Geflügelpest: amtlicher Verdachtsfall in Geflügelhaltung im Kreis Paderborn

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Die hochpathogene Geflügelpest hat Nordrhein-Westfalen bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr erreicht. Seit dem 16.11.2021 besteht der Verdacht des Ausbruchs der Tierseuche in einem Mastputenbetrieb im Landkreis Paderborn. Der Betrieb wurde vorsorglich gesperrt und alle erforderlichen Tierseuchenbekämpfungsmaßnahmen veranlasst. Die Bestätigung und Bestimmung des Virus-Subtyps durch das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut) steht noch aus. Zur Koordinierung und Abstimmung weiterer Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen hat das Ministerium das Landestierseuchenkontrollzentrum (LaTiKo) einberufen.

„Die Geflügelhalter in Nordrhein-Westfalen müssen jetzt noch wachsamer sein“, appelliert Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann. „Nur konsequent eingehaltene Biosicherheitsmaßnahmen können Hausgeflügelbestände effektiv vor einer Eintragung des Erregers schützen.“ In einer heutigen Telefonkonferenz mit der Geflügelwirtschaft, den Landkreisen und dem LANUV appellierte der Staatssekretär an die Branche, alles dafür zu tun, eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern. So sollten der Direktverkauf an Tierhalter sowie Transporte in diesen Zeiten aus Vorsorgegründen eingeschränkt werden.

Zu den Maßnahmen gehört unter anderem, dass Tiere nur an für Wildvögel unzugänglichen Stellen gefüttert werden dürfen. Zudem darf kein Oberflächenwasser für das Tränken der Tiere genutzt werden, zu dem Wildvögel Zugang haben. Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, mit denen das Geflügel in Berührung kommen kann, müssen für Wildvögel unzugänglich aufbewahrt werden. Bei erhöhten Tierverlusten im Bestand ist zudem eine veterinärmedizinische Untersuchung vorgeschrieben, um ein unklares Krankheitsgeschehen im Bestand abzuklären und das Vorliegen einer Infektion mit Geflügelpestviren auszuschließen. Sollten Geflügelhaltungen bislang nicht beim der Tierseuchenkasse Nordrhein-Westfalen registriert worden sein, sollte dies schnellstens nachgeholt werden. Bürgerinnen und Bürger werden darüber hinaus gebeten, Funde von verendeten wildlebenden Wasservögeln oder Greifvögeln dem Veterinäramt des jeweiligen Kreises bzw. der jeweiligen kreisfreien Stadt zu melden.

Deutschland und Europa erlebten zwischen Oktober 2020 und April dieses Jahres eine schwere Geflügelpest-Seuchenlage. Nach einem kurzfristigen Rückgang von Fällen und Ausbrüchen in den Sommermonaten werden seit Mitte Oktober in Deutschland wieder vermehrt Geflügelpest-infizierte Wildvögeln in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern gefunden. In Nordrhein-Westfalen konnte in den vergangenen Wochen der Virus bisher nicht nachgewiesen werden. Aus Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachen wurden bereits Ausbrüche der hochansteckenden Geflügelseuche auch in Hausgeflügelbeständen gemeldet.

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen hat das Friedrich-Loeffler-Institut am 26.10.2021 seine Risikoeinschätzung zum Auftreten der Geflügelpest in Deutschland aktualisiert. Demnach wird das Risiko des Eintrags der Erkrankung in Geflügelhaltungen und Vogelbestände in zoologischen Einrichtungen als hoch eingestuft. Nicht nur aufgrund der aktuellen Verdachtsfälle der Virusinfektion gilt die Risikoeinschätzung und die sich daraus ergebenden Handlungsempfehlungen auch für hiesige Geflügelhalter.

Hintergrund:
Die Aviäre Influenza, auch Vogelgrippe genannt, ist eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit, die ihren natürlichen Reservoir-Wirt im wilden Wasservogel hat. Die Geflügelpest ist eine besonders schwer verlaufende Form der aviären Influenza. Sie wird durch sehr virulente (hochpathogene) Stämme aviärer Influenzaviren der Subtypen H5 und H7 hervorgerufen. Für den Menschen besteht nur bei intensivem Kontakt mit infiziertem Geflügel die Gefahr einer Ansteckung.

Alle Nutzgeflügelarten, aber auch viele Zier- und Wildvogelarten sind hochempfänglich für die Infektion. Bei Hühnern und Puten werden die höchsten Erkrankungs- und Sterberaten beobachtet – teilweise bis zu 100 Prozent. Wasservögel erkranken seltener und oft weniger schwer, scheiden aber dennoch das Virus aus und können als Reservoir für Ansteckungen dienen.

Die Geflügelpest ist eine anzeigepflichtige Tierseuche und wird daher staatlich bekämpft. Die Grundlage für Präventions- und für Bekämpfungsmaßnahmen ist die Verordnung zum Schutz gegen die Geflügelpest.

Quelle: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

Weniger Stickstoff und Phosphor in der Schweinemast

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Wie lassen sich Nährstoffe in der Schweinemast sparsamer einsetzen? Ein Forschungsteam unter Federführung der Universität Bonn untersucht in den nächsten drei Jahren, wie sich die Ausscheidungen an Stickstoff und Phosphor der Tiere verringern lassen. Der Bund fördert das Projekt über die Landwirtschaftliche Rentenbank mit rund 1,6 Millionen Euro. Davon fließen etwa 870.000 Euro an die Universität Bonn.

Stickstoff und Phosphor sind wichtige Nährstoffe, die in der Landwirtschaft auch mit Blick auf die Umwelt möglichst effektiv eingesetzt werden sollen. Ein Zuviel des Guten wird über die Exkremente ausgeschieden und in Form von Gülle oder Mist als Dünger auf die Felder ausgebracht. Dabei besteht insbesondere in Regionen mit hoher Viehdichte die Gefahr, dass die nicht von den Pflanzen genutzten Nährstoffe zur Gewässereutrophierung und Grundwasserbelastung beitragen. Tierwissenschaftler der Universität Bonn untersuchen zusammen mit dem Max Rubner-Institut, dem Förderverein Bioökonomieforschung e.V. und der BHZP GmbH, wie sich in der Schweinemast züchterisch die Ausscheidungen dieser Nährelemente reduzieren lassen.

Geringere Umweltauswirkungen
„Aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft gewinnt die Effizienz der Nährstoffverwertung in der Schweineproduktion an Bedeutung”, sagt Dr. Christine Große-Brinkhaus vom Institut für Tierwissenschaften der Universität Bonn. Ihre Kollegin Dr. Ines Brinke ergänzt: „So soll nicht nur die Umweltbelastung durch Gülle verringert werden, sondern auch die im Futter enthaltenen wichtigen Nährstoffe zielgerichteter eingesetzt werden“. Große-Brinkhaus: „Damit möchte man auch auf eine mögliche Verknappung der Futtermittel reagieren. Infolge des Klimawandels steigt das Risiko von Dürrejahren mit besonders negativen Auswirkungen auf hier angebaute Eiweißfuttermittel wie Sonnenblume oder Raps. Der angestrebte Verzicht auf den Einsatz von importiertem Soja wäre somit schwerer umzusetzen.“

Im Projekt „Genetische Verbesserung von Effizienzmerkmalen bei Schweinen zur Reduktion von Nährstoffausscheidungen” (EffiPig) sollen verschiedene Zuchtlinien anhand von unterschiedlich stark nährstoffreduzierten Futtermitteln untersucht werden. Ziel ist es, die Tiere mit möglichst geringen Nährstoffausscheidungen zu identifizieren. “Das kann dann die Grundlage für die Züchtung nährstoff-effizienterer Linien sein”, sagt Brinke. Neben den Effizienzmerkmalen soll auch das Tierwohl betrachtet werden. Denn Phosphor ist wichtig für die Knochen und damit für die Gesundheit des Bewegungsapparates der Tiere. Die Forscher wollen deshalb berücksichtigen, dass die Schweine ausreichend von diesem wichtigen Nährstoff für eine gesunde Entwicklung bekommen.

Weitere Informationen

Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Video: Freilandschweine auf dem Biolandhof Frohnenbruch

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Freilandhaltung von Schweinen ist in Deutschland selten. Paul Bird vom Biohof Frohnenbruch hat sich in England angesehen, wie sie funktioniert und dann im Familenbetrieb selbst damit begonnen. Zunächst mit Mastschweinen und dann auch mit Sauen, von denen die erste sogar schon Ferkel bekommen hat.

Wie diese Haltungsform aussieht und was speziell zu beachten ist, zeigt und erklärt der junge Landwirt im Video.

Der Hoftierarzt E-Magazin 5/2021 – soeben erschienen

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Per Kapsel durch die Blutbahn: Wie Darmbakterien mit dem Körper kommunizieren

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Bakterien im Darm verpacken verschiedenste ihrer Biomoleküle in kleine Kapseln. Diese werden vom Blutkreislauf in verschiedene Organe des Körpers transportiert und sogar von Nervenzellen des Gehirns aufgenommen und verarbeitet. Dies hat jetzt erstmals ein Team von Forscherinnen und Forschern der Goethe-Universität Frankfurt sowie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der University of California in San Francisco gezeigt. Die neu etablierte Forschungsmethode wird helfen, den Einfluss von Darmbakterien auf Krankheiten besser zu verstehen und könnte die Entwicklung innovativer Verabreichungsformen von Medikamenten oder Impfstoffen fördern.

Im Menschen sind Bakterien in der Überzahl: Schätzungen zufolge kommen auf jede menschliche Zelle 1,3 Bakterienzellen. Entsprechend überlegen sind die Bakterien in ihrer genetischen Vielfalt. So haben alle Darmbakterien zusammen – das Mikrobiom des Darms – 150mal so viele Gene wie der Mensch. Die Stoffwechselprodukte der Darmbakterien wirken vielfältig auf den Körper: Sie trainieren etwa die Immunzellen und tragen zu deren Reifung bei, sie steuern Stoffwechselprozesse im Körper und wie häufig sich Zellen der Darmschleimhaut erneuern. Änderungen in der Zusammensetzung des Mikrobioms tragen höchstwahrscheinlich zum Entstehen und Krankheitsverlauf etwa von neurologischen- oder Krebserkrankungen bei.

Auf die Zellen der Darmschleimhaut wirken die bakteriellen Stoffwechselprodukte über den direkten Kontakt. Wie solche Bakterienstoffe jedoch in entfernte Organe wie Leber, Niere oder das Gehirn gelangen, war bislang nicht geklärt. Als Transportmittel wurden kleine Kapseln (Membranbläschen oder Vesikel) vermutet, die von Bakterien während ihres normalen Wachstums oder als Reaktion auf Stress in die Umgebung abgegeben werden und die mit bakteriellen Enzymen, Proteinen oder auch RNA-Erbmolekülen gefüllt sind.

Ein internationales Wissenschaftsteam um Dr. Stefan Momma vom Neuroscience Center der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Claudia Günther von der Universität Erlangen-Nürnberg und Prof. Robert Raffai von der University of California hat jetzt an Mäusen untersucht, wie Bakterien ihre Stoffwechselprodukte in solchen Vesikeln verteilen. Dazu besiedelten die Forscher:innen den Darm von Mäusen mit E.-coli-Bakterien, die eine bestimmte Genschere produzierten (Cre) und diese über Vesikel in die Umgebung abgaben. Die Mäuse besaßen in Körperzellen ein Gen für ein rotes Leuchtprotein, das durch die Genschere Cre aktiviert werden konnte (Cre/LoxP-System).

Das Ergebnis: In der anschließenden Untersuchung des Mausgewebes waren die bakteriellen Stoffe von einzelnen Zellen des Darms, der Leber, der Milz, des Herzen und der Nieren sowie von Immunzellen aufgenommen worden. Sogar einzelne Nervenzellen des Gehirns leuchteten rot. Stefan Momma: „Besonders beeindruckend ist, dass die Vesikel der Bakterien auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden und auf diese Weise in das ansonsten sehr gut abgeschottete Gehirn gelangen können. Und dass die bioaktiven Bakterienstoffe sogar von Stammzellen der Darmschleimhaut aufgenommen wurden zeigt uns, dass Darmbakterien womöglich sogar dauerhaft die Eigenschaften der Darmschleimhaut verändern können.“

Die Fluoreszenzbilder weisen darauf hin, so Momma, dass die Vesikel wahrscheinlich über den Blutstrom im Körper verteilt würden. „Die weitere Erforschung dieser Kommunikationswege vom Reich der Bakterien ins Reich der Säugetiere wird nicht nur unser Verständnis von Leiden wie Autoimmunerkrankungen oder Krebs verbessern, bei dem das Mikrobiom ganz offensichtlich eine wichtige Rolle spielt. Solchen Vesikel sind auch äußerst interessant als neue Methode, um Medikamente zu verabreichen, oder zur Entwicklung von Impfstoffen oder als Biomarker die auf eine pathologische Veränderung des Mikrobioms hinweisen.“

Obwohl diese Untersuchungen hier auf den Menschen bezogen werden, kann man annehmen, dass die Wirkung des Mikrobioms auf das Tier vergleichbar ist und insofern die Erkenntnisse auch auf die Tiermedizin übertragbar sind.

Quelle: Goethe-Universität Frankfurt am Main/Der Hoftierarzt

Geflügelpest bei Wildvögeln im Landkreis Cuxhaven bestätigt

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In Niedersachsen sind seit dem 1. Oktober 2021 sieben Fälle des hochansteckenden Geflügelpest-Virus vom Subtyp H5 bei Wildvögeln festgestellt worden. Bundesweit wurde der Subtyp H5 bei 56 Wildvögeln nachgewiesen, wobei ein Großteil der Nachweise auf Norddeutschland entfällt. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) stuft das Risiko des Aufflammens der Geflügelpest in der Wildvogelpopulation und des Wiedereintrags des Virus mit einer anschließenden Verbreitung in der Wildvogel- und Wasservogelpopulation als hoch ein.

In Anbetracht der aktuellen Risikoeinschätzung des FLI und der sich häufenden H5-Nachweise bei Wildvögeln in Norddeutschland werden die kommunalen Veterinärbehörden mit Erlass vom 9. November 2021 gebeten, die Risikobewertung durchzuführen und über das Ergebnis sowie über das Veranlasste bis zum 15. November 2021 zu berichten. Die Risikobewertung ist wesentliche Voraussetzung für die Anordnung einer Stallpflicht für Freilandgeflügel durch den zuständigen Landkreis oder die zuständige kreisfreie Stadt.

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Der Schutz von Geflügelbeständen vor einer Ansteckung mit dem Geflügelpest-Virus ist von größter Bedeutung. Eine Stallpflicht für Freilandgeflügel ist eine wirksame Methode zur Vermeidung der Ansteckung.“

Deutschland erlebte zwischen Oktober 2020 und April 2021 den bisher schwersten Geflügelpest-Seuchenzug. Anders als nach den vergangenen Geflügelpest-Seuchenzügen ist der Subtyp H5 über den Sommer nicht aus der heimischen Wildvogelpopulation verschwunden. Das Virus wurde auch in den Sommermonaten bei Wasser- und Greifvögeln vor allem in den nordischen Ländern Europas immer wieder nachgewiesen.

Hintergrund
Die hoch ansteckende aviäre Influenza, auch Geflügelpest genannt, ist eine anzeigepflichtige und daher staatlich bekämpfungspflichtige Tierseuche, die bei gehaltenen Vögeln und Wildvögeln nach teilweise schweren Erkrankungserscheinungen zu massenhaftem Verenden führen kann. Die Verordnung zum Schutz gegen die Geflügelpest (GeflPestSchV) enthält Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen.

Die Anordnung der Aufstallung von Geflügel als Maßnahme zum Schutz des Eintrags der Geflügelpest in Hausgeflügelbestände kann sowohl beim Nachweis und als auch beim Verdacht des Auftretens der Geflügelpest in der Wildvogelpopulation von der zuständigen Behörde nach Art. 70 Abs. 1 Buchstabe b und Abs. 2 i.V.m Art. 55 Abs. 1 Buchstabe d der Verordnung (EU) 2016/429 angeordnet werden.

Nach Art. 70 Abs. 2 der Verordnung (EU) 2016/429 ist dabei dem Seuchenprofil, den betreffenden wildlebenden Tieren und der Gefahr der Übertragung der Seuchen auf Tier und Mensch Rechnung zu tragen. Um die Einhaltung dieser Anforderung zu gewährleisten, ist vor Anordnung der Aufstallung eine Risikobewertung nach § 13 Abs. 2 Geflügelpest-Verordnung durchzuführen.

Die Gestaltung der Aufstallung ist nach den Vorgaben des § 13 Abs 1 Geflügelpest-Verordnung anzuordnen. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass die Aufstallung als geeignete Maßnahmen zum Schutz vor biologischen Gefahren bzw. als geeignete Maßnahme zur Vermeidung des Kontaktes zu Wildvögeln gestaltet wird, um die Ausbreitung der Geflügelpest auf das Hausgeflügel zu verhindern.

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Intelligentes Schweinespielzeug: Forschungs-Praxis-Verbundprojekt SmartPigHome erhält Förderung

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Das Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt im Rahmen des Bundesprogramms Nutztierhaltung ein Projekt zur Weiterentwicklung der Schweinehaltung.

Bei dem Verbundvorhaben handelt es sich um die Entwicklung eines interaktiven, tierwohlorientierten Sensorsystems, das eine intelligente Stallumgebung für Mastschweine schafft und diese entsprechend der „Stimmung im Stall“ optimiert. Dabei werden nicht nur alle automatisiert messbaren Umgebungsparameter wie Luftqualität, Temperatur und Lichtverhältnisse erfasst, sondern auch die Tieraktivität, Tierlaute und Liegemuster über im Stall installierte Kameras aufgenommen. Über einen KI-basierten Algorithmus werden diese Daten miteinander verknüpft und als aktive Steuerung der Stallumgebung eingesetzt. Sobald die KI auffällige Muster erkennt, startet ein Beschäftigungsspiel, das interaktiv bewegliche Objekte auf den Stallboden projiziert. Damit werden die natürliche Neugier und Intelligenz der Tiere angesprochen, die nach Beendigung des Spiels eine schmackhafte „Belohnung“ erhalten. Der Mehrwert dieses Systems liegt klar im Bereich der Vorsorgeorientierung, da es bereits bei kleinsten Änderungen reagiert, die mit dem bloßen Auge nicht erkennbar sind und somit eine intelligente, tierbezogene Umgebungssteuerung ermöglicht. Damit wird der Landwirt/die Landwirtin optimal unterstützt, alle Daten aus dem Stall digital zur verknüpfen, diese auszuwerten und damit aktive Tiergesundheitsvorsorge betreiben zu können

Das Verbundprojekt wird von Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen bei der Universität Vechta (Dr. Steffi Retz, Dr. Barbara Grabkowsky) koordiniert. Weitere Projektpartner sind die Peter Kenkel GmbH (Peter Kenkel), die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (Prof. Dr. Isabel Hennig-Pauka und Prof. Dr. Christian Visscher), das Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren (Dr. Sarah Fischer) und das Start Up VetVise GmbH (Johannes Schmidt-Mosig).

CDU-Bundestagsabgeordnete Silvia Breher MdB kommentiert dazu: „Die Weiterentwicklung der Nutztierhaltung bedeutet für alle Beteiligten eine große Aufgabe und viele Herausforderungen. Die Förderung ist eine großartige Neuigkeit, weil wir für die Zukunft der Nutztierhaltung in Deutschland genau solche innovativen Ideen benötigen, die das Tierwohl verbessern und gleichzeitig auch noch den Umweltschutz verbessern. Innovative Projekte, wie das SmartPigHome, tragen ihren Teil dazu bei, dass sich unsere landwirtschaftlichen Betriebe zukunftsfähig aufstellen können. Umso mehr freut es mich, dass das Verbundprojekt aus dem Oldenburger Münsterland kommt.“

Quelle: Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen

Moralische Herausforderungen der Veterinärmedizin in der Nutztierhaltung

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Soeben erschienen: „Moralische Herausforderungen der Veterinärmedizin in der Nutztierhaltung“ von Dr. Christian Dürnberger.

Veterinärmediziner und Veterinärmedizinerinnen, die in der Nutztierhaltung arbeiten, erledigen einen bedeutsamen Job in einem kontrovers diskutierten Spannungsfeld – sie selbst aber werden in den gesellschaftlichen Debatten kaum gehört. Mit welchen moralischen Herausforderungen sind sie konfrontiert? Was sollte sich in der Landwirtschaft dringend ändern? Wie sehen sie die Zukunft der Profession? Welche Ausbildungsinhalte sollten an den Universitäten ihres Erachtens verstärkt eine Rolle spielen? Und was raten sie der Jugend?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Studie, deren Ergebnisse in der vorliegenden Publikation zusammengefasst werden. Mit zahlreichen und ausführlichen Zitaten. Das Buch gibt demnach Einblicke in eine Arbeits- wie Lebenswelt und ist damit nicht nur für Tierärzte und Tierärztinnen von Relevanz, sondern auch für Studierende und Interessierte an der Landwirtschaft allgemein.

Über den Autor
Christian Dürnberger, Doktor der Philosophie, arbeitet als Universitätsassistent am Messerli Forschungsinstitut, Abteilung Ethik der Mensch-Tier-Beziehung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien sowie als Dozent am Campus Francisco Josephinum Wieselburg.

Christian Dürnberger
Moralische Herausforderungen der Veterinärmedizin in der Nutztierhaltung
Harald Fischer Verlag
ISBN-10 ‏ : ‎ 389131535X
Broschiert, 134 Seiten, € 18,50

PRRS: Blutprobe weiterhin Goldstandard in der Frühdiagnostik

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Von Dr. Heike Engels

Das Porzine Reproduktive und Respiratorische Syndrom, kurz PRRS, ist trotz aller Bemühungen in der Vorbeugung noch immer eine sehr häufige Erkrankung in Schweinebeständen weltweit. Anzustreben ist für den Bestand der Status „PRRS-unverdächtig“, was mit umfangreichen Monitoringprogrammen regelmäßig nachzuweisen ist. Die dazu notwendigen Untersuchungen stellen immer einen Kompromiss zwischen einer statistisch anzustrebenden Stichprobengröße und einem realisier- und finanzierbarem Aufwand für die Diagnostik dar.

In Zuchtbetrieben mit hohem Gesundheitsstatus werden Schweine häufig mit einer Blutprobenentnahme beprobt, um eine Infektion mit PRRS nachzuweisen. Diese Probennahme ist aufwändig und hat eine Relevanz für den Tierschutz, da die Schweine für die Beprobung fixiert werden müssen. Größere Schweine (etwa ab 25 kg Gewicht) werden mit der Oberkieferschlinge fixiert und dabei Kopf und Hals nach oben gestreckt. So kann über die Vene am Hals das Blut abgenommen werden. Um diese Prozedur nicht mehr so häufig durchführen zu müssen, sind weniger invasive Methoden erforderlich. Allerdings müssen diese Alternativen in Bezug auf die Sensitivität der Serumprobe ebenbürtig sein, weil der frühe PRRS-Nachweis für die Verhinderung einer weiteren Virusausbreitung extrem wichtig ist.

Dr. Philipp Könighoff und Kollegen von der Außenstelle für Epidemiologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover in Bakum nahmen sich daher in einer Studie* dieser Thematik an. Die Wissenschaftler untersuchten Blut- und Speicheltupfer sowie Kaustrick- und Serumproben von 19 Jungsauen zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach intramuskulärer bzw. intranasaler Impfung mit PRRSV-1 oder -2 mittels PCR. Impfung deshalb, weil die Impfviren der Lebendvakzine eine Feldinfektion simulieren, da sie weiterhin die Fähigkeit zur Vermehrung besitzen. Die Tupfer wurden mit Speichel von der Maulschleimhaut bzw. nach einem oberflächlichen Nadelstich mit Ohrvenenblut benetzt. Zur Serumgewinnung erfolgte eine Punktion der Vena jugularis externa. Die Kaustricke wurden auf Kopfhöhe der Jungsauen für 30 Minuten in die Bucht gehängt.

Alle Tiere waren zum Zeitpunkt der Impfung (Beprobungszeitpunkt =) PRRS-negativ. Die ersten Virusnachweise gelangen 12 Stunden nach der Impfung im Serum. Ab Tag 4 nach der Impfung waren alle Tiere virämisch, zeigten also Viren im Blut. Die ersten Nachweise im GenoTube®-Bluttupfer gelangen 36 Stunden nach der Impfung. Die Untersuchung der eSwabs®-Bluttupfer ergab im gesamten Zeitraum nur einen einzigen Virusnachweis. Im Speichel konnte an Tag 5 nach der Impfung Virus-RNA nachgewiesen werden.

Die Studie zeigt, dass Serumproben aus der Vena jugularis weiterhin der Goldstandard sind. Die Nachweisraten liegen höher als in den alternativen Probenmedien. Da Entnahme und Verarbeitung der alternativen Probenmaterialien allerdings deutliche Vorteile bieten, sollte versucht werden, diese Verfahren weiter zu verbessern. Mit Kaustricken gewonnene Speichelpoolproben sind durch ihre einfache und tierfreundliche Handhabung eine sinnvolle Ergänzung des PRRSV-Monitorings, schlussfolgern die Forscher. Für die Frühdetektion seien sie allerdings nicht geeignet. Die verwendete Methode mit eSwab®-Bluttupfern war entgegen der Ergebnisse anderer Studien nicht erfolgreich und sollte deshalb insgesamt nochmals untersucht werden.

*Studie: Könighoff, Philipp et al.: Vergleich von Probenmaterialien zur Früherkennung einer Infektion mit dem Virus des Porzinen Reproduktiven und Respiratorischen Syndroms. Tierärztliche Praxis Großtiere Nutztiere 2021; 49: 112-119

Erfolgreichere Aufzucht mit der „Kälberschule“

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Von Dr. Heike Engels

In vielen Arbeitsbereichen der Landwirtschaft haben sich standardisierte Arbeitsanweisungen bereits durchgesetzt. In der Kälberhaltung allerdings sind sie noch selten anzutreffen, obwohl sich Experten einig sind, dass sie helfen würden, Verluste in der Kälberaufzucht zu reduzieren. Denn standard operating procedures, kurz SOPs genannt, sind als Qualitätssicherungsmaßnahmen im Alltag ein probates Hilfsmittel. Sie helfen, Fehler zu vermeiden und verschaffen mehr Transparenz. Außerdem sparen sie Zeit, weil immer genau bekannt ist, was zu tun ist. Viele Landwirte und Tierärzte sehen auch genau diese Vorteile von SOPs, doch es fehlt ihnen schlichtweg die Zeit, diese Handlungsabläufe in Ruhe aufzuschreiben. Im Kälberaufzuchtbereich kann die „Kälberschule“ helfen: Sie stellt kostenlose online-Kurse zu wichtigen Themen in der Aufzucht von Kälbern bereit mit daran anschließenden SOP-Listen zum Ausdrucken.

Die „Kälberschule“ wird von der Tierklinik für Fortpflanzung der Freien Universität Berlin angeboten und aus Mitteln des Zweckvermögens des Bundes bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank gefördert. Sie ist Teil zweier Doktorarbeiten, die sich mit Kälbergesundheit und moderner Weiterbildung beschäftigt.

Die „Kälberschule“ bietet Kurse für eine gesunde Aufzucht von Kälbern.
Bisher gibt es u.a. folgende Themen:

• Wie mache ich eine richtige Erstversorgung des Kalbes nach der Geburt?
• Was kann ich zur Notfallversorgung tun?
• Wie füttere ich Kolostrum mit Flasche und Sonde?
• Wie pasteurisiere ich Kolostrum?
• Wie bestimme ich die Qualität des Kolostrums?
• Wie erkenne ich kranke Kälber?
• Wie führe ich eine schmerzfreie Enthornung durch?
• Wie lerne ich Kälber am Automaten an?
• Wie reinige und desinfiziere ich richtig?

Jeder Kurs beschreibt 3 Dinge: Was brauche ich? Wie mache ich es? Warum ist es wichtig?

Jede Arbeit wird Schritt für Schritt anhand von Fotos oder Videos erklärt. Man beginnt mit einem Online-Kurs und kann dann die Anleitung als PDF ausdrucken oder jederzeit als Video wiederholen. Nach den Kursen hat man Zugang zu druckfähigen Arbeitsanleitungen.
Hier kann man sich zu den Kursen anmelden. Die Teilnahme ist kostenlos.

Weitere Informationen unter www.kaelberschule.de