Kuhgebundene Kälberaufzucht: Wie fühlen sich Milchkühe im Stall mit oder ohne ihre Kälber?

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Die Praxis, Milchkühe bei ihren Kälbern zu halten, gewinnt immer mehr an Interesse. Es wird angenommen, dass der Kontakt zwischen Kuh und Kalb oder dessen Fehlen den emotionalen Zustand beeinflusst. Verschiedene Arten des Kontakts zwischen Kuh und Kalb können sich auch auf den emotionalen Zustand von Kühen auswirken.

Das Hauptziel dieser Studie* war die Beurteilung des emotionalen Zustands von Milchkühen mit Vollzeit- (23 h/d), Teilzeit- (10 h/d) oder keinem Kontakt zu ihren Kälbern (Trennung 48 h nach der Geburt). Dies erfolgte mithilfe eines visuellen Verhaltenstests (visual judgement bias test , JBT) etwa einen Monat nach dem Kalben. Der JBT ist die derzeitige Goldstandardmethode zur Beurteilung des emotionalen Zustands von Tieren durch Bewertung von Optimismus oder Pessimismus. Das sekundäre Ziel war der Vergleich der Ergebnisse des visuellen JBT auf Farb- und Formbasis.

Fünfzig Milchkühe wurden darauf trainiert, sich einem positiven Bild auf einem Bildschirm zu nähern (mit Futter belohnt) und ein negatives Bild zu vermeiden (andernfalls wurden sie mit einem wedelnden Beutel „bestraft“). Nach dem Erlernen (> 80 % Richtigkeit an 2 aufeinanderfolgenden Tagen) wurden den Kühen 3 gemischte Bilder gezeigt (jedes einmal pro Tag, davon 4 positive und 3 negative Bilder, wiederholt über 4 Tage) und ihre Annäherungsreaktionen aufgezeichnet. Bei der Farbmethode (10 Vollzeit-, 9 Teilzeit- und 11 No-Contact-Kühe) hatten positive und negative Bilder einen einfarbig roten oder weißen Hintergrund; gemischte Bilder hatten Rosatöne. Bei der Formmethode (8 Vollzeit-, 6 Teilzeit- und 6 No-Contact-Kühe) bestanden positive und negative Bilder aus einem weißen Kreis oder Kreuz auf schwarzem Hintergrund; gemischte Bilder wurden mit Kreisen und Kreuzen in unterschiedlichen Grautönen überlagert.

Die Kühe lernten schneller, Farben zu unterscheiden als Formen (7,3 Tage vs. 9,3 Tage). Die Ergebnisse des Farb-JBT zeigen eine pessimistische Tendenz (was auf eine negative Gefühlslage hinweist) bei Kühen mit teilweisem Kälberkontakt, möglicherweise aufgrund der wiederholten täglichen Trennung von ihrem jungen Kalb, im Vergleich zu Kühen mit ganztägigem Kälberkontakt. Somit scheinen Kuh-Kalb-Kontaktsysteme die Gefühlslage der Kühe je nach Praxis zu beeinflussen. Die Forscher*innen schlussfolgern, dass der JBT eine nützliche Methode zur Beurteilung der Gefühlslage von Milchkühen ist; künftige Forschungen sollten sich auf das Verständnis der Gefühlslagen von Milchkühen in alternativen Managementsystemen konzentrieren.

Studie*: Neave, H.W. et al (2024): Assessing the emotional states of dairy cows housed with or without their calves. Journal of Dairy Science, Volume 107, Issue 2, February 2024, Pages 1085-1101

Quelle: Dr. Heike Engels Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 3/2024

LAVES untersucht mögliche Übertragung des Vogelgrippe-Virus auf Katzen – Niedersächsisches Projekt verfolgt Verbreitung des Erregers bei Säugetieren

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In Deutschland ist das hochpathogene aviäre Influenzavirus, auch Vogelgrippe oder Geflügelpest genannt, mittlerweile ganzjährig bei Wildvögeln nachzuweisen. Aufgrund der weiten Verbreitung des Virus in der Wildvogelpopulation kann es zu einer Infektion von Säugetieren kommen. So wurden in Europa Vogelgrippe-Infektionen bei Füchsen, Nerzen, Marderhunden oder Seehunden nachgewiesen. In Polen wurde im Juni/Juli 2023 eine ungewöhnliche Häufung von Erkrankungen und Todesfällen bei Hauskatzen beobachtet, die offensichtlich auf das Virus der hochpathogenen aviären Influenza (HPAIV) zurückzuführen waren. In Deutschland ist bislang kein Fall einer Ansteckung bei einer Hauskatze bekannt geworden.

Um allerdings eine mögliche Anpassung des Virus an Säugetiere zu verfolgen, startet das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Kooperation mit der Tierärztekammer Niedersachsen ein Projekt zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn: Untersucht werden Proben von Katzen, die sich im Freien aufhalten und dadurch Kontakt zu Wildvögeln haben könnten. Für die Übertragung ist eine hohe Menge an Viren notwendig, wenn zum Beispiel erkrankte Vögel gefressen werden. Auch der Kontakt in einem Stall mit erkranktem Geflügel kann eine mögliche Infektionsquelle sein. Eine Übertragung auf den Menschen ist bislang unwahrscheinlich, allerdings sind Katzen unter den bereits infizierten Säugetierarten diejenigen, die den engsten Kontakt zum Menschen haben. Daher richtet sich das Monitoring auf Katzen.

Das LAVES und die Tierärztekammer bitten die praktizierenden Tierärztinnen und Tierärzte in Niedersachsen um Unterstützung dieses Projekts. Wenn sie bei Katzen im Rahmen der regulären Behandlung Blutentnahmen durchführen, soll mit Einverständnis der Tierhalterinnen oder Tierhalter eine Probe zur Untersuchung an das LAVES geschickt werden. Bei Tieren mit grippeähnlichen Krankheitssymptomen ist zusätzlich eine Nasentupferprobe für einen PCR-Test notwendig. Die erforderlichen Materialien für die Untersuchungen werden den teilnehmenden Praxen vom LAVES bereitgestellt. Für die Untersuchung der Proben durch das LAVES fallen keine weiteren Kosten an. Die Teilnahme an dem Projekt ist freiwillig.

Mit ihrer Teilnahme leisten die Tierarztpraxen sowie die Katzenhalterinnen und -halter einen entscheidenen Beitrag zum Gelingen dieses wichtigen Projekts. Jede eingehende Probe ist hilfreich und trägt zu einem weiteren Erkenntnisgewinn bei, um die Anpassung des aviären Influenzavirus an Säugetiere zu verfolgen.

Informationen zum Auftreten der Vogelgrippe in Niedersachsen sind unter www.tierseucheninfo.niedersachsen.de zu finden, ebenso ein „Infoblatt zur Vogelgrippe bei Hunden und Katzen“ mit Informationen für Tierhalterinnen und Tierhalter zu Infektionswegen sowie Schutz- und Hygienemaßnahmen (Download-Link).

Quelle: Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Bienen gesundhalten: Forschende der HTWD unterstützen Imkerinnen und Imker in Sachsen

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Die bei uns gehaltene westliche Honigbiene ist eines der drei wichtigsten Nutztiere in Deutschland. Ähnlich wie die anderen Nutztiere ist auch sie verschiedenen Krankheitserregern ausgesetzt. Während jedoch in anderen Nutztierbeständen Bestandstierärzte die Gesundheit der Tiere sichern, sind Imkerinnen und Imker bei der Bienengesundheit meist auf sich allein gestellt , auch wenn es Tierärzte mit Weiterbildung zum Fachtierarzt bzw. mit Zusatzbezeichnung Bienen gibt. Ein Forschungsprojekt an der HTWD soll nun Abhilfe schaffen.

Im Projekt ImBieSax bieten die Forschenden eine umfassende Gesundheitsfachberatung für Imker an. „Unser Ziel ist es, eine sachsenweite tierärztliche Beratung aufzubauen, die sich besonders auf effektives Bienenmanagement und die Gesundheit der Bienenvölker konzentriert“, erläutert der Projektleiter Professor Markus Freick.
Durch das Projekt erhalten sächsische Imkerinnen und Imker Zugang zu fundierten Informationen und praxisnaher Unterstützung, um die Gesundheit ihrer Bienenvölker nachhaltig zu sichern und zu verbessern. Alle rund 4.500 Imker*innen* mit Wohnsitz in Sachsen und Bienenvölkern in Sachsen können diese kostenfreie Beratung in Anspruch nehmen.

Vor-Ort-Besuche und Telefonberatung
Das Forschungsteam besucht nicht nur die Bienenstände für persönliche Beratungen vor Ort und für Probenentnahmen, sondern bietet auch telefonische Beratung an. „Eine spezielle tierärztliche Beratung hinsichtlich Bienengesundheit, wie bei anderen Nutztierbeständen, gab es seit der Wiedervereinigung Deutschlands in Sachsen nicht, obwohl das Wissen über Bienen in der tierärztlichen Approbationsverordnung enthalten ist und während des Veterinärmedizinstudiums gelehrt wird“, erklärt Tierärztin und Projektmitarbeiterin Dr. Julia Dittes.
Besonderer Fokus liegt auf der Prävention und Bekämpfung von Krankheiten wie der Varroamilbe und Virusinfektionen. Zudem soll das Wissen über moderne Imkereipraktiken verbreitet und gestärkt werden.

Arbeiten im Netzwerk
Das Projektteam arbeitet eng mit regionalen Partnern wie dem Landesverband Sächsischer Imker und der Sächsischen Tierseuchenkasse zusammen, um sicherzustellen, dass das Angebot die Bedürfnisse und Herausforderungen der Imker*innen in Sachsen adressiert.
So gibt es einen regelmäßigen Austausch mit allen Beteiligten und das Projekt konnte im Rahmen der jährlichen Weiterbildung der Bienenseuchensachverständigen der Veterinärämter in der Imkerschaft beworben werden. Gemeinsam erarbeiteten die Projektbeteiligten eine KAP-Analyse (KAP = knowledge, attitude, practice), um den Wissensstand und gängige Praktiken in der Imkerschaft zu ermitteln und deren Bedarfe zu erkennen. Besonders wichtig ist für das Projektteam die Nutzung der Kontakte über den Landesverband und die strukturierten Vereine in Sachsen, um das Angebot bekannt zu machen.

„Seit dem Start des Projekts haben sich bereits 180 Imkerinnen und Imker für unsere Beratungen angemeldet. Wir sind begeistert von der positiven Resonanz und den zahlreichen Rückmeldungen“ sagt Dr. Dittes.

Monitoring und Entwicklung
Bis Ende 2024 wertet das Team, zu dem auch zwei Studentinnen der Studiengänge Landschaftsentwicklung und Gartenbau der Fakultät Landbau, Umwelt, Chemie gehören, den Fragebogen und die Ergebnisse der Proben aus. Sie wollen feststellen, welche Krankheitserreger nachweisbar sind und ob es dabei regionale Unterschiede innerhalb Sachsens gibt. Dr. Dittes und ihre Mitarbeiterinnen verfolgen die Entwicklung der Bienenvölker auch über den Winter und planen die Fortführung des Projektes.
Die Förderung erfolgt nach dem Maßnahmenkatalog des Freistaates Sachsen zum Erhalt und zur Zucht von gesunden und resistenten Bienenvölkern vom 03.02.2023 (REVOSax Landesrecht Sachsen – Maßnahmenkatalog Bienen). Die Finanzierung des Projektes erfolgt zu 50 % aus Mitteln der Europäischen Union.

Quelle: Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden

Freilandhaltung und Photovoltaik kombinieren

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Erlass an das LAVES: Niedersachsen erleichtert Doppelnutzung von Auslaufflächen

Seit einigen Monaten dürfen die Auslaufflächen bei einer konventionellen Freilandhaltung von Legehennen gleichzeitig mit Solarpanelen bebaut werden. Um die Umsetzung für interessierte Landwirtinnen und Landwirte zu fördern, hat das Landwirtschaftsministerium (ML) das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) als zuständige Behörde angewiesen, die maximale Überdachungsfläche durch Photovoltaik-Module und die dazugehörigen technischen Einrichtungen bis zu 70 Prozent bei hoch aufgeständerten Anlagen und bis zu 50 Prozent bei bodennahen Anlagen zu akzeptieren.

Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte: „In der konventionellen Freilandhaltung von Legehennen führt eine Doppelnutzung nicht nur zu einer gesteigerten ökologischen und ökonomischen Landnutzung, sondern kann auch zu positiven Synergieeffekten führen. Die PV-Anlage kann eine bedeutende Schutzfunktionen für die Tiere einnehmen – zum Beispiel vor Beutegreifern – oder als Hagelschutz dienen. Mit entsprechenden Vorrichtungen kann sie auch einen Beitrag zur besseren Regenwasserverteilung leisten. Die Anlagen bieten eine gute Möglichkeit für eine wirtschaftliche Energieerzeugung, bei der gleichzeitig das Tierwohl gefördert und die Vegetationsdecke gewährleistet wird.“

Hintergrund:
Bis zum Herbst 2023 war es EU-weit lediglich gestattet, die Auslaufflächen für die konventionelle Freilandhaltung von Legehennen zusätzlich auch in Form von Obstplantagen, bewaldeten Flächen oder Weiden zu nutzen. Mit der Delegierten Verordnung 2023/2465 wurde diese Doppelnutzung nun neu geregelt – eine Änderung, für die Niedersachsen sich im Vorfeld nachdrücklich eingesetzt hat. EU-weit gilt jetzt, dass die Auslaufflächen nun auch gleichzeitig zum Beispiel mit Solarpanelen bestückt werden können, wenn die zuständige Behörde dies genehmigt.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Neue Tierschutzleitlinie für die Schafhaltung

Anlässlich des 14. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums in Oldenburg stellte Dr. Eva Moors vom Tierschutzdienst, Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Oldenburg die neue Tierschutzleitlinie für die Schafhaltung vor. Eingangs wies sie darauf hin, dass jeder Schafhalter über die nötige Sachkunde (Ernährung, Pflege, Betreuung verhaltensgerechte Unterbringung) verfügen muss, die durch entsprechende Ausbildungen, abgeschlossenes Studium oder Teilnahme an speziellen Sachkundekursen erworben werden könne.

In den letzten Jahren sei eine Zunahme zu beobachten, dass vermehrt Mängel bei der Unterbringung, Fütterung oder Tierbetreuung auffielen. Gerade für diese Hobbyschafhalter sei fachliche Weiterbildung dringend geboten.

Stallhaltung
Schafe werden üblicherweise nur zur Lammzeit und in kalten Wintermonaten im Stall gehalten, die ganzjährige Stallhaltung sei tierschutzfachlich dagegen abzulehnen. Ein Stall solle trocken, hell und zugfrei sein und über ausreichende Luftzufuhr verfügen, Offenställe böten prinzipiell günstige Klimabedingungen und Tiefstreuhaltung auf Stroh habe sich in der Praxis bewährt.

Der Flächenbedarf im Stall sei z.B. von Körpergröße und Rasse der Tiere, Fütterungseinrichtungen und Bewollung abhängig. Für ein Mutterschaf bis 70 kg würde eine Liege-/Lauffläche von mind. 0,8-1,2 m² empfohlen, für ein Mutterschaf mit 2 Lämmern mind. 1,5-2,0 m².

Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen müssten jedem Tier jederzeit Zugang zu ausreichenden Mengen Futter und Wasser gewähren und so angeordnet sein, dass Verunreinigungen von Futter und Wasser ebenso wie Auseinandersetzungen zwischen den Tieren auf ein Mindestmaß reduziert würden.

Hürden und Raufen müssten stabil und sicher befestigt sein und dank ausreichender Höhe und lichter Weite zwischen den Stangen das Überspringen oder Durchkriechen verhindern. Auch dürften keine herausragenden Nägel, abgebrochenen Teile oder scharfe Kanten eine Verletzungsgefahr darstellen.

Witterungsschutz
Werden Schafe und Lämmer im Freien gehalten, brauchten sie einen Witterungsschutz, der sie vor extrem niedrigen oder hohen Temperaturen schützt. Langanhaltender Regen in Kombination mit Kälte/Wind, könnten zur Auskühlung (gerade bei Lämmern) führen. Bei starker Sonneneinstrahlung drohe neben Hitzestress auch Sonnenbrand (speziell bei frisch geschorenen Tieren).


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Keinen Tropfen verschwenden: Kolostrum und Transitmilch

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Von Dr. Ingrid Lorenz, Tiergesundheitsdienst Bayern

In über 200 Jahre alten Lehrbüchern der Viehwirtschaft wird bereits betont, wie wichtig es für die Gesundheit des Kalbes ist, dass es mit Kolostrum gefüttert wird. Seit ungefähr einem Jahrhundert kennen wir auch einen der Gründe dafür, nämlich die Notwendigkeit des passiven Transfers von Antikörpern aus dem Kolostrum in das Blut des Kalbes. Dennoch ist das Kolostrummanagement in fast allen untersuchten Betrieben mit Kälberproblemen mangelhaft. Als Kolostrum bezeichnen wir bei den Milchrassen nur das erste Gemelk der Kuh nach dem Kalben. Die weiteren Gemelke, die noch nicht die sensorischen Eigenschaften normaler Milch haben, bezeichnet man als Transitmilch. Auch diese ist für das Kalb noch wesentlich wertvoller als normale Milch. Die Empfehlung ist daher, dass alle Milch, die nach der Kalbung nicht an die Molkerei geliefert werden kann, an die Kälber verfüttert werden sollte. Eine Ausnahme bildet hier nur Milch von antibiotisch behandelten Kühen unter Wartezeit.

Warum ist Kolostrum so wichtig?
Das Kalb kommt zwar mit einem funktionsfähigen Immunsystem zur Welt, allerdings war es in der Gebärmutter gegen Krankheitserreger abgeschirmt und konnte daher noch keine spezifische Abwehr aufbauen. Im Gegensatz z.B. zum Menschen gehen bei der Kuh während der Trächtigkeit keine Immunglobuline gegen Infektionskrankheiten über das Blut auf das Kalb über. Dies liegt an der besonderen Beschaffenheit der Eihäute und bedeutet, dass das Kalb dem Keimdruck der Umgebung unmittelbar nach der Geburt zunächst schutzlos ausgesetzt ist. Die Aufnahme der Abwehrstoffe, die das Kalb schützen können, kann nur aus der Biestmilch erfolgen. Auch die herausragende Rolle der Biestmilch als erste Nahrung für das Kalb darf nicht unterschätzt werden. Biestmilch enthält nicht nur die vierfache Menge an Eiweiß im Vergleich zu normaler Milch, sondern auch die doppelte Menge an Fett. Da Kälber nahezu ohne Fett- und Energiereserven geboren werden, können sie gerade bei kalten Temperaturen ohne frühzeitige Biestmilchaufnahme rasch erfrieren.

Ungefähr in den letzten zwei Jahrzehnten sind unsere Kenntnisse über den Gehalt und die Wirkungsweise anderer im Kolostrum enthaltener Substanzen regelrecht explodiert. So sind im Kolostrum zum Beispiel Hormone und Wachstumsfaktoren in hohen Konzentrationen vorhanden. Mittlerweile weiß man, dass diese zur Entwicklung einer voll funktionsfähigen Darmschleimhaut beitragen. Insbesondere fördern sie das Wachstum der Darmzotten. Dadurch vergrößert sich die Oberfläche der Darmschleimhaut und damit die Fähigkeit, die Inhaltsstoffe der Nahrung ins Blut aufzunehmen. Durch die vermehrte Aufnahme von Nährstoffen reift auch das Hormonsystem des Kalbes, das für die Förderung des Wachstums verantwortlich ist.

Mit Hinsicht auf die Darmentwicklung ist die weitere Verfütterung von Transitmilch nach der ersten Kolostrummahlzeit besonders wichtig. Die im Kolostrum enthaltenen weißen Blutzellen wirken sowohl lokal auf die Entwicklung der Immunität im Darm, aber auch im Blut wird die Bereitstellung von Abwehrzellen nach Kolostrumaufnahme beschleunigt.

Spezielle Zuckerverbindungen (Oligosaccharide) sind dafür verantwortlich, dass sich eine gesunde Keimflora im Darm der Kälber ausbilden kann. Außerdem verhindern diese das Anheften von Krankheitserregern an die Darmwand.

Zusätzlich sind die Gehalte an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sehr hoch, so dass auch für diese Stoffe durch eine gute Kolostrumaufnahme die Versorgung gesichert wird. Ein gutes Kolostrummanagement kann in dieser Hinsicht weder durch kommerzielle Präparate (z.B. Kälberbooster) ersetzt noch verbessert werden.

Warum ist eine rasche Biestmilchgabe essenziell?
Die Verabreichung von Biestmilch unmittelbar nach der Geburt des Kalbes ist aus mehreren Gründen wichtig.


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Anforderungen an Außenklimaställe für Schweine

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Die Stallhaltung von Schweinen stelle immer einen Kompromiss zwischen dem Bedürfnis der Tiere, der Wirtschaftlichkeit und den örtlichen Möglichkeiten dar, betonte Dr. Heiko Janssen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zu Beginn seines Vortrags anlässlich des 14. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums 2024. Die Planung eines Stalles richte sich stets nach dem aktuellen Stand der Technik, den gesetzlichen Vorgaben, eigenen Erwartungen und den ökonomischen Zwängen des Marktes. Und: der Stallbau lege den Rahmen der Haltung für lange Zeit fest, weil investiertes Geld wieder erwirtschaftet werden müsse.

Aktuell würden in Deutschland die weitaus überwiegende Zahl der Schweine in geschlossenen, klimatechnisch gesteuerten Ställen gehalten. Abluft könne gereinigt und der Nutztierbestand vor Krankheitsvektoren geschützt werden.

Eine wachsende Zahl von Schweinehaltern beschäftige sich aber mittlerweile nach jahrelangen Diskussionen um einen „Umbau der Tierhaltung“ und die Tierhaltungskennzeichnung mit Außenklimaställen oder dem Bau von Ausläufen. Für die Mastschweinehaltung wurden die Kriterien für insgesamt fünf Haltungsstufen festgelegt: Stall, Stall + Platz, Frischluftstall, Auslauf / Freiland, Bio.

Beim Thema „Außenklima“ könne man grundsätzlich zwischen den Anforderungen des Tieres und den Anforderungen des Menschen unterscheiden. Mit Blick auf das Tier sei immer zu bedenken, ob es um Saugferkel, Absetzferkel, Mastschweine, Zuchtläufer oder Sauen geht. Die Bedürfnisse der Tiere, hohe Tiergesundheit und Leistung stünden hier im Fokus. Insbesondere die Thermoregulation sei ein wesentlicher Parameter bei Stallplanung, da Schweine nur über die Rüsselscheibe schwitzen und sie ihre Haltungsumgebung in Funktionsbereiche unterteilen. Ruhe-, Fress- und Kotbereiche werden nach Möglichkeit räumlich voneinander getrennt.
Bei der Auswahl eines Ruhebereichs stehe die Thermoregulation hinsichtlich Wärmebedarf und Wärmeabgab im Vordergrund. Er sollte fei von Zugluft sein und eine geringe Lichtintensität haben. Möglichst weit von Ruhe- und Fressbereich entfernt legten Schweine dann einen Kotbereich an. Und weil Schweine äußerst soziale Tiere seien und möglichst zusammen fressen oder ruhen wollten, seien wesentliche Aspekte vorgegeben, wie Haltungssysteme konzipiert werden sollten, um dem natürlichen Verhalten der Schweine entgegenzukommen,

Für den Schweinehalter seien Tiergesundheit, Biosicherheit, Funktionalität, Arbeitserledigung, Verfahrenssicherheit, Vermarktung und Ökonomie wesentlich.
Aber auch Bau- und Umweltgesetzgebung, das Tierschutzgesetz oder auch Vermarktungsnormen müssen berücksichtigt werden.

Herausforderungen bei der konkreten Stallbauplanung seien vor allem die Wechselwirkungen der genannten Faktoren. So habe sich Flüssigmist in Kombination mit Vollspaltenboden u.a. deswegen etabliert, weil es hohe Arbeitseffizienz mit guter Verfahrenssicherheit kombiniere. Die Wühlmöglichkeit fürs Schwein sei allerdings stark einschränkt.

Getrennte Funktionsbereichen und Teilspaltenböden böten dem Tier dagegen mehr Möglichkeiten, das natürliche Wühlverhalten auszuleben, könnten aber zu Problemen bei Tiergesundheit und Emissionen führen, wenn die Festflächen als Kotbereiche genutzt würden.

Für das Tier sei es kaum von Bedeutung, ob es im „Außenklimastall“ oder einem „Stall mit Auslauf“ lebt, so lange alle Funktionsbereiche vorhanden sind. Die Unterscheidung zwischen Außenklimastall und Auslauf sei aber wichtig unter den Aspekten Tierhaltungskennzeichnung, Bau- und Umweltgesetzgebung sowie Förderungsmöglichkeiten und Vermarktungsnormen. Dabei spielten insbesondere definierte Vorgaben zu Mindestflächen, Überdachungsgrade oder auch Bodengestaltung eine wesentliche Rolle.

Nach heutigem Stand gäbe es aber leider noch eine Vielzahl an unterschiedlichen Definitionen von Außenklimastall und Auslauf für Schweine, die es der Beratung und dem Schweinehalter erschwerten, zukunftsfähige Ställe tatsächlich umzusetzen.

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 3-2024

Die erste und einzige Lösung zur Überwachung von Kälbern ab Geburt

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• Monitoring von Kälbern und Färsen in den ersten 12 Lebensmonaten
• Mit SenseHub® Dairy Youngstock die Nachzucht überwachen
• Optimale Leistung von Kühen zu Beginn des Lebens sicherstellen

MSD Tiergesundheit bringt mit SenseHub® Dairy Youngstock die branchenweit erste Monitoringtechnologie für Kälber von Geburt bis zum ersten Lebensjahr auf den Markt. SenseHub® Dairy Youngstock erleichtert es Milchviehhaltern, die Kälber und Färsen zu erkennen und zu identifizieren, die besondere Aufmerksamkeit benötigen. Wissenschaftlich fundierte Algorithmen überwachen ständig das Verhalten der Tiere über die spezielle SenseHub® Monitoring-Ohrmarke. Die Technologie identifiziert Tiere, die ein Verhalten zeigen, das von ihrer individuellen Norm abweicht und darauf hindeutet, dass sie möglicherweise Aufmerksamkeit benötigen. Die SenseHub® Monitoring-Ohrmarke ist mit einem blinkenden LED-Licht ausgestattet. Landwirte können damit Tiere schnell und einfach lokalisieren und geeignete Maßnahmen ergreifen.

Kälber haben eine natürliche Tendenz, Krankheitssymptome zu verbergen. SenseHub® Dairy Youngstock hilft, dieses instinktive Verhalten zu überwinden, indem es potenzielle Krankheitsanzeichen frühzeitig identifiziert. Oftmals bevor diese für Landwirte erkennbar sind.

„Die Gesundheit und das Wohlergehen von Kälbern und Färsen ist entscheidend für die langfristige Entwicklung und das Wohlergehen der gesamten Herde“, so Juan Pedro Campillo, Global Lead, SenseHub® Dairy Youngstock. „Mit SenseHub® Dairy Youngstock können Milcherzeuger jetzt fundierte Erkentnisse nutzen, um Kälber zu erkennen, die möglicherweise zusätzliche Aufmerksamkeit benötigen. Durch dieses frühzeitige Eingreifen können sie die Entwicklung ihrer Kälber zu gesunden und produktiven Kühen unterstützen.“

Diese Technologie ermöglicht es Milchviehhaltern, ihre täglichen Arbeitsabläufe von ihrem Smartphone aus zu verwalten und dem zunehmenden Arbeitskräftemangel in den Betrieben entgegenzuwirken. Mit SenseHub® Dairy Youngstock können Milchviehhalter ihre wertvolle Zeit und Ressourcen auf die Kälber und Färsen konzentrieren, die Aufmerksamkeit benötigen. Diese neue Monitoring-Lösung verbessert das Wohlbefinden der Tiere und ermöglicht den Betrieben ein nachhaltigeres Herdengesundheitsmanagement. Die mit der Technologie verbundene Effizienzsteigerung ermöglicht es Erzeugern und Landwirten, die Arbeitsabläufe in ihrem Betrieb anzupassen und ihre Ressourcen effektiver zu nutzen.

SenseHub® Dairy Youngstock ist mit Managementsystemen kompatibel, bei denen die Kälber von der Geburt bis zum Absetzen in Einzelboxen oder Gruppenbuchten untergebracht sind und nach dem Absetzen im Alter von drei bis 12 Monaten in Gruppen gehalten werden. Die Monitoring-Ohrmarken liefern innerhalb von 27 Stunden nach dem erstmaligen Anbringen verwertbare Erkenntnisse.

Für Krankheitsdiagnose und Behandlungsmaßnahmen sollten Milchviehhalter ihre Tierärzte hinzuziehen.

Quelle: MSD Tiergesundheit

Wie das Fütterungsmanagement die Eutergesundheit, Leistung und Fruchtbarkeit beeinflussen kann

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Ziel der vorliegenden Studie war es zu bestimmen, inwieweit die Faktoren Fruchtbarkeit, Eutergesundheit und Leistung von Milchviehherden durch die Fütterung beeinflusst werden. Dafür befragten die Wissenschaftler*innen in den Jahren 2019 und 2020 insgesamt 100 Milchviehbetriebe: Sie besuchten jeden Betrieb zweimal und sammelten Daten und Futterproben. Die Datenerhebung umfasste Informationen zu den wichtigsten Futterkomponenten, der Nährstoffzusammensetzung sowie den Gehalt an Mykotoxinen und anderen Metaboliten im Futter. Die jährlichen Fruchtbarkeits- und Milchleistungsdaten der Herden wurden von der nationalen Meldestelle bezogen.

Das Abkalbeintervall war das Zielkriterium für die Fruchtbarkeitsleistung, während der Prozentsatz erst- und mehrgebärender Kühe in der Herde mit somatischen Zellzahlen über 200.000 Zellen/ml das Kriterium für eine beeinträchtigte Eutergesundheit war. Für jedes Kriterium wurden die Herden in drei Gruppen eingeteilt: hoch/lang, mittel und niedrig/kurz, wobei die jeweilige Grenze dem <25. und >75. Perzentil bzw. den restlichen Daten entsprach. Dementsprechend lagen die Grenzen für das Kalbungsintervall für die langen und kurzen Gruppen bei ≥400 und ≤380 Tagen, für die Eutergesundheit bei erstgebärenden Kühen bei ≥20 % und ≤8 % der Herde und für die Eutergesundheit bei mehrgebärenden Kühen bei ≥35 % und ≤20 % der Herde. Darüber hinaus wurden potenzielle Risikofaktoren in den Herden bestimmt.

Die Gruppe mit der hohen somatischen Zellzahl war über das Futter stärker den Mykotoxinen Enniatin (2,8 vs. 1,62 mg/Kuh pro Tag), Deoxynivalenol (4,91 vs. 2,3 mg/Kuh pro Tag), Culmorin (9,48 vs. 5,72 mg/Kuh pro Tag), Beauvericin (0,32 vs. 0,18 mg/Kuh pro Tag) und Siccanol (13,3 vs. 5,15 mg/Kuh pro Tag) sowie Fusarium-Metaboliten insgesamt (42,8 vs. 23,2 mg/Kuh pro Tag) ausgesetzt. Diese Gruppe erhielt mehr Maissilage in der Ration (26,9 % vs. 17,3 % der Trockenmasse des Futters) als die Gruppe mit der niedrigen Zellzahl.

Herden mit einem hohen Anteil an Kühen mit einem Milchfett-Protein-Verhältnis von >1,5 hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein längeres Kalbungsintervall, was sich bei Erstgebärenden als signifikant erwies. Auch Herden mit einem hohen Anteil an Mehrgebärenden mit einem Harnstoffstickstoffgehalt in der Milch von >30 mg/dL hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein längeres Kalbungsintervall. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Kontamination der Nahrung mit Fusarium-Mykotoxinen und hier insbesondere neu auftretenden Mykotoxinen, die wahrscheinlich auf den vermehrten Einsatz von Maissilage in der Nahrung zurückzuführen sind, ein Risikofaktor für die Beeinträchtigung der Eutergesundheit von Erstgebärenden zu sein scheint. Eine unausgewogene Energie- und Proteinversorgung der Nahrung von Mehrgebärenden trug zu einer verringerten Fruchtbarkeitsleistung der Herde bei.

*Studie: Penagos-Tabares, F. (2024) A 2-year study reveals implications of feeding management and exposure to mycotoxins on udder health, performance, and fertility in dairy herds. Journal of dairy science, Volume 107, ISSUE 2, P1124-1142, February 2024

 Quelle: Dr. Heike Engels, zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 3-2024

Tierschutz-Probleme in der Haltung von Lamas und Alpakas

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Prof. Dr. Dr. Matthias Gauly © Freie Universität Bozen

Schon seit den achtziger Jahren erfreuen sich Lamas und Alpakas hierzulande wachsender Beliebtheit als Heim-, Begleit- und Freizeittiere. Prof. Matthias Gauly, Vorsitzender der tierwissenschaftlichen Arbeitsgruppe an der Fakultät für Wissenschaft und Technologie, Freie Universität von Bozen, Italien, beleuchtete in seinem Vortrag auf dem 14. Niedersächsischen Tierschutzsymposium Tierschutz-Probleme im Hinblick auf verschiedene Nutzungsbereiche von Neuweltkamelen. Gesetzliche Grundlage für die Haltung der domestizierten Neuweltkamelen (Lamas und Alpakas) ist das Tierschutzgesetz, bei landwirtschaftlicher Haltung gilt außerdem die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung.

Haltung
Für Lamas und Alpakas als Herdentiere sei Gruppenhaltung (mindestens zwei Tiere) verpflichtend, Hengste müssten mindestens Sichtkontakt zur Herde haben. Bei der üblichen Weidehaltung käme es häufig zu engem Mensch-Tier-Kontakt, der – vor allem in der Frühentwicklung von Fohlen – zu Fehlprägungen führen könne (Berserk-Male-Syndrom). In den ersten Lebenswochen sollte deshalb ein intensiver Kontakt zu Fohlen unbedingt vermieden werden.

Neuweltkamele, die älter als 6 Monate sind, benötigten mindestens 1000 m2 Fläche für die ersten beiden Tiere und für jedes weitere Tier sollten ca. 100 m2 mehr zur Verfügung stehen. Bei diesem Flächenangebot müsse allerdings meistens auf der Weide zugefüttert werden.

Bei der Konstruktion von Stallungen und Unterständen müsse berücksichtigt werden,
dass Neuweltkamele ausreichende Möglichkeiten zum Ausweichen haben. Im Tagungsband heißt es dazu: „Eine Stallnettofläche von 4 m2 pro Tier kann als Mindestmaß angenommen werden, wenn weitere Tiere aufgestallt sind. Die Grundfläche ist dann wie folgt zu erweitern: Tiere, die älter als 6 Monate sind, benötigen zusätzlich 2 m2 / Tier, Fohlen unter 6 Monaten 1 m2 / Tier.“

Zum (Kalt-)Stall empfiehlt Prof. Gauly einen Laufhof bzw. Zugang zu einem Paddock.
Auf der Weide brauchen die Tiere einen zugfreien und wetterfesten natürlichen Schutzraum oder Unterstand. Der Zugang sollte so gestaltet sein, dass ranghohe Tiere ihn nicht blockieren können Am besten sei ein einseitig offener Unterstand, den alle Tiere bei Bedarf aufsuchen können.

Lamas und Alpakas brauchen regelmäßigen Zugang zu frischem Wasser. Mindestens 20 % strukturierte Rohfaser in der Gesamtration seien für die ungestörte Vormagenmotorik notwendig. Weil Neuweltkamele Synchronfresser sind, sollte das Tier-Fressplatzverhältnis 1:1 in Stall und Unterstand betragen – vor allem damit auch rangniedere Tiere ungestört fressen können.

Mehrere geschlechtsreife Hengste in einer Herde mit Stuten zu halten sei unmöglich. In der Regel würden deshalb überzählige Hengste mit 1,5 bis 2 Jahren kastriert, was die Umgänglichkeit signifikant verbessere und die stressfreie gemeinsame Haltung in Gruppen ermögliche.

Auch wenn Neuweltkamele niedrige wie hohe Temperaturen gut vertrügen, müssten sie aber mindestens einmal in zwei Jahren geschoren werden (bei starker Bewollung jährlich) und auch die Hufe müssten regelmäßig kontrolliert und geschnitten werden.

Fütterung
Ein ausgewachsenes Alpaka hat einen Energiebedarf für die Erhaltung von ca. 7 bis 8 MJME. Ein ausgewachsenes Lama liegt bei 10 bis 12 MJME. Der zusätzliche Energiebedarf für Leistungen z.B. bei Trekkingtouren hängt von der zurückgelegten Strecke, der Streckengestaltung sowie der zu tragenden Last ab. Neuweltkamele benötigen zur Erhaltung etwa 8 bis 10 % Rohprotein in der Diät. Trächtige (letzte 2 – 3 Monate) und laktierende Tiere benötigen einen Gehalt von 12 bis 15%, Jungtiere noch mehr (< 9 Monate 14 – 16 %; 9 – 18 Monate 12 – 14 %), was aber bis zum Absetzen durch die Milch abgedeckt wird.

Trekking
Lamas oder Alpakas als Kutschtiere einzusetzen sei aus Tierschutzsicht grundsätzlich abzulehnen. Würden die Tiere bei Trekkingtouren eingesetzt, könnten (bei Tiergewichten von 120-140 kg) Tagesmärsche von 12–17 km bei mäßiger Steigung von trainierten Tieren gut bewältigt werden. Die Nutzlast sollte dabei etwa 15-17 % des Lebendgewichts nicht übersteigen (18-24 kg). Zwei britische Organisationen (British Llamaociety BLS und British Alpaca Society BAS) hätten bereits 2018 Leitlinien zur Kamelidenhaltung veröffentlicht und es sei zu hoffen, dass auch für Deutschland klare Empfehlungen erarbeitet werden.

Tiergestützte Intervention
Neuweltkamelen könnten zwar in verschiedenster Weise im tiergestützten Einsatz genutzt werden, aber Neuweltkamele seien z.B. wegen ihrer eher zurückhaltenden Natur für gewisse Zielgruppen eine Bereicherung, für andere jedoch weniger geeignet. Lamas und Alpakas seien keine Kuscheltiere und häufige Nähe zu Menschen verursache bei ihnen Stress. Die „Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz“ nennt in einem speziellen Merkblatt Einsatzmöglichkeiten, die mit dem Tierschutz vereinbar sind.

Merkblatt Nr. 131.08 – Neuweltkameliden im soz. Einsatz (Stand: Apr. 2016)

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 3/2024