genetische Merkmale, identifiziert werden, die Lösungsansätze zur Verbesserung des Tierwohls und der Tiergesundheit auch unter Hitzestress liefern“, sagte Dr. Ralf Pöhland. „Hier verfolgen wir mehrere vielversprechende Ansätze, die sich aus der fast zehnjährigen Forschungskooperation ergeben haben.“

Hitzestress bei Nutztieren ist ein Forschungsschwerpunkt am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN). Im Dummerstorfer Institut stehen Klima- und Respirationskammern zur Verfügung, in denen unter modernsten Maßgaben und mit gewünschten Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsbedingungen geforscht werden kann. Das ist zum einen für die hochleistenden Milchkühe, die im deutschen Sommer oft unter Hitzestress leiden, und zum anderen für die Verbesserung der Nutztierhaltung in südlichen Ländern auch unter dem Aspekt des Klimawandels von Bedeutung.

Publikationen
Tropical Animal Health and Production; März 2020
Shading effect on physiological parameters and in vitro embryo production of tropical adapted Nellore heifers in integrated crop-livestock-forest systems
https://link.springer.com/article/10.1007/s11250-020-02244-3
DOI https://doi.org/10.1007/s11250-020-02244-3

Theriogenology; Mai 2019
Oocyte Quality and Heat Shock Proteins in Oocytes From Bovine Breeds Adapted to the Tropics Under Different Conditions of Environmental Thermal Stress
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30878692/
DOI: 10.1016/j.theriogenology.2019.02.039

Quelle: FBN

Schweinehalter schreiben „Offenen Brief“ an die Regierungsfraktionen zur Änderung des Baugesetzbuches

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Heute haben drei Dutzend deutsche Schweinehalter einen an die Bundestagsfraktionen von CDU, CSU und SPD gerichteten „Offenen Brief“ zur Änderung des Baugesetzbuches veröffentlicht:

Sehr geehrte Damen und Herren,

alle wollen mehr Tierwohl und Umweltschutz, nur wer „a“ sagt, muss auch „b“ sagen! Um diese gesellschaftlichen Ansprüche umsetzen zu können, müssen Sie uns auch die Chance dazu geben.

Wir haben uns Anfang letzter Woche sehr über die Meldung, dass das Kabinett einen Entwurf zur Änderung des Baugesetzbuches beschlossen hat, gefreut. Umso enttäuschter waren wir, als wir hörten, dass die erste Lesung im Plenum verschoben wurde.

Wir sind eine Gruppe aus aktiven Schweinehaltern jeglicher Betriebsgröße aus ganz Deutschland. Wir fühlen uns sowohl von der Politik als auch von der Gesellschaft vollkommen im Stich gelassen. Wir möchten unseren Tieren mehr Tierwohl ermöglichen und auch dem Umweltschutz gerecht werden. Nur um höhere Tier- und Umweltschutzstandards nachkommen zu können, müssen wir die Erlaubnis bekommen, unsere Betriebe umzubauen oder gegebenenfalls auch neu zu bauen. Wir möchten unsere Höfe gerne in eine Zukunft mit Perspektive führen und fordern deshalb zeitnah eine praktikable Lösung! Wir bitten Sie daher inständig: stimmen Sie einer Änderung des Baugesetzbuches zu, und blockieren Sie nicht die Verbesserungen im Bereich Tier- und Umweltschutz.

Wer Änderungen im Tier- und Umweltschutz anstrebt, muss auch juristisch die Möglichkeiten der Umsetzbarkeit schaffen. Ansonsten werden die Betriebe die Schweinehaltung aufgeben, und die Frage des Tierschutzes wird exportiert. Damit ist niemandem geholfen: weder den Tieren, noch den Landwirten und auch nicht den Verbrauchern, die zumindest laut Umfragen regional erzeugte Lebensmittel bevorzugen. Deswegen muss die Politik hier für die deutschen Tierhalter eine Vereinfachung des Genehmigungsverfahrens formulieren. Ohne die Möglichkeit einer Modernisierung rauben Sie uns die Zukunft.

Mit freundlichen Grüßen

die unterzeichnenden deutschen Schweinehalter:
Nadine & Heinrich Henke, Brokser Sauen
Gabriele Mörixmann, Aktivstall für Schweine
Dirk Nienhaus, Bocholter Landschwein
Bernhard Barkmann, Blog Agrar
Gerhard Langreiter
Andreas & Michael Kühling
Claudia & Andreas Puckert
Dagmar & Andreas Klingelhöller
Carsten Spieker
Martin Roberg
Hubertus Berges
Bernd Degener
Mathis Langhorst
Andre Brunemund
F. Hollmann
Anja Mettenbrink
Johannes Bühlmeyer
Jürgen Dierauff
Johannes Scharl
Daniel Budde
Dorit Nyenhuis
Michael Volkening
Heidi & Marco Lang
Thorsten Sturm
Stephan Knorre
Andreas Oberndörfer
Meinke Ostermann
Silke Dibbert
Hermann Heukamp
Dominik Lösing
Alois Hamper

Weitere Unterstützer:
Dr. Willi Kremer-Schillings alias Bauer Willi
Rene Rempt
Ralf Pauelsen
Alexandra & Marco Becker
Sabine Brocker
Anton Heukamp
Arnold Krämer
Anne Niggeloh

Fünf Jahre Saugferkelfütterung Nutrix

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Viele Schweinezuchtbetriebe kennen die Herausforderung: Aufgrund steigender Ferkelzahl¬en reicht die Sauenmilch alleine nicht mehr aus, um die Ferkel optimal zu versorgen. Exakt für diese Anwendung bewährt sich seit nunmehr fünf Jahren weltweit die Saugferkelfütter¬ung Nutrix des niedersächsischen Stallausrüsters WEDA Dammann & Westerkamp.

Mit der Saugferkelfütterung Nutrix haben die Spezialisten aus Lutten vor fünf Jahren eine Welt-neuheit entwickelt. Die Leistungen von Sauen und Ferkeln werden dank dieser vollautomatischen Beifütterung deutlich verbessert. Im Ergebnis nehmen die Sauen während der Säugezeit weniger ab und die Ferkel nehmen effizienter an Gewicht zu.

Ferkel deutlich schwerer
Die Ergebnisse im Betriebsalltag sprechen für sich: „Ein Kunde aus Ungarn berichtet uns etwa, dass seine Ferkel seit der Installation der Saugferkelfütterung Nutrix bis zu 1,5 Kilogramm schwerer sind“, erläutert der Bereichsleiter Entwicklung bei WEDA, Ralf Meyer. Auch die Ergebnisse einer Bachelorarbeit, angefertigt an der Fachhochschule Südwestfalen, Fachbereich Agrarwirtschaft, in Soest, dokumentieren: Bei nahezu gleichem Futterverbrauch konnten mit Nutrix im Vergleich zu ei-nem anderen Fütterungssystem signifikantere Zunahmen pro Ferkel festgestellt werden. Der durch die höheren Absatzgewichte erzielte Mehrerlös pro Ferkel lag im Schnitt bei 2,04 Euro.

Sensor erfasst Füllstand
Dabei sind das Handling und die Funktionsweise des Systems Nutrix ganz einfach: Über eine Futterschale, die in die Buchtenwand zwischen zwei Buchten eingebaut wird und somit von beiden Buchten zu erreichen ist, wird das flüssige Futter automatisch dosiert. Ein wesentlicher Punkt dabei ist, dass der Füllstand über den Tag permanent überwacht wird und nur dann frische Kleinstmengen (minimal 30 Gramm) in den Trog dosiert werden, wenn dieser von den Ferkeln geleert wurde.

Multiphasenfütterung
„Bereits am Tag nach der Geburt können die Ferkel zusätzlich über den Trog mit Milch gefüttert werden. Schon nach kurzer Zeit nehmen alle Ferkel das System so gut an, dass die Milchmengen langsam erhöht und anschließend mit Pre-Starterfutter gemischt gefüttert werden können“, bilan-ziert Ralf Meyer. Eine kontinuierliche Anpassung der Rezepturen, je nach Wachstumsphase, spart nicht nur Futterkosten, sondern vermindert auch deutlich mögliche Durchfallerkrankungen.

Besseres Dashboard, neue Berichte und Pläne
Anlässlich des fünften Geburtstags hat WEDA die Nutrix nun mit einer optimierten Rechnergen-eration ausgestattet. „Das positive Ergebnis: Mit dem neuen Rechner Excellent können infolge unkomplizierter Bedienung kleine als auch große Anlagen noch einfacher gehändelt werden“, weiß Entwicklungschef Meyer. Darüber hinaus hält der neue Rechner nun sehr viele nützliche Features bereit, die sich bereits in der Flüssigfütterung bewährt haben. So wurde etwa das Dashboard verbessert sowie Berichte und Wartungsplan hinzugefügt. Überdies ist ein automatischer Versand
dieser Formulare per E-Mail nun leicht möglich.

Weitere Vorteile von Nutrix auf einen Blick:
– Enzymtraining für den Verdauungstrakt der Tiere – von der Milch zum Getreide. Wenn Ferkel gewohnt sind, im Abferkelbereich Getreide zu fressen, ist im Flatdeck die Futteraufnahme deutlich höher.
– neue Entwicklungsstufe mit dem Einsatz von Ferment: weiter erhöhte Reduktion von Durchfall-erkrankungen, deutlich niedriger Einsatz von Medikamenten, geringere Sterblichkeit und weniger Absatzstress.

Quelle: WEDA Dammann & Westerkamp GmbH

Starke Gemeinschaft: Bundesverband Ei e. V. (BVEi) bündelt Interessen der Eierwirtschaft

Gemeinsam ist man stärker. Das ist das Credo für den Bundesverband Ei e. V. (BVEi), in dem sich ab sofort alle Kräfte für eine starke berufsständische Vertretung der an der Eierwirtschaft in Deutschland Beteiligten bündeln. Entstanden ist diese schlagkräftige Gemeinschaft durch die Verschmelzung des „Zentralverband Eier (ZVE) European Egg Commerce (EEC) e.V.“ auf den Bundesverband Deutsches Ei e. V. (BDE), der seine seit 2001 aktive Verbandsarbeit unter dem neuen Namen Bundesverband Ei e. V. (BVEi) fortsetzt. Mit der Eintragung ins Vereinsregister beim Amtsgericht Charlottenburg (Berlin) ist die Verschmelzung in dieser Woche rechtswirksam abgeschlossen worden.

Neues Logo bildet Selbstverständnis ab: Modern, stark, sympathisch
„Mit dem BVEi als starker Einheit zur Vertretung einer modernen Branche sind wir optimal aufgestellt“, sagt Vorsitzender Henner Schönecke. Der BVEi bildet unter dem Dach des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG) die gesamte Erzeugungskette von Eiern ab: Ordentliche Mitglieder sind Junghennenaufzuchtbetriebe, Legehennenhalter, Packstellen/Eierhandel sowie als weitere Gruppe die Koch-, Schäl- und Färbebetriebe, die in Fachbeiräten mit beratender Funktion organisiert sind. Mit der Eintragung ins Vereinsregister hat sich der BVEi auch ein neues Logo gegeben. „Unser Logo spiegelt auf sehr schöne Weise unser Selbstverständnis als Branche wider“, sagt BVEi-Vorsitzender Henner Schönecke: „Es ist modern, stark, sympathisch, ein Symbol der Einheit – und im Zentrum steht natürlich immer das Ei.“

Aufbruch in Sachen Image: Branchenkommunikation Legehenne läuft an
Parallel läuft in diesem Sommer auch die Branchenkommunikation Legehenne der im BVEi organisierten Eierwirtschaft in Deutschland mit Unterstützung der im ZDG vertretenen Landesverbände an. „Wir stehen vor einem Aufbruch, was unser Image angeht“, sagt BVEi-Vorsitzender Henner Schönecke. „Mit unserer professionellen Branchenkommunikation wollen wir die Öffentlichkeit aktiv über unsere Arbeit als Legehennenhalter informieren – damit wir in Zukunft als genau die leistungsstarke, fortschrittliche, dem Tierwohl verpflichtete Branche wahrgenommen werden, die wir sind.“ Als erste Projekte der Branchenkommunikation sind unter anderem eine informative Website, sympathisch-authentische Porträts von Legehennenhaltern und eine aktive Pressearbeit geplant.

Mitgliederversammlung mit Vorstandswahl am 5. November 2020
Einen neuen Vorstand wird der BVEi bei seiner ersten Mitgliederversammlung am Donnerstag, 5. November 2020, wählen. Wegen der Corona-Pandemie war der ursprünglich fürs Frühjahr vorgesehene Termin auf den Spätherbst verschoben worden.
Bis zur Neuwahl des Vorstandes im November bleibt der BVEi-Interimsvorstand mit den Mitgliedern der gewählten Vorstände des BVEi und des ZVE im Amt.

Quelle: ZDG

„BVDzero Case Awards“ 2020: die Gewinner

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Boehringer Ingelheim vergibt ein Preisgeld von insgesamt 15.000 € an die zehn relevantesten klinischen Fälle – Mit der Auszeichnung will das Unternehmen das Bewusstsein für Bovine Virusdiarrhoe (BVD) stärken.

Boehringer Ingelheim hat die Gewinner der „BVDzero Case Awards“ 2020 verkündet. Mit der Auszeichnung, die alle zwei Jahre verliehen wird, engagiert sich Boehringer Ingelheim dafür, die Gesundheit und das Wohlbefinden von Nutztieren zu verbessern.

„Die Bovine Virusdiarrhoe (BVD) ist eine der weltweit am weitesten verbreiteten Krankheiten bei Rindern und führt in der Rinderhaltung zu großem gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schaden. Wir haben uns dem Kampf gegen BVDV verschrieben und unterstützen Tierärzte und Landwirte mit neuartigen präventiven Gesundheitslösungen“, so Steve Williams, Leiter des Bereichs Global Strategic Marketing für Wiederkäuer in der Boehringer Ingelheim Tiergesundheit.

Die diesjährige BVDzero-Pressekonferenz und Preisverleihung fand online am 25. Mai 2020 statt. Die Gewinner wurden im Rahmen eines Online-Meetings vom BVDzero-Komitee ausgewählt, das sich aus renommierten unabhängigen Experten aus dem Gebiet der Rindergesundheit zusammensetzt.

Boehringer Ingelheim hat ein Gesamtpreisgeld von 15.000 € an die zehn aussagekräftigsten eingereichten klinischen Fälle vergeben. Die rund 20 Einreichungen kamen unter anderem aus dem Vereinigten Königreich, Spanien, den Niederlanden, Frankreich, Jordanien, der Türkei und Südkorea.

Die Autoren der relevantesten fünf Fälle konnten ihre Einreichungen im Rahmen der Online-Pressekonferenz vorstellen. Prof. Volker Moennig, Leiter des BVDzero-Komitees, verlieh die Preise an die Gewinner.

Mithilfe der „BVDzero Case Awards“ verfolgt Boehringer Ingelheim weiterhin das Ziel, die Suche sowohl nach klinischen als auch nach subklinischen Fällen von Bovine Virusdiarrhoe (BVD) in Rinderherden zu fördern. Das Unternehmen möchte so das Bewusstsein für BVD stärken und dadurch zu einer Reduzierung der Prävalenz beitragen.

Die aussagekräftigsten zehn Fälle wurden eingereicht von:

1 Magdalini Sioukiouroglou (UK)
2 Paul Crawford (UK)
3 Laura Donovan (UK)
4 Hans Verweij (NL)
5 Laura-May Canonne (FR)
6 Nikki Moore (UK)
7 Niels Geurts (NL)
8 Sameeh Abutarbush (JO)
9 Rebecca Gay (UK)
10 Anne-Cécile Thirion (FR)

Herzlichen Glückwunsch!

Das Boehringer Ingelheim BVDzero-Team plant, diese Initiative auch in Zukunft fortzusetzen. Weitergehende Informationen hier

Quelle: Boehringer Ingelheim

Veterinär-Labor testet Erntehelfer und Schlachthof-Mitarbeiter auf Covid-19

Früh hatten die tierärztlichen Verbände Test-Kapazitäten veterinärmedizinischer Labore zur Bewältigung der Corona-Krise angeboten. Nach einigem Zögern wurde dies von Seiten der Politik auch begrüßt, dann aber im entsprechenden Gesetzentwurf wieder gestrichen. Dabei gibt es durchaus Erfolgsgeschichten, die auf privater Initiative beruhen.

Anja Edzards, WEK Visbek

Das Labor der Gemeinschaftspraxis WEK in Visbek testet z. B. schon seit Mitte März Human-Proben auf Covid-19. Angefangen haben die Geflügel- und Schweine-Spezialisten mit den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, schon kurz darauf kamen ausländische Erntearbeiter hinzu, die in der Region rund um Vechta etwa zur Spargel- oder Erdbeer-Ernte angeworben wurden. Inzwischen werden auch Schlachthofmitarbeiter deutscher und niederländischer Betriebe beprobt.

Aufgrund der großen Probenzahl, bis zu 3.000 Proben pro Woche, ist es möglich sehr kostengünstig zu arbeiten. Hierzu werden je 10 Proben gebündelt und auf einmal untersucht. Nur wenn das Ergebnis „positiv“ lautet, werden diese 10 Proben nochmals einzeln untersucht. Mit solchen „Pools“ als validierter Labormethode zu arbeiten, wird heute auch von Humanmedizinern und Virologen empfohlen. Tiermedizinische Labore wie jenes in Visbek machen das bereits seit Mitte März.

Wiebke Wilms-Schulze Kump, WEK Visbek

Gemeinsam mit einem Erdbeer-Betrieb aus der Region haben die Tierärzte sogar einen Express-Service installiert. Und der funktioniert so: Erntehelfer aus Rumänien, Bulgarien oder der Ukraine landen abends auf einem deutschen Flughafen, werden dort sofort beprobt und starten anschließend per Bus Richtung Vechta. Die Proben allerdings werden mit einem flotten PKW vorausgeschickt. Kommt der Reisebus einige Stunden später an, ist die Laboranalyse schon fast abgeschlossen. Für die Erntehelfer steht am Ziel ein Catering bereit und wenn sie ihr Frühstück beendet haben, liegen auch schon die Testergebnisse vor.

Elisa-Test: positiv

Trägt keiner der Erntehelfer das Virus in sich, steht der Erdbeerernte nichts mehr im Wege. Gibt es dagegen einen positiven Befund, kommt der Infizierte in Einzel-Quarantäne (und, falls sich ernstere Symptome einstellen, ins Krankenhaus). Für alle anderen Bus-Insassen wird eine Arbeits-Quarantäne eingerichtet, d. h. sie bleiben als Gruppe in einer Gemeinschaftsunterkunft getrennt von allen anderen, arbeiten als Gruppe auch auf separaten Feldern und werden natürlich weiterhin regelmäßig beprobt. So ist das ganze Prozedere auch mit dem örtlichen Gesundheitsamt abgestimmt.