Start Blog Seite 156

Grundfutterversorgung auch bei Trockenheit sichern

0

Die Trockenheit in weiten Teilen West-, Mittel-, Nord- und Ostdeutschlands macht in diesem Jahr vielen Tierhaltern zu schaffen: Kaum noch Aufwuchs auf den Weiden, ausgefallene Grasschnitte und vorgezogene Ernte von Silomaisflächen, die zum Teil an einen Totalausfall heranreichen: In dieser Situation bietet ForFarmers mit FaserPlus und FaserPlus Non-GMO ein faserreiches Ausgleichsfutter zum Grundfutterpreis, das die Grundfutterbilanz entlastet. Je nach Rationstyp können bis zu vier Kilogramm TS des Grundfutters durch FaserPlus oder FaserPlus Non-GMO ersetzt werden. FaserPlus und FaserPlus Non-GMO sind als Mehl erhältlich und können ab einer Menge von vier Tonnen lose angeliefert werden.

Große Bedeutung der Rationsgestaltung
Die aktuelle Situation erfordert einen sorgfältigen Abgleich von Futterbestand und Futterbedarf für die kommenden Monate. „Wir empfehlen den Landwirten sehr dringend, mit ihrem Futterberater zu besprechen, welche Rationen in den kommenden Wochen und Monaten realisierbar sind. Dazu gehört auch, den Tierbestand kritisch zu überprüfen. Auf jeden Fall raten wir den Tierhaltern, keine großen Fütterungskompromisse zugunsten der Tierzahl einzugehen, da sich das mit Stoffwechselproblemen und Zwangsabgängen rächt“, betont Anna-Carina Tschöke, Produktmanagerin Rind Deutschland bei ForFarmers.

Die Futtereffizienz gilt als eine der wichtigsten Kennzahlen für die nächsten Monate. Wenn die Kühe dank guter Vorbereiterfütterung fit in die Laktation starten, steigt auch die produzierte Menge Milch je Kilogramm Futteraufnahme. Hochwertige Grundfutter sollten vorrangig die hochleistenden Tiere zu Beginn der Laktation sowie die Trockensteher in der Vorbereitungsphase erhalten.

Grundfutterergänzung zum Grundfutterpreis mit FaserPlus und FaserPlus Non-GMO
Die Ration von Tieren mit geringem Nährstoffbedarf wie Jungvieh im zweiten Lebensjahr und altmelkenden Kühen kann angesichts der knappen Grundfutterversorgung auch mit Stroh in Kombination mit einer Eiweißergänzung und natürlich Mineralfutter gestaltet werden. „Allerdings ist bei strohreichen Rationen darauf zu achten, dass Melassen, Vinasse oder Wasser zuzusetzen sind, um eine selektive Aufnahme zu vermeiden. Unser FaserPlus und das gentechnikfreie FaserPlus Non-GMO bieten darüber hinaus eine sehr gute Möglichkeit zur Grundfutterergänzung. Je nach Rationstyp können bis zu vier Kilogramm TS des Grundfutters mit dieser hochwertigen Mischung zum Grundfutterpreis ersetzt werden“, berichtet Anna-Carina Tschöke.

Und noch zwei Tipps hält die Fütterungsspezialistin für die Milchviehbetriebe bereit: „Landwirte sollten ihre Ration zum einen von ihrem ForFarmers Fütterungsberater in Bezug auf unser Feed2Milk Konzept bewerten lassen. Insbesondere der Übersäuerungs- und der Wiederkauindex geben wertvolle Hinweise zu der Wiederkaugerechtigkeit der Ration. Zum anderen ist zu bedenken, dass die frühtrockenstehenden Kühe oft besonders unter der Hitze leiden und häufig bis zu einer Woche vor dem errechneten Termin kalben. Trockensteher sollten deshalb mindestens vier Wochen lang die Vorbereiterration erhalten. Dabei sollte insbesondere auch auf die gute Proteinversorgung geachtet werden“, so Tschöke.

Quelle: ForFarmers Langförden GmbH

Neue orale Halofuginon-Lösung für Kälber

0

Neugeborenendurchfall ist nach wie vor Hauptursache für Verluste in der Kälberaufzucht1, die am weitesten verbreiteten Erreger sind Kryptosporidien (Cryptosporidium parvum). In einer aktuellen Untersuchung wurden sie in 49 von 50 Milchrindbetrieben in Nordostdeutschland nachgewiesen, in 26 % der Betriebe waren sogar alle getesteten Kälber betroffen.2 Auch aus anderen Regionen Deutschlands wird Ähnliches berichtet.3

Um den Infektionsdruck zu senken, ist es notwendig, den Entwicklungszyklus des widerstandsfähigen Einzellers im Tier zu unterbrechen. So lässt sich die Ausscheidung der infektiösen Stadien, der sogenannten Oozysten, minimieren. Hier kommt das neue Halofuginon-Präparat zum Zug. Sein Wirkstoff ist aktuell der einzige, der zur Behandlung von Kryptosporidien-Infektionen bei Kälbern zugelassen ist. Er reduziert nachweislich die Oozysten-Ausscheidung, das Arzneimittel kann daher bei neugeborenen Kälbern zur Vorbeugung und Behandlung von Kryptosporidien-bedingtem Durchfall eingesetzt werden. Zusätzlich gilt es natürlich, die Hygienemaßnahmen im Bestand zu optimieren.

Das Halofuginon-Präparat der WDT ist in den Handelsformen 290 ml, 490 ml und 980 ml erhältlich (Einzelkartons inklusive je einer Dosierpumpe). Die ergonomisch geformten Flaschen liegen gut in der Hand und erleichtern das Arbeiten. Mit der 290 ml-Flasche steht eine bedarfsgerechte Größe für kleine Bestände zur Verfügung. Die Wartezeit auf essbare Gewebe beträgt 13 Tage.

Fragen Sie Ihre Tierärztin/Ihren Tierarzt!

P.S.: Für den Therapieerfolg eines jeden Arzneimittels ist entscheidend, dass es richtig dosiert sowie regelmäßig und ausreichend lange verabreicht wird. Das gilt natürlich auch für das neue Halofuginon-Präparat. Um im Alltag die Anwendung zu erleichtern, gibt es zum Präparat einen praktischen Aufkleber mit Dosierungsangaben und Behandlungsplan: Einfach ins Stallbuch einkleben oder am Kälber-Iglo anbringen und schon hat jeder im Betrieb die genaue Dosierung und den Stand der Behandlung immer im Blick. Unser Tipp für noch mehr Sicherheit: Augenmaß ist gut, Kontrolle ist besser! Das Körpergewicht von Holstein-Kälbern lässt sich beispielsweise mit dem Coburn®-Kälbermaßband aus strapazierfähigem Tyvek® schnell und zuverlässig bestimmen. Die kostenlosen Aufkleber sind beim Tierarzt erhältlich, das Maßband gibt es beim Tierarzt, bei Tierarzt24.de oder im Fachhandel.

Quelle: WDT

Lösung für Problemkeim der Schweizer Milchwirtschaft gefunden

0

Der Erreger Staphylococcus aureus ist in der Milchviehhaltung und bei der Käseherstellung gefürchtet, denn er führt zu hohen finanziellen Verlusten beim Milchvieh. Verarbeitet im Rohmilchkäse kann er zu Verdauungsproblemen führen. Ein neu von Agroscope entwickelter Gentest kann den Erreger in Milchproben sehr zuverlässig nachweisen. Der Gentest liefert damit die Basis für die Sanierung von Herden, in denen der Problemkeim auftritt, und wird dazu beitragen, den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren.

Der in der Schweiz und umliegenden Ländern vorkommende Subtyp Staphylococcus aureus Genotyp B (Staph. aureus GTB) ist hoch ansteckend und war bisher nur sehr unbefriedigend bekämpfbar. Die beste Methode zu seiner Ausrottung ist die Sanierung ganzer Herden. Als Schlüssel zum Erfolg dient dazu ein hoch spezifischer und finanziell tragbarer Test. Dieser kann zudem prophylaktisch zur Herdenüberwachung eingesetzt werden und verhindert so, dass sich die Krankheit ausbreiten kann. Damit lassen sich Medikamentenverbrauch und die Kosten für die Betriebe senken. Gleichzeitig wird die Qualität der tierischen Produkte erhöht. Dieser Test hat bis vor kurzem gefehlt. Darum suchten Forschende von Agroscope einen Gen-Abschnitt, der spezifisch für den Erreger ist, um damit eine schnelle Analysemethode zu schaffen. Mit Genomvergleichen von verschiedenen Stämmen, die aus Euterentzündungen und andern Infektionen bei Mensch und Tier isoliert worden waren, konnten sie diesen spezifischen Genabschnitt erfolgreich bestimmen. Basierend darauf entwickelten sie einen neuen qPCR Test *.

Staphylococcus aureus: Ein Problemkeim
Der Erreger Staphylococcus aureus GTB ist in der ganzen Schweiz – mit regionalen Unterschieden – verbreitet und erzeugt eine Entzündung im Kuheuter. Am häufigsten davon betroffen sind Alpbetriebe, da hier oft Herden von verschiedenen Betrieben zusammenkommen und die Kühe in zufälliger Reihenfolge gemolken werden. Entsprechend einfach kommt es so zu einer raschen Verbreitung. Das Bakterium hat zudem die Fähigkeit, über das Euter in die Milch zu gelangen und so im Käse unter bestimmten Bedingungen die hitzeresistenten Enterotoxine zu bilden. Diese können beim Menschen zu Bauchschmerzen, Schwindel, Durchfall und Erbrechen führen. Eine qualitativ hochstehende Milch ist daher besonders für die in der Schweiz traditionell übliche Verkäsung von Rohmilch zentral.

Routinetest auch für große Herden
Die Forscherinnen und Forscher testeten ein Sanierungsprogramm in einer Feldstudie auf neunzehn Betrieben in der Schweiz und verglichen dabei zwei Testmethoden. Ihren neuen Gentest verglichen sie mit dem klassischen Verfahren, bei dem Milchproben mittels Bakterienkultur untersucht wurden. «Beide Verfahren waren erfolgreich, aber der qPCR-Gentest ist wesentlich schneller, einfacher und kosteneffizienter» meint der Agroscope Forscher Hans Graber. «Denn der Melker kann selber die Milchprobe sammeln. Es braucht dazu weder speziell ausgebildetes Personal noch aseptische Milchproben wie im bakteriologischen Verfahren. So können auch grosse Herden während des regulären Melkvorgangs beprobt werden und die Resultate liegen schon nach einem Tag vor. Zudem ist der Test sehr empfindlich und erlaubt es, Staph. aureus GTB in der Ablieferungsmilch nachzuweisen. Damit können Herden erstmals einfach überwacht werden».

Alle Herden saniert
Die Studie zeigte, dass alle Betriebe saniert werden können, unabhängig davon, ob sie grosse oder kleine Herden haben, unabhängig von der Rasse und vom Melksystem. Innerhalb von 9 Monaten waren sämtliche Betriebe erfolgreich saniert, auch solche, bei denen mehr als 40% der Kühe GTB-positiv waren.

Zentral war dafür die monatliche Milchuntersuchung jeder Kuh und deren Einteilung in «GTB-frei», «GTB-unklar» und «GTB-infiziert» mit entsprechender Melkreihenfolge. Zusätzlich wurde die Melkanlage zweimal täglich nach Herstellerangaben gereinigt. Die kranken Tiere wurden gezielt mit Antibiotika behandelt, wobei die Antibiotikawahl primär aufgrund von genomischen Untersuchungen der in den Keimen vorhandenen Antibiotikaresistenzgene vorgenommen wurde. So konnten 93% der GTB-infizierten Kühe erfolgreich behandelt werden, auch ältere, was ein wesentlicher Fortschritt darstellt.

Erste Etappe: Tessin
Basierend auf den positiven Zwischenresultaten und der Strategie AP22+ haben das Bundesamt für Landwirtschaft BLW und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV beschlossen, ein Sanierungsprojekt für das besonders betroffene Tessin zu unterstützen. Das Projekt von Tessiner Bauern und Behörden, der Nutztierklinik der Universität Bern und von Agroscope startete im Dezember 2017 und ist bereits sehr erfolgreich. Alle Beteiligte haben auch zugestimmt, ab diesem Jahr nur noch GTB-freie Kühe zu sömmern, um das Ausbreiten von Staphylococcus aureusGTB auf Alpen zu verhindern und der Infektion der Talherde nach der Alpung vorzubeugen.
qPCR für Staphylokokkus aureus Genotyp B oder GTB

* Die quantitative Echtzeit-PCR oder kurz qPCR ist eine Nachweismethode für Nukleinsäuren, die auf dem Prinzip der Polymerase-Kettenreaktion PCR beruht. Damit ist es möglich, ein Bakterium (z.B. Fall Staph. aureus GTB) zweifelsfrei auf der Basis eines spezifischen Gens zu bestimmen.

Quelle: Agroscope

Göttinger Agrarökologen erforschen Nahrungsnetze von Bestäubern und natürlichen Gegenspielern

0

Agrarökologen der Universität Göttingen haben in Zusammenarbeit mit Wissen-schaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Gießen und Würzburg nachgewiesen, dass sich Pflanzen- und Insektengemeinschaften durch die Verkleinerung von Kalk-magerrasen ändern und so auch die Struktur von Nahrungsnetzen zwischen diesen Arten beeinflussen. Mit diesen Ergebnissen kann vorhergesagt werden, wie stabil diese Netze sind, wenn der Lebensraum weiter eingeschränkt wird. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Nature Ecology & Evolution erschienen.

Die Wissenschaftler erforschten Nahrungsnetze, welche aus den vielfältigen Interaktionen zwischen Pflanzen und deren bestäubenden Insekten sowie zwischen Insekten und deren Gegenspielern bestehen. Solche natürlichen Gegenspieler sind beispielsweise parasitische Wespen, welche sich in Insektenlarven entwickeln und letztendlich den Wirt töten. Die Agrarökologen untersuchten diese Lebensgemeinschaften auf Kalkmagerrasen-Inseln in der Umgebung von Göttingen. Kalkmagerrasen sind arten- und blütenreiche Gras- und Grünlandbiotope. Sie stellen in strukturarmen Agrarlandschaften wichtige Lebensräume für gefährdete Pflanzen und Tiere dar. Allerdings ist auch ihr Erhalt zunehmend bedroht.

„Nahrungsnetze sind fundamentale Bestandteile von Ökosystemen. Sie waren auf kleinen Kalkmagerrasen weniger komplex als auf großen Flächen, was die Funktion der Ökosysteme beeinträchtigen kann“, erläutert Prof. Dr. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie. Die Wissenschaftler untersuchten zudem, wie sich eine fortschreitende Flächenabnahme der Kalkmagerrasen auswirken könnte. „Die Fläche der untersuchten Kalkmagerrasen ist seit den 1960er Jahren um 50 Prozent zurückgegangen“, ergänzt Dr. Ingo Grass, Erstautor der Studie. „Simulationen möglicher zukünftiger Artenverluste zeigen, dass insbesondere die hochspezialisierten Nahrungsnetze zwischen Insektenlarven und ihren parasitischen Wespen wenig anpassungsfähig und deshalb besonders gefährdet sind.“

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Neu: Variodose gegen PCV2 & M.hyo

0

MSD Tiergesundheit meldet aktuell, ihr gebrauchsfertiger Kombi-Impfstoff zum klinischen Schutz vor PCV2 und M.hyo (porcines Circovirus Typ2 und Mycoplasma hyopneumoniae) sei ab sofort als Variodose sowohl als Einmalimpfung oder als Zweimalimpfung einsetzbar. Diese Zulassungserweiterung ist bisher einmalig im Bereich der Kombinationsimpfstoffe.

Seit April 2015 wird der gebrauchsfertige Kombinationsimpfstoff von MSD europaweit als Einmalimpfung eingesetzt. Es kann jedoch Bedingungen geben, in denen eine Zweimal-impfung Vorteile bietet, z. B. bei der Gefahr einer frühen Infektion mit PCV2 oder M.hyopneumoniae. Die Variodose zur variablen Anwendung als Einmal- oder Zweimal-impfung, wurde auf Antrag des Herstellers jetzt durch die Europäische Kommission zugelassen.

Zusätzlich zu dem bisher bewährten und weiterhin gültigen Impfschema von einmalig 2 ml ab der dritten Lebenswoche, besteht nun auch die Möglichkeit der Zweimalanwendung mit dem gleichen Impfstoff. Die Ferkel können jetzt mit 2 Injektionen zu jeweils 1 ml schon ab einem Alter von drei Tagen mit einem Abstand von mindestens 18 Tagen geimpft werden.

Ausführliche Informationen gibt Ihnen Ihr Tierarzt.

Quelle: MSD Tiergesundheit

Offener Brief der TVT zum Thema Ferkelkastration

6

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz meldet sich in einem „Offenen Brief“ an die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner:

Sehr geehrte Frau Bundesministerin,

der Gesetzgeber hat ein Ende der betäubungslosen Ferkelkastration zum 01.01.2019 festgeschrieben und damit einen wichtigen Schritt zu mehr Tierschutz in der Schweine-haltung getan. Das war möglich, da es mit der Impfung gegen den Ebergeruch eine direkt einsetzbare, wirksame und tierschutzkonforme Alternative zur chirurgischen Kastration gibt.

Leider wird von Seiten der beteiligten Wirtschaftskreise, vom Handel und den Verarbeitern und dadurch beeinflusst auch von der Landwirtschaft, diese tierschonende, wirtschaftlich vertretbare und für die Verbraucherinnen und Verbraucher völlig ungefährliche Methode (1) abgelehnt. Stattdessen wird eine Fristverlängerung gewünscht. Das heißt, dass weiterhin Ferkel betäubungslos kastriert werden sollen, um die örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) als sogenannten 4. Weg zu ermöglichen, die aus tierschutzfachlichen Gründen abgelehnt werden muss. Aus der Sicht des Tierschutzes ist weder die Fristverlängerung noch der 4. Weg eine akzeptable Option.

Offensichtlich soll der 4. Weg politisch durchgedrückt werden. Dabei spricht Vieles dagegen: Es existiert kein dafür zugelassenes Medikament und es muss vermutlich sogar das Tierschutzgesetz geändert werden. Diskutiert wird hier, den Begriff der „Schmerz-ausschaltung“ gegen „wirksame Schmerzminderung“ zu ersetzen. Allein diese Diskussion zeigt, dass selbst Befürworter des 4. Weges wissen, dass eben keine ausreichende Schmerzausschaltung erfolgt. Viele wissenschaftliche Untersuchungen und praktische Erfahrungen belegen dies (2).

Es steht also zu erwarten, dass zukünftig eine große Anzahl unzureichend betäubter Ferkel kastriert wird, was einen schweren Verstoß nicht nur gegen das Tierschutzrecht, sondern auch gegen die ethische Verpflichtung darstellt, schonend mit unseren Mitgeschöpfen umzugehend. Videos davon werden von Tierschutzorganisationen sicherlich nach kurzer Zeit veröffentlicht. Das wird, neben den rechtlichen Konsequenzen, zu einem weiteren – und begründeten – Imageverlust des Schweinefleisches führen und damit nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Verarbeiter und den Einzelhandel hart treffen.

Dass die Akzeptanz der Impfung gegen den Ebergeruch in der Bevölkerung fehle, ist durch nichts belegbar, auch der Bundesregierung liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass eine breite Masse der Verbraucher Fleisch von Tieren, bei denen die Immunokastration angewandt wurde, ablehnt (3). Die Sorge, dann würden alle für Deutschland nötigen Ferkel aus dem Ausland importiert, entbehrt der Grundlage, wenn alle geimpften Tiere vom deutschen Einzelhandel abgenommen werden.

Sehr geehrte Frau Ministerin Klöckner, aus Sorge um das Wohlergehen der Tiere, aber auch um das Image der Landwirtschaft bitten Sie die unterzeichnenden Tierärztinnen und Tierärzte der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz dem Drängen nach einer Zulassung der Lokalanästhesie und einer Fristverlängerung zu widerstehen, sich für die Impfung auszusprechen und die politischen Rahmenbedingungen für die Marktakzeptanz der Impfung zu schaffen.

Mit freundlichen Grüßen
für die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT)

Prof. Dr. Thomas Blaha (Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V.)
apl. Prof. Dr. Elisabeth große Beilage
Dr. Sylvia Heesen
Dr. Agnes Richter
Prof. Dr. Thomas Richter

Fußnoten
(1) Auf der Grundlage einer großen Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen bescheinigt die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA dem Fleisch von geimpften Tieren eine völlige gesundheitliche Unbedenklichkeit und in mehreren Ländern (z.B. Australien und Belgien) wird die Impfung seit fast zehn Jahren durchgeführt. Für die Ferkel bedeutet dies nur zwei weitere Injektionen mehr, die im Lichte der ohnehin zahlreichen Impfungen, die den Tieren im Interesse der Gesunderhaltung zugemutet werden, eine geringe zusätzliche Belastung sind.

(2) Wirksam könnte die Schmerzausschaltung allenfalls sein, wenn das Mittel sehr präzise zunächst in den Hodensack und dann mit einer zweiten Injektion an die Austrittsstelle des Samenstranges aus der Bauchhöhle, den sogenannten Leistenkanal, gesetzt würde. Eine Injektion lediglich in den Hoden, wie sie im Ausland teilweise angewandt wird, verursacht nach Leidig et al. (2009) und Rittershaus (2009) erhebliche Schmerzen und kommt deshalb in Deutschland nicht in Frage. Außerdem gibt es derzeit kein in Deutschland für diese Indikation zugelassenes Arzneimittel. Zusätzlich wäre noch ein Schmerzmittel zu injizieren. Ein Tierhalter, der seine 300 Sauen (eine übliche Anzahl für einen Familienbetrieb) im 3-Wochen Rhythmus managt, muss alle 3 Wochen ca. 300 männliche Ferkel kastrieren, wozu er in der Realität bisher weniger als 5 Stunden Zeit benötigt. Zur örtlichen Betäubung und zur Reduzierung des Schmerzes nach der Operation, müsste der Tierhalter zusätzlich insgesamt 1500 Injektionen äußerst präzise verabreichen. Eine so große Anzahl von Injektionen mit der nötigen Genauigkeit tierschonend und wirksam in praxisrelevanter Zeit durchzuführen ist unmöglich.

(3) Drucksache 19/2202 des Deutschen Bundestages vom 14.05.2018, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Carina Konrad, Grigorios Aggelidis, Christine Aschenberg-Dugnus, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP, S. 7

Die Milch macht’s: Kompetenznetzwerk FoCus stellt Abschlussbericht vor

0

Die Ergebnisse von acht Jahren Forschung entlang der Wertschöpfungskette von Milch legt FoCus nun in einem umfassenden Abschlussbericht dar.

Von der Pflanze über die Fütterung und Tiergesundheit, von Milchkühen bis hin zur Wirkung verarbeiteter Milchprodukte auf den Menschen sowie deren Kaufverhalten: An dem fach-übergreifenden Kompetenznetzwerk „Food Chain Plus“ (FoCus), das im März 2010 von der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät (AEF) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ins Leben gerufen wurde, waren fast 30 nationale und internationale Institutionen sowie Wirtschaftspartner beteiligt. Die Ergebnisse von acht Jahren Forschung entlang der Wertschöpfungskette von Milch legt FoCus nun in einem umfassenden Abschlussbericht dar.

Ziel von FoCus war es, gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe in der Milch zu identifizieren und in Milchprodukten zu nutzen. Dazu erarbeitete das Kompetenznetzwerk neue Ansätze zur Verbesserung der Tiergesundheit und der Stoffwechselleistung, entdeckte bislang unbe-kannte Funktionalitäten von Milchinhaltsstoffen und etablierte innovative Untersuchungen zur Gesundheit und zum Verhalten von 1.800 Konsumentinnen und Konsumenten. Im Zuge des Projekts erschienen zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und Abschlussarbeiten.

Kieler-Interventions-Kohorte

Viele ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten wie beispielsweise Adipositas und Typ 2 Diabetes werden mit entzündlichen Veränderungen im Körper in Verbindung gebracht. Inwieweit dabei eine entzündungshemmende Ernährungsweise und funktionalisierte Milchprodukte helfen können, zeigten Untersuchungen innerhalb der Kieler-Interventions-Kohorte (KIK), an der 1.800 Probandinnen und Probanden beteiligt waren. Für Unter-suchungen des menschlichen Stoffwechsels wurden Daten wie Größe, Gewicht, aber auch Blut- und Urinproben erfasst. So zeigte sich zum Beispiel, dass bestimmte Fettstoff-wechselstörungen besser durch eine entzündungshemmende als durch eine fettarme Diät behandelt werden können. Die Probandinnen und Probanden der KIK beantworteten auch Fragen zu ihrem Kaufverhalten von funktionalisierten Milchprodukten und Lebensmitteln wie etwa Joghurtprodukte. Die Analyse ergab, dass sich die Kaufwahrscheinlichkeit für funktionelle Joghurtprodukte mit steigendem Einkommen und steigendem Alter erhöht. Außerdem kauften tendenziell eher Frauen als Männer und in Großstädten lebende Menschen funktionelle Joghurtprodukte. Die Leitung der KIK lag bei Dr. Matthias Laudes, der seit 2011 die im Rahmen von FoCus dauerhaft implementierte Professor für klinische Ernährungsmedizin innehat. Laudes fungiert damit als Bindeglied zwischen Medizinischer Fakultät und AEF.

„Die aufgebaute Kieler-Interventions-Kohorte und die daraus gewonnenen Ergebnisse waren nicht nur für die FoCus-Forschung nützlich. Sie stehen darüber hinaus dauerhaft für andere Forschungsprojekte zu Verfügung. Außerdem dienen sie zur Qualifizierung von Studierenden und des wissenschaftlichen Nachwuchses“, sagt Dr. Karin Schwarz, Leiterin der Abteilung für Lebensmitteltechnologie am Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde der CAU sowie Netzwerksprecherin von FoCus.

Teilprojekt „LactoTrans“

Das von Schwarz geleitete Teilprojekt „LactoTrans“ befasste sich mit Proteinen als mikro- und nanostrukturierte Transporter für funktionelle hydrophobe, also nicht in Wasser lösliche, Inhaltsstoffe, die der menschliche Organismus nur schwer aufnehmen kann. Um sie besser für den menschlichen Organismus nutzbar zu machen, entwickelten Expertinnen und Experten für Tierernährung, Tierzucht, Ernährungsmedizin und Agrarökonomie ein verzehrfähiges Kaffee-Milchgetränk mit gesundheitsfördernder Wirkung. Das Besondere an dem Getränk ist der darin enthaltene Knoblauch, den man weder riechen noch schmecken kann. Möglich macht das das Molkenprotein β-Lactoglobulin (BLG). Das BLG bindet den bioaktiven Wirkstoff Allicin, der für Knoblauch und andere Laucharten typische Aromastoff, den der menschliche Körper nur schwer aufnehmen kann, und maskiert damit den Knoblauch. Getestet wurde das Getränk an neun Probandinnen und Probanden der KIK: „Erste Analysen von Atemgas und Urin deuten darauf hin, dass das mit dem funktionellen Inhaltsstoff angereicherte Getränk ein verzehrfähiges Lebensmittel ergibt, das physiologisch relevante Mengen Allicin mit hoher Bioverfügbarkeit liefert,“ sagt Dr. Julia K. Keppler, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Lebensmitteltechnologie. Die Arbeitsgruppe meldete ein entsprechendes Patent an.

Über FoCus

Food Chain Plus (FoCus) ist eins von bundesweit fünf durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetzen der Agrarforschung. Die Forschungs¬aktivitäten gliedern sich in die vier Verbundprojekte „Fütterung und Tiergesundheit“, „Genetische Variabilität und funktionelle Milchinhaltsstoffe“, „Gesundheitliche Bewertung und Konsumentenverhalten“ und „Inflammation in neuronalen Geweben – Integrierte Bewertung von Interventionen“. Die AEF koordinierte das weitreichende Netzwerk, in dem zahlreiche Arbeitsgruppen der Fakultät sowie Partner aus Industrie und anderen Forschungseinrichtungen ihre Expertise einbrachten. Mehr über FoCus und alle Projektpartner unter www.focus.uni-kiel.de.

Der gesamte Abschlussbericht kann hier eingesehen werden:

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Nachhaltige Fischzucht durch Mikroalgen

Die Bioökonomie, eine biobasierte und nachhaltige Industrie, nutzt biologische Ressourcen für die Produktion von Chemikalien, Wertstoffen, Energie, Nahrungs- und Futtermitteln. Prof. Dr. Irmtraud Horst von der Fakultät Angewandte Chemie der TH Nürnberg forscht an Mikroalgen mit dem Ziel eines progressiven Beitrags zur Bioökonomie. Im Forschungs-projekt „Mikroalgen für die nachhaltige Aquakultur“ analysieren die Wissenschaftlerin und ihr Team den Einsatz der Mikroalgen in der Fischzucht.

Mikroalgen sind mikroskopisch kleine Organismen und überall verbreitet. Es existieren mehr als 100.000 Arten, die an die unterschiedlichsten Lebensräume angepasst sind. Sie können in Gegenden kultiviert werden, die für Landpflanzen ungeeignet sind, wie beispielsweise auf offenen Meeresflächen, in Brackwasser- und Trockengebieten. „Durch die Mikroalgen sind wir in der Lage, vielfältige Produkte herzustellen, darunter pharma-zeutische Wirkstoffe, Kosmetikprodukte, Feinchemikalien, Farbstoffe, Nahrungsergänzungs-mittel, Massenchemikalien und Bioenergie. Trotzdem nutzt die Industrie momentan nur etwa zwanzig verschiedene Mikroalgenarten wirtschaftlich,“ so Prof. Dr. Irmtraud Horst. Ihr Ziel ist es, den Einsatz von Mikroalgen auszubauen.

Algen stellen mehrfach ungesättigte Fettsäuren her. Diese sind für den Menschen essentiell, der menschliche Organismus kann sie allerdings nicht selbst produzieren. Der Körper muss sie über die Nahrung aufnehmen, beispielsweise die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren durch den Verzehr von Fisch. Um eine nachhaltige Aquakultur zu ermöglichen und die mehrfach ungesättigten Fettsäuren im Fisch zu erhöhen, bieten sich die Mikroalgen als Futtermittel an.

Prof. Dr. Irmtraud Horst: „In unserem Projekt testen wir verschiedene Mikroalgen zur Produktion von mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Dafür führen wir im Labor für Biotechnologie der TH Nürnberg kontinuierlich (bio-)chemische Analysen durch.“ Das Forschungsteam züchtet die Mikroalgen in unterschiedlichen Bioreaktoren und vergleicht ihr Wachstum. Durch die Änderungen physikalischer und chemischer Parameter, wie beispielsweise der Lichtintensität, der pH-Werte oder der Zuckerzugabe, optimieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Entwicklung der Algen und ihren Lipidgehalt.

Da die Betreiberinnen und Betreiber von Aquakulturen die Mikroalgen direkt an die Fische verfüttern, müssen die Algen einige Voraussetzungen erfüllen: Die Algen dürfen eine bestimmte Größe nicht überschreiten, müssen leicht verdaulich sein, ausreichend schnell und dicht wachsen, frei von Toxinen sein und über die richtige Zusammensetzung an Nährstoffen verfügen. Das Forschungsteam der TH Nürnberg identifiziert in ihrem Projekt die Mikroalgen, die sich als Fischfutter für die Aquakulturen eignen.

Durch diese innovative Forschung gelingt es den Wissenschaftlerinnen und Wissen-schaftlern nicht nur, wertvolle Produkte zu synthetisieren, sondern gleichzeitig auch Abwässer zu reinigen. Derzeit kultiviert die Industrie die Mikroalgen in beleuchteten Bioreaktoren. Diese Methode ist allerdings für die Herstellung von Futtermitteln für die Aquakultur zu kostenintensiv. Das Forschungsteam untersucht die Bildung der Mikroalgen auf Abwässern, um so die Kultivierungskosten zu senken. Die Mikroalgen benötigen für ihr Wachstum unter anderem CO2, Stickstoff- und Phosphorverbindungen, die sie aus Industrieabwässern beziehen können. Das ermöglicht nicht nur die Kostensenkung, sondern gleichzeitig die Reinigung von Abwässern. Im Fokus stehen dabei Abwässer aus der Lebensmittelindustrie und salzreiche nitrathaltige Abwässer aus der Wasser-aufbereitung. „Damit bringt das Projekt auch viele Vorteile für Kläranlagen, für die Trinkwasseraufbereitung oder die Lebensmittelindustrie. Durch unsere systematische Arbeit mit mehreren Mikroalgen können wir zudem weiteren Industrien maßgeschneiderte Lösungen für ihr klärendes Abwasser und für die Produktion von Lipiden anbieten – mit Hilfe von Mikroalgen,“ erklärt Prof. Dr. Irmtraud Horst. Durch das Forschungsprojekt, das die Staedtler-Stiftung mit 40.000 Euro fördert, werden die Kosten für die Mikroalgen-kultivierung gesenkt, Abwasser von Stickstoff und Phosphat gereinigt und eine nachhaltige Aquakultur erreicht.

Quelle: Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Kaltes Plasma für sichere Lebensmittel

Bakterien wie Salmonellen und Listerien können verzehrfertige Lebensmittel, beispielsweise abgepackten Salat, Milchprodukte oder Aufschnitt, kontaminieren und schwere Krankheitssymptome beim Menschen auslösen. Forscherinnen und Forscher des Instituts für Lebensmittelqualität und -sicherheit der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) und der terraplasma GmbH konnten zeigen, dass eine neue Methode Bakterien auf Wurstprodukten abtöten kann. Für Ihre Untersuchungen behandelten sie kontaminierten Lachsschinken mit kaltem atmosphärischem Plasma – einem Gas mit antimikrobieller Wirkung, das geladene Teilchen enthält. Anschließend kühlten sie den Schinken bis zu 14 Tage bei acht Grad Celsius. Mit Erfolg: Im Vergleich mit unbehandeltem Lachsschinken konnten sie deutlich weniger Mikroorganismen auf dem behandelten Produkt nachweisen.

Wie wird kaltes atmosphärisches Plasma erzeugt?
Plasma entsteht, wenn einem Gas ausreichend Energie zugeführt wird – beispielsweise über ein elektrisches Feld. Dabei entstehen geladene Teilchen. „Diese Teilchen reagieren mit den Zellmembranen und dem Erbgut von Bakterien und zerstören sie. Menschliche und tierische Zellen bleiben dabei intakt“, erklärt Dr. Birte Ahlfeld aus dem Institut für Lebensmittelqualität und -sicherheit der TiHo. Die terraplasma GmbH, eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching, ist auf kaltes Plasma spezialisiert, das sich bereits unter Atmosphärendruck bildet und Zimmertemperatur hat. Für die aktuelle Studie entwickelte das Unternehmen ein Gerät, das kaltes Plasma aus Raumluft erzeugt: das Plasmatube-System. Die wesentlichen Bestandteile des Systems sind seine zwei zylindrischen Plasmaquellen, bestehend aus jeweils zwei elektrisch voneinander isolierten Elektroden. Wird eine Spannung an die Elektroden angelegt, lösen sich Elektronen aus ihrem Gitternetz und bewegen sich vom negativen zum positiven Pol. Auf ihrem Weg erzeugen sie aus einem Teil der umgebenden Gasmoleküle der Luft reaktive Teilchen, sodass eine Plasmawolke entsteht. „Die Fläche der Elektroden ist erweiterbar, so können wir vermutlich große Oberflächen mit kaltem Plasma behandeln. Das“, so Ahlfeld, „ist mit bisher untersuchten Verfahren noch nicht möglich gewesen.“

Im Einsatz gegen Mikroorganismen
Mit dem kalten Plasma behandelten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Lachsschinken, den sie zuvor mit Listerien und Salmonellen kontaminiert hatten. Dabei wendeten sie verschiedene Protokolle an: Sie variierten die Spannung des elektrischen Feldes, die Luftfeuchtigkeit des Gases sowie die Behandlungsdauer. Anschließend verglichen sie die Proben von behandeltem und unbehandeltem Lachsschinken hinsichtlich der Anzahl und der Art der noch lebenden Mikroorganismen. Ihr Ergebnis: Mit verschiedenen Ansätzen ließ sich die Bakterienzahl auf dem behandelten Schinken signifikant reduzieren – dennoch konnten sie in den Proben weiterhin Bakterien nachweisen. „Wir vermuteten allerdings, dass überlebende Mikroorganismen nach der Plasmabehandlung irreversibel geschädigt waren und eine anschließende Kühlung des Produktes sie doch noch inaktivieren könnte“, erklärt TiHo-Wissenschaftlerin Karolina Lis. Weitergehende Untersuchungen bestätigten diese Vermutung: Nachdem der behandelte Lachsschinken unter handelsüblicher Schutzgasatmosphäre verpackt und bei acht Grad Celsius gekühlt wurde, sank die Bakterienmenge im Gegensatz zu den Kontrollprodukten deutlich – zum Teil sogar unter die Nachweisgrenze. Auch das Verpacken unter Schutzgasatmosphäre spielt dabei eine Rolle: „Das Schutzgas enthält keinen Sauerstoff, stattdessen hohe Konzentrationen an Stickstoff und Kohlenstoffdioxid“, sagt Lis. „Dadurch werden sauerstoffabhängige Mikroorganismen in ihrem Wachstum gehemmt und im Schinken enthaltenes Fett wird nicht ranzig.“

Fazit
Das Forscher-Team konnte zeigen, dass kaltes atmosphärisches Plasma das gängige Konservierungsverfahren effektiv unterstützen kann. Lis betont weitere Vorteile: „Kaltes atmosphärisches Plasma zu erzeugen, ist relativ kostengünstig, da wir Raumluft als Arbeitsgas verwenden. Zudem ist es umweltfreundlich, da die Plasmaproduktion keinen Abfall erzeugt. Dass die Produkte nach der Behandlung gekühlt werden müssen, um gute Ergebnisse zu erzielen, ist kein großer Nachteil – Lachsschinken nach dem Verpacken zu kühlen, ist auch jetzt bereits vorgeschrieben.“ Weitere Untersuchungen sind jedoch nötig, bevor das Verfahren in einem größeren Maßstab eingesetzt werden könnte: „Wir möchten ein Behandlungsprotokoll entwickeln, das gegen alle relevanten Bakteriengattungen wirksam ist. Zudem müssen wir ausschließen, dass sich der Nährstoffgehalt, die Beschaffenheit und der Geschmack des Lebensmittels durch die Behandlung verändern. “

Die Ergebnisse ihrer Studie erschienen im Fachmagazin PLOS ONE

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Viel zu selten oder jede Woche eine Kontrolle im Stall?

Nutztierbestände werden in Deutschland nur alle Jubeljahre kontrolliert. Diesen Eindruck musste gewinnen, wer in den vergangenen Tagen die Zeitung aufschlug.

Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. tritt diesem Eindruk in seiner neuesten Presse-Mitteilung mit Entschiedenheit entgegen. „Behördliche Kontrollen gehören für jeden Geflügelhalter zum völlig normalen Arbeitsalltag. Ausnahmslos jeder Durchgang wird im Stall von einem Amtsveterinär überprüft – das ist in der Nutztierhaltung in Deutschland einmalig“, so ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke. In der Putenhaltung gäbe es im Rahmen dieser „Lebendtierbeschau“ entsprechend ca. drei bis vier amtliche Kontrollen pro Jahr, in der Hähnchenhaltung seien es sieben bis acht.

Wie hoch die Kontrolldichte in der deutschen Geflügelhaltung tatsächlich sei, will Rainer Wendt, ZDG-Vizepräsident und Vorsitzender des Bundesverbandes bäuerlicher Hähnchenerzeuger e. V. (BVH), exemplarisch für die Hähnchenhaltung aufzeigen. „Ich habe jede Woche mindestens einen Kontrollbesuch im Stall“, sagt Wendt, der in Niedersachsen rund 125.000 Hähnchen in drei Ställen hält. Konkret sähe das für seinen Betrieb so aus:

Amtsveterinär – mindestens zwei Kontrollen pro Durchgang
Zweimal während eines jeden Durchgangs kommt der Kreisveterinär zur obligatorischen Lebendtierbeschau vor dem Ausstallen in den Stall – einmal am ca. 25. Tag eines jeden Durchgangs vor dem Vorfangen, einmal vor dem endgültigen Ausstallen der Tiere am ca. 35. Tag. Darüber hinaus kann der Amtsveterinär auch jederzeit unangekündigt den Stall besuchen.

Bestandsbetreuender Tierarzt – mindestens zwei Kontrollen pro Durchgang
Ebenfalls mindestens zweimal während eines jeden Durchgangs überprüft der bestandsbetreuende Tierarzt die Gesundheit der Tiere im Stall – am 10. Tag vor der Impfung der Tiere, dann noch einmal um den 25. Tag herum vor dem Vorfangen. Zudem kommt der Tierarzt jederzeit auf Wunsch des Geflügelhalters bei Auffälligkeiten im Bestand in den Stall.

Berater des Vermarkters – mindestens zwei Kontrollen pro Durchgang
Gleichfalls mindestens zweimal während eines jeden Durchgangs sind die geschulten Berater des Geflügelfleischvermarkters im Bestand und kontrollieren Zustand und Wohlbefinden der Herde.

QS-System – mindestens eine Kontrolle alle zwei Jahre
Alle zwei Jahre findet das QS-Systemaudit statt, darüber hinaus ggf. zwischendurch unangekündigte Spotaudits (pro Jahr 50 Prozent der Betriebe). Die QS-Kontrollen sind grundsätzlich risikoorientiert, das heißt: Ist ein Betrieb auffällig geworden, hat er mit häufigeren Kontrollen zu rechnen, jährlich oder sogar alle sechs Monate.

Initiative Tierwohl – mindestens zwei Kontrollen pro Jahr
Nimmt ein Betrieb an der Initiative Tierwohl Geflügel (ITW) teil, kommen zudem mindestens zweimal jährlich unabhängige Kontrolleure im ITW-Auftrag in den Stall – zum großen ITW-Audit sowie zum unangekündigten „Bestandscheck“ mit Fokus auf tierwohlrelevante Kriterien.

Quelle: ZDG