Rotavirus-Ausscheidungsmuster bei Jungsauen und deren Auswirkungen auf ihre Saugferkel

Ziel einer neuen Studie* von Anderson et al., Iowa State University, war die Bestimmung des Ausscheidungsmusters von Rotavirus A, B und C (RVA, RVB, RVC) bei Jungsauen nach der Gabe einer „natürlichen geplanten Exposition“ (NPE) mit Rotaviren und die Bewertung der Auswirkungen auf das Absetzgewicht der Ferkel , der Mortalität vor dem Absetzen und der RV-Ausscheidung. Die Studie wurde auf einem einzigen landwirtschaftlichen Jungsauen-Betrieb durchgeführt. Der Betrieb wurde ausgewählt, um das Szenario mit den größten Herausforderungen darzustellen, da bekannt ist, dass Jungsauen niedrigere Antikörpertiter in ihrem Kolostrum aufweisen als Sauen, die bereits mehrfach geferkelt haben. Die Autorinnen betonen deshalb, dass die Ergebnisse eingedenk der Variationsbreite landwirtschaftlicher Betriebe und Systeme sorgfältig interpretiert werden sollten.

Rotaviren sind weit verbreitete Durchfallerreger bei Schweinen. Von 10 Rotavirus-
Serogruppen sind Rotavirus A (RVA), Rotavirus B (RVB) und Rotavirus C (RVC) die
Hauptviren bei Schweinen. Rotaviren führen zu einer höheren Saugferkelsterblichkeit und einem geringeren Absetzgewicht. Studien zu Lebendimpfstoffen (MLVs) haben gezeigt, dass mit MLV geimpfte Ferkel vollständig vor einer Virusausscheidung geschützt werden können und sie eine aktive Immunität erlangen, die nach einer RV-Impfung erzeugt wird. Ob solch eine Immunität auch mit einem NPE-Programm erreicht werden kann, war ebenfalls Ziel dieser Studie.

Insgesamt 70 trächtige Jungsauen wurden in vier Gruppen eingeteilt. Gruppe I erhielt eine NPE 5, 4 und 3 Wochen vor der Geburt, Gruppe II 5 und 3 Wochen und Gruppe III nur 5 Wochen vor der Geburt. Eine Kontrollgruppe IV erhielt keine NPE. Es wurden Proben von 46 Jungsauen und deren Würfen (5 Ferkel je Wurf) insgesamt 12-mal getestet. Von den Ferkeln wurden ab dem Alter von 24 Stunden bis zum Alter von 6 Wochen wöchentlich Proben genommen und mittels qRT-PCR auf RVA, RVB und RVC getestet.


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Bienengesundheit: Hohe Winterverluste im Jahr 2022 – Beratung und Forschung entscheidend für die Zukunft

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Seit 2006 ist das Deutsche Bienenmonitoring (DeBiMo) den Winterverlusten von Honigbienen auf der Spur und hat sich zu einer der umfangreichsten Datenerhebungen zur Bienengesundheit in Europa entwickelt. Die forschenden Institute haben ihren neuen Bericht für das Jahr 2022 vorgelegt: Die Winterverluste waren vergangenes Jahr erhöht. Hauptgrund waren der Varroa-Befall und damit einhergehende Viruserkrankungen. Ein Mix aus Forschung und individueller Beratung soll in Zukunft eine noch effektivere Varroa-Bekämpfung ermöglichen. Neben Schulungsangeboten braucht es Daten und Wissenschaft: 65 Bienen-Projekte mit einer Fördersumme von über 16 Millionen Euro betreut die BLE derzeit für das BMEL.

Seit nunmehr 18 Jahren beproben Forschende aus sieben wissenschaftlichen Einrichtungen unter Federführung des Bieneninstituts der Universität Hohenheim in ganz Deutschland dreimal jährlich rund 1.200 Bienenvölker. Die Verluste der Monitoringvölker lagen im Winter 2021/22 im Durchschnitt bei 18,3 Prozent, schwankten aber regional zwischen 8,7 und 32,5 Prozent. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht 2022 des Deutschen Bienenmonitorings hervor, das die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums als Projektträger betreut.

Die von der Wissenschaft ermittelten Ursachen für die zum Teil hohen Winterverluste 2021/22 waren – wie in den Vorjahren – die Folge eines Zusammenspiels mehrerer Faktoren. Eine Schlüsselrolle kommt dem Befall der Völker mit Varroa-Milben im Herbst und den damit einhergehenden Infektionen mit Viren zu. Völker, die im Winter 2021/22 starben, hatten einen höheren Varroa-Befall (9,4 Milben pro 100 Bienen) im Vergleich zu überlebenden Völkern (2,6 Milben pro 100 Bienen). Auch die Infektionsrate mit dem Flügeldeformationsvirus war in den Proben vor der Einwinterung deutlich höher als im vorangegangenen Jahr, was die höheren Verluste erklärt.

Was hilft? Beratung, individuelle Varroa-Bekämpfung und Forschung
Die am Monitoring beteiligten Bieneninstitute der Bundesländer sehen in der Varroa-Bekämpfung und der Eindämmung des Virenbefalls die essenziellen Ansätze, um Winterverluste deutlich zu reduzieren. Dabei kommt den Bieneninstituten eine Schlüsselrolle zu: Für den Wissenstransfer in die Imkerschaft vor Ort und die praxisgerechte Umsetzung über Netzwerke in der Imkerei braucht es Fortbildungsveranstaltungen, Schulungen, Vorträge, Lehrgänge und Rundschreiben.

Außerdem fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) derzeit über die BLE als Projektträger 65 Bienen-Projekte mit einer Fördersumme von 16,6 Millionen Euro. Besonders hervorzuheben sind 16 Verbundprojekte, die innovative Maßnahmen für gesunde und widerstandsfähige Bienen sowie bestäuberfreundlichen Pflanzenschutz und Pflanzenbau in Agrarräumen entwickeln. Die Vernetzung und ein gezielter Wissenstransfer werden durch die verbundübergreifende Maßnahme „Beenovation“ sichergestellt. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Datengrundlagen. Dafür arbeitet die BLE im Auftrag des BMEL im Projekt „Monitoring der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften“ (MonViA) mit. Im Teilmodul genetisches Monitoring von Honigbienenvölkern wird erstmalig deutschlandweit die Vielfalt der Honigbiene erfasst. Aus diesen Daten sollen Bedingungen für die Erhaltung gefährdeter Honigbienenlinien abgeleitet werden.

http://www.debimo.de: Imker-Blog und Infos für Laien
Auch das Deutsche Bienenmonitoring selbst trägt zu einem besseren Wissenstransfer in die Imkerpraxis bei: Unter http://www.debimo.de gewähren beteiligte Imkereien Einblicke in ihre Arbeit. Die Seite liefert Forschungsergebnisse aus erster Hand. Wer mehr als fünfzehn Bienenvölker hält und beim Bienenmonitoring mitmachen möchte, findet hier alle wichtigen Informationen zur Datenerhebung und Blog-Einträge von bereits aktiven Imkereien. Das Portal bietet zudem interessierten Bürgerinnen und Bürgern Erklärungen und Hilfestellung, um die Bienengesundheit, zum Beispiel im Kampf gegen den Varroamilbenbefall, zu verbessern.

Weitere Informationen hier.

Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Optimiert, um mehr zu erreichen: Boehringer Ingelheim hat die Ileitis-Schluckimpfung über Innovation immunologisch aufgewertet

Lawsonia intracellularis, der Erreger der Ileitis, ist zwar in nahezu allen Mastbeständen weit verbreitet, allerdings im Labor sehr schwierig anzuzüchten und zu vermehren. Auch in der Impfstoffproduktion ist die Anzucht der Lawsonien einer der herausforderndsten Schritte. Daneben durchläuft ein Lebendimpfstoff im Lyophilisierungsprozess eine sehr entscheidende, aber auch kritische Phase. Ziel aller Anstrengungen in der Impfstoffproduktion ist es, ein gleichmäßiges Maß an vitalen und optimal immunisierenden Lawsonien nach Auflösen des Impfkuchens zu gewährleisten. Boehringer Ingelheim als forschendes Unternehmen entwickelt seine Produkte und deren Darreichungsformen stetig weiter. So hat das Unternehmen jetzt wiederum wissenschaftliche Erkenntnisse in den Produktionsprozess übernommen, wodurch die Immunogenität gesteigert wird.

Die Ileitis- Schluckimpfung ist seit 2004 erfolgreich im Markt etabliert. Gerade in Zeiten hoher Futterkosten ist eine solche Impfung kaum wegzudenken. Über das Trinkwasser mit der Ileitis-Pumpe oder über das Flüssigfutter gelangt der Impfstoff stressfrei, nebenwirkungsfrei und einfach ins Schwein und schützt so zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Denn ein gesunder Darm bedeutet ein gesundes Schwein.

Warum vor allem eine orale Impfung so wirksam ist, erklärt dieses Video.

Quelle: Boehringer Ingelheim

Wie sieht die Schweinehaltung der Zukunft aus? #Expertise2023

Viele deutsche Schweinehalter wollen sich nicht mehr auf den Weg in die Zukunft begeben – für diese und für sich selbst sehen sie schwarz. Im November 2022 wurde mit 21,3 Mio. gehaltenen Schweinen ein neuer Tiefstwert erreicht. Zwischen 2012 und 2022 haben 55,2% der Ferkelerzeuger das Handtuch geworfen; der Sauenbestand ging um 34,1% zurück. Während Deutschland um 560.750 Sauen abstockt, baut Spanien den Gesamtbestand um 438.330Sauen auf.

Die Transformation der Schweinehaltung biete Chancen für den Tierschutz und stelle die Branche gleichzeitig vor große Herausforderungen in der Umsetzung, sagte Prof. Dr. Nicole Kemper (TiHo) zu Beginn ihres Vortrags auf der Expertise 2023.

Zukünftig gälten neue Anforderungen für Schweinehaltungssysteme, die sich an den Bedürfnissen der Tiere orientieren sollten, aber auch für den Menschen effizient, sicher und leistbar sein müssten. Viele Fragen zu Baurecht, Technik, Umwelt, Ökonomie, Markt, Ethik, Verbraucher- und Seuchenschutz warteten auf Antworten.

Vom Tier her gedacht sollten Haltungssysteme für Schweine – außer mehr Platz – einiges mehr bieten:

• Strukturierung der Bucht, damit die Schweine ihre Bedürfnisse ungehindert ausleben können (hier böten sich etwa erhöhte Ebenen – auch als Klimazonen – an)
• Funktionsbereiche, insbesondere Trennung von Kot-/Urin-Bereich und Liegeplatz (an der funktionssicheren Schweinetoilette würde allerdings noch gearbeitet)
• Beschäftigungsmaterial

Um Schweinehalter zu unterstützen böten sich z. B. am Schlachthof erhobene Tierschutzindikatoren an, die Hinweise auf Optimierungsmöglichkeiten in der Haltung liefern können. Auch die Genetik spiele eine wichtige Rolle: Sauen in Systemen ohne Fixierung müssten umgänglich und gleichzeitig mütterlich sein. Die züchterische Bearbeitung von Verhaltensmerkmalen aber sei möglich, ebenso wie z. B. auf Zucht auf Hitzetoleranz.

Die Digitalisierung könne helfen, etwa das „Experimentierfeld DigiSchwein“ und „TIPP“ (Transparency in Pig Production). Automatisierte Überwachung rund um die Uhr und Alarm bei Abweichungen sei heute bereits technisch möglich, wie auch Verhaltensüberwachung per Video und Geräusch-Analyse.

Vor allem aber müssten Zielkonflikte gelöst werden: sowohl zwischen Tierwohl und Ökonomie als auch zwischen Tierwohl und Emissionen/Biosicherheit. Zur Ökonomie liege der Vorschlag der Borchert-Kommission vor, zu Emissionen seien zunächst einmal Referenzwerte für Geruch und Ammoniak erforderlich. Im Projekt „EmiDat“ würden bereits Emissionen in Auslauf-Haltungen gemessen. Eine teilweise oder komplette Überdachung der Ausläufe könne zur Minimierung der Emissionen beitragen, aber immer werde Abwägung und Priorisierung nötig bleiben.

Die anstehenden Änderungen hätten erhebliche Auswirkungen auf alle Betriebe, vor allem bei den Ferkelerzeugern. In vorhandenen Gebäuden sei eine Anpassung an neue Vorgaben nur bei Bestands-Abstockung machbar. Immissionsschutz und Baurecht stellten derzeit die größten Hürden für Neubauten dar. Aber: Wissen, Expertise und Kompetenz sei in Deutschland vorhanden.

Politische Lösungsstrategien jedoch fehlten – auch nach einem Jahrzehnt der Diskussionen – immer noch. Schweinehaltung in Deutschland brauche Planungssicherheit und machbare Rahmenbedingungen um tiergerechte Haltungssysteme umsetzen zu können. Hier seien politische Lösungen, auch im globalen Kontext, gefragt. In diesem Sinne zitierte Nicole Kemper zum Schluss den Slogan:

„Maintain the social license for pig farming“
Erhalten Sie die soziale Lizenz für die Schweinehaltung!

Expertise 2023: eine hybride Fortbildungsveranstaltung für Tierärzte und Tierärztinnen von MSD Tiergesundheit (9./10. 5. 2023)

Wie sieht die Rinderhaltung der Zukunft aus? #Expertise2023

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Prof. Dr. Dr. Matthias Gauly (Freie Universität Bozen) erklärte gleich zu Beginn seines Vortrags auf der „Expertise 2023“, die externen Treiber der Veränderung seien: 1. NGOs und Gesellschaft (wobei offen bliebe, was Henne und was Ei ist). 2. Markt und Handel und erst dann 3. Politik und Gesetzgeber.

Zum Beispiel beschließen deutsche Handelsunternehmen ab 2022 Milch und Milchprodukte mit dem vierstufigen Label für Haltungsformen zu kennzeichnen und Aldi verkündet, für seine Milch-Eigenmarken ab 2030 nur noch Milch aus Haltungen der Stufen 3 und 4 zu verwenden. Alles ohne Zutun des Gesetzgebers.

Auf der Zukunfts-Agenda stehen nach Einschätzung des Professors aus Südtirol die Haltungsform, Gesundheit und Leistung, der Verbleib männlicher Kälber und die muttergebundene Kälberaufzucht. Weiter würden Klima, Flächenkonkurrenz, Regionalität, Verbrauchsgewohnheiten und Alternativprodukte an Bedeutung gewinnen.

Prof. Dr. Matthias Gauly Bild: © Freie Universität Bozen

Verbraucher bevorzugten in Befragungen eindeutig die Weidehaltung als: naturnah, liebevoll, umweltfreundlich, bäuerlich, gesund und tierfreundlich. Nach den Entscheidungskriterien für ihren Milchkauf gefragt, nennen 51,5% die Weidehaltung (an zweiter Stelle nach „GVO-frei“ mit 52,1%, 37,7% Regionalität, 31,6% niedrigen Preis, 19,1% Heufütterung und 10,4 % Biomilch – Spiller et al. 2014).

In Deutschland hätten 2020 aber nur 31 % aller Milchkühe mindestens sechs Monate Weidegang gehabt und bei Landwirten sei Weidehaltung nicht unbedingt beliebt, weil sie als unkalkulierbare Größe wahrgenommen („was genau frisst meine Kuh da draußen?“) und Stallhaltung – gerade in größeren Betrieben – als effizienter angesehen würde.

Aber: Kiefer und Bahrs verglichen 2015 Weide- und Stallbetriebe in Baden-Württemberg und Bayern, kalkulierten den Durchschnittsgewinn je Kuh und kamen auf € 1.054 bei Weide- und € 906 bei Stallhaltung. Ohne Berücksichtigung der Förderung aus der 2. Säule, kommt man auf praktisch gleiche Zahlen: € 803 in der Weide- und € 815 in der Stallhaltung.

Auch bei der Tiergesundheit zeige sich kein eindeutiges Bild. Armbrecht et al. (2015) bewerteten verschiedene Herden nach dem „Welfare Quality Protocol“ und fanden heraus, dass zwischen Kühen mit und ohne Weidegang am Ende der Weideperiode keine Unterschiede zu sehen sind. Am Ende der Winterperiode schnitten die Kühe aus Weidehaltung allerdings tendenziell schlechter ab.

Zum Themenkomplex „Gesundheit und Leistung“ mahnte Gauly Handlungsbedarf an und verwies auf einschlägige Untersuchungen: Roffeis und Waurich (2013) zeigten an Testherden in Brandenburg, dass ein hoher Anteil von Milchkühen der Leistungsgruppe (100 Tage-Milch-kg) krank war: von 87% bei Milchleistung unter 3.000 kg, bis zu 91% bei über 4.000 kg. Die bekannten PraeRi-Studien wiederum belegten hohe Lahmheits-Prävalenzen bei Milchkühen in ganz Deutschland.

Kälber dürften in Zukunft stärker in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Nicht nur die männlichen Tiere und deren Verbleib, sondern insgesamt alle Kälber als „schwache und besonders schützenswerte Lebewesen“ (was sich schon heute in den Änderungen der Transportverordnung zeige). Auch die muttergebundene Aufzucht dürfte in den nächsten Jahren verstärkt thematisiert werden, sagte der Wissenschaftler aus Italien.

Am zukunftsträchtigsten seien der Laufstall mit Weidegang und konsequentes Gesundheits-Monitoring bei Milchkühen (bei Stärkung der Zweinutzungsrassen). Männliche Kälber der Milchrassen würden zukünftig länger im Betrieb bleiben und ihr Transport eingeschränkt werden. Auch hier dürften Zweinutzungsrassen (evtl. kombiniert mit muttergebundener Aufzucht) an Bedeutung gewinnen.

Bei der Klimafrage gäbe es gute Argumente für die weitere Nutzung von Wiederkäuern (wie anders wäre Gras auch nutzbar?), aber die Systeme müssten optimiert werden, etwa in Zucht und Fütterung. Die Flächennutzung für eine reine Futtermittelproduktion werde vermutlich reduziert und grundfutterbasierte Erzeugung an Bedeutung gewinnen. Bei der Regionalität seine Nischenlösungen gefragt (wobei z. B. in Süddeutschland Österreich oder Frankreich eher zur „Region“ zählen sollten, als der nördlichste Zipfel Deutschlands).

Auf Seiten der Verbraucher dürfte die Zahl der „Flexitarier“ weiter steigen und deshalb sei mit einem weiteren Rückgang beim Verzehr tierischer Produkte zu rechnen. Aber auch die Nachfrage-Entwicklung bei Milch- und Fleisch-Alternativen hänge ab von Preis, Qualität und Nachhaltigkeit.

Fazit: In der Außenkommunikation kommt es zukünftig darauf an, die Kuh vom Image der „Methan-Produzentin“ zu befreien und ihre Haltungsbedingungen und Gesundheit zu verbessern, um Verbraucherwünschen, NGO-Agenden und den Marketing-Ideen des LEH erfolgreich zu begegnen.

Mit einem Verbot der Anbindehaltung, normativen Regelungen der Haltungssysteme (Nutztierhaltungsverordnung für Milchkühe), dem Ende der betäubungslosen Enthornung und einer Bestimmung von „Qualzucht“ bei Milchkühen stehen nach Prof. Gauly schon die nächsten Herausforderungen auf der politischen Agenda.

Expertise 2023: eine hybride Fortbildungsveranstaltung für Tierärzte und Tierärztinnen von MSD Tiergesundheit (9./10. 5. 2023)

Mitmachen! Online-Umfrage zum Thema Biosicherheit in Tierhaltungen

Das Friedrich-Loeffler-Institut führt im Rahmen eines Forschungsprojekts aktuell eine kurze, anonyme Online-Umfrage zum Thema Biosicherheit in Tierhaltungen durch (Bearbeitungszeit: ca. 5 min).

Dabei geht es vor allem darum, Erfahrungen sowie Meinungen aus der Praxis zu erhalten. Die erhobenen Daten sollen in zukünftigen Strategien zur Verbesserung der Biosicherheit mit eingebaut werden.

Durch das aktuelle Ausbruchsgeschehen der Afrikanischen Schweinepest sowie der Geflügelpest ist das Thema präsenter denn je. Nur im Austausch mit den potentiell betroffenen Landwirtinnen und Landwirten wird es dem FLI möglich sein, sinnvolle und praxisorientierte Maßnahmen zur Verbesserung der Biosicherheit auf den Weg zu bringen. Besonders ökologische Tierhaltung stehen im Falle eines Tierseuchenausbruchs vor schwerwiegenden Konsequenzen, da die Tiere mitunter aufgestallt werden müssen.

Tierhalterinnen und Tierhalter sind täglich mit dem Thema Biosicherheit auf Ihren Betrieben konfrontiert und müssen wissen, ob und wenn ja, welche Maßnahmen in Bezug auf eine Verbesserung der Biosicherheit sinnvoll sind.

Hier der Aufruf zur Studienteilnahme auf der Homepage des FLI und hier der direkte Link zur Umfrage.

Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Tierwohlindikatoren: Was können die Hühner uns sagen? Signale erkennen und Verhalten verstehen

Auf die Legehennen im Stall und im Freiland wirken viele Einflüsse ein, die Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden haben. Leistung gut, alles gut – so einfach ist es nicht. Das Management und die Haltung beeinflussen die Gesundheit und das Verhalten. Wie sich anhand von Indikatoren das Tierwohl im eignen Bestand bewerten lässt, dazu referierte Dr. Daniel Gieseke, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel Witzenhausen, auf einem Vortrag des Netzwerk Fokus Tierwohl.

Der Hintergrund zur Eigenkontrolle des Tierwohls im Bestand bildet die Novellierung des Tierschutzgesetzes vom 07.08.2013 (Gültig für alle Nutztierhalter*innen ab 01.02.2014). TSchG §11 (8) besagt: „Wer Tiere zu Erwerbszwecken hält, hat durch betriebliche Eigenkontrollen sicherzustellen, dass die Anforderungen des § 2 („Tierhalternorm“) eingehalten werden. Insbesondere hat er zum Zwecke seiner Beurteilung, dass die Anforderungen des § 2 erfüllt sind, geeignete tierbezogene Merkmale (Tierschutzindikatoren) zu erheben und zu bewerten.“

So weit so gut, doch das Problem ist, dass das Tierschutzgesetz keine konkreten Vorgaben bzw. Ausführungsbestimmungen für Inhalt, Umfang und Häufigkeit der betrieblichen Eigenkontrolle enthält. Dr. Daniel Gieseke empfiehlt, die betriebliche Eigenkontrolle mittels des KTBL-Leitfadens für Geflügel durchzuführen.

Der KTBL-Leitfaden ist an die eigene betriebliche Situation anpassbar. Für die Stichprobe werden 50 Tiere benötigt. Dazu sind Hennen aus allen Bereichen der Haltungseinheit auszuwählen, bei Volierenhaltung Legehennen aus allen Ebenen. Es sollte immer die Henne neben der jeweils anvisierten Henne gegriffen werden. Dann kann mittels des Leitfadens eine Bonitur von Gefiederschäden, Hautverletzungen, Brustbeinschäden, Zehenverletzungen und Fußballenveränderungen erfolgen. Dr. Giesecke empfahl, die Erfassung von Tierschutzindikatoren als Chance und als Managementhilfe wahrzunehmen. Das Ergebnis könne als Basis für betriebsindividuelle Optimierungsmaßnahmen dienen. Der betriebliche Mehraufwand sei teilweise durch den Zusatznutzen kompensierbar und das Tierwohlniveau auf dem Betrieb kann nach Außen kommuniziert werden.

Auch für Halter von Broilern und Puten ist der Leitfaden geeignet. Hier ist bei der Bonitur auch auf Fersenhöckerveränderungen, Lahmheit sowie Schnabelkürzung bei Puten zu achten. Die entsprechenden Informationen hierzu enthält der Leitfaden.

KTBL-Leitfaden für Geflügel
Knierim et al. (2020):
Tierschutzindikatoren: Leitfaden für die Praxis – Geflügel (2.0)
Print oder E-Book: https://www.ktbl.de/shop

Quelle: Der Hoftierarzt, Dr. Heike Engels

Zuerst erschienen im E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2-2023
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E-Magazin „Der Hoftierarzt“ 2/2023 steht zum kostenfreien Abruf bereit

Liebe Leserinnen und Leser!

Droht mit der Vogelgrippe eine neue Pandemie? Für welche Szenarien reichen die Ressourcen? Hat Frankreich die Lösung? Welche Anforderungen sollten Impfstoffe erfüllen?

„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 1/2023 steht für Sie zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

Schwerpunkt Gefügel
• Aviäre Influenza: Steht uns die nächste Pandemie bevor?
• Darmparasiten bei Bio- und Freiland-Legehennen
• Einstreu für Masthähnchen
• Hefen und Hefe-Produkte in der Geflügelernährung
• Sommerzeit ist Milbensaison
• Zusammenhang zwischen Valin-Leucin-Wechselwirkungen und Woody Breast?
• Gesetzliche Grundlagen zur Hobbyhaltung von Geflügel
• Broiler brauchen trockene Füße
• Interview: Wurmbefall beim Huhn
• Studie: Wurmbelastung in sächsischen Legehennenhaltungen
• Hühner vor Beutegreifern schützen, aber wie?
• Tierwohlindikatoren: Was können die Hühner uns sagen?

Rinder- Schweine – Schafe – Bienen
• Lokale antibiotische Mastitisbehandlung
• Parasitenbehandlung: Da ist der Wurm drin!
• Rotavirus-Ausscheidungsmuster bei Jungsauen
• Tiergesundheit und Fitness bei Schweinen
• Luftfiltration zur Verhinderung von PRRSV-Infektionen
• Moderhinke beim Schaf erkennen und behandeln
• Imkertipp: Wie bienenfreundlich ist der Wald?

Das Tiergesundheits-Magazin für Nutztierhalter erscheint alle zwei Monate im praktischen PDF-Format. Jetzt einfach hier registrieren, 1 x in der Bestätigungs-Mail klicken und dann gleich kostenfrei downloaden und lesen!

Lehr- und Versuchsanstalten rüsten sich mit SoundTalks®, dem Frühwarnsystem bei Husten

Atemwegserkrankungen bei Ferkel und Mastschweinen sind für eine Vielzahl von Schweinehaltern ein großes gesundheitliches Problem. Doch eine intensive Tierbeobachtung ist sehr zeitaufwändig und nicht objektiv. Zudem verhalten sich Schweine anders, wenn der Mensch in der Nähe ist.

SoundTalks® eröffnet neue Wege in der Tierbeobachtung. Hier wollen und müssen die Lehr- und Versuchsanstalten vorne dabei sein, um diese Systeme den Besucher*innen und Junglandwirt*innen näher zu bringen und zu erklären. Im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp, Schleswig-Holstein, hängt SoundTalks® und zeigt zuverlässig Atemwegsprobleme an. Das Frühwarnsystem erkennt Atemwegserkrankungen mit Husten bis zu 5 Tage früher als eine routinemäßige Tierkontrolle. Es ermöglicht einen früheren Behandlungsbeginn, bevor die Tiere ernsthaft erkranken, in der Leistung abfallen und es zu finanziellen Einbußen kommt. Dabei ist die Technik absolut praxistauglich, robust und leicht zu installieren.

Gerade ausgezeichnet mit der DLG Innovations-Goldmedaille wurde dem Produkt auch der Animal Welfare AWARD verliehen. Tierwohl wird eine immer höhere Anforderung sein und es gilt auch hier Unterstützung bei der Dokumentation und der Kontrolle zu bekommen. Auch hier bietet das System durch das 24/7-Überwachungssystem einen klaren Vorteil. Es zeichnet alle Daten rund um die Uhr auf und bewertet sie.

Weitere Informationen und Videos unter www.soundtalks.de

Quelle: Boehringer Ingelheim

Rotes Höhenvieh – „Heimatrasse des Harzes“

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Ministerin Miriam Staudte beim Weideaustrieb auf dem Biohof Düna

Die 350 Meter vom Stall zur Weide müssen die zehn Jungbullen noch im Anhänger verbringen. Dann geht auf der Weide endlich die Klappe auf – und die Weidesaison für das Harzer Rote Höhenvieh los. Die Fleischrinder machen Bocksprünge und rennen gemeinsam den Hang hinunter. Für Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte war der Besuch auf dem Biohof Düna bei Osterode am Harz am heutigen Montag der erste Weideaustrieb, den sie begleiten durfte.

Miriam Staudte: „Den Tieren ist die Freude darüber, draußen auf der Weide sein zu können, richtig anzumerken. Weidetierhaltung ist die artgerechteste Haltungsform für Rinder. Deshalb wollen wir die Weidehaltung ausbauen. Der Biohof Düna verknüpft in vorbildlicher Weise Landwirtschaft und Landschaftspflege.“

Der Hof wird von Daniel und Johanna Wehmeyer (beide 41 Jahre) geführt.
Sie halten die Rinderrasse Harzer Rotes Höhenvieh auf 320 Hektar Grünland und bestellen zudem 160 Hektar Ackerland. Das Biofutter für die rund 270 Tiere produzieren sie selbst. Die Bullen leben mindestens zwei Sommer auf der Weide. „Es gehen alle 14 Tage zwei Tiere in die Schlachtung, aber das ist ein Zyklus. Es kommen auch immer welche nach“, sagt Vater Dieter Wehmeyer, der seinen Sohn auf dem Hof unterstützt.

Im vorderen Stallabteil, abgegrenzt von den übrigen Rindern, bringt eine Kuh während des Besuchs der Ministerin auf dem Hof gerade Zwillinge zur Welt. Das Harzer Rote Höhenvieh ist vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste der der gefährdeten Nutztierrassen in der Kategorie „Beobachtungspopulation“. Das Land Niedersachsen fördert die Tiere solcher seltenen und gefährdeten einheimischen Nutztierrassen mit 200 Euro pro Großvieheinheit aus GAK-Mitteln (Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“). Die Rassen müssen dabei einen kulturhistorischen Bezug zu Niedersachsen haben, mindestens fünf Jahre gehalten und aktiv züchterisch genutzt werden. Beim Harzer Roten Höhenvieh hat dies bereits Erfolge gezeigt. Seit Ende der 1990er Jahre hat sich ihr Bestand verfünffacht.

Daniel Wehmeyer: „Das Rote Höhenvieh ist die Heimatrasse des Harzes. In jedem Haushalt gab es ein bis drei Kühe, die die Familie ernährt haben, während die Bergmänner unter Tage Erze geschürft haben. Die Kuh der Bergmannsfrauen ist mir durch ihre Robustheit und Schönheit früh ans Herz gewachsen.“

Auch die Weidenutzung in Hanglagen – hier darf nur minimal gedüngt werden und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel dürfen generell nicht zum Einsatz kommen – unterstützt Niedersachsen im Rahmen der Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) genauso wie den Erhalt von artenreichem Dauergrünland.

Wie auf dem Hof von Familie Wehmeyer startet derzeit landauf, landab die Weidesaison für die Niedersächsischen Rinder. Besonderer Anreiz für Milchviehhalter*innen, ihre Tiere auf die Weide zu lassen, ist die neue Sommerweideprämie: Im Rahmen der neuen EU-Förderperiode gibt es in Niedersachsen seit diesem Jahr eine neue Sommerweideprämie für Milchkühe. Die Prämienhöhe beträgt 75 Euro je Milchkuh in der konventionellen Landwirtschaft sowie reduziert 51 Euro je Milchkuh in der ökologischen Landwirtschaft, da diese weitere Fördermöglichkeiten haben. Möglich ist eine Förderung für Betriebe, die ihre Tiere vom 16. Mai bis zum 15. September für mindestens sechs Stunden pro Tag auf der Weide halten.

Mehr Informationen über den Hof finden Sie hier.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz