EuroTier 2022: Treffpunkt „Zukunft Tierhaltung“

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15. bis 18. November 2022 in Hannover – Weltleitmesse für professionelle Tierhaltung und Livestock-Management – Leitthema „Transforming Animal Farming“

„Transforming Animal Farming“ – unter diesem Leitthema steht die EuroTier, die vom 15. bis 18. November 2022 auf dem Messegelände in Hannover und mit einem digitalen Zusatzangebot stattfindet. Der Veranstalter DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) stellt das fachliche Rahmenprogramm der Weltleitmesse für professionelle Tierhaltung und Livestock-Management unter das Leitthema „Transforming Animal Farming“. Im Fokus stehen die Themen Tierwohl, Tiergesundheit, Nachhaltigkeit, Emissionen, Zucht, Haltung, Fütterung, Digitalisierung, Management, Verarbeitung und Vermarktung.

Die nationale und internationale Tierhaltungsbranche befindet sich im Wandel. Die Themen Tierwohl, Nachhaltigkeit, Biodiversität, Klimawandel und Welternährung sowie Produktionseffizienz und Vermarktungsstrategien prägen die aktuelle Diskussion. Produktions- und Wertschöpfungsketten sowie gesellschaftliche und umweltpolitische Ansprüche an die Nutztierhaltung verändern sich in der Folge. „Tierhalter benötigen in diesem herausfordernden Umfeld mehr denn je neue Perspektiven, strategische Ansätze sowie die passenden Technologien, um den Wandel in der Branche erfolgreich mitgestalten zu können. Hier setzt die EuroTier an und bietet als Weltleitmesse und führende fachliche Plattform die relevanten Innovationen und Lösungen für Landwirte, Betriebsleiter und Unternehmen“, beschreibt Ines Rathke, Projektleiterin der EuroTier die zentrale Bedeutung der EuroTier für die internationale Nutztierhaltung.

Innovationsplattform der globalen Tierhaltungsbranche
Als Innovationsplattform der globalen Tierhaltungsbranche bietet die EuroTier einen vollständigen Überblick an Innovationen und etablierten Standards. Sie präsentiert Lösungen für die Rinder-, Schweine- und Geflügelhaltung. Die Themen Schafe und Ziegen, Pensionspferde, Aquakultur, Alternative Proteine und Direktvermarktung vervollständigen das Ausstellungs- und Fachprogramm. Das Messe-Portfolio umfasst Produkte und Dienstleistungen für die gesamte Wertschöpfungskette zur Herstellung tierischer Lebensmittel. Dazu zählen die Bereiche Genetik, Futtermittel, Haltungssysteme, Klima- und Umwelttechnik, Melk- und Kühltechnik, Entmistung, Transport, Betriebsmittel, Zubehör, Verarbeitung, Vermarktung sowie Services und Dienstleistungen für die landwirtschaftliche Erzeugung.

Hochkarätiges internationales Fachprogramm
Unter dem Leitthema „Transforming Animal Farming“ wird die DLG zusammen mit nationalen und internationalen Partnern ein hochkarätiges Fachprogramm mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und Konferenzen zu den aktuellen Fokusthemen der Tierhaltungsbranche präsentieren. Die Spotlights Rind, Schwein, Geflügel und Aquakultur widmen sich branchenspezifisch den Themen Tierwohl, Tiergesundheit, Nachhaltigkeit, Emissionen, Zucht, Haltung, Fütterung, Digitalisierung und Management. Im Fokus des Spotlights Direktvermarktung stehen die Themen Verarbeitung und Vermarktung. Einen neuen inhaltlichen Schwerpunkt bilden beim Thema Fütterung die Perspektiven für alternative Proteinquellen.

Digitales Zusatzangebot
Ergänzend zum Messeauftritt in Hannover bietet die Weltleitmesse Ausstellern und Besuchern ein digitales Zusatzangebot auf der Plattform „DLG-Connect“ (www.dlg-connect.com). Zur optimalen Vorbereitung ihres Messeauftritts können Aussteller hier über ihre Produkte und Neuheiten informieren. Besucher haben damit die Möglichkeit, sich im Vorfeld der EuroTier gezielt mit den Ausstellern zu vernetzen und profitieren zusätzlich von aktuellen Fachinformationen.

Optimale Ergänzung: EnergyDecentral
Parallel zur EuroTier findet die EnergyDecentral in Hannover statt. Die internationale Fachmesse hat sich als führende Plattform der dezentralen Energieversorgung etabliert. Sie bildet die gesamte Wertschöpfungskette einer nachhaltigen Energieproduktion ab: Ressourcen, Energieerzeugung und Smart Energy. Sie stellt damit eine optimale Erweiterung des fachlichen Angebots der EuroTier dar.

Bund fördert Messebeteiligung an EuroTier und EnergyDecentral
Das Messeprogramm des Bundes für den Mittelstand fördert in 2022 Einzelbeteiligungen auf mehr als 60 ausgewählten Messen, darunter auch die DLG-Messen EuroTier und EnergyDecentral. Die Förderung umfasst bis zu 60% Förderung für junge Innovative Unternehmen, welche sich im Rahmen eines Gemeinschaftsstandes präsentieren. Kleine und mittlere Unternehmen erhalten bis zu 12.500 EUR Zuschüsse für Standfläche und Standbau eines eigenen Unternehmensauftritt. Detaillierte Informationen zur Förderung erteilt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unter www.bafa.de/mkmu.

Anmeldung bis 15. März 2022
Aussteller, die sich bis zum 15. März 2022 anmelden, erhalten günstigere Konditionen und haben bessere Chancen auf Umsetzung ihres Platzierungswunsches in den Hallen.

Aktuelle Informationen zur EuroTier 2022: www.eurotier.com

Quelle: DLG

Rekombinante Impfstoffe und in Ovo-Impfungen

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Von Björn Oberländer, Fachtierarzt für Wirtschafts-, Wild- und Ziergeflügel
Intervet Deutschland GmbH – ein Unternehmen der MSD Tiergesundheit

Die Impfung der Küken bereits im Ei oder gleich am ersten Lebenstag sind beim Geflügel besondere Impfmethode, die schon in der Brüterei durchgeführt werden. Wann machen diese Methode Sinn und welche Vorteile haben sie?

Seit einigen Jahren gibt es neben den klassischen Lebend- und Totimpfstoffen auch sogenannte rekombinante Impfstoffe. Bei diesen Impfstoffen werden in einem Trägerorganismus, wie beispielsweise dem Putenherpesvirus (HVT; Herpes Virus of Turkeys), zusätzliche Gene eingebaut. Durch diese zusätzlichen Gene kann ein rekombinanter Impfstoff gleichzeitig gegen viele verschiedene Erkrankungen schützen. Typische Kombinationen sind hierbei beispielsweise der gleichzeitige Schutz gegen die Marek’sche Erkrankung (MD), die Newcastle Krankheit (ND) und Gumboro (IBD) oder Infektiöse Laryngotracheitis (ILT). Der Einsatz dieser reinen Brütereiimpfstoffe hat den großen Vorteil, dass jedes Tier zielgenau einzeln geimpft wird. Dies geschieht entweder am ersten Lebenstag oder bereits in Ovo, also im Ei, bei der Umlage am 18½. Bebrütungstag.

Impfung über Tränkwasser
Bei den herkömmlichen Methoden zur Massenimpfung kommt es hingegen häufig nur zur erfolgreichen Immunisierung eines Teils der Herde. Zudem sind die klassischen Impfmethoden häufig sehr zeit- und/oder personalaufwendig sowie fehleranfällig. Beispielsweise kann es bei der Trinkwasserimpfung, die bei der Gumboro- oder der ND-Impfung genutzt wird, schnell zu unzureichenden Impfresultaten in der Herde kommen, wenn beispielsweise nicht alle Nippel in der Tränkelinie gängig sind. Ein weiteres Problem ist der unzureichende Wasserentzug vor der Impfung. Hier kann es dazu kommen, dass sich in den Tränkelinien noch Restwasser befindet und ein Teil der Tiere während der Impfung das reine Tränkewasser und nicht die Impfstofflösung aufnimmt. Zudem müssen die Lebendimpfstoffe in der Regel binnen zwei Stunden von den Tieren aufgenommen werden, da sie nach dieser Zeit absterben. Befindet sich also noch Restwasser im Tränkesystem, so kann es vorkommen, dass der Impfstoff abstirbt, bevor er von den Tieren aufgenommen werden kann. Zusätzlich sollte vor jeder Impfung eine gründliche Reinigung der Tränkeeinrichtungen stattfinden, da Schmutz und Biofilme die Impfung negativ beeinflussen können. Es ist allerdings sehr wichtig, das Tränkesystem nach einer Reinigung ordentlich zu spülen, denn beispielsweise auch Chlor, welches in vielen Mitteln zur Tränkereinigung beigesetzt ist, lässt den Impfstoff absterben. Auch Spuren von Schwermetallen im Wasser können den Impfstoff schädigen. Es empfiehlt sich deshalb, bei Trinkwasserimpfungen Impfstoffstabilisatoren einzusetzen, die beispielsweise Schwermetalle und Chlor binden können.

Impfung per Spray
Eine andere Möglichkeit, um eine Massenimpfung im Feld durchzuführen ist die Impfung per Spray. Auch diese Impfung kann bei unzureichender Planung und Vorbereitung zu einem mangelhaften Ergebnis führen. Bevor geimpft wird, muss die benötigte Menge Impflösung hergestellt werden, hierbei ist nicht nur die Anzahl der Tiere, sondern auch die Menge, die das Impfgerät pro Minute versprüht zu beachten. Zudem sollte die Lüftung im Stall für die Impfung abgestellt werden, damit der Impfstoff die Tiere erreichen kann und nicht von der Lüftung aus dem Stall gesogen wird. Es ist ebenfalls empfehlenswert, die Temperatur im Stall vor der Impfung leicht zu reduzieren, hierdurch gruppieren sich die Tiere und können gezielter gesprayt werden. Verteilen sich die Tiere zu stark im Stall, kann häufig nur ein Teil der Herde zufriedenstellend geimpft werden. Ein wichtiger Faktor bei der Sprayimpfung ist die verwendete Tröpfchengröße, diese ist immer abhängig vom jeweilig eingesetzten Impfstoff. Ist die Tröpfchengröße zu klein für den Impfstoff eingestellt, kann der Impfstoff zu tief in die Atemwege eindringen und es kann zu verstärkten Impfreaktionen kommen, sind die Tröpfchen hingegen zu groß, erreicht der Impfstoff nicht den Wirkort und eine Immunreaktion unterbleibt und es wird kein Schutz ausgebildet.
In der Praxis hat es sich als sinnvoll erwiesen die Impftechniken von Zeit zu Zeit zu überprüfen. Die Trinkwasserimpfung kann beispielsweise mit Hilfe eines Farbindikators überprüft werden. Dieser kann auch bei einer „Probeimpfung“ ohne Impfstoff verwendet werden. Zur Kontrolle der Sprayimpfung hat sich Löschpapier bewährt, um das Sprühbild beurteilen zu können.

Impfung per Augentropfmethode
Eine weitere im Feld angewandte Technik zur Impfung ist die Augentropfmethode, wie sie beispielsweise bei der ILT-Impfung zum Einsatz kommt. Hierbei wird allen Tieren einzeln ein Tropfen Impflösung in ein Auge getropft. Durch diese Impfmethode kann eine gezielte Impfung aller Tiere sichergestellt werden, sie ist jedoch auch sehr zeit- und personalaufwändig. Die Impfung sollte zudem im Fall von ILT zweimalig während der Aufzucht durchgeführt werden. Werden aufgrund eines hohen Felddrucks sehr junge Tiere (unter 4 Wochen) geimpft, so können Bindehautentzündungen auftreten.


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Umgang mit erkrankten und verletzen Tieren: Hilfestellung für Schweinehalter

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Schulungsmaterial ist ab sofort online abrufbar – Projekt mit rund 150.000 Euro gefördert

Schweinehalter bekommen ab sofort eine Hilfestellung bei der Entscheidung, wann ein Erlösen eines Tieres unausweichlich ist. Das Schulungsmaterial ist das Ergebnis eines Projektes für den korrekten Umgang mit schwer erkrankten und verletzten Schweinen an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo). Das Projekt wurde vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) mit rund 150.000 Euro gefördert. Prof. Dr. Elisabeth große Beilage, Leiterin des Projektes, übergab jetzt den Abschlussbericht an Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast und stellte die Inhalte des Schulungsmaterials vor. An dem Termin im Agrarministerium nahmen auch Dr. Karl-Heinz Tölle (Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands, ISN-Projekt GmbH) und Hubertus Berges (Landvolk Niedersachsen) und Prof. Dr. Isabel Hennnig-Pauka (TiHo) teil.

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast bedankte sich bei den Projektpartnern und sprach auch den teilnehmenden Landwirten ihren Dank aus. Die Ministerin: „Es ist gut, dass diese wichtigen Schulungsmaterialien nun vorliegen. Die Einhaltung der Kriterien schützt die Tiere vor unnötigen Schmerzen und Leiden.“ Die Ministerin appellierte an die Betriebe, das kostenfrei vom ML bereitgestellte Material in der täglichen Arbeit im Stall zu verwenden: „Damit helfen Tierhalter nicht nur den Schweinen, sondern schützen sich selbst vor Verstößen gegen das Tierschutzgesetz.“

Prof. Dr. Elisabeth große Beilage: „Wir konnten mit dem Projekt einen weiteren, wichtigen Schritt zur Verbesserung der Versorgung kranker Schweine tun. Dass wir dieses Projekt erfolgreich abschließen konnten, verdanken wir der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Tierhaltern, die uns in dem Projekt unterstützt haben und der Facharbeitsgruppe, die sich mit großem Einsatz in die Auswertung eingebracht hat“.

Auslöser für das Projekt waren Untersuchungen in Verarbeitungsbetrieben für tierische Nebenprodukte, die gezeigt haben, dass ein Teil der angelieferten Schweine tierschutzrelevante Befunde aufweist. Zu den Mängeln, die im Umgang mit kranken und verletzten Schweinen regelmäßig festgestellt werden, gehört die zu späte oder unterlassene Tötung von schwer und unheilbar erkrankten Tieren. Genau dort setzt das Schulungsmaterial an. Denn: Für den Tierhalter ist es oft schwierig, zu beurteilen, ob bei einem erkrankten oder verletzten Tier ein weiterer Behandlungsversuch sinnvoll ist oder ob es geboten ist, das Tier von seinen Schmerzen zu erlösen.

An dem Projekt nahmen insgesamt 42 Betriebe teil, die 316 Tiere für die Untersuchung zur Verfügung stellten. Bei den Schweinen erfolgten klinische Untersuchungen zur Erhebung der Krankheitssymptome und Untersuchungen der strukturellen Veränderungen der Organe und Gewebe, die Befunde wurden dokumentiert und Foto- und Videomaterial erstellt. Nach einer Bewertung durch 26 Experten mit ausgewiesenen Fachkenntnissen aus verschiedenen Bereichen der Tiermedizin oder Landwirtschaft, erfolgte die Auswertung. Für insgesamt sieben relevante Krankheits-/Verletzungskomplexe definierte das Team der TiHo spezifische Kriterien, die Tierhalter und Tierärzte zukünftig bei der Entscheidung über eine Tötung berücksichtigen können und die es erlauben, eine rechtzeitige von einer zu späten Tötung abzugrenzen. In der Schulung werden krankheits- und verletzungsspezifische Befunde und Befundausprägungen mit umfangreichem Foto- und Videomaterial dargestellt. Dabei handelt es sich unter anderem um Krankheits-/Verletzungskomplexe am Bewegungsapparat wie Lahmheit oder auch des Atmungstraktes sowie um Beeinträchtigungen des Ernährungszustandes.

Dr. Karl-Heinz Tölle: „Kranke oder verletzte Tiere können in jedem Haltungssystem auftreten – ausschlaggebend ist der richtige Umgang mit diesen Tieren. Die Entscheidung, wann die Nottötung eines kranken Schweines geboten ist, muss bei jedem Einzelfall genau abgewogen und dann fachgerecht umgesetzt werden – im Sinne des Tierschutzes. Die im Projekt erarbeiteten Ergebnisse bieten eine wertvolle Hilfestellung und bringen ein Stück weit Entscheidungssicherheit, indem zahlreiche Grenzfälle mit Bildern beschrieben und eingeordnet wurden.“

Hubertus Berges: „Die Umsetzung dieses Erkenntniszuwachses in die Praxis kann nur gemeinsam mit den praktizierenden Tierärzten und den Tierhaltern gelingen. Als Landvolk stehen wir hier selbstverständlich flankierend zur Verfügung.“

Das Schulungsmaterial zum Projekt steht ab sofort zum Download bereit unter: https://www.ml.niedersachsen.de/download/179097 . Der Abschlussbericht des Projektes „Sofortmaßnahmen zur Vermeidung länger anhaltender erheblicher Schmerzen und Leiden bei schwer erkrankten/verletzten Schweinen durch rechtzeitige Tötung“ ist über die ISBN-Nummer 978-3-86345-609-2 verfügbar.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Ökologische Wasserreinigung in Aquakulturen – mit weniger Aufwand!

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Forscher und Forscherinnen des Instituts für Wasser- und Energiemanagement (iwe) der Hochschule Hof wollen den Arbeits- und Materialeinsatz unter anderem bei der Bewirtschaftung von Teichanlagen senken. Gelingen soll dies mit Hilfe biologisch abbaubarer, sogenannter „Aufwuchskörper“ zur Wasserreinigung. Diese könnten konventionelle Reinigungselemente aus Plastik schon bald ersetzen und somit auch Mikroplastik in Wasser und Fischen reduzieren. Das Forschungsprojekt dazu läuft seit April 2021.

Die Aquakultur gehört zu dem am schnellst wachsendem Lebensmittelsektor mit einer jährlichen Produktion im Wert von 250 Milliarden US-Dollar. Aufwuchskörper sind dabei nicht wegzudenken: Durch ihre große Oberfläche auf welcher Bakterien siedeln, helfen sie giftiges Ammonium und Nitrit in weniger schädliches Nitrat umzuwandeln. Gleichzeitig wird so Wasser gespart und die Umwelt geschützt. Doch bestehen Aufwuchskörper in der Regel aus Plastik oder anderen erdölbasierten Kunststoffen. „Ihr Recycling ist aufwändig und Plastik in den Weltmeeren und Gewässern stellt die Menschheit vor eine große Herausforderung – aus Plastik kann schließlich Mikroplastik entstehen, das wir über unser Essen selbst wieder zu uns nehmen und das in jedem Fall schädlich auf die Umwelt und ihre Organismen einwirkt“, erklärt Dr. Harvey Harbach, Verantwortlicher für den Forschungsbereich Aquaponik an der Hochschule Hof.

Biokunststoff statt Plastik
Generell gilt es deshalb Stoffe zu finden, welche konventionelles Plastik ersetzen können. Im Fall der Aufwuchskörper bietet sich als Werkstoff der Einsatz von Biokunststoff an. Ein Forscherteam des Instituts für Wasser- und Energiemanagement (iwe) der Hochschule Hof um Projektleiter und Ideengeber Dr. Harvey Harbach beschäftigt sich genau damit: In Zusammenarbeit mit dem ebenfalls an der Hochschule Hof ansässigen Institut für Biopolymerforschung (ibp) und einem Wirtschaftsunternehmen aus Franken werden seit Anfang April 2021 unter dem Projektnamen „BioBioCarrier“ vollständig biologisch abbaubare Aufwuchskörper für die biologische Wasseraufbereitung entwickelt. Gefördert wird das bis 2023 laufende Projekt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des zentralen Innovationsprogrammes Mittelstand (ZIM).

Test verschiedener Materialien
„Die Schwierigkeiten im Projekt liegen bei der richtigen Auswahl der Biopolymere und der damit verbundenen Abbaubarkeit im Wasser. Der neue Aufwuchskörper darf sich nicht zu schnell im Süßwasser abbauen“, erklärt Projektmitarbeiterin Frau Christin Baumgart. Durch die Kombination von verschiedenen Polymeren miteinander sollen neue Eigenschaften generiert werden: „Das bedeutet, dass die biologische Abbaubarkeit in Wasser angepasst werden kann.“ Die bisherigen Ergebnisse sehen jedoch vielversprechend aus. Entsprechend konnten bereits Fortschritte erzielt und Lösungswege identifiziert werden. Bis zur Marktreife müssen jedoch noch einige Hürden genommen werden: “Bei der Auswahl der Stoffe wird darauf geachtet, dass diese nicht gesundheitsschädlich sind. Da die Anwendung in der Aquaponik stattfindet, müssen die Stoffe auch für die Fische und Pflanzen geeignet sein. Das bedeutet, dass hier ein großes Augenmerk auf die Unbedenklichkeit der Stoffe gelegt wird, alle biologisch abbaubar und sogar biobasiert sein sollten“. Ferner müsste „aber auch die biologische Abbaubarkeit noch ausführlich betrachtet werden, damit diese sich in dem vorgegebenen Zeitrahmen zersetzen.“

Neuentwicklung winkt
Eine entscheidende Herausforderung im Projekt, die aber einen Durchbruch innerhalb der betroffenen Industrie bedeuten könnte, könnte letztlich eine Neuentwicklung liefern, an der man derzeit in Hof arbeitet: „In aquaponischen Systemen müssen in regelmäßigen Abständen Nährstoffe zugegeben werden, ohne die Pflanzen nicht oder nur schlecht wachsen können. Unsere Idee ist es, den biologischen Abbau des Produktes mit dem Freisetzen der für die Pflanzen benötigten Stoffe zu kombinieren. Dies würde folglich die Arbeitszeit reduzieren und die Wirtschaftlichkeit verbessern“, so Dr. Harbach. Und weiter: „Zurzeit sind keine vergleichbaren Produkte auf dem Markt. Hier würde es sich um eine echte Innovation handeln. Wir arbeiten auf Hochtouren und rechnen schon bald weiteren Ergebnissen“.

Quelle: Hochschule Hof – University of Applied Sciences

Impfen durch Tierärzt:innen

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BTK informiert über die verbindlichen Voraussetzungen zum Impfstart

Aufgrund einer Gesetzesänderung im Dezember ist es Tierärzt:innen ab sofort möglich, Menschen gegen COVID-19 zu impfen. Voraussetzung ist die Teilnahme an einer ärztlichen Schulung, deren Inhalt fünf Stunden Theorie sowie zwei Stunden „Praktikum“ in einem Impfzentrum oder einer ähnlichen Einrichtung umfasst. Der theoretische Teil, basierend auf einem Curriculum, das von der Bundestierärztekammer in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer entwickelt wurde, kann ab dem 12.01.2022 per E-Learning absolviert werden.

Über die erfolgreiche Teilnahme an der theoretischen Schulung erhalten die Tierärzt:innen eine Bescheinigung. „Wir freuen uns, dass es interessierten Kolleg:innen nun endlich möglich ist, sich an der Impfkampagne der Bundesregierung und dem gemeinsamen Kampf gegen COVID-19 zu beteiligen und die Humanmediziner:innen zu unterstützen“, sagt BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann.

Nach Abschluss der Schulung können Tierärzt:innen zunächst im Impfzentrum oder im mobilen Impfteam tätig werden. Eine Impfung gegen COVID-19 in der Tierarztpraxis ist vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) auch vorgesehen, allerdings fehlen hierzu noch die erforderlichen rechtlichen Voraussetzungen.

Ausführliche Informationen zum Curriculum sowie die Zugangsdaten zur Onlineschulung gibt es auf der BTK-Homepage.

Quelle: Bundestierärztekammer

Fortbildung: Kälbergesundheit im Fokus

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Welche Auswirkungen hat es auf das spätere Leben als Milchkuh, wenn sie schon als Kalb viele Erkrankungen durchmachen muss? Und wie kann die Kälberaufzucht noch besser werden? Leider kommt es immer noch viel zu häufig zu den typischen Kälberkrankheiten wie Kälbergrippe oder Kälberdurchfall. Das muss sich ändern, denn das Wissen, wie es besser geht, ist da! Kürzlich fand hierzu eine Fortbildung zum Thema „Krank als Kalb – das hat Folgen für die Kuh“ für Tierärzte statt. Veranstalter war die Firma Ceva Tiergesundheit GmbH. Das Team von „Der Hoftierarzt“ hat die wichtigsten Punkte für den täglichen Umgang mit den Kälbern zusammengefasst.

In letzter Zeit mehren sich die Erkenntnisse darauf, dass das Mikrobiom des Darmes elementar wichtig für die Gesundheit nicht nur des Menschen, sondern auch des Tieres ist. Prof. Dr. Martin Kaske, Universität Zürich, bezeichnete das Mikrobiom gar als „game changer“ für die Tiergesundheit. Das Mikrobiom sei sehr vielfältig, es bestehe aus einer Vielzahl von Gattungen, Arten und Stämmen, die noch nicht komplett bekannt sind, und unter denen es Wechselbeziehungen gibt, die wir bisher nur teilweise verstehen. Die Zusammensetzung der Darmmikroorganismen habe erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit des Wirts. Das Mikrobiom interagiere mit einer Vielzahl physiologischer Prozesse und habe wesentlichen Einfluss auf das Immunsystem. Diese können sich sowohl in positiven Effekten wie der Aktivierung des Immunsystems, der Fermentation primär unverdaulicher Nahrungsbestandteile und in Barriereeffekten gegenüber pathogenen Mikroorganismen äußern als auch in negativen Wirkungen, wie z. B. der Auslösung von Krankheiten durch Vermehrung pathogener Keime.

Jedes Kalb sein eigenes Mikrobiom
Prof. Kaske machte deutlich, dass das Kalb von Anfang an sein spezielles Mikrobiom erhalte, welches beeinflusst wird von den Keimen in der Stallumgebung , von der Mutterkuh und auch von der ersten Nahrung, die das Kalb aufnimmt. Während der ersten Lebenstage und -wochen könne das Mikrobiom maßgeblich beeinflusst werden. Ausreichend Kolostrum so früh wie möglich nach der Geburt sei elementar wichtig für die Kälbergesundheit.

Unter diesem Aspekt müsse die Gabe von Antibiotika kritisch hinterfragt werden, denn Antibiotika zerstören das gerade aufgebaute Mikrobiom erheblich. Ganz wichtig hierbei: Auch Antibiotikagaben an die Kuh wiederum z.B. in der Mastitistherapie können das Kalb betreffen, wenn diese antibiotikahaltige Milch, die sogenannte Sperrmilch, an die Kälber vertränkt werde. Deswegen sollte die Sperrmilch möglichst nicht vertränkt werden, auch Pasteurisieren bringe hier nichts, nur die darin enthaltenen Keime würden damit abgetötet. Er wies darauf hin, dass Einfrieren oder Pasteurisieren viele gute Inhaltsstoffe im Kolostrum zerstöre, das Auftauen passiere auch oft mit zu hohen Temperaturen, aber trotzdem sei das besser als gar kein Kolostrum zu geben. Prof. Kaske riet zur Nutzung von sogenannten Kälberboostern: Sie seien nur ein Mosaiksteinchen für die erfolgreiche Kälberaufzucht, können aber unterstützend positive Effekte haben und seien nicht teuer und praktisch anzuwenden, weil sie über Injektor oder Kartusche direkt ins Maul der Tiere eingebracht würden.

Künftig werde das Mikrobiom auch eine zentrale Bedeutung im Hinblick auf die Verminderung von Methanemissionen durch Wiederkäuer haben. Es laufen hier derzeit viele verschiedene Untersuchungen, gab der Professor einen Ausblick in die Zukunft.

Mit Kolostrum gegen Kälberdurchfall
Dr. Ingrid Lorenz, Rindertierärztin beim TGD Bayern, sprach über die Rolle des Tränkemanagements bei Vermeidung und Behandlung von Durchfall. Sie machte deutlich, dass Kälberdurchfall eine klassische Faktorenerkrankung ist. Bei ihrer Entstehung wirken viele Faktoren ein, die wichtigsten sind die adäquate Kolostrumversorgung, Reinigung und Desinfektion, die vorbeugende Impfung sowie die Art der Aufstallung. Eine eigene Studie ergab: drei oder mehr Liter Kolostrum bei der zweiten Mahlzeit schützt signifikant vor Kälberdurchfall, genauso wie die ad libitum Fütterung in der ersten Lebenswoche. Eher einen Risikofaktor für Kälberdurchfall stellte in dieser Studie die frühe Verabreichung eines Eisenpräparates dar, deswegen empfahl Dr. Lorenz hierzu weitere Untersuchungen, um den Effekt der Eisengabe besser zu verstehen. Sie erklärte, dass Bakterien und Viren Eisen zur Vermehrung benötigen, und Infektionen daher zu Eisenmangel führten und nicht Eisenmangel zu Infektionen.

Ihrer Ansicht nach ist die Kolostrumversorgung die wichtigste Managementmaßnahme zur Vorbeugung. Um das Kolostrummanagement zu überprüfen, bietet sich als einfachste Möglichkeit an, den Gesamteiweißgehalt im Blut der Kälber zu bestimmen. Dazu nimmt der Tierarzt Blutproben von 6 bis ideal 12 gesunden, ausreichend mit Flüssigkeit versorgten Kälbern (2-10 Tage alt), die mit Kolostrum versorgt wurden, zentrifugiert das Serum ab und kann mittels Refraktometer den Gesamteiweißgehalt betrachten. 80 % der Kälber des Bestandes sollten Gesamtproteinwerte im Serum von 58 g/l oder mehr haben, dann sei die Kolostrumversorgung im grünen Bereich. Ist das Kalb an Durchfall erkrankt, sollte keinesfalls die Milch abgesetzt werden. Das Kalb sollte weiter Milch erhalten, zusätzlich aber eine Elektrolyttränke, um den Verlust an Elektrolyten auszugleichen.

Dr. Lorenz empfahl die ad libitum-Tränke der Kälber, da sich die Kälber mit deutlich mehr Milch als den sonst üblichen Mengen viel besser entwickeln würden. Jedes Kalb, das nicht ad libitum getränkt werde, sei eine verlorene Chance!

Kranke Kälber senken Wirtschaftlichkeit in der Kälberaufzucht
Bernd Lührmann von der LWK Niedersachsen zeigte in seinem Vortrag, wie sich gesundheitliche Probleme von Kälbern in der Aufzucht und späteren Nutzung der Milchkühe niederschlagen. In den ersten vier Monaten seien 750 g Tageszunahme anzustreben, in den folgenden acht Monaten jeweils 900 g täglich und im zweiten Lebensjahr dann 720 g am Tag, zur ersten Kalbung im Alter von 24 bis 26 Monaten also 620 kg Lebendgewicht. So klappt das aber nur mit gesunden Tieren!

Weil lange anhaltende Probleme wie hohe Zellzahlen oder geringe Fruchtbarkeit irgendwann als „normal“ empfunden würden, die wenigsten Tierhalter Krankheitsdaten überhaupt erfassen und häufig nur offensichtliche Kosten erkennen und berücksichtigen, seien Kälber und Färsen allzu oft krank. Berücksichtige der Landwirt aber nur die „sichtbaren“ Kosten (Therapie, Verluste beim Qualitätszuschlag, die zusammen etwa 30 % ausmachten), werde er Opfer des „Titanic-Effekts“. 70 % der Kosten, wie geringere Milchleistung, Mehrarbeit, vorzeitige Abgänge blieben ihm verborgen.

Atemwegserkrankungen schlagen sich nicht nur in verminderter Tageszunahme nieder, sagte Lührmann, sondern auch langfristig. Kälber, die in den ersten sechs Lebensmonaten eine Grippe durchmachen, haben eine um 15 % geringere Wahrscheinlichkeit überhaupt die 1. Laktation zu erreichen, ein um 8 % höheres Risiko für Geburtskomplikationen und eine 40 % höhere Wahrscheinlichkeit, erst nach dem 25. Lebensmonat zu kalben.

Ähnliches gälte für Durchfälle: Mit der Anzahl der tierärztlichen Behandlungen steigen Erstkalbealter und Besamungsindex, die spätere Milchleistung sinkt und die Abgänge in der 1. Laktation steigen (bis auf 58 % bei mehr als vier Behandlungen in der Aufzucht). Ziehe ein Milchhof z. B. jährlich 80 Kälber auf und senke dabei die Erkrankungsrate von 40 % auf 25 %, steige sein Gewinn um 2.131 Euro, rechnete Lührmann vor; würden nur 15 % der Kälber krank, liege der zusätzliche Gewinn sogar bei 3.552 Euro!

Dass eine optimale Kälberhaltung Grundlage für die erfolgreiche Milcherzeugung ist, weiß eigentlich jeder. Aber, so sagte der Referent in seinem Fazit:

• die finanziellen und produktionstechnischen Auswirkungen von (Kälber-)Krankheiten würden erheblich unterschätzt!
• Prophylaxe und intensive Betreuung der Kälber sei höchst rentabel!
• Gerade beim Kälberstallbau seien arbeitswirtschaftliche, hygienische und gesundheitliche Aspekte der Kälberhaltung zu berücksichtigen!

Rindergrippe und Kälberdurchfall aus der Sicht des Praktikers
Dr. Josef Beisl, Tierarzt und Rinderspezialist aus dem bayerischen Frontenhausen, begann seine Aufzählung der Durchfallursachen bei Kälbern mit dem Kolostrum. Kurz zusammengefasst in: Zu spät, zu wenig, in schlechter Qualität. Eine Beobachtungsstudie zur Kälberaufzucht in seiner eigenen Praxis ergab, dass 60 % der Betriebe neugeborenen Kälbern nur 2 Liter oder weniger statt 4 Liter verabreichen und das häufig auch noch zu spät. Die Qualität der Biestmilch würde u. a. beeinflusst durch das Alter der Kuh, ihrer Einsatzleistung, der Trockenstehzeit (unter 21 Tage), Stress und bakterielle Kontamination (rückstandshaltige Milch, Tränkehygiene).

Der Tierarzt empfahl die Kolostrumgabe innerhalb von 3 Stunden und eine weitere Gabe innerhalb von 7 Stunden. Sein Vorgehen: 4 Liter als Erstgabe, freie Aufnahme, Restmenge mit Gummisonde drenchen (und dann ad libitum -Tränke für wenigstens 3 Wochen).

Aber auch die Geburtshygiene bestimme die Anfälligkeit des Kalbes (Abkalbeabteil, trockenes, sauberes Kälberabteil, Nabeldesinfektion und -versorgung, Lüftung/Stallklima) sowie die Versorgung mit Eisen, Vitamin E und Selen. Außerdem empfahl Dr. Beisl unbedingt Blutproben im Labor untersuchen zulassen und bei der Mutterschutzvakzination Rota – Coronavirus und (stallspezifische) E.coli Impfstoffe zu berücksichtigen.

Die für Durchfallerkrankungen genannten Ursachen gelten großteils auch für Atemwegserkrankungen, bei denen aber auch noch Gruppenzusammenstellung, Luftqualität und -masse hinzukämen. Kälber hätten einen hohen Frischluftbedarf von 14 m3 pro Stunde und Kalb. Die maximale Luftgeschwindigkeit sollte dabei 0,3 m/sec nicht überschreiten, um Zugluft zu vermeiden.

Aber auch Viren, Bakterien oder Vorschädigung des Epithels spielten natürlich eine Rolle. Wieder gelte es durch Mutterschutzvakzination, Stimulation unspezifischer Abwehr via intranasale Impfung und aktive Immunisierung mit Boosterung vorzubeugen.

Und am Ende zahle sich ein durchdachtes Programm zur Kälberaufzucht auch finanziell aus: Sinke die Erkrankungsrate um 50 %, bedeute dies je Kalb plus 15 Euro, die Antibiotika-Reduktion schlage sich mit plus 5 Euro nieder und die Optimierung des Schutzimpfungserfolges mit weiteren 5 Euro. Die Steigerung der Mastleistung um 50 g pro Tier und Tag mit plus 52 Euro und 1 Liter Milch mehr pro Tag mit 320 Euro!

Wer mehr über Kälber- und Rindergesundheit erfahren oder über zukünftige Veranstaltungen informiert werden möchte, kann sich beim Blog von Ceva Tiergesundheit anmelden.

Quelle: Dr. Heike Engels & Thomas Wengenroth, Der Hoftierarzt

Die Ur-Honigbiene stammt aus Asien

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In welchem Teil der Welt die westliche Honigbiene Apis mellifera ihren evolutiven Ursprung hatte, ist unter Forschenden sehr umstritten. Bislang galt Afrika als wahrscheinlichstes Herkunftsgebiet. Jedoch gab es bisher zu wenige Daten, um die Frage des Ursprungs zu klären. Ein internationales Wissenschaftsteam unter Beteiligung von Dr. Eckart Stolle vom Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) konnte nun durch umfassende genetische Untersuchungen zeigen: Der Ursprung der Honigbiene A. mellifera liegt wahrscheinlich in Asien, von wo aus die Art sich nach Afrika und Europa ausbreitete. Die Ergebnisse erschienen jetzt in der renommierten Zeitschrift Science Advances.

Die Schließung der Wissenslücke zur Entwicklung der Honigbiene ist wichtig, um die Evolution und Genetik dieses global sehr wichtigen Bestäubers zu verstehen. Die Analyse von 251 Genomen von 18 Apis mellifera-Unterarten sowie weitere methodische Ansätze brachten jetzt neue Erkenntnisse. Die westliche Honigbiene entstand vor etwa 8 Millionen Jahren in Asien und spaltete sich vor 2 bis 5 Millionen Jahren in mehrere Linien auf. Während sie Afrika in einem Ausbreitungsprozess besiedelte, erfolgte die Besiedelung von Europa in zwei weiteren voneinander unabhängigen Ausbreitungsprozessen vor 1 bis 2 Millionen Jahren, gefolgt von der Bildung der heutigen Unterarten vor 140 000 – 280 000 Jahren.

„Bemerkenswert ist, dass die Mehrzahl der genetischen Änderungen, die die Honigbienen-Unterarten unterscheiden, sich an einigen wenigen genomischen „Hotspots“ konzentrieren“ erläutert Stolle. 145 Gene in diesen „Hotspots“ weisen spezifische genetische Unterschiede über alle Honigbienen-Unterarten hinweg auf, ein Hinweis darauf, dass sie unter natürlicher Selektion stehen. „Und genau diese Gene waren in hohem Maße mit Arbeiterinnenmerkmalen verbunden“ streicht Stolle heraus. „Dies zeigt: Die Entwicklung des sozialen Lebens der Bienen in einem Staat und zusätzlich neue Arbeiterinnen- und Koloniemerkmale scheinen also die Ausbreitung der Honigbienen in ihrem jetzt riesigen Verbreitungsgebiet ermöglicht zu haben.“

Somit wird die These gestützt, dass die westliche Honigbiene ihren Ursprung in Asien hatte, bevor sie sich nach Europa und Afrika ausbreitete. Heute gibt es etwa zehn Arten von Honigbienen, die zum Großteil in Asien beheimatet sind. In Europa und weiten Teilen Afrikas existiert jedoch nur eine einzige Art der Gattung Apis, unsere Honigbiene, A. mellifera.

Quelle: Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels

„Der Hoftierarzt“ Ausgabe 6/2021 steht zum Abruf bereit

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Das E-Magazin „Der Hoftierarzt“ Ausgabe 6/2021 steht zum Abruf bereit und bietet folgende Themen:

• Rekombinante Impfstoffe und in Ovo-Impfungen
• Kurz notiert: 11 Tipps zur Beschäftigung für Legehennen bei Stallpflicht
• Die Mareksche Krankheit: Mutationsfreudiges Virus erfordert neue Impfkonzepte
• Aus der Forschung: Milchsäurebakterien in der Putenaufzucht
• Fortbildung: Kälbergesundheit im Fokus
• Hygiene bei Kälbern und Milchvieh: Für das Wertvollste in Ihrem Stall!
• Kälberflechte – Ein unterschätztes Alarmsignal
• Dauerbrenner PRRS: Kein Ende der Pandemie in Sicht?
• PRRS als wichtiger Erreger beim PRDC
• Imkerinfo: Die Ur-Honigbiene stammt aus Asien

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Erster Nachwuchs im Dummerstorfer Ökostall

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Haltungsformen im direkten Vergleich – neues Forschungsprojekt am FBN

Am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie in Dummerstorf (FBN) wird nicht nur in konventionellen Ställen geforscht. Seit vergangenem Jahr zählt auch ein Schweinestall, der nach der EU-Öko-Richtlinie errichtet worden ist, zu den tierexperimentellen Anlagen des FBN. Jetzt gibt es dort den ersten Ferkelnachwuchs und ein neues Forschungsprojekt.
In dem im August 2020 eröffneten Erweiterungsbau sollen im Interesse einer tier-, umwelt- und klimafreundlichen Nutztierhaltung insbesondere ökologische Aspekte der Tierproduktion stärker in den Forschungsfokus des FBN rücken. Weitere Schwerpunkte liegen in der Erforschung alter, gefährdeter Nutztierrassen sowie in der Entwicklung smarter Lösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft.

Alle FBN-Institute am Forschungsprojekt beteiligt
Im aktuellen neuen Projekt unter dem Titel „Vergleichende Phänotypisierung von Muttertieren zweier Schweinerassen (Deutsche Landrasse, Sattelschwein) und ihrer Nachkommen unter zwei Umwelt- und Management Bedingungen“ sollen die Tiere in den beiden unterschiedlichen Haltungsumwelten, konventionell und ökologisch, umfassend untersucht und beprobt werden.

Foto: Marianne Zenk

„Alle Forschungsbereiche des FBN von der Genetik und Genombiologie, über die Verhaltensphysiologie, die Muskelbiologie, die Fortpflanzungs- und Ernährungsphysiologie, sind an diesem Projekt beteiligt“, kündigte Vorstand Prof. Klaus Wimmers an. „Durch Beobachtungen, Verhaltenstests, Speichel-, Milch-, Blut- und Gewebeproben und deren anschließende Analysen in unseren Laboren zusätzlich zu den routinemäßig erfassten Daten entsteht somit ein umfassendes Bild vom Einzeltier. Dabei wird wie bei jedem Tierversuch am FBN darauf geachtet, Eingriffe am Tier auf ein Minimum zu reduzieren oder durch schonendere oder nichtinvasive Methoden zu ersetzen oder zu ergänzen. So hat sich in den letzten Jahren unter anderem die Cortisolbestimmung (Stresshormon) aus dem Speichel oder den Haaren als Alternative zur Blutprobe durchgesetzt.“

In der Experimentalanlage Schwein können mit dem Neubau des 780 Quadratmeter großen Ökostalls jetzt an einem Standort unter authentischen Bedingungen konventionelle und ökologische Haltungsbedingungen untersucht werden. In der bereits 1998 eröffneten Experimentalanlage Schwein stehen den Tieren weitere rund 1.140 Quadratmetern zur Verfügung.

Gewebeproben in der Biobank reduzieren Tierversuche

Foto: Marianne Zenk

„Im Ökostall leben die Tiere in größeren, eingestreuten Buchten, haben Zugang zu Außenausläufen und bekommen Bio-Futter. Gehalten werden Tiere der Deutschen Landrasse und des Deutschen Sattelschweins“, erläuterte die Leiterin der Experimentalanlage Schwein, Marianne Zenk. „Unsere Tiere sind Herdbuchtiere, sie werden nur mit Ebern in ihrer eigenen Rasse in Reinzucht angepaart, um dann auch mit den Nachkommen weiter züchten zu können. Damit leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser beiden seltenen Schweinerassen“, so die Agraringenieurin.
„In den vergangenen Wochen sind nun die ersten Ferkel im neuen Stall geboren. 60 Ferkel von vier Sauen bei der Deutschen Landrasse und 27 Ferkel von zwei Sauen bei den Sattelschweinen. Diese bleiben sechs Wochen bei ihrer Mutter, anschließend werden die Sauen wieder neu besamt und warten im großen Bereich für tragende Sauen auf die nächste Geburt. Die Ferkel kommen im Familienverbund in den Aufzuchtbereich. Ab diesem Zeitpunkt können wir von jedem Tier bis zum Ende der Mast am 160. Lebenstag Futterdaten wie beispielsweise die Futtermenge, Fresszeit und Futterzeit erfassen und auswerten.“

Zahlreiche Gewebeproben sollen mit Beginn des Projektes in einer eigenen Biobank konserviert und für andere Forschungsansätze aufbewahrt werden. Dadurch leistet das FBN einen Beitrag zur Reduzierung von Tierversuchen. In den kommenden Jahren werden die Ergebnisse der bislang umfassendsten Studie dieser Art am FBN bei Schweinen öffentlich vorgestellt.

Unterricht im Stall?
Das FBN ist außerschulischer Lernort
Träger von Kindertagesstätten und -gruppen oder Schulen können sich auf der Homepage der Forschungseinrichtung über den Unterricht im Schweine- oder Rinderstall informieren und bei Interesse anmelden. Weitere Informationen und Anmeldungen unter www.fbn-dummerstorf.de/stadt-land-stall/

Projekt „Stadt-Land-Stall“
Ansprechpartnerin Dipl.-Ing. agr. Marianne Zenk
T +49 38208-68 950
E zenk@fbn-dummerstorf.de

Quelle: Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)

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