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Aus Alt mach Neu: Nebenprodukte in der Rationsgestaltung der Schweinefütterung – Ein Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz

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Schweine stehen durch den hohen Einsatz von Getreide und Soja in starker Nahrungsmittelkonkurrenz zum Menschen. Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung besitzen hingegen sehr geringe human-verwertbare Anteile und können diese Konkurrenz deutlich reduzieren. In einem Mastversuch am Staatsgut Schwarzenau der Bayerischen Staatsgüter mit vier Futtergruppen wurde der Getreide- und Sojaanteil schrittweise reduziert und durch Nebenprodukte (u. a. Weizenkleie, Nachmehl, Trockenschnitzel) sowie Eiweißalternativen ersetzt. Dadurch sank der human-verwertbare Proteinanteil im Futter deutlich. Erhoben wurden neben den klassischen Mast- (tägliche Lebendmassezunahme, Futter- sowie Energieverbrauch- und -aufwand) auch Parameter zur Schlachtleistung und Fleischqualität. Die N- und P-Ausscheidung sowie der CO2-Fußabdruck der Futtermittel. Die Ergebnisse des Versuchs: • Tierische Leistung: Trotz steigender Nebenproduktanteile blieben Mast- und Schlachtleistungen auf hohem Niveau. Die täglichen Zunahmen lagen nur leicht unter der Kontrolle, der Futteraufwand blieb unverändert. • Schlachtkörper & Fleischqualität: Mit zunehmendem Nebenproduktanteil sanken Ausschlachtung und Schlachtgewicht leicht (bedingt durch den höheren Faseranteil), Muskelfleischanteil und Fleischqualität blieben unbeeinflusst. • Umweltwirkungen: o Der CO₂-Fußabdruck der Fütterung konnte durch den Einsatz von Nebenprodukten um bis zu 40 % je Mastschwein reduziert werden. o Die N-Ausscheidung entsprach trotz hoher Nebenproduktanteile den DLG-Empfehlungen bei moderatem Rohproteingehalt. o Die P-Ausscheidung stieg deutlich mit zunehmendem Einsatz an Nebenprodukten aufgrund deren hohen Phosphorgehalts. • Nahrungsmittelkonkurrenz & Proteinbewertung: o Der human-verwertbare Anteil im Futter (hef) sank stark. o Die Lebensmittel-Konversions-Effizienz (heFCE) stieg kontinuierlich. o Unter Berücksichtigung der Proteinqualität (DIAAS) wurde mit hohem Nebenprodukteinsatz mehr hochwertiges Protein im Schweinefleisch erzeugt, als zuvor human-verwertbares Protein im Futter eingesetzt wurde. • Ökonomie: Trotz geringfügig niedriger Schlachterlöse pro Tier blieben die Erlöse über Futterkosten vergleichbar zur Kontrollgruppe. Der Einsatz von Nebenprodukten zeigte keine ökonomischen Nachteile. Fazit Der gezielte Einsatz von Nebenprodukten in der Schweinemast ermöglicht hohe Leistungen, klare Klima- und Ressourcenvorteile, eine Reduktion der Nahrungsmittelkonkurrenz und stabile Wirtschaftlichkeit. Nebenprodukte leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer resilienten, kreislauforientierten Schweineproduktion. Voraussetzung ist eine präzise Futterbewertung und -steuerung, insbesondere im Hinblick auf die Phosphorbelastung. Dieser Versuch wurde im Rahmen des Projektes „Heimatversprechen“ angestoßen und mit Mitteln den Freistaates Bayern gefördert. Das Projektziel besteht im Aufbau eines Netzwerks in der bayerischen Schweinebranche für eine nachhaltige heimische Schweinefleischerzeugung zur Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln, auch in Krisenzeiten. Bei Fragen zum Projekt kontaktieren Sie gerne Martin Heudecker, martin.heudecker@heimatversprechen.bayern.de oder Prof. Reinhard Puntigam, puntigam.reinhard@fh-swf.de. Quelle: Reinhard Puntigam, FH Soest, FB Agrarwirtschaft

Mineral- und Vitaminkomplexe für trächtige Mutterschafe und Lämmer

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Das Futter für Schafe und Lämmer weist häufig einen unzureichenden Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen auf. Eine kasachische Studie analysiert Patententwicklungen von Mineral- und Vitaminkomplexen (MVCs) für trockenstehende Schafe und Lämmer und gibt einen Überblick über wissenschaftliche Daten, die den Einsatz ihrer Komponenten begründen. Basierend auf einer Datenbank-Suche mit den Stichworten „Vitamine für Schafe“ und „Mineralstoffe für Schafe“ wurden 23 Patente mit Fokus auf trockengestellte Schafe und Lämmer aus 120 Patenten zu Futtermittelzusatzstoffen für Schafe ausgewählt und kategorisiert. Mineralstoffe und Vitamine sollten als Bestandteile eines wissenschaftlich fundierten Vitamin- und Mineralstoffsystems betrachtet werden, dessen Wirksamkeit während der Trächtigkeit vom Ausgangsniveau der Versorgung, dem physiologischen Zustand der Tiere und den Eigenschaften des Mineralstoffwechsels abhängt. „23 patentierte Mineral- und Vitaminkomplexe (MVCs) zur Verwendung in der Fütterung von trockenstehenden Schafen und Lämmern wurden analysiert. Alle Komponenten werden üblicherweise in vier Kategorien eingeteilt: Mineralstoffe, Vitamine, funktionelle Stoffe und Futterzusatzstoffe. Der Mineralstoffanteil der MVCs umfasst sowohl Makro- als auch Mikroelemente und spiegelt einen Ansatz wider, bei dem solche Komplexe nicht nur als Futterzusatz, sondern auch als Instrument zur Steuerung von Produktivität, Reproduktion und Tierresistenz betrachtet werden.“ Calcium bildet die Grundlage des Mineralstoffwechsels und beeinflusst die Knochenhomöostase und die Darmflora, Immunreaktionen und die Entwicklung junger Tiere. Der optimale Calciumspiegel hängt vom physiologischen Zustand der Tiere und dem Verhältnis zu Phosphor und Magnesium ab. Zink wirkt als Regulator von Wachstum, antioxidativem Schutz, Epithelbarriere und Reproduktionsprozessen. Seine Wirksamkeit ist abhängig von der Darreichungsform und antagonistischen Wechselwirkungen, vor allem mit Kupfer und Phytaten. Eisen fördert die Blutbildung und die antioxidative Resistenz junger Tiere Kupfer ist an Enzymsystemen und der Immunabwehr beteiligt, erfordert jedoch eine strenge Dosierungskontrolle Mangan ist wichtig für die Reproduktion und Mineralisierung Kobalt unterstützt über Vitamin B₁₂ den Propionatstoffwechsel Jod reguliert die Schilddrüsenfunktion Selen reduziert in Kombination mit Vitamin E die Auswirkungen von oxidativem und thermischem Stress Die Vitaminkomponente umfasst ein breites Vitamin-Spektrum (A, D, E, B-Gruppe, K und C), das die Wirkung der Mineralstoffkomponenten verstärkt. Maximale Wirksamkeit wird erreicht, wenn die Vitamine unter Berücksichtigung der Herdenverfügbarkeit, der Jahreszeit und der Stressbelastung eingesetzt werden. „Die Analyse der Patentdokumentation zeigte einen Trend hin zu einer Abkehr von traditionellen Mineralsalzen (CaHPO₄, ZnSO₄ usw.) hin zu organischen Chelatformen (Methionaten) und nanostrukturierten Verbindungen (Nanomedium, Nanosilicium). Parallel dazu findet ein Wandel statt: Statt Antibiotika werden vermehrt funktionelle Futterzusätze wie Probiotika, Enzyme, Aminosäuren und Phytokomponenten eingesetzt. Ziel dieser Ansätze ist es, die Bioverfügbarkeit von Nährstoffen zu erhöhen, den Bedarf an hohen Dosen anorganischer Salze zu reduzieren und die Umweltbelastung zu verringern.“ Baibatyrova et al., 2025 Faculty of Natural Sciences and Geography, Abai Kazakh National Pedagogical University https://www.preprints.org/manuscript/202601.1167

Legehennen können ihren Kalziumbedarf mithilfe von Picksteinen selbst decken.

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Legehennen benötigen aufgrund des hohen Bedarfs für die Eiproduktion mehr Kalzium als andere Wirbeltiere und passen ihre Kalziumaufnahme ihrem Bedarf an, wenn ihnen eine zusätzliche Kalziumquelle wie ein Pickstein angeboten wird. Picksteine können auch für Hennen, die sich von Knochenbrüchen erholen, eine Kalziumquelle darstellen. Der Einfluss von Knochenbrüchen auf das Kalziumsuchverhalten mithilfe von Picksteinen wurde jedoch noch nicht untersucht. Diese Studie wurde an der Universität Guelph in Kanada mit 240 Legehennen durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen der Präferenz für Picksteine, dem Status von Brustbeinbrüchen und der Eischalenqualität zu untersuchen. Die Hennen wurden in Gruppen von 20 Tieren in ausgestatteten Käfigen gehalten. Aus jeder Gruppe wurde eine Untergruppe zufällig als Beobachtungstiere für Verhaltensbeobachtungen ausgewählt. Drei handelsübliche Picksteine mit unterschiedlichem Kalzium- und Getreidegehalt wurden den Hennen über mehrere Wochen für paarweise Präferenztests angeboten. Die Hennen wurden anhand der Gesamtzahl ihrer Pickvorgänge an den Blöcken während des Versuchs in „Nutzer“ und „Nicht-Nutzer“ eingeteilt. Gewicht, Schalendicke und Bruchkraft der Schale wurden analysiert. Die Hennen wurden geröntgt und der Schweregrad von Brustbeinfrakturen beurteilt. Die Hennen zeigten individuelle Präferenzen für verschiedene Arten von Pickblöcken. Diese Präferenzen blieben über die Zeit relativ konstant, korrelierten jedoch nicht mit der Schalenqualität oder dem Vorhandensein von Brustbeinfrakturen. Die Eierschalen der „Nutzer“ waren stabiler und die Schalendicke blieb über die Zeit erhalten, während sie bei den „Nicht-Nutzern“ abnahm. Hennen, die während des Versuchs neue Frakturen erlitten, pickten häufiger an den Blöcken als solche ohne neue Frakturen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Hennen die Pickblöcke nutzen, um ihren individuellen Kalziumbedarf für die Eierschalenbildung und möglicherweise auch für die Knochenreparatur zu decken. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, den Hennen Möglichkeiten zur Deckung ihres zusätzlichen Kalziumbedarfs zu bieten. Original-Studie Ehigbor TF, Edwards AM, Rentsch AK, Kiarie EG, Harlander A, Widowski TM (2025) Pecking block use at individual level is associated with improved eggshell quality and keel fractures in laying hens. Poultry Sci 104(11):105716 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0032579125009575

InnoRind – Konzepte zur Kälberhaltung in Deutschland

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Die Einzelhaltung von Kälbern beeinträchtigen Entwicklung und Wohlbefinden der Tiere. Sie behindert die Ausbildung sozialer und kognitiver Fähigkeiten, führt zu höherer Stressanfälligkeit sowie geringerer Futteraufnahme und allgemein Aktivität. Deshalb wurden im Rahmen des Projekts „InnoRind“ praxisnahe Alternativen untersucht, die Sozialkontakt und Managementeffizienz verbinden. Tierwohl, Tiergesundheit, Wachstum, Managementaufwand, Umweltwirkungen und ökonomische Kennzahlen sollten differenziert eingeordnet werden. 1) Paarhaltung von Kälbern in den ersten Lebenswochen Paarhaltung stellet einen niedrigschwelligen und praktikablen Kompromiss zwischen Einzel- und Gruppenhaltung dar. Die Paarhaltung erlaubt soziale Interaktion zwischen Kälbern, ohne allzu weit von der Einzelhaltung abzuweichen. Paarweise gehaltene Kälber zeigen im Vergleich zur Einzelhaltung Vorteile im Lern- und Anpassungsverhalten, können in der Abtränkphase eine höhere Futteraufnahme sowie bessere Wachstumsleistungen erzielen. „Diese Effekte sind insbesondere vor dem Hintergrund einer effizienten Aufzucht von Bedeutung, da eine verbesserte frühe Entwicklung mit einem früheren Erreichen der körperlichen Voraussetzungen für Erstbesamung bzw. Erstbelegung sowie einer insgesamt höheren Lebenseffizienz der Tiere in Verbindung stehen kann. Eine frühere Erstkalbung und eine längere produktive Nutzungsdauer tragen wiederum dazu bei, Umweltwirkungen je erzeugter Produkteinheit zu reduzieren“, schreiben die Studienautoren. Es kam in der Paarhaltung nicht vermehrt zu Durchfallerkrankungen (bei niedriger Erkrankungsrate insgesamt). Der Indikatorkeim (ESBL-E. coli) trat in Einzel- wie in Paarhaltung selten und ohne signifikante Unterschiede auf. „Bemerkenswert ist, dass die meisten Kälber bereits vor dem Zusammenführen in die soziale Aufzucht positiv für diese ESBL-tragenden Keime getestet wurden. Dies deutet darauf hin, dass die Übertragung möglicherweise bereits im Abkalbebereich oder über kontaminiertes Fütterungsequipment erfolgt sein könnte.“ Das Risiko von Atemwegserkrankungen für Kälber im selben Iglu ist nicht größer, als das für Kälber in benachbarten Einzel-Iglus (was bei Erreger-Übertragung durch die Luft logisch erscheint). Die Gesamtkosten steigen um 3 %. Hierfür sind die mit der Einstreu verbundenen Kosten für Einstreu und Entmistung verantwortlich „Für eine erfolgreiche Umsetzung ist insbesondere auf eine möglichst geringe Altersdifferenz der gemeinsam gehaltenen Kälber zu achten. Ein synchrones Ein- und Ausstallen kann dazu beitragen, Konkurrenzverhalten oder unerwünschte Verhaltensweisen wie Nabelsaugen zu reduzieren. Zudem sind Hygiene-Aspekte und das Management der größeren Buchtenfläche entsprechend zu berücksichtigen.“ 2) Frühe Kleingruppenhaltung von Kälbern in den ersten Lebenswochen Die zentrale Frage war hier, wie eine frühe Gruppenbildung möglich ist, ohne das Krankheits- und Stress-Risiko der Kälber zu erhöhen. Topcalf und MultiMax-Veranda Für die Tiergesundheit kam dem Management (Hygiene, Tierbeobachtung) eine weit größere Bedeutung zu, als das Haltungssystem. Tränkemenge und Geschlecht hatten den größten Einfluss auf die Gewichtsentwicklung der Kälber. Und der Umstallungszeitpunkt hatte einen größeren Einfluss auf die täglichen Zunahmen als das Haltungssystem. Die Gesamtkosten lagen – wegen steigender Gebäude- und Tierarztkosen – um 1 % über der Referenz. Optima Klimastall DairyTop In diesen Kleingruppen werden die Kälber vom 1./2. Lebenstag an bis zum Abtränken gehalten bzw. bis zum Umstallen in den Rinderstall. Der Altersunterschied sollte dabei höchstens 10 Tage betragen. Die Tiere werden in 4 Gruppenboxen der Firma DairyTop gehalten, die jeweils mit einem Tränkeautomaten der Firma Urban ausgestattet sind. Bis zum 70. Lebenstag gab es keinen Unterschied bei der Zahl an Erstdiagnosen zwischen Versuchs- und Kontroll-Gruppe. Die Kälber zeigten ein ausgeprägtes Sozial- und Spielverhalten. Bei veränderten Tierzahlen ließ sich das System flexibel erweitern und auch die Separierung kranker Kälber war problemlos möglich. Die Gesamtkosten steigen um 5 % (höhere Gebäude- und leicht steigende Futterkosten, dafür leicht sinkende Kosten für Tierarzt und Medikamente). Kombination von Einzeliglus Hier wurden acht baugleiche Einzeliglus an den Fronten der Iglu-Ausläufe verbunden und im Boden verankert. Die Kälber wurden vom 3. bis 14. Lebenstag mit maximal acht Tieren im Rein-Raus-Verfahren in Gruppen gehalten Zunächst wurden die Kälber einzeln gehalten (mit Eimertränke) und am dritten Tag in die Gruppe aufgenommen (Tränke Automat mit Milchaustauschertränke). Am 15. Lebenstag wurde dann individuell, nicht gruppenweise umgestallt Der Gesundheits-Status von Kälbern aus Gruppen- und Einzel-Iglus unterschied sich nicht signifikant. Die ersten 14 Lebenstage lag die tägliche Tränkeaufnahme im Einzel-Iglu höher als in der Gruppe, was sich von Tag 15 bis 77 umkehrte. Von der Geburt bis zum Abtränken zeigte sich bei der Tageszunahme kein nennenswerter Unterschied (1.113 g/Tag in der Gruppe, 1.115 g/Tag im Einzel-Iglu. „Die Gesamtkosten liegen 4 % unter der Referenz. Dies liegt vor allem an geringeren Futterkosten und Arbeitskosten, deren Rückgang den leichten Anstieg der Tierarzt- und Gebäudekosten kompensieren.“ Die Ergebnisse zum Versuch mit Kleingruppenhaltung in einem Außenklimastall dürften – nach Validierung – Ende 2026 vorliegen. 3) Muttergebundene Aufzucht Bei der muttergebundenen Kälberaufzucht verursachen das Absetzen von der Milch und ebenso die Separation von der Mutter dem Kalb Stress, weshalb es empfehlenswert ist beides voneinander zu trennen. Nachteil einer Saugbremse beim Absetzen ist dabei, dass die Milchversorgung des Kalbes abrupt beendet wird. Bei der Verringerung der Kontaktzeit bis zur Trennung kann das Kalb weiterhin Milchaufnehmen und der Umstieg auf Festfutter geschieht langsamer. Allerdings geht dieses Verfahren – wegen der häufigen Trennung – auch mit höherem Arbeitsaufwand einher. Deshalb wurde für das Projekt haben ein transpondergesteuertes Selektionstor entwickelt, zur individuellen Steuerung der Zugangszeiten. Eine Fragestellung dabei lautete, ob die Kontaktzeit einmal pro Woche oder besser in kleineren, täglichen Schritten erfolgen sollte. In der muttergebundenen Kälberaufzucht verbringen die Kälber bis zu fünf Tage mit ihrer Mutter in einer Einzelabkalbebox. Nach der Geburt erhalten die Kälber 4 L Kolostrum. Die Kuh wird nach der Kalbung zusammen mit der Milchviehherde 2x täglich gemolken und kehrt danach in die Abkalbebox zurück. Nach fünf Tagen kommt die Kuh wieder in die Herde und das Kalb wird an dem Selektionstor angelernt. Die Kälber haben danach – außer während der Melkzeiten oder wenn die Tiefliegeboxen der Kühe nachgestreut werden – jederzeit Zugang zur Kuh. Aufgrund geringerer Arbeitskosten (v.a. weniger Zeitaufwand für Tränken, Reinigungsarbeiten, Entmistung) und geringere Tierarztkosten sinken die Gesamtkosten um ca. 7 %. Dieses Verfahren ermöglicht ein tierindividuelles Absetzen ohne abrupten Milchentzug bei zeitlicher Einschränkung des Zugangs zur Mutter und führt zu einem geringeren Absetzknick. Allerdings ist das System noch nicht kommerziell verfügbar und erfordert die direkte Anbindung des Kälber- und Kuhbereichs. Auch sei mit erhöhtem Technikaufwand auch höhere Störanfälligkeit verbunden, geben die Forscher zu bedenken. Die Studien-Ergebnisse stehen hier als PDF zum Download zur Verfügung. https://www.uni-kiel.de/fileadmin/user_upload/mandanten/agrar-und-ernaehrungswissenschaftliche-fakultaet/forschen/innorind-ag-kalb-final-260116.pdf

EFSA: Tierschutzbewertung von Puten auf dem Bauernhof

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Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine wissenschaftliche Stellungnahme zum Wohlbefinden von von Puten in europäischen Betrieben veröffentlicht und zahlreiche Kritikpunkte vorgebracht. Im Einzelnen untersucht wurden:
  • Art und Zustand der Einstreu
  • Art und Verfügbarkeit von Beschäftigungsmöglichkeiten (einschließlich überdachter Veranda und Auslauf)
  • Platzangebot
  • Ammoniak- und Kohlendioxidkonzentrationen
  • effektive Umgebungstemperatur
  • Gruppengröße
  • Nestbedingungen
  • Lichtverhältnisse
  • und Bedingungen in der Brüterei.
Zusätzlich wurden die Risiken von Herdenreduzierung und Entnahme von Hennen, z. B. Schnabelkürzen, Entfernen der Kehllappen und Zehenkürzen, künstlicher Besamung (einschließlich Samengewinnung) und Futterrestriktion bewertet, wobei die beiden letztgenannten Praktiken nur bei Zuchtputen berücksichtigt wurden. Die Auswirkungen der Zucht auf das Wohlbefinden der Tiere wurden ebenfalls bewertet. Empfehlungen zur Vorbeugung und/oder Minderung relevanter Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Mast- und Zuchtputen umfassen die Vergrößerung des verfügbaren Platzes im Vergleich zum derzeitigen, die Vermeidung von Futter- und Wasserentzug bei frisch geschlüpften Küken für mehr als 48 Stunden sowie die Bereitstellung von Beschäftigungsmöglichkeiten wie erhöhten Plattformen, Strohballen und einer überdachten Veranda. Es wird empfohlen, die Einstreu trocken zu halten, d. h. unter einem Feuchtigkeitsgehalt von 35–40 %. Schnabelkürzen, Entfernen der Halskrause und Zehenkürzen sowie die damit verbundenen Folgen für das Wohlbefinden können vermieden werden, wenn die empfohlenen Haltungs- und Managementpraktiken umgesetzt werden, z. B. die Vergrößerung des Platzes und die Bereitstellung geeigneter Beschäftigungsmöglichkeiten. Es wird empfohlen, die Ausdünnung der Herde einzustellen und die quantitative Futterbeschränkung zu vermeiden, die derzeit bei Zuchthähnen praktiziert wird. Außerdem wird empfohlen, bei der genetischen Selektion mehr Wert auf die Beingesundheit und weniger auf die Gewichtszunahme zu legen. Die ausgewählten Kriterien zur Überwachung relevanter Auswirkungen auf das Tierwohl im Schlachthof sind die Gesamtmortalität, Gefiederschäden, Shlachtkörperverwerfungen, Wunden, Brustblasen und Ballendermatitis. Link zur Original-Studie https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.2903/j.efsa.2026.9851

Deep-Learning-Modelle helfen bei der Erkennung stressanfälliger Schweine

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Pränataler Stress bei Sauen kann das Wachstum und die Entwicklung der Ferkel beeinträchtigen, ihre Stressempfindlichkeit erhöhen und ihr Immunsystem schwächen. Bislang fehlen jedoch praktische Methoden, um pränatalen Stress bei den Sauen und ihren betroffenen Nachkommen zu erkennen. Ein vielversprechender Ansatz nutzt Computer-Vision-Techniken, um Stress anhand von Gesichtszügen automatisch zu erkennen und bietet so ein potenziell skalierbares Werkzeug für den Einsatz in landwirtschaftlichen Betrieben. Eine Studie in Schottland untersuchte mithilfe dieser Technologie, ob stressbedingte Gesichtsmerkmale bei Sauen erkannt und ähnliche Merkmale bei ihren Nachkommen identifiziert werden können. Die Studie umfasste über 7000 Gesichtsbilder von sechs Gruppen mit jeweils 18 Sauen und 53 Töchtern. Zunächst wurden Bilder der Sauengesichter aufgenommen, als die Sauen ihre jeweiligen Futterplätze betraten. Weitere Bilder wurden am 70. und 90. Trächtigkeitstag während Futterkonkurrenztests aufgenommen. Speichelcortisolwerte und Verhaltensreaktionen, die während dieser Tests erfasst wurden, dienten zur Klassifizierung der Sauen in Gruppen mit niedriger (LR) und hoher (HR) Stressreaktion. Fünf Deep-Learning-Modelle wurden anhand von Sauendaten trainiert, um LR und HR bei den Töchtern zu klassifizieren. Es wurde eine generationsübergreifende Validierungsstrategie angewendet. Das bedeutet, dass die Töchter nie mit einem Modell evaluiert wurden, das mit den Daten ihrer biologischen Mutter trainiert worden war. Dadurch wurde sichergestellt, dass die identifizierten Merkmale tatsächlich stressbedingt waren und nicht auf familiäre Ähnlichkeit zurückzuführen sind. Die Ergebnisse zeigten, dass der Vision Transformer (ViT) von den fünf verwendeten Deep-Learning-Modellen mit einer durchschnittlichen Genauigkeit von 0,78 und einem F1-Score (ein Maß für Präzision und Trefferquote) von 0,76 bei der Klassifizierung von LR und HR durchgehend die beste Leistung erbrachte. Dies galt für alle Trainingsdurchgänge trotz der Variabilität zwischen den Durchgängen, was darauf hindeutet, dass es sich um ein zuverlässiges und generalisierbares Modell handelt. Der ViT konzentrierte sich zudem konsequent auf Augen, Schnauze und Ohren, die biologisch relevant für den Gesichtsausdruck von Stress sind, während andere Modelle dies nicht taten. Dies zeigt das Potenzial der aussagekräftigen Erkennung stressbedingter Gesichtsmerkmale bei Schweinen. Diese kann zur Früherkennung und zum Management stressanfälliger Tiere beitragen, um deren Wohlbefinden zu gewährleisten und potenziell den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren. Yunas SU, Shahbaz A, Baxter EM, Rutherford KMD, Hansen MF, Smith ML, Smith LN (2025) A deep learning framework for detecting cross-generationalfacial markers associated with stress in pigs. Agriculture 15(21):2253 https://www.mdpi.com/2077-0472/15/21/2253

Beurteilung von Pickverletzungen bei Puten

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Diese Studie untersuchte die Unterschiede in der Beurteilung potenzieller Pickverletzungen bei Putenhennen anhand von Bildausschnitten. Drei Beobachter (OBS1, OBS2, OBS3) mit unterschiedlichem Vorwissen – einer mit Erfahrung in der Beurteilung von Pickverletzungen bei Puten und zwei Informatikstudenten – bewerteten insgesamt 24.912 Bildausschnitte. Die Bildausschnitte wurden in Arbeitspaketen (je 2.076 Bilder) ausgewertet und von den Beobachtern als Kopfverletzung (HI), Hautverletzung im Federbereich (SI) oder keine Verletzung (NI) klassifiziert. Zwei Beobachter bewerteten drei Pakete (OBS1, OBS2: je 6.228 Bildausschnitte), OBS3 annotierte sechs Arbeitspakete (12.456 Ausschnitte). Der prozentuale Anteil der Klassifizierungen in der chronologischen Reihenfolge der Beobachtungen wurde analysiert. Unerfahrene Beobachter (OBS2 und OBS3) stuften durchschnittlich 13 % der gezeigten Bilder als HI (head injury, Kopfverletzung), 70 % als SI (skin injury, Hautverletzung) und 17 % als NI (no injury, keine Verletzung) ein. OBS1 klassifizierte im Durchschnitt 12 % der Bilder als HI, 60 % als SI und 28 % als NI. Im Verlauf der Studie stuften alle Beobachter mehr Aufnahmen als NI ein. Insbesondere OBS1, der über die größte Erfahrung in der Beurteilung von Pickverletzungen verfügte, zeigte eine abweichende Bewertung, indem er im Laufe der Zeit mehr Bilder (plus 5 %) als NI einstufte (OBS2: plus 0,7 %; OBS3: plus 2,2 %). Dieses Ergebnis wirft die Frage auf, ob abweichende Bewertungen bei wiederholten Beurteilungen immer auftreten und wie dieser Effekt vermieden werden kann. Die Arbeit umfasste die Anmerkungen von drei Beobachtern, von denen einer (Forscher auf dem Gebiet des Tierschutzes) bereits Erfahrung mit Pickverletzungen bei Puten hatte (OBS1), während die anderen beiden Informatikstudenten waren (OBS2 und OBS3). – Die Studienergebnisse zeigten, dass die wiederholte Durchführung von Beurteilungen, wie beispielsweise die Klassifizierung von Pickverletzungen bei Puten, zu unterschiedlichen Einschätzungen führen kann. In einer Studie von Thomson et al. (2008) wurde ein Bewegungsbeurteilungsexperiment mit Milchkühen nach einer Woche wiederholt und ein zusätzliches Training durchgeführt. Beim zweiten Durchgang zeigte sich eine leicht verringerte Übereinstimmung zwischen den Beobachtern, da sie den Gang der Kühe gleichzeitig im Stall beurteilten. Thomson et al. (2008) nahmen an, dass der kurze Zeitraum zwischen den beiden Beurteilungen die Wahrscheinlichkeit verringerte, dass sich der tatsächliche Lahmheitsstatus der Kühe zwischen dem ersten und dem zweiten Durchgang veränderte, und stellten fest, dass das Beobachtertraining nur geringe Auswirkungen auf die Übereinstimmung zu haben schien. In der vorliegenden Studie könnte die Modifizierung der Beurteilung potenzieller Pickverletzungen zu einer Abstumpfung der Beobachter geführt haben, da die Anzahl der als unverletzt klassifizierten Tiere abnahm. Es ist auch möglich, dass die Beobachter ihre Wahrnehmung der Bildausschnitte im Laufe der Zeit verbesserten, sodass diese Entwicklung als positiver Lerneffekt interpretiert werden kann. In einer Studie zur Zuverlässigkeit und Genauigkeit der Erkennung von Brustbeinschäden bei Hennen wurde durch Wiederholung eine Verbesserung der Palpationsbeurteilung beobachtet, die durch den Vergleich der Ergebnisse mit denen aus Röntgenaufnahmen und Sonografien bestätigt wurde (Tracy et al. 2019). Tracy et al. (2019) stellten zudem eine sehr große Streuung der Palpationsergebnisse zwischen den unterschiedlich erfahrenen Untersuchern fest. In der vorliegenden Studie lassen sich die Ergebnisse des erfahrenen Untersuchers (OBS1) jedoch vermutlich nicht durch einen Lerneffekt erklären. Dieser war in der Beurteilung von Pickverletzungen anhand von Bildern besonders geübt und geschult, dennoch war der Effekt der Auswertung weiterer Bildausschnitte mit NI bei OBS1 deutlicher ausgeprägt als bei den Informatikstudenten (OBS2 und OBS3). Es ist daher denkbar, dass unerfahrene, nicht spezialisierte Untersucher objektiver urteilen und die Qualität der Ergebnisse solcher Studien nicht beeinträchtigen, sondern sogar verbessern können. Dies hängt natürlich von der Komplexität des Beurteilungsverfahrens ab. In der vorliegenden Studie war weniger Vorwissen erforderlich als beispielsweise in Situationen, in denen ein Beobachter die Mittelwerte eines Gangmusters im Rahmen eines mehrstufigen Lokomotionsscores beurteilen soll (Winckler und Willen 2001) oder wenn ein Gesundheitszustand auf Grundlage medizinischer Expertise dokumentiert werden soll (Baadsgaard und Jørgensen 2003). Ein „Abstumpfungseffekt“ wird jedoch nur aufgrund der veränderten Annotationen eines einzelnen geschulten Beobachters vermutet. Um diese Annahme zu überprüfen, sollten wiederholte Beobachtungen von mehreren (erfahrenen) Teilnehmern durchgeführt werden. Bei der Präsentation der Ergebnisse der wiederholten Beurteilungen ist zu beachten, dass in dieser Studie kein Goldstandard oder Ethogramm verwendet wurde. Daher lässt sich nicht feststellen, welche Beurteilung korrekt war und ob die veränderte Beurteilung die Ergebnisse verbessert hat. Es kann jedoch angenommen werden, dass Informatikstudierende, denen das Vorwissen über Pickverletzungen bei Puten fehlte, bei der Bildauswertung weniger erwartungsbedingte Verzerrungen aufwiesen. Eine solche Beurteilungsverzerrung ist wahrscheinlich, wenn der Beobachter starke Vorannahmen hat oder ein Eigeninteresse am Ergebnis besitzt (Tuyttens et al. 2014). Eine Einschränkung dieser Studie ist das Fehlen eines Tests zur Intra- und Inter-Reliabilität zwischen den Beobachtern. Da diese Auswertungen erst nach Abschluss der Hauptstudie (Schmarje et al. 2022) durchgeführt wurden, war ein retrospektiver Beobachtervergleich nicht möglich. Daher sollten die Ergebnisse dieser Studie eher dazu anregen, mögliche zeitliche Veränderungen in der Bildbewertung genauer zu untersuchen. Dennoch ist es unbestritten, dass in weiteren Studien Tests zur Intra- und Inter-Reliabilität durchgeführt werden sollten. Darüber hinaus sollten Bildbewertungen wiederholt und Veränderungen in der Beobachtung berücksichtigt werden. In einem Artikel von Risinger et al. (2002) zu Beobachtereffekten aufgrund von Erwartungen wird ein Beispiel angeführt, in dem der Beobachter in einer Zeichnung etwas anderes sieht, je nachdem, welche ähnlichen Bilder er/sie zuvor betrachtet hat. Daher sollte die Bildauswertung an denselben Fotos in unterschiedlicher Reihenfolge durchgeführt werden, um eine mögliche „Abstumpfung“ zu vermeiden oder aufzudecken. Die Beurteilung eines nur leicht erkrankten oder leicht verletzten Tieres kann nämlich anders ausfallen, wenn man zuvor viele schwer kranke oder schwer verletzte Tiere gesehen hat. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der in diesem Kurzbericht angenommene „Abstumpfungseffekt“ in weiteren Studien mit einem anderen Studiendesign überprüft werden sollte. Es ist jedoch zu erwarten, dass analog zu den Annahmen bezüglich der „Abstumpfung“ in dieser Studie auch andere Bewertungen/Klassifizierungen Einflüssen wie Gewöhnung, Zeit oder Müdigkeit unterliegen. Zukünftige Studien sollten untersuchen, inwieweit unerfahrene, nicht spezialisierte Beobachter objektiver urteilen können und ab welcher Anzahl von Bildern eine solche „Abstumpfung“ beobachtet werden kann. Varying image assessment of pecking injuries in Turkeys while performing repetitions, Volkmann et al. 2025 https://link.springer.com/article/10.1007/s11259-025-10833-6 In einer unserer Studien haben wir uns mit einer Frage beschäftigt, die in der Tierwohlforschung zentral ist und oft unterschätzt wird: Wie stabil und verlässlich sind menschliche Bewertungen, wenn Bilder von Tieren wiederholt beurteilt werden? In der Studie wurden Bildausschnitte von Putenhennen hinsichtlich möglicher Pickverletzungen bewertet. Dieses Vorgehen ist zum Beispiel relevant, um KI-Modelle für die automatisierte Erfassung von Tierwohlindikatoren zu trainieren. Drei Beobachtende mit unterschiedlichem Vorwissen ordneten die gleichen Bilder wiederholt Kategorien wie „Verletzung“ oder „keine Verletzung“ zu. Das Ergebnis: Alle Beobachtenden stuften im Verlauf der wiederholten Bewertungen zunehmend mehr Bilder als unverletzt ein. Dieser Effekt war besonders ausgeprägt bei der erfahrensten Beobachterin. Das wirft grundlegende Fragen auf zur Rolle von Erfahrung, Erwartungshaltungen und möglichen Gewöhnungseffekten bei der Tierbeurteilung. Die Ergebnisse zeigen, dass selbst geschulte und erfahrene Personen nicht frei von zeitlichen Veränderungen in ihrer Bewertung sind. Gleichzeitig wird deutlich, dass auch fachfremde Beobachtende valide Beiträge leisten können, wenn die Aufgabe klar definiert ist. Für die Forschung bedeutet das: Beobachtungen brauchen klare Definitionen, Transparenz und eine kritische Reflexion der menschlichen Rolle im Bewertungsprozess. Gerade im Kontext von Digitalisierung und KI ist das entscheidend, denn Trainingsdaten sind nur so gut wie die Bewertungen, auf denen sie beruhen.

Initiative Tierwohl: Ferkelfonds endet mit dem Jahr 2026

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Die Initiative Tierwohl (ITW) hält am Ziel der Marktfinanzierung der Schweinehaltung von der Sauenhaltung über die Ferkelaufzucht bis hin zur Mast ab 2027 fest. Der Ferkelfonds endet wie geplant mit dem 31.12.2026. Die Rücknahme garantierter Preisaufschläge für Tierwohlleistungen und der Übergang zu einem Marktmodell waren zentrale Forderungen des Bundeskartellamts, das den Ferkelfond zuletzt nur noch „toleriert“ hat. Das Ende des Ferkelfonds wurde mit den Branchenbeteiligten abgestimmt und beschlossen und seit August 2022 mehrfach entsprechend öffentlich angekündigt. Die bisherigen Aufpreisempfehlungen sollen weiterhin erhalten bleiben. „Das Ende des Ferkelfonds wurde von uns vielfach angekündigt und durch Maßnahmen vorbereitet“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Das waren zum einen Anreize durch eine höhere Aufpreisempfehlung für nämliche Schlachtschweine und eine ausschließliche Neuzulassung von Ferkelerzeugern, die an ITW-Mäster liefern. Jetzt läuft die letzte Übergangsfrist aus. Daher gilt für die Ferkelerzeuger, sich ITW-Mäster als Abnehmer zu suchen. Aber auch die Mäster sind gefragt. Denn künftig können nur noch die Schweine als ITW-Tiere vermarktet werden, die von der Sauenhaltung über die Ferkelaufzucht bis hin zur Mast im ITW-System gehalten wurden.“ Die Initiative Tierwohl ist 2015 mit einer Fondsfinanzierung für die Tierwohlmaßnahmen gestartet. Dabei zahlten die teilnehmenden Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels das Geld in den Fonds ein, aus dem die Tierhalter ein Tierwohlentgelt erhielten. Sukzessive wurde die Fondsfinanzierung in der Schweine- und Geflügelmast abgeschafft und durch eine Marktfinanzierung ersetzt. Was bislang lediglich für die Mast galt, ist künftig auch für die Ferkelerzeugung vorgesehen. Denn ab 2027 kann Schweinefleisch nur noch dann als ITW-Fleisch vermarktet werden, wenn die Tiere von der Sauenhaltung über die Aufzucht bis hin zur Mast nachweislich nach den Kriterien der ITW gehalten wurden. Verbraucher sollen so zukünftig bewusst entscheiden können, ob sie durch ihren Kauf Fleisch erwerben möchten, welches ab der Geburt unter ITW-Bedingungen erzeugt wurde. Aktuell nehmen über 9.000 schweinehaltende Betriebe, darunter 1.589 Ferkelaufzüchter und 1.250 Sauenhalter an der ITW teil. Insgesamt profitieren nun jährlich gut 22 Millionen Mastschweine und rund 19 Millionen Ferkel von den Maßnahmen der ITW-Tierhalter. Die Lücke zwischen Ferkelaufzucht und Schweinemast konnte in den letzten zwei Jahren weiter verkleinert werden. Auch in diesem Jahr ist es geplant, eine weitere Registrierungsphase für Ferkelaufzuchtbetriebe zu starten, um die Lücke weiter zu schließen. Ziel ist die so genannte Nämlichkeit, die darin besteht, dass zukünftig alle Schweine im ITW-System von der Geburt bis zur Schlachtung ausschließlich auf ITW-Betrieben gehalten werden. Quelle: Initiative Tierwohl GmbH

Bundestag beschließt Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz

• Rechtssichere Entnahme von Wölfen • Herdenschutzmaßnahmen werden gestärkt • Ausweisung von Weidegebieten zur Entnahme von Wölfen (z.B. in der alpinen Region) Der Deutsche Bundestag hat heute den von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer vorgelegten Gesetzentwurf zur Aufnahme des Wolfes in das Bundesjagdgesetz (BJagdG) beschlossen. Damit wird der Schutz von Weidetieren verbessert und der präventive Herdenschutz gestärkt. Durch die Gesetzesänderung können die Länder in Regionen mit hoher Wolfsdichte und günstigem Erhaltungszustand ein Bestandsmanagement einführen. Wo Wölfe Herdenschutzmaßnahmen überwinden, können sie rechtssicher entnommen werden. In Gebieten, in denen präventiver Herdenschutz unzumutbar ist – etwa in der alpinen Region – ist eine Entnahme zur Vermeidung von Weidetierrissen ebenfalls möglich. Dazu sagt der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer: „Vielerorts ist die Bedrohung der Weidetiere durch den Wolf bittere Realität. Das wurde in den letzten Wochen durch Berichte über zahlreiche Risse schmerzhaft deutlich. Für Tierhalter bedeutet jeder Riss nicht nur einen wirtschaftlichen Verlust, sondern auch eine enorme emotionale Belastung. Die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz bringt Rechtssicherheit und klare, praktikable Regeln. Diese Bundesregierung hat schnell gehandelt, wie versprochen, wie im Koalitionsvertrag vereinbart. Bis zum Almauftrieb ist der Wolf im Jagdgesetz – das ist mein Ziel. Auch dort, wo Zäune und Herdenschutzhunde an ihre Grenzen kommen, kann bald zielgenau gehandelt werden, wie beispielsweise in der alpinen Region. Im Einzelnen sieht der Gesetzentwurf folgende Regelungen vor: • Regionales Bestandsmanagement: Mit der Aufnahme des Wolfs in das BJagdG wird den Ländern die Möglichkeit eines regionalen Bestandsmanagements gegeben. Das bedeutet: In Regionen mit hohen Wolfszahlen, wo der günstige Erhaltungszustand festgestellt wurde, können Managementpläne aufgestellt und so die Zahl der regional lebenden Wölfe reguliert werden. In diesem Rahmen ist eine Jagdzeit von 1. Juli bis 31. Oktober vorgesehen. • Entnahme von Wölfen: Haben Wölfe Herdenschutzmaßnahmen überwunden und Weidetiere verletzt oder getötet, ist eine leichtere, rechtssichere Entnahme der Wölfe, unabhängig vom Erhaltungszustand, möglich. • Ausweisung von Weidegebieten: In einigen Regionen Deutschlands ist präventiver Herdenschutz, zum Beispiel das Aufstellen von Zäunen, aufgrund der geografischen Gegebenheiten, wie Hangneigung, Bodenbeschaffenheit oder Lage an Gewässern nicht möglich. Das ist beispielsweise in den Alpen (Almwiesen) oder an den Küsten (Deiche) der Fall. Die Bundesländer bekommen nun die Möglichkeit, bestimmte Weidegebiete auszuweisen, um hier den Schutz der Weidetiere durch die Entnahme der Wölfe sicherzustellen. • Finanzierung Herdenschutz: Derzeit ist die Finanzierung von Herdenschutzmaßnahmen über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) geregelt. Wir überprüfen diese Regelungen mit dem Ziel, Verbesserungen bei der Förderung des Herdenschutzes zu erzielen. • Bericht an den Bundestag: Nach fünf Jahren berichtet die Bundesregierung dem Deutschen Bundestag, inwieweit sich die Regelungen bewährt haben. • Kein Handel mit Wolfstrophäen: Die Regeln der EU-Artenschutzverordnung gelten auch weiterhin für den Wolf: Damit sind Zurschaustellung und Handel mit toten Wölfen auch künftig verboten. Hintergrund: Die Wolfsbestände in Europa sind in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen – von 11.200 Tieren im Jahr 2012 auf über 20.300 im Jahr 2023. In Deutschland leben derzeit 219 Wolfsrudel, vor allem in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen. Parallel dazu steigt die Zahl der Wolfrisse: Im Jahr 2024 wurden rund 4.300 Nutztiere, überwiegend Schafe und Ziegen, von Wölfen gerissen, zum Teil trotz der weiterhin wichtigen Herdenschutzmaßnahmen wie Zäunen und Herdenschutzhunden. Deutschland hat der EU-Kommission dieses Jahr den „günstigen Erhaltungszustand“ des Wolfs in der atlantischen und der kontinentalen Region gemeldet. Damit sind die Voraussetzungen gegeben, um den Ländern in Regionen mit einem guten Erhaltungszustand die Möglichkeit zu geben, ein regionales Wolfsmanagement einzuführen. Mit der Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz und den entsprechenden Anpassungen im Bundesnaturschutzgesetz ist dafür die rechtliche Grundlage geschaffen. Bereits Anfang des Jahres war der Wolf von „streng geschützt“ auf „geschützt“ in der Berner Konvention herabgestuft worden. Der Bundesrat muss dem Gesetzentwurf noch zustimmen. Quelle: BMLEH

Halten von Hennen: Neues Projekt der Uni Osnabrück mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover

Die überwiegende Anzahl der in Deutschland gehaltenen etwa 45 Millionen Legehennen leben in Volierensystemen. In einem Kooperationsprojekt der Uni Osnabrück mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersucht ein Forschungsteam, wie tierschonendes Fangen und Verladen praktisch umgesetzt werden kann. Gefördert wird das Projekt durch das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Zum Hintergrund: In mehretagigen Volieren können sich Legehennen auf verschiedenen Ebenen frei bewegen. Dort werden ihnen Futter und Wasser, Gruppennester sowie Sitzstangen zum nächtlichen Ruhen angeboten. „Diese Art der Haltung ist für das Tierwohl von Vorteil, macht jedoch das Ausstallen der Tiere anspruchsvoll“, so der Osnabrücker Projektleiter Prof. Dr. Chadi Touma. Das Ausstallen erfolgt üblicherweise nachts, wenn die Tiere sich zum Schlafen zurückgezogen haben und aufgrund der Dunkelheit beim Fangen ruhiger sind. Um sie im Volierensystem zu fangen, werden die Althennen üblicherweise an den Beinen gegriffen, kopfüber hochgehoben und anschließend in Transportbehältnisse verladen. Diese Arbeit übernimmt hierfür speziell eingewiesenes, sachkundiges Personal, das vom Tierhalter beauftragt wird. Dennoch besteht bei dieser Methode die Gefahr, dass die Tiere beim Fangen oder Verladen verletzt werden. Das Drehen von der aufrechten in die Kopfüber-Haltung ist für die Tiere, so vermuten die Forschenden, wahrscheinlich mit Stress und evtl. Schmerzen verbunden. Eine wissenschaftliche Einschätzung der durch diese Fangmethode ausgelösten Stressreaktion steht allerdings noch aus. Ziel des Projektes ist es, aufzuzeigen und zu evaluieren, wie eine tierschutzgerechte Ausstallung und Verladung von Legehennen möglich ist. Aus den Ergebnissen und den praktischen Erfahrungen im Projekt wollen die Forschende weitere Vorschläge ableiten, um den Fang- und Verladeprozess zu verbessern. Das Projekt gliedert sich in zwei Teilprojekte, die innerhalb von 18 Monaten bearbeitet werden. „Im ersten prüfen wir auf Praxisbetrieben, welche Einflüsse das aufrechte Fangen mit Umgreifen des Körpers, bzw. in schwer zugänglichen Bereichen der Voliere das Greifen an beiden Ständern mit dem Halten des Brustbeins, auf das Tierwohl, die Verladezeit, die Arbeitsbelastung des Fängerpersonals sowie die Ökonomie hat“, so Dr. Birgit Spindler aus dem Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover, die für diesen Projektteil verantwortlich ist. Um messen zu können, welche Stressreaktion die Tiere auf das Fangen zeigen, vergleichen die Forschenden im zweiten Teilprojekt bei Althennen beide Fangmethoden (Aufrecht vs. Überkopf) miteinander. Dafür messen sie unter Leitung von Prof. Dr. Chadi Touma, Universität Osnabrück, Abbauprodukte des Stresshormons Corticosteron im Kot der Tiere. Corticosteron ist bei Nagetieren und Vögeln eines der wichtigsten Stresshormone, analog zum Cortisol beim Menschen, erklärt Professor Touma. Er sagt: „Insgesamt hoffen wir mit unserem Projekt zur Objektivierung der Tierwohl-Erfassung beizutragen und die Entwicklung und Anwendung von tierschonenden Verfahren vorantreiben zu können.“ Quelle: Universität Osnabrück