TVT fordert mehr Tierwohl für landwirtschaftliche Nutztiere

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Schnellstmöglicher Ausstieg aus der Haltung von Sauen in Kastenständen, sofortige Einführung eines Tierwohl-Monitorings sowie die Umsetzung des Borchert-Konzeptes

Das Tierwohl bei Nutztieren wird aktuell auf unterschiedlichen politischen Ebenen diskutiert: Im Bundesrat wird über die umstrittene Haltung von Sauen in Kastenständen abgestimmt. Mit dem Bericht des Kompetenznetzwerkes Nutztierhaltung wurde bereits ein umfassendes Konzept zur Verbesserung des Tierwohls vorgelegt und der Deutsche Ethikrat hat ganz aktuell u. a. die Lebensbedingungen der Nutztiere in Deutschland kritisiert.

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz begrüßt die Ausführungen des Ethikrates und fordert die Bundesregierung auf, das Konzept des Kompetenznetzwerkes kurzfristig umzusetzen und in diesem Zusammenhang einen vollkommenen Verzicht auf die Haltung von Sauen in Kastenständen sowie ein sofort einzuführendes Gesundheitsmonitoring in das vorliegende Konzept zur Transformation der Nutztierhaltung zu integrieren.

Der deutsche Ethikrat hat am 16. Juni in seiner Stellungnahme erhebliche Reformen gefordert, um künftig Mindeststandards eines akzeptablen Umgangs mit Nutztieren zu erreichen. Denn unter den derzeit rechtlich normierten Bedingungen in der Zucht, Haltung und bei der Schlachtung werden den Tieren, auch durch den wirtschaftlichen Druck, überwiegend vermeidbare Schmerzen und Leiden zugefügt. Schon im Februar hatte das von Bundesminister a. D. Jochen Borchert geleitete „Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung“ dem BMEL ein Konzept vorgelegt, mit dem die Nutztierhaltung in Deutschland in die Lage versetzt werden soll, den fachlichen und gesellschaftlichen Ansprüchen an den Tier- und Umweltschutz zu entsprechen und trotzdem weiter wettbewerbsfähig zu bleiben, da die aktuelle Situation gesellschaftlich immer weniger akzeptiert wird. Mit Zeitplan und Finanzierungskonzept wurde damit ein umfassendes, umsetzbares Konzept erarbeitet, mit dem den systematischen Mängeln der intensiven Tierhaltung, etwa den Einschränkungen des natürlichen Verhaltensrepertoires der Tiere, begegnet werden kann.
Zeitgleich debattiert der Bundesrat darüber, inwieweit die umstrittene Haltung von Sauen in Kastenständen mit verkürzter Aufenthaltsdauer der Tiere und Verbreiterung der Stände, über weitere Jahre fortgeführt werden soll. Für die TVT ist dies nicht akzeptabel, denn die Haltung von Sauen ist bei allen Bestandsgrößen ohne den Kastenstand möglich. So sind in Skandinavien beispielsweise die Gruppenhaltung von Sauen und die freie Abferkelung ohne Fixierung der Sau schon gesetzlich vorgeschrieben. Auch in Deutschland setzen Sauenhalter bereits auf die „kastenstandlose“ Haltung. Die TVT hat schon 2018 in Ihrem Merkblatt „Eckpunkte einer tiergerechten Sauenhaltung“ (Merkblatt 95) Möglichkeiten einer praxistauglichen und tiergerechten Gruppenhaltung aufgezeigt. Es stehen also bereits Haltungssysteme ohne die zwangsweise Haltung im Kastenstand praxisreif zur Verfügung. Die Bereitschaft zu einem Umdenken und Umgestalten ist in der Landwirtschaft vorhanden. Jetzt ist die Politik gefordert hierfür die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, in dem für die erforderlichen Umbaumaßnahmen die dafür notwendige Planungssicherheit geschaffen wird und geeignete Fördermaßnahmen für die Umstrukturierung eingerichtet werden.

„Wenn der Bundesrat jetzt für eine wie auch immer variierte Verlängerung der Kastenstandhaltung stimmt, wird damit diese tierschutzwidrige Haltungsform über viele Jahre fortgesetzt und dies widerspricht sowohl den Empfehlungen des Ethikrates als auch denen des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung“, so Prof. Dr. Thomas Blaha, stellvertretender Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V.

Benötigt wird laut TVT nun ein Umsetzungskonzept und der Wille aller Akteure, dieses dann auch unverzüglich in Angriff zu nehmen. Dafür ist das „Borchert-Papier“ als Grundlage hervorragend geeignet, so Blaha. Allerdings muss hier noch der Verzicht auf den Kastenstand mit aufgenommen werden. Damit könne man den systembedingten Tierschutzverstößen bei Nutztieren sinnvoll begegnen.

Als weiteres Problem sieht die TVT die immer wieder, unabhängig von den Haltungsbedingungen auftretenden Mängel und Defizite in der Tierbetreuung und Gesundheitsvorsorge in einzelnen Betrieben. Diese werden in den Empfehlungen des Kompetenznetzwerkes Nutztiere nicht ausreichend berücksichtigt. Betreuungsmängel können nämlich in allen Haltungsformen, auch in ökologischen und alternativen Haltungen, vorkommen und sind meist durch Managementfehler und oder menschliches Fehlverhalten verursacht.

Um Tierleid zu vermeiden müssen also auch Betreuungsmängel in den Betrieben frühzeitig identifiziert werden. Hierfür bietet sich ein nationales Tiergesundheits- und Tierwohl-Monitoring an, für das die erforderlichen Daten bereits vorhanden sind. Durch das Monitoring kann bei Auffälligkeiten durch eine qualifizierte fachliche Beratung das Tierwohl in suboptimal arbeitenden Betrieben Schritt für Schritt verbessert werden. Bei permanenten Mängeln oder Uneinsichtigkeit kann durch eine risikoorientierte amtliche Überwachung und ggf. einhergehenden Sanktionierungen für Abhilfe gesorgt werden.

„Ein solches Monitoring, kann in kürzester Zeit und mit einem vergleichsweise geringen Investitionsaufwand aufgebaut werden. Anhand der z. B. in den Tierbeständen und an den Schlachthöfen sowie in den Tierkörperbeseitigungsanlagen erhobenen Tiergesundheits- und Tierwohlindikatoren können Betreuungsmängel einzelner Betriebe fortlaufend erfasst werden. Damit bieten sie die Grundlage für eine fachliche Beratung bereits im Falle sich ankündigender tierschutzrelevanter Managementfehler und für zielgerichtete amtliche Kontrollen“, sagt Thomas Blaha.

Die TVT fordert daher die schrittweise völlige Abschaffung der Kastenstände in der Sauenhaltung sowie ein Tiergesundheits-Monitoring in die Umsetzung des „Borchert-Papiers“ zu integrieren. Die Bundesregierung sollte dieses umfassende Konzept schnellstmöglich in nationales Recht umsetzen und so die Voraussetzung für eine Realisierung der angestrebten Transformation der Nutztierhaltung in der Praxis schaffen.

Quelle: TVT

Auswirkungen von Hitzestress bei Rindern, ressourcenschonende Zucht und Verbesserung des Tierwohls

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Seit zehn Jahren kooperiert das FBN mit brasilianischen Wissenschaftlern
Bereits seit 2011 kooperieren Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie Dummerstorf mit brasilianischen Biologen und Veterinärmedizinern, um nachhaltige Strategien zur Verbesserung der Stoffwechselstabilität und Nutzungsdauer von Rindern und ihren Haltungsbedingungen vor dem Hintergrund des Klimawandels zu entwickeln. In verschiedenen Projekten wird der Einfluss von Hitzestress auf die Fruchtbarkeit, Eizell- und Embryonalentwicklung sowie der Energiestoffwechsel in frühen Embryonen erforscht.

„Die enge Zusammenarbeit und Vernetzung mit den brasilianischen Kollegen hat nicht nur zur einer Reihe wichtiger Erkenntnisse geführt, sondern auch einen regen Austausch mit Studenten und Nachwuchswissenschaftlern für die Forschung gefördert“, betonte Dr. Ralf Pöhland vom FBN-Institut für Fortpflanzungsbiologie. Seit Juli 2019 arbeitet Professorin Dr. Fabiana de Andrade Melo Sterza von der Staatlichen Universität von Mato Grosso do Sul in Aquidauana (UEMS/Brasilien) als Gastwissenschaftlerin am FBN. Die Veterinärmedizinerin betreut seit 2011 federführend die Forschungskooperation und den Austausch von Wissenschaftlern für Brasilien.

„Die Landwirtschaft ist ein bedeutender Sektor für die brasilianische Wirtschaft, besonderes im Bundesland Mato Grosso do Sul im mittleren Westen Brasiliens. Die Region Mato Grosso do Sul ist so groß wie Deutschland, hat aber mit 2,67 Mio. Menschen wesentlich weniger Einwohner und mit 21,4 Mio. Tieren weitaus mehr Rinder“, machte Professorin Fabiana de Andrade Melo Sterza deutlich. „Der Einsatz von innovativen Biotechnologien und Biomarkern in der Zucht kann die Produktion von Milch und Fleisch bei reduziertem Verbrauch von Land und Ressourcen, Vermeidung von Umweltschäden sowie Verbesserung des Tierwohls fördern. Trotz intensiver Forschung zur Fruchtbarkeit und Nutzungsdauer stagnieren seit einigen Jahren die Ergebnisse auf dem Gebiet. Mit der modernen Forschungsausstattung und dem Know-how des FBN möchten wir hier weitere Erfolge erzielen.“

Hitzeklima beeinträchtigt die Rinderhaltung
Schon seit vielen Jahren forschen Wissenschaftler an den Folgen zunehmender Hitzeperioden auf den Stoffwechsel und die Fruchtbarkeit von Milchkühen. Ähnlich wie Menschen atmen und schwitzen Kühe bei hohen Temperaturen stärker und nehmen mehr Wasser auf als bei ihrer Wohlfühltemperatur. Diese liegt bei deutschen Milchrindern bei etwa vier bis 15 Grad Celsius. Bereits ab ca. 20 Grad müssen die Tiere zusätzliche Energie aufwenden, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Tropische Rassen sind eher an höhere Temperaturen angepasst.Im Rahmen der deutsch-brasilianischen Zusammenarbeit wird in mehreren Forschungsprojekten untersucht, wie sich die Hitze bei in Brasilien angesiedelten tropischen Rinderrassen unter den unterschiedlichen Haltungsbedingungen auswirkt und welche natürlichen Anpassungsmechanismen diese Rassen entwickelt haben.Im Fokus stehen das weiße Fleischrind Nelore, das ursprünglich vom indischen Zebu abstammt und gut an das heiße Klima angepasst ist sowie die Girolandos, die als Milchrinder in ganz Brasilien gehalten werden. Die dritte Rasse sind die vom Aussterben bedrohten fast wilden Pantaneiros, die auch hohe Temperaturen und Luftfeuchte gewohnt sind.

Forschungsergebnisse finden große Beachtung in Brasilien
„Wir konnten unter anderem nachweisen, dass die Pantaneiros im Gegensatz zu den Girolandos kaum auf Hitzestress durch sehr hohe Temperaturen und Feuchtigkeit reagieren. Die Atmungsfrequenz blieb unverändert, während die Girolandos auf Hitzestress ähnlich negativ wie die deutschen Rinder reagieren“, so Professorin Dr. Fabiana de Andrade Melo Sterza. „Neu war für uns, dass die Pantaneirakühe bei einigen Parametern unter niedrigen Temperaturen vergleichbare Symptome wie andere Rinder unter Hitzestress zeigten. Das wollen wir weiter untersuchen.“

Eine weitere wichtige Erkenntnis waren die positiven Effekte bei der Haltungsform. „Bei einer schattigen Tierhaltung in Waldgebieten kam es selbst bei den hitzebeständigen Nelorerindern zu einer verbesserten Fruchtbarkeit und frühembryonalen Entwicklung nach künstlicher Befruchtung.“

Derzeit ist Brasilien der größte Fleischproduzent und Fleischexporteur und der zweitgrößte Embryonenproduzent der Welt. Tierschutz und Umweltschutz spielen dabei eine immer größere Rolle. Im vergangenen Jahr wurde das klimaneutrale Fleischsiegel (Brazilian beef – carbon neutral) in Brasilien etabliert. Landwirte, die integrierte und emissionsarme Haltungssysteme in Wäldern für ihre Rinder nutzen, können in der Vermarktung mit dem Siegel werben. Hier engagiert sich vor allem mit EMBRAPA Campo Grande ein weiterer gemeinsamer brasilianischer Partner.

Zur Verbesserung der Haltungsbedingungen setzen darüber hinaus immer mehr Rinderzüchter auf einen stressfreien Umgang, den die Tierhalter „Manejo Nada na mãos“ nennen. Das steht für „nichts in den Händen“ und eine neue Praxis des Herdenmanagements mittels Sprache und Körpersteuerung.

Gemeinsame Forschung wird fortgesetzt
Die Zusammenarbeit mit den Experten aus Brasilien wird in mehreren Projekten fortgeführt. „Zunächst geht es um die Anpassungsstrategien an die Umwelt und das Klima, die während der Domestikation und Zucht der untersuchten Rassen unter den entsprechend unterschiedlichen Bedingungen entstanden sind. Daraus sollen Züchtungsstrategien und Haltungsempfehlungen abgeleitet werden. Perspektivisch sollen verlässliche Marker, also konkrete leicht messbare genetische Merkmale, identifiziert werden, die Lösungsansätze zur Verbesserung des Tierwohls und der Tiergesundheit auch unter Hitzestress liefern“, sagte Dr. Ralf Pöhland. „Hier verfolgen wir mehrere vielversprechende Ansätze, die sich aus der fast zehnjährigen Forschungskooperation ergeben haben.“

Hitzestress bei Nutztieren ist ein Forschungsschwerpunkt am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN). Im Dummerstorfer Institut stehen Klima- und Respirationskammern zur Verfügung, in denen unter modernsten Maßgaben und mit gewünschten Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsbedingungen geforscht werden kann. Das ist zum einen für die hochleistenden Milchkühe, die im deutschen Sommer oft unter Hitzestress leiden, und zum anderen für die Verbesserung der Nutztierhaltung in südlichen Ländern auch unter dem Aspekt des Klimawandels von Bedeutung.

Publikationen
Tropical Animal Health and Production; März 2020
Shading effect on physiological parameters and in vitro embryo production of tropical adapted Nellore heifers in integrated crop-livestock-forest systems
https://link.springer.com/article/10.1007/s11250-020-02244-3
DOI https://doi.org/10.1007/s11250-020-02244-3

Theriogenology; Mai 2019
Oocyte Quality and Heat Shock Proteins in Oocytes From Bovine Breeds Adapted to the Tropics Under Different Conditions of Environmental Thermal Stress
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30878692/
DOI: 10.1016/j.theriogenology.2019.02.039

Quelle: FBN

Schweinehalter schreiben „Offenen Brief“ an die Regierungsfraktionen zur Änderung des Baugesetzbuches

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Heute haben drei Dutzend deutsche Schweinehalter einen an die Bundestagsfraktionen von CDU, CSU und SPD gerichteten „Offenen Brief“ zur Änderung des Baugesetzbuches veröffentlicht:

Sehr geehrte Damen und Herren,

alle wollen mehr Tierwohl und Umweltschutz, nur wer „a“ sagt, muss auch „b“ sagen! Um diese gesellschaftlichen Ansprüche umsetzen zu können, müssen Sie uns auch die Chance dazu geben.

Wir haben uns Anfang letzter Woche sehr über die Meldung, dass das Kabinett einen Entwurf zur Änderung des Baugesetzbuches beschlossen hat, gefreut. Umso enttäuschter waren wir, als wir hörten, dass die erste Lesung im Plenum verschoben wurde.

Wir sind eine Gruppe aus aktiven Schweinehaltern jeglicher Betriebsgröße aus ganz Deutschland. Wir fühlen uns sowohl von der Politik als auch von der Gesellschaft vollkommen im Stich gelassen. Wir möchten unseren Tieren mehr Tierwohl ermöglichen und auch dem Umweltschutz gerecht werden. Nur um höhere Tier- und Umweltschutzstandards nachkommen zu können, müssen wir die Erlaubnis bekommen, unsere Betriebe umzubauen oder gegebenenfalls auch neu zu bauen. Wir möchten unsere Höfe gerne in eine Zukunft mit Perspektive führen und fordern deshalb zeitnah eine praktikable Lösung! Wir bitten Sie daher inständig: stimmen Sie einer Änderung des Baugesetzbuches zu, und blockieren Sie nicht die Verbesserungen im Bereich Tier- und Umweltschutz.

Wer Änderungen im Tier- und Umweltschutz anstrebt, muss auch juristisch die Möglichkeiten der Umsetzbarkeit schaffen. Ansonsten werden die Betriebe die Schweinehaltung aufgeben, und die Frage des Tierschutzes wird exportiert. Damit ist niemandem geholfen: weder den Tieren, noch den Landwirten und auch nicht den Verbrauchern, die zumindest laut Umfragen regional erzeugte Lebensmittel bevorzugen. Deswegen muss die Politik hier für die deutschen Tierhalter eine Vereinfachung des Genehmigungsverfahrens formulieren. Ohne die Möglichkeit einer Modernisierung rauben Sie uns die Zukunft.

Mit freundlichen Grüßen

die unterzeichnenden deutschen Schweinehalter:
Nadine & Heinrich Henke, Brokser Sauen
Gabriele Mörixmann, Aktivstall für Schweine
Dirk Nienhaus, Bocholter Landschwein
Bernhard Barkmann, Blog Agrar
Gerhard Langreiter
Andreas & Michael Kühling
Claudia & Andreas Puckert
Dagmar & Andreas Klingelhöller
Carsten Spieker
Martin Roberg
Hubertus Berges
Bernd Degener
Mathis Langhorst
Andre Brunemund
F. Hollmann
Anja Mettenbrink
Johannes Bühlmeyer
Jürgen Dierauff
Johannes Scharl
Daniel Budde
Dorit Nyenhuis
Michael Volkening
Heidi & Marco Lang
Thorsten Sturm
Stephan Knorre
Andreas Oberndörfer
Meinke Ostermann
Silke Dibbert
Hermann Heukamp
Dominik Lösing
Alois Hamper

Weitere Unterstützer:
Dr. Willi Kremer-Schillings alias Bauer Willi
Rene Rempt
Ralf Pauelsen
Alexandra & Marco Becker
Sabine Brocker
Anton Heukamp
Arnold Krämer
Anne Niggeloh

Fünf Jahre Saugferkelfütterung Nutrix

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Viele Schweinezuchtbetriebe kennen die Herausforderung: Aufgrund steigender Ferkelzahl¬en reicht die Sauenmilch alleine nicht mehr aus, um die Ferkel optimal zu versorgen. Exakt für diese Anwendung bewährt sich seit nunmehr fünf Jahren weltweit die Saugferkelfütter¬ung Nutrix des niedersächsischen Stallausrüsters WEDA Dammann & Westerkamp.

Mit der Saugferkelfütterung Nutrix haben die Spezialisten aus Lutten vor fünf Jahren eine Welt-neuheit entwickelt. Die Leistungen von Sauen und Ferkeln werden dank dieser vollautomatischen Beifütterung deutlich verbessert. Im Ergebnis nehmen die Sauen während der Säugezeit weniger ab und die Ferkel nehmen effizienter an Gewicht zu.

Ferkel deutlich schwerer
Die Ergebnisse im Betriebsalltag sprechen für sich: „Ein Kunde aus Ungarn berichtet uns etwa, dass seine Ferkel seit der Installation der Saugferkelfütterung Nutrix bis zu 1,5 Kilogramm schwerer sind“, erläutert der Bereichsleiter Entwicklung bei WEDA, Ralf Meyer. Auch die Ergebnisse einer Bachelorarbeit, angefertigt an der Fachhochschule Südwestfalen, Fachbereich Agrarwirtschaft, in Soest, dokumentieren: Bei nahezu gleichem Futterverbrauch konnten mit Nutrix im Vergleich zu ei-nem anderen Fütterungssystem signifikantere Zunahmen pro Ferkel festgestellt werden. Der durch die höheren Absatzgewichte erzielte Mehrerlös pro Ferkel lag im Schnitt bei 2,04 Euro.

Sensor erfasst Füllstand
Dabei sind das Handling und die Funktionsweise des Systems Nutrix ganz einfach: Über eine Futterschale, die in die Buchtenwand zwischen zwei Buchten eingebaut wird und somit von beiden Buchten zu erreichen ist, wird das flüssige Futter automatisch dosiert. Ein wesentlicher Punkt dabei ist, dass der Füllstand über den Tag permanent überwacht wird und nur dann frische Kleinstmengen (minimal 30 Gramm) in den Trog dosiert werden, wenn dieser von den Ferkeln geleert wurde.

Multiphasenfütterung
„Bereits am Tag nach der Geburt können die Ferkel zusätzlich über den Trog mit Milch gefüttert werden. Schon nach kurzer Zeit nehmen alle Ferkel das System so gut an, dass die Milchmengen langsam erhöht und anschließend mit Pre-Starterfutter gemischt gefüttert werden können“, bilan-ziert Ralf Meyer. Eine kontinuierliche Anpassung der Rezepturen, je nach Wachstumsphase, spart nicht nur Futterkosten, sondern vermindert auch deutlich mögliche Durchfallerkrankungen.

Besseres Dashboard, neue Berichte und Pläne
Anlässlich des fünften Geburtstags hat WEDA die Nutrix nun mit einer optimierten Rechnergen-eration ausgestattet. „Das positive Ergebnis: Mit dem neuen Rechner Excellent können infolge unkomplizierter Bedienung kleine als auch große Anlagen noch einfacher gehändelt werden“, weiß Entwicklungschef Meyer. Darüber hinaus hält der neue Rechner nun sehr viele nützliche Features bereit, die sich bereits in der Flüssigfütterung bewährt haben. So wurde etwa das Dashboard verbessert sowie Berichte und Wartungsplan hinzugefügt. Überdies ist ein automatischer Versand
dieser Formulare per E-Mail nun leicht möglich.

Weitere Vorteile von Nutrix auf einen Blick:
– Enzymtraining für den Verdauungstrakt der Tiere – von der Milch zum Getreide. Wenn Ferkel gewohnt sind, im Abferkelbereich Getreide zu fressen, ist im Flatdeck die Futteraufnahme deutlich höher.
– neue Entwicklungsstufe mit dem Einsatz von Ferment: weiter erhöhte Reduktion von Durchfall-erkrankungen, deutlich niedriger Einsatz von Medikamenten, geringere Sterblichkeit und weniger Absatzstress.

Quelle: WEDA Dammann & Westerkamp GmbH

Starke Gemeinschaft: Bundesverband Ei e. V. (BVEi) bündelt Interessen der Eierwirtschaft

Gemeinsam ist man stärker. Das ist das Credo für den Bundesverband Ei e. V. (BVEi), in dem sich ab sofort alle Kräfte für eine starke berufsständische Vertretung der an der Eierwirtschaft in Deutschland Beteiligten bündeln. Entstanden ist diese schlagkräftige Gemeinschaft durch die Verschmelzung des „Zentralverband Eier (ZVE) European Egg Commerce (EEC) e.V.“ auf den Bundesverband Deutsches Ei e. V. (BDE), der seine seit 2001 aktive Verbandsarbeit unter dem neuen Namen Bundesverband Ei e. V. (BVEi) fortsetzt. Mit der Eintragung ins Vereinsregister beim Amtsgericht Charlottenburg (Berlin) ist die Verschmelzung in dieser Woche rechtswirksam abgeschlossen worden.

Neues Logo bildet Selbstverständnis ab: Modern, stark, sympathisch
„Mit dem BVEi als starker Einheit zur Vertretung einer modernen Branche sind wir optimal aufgestellt“, sagt Vorsitzender Henner Schönecke. Der BVEi bildet unter dem Dach des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG) die gesamte Erzeugungskette von Eiern ab: Ordentliche Mitglieder sind Junghennenaufzuchtbetriebe, Legehennenhalter, Packstellen/Eierhandel sowie als weitere Gruppe die Koch-, Schäl- und Färbebetriebe, die in Fachbeiräten mit beratender Funktion organisiert sind. Mit der Eintragung ins Vereinsregister hat sich der BVEi auch ein neues Logo gegeben. „Unser Logo spiegelt auf sehr schöne Weise unser Selbstverständnis als Branche wider“, sagt BVEi-Vorsitzender Henner Schönecke: „Es ist modern, stark, sympathisch, ein Symbol der Einheit – und im Zentrum steht natürlich immer das Ei.“

Aufbruch in Sachen Image: Branchenkommunikation Legehenne läuft an
Parallel läuft in diesem Sommer auch die Branchenkommunikation Legehenne der im BVEi organisierten Eierwirtschaft in Deutschland mit Unterstützung der im ZDG vertretenen Landesverbände an. „Wir stehen vor einem Aufbruch, was unser Image angeht“, sagt BVEi-Vorsitzender Henner Schönecke. „Mit unserer professionellen Branchenkommunikation wollen wir die Öffentlichkeit aktiv über unsere Arbeit als Legehennenhalter informieren – damit wir in Zukunft als genau die leistungsstarke, fortschrittliche, dem Tierwohl verpflichtete Branche wahrgenommen werden, die wir sind.“ Als erste Projekte der Branchenkommunikation sind unter anderem eine informative Website, sympathisch-authentische Porträts von Legehennenhaltern und eine aktive Pressearbeit geplant.

Mitgliederversammlung mit Vorstandswahl am 5. November 2020
Einen neuen Vorstand wird der BVEi bei seiner ersten Mitgliederversammlung am Donnerstag, 5. November 2020, wählen. Wegen der Corona-Pandemie war der ursprünglich fürs Frühjahr vorgesehene Termin auf den Spätherbst verschoben worden.
Bis zur Neuwahl des Vorstandes im November bleibt der BVEi-Interimsvorstand mit den Mitgliedern der gewählten Vorstände des BVEi und des ZVE im Amt.

Quelle: ZDG

„BVDzero Case Awards“ 2020: die Gewinner

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Boehringer Ingelheim vergibt ein Preisgeld von insgesamt 15.000 € an die zehn relevantesten klinischen Fälle – Mit der Auszeichnung will das Unternehmen das Bewusstsein für Bovine Virusdiarrhoe (BVD) stärken.

Boehringer Ingelheim hat die Gewinner der „BVDzero Case Awards“ 2020 verkündet. Mit der Auszeichnung, die alle zwei Jahre verliehen wird, engagiert sich Boehringer Ingelheim dafür, die Gesundheit und das Wohlbefinden von Nutztieren zu verbessern.

„Die Bovine Virusdiarrhoe (BVD) ist eine der weltweit am weitesten verbreiteten Krankheiten bei Rindern und führt in der Rinderhaltung zu großem gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schaden. Wir haben uns dem Kampf gegen BVDV verschrieben und unterstützen Tierärzte und Landwirte mit neuartigen präventiven Gesundheitslösungen“, so Steve Williams, Leiter des Bereichs Global Strategic Marketing für Wiederkäuer in der Boehringer Ingelheim Tiergesundheit.

Die diesjährige BVDzero-Pressekonferenz und Preisverleihung fand online am 25. Mai 2020 statt. Die Gewinner wurden im Rahmen eines Online-Meetings vom BVDzero-Komitee ausgewählt, das sich aus renommierten unabhängigen Experten aus dem Gebiet der Rindergesundheit zusammensetzt.

Boehringer Ingelheim hat ein Gesamtpreisgeld von 15.000 € an die zehn aussagekräftigsten eingereichten klinischen Fälle vergeben. Die rund 20 Einreichungen kamen unter anderem aus dem Vereinigten Königreich, Spanien, den Niederlanden, Frankreich, Jordanien, der Türkei und Südkorea.

Die Autoren der relevantesten fünf Fälle konnten ihre Einreichungen im Rahmen der Online-Pressekonferenz vorstellen. Prof. Volker Moennig, Leiter des BVDzero-Komitees, verlieh die Preise an die Gewinner.

Mithilfe der „BVDzero Case Awards“ verfolgt Boehringer Ingelheim weiterhin das Ziel, die Suche sowohl nach klinischen als auch nach subklinischen Fällen von Bovine Virusdiarrhoe (BVD) in Rinderherden zu fördern. Das Unternehmen möchte so das Bewusstsein für BVD stärken und dadurch zu einer Reduzierung der Prävalenz beitragen.

Die aussagekräftigsten zehn Fälle wurden eingereicht von:

1 Magdalini Sioukiouroglou (UK)
2 Paul Crawford (UK)
3 Laura Donovan (UK)
4 Hans Verweij (NL)
5 Laura-May Canonne (FR)
6 Nikki Moore (UK)
7 Niels Geurts (NL)
8 Sameeh Abutarbush (JO)
9 Rebecca Gay (UK)
10 Anne-Cécile Thirion (FR)

Herzlichen Glückwunsch!

Das Boehringer Ingelheim BVDzero-Team plant, diese Initiative auch in Zukunft fortzusetzen. Weitergehende Informationen hier

Quelle: Boehringer Ingelheim

Veterinär-Labor testet Erntehelfer und Schlachthof-Mitarbeiter auf Covid-19

Früh hatten die tierärztlichen Verbände Test-Kapazitäten veterinärmedizinischer Labore zur Bewältigung der Corona-Krise angeboten. Nach einigem Zögern wurde dies von Seiten der Politik auch begrüßt, dann aber im entsprechenden Gesetzentwurf wieder gestrichen. Dabei gibt es durchaus Erfolgsgeschichten, die auf privater Initiative beruhen.

Anja Edzards, WEK Visbek

Das Labor der Gemeinschaftspraxis WEK in Visbek testet z. B. schon seit Mitte März Human-Proben auf Covid-19. Angefangen haben die Geflügel- und Schweine-Spezialisten mit den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, schon kurz darauf kamen ausländische Erntearbeiter hinzu, die in der Region rund um Vechta etwa zur Spargel- oder Erdbeer-Ernte angeworben wurden. Inzwischen werden auch Schlachthofmitarbeiter deutscher und niederländischer Betriebe beprobt.

Aufgrund der großen Probenzahl, bis zu 3.000 Proben pro Woche, ist es möglich sehr kostengünstig zu arbeiten. Hierzu werden je 10 Proben gebündelt und auf einmal untersucht. Nur wenn das Ergebnis „positiv“ lautet, werden diese 10 Proben nochmals einzeln untersucht. Mit solchen „Pools“ als validierter Labormethode zu arbeiten, wird heute auch von Humanmedizinern und Virologen empfohlen. Tiermedizinische Labore wie jenes in Visbek machen das bereits seit Mitte März.

Wiebke Wilms-Schulze Kump, WEK Visbek

Gemeinsam mit einem Erdbeer-Betrieb aus der Region haben die Tierärzte sogar einen Express-Service installiert. Und der funktioniert so: Erntehelfer aus Rumänien, Bulgarien oder der Ukraine landen abends auf einem deutschen Flughafen, werden dort sofort beprobt und starten anschließend per Bus Richtung Vechta. Die Proben allerdings werden mit einem flotten PKW vorausgeschickt. Kommt der Reisebus einige Stunden später an, ist die Laboranalyse schon fast abgeschlossen. Für die Erntehelfer steht am Ziel ein Catering bereit und wenn sie ihr Frühstück beendet haben, liegen auch schon die Testergebnisse vor.

Elisa-Test: positiv

Trägt keiner der Erntehelfer das Virus in sich, steht der Erdbeerernte nichts mehr im Wege. Gibt es dagegen einen positiven Befund, kommt der Infizierte in Einzel-Quarantäne (und, falls sich ernstere Symptome einstellen, ins Krankenhaus). Für alle anderen Bus-Insassen wird eine Arbeits-Quarantäne eingerichtet, d. h. sie bleiben als Gruppe in einer Gemeinschaftsunterkunft getrennt von allen anderen, arbeiten als Gruppe auch auf separaten Feldern und werden natürlich weiterhin regelmäßig beprobt. So ist das ganze Prozedere auch mit dem örtlichen Gesundheitsamt abgestimmt.

Studie: Die Letzten ihrer Art? Über die Zukunft der Veterinärmedizin im Kontext der Nutztierhaltung in Deutschland.

Christian Dürnberger, Philosoph am Messerli Forschungsinstitut, Abteilung Ethik der Mensch-Tier-Beziehung an der Vetmeduni Vienna untersuchte in einer Studie, wie deutsche TierärztInnen, die im Bereich der Nutztierhaltung arbeiten, die Zukunft ihres Berufs sehen. Ein Teilbereich der Studie erschien nun als Open-Access-Artikel unter dem Titel „The last of us?“ im „International Journal of Livestock Production“. (Erscheinungsdatum der Print-Version: 30. Juni 2020)

Ausgangspunkt der Studie
NutztierpraktikerInnen erledigen einen bedeutsamen Job in einem emotional diskutierten Arbeitsfeld – sie selbst aber werden in gesellschaftlichen Debatten kaum gehört. Was sollte in der Nutztierhaltung grundsätzlich dringend geändert werden? Welche Inhalte sollten in der veterinärmedizinischen Ausbildung eine wichtigere Rolle spielen, um angehende TierärztInnen besser auf den Arbeitsbereich „Nutztierhaltung“ vorzubereiten? Würden sie ihren Beruf noch einmal ergreifen? Und raten sie der Jugend, dies zu tun? Fragen wie diese standen im Mittelpunkt der Studie, die im Sommer 2019 durchgeführt wurde. Die Umfrage richtete sich an Tierärztinnen und Tierärzte, die (ganz oder teilweise) im Bereich der Nutzierhaltung in Deutschland tätig sind. Insgesamt nahmen 123 Tierärztinnen und Tierärzte an der Studie teil. Die Studie ist nicht repräsentativ. Sie fokussierte auf offene Fragestellungen.

Zufrieden mit dem Job…
Die Studie legt nahe, dass die allermeisten Teilnehmenden mit ihrer Berufswahl weitgehend zufrieden sind. Eine Mehrheit würde sich wieder für diesen Beruf entscheiden. Als Gründe hierfür nennen die Studienteilnehmenden die Vielfältigkeit der Arbeit selbst, diese wird als abwechslungsreich, herausfordernd, spannend und bereichernd beschrieben; die TierärztInnen mögen den Austausch mit den LandwirtInnen, den Umgang mit den Tieren und die Möglichkeit, diesen helfen zu können; geschätzt wird die wirtschaftliche Sicherheit des Jobs wie auch die Bedeutsamkeit der Arbeit, da die Produktion von Lebensmitteln als essentielle und daher sinnvolle Tätigkeit empfunden wird.

… aber ein düsterer Blick in die Zukunft
Abgesehen davon, dass bestimmte Teilnehmenden durchaus davor warnen, diesen Beruf zu ergreifen, ist festzuhalten: Auch bei jenen TierärztInnen, die mit ihrem Job zufrieden sind und diesen als wunderbare und schöne Tätigkeit beschreiben, zeigt sich gemeinhin eine düstere Stimmung, was die Zukunft der Profession bzw. der Nutztierhaltung allgemein angeht. Die vorliegende Studie beschreibt dieses Stimmungsbild als einer Arbeit in der „Abenddämmerung des Berufs“: Manche NutztierpraktikerInnen sehen sich als Teil einer Welt, die sich im Niedergang befindet. Sie sprechen von ihrer Arbeit als einem Auslaufmodell, als etwas, das in Deutschland nicht mehr gewollt ist und das eventuell ganz aus diesem Land verschwinden wird. Die Antworten erzählen von Misstrauen und Anprangern. Die NutztierpraktikerInnen fühlen sich von der Gesellschaft teilweise auch im Stich gelassen. Dies zeigt sich u.a. in der hohen Zustimmungsrate zur Aussage, die Arbeit kann mit dem Beruf einer Soldatin, eines Soldaten verglichen werden: Man macht einen Job, der für die Gesellschaft wichtig ist, aber von dem sie lieber keine Bilder sehen will. Ca. 21% stimmen dieser voll und ganz zu, ca. 30% stimmen ihr zu.

Der manchmal niedrige Verdienst, die vielen Arbeitsstunden, die schwierige Work-Life-Balance, die kaum einzuhaltenden Gesetze, die limitierten Möglichkeiten, Tieren zu helfen…… all das scheint im Vergleich zu dieser düsteren Prognose sekundär zu sein. Sie ist der entscheidende Grund ist, wenn man der Jugend nicht zu diesem Beruf raten kann. Diese „Abenddämmerung“ kann als ein drängendes Thema und ein Stressfaktor identifiziert werden.

Zitate
Um diese teilweise düstere Stimmung zu illustrieren, werden im Folgenden Zitate aus der Umfrage gebracht:

Der „Druck aus der Politik und bestimmten Kreisen der Gesellschaft auf die Landwirtschaft und somit auf die Tierärzte wird in Zukunft noch steigen, das Verhältnis ist bereits heute von Misstrauen und Sprachlosigkeit geprägt.“ Es „werden zwar Nutztierpraktiker gesucht, doch die Tierproduktion ist in Deutschland nicht mehr erwünscht und wird sich zwangsläufig ins Ausland verlagern. Die bäuerliche Landwirtschaft wird hier zu Lande sterben.“ Die „Nutztier-Sparte (ist) mehr oder weniger ein Auslaufmodell durch die aktuelle politische Situation.“ Man kann nicht zu dem Beruf raten, „da die Perspektiven der Nutztierhaltung in Deutschland nicht kalkulierbar sind und von vielen unbekannten Variablen abhängen.“ Die Sparte hat „keine Zukunft“. Es ist zwar ein „wunderbarer Beruf, aber gesellschaftlicher Anspruch, Ansehen, Veränderungen in der Tierhaltung, überbordende Bürokratie, führen zu ständiger Frustration, die ohne intakte Familie oder Freundeskreis durchaus im Suizid endet.“ In einer Antwort steht zu lesen: „Ich gehe davon aus, dass aufgrund der gesellschaftlichen Anforderungen an die Landwirtschaft diese in den nächsten 25 Jahren aus den mitteleuropäischen Ländern weitestgehend verschwinden wird. Die pauschale Schuldzuweisung der jüngeren Menschen, perpetuiert durch die quotenorientierten Medien zermürben die Bauern. Das allgegenwärtige ‚Bauern-Bashing‘ trägt in meinem Umfeld dazu bei, dass die Höfe aussterben.“ Die „Nutztierhaltung steht (…) momentan am Scheideweg, auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu sein oder für den lokalen Markt nachhaltig zu produzieren. Diese Richtung wird allerdings politisch nicht unterstützt, so dass die Nutztierhaltung in Deutschland auf die Dauer eine sehr untergeordnete Rolle spielen wird.“ Man kann den Beruf nicht empfehlen, „da das Spannungsfeld zwischen ‚Weltverbesserern‘ und Realisten militant geworden ist!“

Ratschläge für Berufseinsteiger
Berufseinsteigern wird vor allem eines empfohlen: Man sollte genau wissen, worauf man sich einlässt und genau darauf achten, wo man beruflich zu stehen kommt. Dies erfordert zum einen direkten Kontakt mit dem Job, zum Beispiel durch Praktika, vor der endgültigen Berufswahl. Zum anderen kommt es letztendlich auf das konkrete Umfeld an: Welche Praxis? Welche Arbeitszeiten? Welcher Chef? Welches Team? Diese Empfehlungen zeigen, was auch andere Studien nahelegen: Die Rolle des Teams wie auch und besonders des Vorgesetzten ist nicht zu vernachlässigen, wenn es um die Arbeitszufriedenheit von Veterinärmedizinerinnen und Veterinärmedizinern geht.

Neue Ausbildungsthemen
Die Studie gibt Hinweise darauf, wie aus Sicht der NutztierpraktikerInnen die Ausbildung bzw. Fortbildung verbessert werden könnte. Diese geforderten Ausbildungsthemen zeigen dabei auch verschiedene Rollen des Berufs. Gefordert wird vor allem mehr betriebswirtschaftliches Wissen (TierärztInnen als UnternehmerInnen) und mehr Wissenstransfer rund um die Bestandsbetreuung (TierärztInnen als GesundheitsmanagerInnen, die nicht nur kurativ tätig werden, wenn ein einzelnes Tier erkrankt, sondern die das große Ganze eines Betriebs im Blick haben). Da nicht alles, was in diesem Berufsfeld entscheidend ist, an der Universität gelehrt werden kann, fordern die Teilnehmenden auch eine praxisnähere Vorbereitung (TierärztInnen als HandwerkerInnen, sprich: Ein Nutztierpraktiker, eine Nutztierpraktikerin zu sein bedeutet mehr als nur theoretische Kenntnisse zu haben, es bedeutet auch, bestimmte praktische Fähigkeiten aufweisen, wie dieses Wissen anzuwenden ist. Diese praktischen Skills können nur durch Übung und Anwendung erlernt werden.)

Was sollte sich in der Nutztierhaltung grundsätzlich ändern?
Neben konkreten Vorschlägen fordern die Teilnehmenden vor allem Veränderungen des Systems.

(a) In Bezug auf die Tierhaltung wünschen sie sich mehr finanziellen Spielraum für die Landwirtschaft. Den Bäuerinnen und Bauern fehlt schlicht das Geld. Dieser wirtschaftliche Druck wirkt sich auf die Situation der Tiere aus – und damit auch auf den veterinärmedizinischen Beruf in diesem Kontext. Hier zeigt sich eine entscheidende Herausforderung des Berufsstandes: Oft würde man die Tiere gerne anders behandeln, aber man wird durch äußere Hindernisse – vor allem durch die geringen finanziellen Mittel der TierhalterInnen – daran gehindert. Mit Blick auf eine finanzielle Umstrukturierung sehen die Teilnehmenden vor allem die VerbraucherInnen, den Handel wie die Politik in der Pflicht. Alle drei genannten Akteure werden hierbei eher negativ beschrieben: Sie kommen ihrer Verantwortung nicht nach bzw. handeln nur in ihrem eigenen Interesse.

(b) Die TierärztInnen fordern jedoch ebenso eine Veränderung der gesellschaftspolitischen Debatte über die Nutztierhaltung. Aus Sicht der NutztierpraktikerInnen existiert wenig gesellschaftliches Wissen über die Realitäten der Tierhaltung, der Kontakt zur Lebensmittelproduktion ging über die Jahrzehnte verloren. Darüber hinaus wird die gesellschaftliche Debatte aus Sicht vieler TierärztInnen von anderen Akteuren geprägt, beispielsweise von NGOs oder Politikerinnen und Politikern. Ihre eigene Expertise wird in den entsprechenden Debatten kaum oder gar nicht wahrgenommen, so ihre Perspektive. Und genau dagegen begehren sie auf: Sie sind der Meinung, dass die Akteure der Landwirtschaft – sie selbst – als eine der wichtigsten Stimmen in jeder gesellschaftlichen Debatte über die Nutztierhaltung Gehör finden sollten.

Neben Vorschlägen zu einem (c) verbesserten Kontrollsystem von Tierschutzaspekten in der Landwirtschaft fordern nicht wenige Teilnehmende schließlich (d) ein kritisches Hinterfragen des Leistungsgedankens: Die Zucht fokussiert auf mehr und mehr Output. Diese permanente Optimierung wird von bestimmten TierärztInnen als Sackgasse empfunden. Die Leistungsgrenze der Tiere ist überschritten, so manche Teilnehmenden. Es braucht ein grundsätzliches Umdenken.

Dr. Christian Dürnberger, Messerli Forschungsinstitut

Artikel
Dürnberger, C. (2020). The last of us? An online survey among German farm veterinarians about the future of veterinary training, livestock farming and the profession in general. International Journal of Livestock Production, 11(2), 72-83.

Link zum Download der Studie

Für Leistung & Wohlbefinden: Projekt erforscht warum manche Milchkühe robuster sind

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Forschungsteams der Uni Hohenheim vermuten den Schlüssel für Krankheitsanfälligkeit von Milchkühen in den Kraftwerken der Zelle / Ergebnisse könnten Zucht verbessern

Manche sind von Natur aus robuster, andere zeigen sich krankheitsanfällig: in ein und derselben Herde reagieren Milchkühe ganz unterschiedlich auf körperliche Belastungen, wie sie die Geburt eines Kalbes, die anschließende Milchproduktion oder auch Infektionen mit sich bringen. Der Grund dafür ist, wie anpassungsfähig ihr Stoffwechsel an die veränderten Anforderungen an den Körper ist. Die Ursache für die unterschiedliche individuelle Anpassungsfähigkeit ist allerdings noch unklar. Der Schlüssel dazu könnte im Innenleben ihrer Zellen zu finden sein, genauer gesagt in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen. Aber auch die Interaktion zwischen Kuh und Darmbakterien spielt eine Rolle. Details dazu untersuchen derzeit zwei Arbeitsgruppen der Universität Hohenheim in Stuttgart. Die Ergebnisse könnten helfen, durch Zucht vor allem Tiere zu gewinnen, bei denen sich Leistung mit Wohlbefinden kombiniert. Die beiden Teilprojekte werden von der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit einer Gesamtsumme von fast 520.000 Euro gefördert und zählen somit zu den Schwergewichten der Forschung.

Um ausreichend Milch bilden zu können, muss sich der Stoffwechsel von Kühen während der Trächtigkeit und nach der Geburt des Kalbes drastisch umstellen. Für die Milchproduktion muss in kurzer Zeit viel Energie bereitgestellt werden. Zugleich müssen aber auch die lebenswichtigen physiologischen Prozesse weiterhin aufrechterhalten werden.

Die dafür erforderliche Energie wird in speziellen Organellen der Zelle, den Mitochondrien, erzeugt. Diese „Zellkraftwerke“ wandeln über komplexe Kettenreaktionen Sauerstoff und Zucker oder Fettsäuren in energiereiche Moleküle um, die von der Zelle für andere Stoffwechselvorgänge, wie z. B. die Produktion von Milchbestandteilen, genutzt werden können.

Einfluss von Mitochondrien auf die Stoffwechselstabilität
Allerdings kann sich nicht bei allen Kühen der Stoffwechsel ausreichend an die veränderte Situation anpassen, was oftmals zu Gesundheitsstörungen führt. Dabei gibt es von Natur aus sowohl robuste als auch anfällige Tiere in einer Herde.

Das Kooperationsprojekt „Mitochondriale Funktionalität bei der Milchkuh“ geht jetzt der Frage nach, inwieweit die Mitochondrien für die Stoffwechselstabilität verantwortlich sind. In einem multidisziplinären Ansatz arbeiten Prof. Dr. Korinna Huber vom Fachgebiet Funktionelle Anatomie der Nutztiere und Prof. Dr. Jana Seifert vom Fachgebiet Feed-Gut Microbiota Interaction an der Universität Hohenheim dazu mit Wissenschaftlern von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Braunschweig zusammen.

Am FLI lebt auch die Herde mit ca. 60 Holstein-Rindern, die für das Projekt untersucht wurden. Dabei arbeiten alle vier Arbeitsgruppen mit den Daten aus einem zentralen Experiment. „Ohne diese Kooperation könnten wir die Versuche in ihrer Komplexität gar nicht durchführen.“ betont die Sprecherin des Projektes Prof. Dr. Huber.

Wechselwirkungen zwischen Mikrobiom und Mitochondrien
In ihrem Teilprojekt widmet sich Prof. Dr. Seifert unter anderem der Frage, welche Rolle die Bakterienbesiedlung, das Mikrobiom, des Magen-Darm-Traktes auf die Funktion der Mitochondrien hat: „Wir wissen, dass es Wechselwirkungen gibt. Aber wir wissen noch nicht, ob das Mikrobiom die Mitochondrienfunktion beeinflusst oder umgekehrt.“

Aus Pansen, Dünndarm und Kot wurden mehrfach Proben genommen, um Veränderungen in der Bakterienzusammensetzung erfassen zu können. Dank eines fixen Zugangs bei den Kühen des FLI in Braunschweig ist es für die Wissenschaftlerinnen einfach, an den benötigten Pansen- und Dünndarminhalt heranzukommen. „Im Gegensatz zu anderen Methoden zur Probenentnahme, wie z. B. mit Hilfe einer Schlundsonde, verursacht dies den Kühen keinen Stress“, ist Prof. Dr. Seifert wichtig.

Erste Ergebnisse zeigen laut Prof. Dr. Seifert, dass „vor allem die Kühe die größten gesundheitlichen Probleme aufwiesen, deren Mikrobiom sich über den Untersuchungszeitraum hinweg am wenigsten veränderte, während diejenigen am besten mit den Belastungen zurechtkamen, deren Bakterienbesiedlung flexibel reagierte.“

Auch Konsequenzen für die Humanmedizin
Das Teilprojekt von Prof. Dr. Huber untersucht unter anderem, ob sich geeignete Biomarker identifizieren lassen, die auf einen stabilen und anpassungsfähigen Stoffwechsel hindeuten. Dazu wird z. B. die Veränderung von über 180 verschiedenen Metaboliten (gerichteter Metabolomics-Ansatz) im Blut und Milch der Kühe analysiert, nachdem eine künstliche Entzündung gesetzt wurde.

Verwendung findet dabei ein Set, dass auch für die Erfassung des Entzündungsgeschehens beim Menschen eingesetzt wird. „Auch wenn die Auswertungen noch laufen, zeichnet sich jetzt schon ab, dass eine Handvoll Metabolite als Indikatoren für Entzündung fungieren, die bisher bei der Milchkuh noch nicht betrachtet wurden und die sich anders als beim Menschen verhalten“, sagt Prof. Dr. Huber und verweist auf die Konsequenzen, die sich daraus für die Humanmedizin ableiten lassen: „Wahrscheinlich wird man sich die Abläufe beim Menschen auch nochmal genau anschauen müssen.“

Suche nach Kriterien für eine gezielte Selektion bei der Zucht
Ein weiterer Aspekt des Teilprojektes von Prof. Dr. Huber beschäftigt sich mit dem Einfluss des mitochondrialen Erbgutes auf den Stoffwechsel. Mitochondrien verfügen über eigenes Genmaterial, das ausschließlich über die mütterliche Keimbahn weitergegeben wird. Die Proteine, die aus diesem mitochondrialen Genmaterial abgelesen werden, stehen in engem Wechselspiel mit den Proteinen, die aus dem Erbgut des Kernes abgelesen werden, das von beiden Elterntieren stammt. Damit tragen Erbmaterial des Bullen und der Kuh dazu bei, eine optimale Zellumgebung für leistungsfähige Mitochondrien zu schaffen, so die Arbeitshypothese des Projektes.

Die Wissenschaftlerinnern erhoffen sich, dass sich aus diesen Erkenntnissen einmal Vorgaben für die Selektion von Bullen und Kühen bei der Milchviehzucht ableiten lassen: „Es könnte sein, dass wir bei der Milchviehzucht in Zukunft verstärkt auch darauf achten müssen, dass die genetischen Eigenschaften des Bullen zum mitochondrialen Erbgut der Kuh passen“, meint Prof. Dr. Huber.

Solche Zuchtprogramme sollten nicht nur auf die Milchleistung, sondern auch auf das Wohlergehen der Tiere abzielen. Denn „viel Milchleistung heißt nicht automatisch, dass das Tier gesund ist. Wir vergessen viel zu oft, dass das Wohlbefinden der Tiere nicht nur von den Haltungsbedingungen abhängt, sondern auch von ihrer Stoffwechselgesundheit“, betont Prof. Dr. Huber.

HINTERGRUND: Projekt „Mitochondriale Funktionalität bei der Milchkuh“
Ziel des Vorhabens ist die tierindividuelle Variation in der Anpassung an Stoffwechselbelastungen besser zu erfassen, die Rolle der mitochondrialen Funktionalität dabei einzugrenzen und das Netzwerk physiologischer Prozesse in der hochleistenden Milchkuh besser zu verstehen.

Kooperationspartner sind die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Die Versuche wurden am Institut für Tierernährung des FLI in Braunschweig durchgeführt. Das Projekt startete am 1. Juli 2017 und war auf drei Jahre ausgelegt. Es wurde jedoch aufgrund der großen Datenmenge, die ausgewertet werden muss, kostenneutral bis Mitte des Jahres 2021 verlängert.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt mit insgesamt über 1 Mio. Euro, davon entfallen fast 520.000 € auf das Institut für Nutztierwissenschaften der Universität Hohenheim. Damit zählt das Projekt zu einem der Schwergewichte der Forschung an der Universität Hohenheim.

HINTERGRUND zu den Proben aus Braunschweig:
Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden 60 Holstein-Rinder beprobt, die am Friedrich-Loeffler-Institut Braunschweig (FLI) in einer Herde mit Weidegang leben. Acht der Tiere tragen Fisteln, also dauerhafte Zugänge über Kunststoffröhren zu Pansen und Dünndarm, die eine schmerz- und stressfreie Probenahme ermöglichen. Für Untersuchungen zum Leberstoffwechsel, wurde unter Lokalanästhesie Stanzbiopsien von ca. 20 mg Gewicht durchgeführt. Ca. 150 Tage nach dem Abkalben wurde bei den Muttertieren durch Injektion von LPS (Lipopolysacchariden) eine leichte Infektion ausgelöst. In regelmäßigen Abständen wurden Blut- und Milchproben genommen.

HINTERGRUND: Schwergewichte der Forschung
33,9 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim 2019 für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 350.000 Euro für apparative Forschung bzw. 150.000 Euro für nicht-apparative Forschung.

Quelle: Universität Hohenheim

Geflügel: Antibiotikareduktion und Alternativen

Von Luisa Watzer, Tierärztin, Praxis am Bergweg in Lohne

In der Politik, den Medien und sozialen Netzwerken stehen heutzutage Tierärzte, die landwirtschaftliche Nutztiere betreuen, durchgehend in der Kritik. Dank sozialer Medien darf nicht nur jeder seine Meinung kundtun, jeder tut es auch. Leider häufig unabhängig davon, wie intensiv sich vorher mit einem Thema auseinandergesetzt wurde. So entstehen nur zu gerne Aussagen wie: „Wenn ich krank bin esse ich Geflügel, da ist so viel Antibiotikum drin, davon werde ich wieder gesund, ohne zum Arzt gehen zu müssen.“ (Tiermedizinstudentin im 5. Semester).
Doch wie viel Antibiotika werden tatsächlich eingesetzt und welche Alternativen stehen den Nutztierpraktikern im Bereich Geflügel zur Verfügung?
Im Jahr 2011 wurden von deutschen Tierärzten bei allen Tierarten, sowohl Nutztiere als auch Klein- und Heimtiere, 1.706 Tonnen Antibiotika eingesetzt. Im Jahr 2018 konnte diese Zahl auf 722 Tonnen reduziert werden. Die Reduktion innerhalb von 7 Jahren beträgt damit 58 %. Allerdings nur, wenn ausschließlich die Antibiotikazahlen in Betracht gezogen werden. Was man nicht vergessen darf: Die Fleischproduktion bei Schwein und Geflügel ist in diesem Zeitraum gestiegen. Alleine der Geflügelbereich hat in diesem Zeitraum ein Wachstum um 8 % erreicht. Zudem hat auch die Anzahl der Haustiere in der Bundesrepublik deutlich zugenommen. Wird die erhöhte Fleischproduktion, sowie die vermehrte Anzahl an Haustieren mit einbezogen, handelt es sich also um eine höhere Reduktion als 58 %.

Durch welche Veränderungen konnte die Reduktion im Bereich der Nutztiere erreicht werden?
Die erste Veränderung, die bei den Tierärzten und den Tierhaltern stattgefunden hat, ist die Entwicklung eines Bewusstseins für das Problem. Nur wenn ich erkenne, dass es ein Problem gibt, mit der Art wie ich handle, kann ich eine Veränderung bewirken. Im Anschluss wurden die Bemühungen intensiviert, Keimeinträge zu verhindern und vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Das Management im Stall tritt immer weiter in den Fokus. Wenn hier Fehler gemacht werden, zum Beispiel bei der Reinigung und Desinfektion des Stalls oder der Klimaeinstellung, kann dies zu einer schwerwiegenden Erkrankung führen, die sich nur mit einer antibiotischen Behandlung in den Griff bekommen lässt. In 2015 wurde die „Initiative Tierwohl“ (ITW) gegründet, sie setzt sich für eine tiergerechtere und nachhaltigere Fleischproduktion ein. Mehr als 70 % aller Geflügelmastbetriebe in Deutschland nehmen zurzeit daran teil. Neben der Reduktion der Besatzdichte schreibt die Initiative Tierwohl einen jährlichen Klimacheck, sowie eine Wasserprobe vor. Die Tränkewasserprobe wird im Durchgang genommen, sprich wenn sich Tiere im Stall befinden. Die Probe wird in jedem Fall auf ihren Keimgehalt bei Umgebungstemperatur, sowie Körpertemperatur überprüft und es findet eine mikrobiologische Anzucht statt, bei der spezifische Keime, wie zum Beispiel Campylobacter, nachgewiesen werden können. Wenn sich nun herausstellt, dass die Tiere Wasser trinken, das krankmachende Bakterien enthält, hat sich eine Erklärung gefunden, wieso die Tiere wiederholt erkranken. Natürlich vorausgesetzt, es wurden keine Fehler in der Klimasteuerung begangen. Neben ITW gibt es noch ein holländisches Qualitätssicherungssystem, an dem sich Mäster orientieren müssen, die nach Holland vermarkten. Es heißt „Integrierte Kettenüberwachung“, kurz IKB. Die IKB schreibt eine Tränkewasserprobe im Kalenderjahr sowie eine Erfolgskontrolle der Serviceperiode vor. Die Hygienekontrolle wird innerhalb einer Serviceperiode, also im leeren Stall, durchgeführt, nachdem dieser gereinigt und desinfiziert wurde. Es werden unter anderem der Boden, die Wände, Futter- und Tränkebahn, sowie der Vorraum beprobt. Im Labor wird ausgewertet, wie viele Bakterienkolonien trotz Reinigung und Desinfektion noch im Stall nachgewiesen werden konnten. Wenn ein Stall wiederholt Probleme mit einem Keim hatte und die Hygienekontrolle ergibt, dass die beprobten Flächen eine Vielzahl an Erregern enthalten, könnte die Ursache eine nicht ausreichende Reinigung und Desinfektion sein.

Was bedeutet ein Colistin-Verbot für den Sektor Geflügel?
Das Antibiotikum, das zurzeit die größte Kritik bekommt, ist Colistin. Colistin aus der Gruppe der Polypeptide ist ein Reserveantibiotikum aus der Humanmedizin und wird dort hauptsächlich zur oberflächlichen Anwendung bei Bauchspülungen nach Darmrupturen eingesetzt. Eine systemische Anwendung wird um jeden Preis vermieden, da Colistin eine starke schädigende Wirkung auf die Niere besitzt, die von Dauer ist. Nun mögen sich viele fragen, wieso es überhaupt im Geflügelbereich genutzt wird, wenn es ein solches schädigendes Potential besitzt. Die Antwort ist simpel:


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